Hier Brandmauer, dort Monarchisten

Shoan Vaisi über deutsche Politiker, die den Schah-Sohn unterstützen und eine Bewegung legitimieren, die »Tod den Linken« ruft

Von SHOAN VAISI

Bild: Video-Screenshot auf Instagram

Die Proteste im Iran stehen für einen tiefen gesellschaftlichen Aufbruch. Millionen Menschen weltweit solidarisieren sich mit den Protestierenden, auch in Deutschland gehen Menschen auf die Straße – viele von ihnen seit Jahren politisch aktiv, viele mit Familienangehörigen im Iran, die von Verfolgung oder Gewalt betroffen sind. Sie steht für den gemeinsamen Kampf um Freiheit, Würde, Frauenrechte und politische Selbstbestimmung.

Doch sie wird sabotiert – ausgerechnet von jenen, die vorgeben, sie zu unterstützen: die wachsende Unterstützung für monarchistische Kräfte durch deutsche Politiker*innen. Innerhalb der Bewegung gegen das islamische Regime gewinnt seit Jahren eine Strömung an Einfluss, die lange randständig war: Monarchist*innen. Mehrere Iran-stämmige Politiker*innen – darunter SPD-Abgeordnete, der FDP-Generalsekretär, eine grüne Oberbürgermeisterin und zuletzt die Hamburger Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal (Grüne) – haben ihre Unterstützung für Reza Pahlavi erklärt, den Sohn des ehemaligen iranischen Diktators. Wörtlich sagt Blumenthal: »Ich unterstütze den Demokraten Reza Pahlavi.«

Doch Pahlavi existiert politisch nicht losgelöst von der Bewegung, die ihn trägt. Wer Pahlavi unterstützt, unterstützt auch die monarchistische Bewegung, die in seinem Namen auftritt. Auf monarchistischen Demonstrationen – auch in Deutschland – gehören Parolen wie »Tod den Linken« zum Repertoire. In Wien traten Monarchist*innen öffentlich auf und drohten Linken mit Hinrichtungen. Wörtlich wurde angekündigt, es werde »keine Linken mehr geben«, politische Gegner*innen würden auf den Straßen Teherans hingerichtet. Diese Aussagen sind dokumentiert, öffentlich und eindeutig.

Neben Blumenthal engagiert sich auch der Hamburger SPD-Abgeordnete Danial Ilkhanipour seit Jahren für Monarchisten und für Reza Pahlavi als politische Figur. Die Frage muss erlaubt sein: Unterstützen Sie auch die Parolen »Tod den Linken«? Wer diese Fragen nicht klar verneint, trägt zur Normalisierung autoritärer Gewaltfantasien bei. Besonders heuchlerisch wirkt dies, weil sich dieselben Akteur*innen hierzulande als antirassistisch, antifaschistisch und gegen Rechts positionieren. In Deutschland wird zu Recht eine Brandmauer beschworen. Geht es um den Iran, scheinen diese Maßstäbe plötzlich nicht mehr zu gelten. Progressive Werte lassen sich nicht geografisch relativieren.

Diese Doppelmoral zeigt sich auch medial. Journalist*innen, die hierzulande rechte Aufmärsche konsequent einordnen, begleiten monarchistische Demonstrationen ohne kritische Distanz. Auffällig ist Bamdad Esmaili, der mit dem gebührenfinanzierten Format WDRforU monarchistische Kundgebungen begleitet, ohne Gewaltaufrufe einzuordnen. Oder Michel Abdollahi, der vor rechter Normalisierung warnt, zugleich jedoch Pahlavi unterstützt. Diese Doppelmoral beschädigt nicht nur die Glaubwürdigkeit einzelner Politiker:innen und Journalist:innen, sondern auch die Solidarität mit den Protesten im Iran selbst.

Progressive Werte müssen auch dort gelten, wo sie unbequem sind, wo familiäre Bindungen eine Rolle spielen und wo rechte Kräfte in migrantischen Communitys erstarken. Wer in Deutschland gegen die AfD kämpft, aber im Iran-Kontext Monarchist*innen hofiert, hat ein Glaubwürdigkeitsproblem. Wer eine Brandmauer gegen Rechts fordert, darf sie nicht bei Bedarf einreißen.

Shoan Vaisi ist iranisch-kurdischer linker Aktivist. Er war gezwungen, aus politischen Gründen aus dem Iran zu fliehen. Seit 2011 lebt er in Deutschland, wo er auch über oppositionelle Bewegungen im Iran und im iranischen Kurdistan schreibt.

Erstveröffentlicht im nd v. 11.2. 2026
Hier Brandmauer …

Wir danken für das Publikationsrecht.

Video:
https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/wp-content/uploads/2026/02/video.mp4

AntiSiko 2026

Demonstration und Protest-Kette
gegen die NATO-Kriegstagung,

Samstag 14.02.’26 München , 13 Uhr Auftaktkundgebung am Stachus

14 Uhr Demonstration und Protestkette
Uhr Schlusskundgebung Marienplatz
www.sicherheitskonferenz.de

Beiträge Auftaktveranstaltung: Kurdische Frauen, Palästina spricht, Kerem Schamberger, Sevim Dagdelen, Grußwort: Proteste Enforce Tac

Beiträge Abschlusskundgebung: Ulrike Eifler, Michael von der Schulenburg, Nein zur Wehrpflicht, Academics 4 Justice und Grußworte u.a. Revolutionärer Block

Aus dem Bündnis Aufruf

Die Kriegsangst wird geschürt, jeden Tag eine neue Bedrohung: Drohnensichtungen, Sabotagemeldungen, Alarmismus – auf Basis von Falschbehauptungen statt Fakten. Ein neuer kalter Krieg wird heraufbeschworen. Alles um von sozialen Kürzungen und der endgültigen Militarisierung der Gesellschaft abzulenken. Wir sollen den Gürtel enger schnallen, am besten auf Kanonen wohnen und die Wehrpflicht schlucken.

Mit der Behauptung, Russland wolle die NATO angreifen, wird eine Aufrüstungsorgie begründet. Der abgewählte Bundestag schrieb unbegrenzte Sonderschulden ins Grundgesetz. So soll das Land „kriegstüchtig“ gemacht werden. Das zielt auf das Führen von Angriffskriegen mit der Gefahr eines Weltkriegs. Zur Verteidigung wäre das nicht notwendig.

Die Military Balance 2025-Studie1 belegt eine zwei- bis dreifache Überlegenheit der NATO gegenüber Russland im konventionellen Bereich. Selbst die US-Geheimdienste sagen, dass es keine Hinweise darauf gibt, dass Russland die NATO angreifen wolle. Die gegenteilige Behauptung ist reine Propaganda.

Meine Haupthese (Peter Vlatten):  In den vergangenen Jahren wurde Deutschland als "Primus inter Pares in Europa " als US Kettenhund vor allem gegenüber Russiand aufgebaut, um den USA den Rücken gegenüber China freizuhalten. Diese Rolle wurde im Zuge des Ukainekriegs dankend angenommen.  Diese Rolle steht in keiner Weise in Widerspruch zur internationalen  "Teile und Herrsche" Politik der USA und  Trumps Dealpolitik mit Putin. Deutschland schickt sich nun im Rahmen der Zeitenwende  an, sich weiter freizuschwimmen und unter seiner Führung einen eigenständigeren europäischen militärisch abgesicherten Großmachtblock - mit einem eigenen starken militärisch industriellen Komplex - zu bilden. Allerdings ist dieses Vorhaben - um Merz Worte aus anderen Zusammenhängen zu benutzen - tatsächlich komplex. Denn es stößt auf die Konkurrenz bisheriger Partner, zum Beispiel der USA, aber auch Frankreichs. Und man ist sich auch nicht mehr zu blöde, offen faschistische, demokratie-, frauen und minderheitenfeindliche Figuren wie den iranischen Shah-Sohn zu hofieren, explizit zu dieser Konferenz  einzuladen und das Wort zu erteilen! Die AFD steht in der Tür!

In Berlin findet am Samstag den 14.2.2026 eine lokale parallele Protestveranstaltung Antisiko Berlin 2026 statt:

Samstag, 14. Februar 2026, 13:00 Uhr
Potsdamer Platz, Berlin

Veranstalter FRIKO Berlin

Bundesweiter Aktionstag anlässlich der NATO-Kriegskonferenz in München.
Für die Verwirklichung der UN-Charta und das Selbstbestimmungsrecht der Völker!
Gegen den Staatsterrorismus der USA!

Alle weiteren Infos zum Anitisiko Bündnis in München unter dem folgenden Link: https://www.sicherheitskonferenz.de

Skandalurteil gegen IG Metaller: wer Demokratie gegen Rechtsextremismus verteidigt soll sich in Acht nehmen!

Wir hatten Mitte Januar mit als erste zur Unterstützung einer Petition aufgefrufen und über den Fall berichtet: „Engagiertem Antifaschisten und IG Metaller droht Verweigerung der Staatsbürgerschaft und Abschiebung in Iran!“

Es geht um die Zurückweisung eines weiteren Präzedenzfalls, migrantische Kolleg:innen für ihr antifaschistisches und gewerkschaftliches Engagement gezielt einzuschüchtern und abzustrafen!

Danial Bamdadi kämpft gegen Rechtradikalismus in den Betrieben. Besonders aktiv war und ist er beim von der IG Metall mitinitierten „Verein zur Bewahrung der Demokratie“.

Das Ausländeramt Rems-Murr-Kreis verweigerte Ende letzten Jahres Danial den deutschen Pass und begründete dies mit dem Vorwurf „linksextremistischen“ Engagements. Gegen diese Entscheidung – basierend auf unbewiesenen und inzwischen sogar widerlegten Behauptungen des Verfassungschutzes – hatte Danial Klage beim Stuttgarter Verwaltungsgericht eingereicht.

Danial war als Jugendlicher aus dem Iran vor den Mullahs nach Deutschland geflohen, hatte sich voll intergriert, beherscht die deutsche Sprache perfekt, hat Abitur gemacht und studiert. Nun droht ihm wegen seines gewerkschaftlich demokratischen und sozialen Engagements die Abschiebung zurück ins Mullah Regime.

Inzwischen haben über 17 Tausend Menschen die Petition unterschrieben, darunter namhafte Vertreter:innen der IG Metall und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Die ehemalige SPD Justizministerin Däubler Gmelin hat seine Rechtsvertretung mit übernommen. Während des Prozesses konnten Behauptungen des Verfassungschutzes als komplett falsch widerlegt werden. Andere Vorwürfe blieben ominös und ohne Beweise. Geholfen hat das alles nichts. Das Gericht hat diese Woche Montag Danials Klage zurückgewiesen. Allein aufgrund „dubioser Verfassungsschutzmeldungen“. Rein auf Grundlage von „Anhaltspunkten“, nicht Beweisen. Es bleibt bei der Entscheidung des Ausländeramts. Danial darf der deutsche Pass verweigert werden.

Das Urteil hat eine Schockwelle ausgelöst. Die unter der „Staatsräson“ eingeschlagene Praxis, palästinasolidarischen Menschen die Einbürgerung zu verweigern, wird jetzt auf alle Ausländer:innen ausgedehnt. Das allgemeine Signal: demokratisches Engagement für Ausländer:innen ist besonders gefährlich und wird bestraft. Diese Rechtssprechung ist selektiv und rassistisch: denn sie trifft besonders Nichtdeutsche. Und sie trifft ganz besonders hart diejenigen Nichtdeutschen, in deren Heimatländern wie im Fall von Danial brutale Diktatoren herrschen.

Da das Stuttgarter Gericht sogar die Möglichkeit der Berufung ausgeschlossen hat, will Danial jetzt einen Antrag auf Einspruch beim Verwaltungsgericht Baden-Württemberg stellen. Damit er erfolgeich ist, braucht er dazu unser aller Rückendeckung.

FB Aufruf IG Metall B.-W.

Stellungnahme der IG Metall Baden-Württemberg

Wir sind schockiert zu erfahren, dass die Klage von unserem Kollegen Danial abgelehnt wurde. Es macht uns traurig, zu sehen, wie die Existenz unseres Kollegen instrumentalisiert wird.

„Was ich jetzt fühle, ist weitaus mehr als Enttäuschung. Es geht um meine Existenz. Aber dieser Fall betrifft nicht nur mich: Es geht darum, wie weit der gesellschaftliche Rechtsruck schon fortgeschritten ist – und ob demokratisches Engagement heute bestraft wird,“ sagt Danial.

Er ist Gewerkschafter, Migrant, politisch engagiert. All das, was ihn zum Feind für extreme Rechte macht. Seit 2020 arbeitet er für den von der IG Metall mitinitiierten Verein zur Bewahrung der Demokratie. Ein Verein, der eben das schützen und ausbauen soll, was er scheinbar nicht respektiere. Als Gewerkschafter ist es für ihn selbstverständlich, an Demonstrationen teilzunehmen – wie es Millionen andere Menschen auch tun, die sich gegen Rechtsradikalismus einsetzen. Dass ihm daraus nun ein extremistisches Motiv konstruiert wird, zeigt ein gefährliches Muster.

Mit Danial oder seinen Äußerungen vor Gericht hat das Urteil nichts zu tun. In dreieinhalb Stunden Kreuzverhör konnte Danial alle Punkte, die ihm vorgeworfen werden, glaubhaft entkräften. Aus der Erklärung, die das Gericht herausgegeben hat, können wir entnehmen, dass ihm heute ein Strick daraus gedreht wird, zu welchen Personen er Kontakte pflegt. Dass das Gericht Danial rein mittels Kontaktschuld dem gewaltbereiten Linksextremismus mitschuldig macht, schockiert uns zutiefst.

Auch wenn unsicher ist, wie es weiter geht, kann Danial sich auf eines verlassen: Er weiß, dass die vielen Tausend Menschen, die hinter ihm stehen, weiter solidarisch bleiben. Danial sagt: „Dafür möchte ich euch allen ausdrücklich danken. Nur mit eurer Solidarität kann ich diesem Druck standhalten.“

Wir fragen uns, wie ein Votum des Verfassungsschutzes so zentral sein kann, wenn dort nachweislich falsche Behauptungen auftauchen. Wir hätten erwartet, dass belegbare Fakten mehr zählen.

Der Fall ist keine reine Angelegenheit der IG Metall. Demokratisch antifaschistisches Engagement in den Betrieben muss geschützt werden. Auch im öffentlichen Dienst, an Schulen, am Bau und im Gaststättengewerbe, überall. Es ist wünschensert, wenn auch Ver.di, GEW, IG Bau usw. gegen das Schockurteil aus Stuttgart Flagge zeigen und analog der IG Metall Stellungnahmen verfassen.

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