„Wir hatten so viel Wut im Bauch“

Beschäftigte des Automobilzulieferers Hella demonstrieren während eines Wilden Streiks am 19. Juli 1973 Lippstadt. Foto: akg

Irina Vavitsa trat in Westdeutschland 1973 zusammen mit vielen anderen ausländischen Arbeiter*innen in einen Wilden Streik

Interview: David Rojas Kienzle

Dieses Jahr ist der 50. Jahrestag des Streiks beim Automobilzulieferer Hella im westfälischen Lippstadt, an dem Sie auch beteiligt waren. Woran erinnern Sie sich als Erstes, wenn Sie daran zurückdenken?

Wie verärgert wir waren und wie spontan das passiert ist. Wir hatten so viel Wut im Bauch, und da haben wir gesagt: »Es reicht uns.« In der Pausenecke oder am Arbeitsplatz haben wir Kollegen vom Band zusammengesessen. Wir waren Spanier, Italiener, Griechen und Jugoslawen. Wir haben unsere Lohnabrechnungen angeschaut und wussten nicht, was das alles bedeutet. Uns war klar, dass wir Steuern zahlen mussten, aber nicht, was Lohngruppen sind und was alles abgezogen wird. Am Anfang wohnten wir noch alle in den Wohnheimen, so viele Kosten wurden uns abgezogen, selbst die Bettwäsche. Wir wussten nur, wie viele Stunden wir gearbeitet haben, weil wir bei Hella jeden Tag zehn Stunden waren. Und am Ende war da ganz wenig Geld.

Es gab ein Lohngefälle zwischen uns und den deutschen Kollegen, zwischen Frauen und Männern. Wir Frauen wurden zweimal bestraft, einmal als Migrantinnen und dann als Frauen. Am gleichen Arbeitsplatz war ein Mann eine Lohngruppe höher als eine Frau. Wir haben dann erfahren, dass der Betriebsrat und die Geschäftsführung eine freiwillige Zulage von 60 Pfennig beschlossen hatten, aber nur für die deutschen Kollegen. Dann war das Fass voll. Wir haben dann gesagt: »So geht das nicht!«

Sie haben nichts bekommen?

Nein, nichts. Als wir das erfahren haben, war das ganz spontan, wir haben uns in der Pause versammelt. Wir haben ein Komitee gebildet, in dem aus allen Ländern Leute dabei waren. Zwei von uns konnten schon besser Deutsch, und wir anderen haben uns mit Händen und Füßen verständigt. Wir haben gesagt, so geht das nicht mehr. Wir wollten ein besseres Leben, aber nicht als Sklaven – heute würde ich sagen Ausgebeutete – ausharren.

Wurden Sie von den Gewerkschaften unterstützt?

Nein, überhaupt nicht. Der Betriebsrat war nicht da. Niemand hat sich um uns gekümmert. Uns wurden vom Betrieb unsere Pflichten erklärt. Nicht zu spät kommen usw. Aber der Betriebsrat hat uns nichts über die gewerkschaftlichen Strukturen oder die Tarifverträge erklärt. Obwohl viele von uns Gewerkschaftsmitglieder waren, war das für uns selbstverständlich.

Ein großes Problem war auch die Sprachbarriere. Wir sind unvorbereitet nach Deutschland gekommen, mit einem Koffer voller Hoffnung, aber ohne Sprachkenntnisse. Und das Wichtigste wäre gewesen, Deutsch zu lernen. Wenn du die Sprache dieses Landes nicht sprichst, dann wird dein Leben schwer. Ich konnte damals noch Jugoslawisch und ein bisschen Spanisch, ein bisschen Deutsch, aber Schuldeutsch. Niemand hat uns gesagt, dass wir Deutsch lernen oder zur Schule gehen sollen. Wir wussten auch nicht, dass wir nicht streiken dürfen. Erst einige Jahre später haben wir das mitgekriegt.

Der Betriebsrat hat versucht, uns zu bremsen, aber er hatte keine Kontrolle über uns. Wir dachten auch, der Betriebsrat wäre die Gewerkschaft. Wir waren empört, weil die Gewerkschaft Unterschiede zwischen den Beschäftigten machte.

Haben Sie trotzdem Unterstützung erfahren?

Ja, was uns viel Kraft gegeben und Mut gemacht hat, war die Solidarität von den deutschen Kollegen. Damit hat niemand gerechnet. Wir nicht und die Geschäftsführung auch nicht. Unseren deutschen Kollegen waren auf unserer Seite. Viele Kollegen, die mit uns am gleichen Band gearbeitet haben, wussten auch nichts von diesen Lohnunterschieden. Die waren überrascht und gingen dann mit uns auf der Straße. Wir haben viel Solidarität erhalten. Ebenso von den Lippstädtern und von anderen Hella-Werken in Paderborn, Recklinghausen, Hamm. Auch von linken Parteien und Gruppen, von den Jusos oder von Arbeitern der Rothe Erde aus Dortmund. Aus dem gesamten Ruhrgebiet. Leider konnten wir damals diese Flugblätter nicht lesen.

Wie ist dann der Streik ausgegangen?

Am Anfang dachte der Arbeitgeber, wir wollten 15 Pfennig mehr. Und da hat der gesagt: »Ja klar«. Das war aber ein Missverständnis. Die meisten Arbeiter sprachen Spanisch, und wir haben gesagt: »Nee, nee, wir wollen nicht ›quince‹ (15) sondern ›cincuenta‹ (50).

Der spanische Botschafter ist auch gekommen, hat aber nichts erreicht. Man darf nicht vergessen, in Spanien war Franco und in Griechenland Papadopoulos an der Macht, in beiden Ländern herrschte eine Militärdiktatur. Aus beiden Regimen gab es hier Spitzel, die geschaut haben, wer wo organisiert und aktiv war. Viele von unseren Landsleuten fuhren in den Urlaub und kamen nicht zurück, weil sie im Gefängnis landeten. Und dann kam der erste Bevollmächtigte der IG Metall und hat gesagt: «Ihr braucht keine Angst zu haben. Wir schicken euch nicht zu Franco». Nach vier Tagen haben wir den Streik gewonnen.

Im Gegensatz dazu konnten sich die Streikenden bei Ford 1973 nicht durchsetzen. Warum hat das in Köln nicht geklappt?

Wegen der Solidarität und weil Lippstadt eine kleine Stadt ist. Jeder fünfte Einwohner war ein Migrant. Jeder kannte jeden. Es gab keine Familie, in der nicht mindestens eine Person bei Hella arbeitete. Und es gab eine Solidarität von den deutschen Kollegen und den Kollegen aus dem Ruhrgebiet. Der Arbeitgeber hat eine Entschlossenheit gesehen. Wir haben das ja alles ohne Betriebsrat oder Gewerkschaft gemacht. Und der Arbeitgeber war eine bekannte Person, es ging ihm auch um sein Image. Das ist auch immer anders in kleineren Betrieben. Und wir waren ja auch noch bescheiden, wir wollten nur 50 Pfennig mehr! Nur 50 Pfennig!

Hattet Sie auch Kontakt zu anderen Streiks bei Pierburg oder Ford?

Nein überhaupt nicht. Wir haben im Fernsehen von den Streiks erfahren. Viel später bei der IG Metall in einer Bildungsstätte haben wir uns mit anderen Streikenden getroffen. Die IG Metall ist eine große Familie.

Waren Sie auch nach dem Streik noch zusammen organisiert?

Nach dem Streik waren alle stark organisiert. Die Italiener haben die Italiener motiviert, ich habe die Griechen und Jugoslawen organisiert. Die Leute haben gesehen, dass ihre Landsleute ihre Vertreter waren, und das Vertrauen zur Gewerkschaft wurde besser. Dann kam 1986 der Streik für die 35-Stunden-Woche. Da war ich auch Vorsitzende im griechischen Verein. Wir haben die Abteilung eingeladen, und uns wurde erklärt, warum gestreikt wird. Das Klima war ganz anders, wir fühlten uns angesprochen und wahrgenommen.

Die Streiks 1986 gelten ja auch als migrantische Arbeitskämpfe.

Ja, wir waren in der ersten Reihe. Wir haben alles Mögliche versucht, um unsere Leute zu organisieren. Mit unseren Vereinen und unseren Jugendlichen. Als in allen Betrieben ausländische Vertreter in den Betriebsräten waren, hat sich viel verändert. Wir haben ja nicht nur gearbeitet, sondern haben hier gelebt. Wir haben Vereine gegründet und wollten ein Teil dieser Gesellschaft werden, weil viele von uns dachten, dass wir nie wieder zurückgehen, solange in Griechenland und Spanien die wirtschaftliche Lage so schlecht ist. Unsere Kinder sind hier zur Schule gegangen. Man hat versucht, sich anzupassen und die Sprache zu lernen. Ich hatte drei Kinder und bin in die Abendschule gegangen, um Deutsch zu lernen, um den Kindern in der Schule zu helfen.

Man muss sich auch mit der Geschichte auseinandersetzen, mit den Positionen des DGB damals. Das ist ein dunkles Kapitel, denn die Gewerkschaften waren gegen die Anwerbeabkommen. Die haben gedacht, dass jetzt diese billige Konkurrenz kommt, dann werden sie bei den Tarifrunden keine guten Abschlüsse mehr machen können.

Hat sich die Situation für Leute, die nach Deutschland einwandern und hier arbeiten, verändert?

Verändert ja, aber nicht unbedingt verbessert. Was die Teilhabe in der IG Metall betrifft schon, die ist besser. Wenn man sieht, wie viele junge Kollegen oder auch Anwälte mit Migrationshintergrund es dort gibt, dann ist das positiv. Es gibt jetzt das Ressort Migration, Gleichstellung und Teilhabe in der Verantwortung von Christiane Benner, das ist sehr wichtig.

Aber wir haben eine neue Sklaverei. Betroffen sind Leute vor allem aus Polen, Rumänien, Bulgarien, die nur Werkverträge haben. In Werken, wo es viele unorganisierte Kollegen gibt, werden jetzt vermehrt Betriebsräte gegründet. Die IG Metall kümmert sich um sie, und auch der DGB macht schon einiges. Ich war z.B. bei Tesla in Berlin. Genau an der Haltestelle, wo die Leute ankommen, ist ein Stand von der IG Metall. Dort informieren die Kollegen darüber, was ein Tarifvertrag bedeutet, was ein Betriebsrat ist, was eine Gewerkschaft hier bedeutet. Mit Informationsflyern in verschiedenen Sprachen. Auf Rumänisch, Bulgarisch, Tschechisch. Ich habe gedacht, dass das, was uns damals geschehen ist, nicht noch einmal passiert. Aber was die Arbeitsbedingungen betrifft, gibt es leider keine Fortschritte. Recht zu haben und Recht zu kriegen, ist noch immer ein großer Unterschied.

Was kann man aus den Streiks 1973 lernen?

Ungerechtigkeit, Wut, Mut und Frust waren da. Und die Bereitschaft zu kämpfen war da. Was fehlte, war die Entscheidung der Gewerkschaft. Aber diese Anerkennung haben wir jetzt. Und wir haben dabei was gelernt, was wir weitergeben sollten. Aber die strukturelle Diskriminierung im Betrieb existiert immer noch. Wenn du nicht Schmidt oder Meier heißt, hast du eher Probleme. Es ist traurig, aber es gibt immer noch Rassismus. Wir wissen ja, in welchem System wir leben. Es gibt immer Spaltungsversuche. Stammpersonal gegen Leiharbeiter, Leiharbeiter gegen Werkserträge. Deshalb brauchen wir starke, klassenbewusste Gewerkschaften. Klar ist, dass eine Gewerkschaft nur so stark ist, wie ihre Mitglieder es sind, und ein Betriebsrat ist nur so stark wie seine Belegschaft. Wenn diese Belegschaft nicht politisiert ist und sagt: «Ach, wir sind kleine Leute, wir können nichts ändern», dann ist das falsch! Mit politisierten, klassenbewussten Leuten kannst du einiges erreichen.

Irina Vavitsa

Irina VavitsaFoto: privat

Bild: privat

1973 streikten in Deutschland Tausende ausländische Arbeiter*innen, selbständig und ohne Gewerkschaft, auch beim Automobilzulieferer Hella in Lippstadt – dort erfolgreich. Das »nd« sprach mit Irina Vavitsa (73), die als 21-Jährige aus Griechenland nach Deutschland kam, bei Hella mitstreikte und trotz der schlechten Erfahrungen damals Gewerkschafterin ist.

Erstveröffentlicht im nd am 11. 9. 2023
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1176262.wilde-streiks-wir-hatten-so-viel-wut-im-bauch.html?sstr=Wut|Bauch

Wir danken für das Publikationsrecht.

Zum IG Metall Geschwerkschaftstag – Sagt Nein! Gegen Krieg, Militarismus und Burgfrieden!

DELEGIERTE DES IGM-GEWERKSCHAFTSTAGES VERHINDERN DAS SCHLIMMSTE //

25.11. AUF NACH BERLIN!

27. Okt. 2023,

aktuelles Statement des Initiativkreises “ Sagt! Nein gegen Krieg , Militarismus und Burgfrieden !“

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Unterstützer:innen,

zwar war – anders als noch auf dem ver.di-Bundeskongress – das Thema Krieg und Frieden nur eines unter vielen Themen, mit denen sich der IG Metall Gewerkschaftstag in dieser Woche beschäftigte. Aber anders als noch die Delegierten des ver.di-Bundeskongresses haben die Delegierten des IG Metall-Gewerkschaftstag den Leitantrag des Bundesvorstandes nicht einfach `durchgewunken `, sondern bemerkenswert kritische Änderungen vorgenommen.

Als am 24.10. der Kriegskanzler seinen obligatorischen Grüßonkelbesuch in Frankfurt absolvierte forderten bereits einige junge Kolleg:innen auf einem Transparent »100 Mrd. für die Jugend« und eröffneten damit die Debatte um das 100-Milliarden Militarisierungs- und Kriegsbeteiligungs-Schuldenprogramm der olivrotgrüngelben Kriegsregierung.

Und nach einer deutlich kürzeren Debatte als noch auf dem ver.di-Bundeskongress (es gab nur einen einzigen Änderungsantrag) beschlossen die Delegierten dann  unter der Überschrift `Für eine verantwortliche Politik für Frieden und Sicherheit` eine deutlich vom ursprünglichen Entwurf des Vorstandes abweichende Positionierung zu Krieg und Frieden.  Dabei folgten die Delegierten vollständig einem Änderungsantrag, der von Delegierten aus der IGM-Geschäftsstelle Hanau-Fulda eingebracht worden war, die für ihr vorbildliches und mutiges Engagement zu Fragen von Krieg und Fragen und für eine klare antimilitaristische Haltung der Gewerkschaften über die Grenzen der IG Metall hinaus bekannt ist und wertgeschätz wird.

So `entschärften` die Delegierten den vorliegenden Leitantrag des Vorstandes durch Streichung der krassesten kriegstreiberischen Passagen, als da waren:

  • „Klar muss aber sein: In der Ukraine wird kein Stellvertreterkrieg des Westens ausgefochten.“
  • „Ein genereller Ausschluss von Rüstungsexporten beziehungsweise Waffenlieferungen in Krisenregionen und an kriegführende Staaten steht diesen Zielen entgegen (mit `Zielen` gemeint:  ` nachhaltiger Frieden in und für Europa`, ` staatliche Souveränität der Ukraine` (Anm.: SN!)).
  • Waffenlieferungen können legitim sein, wenn demokratische Staaten ihr Recht auf Selbstverteidigung gegen einen bewaffneten Angriff wahrnehmen. Klar ist aber auch: Menschenrechte stehen über Exportmöglichkeiten.“

Im Gegenzug gab es die folgenden wesentlichen Ergänzungen durch die Delegierten:

  • „Eine Fixierung auf Waffenlieferungen verlängert diesen Krieg und führt auf beiden Seiten zu tausenden Toten und Verletzten. Daher ist der Schwerpunkt auf diplomatische Lösungen zu legen, um zunächst einen schnellen Waffenstillstand zu vereinbaren. Eine einseitige Fixierung der Debatte auf Waffenlieferungen und ein Denken in den Kategorien ´Sieg´ oder ´Niederlage´ ist der falsche Weg.“
  • „Gemeinsam mit dem DGB und anderen Einzelgewerkschaften wird die IG Metall Initiativen und Abkommen zur Rüstungskontrolle fordern und abrüstungs- und entspannungspolitische Initiativen unterstützen. Atomare, biologische und chemische Waffen müssen weltweit geächtet werden.“
  • „Außerdem setzen wir uns gemeinsam für Rüstungskonversion ein.“

Im Ergebnis kam so zwar eine Positionierung zustande, die gegenüber dem ver.di-Beschluss deutlich kritischer gegenüber der Militarisierungs- und Kriegsbeteiligungspolitik der olivrotgrüngelbbehelmten Regierung ist. Leider gelang es aber selbst mit dieser entschärften Fassung nicht, das erforderliche klare NEIN! GEGEN KRIEG, MILITARISMUS UND BURGFRIEDEN zu setzen.

Auch in der jetzt entschärften Fassung fordert dieser Beschluss statt des Endes jeder Waffenlieferungen (mindestens in Krisen- und Kriegsgebiete – so die bisherige Beschlusslage der IGM) lediglich: „Waffenexporte sind restriktiv und transparent zu handhaben.“

Auch positioniert sich die IG Metall ebenso wie ver.di nicht gegen das menschenverachtende Sanktionsregime des USA-NATO-Westens, dem jedes Jahr zehntausende Menschen weltweit zum Opfer fallen; statt dessen lediglich: „Sanktionen müssen zielgenau wirken, stetig überwacht, überprüft und bei Bedarf angepasst werden.“

Das sogenannte ´2%-Ziel´, das nichts weiter als die dauerhafte und andauernde weitere Militarisierung und Aufrüstung Deutschlands bedeutet, wird auch nicht abgelehnt. Das steht im deutlichen Widerspruch zum in der Einleitung pointierten „Wir lehnen Krieg als Mittel der Politik entschieden ab.“ 
Statt einer Ablehnung wird bemerkenswert verschwurbelt formuliert:
„Eine dauerhafte Steigerung des Etats für Rüstung und Verteidigung auf ein willkürlich erscheinendes, an konjunkturelle Entwicklungen gekoppeltes Zwei-Prozent- Ziel oder gar darüber hinaus lehnen wir ab.“
Genaues Lesen macht hier Sinn: Mit dieser Formulierung wird eben nicht – wie es auf den ersten Blick scheinen mag –  die ´dauerhafte Steigerung des Rüstungsetats´ abgelehnt, sondern lediglich deren Festlegung ´auf ein willkürlich erscheinendes, an konjunkturelle Entwicklungen gekoppeltes Zwei-Prozent- Ziel´…. Denn was wäre denn, wenn die Wirtschaftsentwicklung mal rückläufig wäre?! Böses dem, der Böses dabei denkt.

Und nicht zuletzt fehlt – wie schon bei ver.di – auch beim IGM-Gewerkschaftstagsbeschluss das eindeutige und klare NEIN! gegen das  100-Milliarden Militarisierungs- und Kriegsbeteiligungs-Schuldenprogramm der olivrotgrüngelben Kriegsregierung. Wie schon ver.di fordert jetzt auch die IG Metall lediglich, „dass Rüstungsausgaben nicht gegen die Finanzierung wichtiger sozialpolitischer Vorhaben und notwendiger öffentlicher Investitionen zur Umsetzung der sozial-ökologischen Transformation ausgespielt werden dürfen.“ Das bedeutet tatsächlich nichts anderes, als dass der aktuelle Kriegskurs der Regierung bitte „sozial gerecht“ und „nicht zu Lasten der öffentlichen Daseinsvorsorge“ stattfinden soll. DAS ist in der Tat eine für eine Interessenvertretungsorganisation auf abhängige Beschäftigung angewiesener Menschen bemerkenswert… Denn wir wissen doch aus Geschichte und Gegenwart: »Sozialabbau und Aufrüstung sind die zwei Seiten ein und derselben Medaille.«

Alle Bundesministerien – außer dem nach wie vor schönfärberisch `Verteidigungsministerium` genannten Kriegsministerium – werden im kommenden Jahr einen sogenannten `Einsparbetrag` leisten. Im Ergebnis führt das zusammengefasst dazu, dass dem Kriegsministerium mit 85,5 Mrd. Euro in 2024 mehr als 10 Mrd. Euro MEHR Geld zur Verfügung stehen wird,  als den für öffentliche Daseinsvorsorge, gesellschaftliche Entwicklung, Umweltschutz und internationale Beziehungen relevanten sieben Ministerien ZUSAMMEN!

Konkret: den 85,5 Mrd. für Militarisierung und Kriegsbeteiligung stehen gegenüber für Bildung 20,3 Mrd. Euro, Gesundheit 16,8 Mrd. Euro, Entwicklung 11,5 Mrd. Euro, Klima 10,9 Mrd. Euro, Wohnen 6,9 Mrd. Euro, Auswärtiges 6,1 Mrd. Euro und Umwelt 2,4 Mrd. Euro, zusammen gerade einmal 74,90 Mrd.!!!

SO sieht die soziale Kriegserklärung gegen die eigene Bevölkerung zur Mehrung der Profite der Multis, Konzerne und Superreichen aus.

Dagegen gehen wir zusammen mit hoffentlich zehntausenden Kolleg:innen und Menschen am 25.11. in Berlin bei der bundesweiten Demonstration `NEIN! ZU KRIEGEN` auf die Straße.

Überall laufen dazu aktuell die Vorbereitungen;

Schaut, was bei Euch vor Ort dazu läuft und geht. 
Kommt alle nach Berlin!

Wir bleiben bei unserem eindeutigen und unmissverständlichen
SAGT NEIN! GEGEN KRIEG, MILITARISMUS UND BURGFRIEDEN

Bleibt aufrecht und stark.

Gewerkschaft, das sind wir!
NEIN! ZU KRIEG, MILITARISMUS UND BURGFRIEDEN!

Wir sind und bleiben
BUNT und INTERNATIONAL!


Für den Initiator:innekreis
Hedwig Krimmer           Andreas Buderus

Unsere Rente – kein Spielball für BlackRock & Co

Am 7. Oktober 2023 fand im Kiezraum Dragonerareal eine Veranstaltung zum Thema:

Unsere Rente – Kein Spielball für BlackRock & Co.
Menschenwürdige Renten für Alle – wie in Österreich

statt.

Ausgerichtet wurde die Veranstaltung durch:

Initiative BlackRock-Tribunal,

Initiative RentenZukunft e. V.;

Arbeitskreis Internationales (AKI) der IG Metall (IGM) Berlin;

Arbeitskreis gegen Deregulierung und Privatisierung, Berlin.

Als größter Vermögensverwalter der Welt übt BlackRock (Finanzvolumen z.Zt. ca. 9 Billionen US$), hinter den Kulissen immer mehr politische Macht auf oberster Ebene aus. BlackRock & Co. können sich umso leichter neue lukrative Geschäftsfelder bei öffentlichen Systemen erschließen. Aktuell geht es um öffentliche Rentensysteme, die in sog. „Kapitalbasierte Rente“ umgebaut werden sollen.

Auf EU-Ebene konnten BlackRock & Co. schon als wichtiges Etappenziel die Verordnung PEPP (Paneuropäisches privates Pensionsprodukt) durchsetzen, die in der ganzen EU seit März 2022 gilt. D.h.: die EU-Bevölkerung soll ihre Altersvorsorge möglichst durch Anlage von Ersparnissen in privaten Fonds, z.B. sog. ETFs („Exchange-Traded Funds“), einzeln betreiben. Als einer der größten Emittenten solcher Fonds wird BlackRock so unmittelbar von der EU begünstigt.

Schon 2019 hatte BlackRock nach der miserablen Erfahrung mit der sog. „Riester-Rente“ die damalige Bundesregierung (Merkel) öffentlich aufgefordert, dieses gescheiterte Programm auf private Kapitalmarkt-Fonds umzustellen.

Konform hat die jetzige Bundesregierung die „Fokusgruppe private Altersvorsorge“ eingesetzt, in der der Verband der privaten Fondsverwaltungen Mitglied ist. In dieser Lobby-Organisation sind ihrerseits BlackRock, Vanguard etc. Mitglieder. Die Fokusgruppe
hat im Juli 2023 Pläne vorgelegt, nach denen neben der – umlagefinanzierten – gesetzlichen Rente und der Betriebsrente als „Dritte Säule“ erneut private Altersvorsorge ausgebaut werden soll. Der Verband der Fondsverwalter war „sehr zufrieden“ mit den Plänen! Einziges Mitglied der Gruppe für die abhängig Beschäftigten ist der DGB, der klar dagegen Stellung bezogen hat. Dennoch soll private Vorsorge (steuerbegünstigt!) schon 2024 als Gesetz beschlossen werden.

Köder für die neue private Altersvorsorge sind vor allem die höheren Renten durch private KapitalAnlagen, die von BlackRock & Co. nun versprochen werden. Gleichzeitig sollen die Fondsverwalter aber von jeder Garantie über die tatsächliche Höhe der Rente entbunden werden: das Risiko trägt allein der einzelne „Anleger“. Die Altersvorsorge würde nach diesen Plänen skrupellos aller BörsenSpekulation ausgeliefert.

Dies ist k e i n Modell, das man guten Gewissens als Alters-Sicherung propagieren kann!
Was in Deutschland anliegt ist:

1. am bewährten – von Finanzspekulation völlig unberührten –
Verfahren der Umlagefinanzierung festzuhalten;

2. aber endlich das Gewirr von Rentenarten / Pensionen nach dem Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes sozial und gerecht auszugleichen.

Das muss nun nicht erst neu erfunden werden: es existiert bereits mit dem Vorbild des in Österreich praktizierten Systems.

Auszug aus der der Ankündigung zur Veranstaltung. Nachzulesen hier:


Dazu haben wir eingeladen:

Dipl. Ing. Ursula Klingmüller
Ehem. Referatsleiterin im Arbeitsministerium Brandenburg. Sie arbeitet als Projektentwicklerin im Bereich der sozialen Innovation, insbesondere zum Thema ökologische Anbauverfahren und „urban gardening“. Sie koordiniert gemeinsam mit Dr. Ulrike Kölver das Engagement der Initiative „BlackRock Tribunal“ gegen die übergriffige Machtkonzentration der global agierenden Vermögensverwalter BlackRock & Co.


Reiner Heyse

studierte Nachrichtentechnik und arbeitete anschließend als Ingenieur in einem Industriebetrieb in Kiel. Dort war er viele Jahre Betriebsrat und in der Industriegewerkschaft Metall Tarifkommissionsmitglied.
Mitbegründer der die Initiative »Seniorenaufstand«, die sich Anfang diesen Jahres in »RentenZukunft« umbenannt hat und ist einer ihrer Sprecher. Herausgeber der Blogs www.seniorenaufstand.de und „renten-zukunft.de“.


Holger Balodis,

Journalist und Autor, mit Schwerpunkt auf sozialpolitische Themen, vor allem zu Rente, Altersvorsorge und Versicherungen. Er arbeitete als freier Autor viele Jahre beim WDR, für die Formate „Plusminus“, „markt“, „Monitor“ und „ARD-Ratgeber Recht“. Daneben veröffentlichte er u.a. in „Die Zeit“, „Wirtschaftswoche“ und „Rheinischer Merkur“. Bekannt sind die Bücher, die er gemeinsam mit Dagmar Hühne schrieb: „Die Vorsorgelüge“, „Garantiert Beschissen“, „Die große Rentenlüge“ und „Rente Rauf!“


Verena Bentele
Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland, Landesvorsitzende des VdK Bayern und Vize-Präsidentin des Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), Coach und Rednerin, Paralympics-Siegerin


Dr. Werner Rügemer


Werner Rügemer lebt in Köln und arbeitet als Publizist, Buchautor, Referent, Berater und Stadtführer
Thematische Schwerpunkte:
Internationale Kapital- und Arbeitsverhältnisse
Privatisierung, Unternehmenskriminalität
Die Entwicklung des Weltsystems nach Prinzipien des Völkerrechts und der Menschenrechte
Promotion 1978 über “Philosophische Anthropologie und Epochenkrise”.
Mitglied im Deutschen Schriftstellerverband (VS/Verdi) und im PEN-Zentrum Deutschland.


Matthias W. Birkwald


Bundestagsabgeordneter der Fraktion „Die Linke“, stellv. Vorsitzender Ausschuss für Arbeit und Soziales, ordentliches Mitglied der Deutsch-französische Parlamentarische Versammlung, ehrenamtliches Mitglied des Kuratoriums Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bonn, ehrenamtliches Mitglied des Hauptausschusses „Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V., Berlin


Josef Wöss,

bis 2021 Leiter der Abteilung Sozialpolitik in der Kammer für Arbeiter und Angestellte Wien. Er ist ein profunder Kenner des österreichischen und des deutschen Rentensystems – darüber hinaus war er 2018/2019 für den Europäischen Gewerkschaftsbund Mitglied in der High Level Group of Experts on Pensions der EU. Herr Wöss hat eng mit dem WSI-Institut der Hans Böckler Stiftung zusammengearbeitet. Durch diese Arbeit wurde das österreichische Rentensystem in Deutschland vor 5 Jahren öffentlich wahrgenommen.

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