Yanis Varoufakis: Trumps Zölle, Deutschlands Wirtschaft, Marine Le Pen und die Ukraine

10.04.25 – acTVism Munich, 16.4.25 Pressenza

Vor einem Jahr wurde mit zweifelhaften – einer Demokratie unwürdigen Methoden und Begründungen- in Berlin ein Palästinakongress aufgelöst. Im Vorfeld wurde Yanis Varoufakis die Einreise zur Teilnahme nach Deutschland verboten. Ebenso eine Videoschalte zum Kongress. Varoufakis schildert am Anfang des folgenden Interviews seine Odysee durch das Dickicht und Wirrnis deutscher Behörden. Da bleibt einem die Spucke weg. (Anmerkung Peter Vlatten)

In dieser Folge von Die Quelle spricht der leitende Redakteur Zain Raza mit dem weltbekannten Wirtschaftswissenschaftler Yanis Varoufakis über die wirtschaftlichen Gründe hinter der jüngsten Zollpolitik von Präsident Donald Trump und ihre globalen Auswirkungen. Anschließend geht es um die deutsche Wirtschaft und die Frage, ob der Entwurf der neu gebildeten Koalitionsregierung das Land auf den Weg der Erholung bringen kann. Außerdem wird das jüngste politische Verbot der rechtsextremen französischen Politikerin Marine Le Pen diskutiert, die aufgrund ihrer Verurteilung für die Veruntreuung von EU-Mitteln zur Finanzierung von Mitarbeitern ihrer nationalen Partei effektiv von der Präsidentschaftswahl 2027 ausgeschlossen wurde. Die Folge schließt mit einer Analyse des anhaltenden Krieges in der Ukraine sowie des israelischen Militärangriffs auf Gaza.

Dieses Video wurde von uns ursprünglich am 10. April 2025 auf Englisch veröffentlicht.

Um die vollständige Abschrift zu diesem Video zu lesen: Yanis Varoufakis im Interview – Trumps Zölle, Deutschlands Wirtschaft, Marine Le Pen und die Ukraine

Titelbild: Screenshot Quelle Diem2t5

Gaza – 2 Millionen sollen ausgehungert werden – zum 1.Mai kein Thema!

Im Gazastreifen verhungern die Menschen. Lebensmittellieferungen sind gestoppt, Trinkwasser-, Stromversorgung, Krankenhäuser zerstört. Israel will die Angriffe ausweiten, zieht Reservisten ein.
Netanjahu hat gut gepokert: während Biden Druck machte zu verhandeln (was zur Befreiung der meisten Geiseln führte) setzt Trump der Gewalt Netanjahus gegen die Menschen im Gazastreifen, im Westjordanland, in Syrien, dem Libanon keine Grenzen. Trump und Netanjahu zwei Brüder im Geiste, zwei Verbrecher gegen die Menschlichkeit und die Welt schaut hilflos zu…

Ich bin fassungslos. Gaza kommt weder heute, noch gestern in der Tagesschau vor. Die faschistische Regierung lässt nun keine Hilfslieferungen mehr rein. Die Menschen sollen nun endgültig, abschließend durch verhungern, verdursten oder korrespondierende Krankheiten ermordet werden.

Und kein Wort in der Tagesschau. Stattdessen eine Militärparade in Vietnam, ein Kletterer im Fußballstadion und irgendeine Grotte. Ich bin fassungslos, noch einmal.

Mit deutschen Waffen wieder Mal eine Minderheit umgebracht. Ihr alle, die ihr die Verbrechen der israelischen Regierung rechtfertigt seid in meinen Augen die Leute, die bei der Abholung der jüdischen Nachbarn durch die SS nichts gesehen haben will.

Haben wir denn aus der Vergangenheit nur gelernt, dass wir die schlimmsten Verbrechen einer israelischen Regierung hinnehmen müssen. Nein, gelernt habe wir, dass wir nie wieder Krieg wollen, nie wieder Faschismus. Und nun? Alles vergessen? Er brennt die Häuser in Gaza nieder und wir bewaffnen ihn.

Ihr tut mir nicht mehr leid. Die Palästinenser tun mir leid. Ihr habt einen tiefen Graben gezogen, zwischen den Meinigen und euch. Die Spaltung der Gesellschaft nimmt für mich immer mehr Gestalt an. Ihr, die ihr euch zurück entwickelt in die dunkelste Zeit der deutschen Geschichte. Und wir, die alles dafür tun dies zu verhindern.

Foto: Gaza, wie es mal aussah, 2007, Wikimedia commons

Es ist herzlos und ein absolutes Armutszeugnis,dieses Drama Tag für Tag zu ignorieren.Schwer auszuhalten

Mir geht es genauso. Man kann jetzt – leider – irgendwie nachvollziehen, wie/warum der letzte Holocaust stattfand. Auch dieses Mal weiß man es genau und wir tun – was???

Der Skandal des Tages war die vorübergehende Festnahme einer amerikanischen Jüdin auf der DGB Demo durch eine Polizei die Zensur für die Staatsräson durchführte. Das Plakat „Another Jew for free Palestine“ wurde beschlagnahmt! Wir müssen weiter gegen diesen Angriff auf unsere Rechte vorgehen.

Nachtrag zu vorgestern: Das historische Kalenderblatt.

Mit der Einnahme von Saigon (Sài Gòn) durch Einheiten der Nationalen Front für die Befreiung Südvietnams (NLF) und der Vietnamesischen Volksarmee endete vor 50 Jahren der Vietnamkrieg.

Der Krieg kostete einen Blutzoll von bis zu 3 Millionen Toten, Millionen Verwundete und über Generationen durch chemische Kampfstoffe Geschädigte, ein verwüstetes Land und riesige kontaminierte Territorien.

Aber der Sieg eröffnete den Weg zur Wiedervereinigung des geteilten Landes ein Jahr später.

Erstmals seit fast 120 Jahren standen keine ausländischen Truppen mehr im Lande, und das vietnamesische Volk bekam die Chance, seine Zukunft ohne fremde Einmischung gestalten – sei es chinesische, französische, japanische oder US-amerikanische …

Ich war zwar damals noch sehr jung, aber ich weiß es noch wie heute, für den kommenden Feiertag hieß es:

„Alle auf die Straße,
rot ist der Mai!
Alle auf die Straße,
Saigon ist frei!

Ein kleines Highlight am 1.Mai 2025 Berlin:
Metaller: „Keine Waffen für Israels Krieg in Gaza“

Another Jew for a free Palestine: das Plakat wurde von der Polizei am 1. Mai auf der DGB-Demo beschlagnahmt. Die Zensur ist unerträglich. Staatsräson sucks.

Der „Geist von Saigon“ schwebt über Kiew

Am 30. April hat sich vor genau einem halben Jahrhundert Vietnam vom imperialen Joch der USA und seinem bankrotten Satellitenregime in Saigon befreit. Ein Freuden- und Gedenkfeiertag für alle Vietnames:innen. Nicht so für Selenskij, für den diese Befreiung Grund für eine Warnung ist. Aber Geschichtsrevisionismus und Verbiegung von Gedenktagen feiern ja gerade Hochkonjunktur auch in Deutschland. Ungewollt hat sich Selenskij mit seiner Gleichsetzung als „Erfüllungsgehilfe“ der USA bzw. des „Westens“ geoutet. Unsere vietnamesische Korrespondentin Cathrin Karras hat dazu eine klare Meinung.(Peter Vlatten)

Der „Geist von Saigon“ schwebt ueber Kiew

Cathrin Karras, 28.4.2025

In der Ukraine werden Darstellungen des Zusammenbruchs der von den USA unterstuetzten Regierung in Suedvietnam 1975 unverhohlen als Mahnung an die US-Regierung herangezogen, ein aehnliches Ergebnis gegenueber Russland heute nicht zuzulassen.

Das regierende Regime in Kiew versucht verzweifelt, die Unterstuetzung der USA aufrechtzuerhalten, da eine Niederlage im NATO-Stellvertreterkrieg in der Ukraine droht. Es verweist auf den Zusammenbruch der Regierung in Suedvietnam im April 1975 und warnt, dass Aehnliches auch in der Ukraine passieren koennte. Die damalige Niederlage der USA in Vietnam war ein schwerer Schlag fuer das Ansehen und die Stellung der USA in der Welt.

Solche Aeusserungen des Kiewer Regimes offenbaren die Erkenntnis, dass die Ukraine zu einem Satellitenstaat der Vereinigten Staaten geworden ist – genau wie Suedvietnam vor einem halben Jahrhundert allgemein als solcher anerkannt wurde. Damals wie heute versuchen Washington und seine Verbuendeten, ihre wirtschaftliche und militaerische Dominanz in der Welt zu behaupten.

Die ukrainischen Medien berichten ausfuehrlich ueber den bevorstehenden 30. April. An diesem Tag vor 50 Jahren endete der quasi-genozidale Amerikanische Krieg (wie er in Vietnam genannt wird) endgueltig. An diesem Tag verfolgte die Welt in den Medien den Fall Saigons. Bilder von der Evakuierung der letzten US-Soldaten und ihrer Kollaborateure per Hubschrauber vom Dach der US-Botschaft waren weltweit zu sehen.

Doch in der ultranationalistischen Ukraine – deren territoriale Kontrolle ueber die Ost- und Suedukraine weiter schrumpft – werden Darstellungen von 1975 nun unverschaemt als Mahnung an die US-Regierung herangezogen, ein aehnliches Ergebnis gegenüber Russland heute nicht zulassen zu duerfen. Die USA seien verpflichtet, die Ukraine mit genuegend Waffen und militaerischer Unterstuetzung zu versorgen, um eine militaerische Niederlage im NATO-Stellvertreterkrieg zu verhindern.

Die ukrainische Onlinezeitung Strana schrieb am 6. April, dass Kiew heute ebenso machtlos sei wie Saigon damals, die militaerischen Entscheidungen der USA zu beeinflussen. Sie weist auf die Aehnlichkeiten im Korruptionsgrad der suedvietnamesischen und ukrainischen Behoerden hin. Suedvietnam war fuer sein Ueberleben vollstaendig von westlicher Finanzhilfe abhaengig, und die Ukraine bietet im Jahr 2025 ein aehnliches Bild.

Schon vor einem Jahr raeumte Oleksiy Arestovich, ein ehemaliger Berater des ukrainischen Praesidialamts, der heute im US-Exil lebt, ein, dass die Ukraine fuer die USA das heutige Suedvietnam sei. Die USA haetten Suedvietnam nicht „retten“ koennen und wuerden das Kiewer Regime auch nicht retten koennen, sagte er in einem Interview. Auch der ukrainische Oekonom Oleksiy Kushch zieht eine Parallele zwischen der Ukraine und Suedvietnam und erinnerte seine Leser am 3. April auf Telegram daran, dass die USA stets ihre eigenen Interessen priorisieren.

Der ehemalige ukrainische Abgeordnete Artem Dmytruk betonte, Kiews Problem sei, dass die Machthaber in der Ukraine die Geschichte nicht kennen und auf unbegrenzte Unterstuetzung der USA angewiesen seien. „Nur wenige Machthaber in der Ukraine kennen die Geschichte; sie wollen sie nicht kennen. Sie wissen nichts ueber Vietnam, Afghanistan und den Irak. Wenn ein Verbuendeter fuer Amerika nicht mehr nuetzlich und notwendig ist, gibt es ihn im Austausch fuer eine Art Abkommen auf“, schrieb er aus dem Exil in London.

Titelbild: Collage Peter Vlatten

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