Spanien: Integration im Gemüsebeet

Eine Finca schließt eine Lücke im spanischen Migrationssystem

Von Anika Reker

Der Artikel zeigt naheliegende Antworten auf die sog. Flüchtlingskrise. Menschliche Perspektiven in einer Zeit der Barbarei. Kooperation, Selbstermächtigung und Entwicklung von Menschen und ihrer Fähigkeiten. (Jochen Gester)

Bild: pixabay

Ein sonniger Samstagvormittag auf der Finca »La Petite« in der andalusischen Provinz Cádiz: Das vietnamesische Hängebauchschwein Roberta wälzt sich zufrieden im Schlamm, während Hühner zwischen Ponys und Ziegen nach Insekten picken. Nach und nach treffen die Mitglieder der Stiftung »Esperanza en Acción« (»Hoffnung in Aktion«) ein. Familien mit Kindern zieht es zuerst zu den Tiergehegen und dem selbstgebauten Spielplatz. An der Freiluftbar schenken Freiwillige Getränke aus. Schräg gegenüber werden Gemüsekisten verteilt – 55 sind es heute.

Der Inhalt dieser Kisten stammt aus dem Bildungsgarten, der sich im Zentrum des Geländes befindet. »Hier wachsen Möhren, dort drüben Bohnen, dort Salate«, erklärt Pape, der vor anderthalb Jahren aus dem Senegal nach Spanien gekommen ist. »Das hier ist Mangold – den kannte ich von zu Hause gar nicht. Auch Spinat nicht. Das habe ich alles erst hier kennengelernt.« Er zeigt auf die verschiedenen Gemüsesorten, die er und die anderen Finca-Bewohnenden in diesem Jahr ausgesät haben.

Im November 2023 erreichte Pape nach siebentägiger Bootsfahrt von seiner Heimatstadt Dakar aus die kanarische Insel El Hierro. Auf seinem Tiktok-Kanal zeigt er ein Video: Über 300 Menschen in orangefarbenen Schwimmwesten, dicht an dicht gedrängt auf engstem Raum. Die Reise sei sehr hart gewesen. Nicht alle an Bord hätten überlebt. »Ab dem vierten Tag hatten wir kein Essen und kein Wasser mehr. Keine Medizin. Sechs Menschen seien gestorben. Wir mussten sie ins Meer werfen«, erinnert er sich mit zitternder Stimme.

Endlich wieder ein Zuhause

Von den Kanaren aus gelangte Pape mithilfe des Roten Kreuzes aufs spanische Festland. Er beantragte Asyl und verbrachte die nächsten drei Monate in einer Unterkunft. Dort bestimmte der für solche Unterkünfte typische triste Alltag sein Leben: wenig Beschäftigung, viel Zeit für dunkle Gedanken. Hier, auf der Finca »La Petite« ist nun alles anders: »Ich stehe gegen 5 Uhr auf, gehe duschen und danach bete ich, ich bin schließlich Muslim. Gegen 7 Uhr trinken wir Kaffee und dann arbeiten wir.«

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Während Pape in den Beeten steht und von seinen Erfahrungen spricht, stoßen Paki Ortega und ihr Ehemann Ermindo dazu. Die beiden leben nur wenige Kilometer entfernt. Seit über drei Jahren sind sie Mitglieder der Stiftung, über die sich das Programm überwiegend finanziert, und zahlen monatlich einen Beitrag von 20 Euro pro Person. Als Dankeschön können sie einmal pro Monat eine Kiste mit Gemüse aus dem Garten abholen. Im Biosupermarkt würden sie für insgesamt 40 Euro deutlich mehr bekommen – das wissen sie. »Wir unterstützen das Projekt vor allem wegen des sozialen Aspekts. Darum geht es uns«, sagt Paki.

»Wenn die staatlichen Hilfen für Menschen, die auf illegalem Wege nach Spanien kommen, auslaufen, dann führt der Weg häufig in die Obdachlosigkeit. Viele kommen da dann nicht mehr raus.« José Gonzáles Díaz
Gründer von »Esperanza en Acción«

Für den Stiftungsgründer José Gonzáles Díaz ist es wichtig, dass Unterstützer*innen wie Paki und Ermindo regelmäßig die Finca besuchen. »Deshalb liefern wir die Kisten nicht aus. Unsere Mitglieder sollen herkommen und die Menschen kennenlernen, die hier leben. So können sie sich nach und nach ein soziales Netz vor Ort aufbauen«, erläutert er. Gerade hat er eine Tour über das Gelände mit potenziellen neuen Stiftungsmitgliedern beendet und lässt sich auf einer aus alten Paletten zusammengezimmerten Bank unter einem Obstbaum nieder.

Rund 220 Menschen unterstützen die Initiative derzeit finanziell. Auch die Stadt Chiclana beteiligt sich mit einem Zuschuss. Für dieses Jahr sind auch Fördergelder beantragt. Dank dieser Mittel kann die Finca Pape und aktuell vier weiteren jungen Männern ein Zuhause bieten, während sie auf die Bearbeitung ihrer Asylanträge oder eine Arbeitserlaubnis warten. Essen, Kleidung, Arztbesuche und ein monatliches Taschengeld in Höhe von 100 Euro – all das wird über die Stiftung finanziert.

Der 2,5 Hektar große Bauernhof befindet sich im Besitz der Familie von Josés Ehefrau Rocio Martínez, die an diesem Vormittag hinter der Bar steht. »Dass uns das Gelände seit fünf Jahren kostenlos zur Verfügung steht, ist eine der größten Unterstützungen, die wir bekommen«, erzählt José. Unter der Woche geht er seinem Job als Anwalt nach.

Sprachkurse und Handwerk

Auf der Finca lernen die Teilnehmenden an dem Programm nicht nur, wie man Gemüse anbaut. Am Nachmittag gibt es Kurse, die von etwa 30 Freiwilligen ehrenamtlich gestaltet werden. Spanisch, Bewerbungstrainings und andere praktische Kurse wie Schweißen, Tischlern oder Maurern stehen auf dem Programm.

Die Ergebnisse dieser Arbeit sind überall auf dem Gelände sichtbar – der Kinderspielplatz und die Bank, auf der José sitzt, sind nur zwei davon. »Die Menschen sind dankbar dafür, dass sie etwas zurückgeben können. Sie fühlen sich gebraucht, und wir wertschätzen ihren Beitrag sehr«, sagt er.

Ein festes Programmziel besteht außerdem darin, den Bewohnenden ihre erste Arbeitsstelle in Spanien zu vermitteln. Dafür arbeitet »Esperanza en Acción« eng mit Firmen in der Umgebung zusammen – darunter Bauunternehmen, Restaurants und Hotels, eine Gärtnerei, eine Elektrofirma und ein Metallbauer.

Seit dem Projektstart vor fünf Jahren haben 16 Personen das Programm durchlaufen. Einer davon ist der 25-jährige Abdou aus Gambia, dem die Stiftung erfolgreich eine Art Ausbildungsvertrag in einer kleinen Tischlerei vermitteln konnte.

Seit seinem Auszug vor einigen Monaten besucht er fast jeden Samstag den Hof und hilft freiwillig im Garten. Auch heute ist er gekommen, sortiert in der alten Scheune mit seinen ehemaligen Mitbewohnern frische Eier in Kartons und erklärt dabei, warum er an seinem freien Tag freiwillig früh aufsteht: »Ich liebe Gartenarbeit und war einfach sehr zufrieden. Rocio und José haben mir so sehr geholfen hier. Es war einfach ein großes Glück, dass sie mich hier aufgenommen haben.«

Nach seiner Ankunft in Spanien hatte Abdou, genau wie Pape, einige Monate in einer Asylunterkunft verbracht. Er habe jedoch kein Asyl beantragt, weil er aus anderen Gründen nach Spanien gekommen sei. Migrant*innen, die keinen Asylantrag stellen, sondern vor allem eine Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis erlangen wollen, werden vom spanischen Staat nur in den ersten Monaten nach Ankunft unterstützt. Abdou wäre deshalb beinahe auf der Straße gelandet und hätte sich irgendwie mit illegalen Jobs durchschlagen müssen. Dann wurde auf der Finca »La Petite« ein Platz frei.

Die Stiftung half ihm dabei, einen legalen Aufenthaltstitel nach dem spanischen Prinzip des »Arraigo« (Verwurzelung) zu erhalten. Spanien ist das einzige Land in der Europäischen Union, das eine Aufenthaltserlaubnis erteilt, wenn jemand im Land Fuß gefasst hat – das kann zum Beispiel familiärer oder beruflicher Natur sein.

Um eine berufliche »Verwurzelung« zu erlangen, brauchen Migrant*innen ein Stellenangebot oder – wie in Abdous Fall – einen Ausbildungsvertrag. Um den Antrag zu stellen, muss man außerdem einen festen Wohnsitz vorweisen und eine bestimmte Zeit im Land verbracht haben. Genau an dieser Stelle setzt die Stiftung an, erläutert Gründer José: »Wir füllen hier eine Lücke, die von der öffentlichen Verwaltung nicht ausreichend abgedeckt wird. Wenn die staatlichen Hilfen für Menschen, die auf illegalem Wege nach Spanien kommen, auslaufen, dann führt der Weg häufig in die Obdachlosigkeit. Viele kommen da dann nicht mehr raus.«

Bisher betrug die Zeit für eine solche »Verwurzelung« ab der Wohnsitzanmeldung drei Jahre. Mit einer Reform des Einwanderungsrechts, die seit Mai 2025 in Kraft ist, wurde diese Zeit auf zwei Jahre reduziert. Diese Verkürzung begrüßt José sehr, denn so müssten Zugewanderten zumindest weniger Zeit in der Illegalität verbringen. Die wenigen Plätze, die auf der Finca zur Verfügung stünden, würden schneller wieder frei.

Einen anderen Punkt der Reform findet er allerdings mehr als ungerecht. Bisher war es so: Wer in Spanien ankam und zuerst einen Antrag auf Asyl stellte, der dann nach einigen Monaten oder Jahren abgelehnt wurde, konnte diese Wartezeit auf die »Verwurzelung« anrechnen lassen. Das ist seit der Reform nicht mehr möglich, wird ein Asylantrag abgelehnt, beginnt man sozusagen wieder bei null. »Die Gruppe der Asylbewerbenden wird dadurch benachteiligt. Sie haben sich für den Weg des Asyls entschieden, weil sie das in dem Moment für die beste Option gehalten haben, nun werden sie dafür in gewisser Weise bestraft.«

Der Asylantrag, den Pape bei seiner Ankunft in Spanien vor etwa anderthalb Jahren stellte, wurde bisher weder bewilligt noch abgelehnt. Der 35-Jährige nimmt es jedoch gelassen und macht sich wenige Gedanken über das, was passieren könnte. »Ich muss jetzt halt warten, und wenn es länger dauert, dann ist das eben so. Angst habe ich keine«, sagt er schulterzuckend, während er am Herd steht und in einem großen Kochtopf rührt. Er hat sich nach dem Trubel am Vormittag ins Wohnhaus zurückgezogen und bereitet ein Gericht aus seiner Heimat für sich und seine Freunde zu: »Poulet Yassa«, Hühnchen mit Reis.

Für ihn steht fest: Zurück nach Afrika will er nicht, auch wenn er seine Eltern und Geschwister sehr vermisst. »Das Leben im Senegal ist sehr schwierig. Man arbeitet den ganzen Tag und verdient trotzdem nur fünf Euro. Davon kannst du dir kaum was leisten, keinen Arzt bezahlen.« Sobald Pape seine Arbeitserlaubnis hat, möchte er am liebsten in einer Autowerkstatt arbeiten und seiner Mutter mindestens 250 Euro monatlich schicken. »Ich habe viel Hoffnung, dass das klappt.«

Auch José und Rocio sind guter Dinge. Sie wollen die Initiative weiter ausbauen, um mehr Plätze anbieten zu können. Außerdem wünschen sie sich, dass mehr Migrant*innen von der Idee, ökologische Landwirtschaft und Integration zu kombinieren, profitieren können – in Spanien und anderswo in Europa. Beide können sich vorstellen, in Zukunft als Mentor*innen anderen Projekten auf ihrem Weg zu helfen.

Erstveröffentlicht im nd v. 16.9. 2025
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1194101.migration-spanien-integration-im-gemuesebeet.html

Wir danken für das Publikationsrecht.

Exarcheia: Das „gallische Dorf“ in Athen. – Film und Diskussion


Ort : Regenbogenkino, Lausitzer Strasse 22, Berlin-Kreuzberg
Zeit : 19.30 Uhr am 4. September 2025


Bild: flickr

Wir zeigen den Dokumentarfilm „Wir haben keine Angst vor Ruinen !“ des französisch-griechischen Regisseurs Yannis Youlountas aus dem Jahre 2024. *
Achim Rollhäuser*, der Exarcheia seit Jahrzehnten gut kennt, liefert Kontext und wird sowohl von den aktuellen Kämpfen in Exarcheia wie über den Stand der Migrationsabwehr und andere politische Themen in Griechenland berichten.

Der Film beschäftigt sich mit den Angriffen der neoliberalen griechischen Regierung unter Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis (Nea Dimokratia) auf antiautoritäre Strukturen im Athener Stadtteil Exarcheia während der Jahre 2019 – 2024. Mitsotakis hatte beim Antritt seiner Regierung 2019 vollmundig versprochen, in dem als Hochburg der autonomen Szene geltenden Stadtteil binnen eines Monats „aufzuräumen“. Bis heute hat das glücklicherweise nicht funktioniert.

Im Gegenteil : Der Film zeigt eindrucksvoll und ergreifend, auf welch hohem intellektuellen und praktischen Niveau die anarchistischen Selbstverwaltungsstrukturen in Exarcheia agieren, um den permanenten Angriffen des griechischen Staates wirkungsvoll zu begegnen. Der Film erschöpft sich hierin jedoch nicht, sondern zeigt weitere Politikfelder auch in anderen Teilen des Landes auf, in denen sich Anarchist*innen engagieren.

In dem Film kommen zahlreiche Aktivist*innen zu Wort, von denen wir eine Menge darüber lernen können, wie praktische Politik im Alltagsleben – jenseits der „großen“ Politik – aussehen muss, um wirkungsvoll im Interesse der Nachbarschaft zu intervenieren.

Der Film ist in griechischer Sprache mit deutschen Untertiteln.
Der Eintritt ist frei – eine kleine Spende wird erbeten.

*Veranstalter*: Bündnis Griechenlandsolidarität Berlin, SoliOli und Regenbogenfabrik.
Unterstützt von der Rosa-Luxemburg-Stiftung


Link zur Ankündigung im Internet: https://griechenlandsoli.com/2025/07/30/exarcheia-das-gallische-dorf-in-athen-film-und-diskussion/ <https://griechenlandsoli.com/2025/07/30/exarcheia-das-gallische-dorf-in-athen-film-und-diskussion/>


„feministisch, solidarisch, gewerkschaftlich“ – Heraus zum Frauenkampftag (1)

Ein breites feministisches, stadtpolitisches und gewerkschaftliches Bündnis ruft zur Demonstration am Internationalen Frauentag auf.

Gemeinsam sind wir stark! Komm am 8. März 2025 mit Kolleginnen, Freundinnen, Nachbar*innen und Familieauf die Straße!
Treffpunkt: 8. März 2025 12:30 Uhr, Oranienplatz, Abschlusskundgebung vor dem Roten Rathaus

„feministisch, solidarisch, gewerkschaftlich“

Wir gehen auf die Straße für eine friedliche Welt, in der alle Menschen gleiche Chancen und Rechte haben – unabhängig von Geschlecht, Herkunft, sexueller Orientierung oder anderen Zuschreibungen. Wir müssen Druck machen. Denn seit Jahrzehnten steht die Daseinsvorsorge unter Druck. Investitionen fehlen und eine neue Kürzungswelle rollt auf uns zu – auf Kosten von Bildung, Mobilität, Gesundheitsversorgung und sozialer Infrastruktur. Es fehlen Mittel für Gewaltprävention, Frauenhäuser und Zufluchtswohnungen. Mit der Schuldenbremse zementiert der Staat diese Politik, obwohl sie unsere Zukunft gefährdet.

Rechte Kräfte nutzen die Folgen von Kürzungspolitik und gesellschaftlicher Spaltung, um ihre Hetze zu verbreiten. Sie bekämpfen die Rechte von uns Frauen, queeren Personen, Migrant*innen und Geflüchteten und machen uns zu Sündenböcken für Missstände, die ganz andere Ursachen haben.

Wir brauchen ein Ende dieser Schuldenbremse und eine wirksame Erbschafts- und Vermögenssteuer. Wir brauchen ein Gemeinwesen, das alle trägt: Niemand darf durch das soziale Netz fallen. Wir brauchen Gute Arbeit, Selbstbestimmung und Gleichberechtigung.

  • Umverteilung von Sorgearbeit und Arbeitszeiten, die zum Leben passen!
  • Besseren Schutz vor sexueller Belästigung und sexualisierter Gewalt, auch am Arbeitsplatz!
  • Entgeltgleichheit und gute Löhne durch Tarifbindung auf hohem Niveau – überall!
  • Solidarität mit streikenden Kolleg*innen!
  • Diskriminierungsfreie Bildung und Chancengleichheit!
  • Gleichstellung in der Transformation und eine geschlechtergerechte Wirtschafts- und Finanzpolitik!
  • Bessere Arbeitsbedingungen und Entlohnung in den Bereichen Gesundheit, Erziehung und Soziales!
  • Weg mit dem § 218!

Das gute Leben für alle ist möglich – wenn wir es gemeinsam erkämpfen. Ob für sexuelle Selbstbestimmung oder Löhne, die für ein gutes Leben reichen. Unsere Alternative heißt Solidarität!

Rechten Spaltungsversuchen und Hass stellen wir Solidarität und Vielfalt entgegen. Der 8. März ist unser Tag, um zu zeigen: Wir sind viele und wir kämpfen für eine gerechte Zukunft.

Kommt mit uns auf die Straße – für eine feministische Zukunft und ein solidarisches Jetzt!

hier zum Flyer des Bündnisses

Hier: wie der soziale Kahlschlag zur Finanzierung der militärischen Hochrüstung vor allem auch Frauen trifft!

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Unsere Anmerkungen

In Berlin findet zum Frauenkampftag eine große Vielfalt an Veranstaltungen statt.

Wir vom Forum Gewerkschaftliche Linke Berlin würden uns wünschen, dass sich die vielfältigen emanzipatorischen Aktivitäten zum Frauenkampftag mehr zusammenfinden. Überlappend zur Demonstration des stadtpolitischen und gewerkschaftlichen Bündnisses findet auch dieses Jahr wieder (2024 mit 14 000 Teilnehmern das größte Event) die Demonstration Down with Imperialist Feminism statt. Besonderer Kritikpunkt ist der zunehmende Missbrauch des Begriffs „Feminismus“ als false flag für imperialistische Ziele, wie ihn nicht zuletzt die Ampelregierung praktiziert hat. „Emanzipatorisch“ kann aber doch nur bedeuten, gegenüber der eigenen Instrumentalisierung wachsam zu bleiben. Sozial und solidarisch muss einschließen: für umfassende Selbstbestimmtheit für ALLE, aber auch konsequent antirassistisch und internationalistisch ohne imperial gesteuerte Ausgrenzungen!

Wir erinnern an den langandauernden Kampf um den Erhalt der Friedensstatue Ari in Berlin Moabit.

ARI ist ein Symbol gegen sexualisierte Gewalt von Frauen in Kriegen, das ganz konkret an die dunkelsten Kapitel imperialistischer deutscher Aussen- und Kriegspolitik und der faschistischen Zusammenarbeit zwischen Japan und Deutschland erinnert. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner, aber auch die Grüne Bezirksbürgermeisterin Remlinger von Berlin Mitte, liessen und lassen nichts unversucht, um das „Symbol dieser Erinnerung an schändlichste Frauenpeinigung unter Mitverantwortung des deutschen Imperialismus“ zu entfernen. Es geht in Zeiten der „Kriegstüchtigkeit“ eben darum, die Stimmen der Opfer, wenn sie die eigene Kriegspartei oder verbündete Nationen betreffen, zum Schweigen zu bringen. Die Weste der eigenen Verantwortlichen und Täter soll „weiss“ bleiben. Insbesondere der Koreaverbnd e.V. und die südkoreanischen Trostfrauen lassen dieses Schweigen nicht zu. Ihre Forderung, „die Friedensstatue Ari muss bleiben“ gehört auf den Frauenkampftag in Berlin ebenso dazu wie die Rechte der Palästiner:innen oder der Jezid:innen, die wieder abgeschoben werden sollen!

Krieg bedeutet, dass alle Demütigungen und Gewalt an Frauen auf eine grausame Spitze getrieben werden. Systematische sexuelle Gewalt an Frauen wird in jedem hegemonial betriebenen Krieg auf allen Seiten zur Zermürbungsstragie des militärischen Gegners eingesetzt oder geduldet. Frauen und Kinder leiden in Kriegen ganz besonders, das zeigt sich nicht nur in Gaza, sondern auch in der Ukraine – auf beiden Seiten der Front. Wer mit all den betroffenen Frauen, aber auch für sich selbst in der Zukunft umfassend solidarisch sein will, muss auch dem zunehmenden Kriegskurs die Stirn bieten!

Der Koreaverbnd e.V. veranstaltet am 8.März von 12 Uhr bis 13 Uhr eine „Mahnwache zum Frauenkampftag 2025 „ARI“ GEGEN GEWALT: 1 MAL IST 1 MAL ZU VIEL!“

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