A Song for Esther

Das Verharren vor Denkmälern kann uns nicht vor Faschismus schützen und wäscht auch Schweigende, Wegschauende von ihrer Tatenlosigkeit gegenüber den aktuellen Verbrechen gegen das Menschenrecht nicht rein! Ein aussergewöhnliches, notwendiges Kunstereignis gerade heute, welches „Erinnerungskultur“ vom Kopf auf die Füße stellt! (Peter Vlatten)

Candice Breitz

A Song for Esther

Kampnagel, Jarrestraße 20, 22303 Hamburg

4. Oktober 2025, 19:30 Uhr

Eintritt 24/12 Euo, Tickets

Am 4. Oktober 2025 würdigt auf Einladung der Berliner Künstlerin Candice Breitz ein außergewöhnliches Line-up von Musiker*innen die unermüdliche antifaschistische Aktivistin und Musikerin Esther Bejarano.

Bejarano wurde 1924 als Esther Loewy in eine jüdische Familie im Saarland geboren und wäre dieses Jahr 100 Jahre alt gewesen. Nach dem Holocaust fand sie in Hamburg eine neue Heimat. A SONG FOR ESTHER ist ein Akt des Gedenkens, der ganz im Zeichen ihrer Abwesenheit steht – ein vergängliches Mahnmal in Form eines Konzerts.

Mit dabei sind Peaches, Ebow, Lie Ning, Rasha Nahas, Daniel Kahn, Malonda, Chicks on Speed / Jeremiah Day, Dornika, Polly Ott, Aeham Ahmad, Lili Sommerfeld, Dejan Jovanović und Oana Cătălina Chiţu, Die Anstalt, Ensemble Lebedik, das Sialan String Quartet sowie – als besondere Gäste des Abends – Joram Bejarano und Kutlu Yurtseven von Microphone Mafia, der Hip-Hop-Band, die über tausend Konzerte mit Esther gespielt hat (das letzte davon nur wenige Wochen vor ihrem Tod im Alter von 96 Jahren).

Mit 18 Jahren wurde Esther nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Sie begriff sofort, dass die brutale Schwerstarbeit, zu der sie gezwungen wurde, ganz auf ihre Auslöschung abzielte. Als sie für die Mitwirkung im »Mädchenorchester” des Vernichtungslagers vorgeschlagen wurde, sah sie eine Möglichkeit, dem sonst sicheren Tod zu entkommen. Wie Esther später erklärte, verdankte sie ihr Überleben letztendlich dem Umstand, dass sie der Dirigentin des Orchesters ein bestimmtes Lied vorspielen konnte. Während der unvorstellbar düsteren Aufnahmeprüfung sollte sie beweisen, dass sie den zuckersüßen Kriegsschlager BEL AMI auf dem Akkordeon beherrschte, einem Instrument, das sie noch nie zuvor gespielt hatte. Aus purer Verzweiflung quetschte Esther mithilfe ihrer Klavierkenntnisse das eingängige Lied aus dem Akkordeon.

Nach dem Holocaust wollte Esther siebzig Jahre lang nichts von BEL AMI wissen. Gegen Ende ihres Lebens kehrte sie jedoch – zur Überraschung vieler – zu dem Lied zurück und nahm es in ihr Repertoire für Hunderte von Konzerten auf. Auf die Frage, warum sie immer wieder zu diesem zutiefst traumatischen Moment zurückkehrte, der ihr Schicksal bestimmt hatte, beschrieb Esther ihre Darbietung von BEL AMI als einen »Akt der Rache.« Für sie war das Lied ein Symbol dafür geworden, dass sie die albtraumhafte Erfahrung, von Nazi-Deutschland buchstäblich instrumentalisiert worden zu sein, überwunden hatte.

Welche Handlungsmöglichkeiten haben Künstler*innen und Musiker*innen in Zeiten von Massensterben und Repression? Ein Jahrhundert nach der Geburt von Esther Bejarano reflektiert A SONG FOR ESTHER die anhaltende Wirkung ihres widerständigen Vermächtnisses – sowohl als Aktivistin als auch als Musikerin – für die Gegenwart. Als Künstler*in kann man sich das Instrument oder das zu spielende Lied nicht immer aussuchen. Und doch birgt der Moment der Aufführung ein politisches sowie ein kreatives Potenzial. Angesichts des weltweit erstarkenden Faschismus bietet A SONG FOR ESTHER einen flüchtigen Ort für verkörperten Widerstand. Am Abend des Konzerts werden alle beteiligten Musiker*innen und Bands einen einzigen Song spielen, der nichts mit ihrem üblichen Repertoire zu tun hat.

A SONG FOR ESTHER wurde im Dialog mit der Familie Bejarano geplant.

A SONG FOR ESTHER – ein von Candice Breitz konzipiertes Konzert – ist Teil einer fortlaufenden Reihe performativer »Gegen-Denkmäler«, die von der Hamburger Stadtkuratorin Joanna Warsza initiiert wurde. Das Konzert orientiert sich an einem bestehenden Gegen-Denkmal, das einen überzeugenden Präzedenzfall darstellt. 1986 errichteten Esther Shalev-Gerz und Jochen Gerz in Hamburg-Harburg ein »Mahnmal gegen Faschismus«. Über die Jahre wurde der zwölf Meter hohe Obelisk langsam in den Boden versenkt und verschwand schließlich im Jahr 1993 komplett. Heute erinnert die bewusste Abwesenheit des Denkmals an seinem ursprünglichen Standort daran, dass Denkmäler uns nicht vor Faschismus schützen können. Nur durch Wachsamkeit, fortlaufende Solidarität und vor allem Standhaftigkeit kann dem Wiederaufleben des Faschismus Einhalt geboten werden.

Weitere Informationen der Veranstalter

Offener Brief an die Gewerkschaften: Jetzt Solidarität mit der Gaza-Flottille zeigen!

All Eyes on Gaza, aber wohin schauen die Augen der DGB Spitze hin?

Das fragen sich immer mehr Menschen und verurteilen eine Kultur des Wegschauens, mehr noch eine direkte Zusammenarbeit des DGB mit Organisationen wie Histadrut, die das völkermörderische zionistische Nethanyahu Regime stützen und deren Vorsitzender die Bomben auf Gaza signiert. Und sie schreiben offene Briefe. Hier ist einer von ihnen, der sich namentlich direkt an die Veranwortlichen der DGB Gewerkschaften wendet und sie mit der mutigen Solidarität der Gaza-Flottille konfrontiert. Zuletzt bleibt noch die Frage: wie will man hierzulande eigentlich noch glaubwürdig dem Rechtsextremismus entgegentreten, wenn man bei Nethanyahu und seinen Unterstützern alle Augen zudrückt? (Peter Vlatten)

„Während die internationale Zivilgesellschaft mit der Global Sumud Flotilla konkrete Schritte unternimmt, um die Blockade Gazas zu durchbrechen und politischen Druck aufzubauen, schweigen viele etablierte Akteure in Deutschland – darunter auch große Gewerkschaften. In einem offenen Brief appelliert Ursula Mathern eindringlich an die Verantwortung der deutschen Gewerkschaftsbewegung, sich klar gegen Krieg, Besatzung und Blockade zu positionieren – und gewerkschaftliche Mittel für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen. Sie fordert Solidarität mit den Aktivist:innen auf den Schiffen und konkrete Maßnahmen, um Gewalt und Unrecht nicht weiter schweigend hinzunehmen. Denn: „Untätigkeit bedeutet Komplizenschaft.“ (Pressenza am 12.9.)

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Ursula Mathern
urs.math@gmx.net

An
den geschäftsführenden Bundesvorstand des DGB:
Stefan Körzell
Yasmin Fahimi (Vorsitzende),
Elke Hannack (stellvertretende Vorsitzende)
Anja Piel
info.bvv@dgb.de;

die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt
Vorsitzender: Robert Feiger
kontakt@igbau.de;

die IGBCE
Vorsitzender: Michael Vassiliadis
info@igbce.de;

die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft
Vorsitzender: Martin Burkert
frankfurt@evg-online.org;

die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
Vorsitzende: Maike Finnern
info@gew.de;

die IG Metall
Erste Vorsitzende: Christiane Benner
Zweiter Vorsitzender: Jürgen Kerner
vorstand@igmetall.de;

die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten
Vorsitzender: Guido Zeitler
hauptverwaltung@ngg.net;

die Gewerkschaft der Polizei
Vorsitzender: Jochen Kopelke
gdp-bund@gdp.de;

ver.di – Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft
Vorsitzender: Frank Werneke
info@verdi.de;

Offener Brief: Solidarität mit Sumud Gaza Flottilla und Palästina! Untätigkeit und Schweigen bedeuten Komplizenschaft mit dem Völkermord! Zeigen auch Sie endlich Flagge!

Sehr geehrte Damen und Herren,

1. Vorab zu Ihrer Information:

Derzeit überqueren 50 Schiffe das Mittelmeer.

An Bord befinden sich Menschen aus 44 Ländern – Ärztinnen, Tischler, Studierende –, darunter viele Europäerinnen und Europäer. Sie transportieren Mehl, Medikamente und Wasserfilter. Diese Hilfsgüter würden den Menschen in Gaza eine Überlebenschance bieten.

Die Global Sumud Flotilla ist die größte zivile Hilfsmission, die jemals nach Gaza unternommen wurde.

Warum? Weil die Regierungen versagt haben. Seit sechs Monaten blockiert Israel Hilfslieferungen nach Gaza, während seine Soldaten mehr als 1.400 Palästinenser getötet haben, die nach den wenigen Lebensmitteln suchten, die dort ankommen.

Die Flotte ist gerade von Barcelona, Tunis und Sizilien aus in See gestochen. Nächste Woche könnte sie Gaza erreichen – oder beschlagnahmt werden. Der israelische Minister Itamar Ben-Gvir hat bereits damit gedroht, die Passagiere als „Terroristen” zu inhaftieren, womöglich sogar in den berüchtigten Foltergefängnissen.

Die Uhr tickt. Zivilist*innen sollten nicht ihr Leben riskieren müssen, um das zu tun, was unsere Regierungen schon längst hätten tun sollen.

2. Während die Deutsche Regierung noch immer Waffengeschäfte mit Israel betreibt und die israelische Regierung in vielerlei Hinsicht unterstützt, statt entschiedene Maßnahmen zum Stopp des Völkermords in Gaza zu ergreifen, wurde die Global Sumud Flottilla jetzt zum zweiten Mal innerhalb von 2 Tagen angegriffen. Noch immer in einem Hafen in Tunesien wurden an Bord der Alma, einem Schiff der Flotte, Explosionen registriert, Verletzte gab es zum Glück keine. Die Flotte bleibt standhaft und bekräftigt ihre Mission, die Blockade Gazas zu durchbrechen, fortzuführen.

Erst gestern wurde das Schiff „Family“, auf dem Greta Thunberg, Yasemin Acar, Thiago Avila und viele weitere Personen segelten, von einer Drohne bombardiert. Auch dieses hätte tödlich enden können. Glücklicherweise konnten alle Aktivist:innen unverletzt bleiben und das Schiff sofort verlassen.

Während Israel die Hauptstadt Katars angreift sowie die Verhandlungsspitzen Hamas und dabei Wohngebäude zerstört, die Bombardierung in Gaza verstärkt und Palästinenser:innen auf engstem Raum zusammentreibt, wird die Flottilla angegriffen. In den letzten 24 Stunden wurde bereits über mutmaßliche israelische Angriffe in fünf arabischen Ländern berichtet, darunter Libanon, Syrien, Katar, Palästina und Tunesien.

3. Meinen deutsche Gewerkschaften da wirklich immer noch, sich wegducken zu können?

Italienische Hafenarbeiter weigern sich, Räder in irgend jemandes Kriegsmaschinerie zu sein, haben wiederholt Rüstungsexporte in den Nahen Osten blockiert. Italienische Hafenarbeiter blockieren saudisches Schiff mit Waffen für Israel – World Socialist Web Site

Sie sind bereit, mit allen ihnen zur Verfügung Mitteln für die Verteidigung der Flottille und der Tonnen von Hilfsgütern zu mobilisieren. Sie haben begriffen, dass sie durchaus Einflussmöglichkeiten haben durch Blockaden von Waffenschiffen und -flugzeugen. Sie sagen: Wir können „nicht tatenlos zusehen. Wir lassen den israelischen Minister wissen, dass seine Drohungen uns nicht aufhalten werden und dass seine Worte uns auffordern, die Initiative zu intensivieren.

Mit Palästina im Herzen, volle Kraft voraus!

Wenn sie die Flottille blockieren, blockieren wir alles!“ Unione Sindacale di Base: Le minacce di Israele sono il segno della forza della Flotilla: USB pronta a difenderla con ogni mezzo a disposizione – Klasse, kann ich da nur sagen.

Neben vielen anderen befinden sich an Bord der Global Sumud Flotilla ein promovierter Religionshistoriker aus Brasilien, der Logbuch schreibt, sowie eine brasilianische Lehrerin, die etwas Konkretes und Sinnvolles tun wollte. Sie sagt: „Brasilien ist ein sehr großes Land und wir verfolgen die Ereignisse in Palästina, obwohl wir sehr weit entfernt sind. Die brasilianische Regierung hat gemeinsam mit der südafrikanischen Regierung im Rahmen der BRICS-Staaten Israels kolonialistische und völkermörderische Politik verurteilt. Auch wir haben während der portugiesischen Herrschaft die schädlichen Auswirkungen des Kolonialismus erlebt. Genau deshalb gibt es in Brasilien eine so große Solidarität mit Palästina“. Aus Brasilien mit Liebe und Solidarität – Logbuch der Global-Sumud-Flotilla Arbeiter:innen in den Raffinerien in Brasilien sollen dazu aufrufen, die Flottille zu verteidigen. Die Nationale Föderation der Erdölarbeiter:innen (FNP) und ihre Gewerkschaften sollen von der Lula-Regierung fordern, die Sicherheit der brasilianischen Aktivist:innen auf den Schiffen zu gewährleisten, um die israelische Blockade zu durchbrechen.

Aus Deutschland mit dabei: Melanie Schweizer, Juristin und Mitglied des Lenkungsausschusses der Global Sumud Flotilla

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Streiks in Häfen, an Bahnhöfen, Flughäfen und in Waffenfabriken sind nur einige der Möglichkeiten unter vielen anderen genannt, mit denen SIE dazu beitragen können, diesen vernichtenden Genozid sofort zu beenden!

Deutlich wahrzunehmen ist, dass der Widerstand gegen die Politik Israels international wächst, An einer Demo in Brüssel nahmen zum Beispiel letzten Sonntag mehr als 70.000 Menschen teil.

80 % der hiesigen Bevölkerung sind gegen das militärische Vorgehen Israels in Gaza

Also ran an die Organisation!

  • Verteidigen und unterstützen auch Sie die Aktion der Sumud Gaza Flottilla
  • Sorgen Sie durch gewerkschaftliche Aktionen mit dafür, dass dieser Krieg sofort gestoppt wird sowie Lebensmittel und Hilfsgüter in vollem Umfang Einfahrt nach Gaza bekommen.
  • Israel muss zur Rechenschaft gezogen werden, wenn diese friedliche Mission erneut blockiert oder angegriffen wird.
  • Ziel muss sein: ein gerechter Friede für Israelis und Palästinenser.

Ursula Mathern

Der Beitrag wurde zunächst bei Pressenza am 12.9.2025 publiziert.
TitelBild von Global Movement to Gaza Italia

Ursula Mathern ist langjährige Friedensaktivistin aus Rheinland-Pfalz

Kommt zur künstlerischen Solidaritätskundgebung in Berlin „All Eyes on Gaza“

Smotrich: Perfider Plan zur Annexion des Westjordanlands

Von Florian Rötzer

Titelbild: Palästinenser sollen in isolierten Enklaven konzentriert werden.

Die Mehrheit der Israelis ist nach einer Umfrage des Israel Democracy Institute mittlerweile für einen Deal, der die Freilassung der Geiseln und den Rückzug des Militärs aus dem Gazastreifen beinhaltet. Das sagen 62% der Juden und 81% der Araber, mit 52% ist selbst eine knappe Mehrheit der Wähler der Netanjahu-Partei Likud dafür. Nur bei den Wählern von Finanzminister Smotrichs Partei Mafdal – HaTzionut HaDatit, die einen Gottesstaat errichten will, spricht sich keine Mehrheit für einen Rückzug aus. Das ist bekanntlich nicht im Interesse von Netanjahu und seiner Regierung. Obgleich viele Menschen auf den Straßen protestieren,  Tausende von Reservisten dem Einberufungsbefehl für die Offensive nicht folgen und der Oberkommandierende von der Offensive abriet, soll nun auch Gaza City wie weite Teile des Gazastreifens von Hamas gesäubert und zerstört werden.

Der Plan ist klar und wurde deutlich erklärt. Die israelische Regierung will den Gazastreifen annektieren, Gebäude und Infrastruktur beseitigen und die Bewohner vertreiben, um ihn zu besiedeln, Hightech-Industrie anzusiedeln und zu einer attraktiven Wohn- und Urlaubsregion machen, zu Trumps Riviera. Das führt der Plan „Gaza Reconstitution, Economic Acceleration and Transformation Trust“ (GREAT Trust) des GHF aus, den die Washington Post beschreibt. Wie das mit den fanatisch religiösen und messianisch motivierten Siedlern/Kolonisatoren vonstatten gehen soll, ist allerdings schleierhaft.

Der perfide Ennexionsplan. Bild

Das laut propagierte Kriegsverbrechen der ethnischen Säuberung und Annexion soll offensichtlich, zumindest so lange die USA hinter Israel stehen, so durchgesetzt werden, dass die Lebensbedingungen der Palästinenser so furchtbar werden, dass sie nur noch den Ausweg sehen, außer Landes zu flüchten. Und man scheint so zynisch zu sein, damit die Weltöffentlichkeit unter Druck zu setzen, dass Staaten sich gegen Unterstützung bereit erklären, die Flüchtlinge aufzunehmen.

Man muss  davon ausgehen, dass die israelische Regierung diesen Plan militärisch auch gegen den Widerstand großer Teile der Bevölkerung durchsetzen wird, da nun als nächste Stufe die Planung für die Vertreibung der Palästinenser und der Annexion des Westjordanlands und die Verhinderung eines palästinensischen Staates konkreter wird, bevor man an die Umsetzung von Großisrael mit der Annexion von Teilen Syriens, Ägyptens, Jordaniens und des Libanon, gehen will.

Jetzt legte der rechtsreligiöse Finanzminister Smotrich einen von der 2023 neu eingerichteten Abteilung Settlement Administration des Verteidigungsministeriums ausgearbeiteten Plan vor, das Westjordanland zu annektieren und eine Zwei-Staaten-Lösung auch hier endgültig zu untergraben. In der Knesset wurde bereits im Juli eine Resolution mit großer Mehrheit angenommen, das Westjordanland zu annektieren. Das soll nicht mehr durch allmähliche Ausweitung der Siedlungen, militärische Aktionen und Attacken der Siedler auf Palästinenser erfolgen, sondern es soll in Reaktion auf die Ankündigung von Staaten, Palästina anzuerkennen,  Klartisch gemacht und die Okkupation zur Annexion werden: „Es ist an der Zeit, die israelische Souveränität in Judäa und Samaria anzuwenden und die Idee, unser kleines Land zu teilen und einen terroristischen Staat in seinem Herzen zu errichten, ein für alle Mal zu beseitigen.“ Smotrich sagte auch deutlich Richtung EU, dies sei „ein präventiver Schritt gegen den diplomatischen Angriff, der gegen uns geplant ist“. Das Hauptziel sei es, „diese Idee eines palästinensischen Staates ein für alle Mal zu beseitigen“. Smotrich setzt sich, wie das die israelische Regierung seit Jahrzehnten macht, über das Völkerrecht hinweg: „Judäa und Samaria sind kein umstrittenes Gebiet, sondern das Erbe unserer Vorfahren seit Generationen. Es wird und kann niemals einen palästinensischen Staat in unserem Land geben.“

Der Plan ist perfide und die Umsetzung dessen, was bereits seit Antritt der Regierung intendiert wurde. So waren auch am Gazastreifen stationierte Truppen vor dem 7. Oktober ins Westjordanland verlegt worden, auch weil man sich wegen des angeblich unüberwindbaren Hightech-Zauns sicher fühlte, was mit ein Grund gewesen war, dass Hamas mit dem Angriff erst einmal leichtes Spiel hatte. Ähnlich wie im Gazastreifen soll nicht die Bevölkerung direkt vertrieben, sondern umgesiedelt werden. Die Devise: „Maximal viel Land mit minimaler (palästinensixcher) Bevölkerung“.  82 Prozent des Westjordanlandes sollen annektiert werden, die palästinensischen Bewohner in sechs Enklaven mit den Städten Dschenin, Tulkarm, Nablus, Ramallah, Jericho und Hebron konzentriert bzw. eingesperrt werden, die voneinander isoliert sind. Das wären tatsächlich große Gefängnisse, deren Zu- und Ausgänge total kontrolliert werden könnten.  Die Palästinensische Autorität müsste sich natürlich auflösen oder würde vernichtet.

Erstveröffentlicht im Overton Magaazin v. 4. 9. 2025
https://overton-magazin.de/top-story/smotrich-perfider-plan-zur-annexion-des-westjordanlands/

Wir danken für das Publikationsrecht.

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