Die EU-Staats- und Regierungschefs haben gelogen, als sie Israel aufforderten, den Völkermord im Gazastreifen zu stoppen


von Motasem A Dalloul, May 29, Middle East Monitor

Unter europäischen Staats- und Regierungschefs zeichnete sich kürzlich ein neuer Trend ab: Sie begannen, die israelischen Verbrechen und den seit 600 Tagen andauernden Völkermord an der Zivilbevölkerung im Gazastreifen lautstark zu verurteilen. Dieser Trend gab den Palästinensern und allen, die sich für die Menschlichkeit einsetzen, Hoffnung, dass dies zu einer Abschreckung der israelischen Besatzung führen würde.

Die europäischen Staats- und Regierungschefs verwendeten sehr scharfe Worte, als sie sich gegen den israelischen Besatzungsstaat, seine Armee und deren Verbrechen aussprachen. Der neue deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz, einer der engsten Verbündeten Israels, sagte: „Was die israelische Armee jetzt im Gazastreifen tut, verstehe ich ehrlich gesagt nicht mehr, mit welchem ​​Ziel.“

Auch Merz erklärte auf der Digitalkonferenz Re:publica in Berlin, dass eine Grenze überschritten und das humanitäre Völkerrecht verletzt worden sei. Er betonte, dass das Zufügen solchen Leids unter der Zivilbevölkerung „nicht länger als Kampf gegen den Hamas-Terrorismus gerechtfertigt werden kann.“

Vor Merz drückten die Staats- und Regierungschefs dreier europäischer Länder ihre Abscheu über das Vorgehen des israelischen Militärs in Gaza deutlich aus. „Das Ausmaß des menschlichen Leids in Gaza ist unerträglich“, erklärten die Staats- und Regierungschefs Frankreichs, Großbritanniens und Kanadas in einer gemeinsamen Erklärung.

Sie kritisierten sogar die israelischen Äußerungen, die Einfuhr minimaler Mengen an Nahrungsmitteln für die hungernde Bevölkerung Gazas zuzulassen. „Die Ankündigung, Israel werde eine Grundversorgung mit Nahrungsmitteln nach Gaza zulassen, ist völlig unzureichend. Wir fordern die israelische Regierung auf, ihre Militäroperationen in Gaza einzustellen und sofort humanitäre Hilfe nach Gaza zuzulassen.“

Inzwischen haben sie sogar die Sprache der extremistischen israelischen Minister verurteilt, die ihre wahren Absichten hinsichtlich der von Israel geplanten Vernichtung der Palästinenser zum Ausdruck bringen – der Eigentümer des Landes Palästina, wo Israel 1948 gegründet wurde.

„Wir verurteilen die abscheuliche Sprache, die Mitglieder der israelischen Regierung in jüngster Zeit verwendet haben. Sie drohen damit, dass die Zivilbevölkerung in ihrer Verzweiflung über die Zerstörung Gazas umsiedeln werde. Dauerhafte Zwangsvertreibung ist ein Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht“, heißt es in ihrer Erklärung.

Sogar US-Präsident Donald Trump hat mehrfach angedeutet, dass er ein Ende des Völkermords in Gaza wünscht. „[Trump] hat sehr deutlich gemacht, dass er ein Ende des Konflikts in der Region will“, sagte die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, gegenüber Reportern auf die Frage nach dem angeblichen Abbruch der Beziehungen zwischen ihm und dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu. Netanjahu hatte sich entschieden, die Angriffe auf Gaza auszuweiten und den amerikanischen Waffenstillstandsvorschlag, der ein Ende des Völkermords vorgesehen hätte, zu ignorieren. 

Auch viele europäische und internationale Politiker haben begonnen, sich lautstark gegen den israelischen Völkermord im Gazastreifen auszusprechen. Damit geben sie den Bewohnern des Gazastreifens Hoffnung, dass dies zu echten Maßnahmen vor Ort führen und die israelische Besatzung dazu bewegen würde, ihre Tötungsmaschinerie zu stoppen.

Einige Tage später wurde jedoch klar, dass es sich bei den europäischen Aufrufen lediglich um einen Propagandatrick handelte, der die Opposition dazu bewegen sollte, ihre Proteste gegen die israelische Besatzung, ihre Führer und Soldaten abzuschwächen. Diese haben inzwischen Angst davor, mehrere europäische Länder zu besuchen, weil sie Ermittlungsanordnungen und Inhaftierungen befürchten.

Trotz allem hat kein Land konkrete Schritte unternommen, außer Spanien, das sich seit Beginn des Völkermords gegen ihn ausgesprochen hat. Alle Staats- und Regierungschefs der anderen Länder fordern die israelische Besatzung auf, ihren Völkermord zu beenden, und liefern gleichzeitig Waffen, damit sie den Völkermord fortsetzen können.

Für Trump, der den Krieg beenden will, markierte die israelische Besatzungsmacht den 600. Tag ihres Völkermords im Gazastreifen mit der Veröffentlichung einer Statistik. Darin heißt es, dass die USA seit Beginn des Völkermords 800 Flugzeuge und 140 Schiffe mit Waffen in den israelischen Besatzungsstaat geschickt hätten.

Andere Länder, darunter Frankreich, Deutschland, die USA und Kanada, liefern weiterhin Waffen und Ersatzteile für militärische Ausrüstung in den Besatzungsstaat, um dem palästinensischen Volk noch mehr Leid zuzufügen.

Die schlimmste und heuchlerischste Haltung kam von Großbritannien, das erklärte, es habe die Handelsgespräche mit dem israelischen Besatzungsstaat abgebrochen. Gleichzeitig erklärte Lord Ian Austin, der Handelsgesandte der britischen Regierung in Israel, Anfang der Woche, er besuche den Besatzungsstaat, „um Geschäftsleute und Beamte zu treffen und den Handel mit Großbritannien zu fördern“.

Darüber hinaus jagt und schikaniert die britische Polizei weiterhin Journalisten und Aktivisten, die die israelischen Verbrechen aufdecken und über den Völkermord im abgeriegelten Gazastreifen informieren. Zu ihnen gehören beispielsweise Sarah Wilkinson, Shameen Suliman und Asa Winstanley.

Als Palästinenser erkannte ich sofort die Heuchelei der europäischen und amerikanischen Politiker, denn ihre jüngsten Erklärungen kamen fast zwei Jahre nach dem Beginn des Völkermords, bei dem Israel über 60.000 Menschen tötete, rund 200.000 verletzte und die gesamten 2,4 Millionen Einwohner Gazas vertrieb.

Ihre vorgebliche Verurteilung wurde diskreditiert, weil ihre Prämisse falsch war. Sie schoben die Schuld für die israelische Besatzung der palästinensischen Widerstandsbewegung Hamas zu und ignorierten dabei den historischen Kontext und die endlose Liste israelischer Verbrechen gegen das palästinensische Volk. Sie ignorierten, dass Israel ein Besatzungsstaat ist, und leugneten das Recht, sich der Besatzung zu widersetzen.

Sie bezeichneten die Taten des palästinensischen Widerstands am 7. Oktober als „abscheuliches Verbrechen“, während sie über den israelischen Völkermord in Gaza lediglich sagten, er sei „unerträglich“. Sie forderten außerdem die sofortige Freilassung der verbleibenden 58 israelischen Gefangenen und ihrer Toten und ignorierten dabei völlig, dass über 12.000 palästinensische Geiseln in israelischen Gefängnissen weiterhin Misshandlungen und Folter erleiden.

Wer Vertrauen in die Wahrheit gewinnen will, muss seinen Worten Taten folgen lassen. Und im Kontext Palästinas muss er die Lügen und die Propaganda über die Opfer des israelischen Völkermords aufgeben.

Der Beitrag von Motasem A Dalloul ist am 29. May in Middle East Monitor erschienen. Wir danken für das Publikationsrecht inklusive Titelbild.

Titelbild: Der „Großbritannien-EU-Gipfel“, der vom britischen Premierminister Keir Starrer (C) geleitet wird, findet am 19. Mai 2025 in London, der Hauptstadt Großbritanniens, statt. Der Präsident der EU-Kommission, Ursula von Der Leyen (L), und Präsident des Europäischen Rates Antonio Costa (R) besuchten den Gipfel. [Raşid Necati Aslım – Anadolu Agentur]

Protestaktion „Rote Linie: Völkerrecht“ – anlässlich des Besuchs des israelischen Außenministers


5. Juni 2025 11.30 Uhr | Protestaktion „Rote Linie: Völkerrecht“ – anlässlich des Besuchs des israelischen Außenministers | Auswärtiges Amt


Anlässlich des bevorstehenden Besuchs des israelischen Außenministers Gideon Sa’ar ruft ein Zusammenschluss aus verschiedenen humanitären und Menschenrechtsorganisationen gemeinsam mit politischen Gruppen zu einer Protestaktion vor dem Auswärtigen Amt auf. Unter dem Titel „Rote Linie: Völkerrecht“ setzen sie ein klares Zeichen gegen die anhaltenden Völkerrechtsbrüche durch die israelische Regierung und die deutsche Unterstützung durch Rüstungsexporte, politische Rückendeckung und diplomatische Doppelstandards.

Wann: 5. Juni 2025 um 11.30 Uhr

Wo: Auswärtiges Amt, Werderscher Markt 1, 10117 Berlin


Die Aktion ist angelehnt an die Proteste in Den Haag im Mai, die die Arbeit des Internationalen Gerichtshofs (IGH) und des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) unterstützen – insbesondere mit Blick auf Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Gaza.

Die zentralen Forderungen an die Bundesregierung sind:

  • Stellen Sie sich endlich hinter geltendes internationales Recht und tragen Sie dazu bei, dass die Forderung des Internationalen Gerichtshofs nach Schutz und Versorgung der Zivilbevölkerung in Gaza durchgesetzt wird. Die Hilfsblockade muss sofort vollständig beendet und das Hungern in Gaza gestoppt werden!
  • Bestehen Sie ohne Wenn und Aber auf einem sofortigen und umfassenden Waffenstillstand.
  • Liefern Sie keine Rüstungsgüter an Israel, um sich nicht an Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit an der Zivilbevölkerung in Gaza mitschuldig zu machen.
  • Setzen Sie sich für die Freilassung der Tausenden in Israel zu Unrecht festgehaltenen Menschen und der Dutzenden Geiseln in Palästina ein.
  • Hören Sie die Forderungen der palästinensischen und israelischen Zivilgesellschaft, die sich für einen gerechten Frieden engagiert, und unterstützen Sie deren ohnehin herausfordernde Arbeit aktiv, anstatt sie zu behindern.
  • Unterstützen Sie die internationale Gerichtsbarkeit ohne Einschränkungen, setzen Sie ihre Entscheidungen vollständig um und tragen Sie dazu bei, die jahrzehntelange Straflosigkeit zu beenden.
  • Beachten Sie das Gutachten des Internationalen Gerichtshofs vom 19. Juli 2024 und die zugehörige Resolution der UN-Generalversammlung und drängen Sie auf ein unverzügliches Ende der illegalen Besatzung, des völkerrechtswidrigen Siedlungsbaus und der Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung im Westjordanland, einschließlich Ostjerusalem.
  • Erkennen Sie das Recht der Palästinenser:innen auf kollektive Selbstbestimmung vorbehaltlos an und treten Sie konsequent für dessen Verwirklichung ein.
  • Schützen und verteidigen Sie die Meinungs- und Versammlungsfreiheit in Deutschland, anstatt sie zu untergraben.

Die Aktion wird unterstützt von:

  • 350.org
  • 4neukoellnplusberlin
  • Amnesty International Deutschland
  • Ärzte der Welt
  • Internationale der Kriegsdienstgegner*innen
  • IPPNW Deutschland
  • Israelis für Frieden
  • Israelisches Komitee gegen Hauszerstörungen
  • Komitee für Grundrechte und Demokratie
  • KriSol – Allianz für Kritische und Solidarische Wissenschaft
  • medico international
  • Netzwerk Friedenskooperative
  • Oxfam Deutschland
  • Partnerschaftsverein Bonn-Ramallah
  • pax christi, Deutsche Sektion
  • Pro Peace
  • Terre des Hommes

Die Aktion wird inszeniert mit einer roten Stofflinie sowie roten Schildern mit Forderungen an die deutsche und israelische Regierung. Vertreter:innen der Organisationen stehen vor Ort für Gespräche und O-Töne zur Verfügung.

Wir laden Sie herzlich ein, über diese Aktion zu berichten. Für Rückfragen oder Interviews stehen wir im Vorfeld und während der Veranstaltung gerne zur Verfügung.

Zitate:

“Mit unseren Teams vor Ort in Gaza sind wir Zeugen nicht nur einer humanitären Krise, sondern einer Krise der Menschlichkeit. Hunger als Kriegswaffe einzusetzen, ist ein Verstoß gegen das Völkerrecht.“ Francois de Keersmaeker, Ärzte der Welt

„Außenminister Wadephul hat kürzlich angekündigt, dass die Bundesregierung ihr Handeln gegenüber Israel – einschließlich der Fortführung der Rüstungsexporte – daraufhin überprüfen werde, ob Israel das humanitäre Völkerrecht in Gaza einhält. Wir alle wissen, dass das seit mehr als 20 Monaten nicht der Fall ist. Das Treffen mit Außenminister Sa’ar ist also die lange überfällige Gelegenheit, nicht nur deutliche Kritik zu äußern, sondern die Umsetzung konkreter politischer Konsequenzen anzukündigen: Deutschland muss die Exporte von Waffen und Rüstungsgütern umgehend stoppen.“ Katja Müller-Fahlbusch, Amnesty International Deutschland.

Aktuelle Ergänzung: Wadephul stieß selbst  wegen seiner "behutsamen"  Kritik an Israel auf massiven Widerstand innerhalb seiner CDU/CSU Fraktion. Er wurde wieder eingenietet. Die Welt schreibt: "Wenn der Außenminister sich in dieser Woche zu Israel und den Militäroperationen im Gaza-Streifen äußern werde, dann werde er die Notwendigkeit betonen, dass die Hamas alle noch in ihrer Gewalt befindlichen Geiseln aus Israel freilässt. Dass die Terrororganisation Hamas eine Verantwortung für die Kämpfe in der Region trage. Dass Israel zwar das Völkerrecht wahren müsse, aber das Recht habe, sich zu verteidigen. So sei man verblieben, sagt ein Mitglied des Fraktionsvorstands."

siehe auch unseren Beitrag zur Aktion vor dem Aussenministerium am 27.Mai: "Gaza – Das Momentum dreht sich – auch Israelis solidarisieren sich europaweit mit Palästina!"

„Die Lage in Gaza ist nicht erst seit dem 2. März, seit Beginn der anhaltenden vollständigen Abriegelung völlig inakzeptabel. Selbst nach ihren eigenen Angaben hat die israelische Armee in den 15 Monaten bis Ende 2024 bestenfalls ein Viertel dessen an humanitärer Hilfe in den Gazastreifen gelassen, was u. a. die Vereinten Nationen als das absolute Minimum definiert hatten. Das sind Kriegsverbrechen mit Ankündigung, gegen die die Bundesregierung endlich nicht nur rein rhetorisch vorgehen sollte.“ Riad Othman, medico international

Kontakt: Amnesty International Deutschland e. V., Tel: +49 (0)30 420248-306, E-Mail: presse@amnesty.de

Gaza – Das Momentum dreht sich – auch Israelis solidarisieren sich europaweit mit Palästina!

Das Momentum dreht sich immer weiter.

Die Bilder über GAZA erdrücken ihre Lügen. Ob sie nun Nethanyahu, Trump, Merz oder auch verblassender Weise Habeck oder Scholz heissen. Wer erinnert sich schon noch daran, dass Kanzler Scholz bei der Verteidigung der „bedingungslosen“ Staatsräson Nethanyahu sein absolutes Vertrauen aussprach und bekundete, daß dieser Mann nichts Schlechtes im Schilde führen könne. Merz verkündete noch kürzlich vollmundig, diesen international gesuchten Kriegsverbrecher Nethanyahu mit allen Ehren in Deutschland empfangen zu wollen. Aber keiner kann all die Grausamkeiten und Zerstörungen, die die Menschen tagtäglich in diesem israelischen Vernichtungskrieg sehen und erfahren noch glaubwürdig mit einer „Verteidigung“ und Abwehr von „Hamas Terrorismus“ rechtfertigen.

Europaweit gab es vorletzte Woche Massenproteste: 500 000 in London, über 100 000 in den Haag, über 80 000 in Brüssel, 10 tausende in Paris. Europäische Schwergewichte wie Spanien, Frankreich, Italien und Großbritanien hatten längst vor dem Hintergrund dieses öffentlichen und internationalen Drucks ihre Stimme erhoben und -wenn auch schleppend und möglicherweise als Feigenblatt nur – Maßnahmen gegen Israel eingeleitet. Da agierten die deutschen Regierungsvertreter noch wie Vasallen von Völkermördern und traten in internationalen Gremien heftig auf die Bremse. Deutschland stand zuletzt mit seiner Staatsräson zu Israel selbst in Europa isoliert da. Und im Inland lehnen inzwischen mehr als 80 Prozent der Bevölkerung Israels Vernichtungsfeldzug ab.

Zum 17.Mai riefen Israelis europaweit zur Solidarität mit Palästina auf!

Jetzt sind es sogar israelische Bürger:innen, die Forderungen aufstellen, die deutsche Politiker mit Händen und Füßen bisher abzuwehren und auf internationalem Parkett zu unterlaufen versuchen:

Aussetzung des Assoziierungsabkommens zwischen der EU und Israel! Stoppt die Bewaffnung Israels! Als israelische Bürger in Europa beobachten wir mit gebrochenem Herzen und unendlicher Wut, wie die israelische Armee dem Gazastreifen und seiner Bevölkerung beispiellose Zerstörung zufügt, wie die israelische Gesellschaft in Faschismus und weitverbreitete Entmenschlichung abdriftet und wie unsere Regierung einen Völkermord begeht, der auf die Vernichtung der palästinensischen Gemeinschaft abzielt.

Wir fordern die europäischen Regierungen, Institutionen und die Zivilgesellschaft auf, im Einklang mit den Werten zu handeln, die sie angeblich vertreten: Menschenrechte, Völkerrecht und den Schutz des zivilen Lebens. Die EU und ihre Mitgliedstaaten müssen das Assoziierungsabkommen mit Israel gemäß Artikel 2 dieses Abkommens aussetzen, der Menschenrechte und demokratische Werte verankert.

Die europäischen Länder müssen alle Waffenexporte nach Israel stoppen – diese Waffen werden für Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingesetzt. Worte der Besorgnis reichen nicht mehr aus. Wenn Völkerrecht so offen verletzt wird, wenn ganze Gemeinschaften vertrieben und ausgehungert werden, wenn die Tötung von Zivilisten unter dem Deckmantel der Selbstverteidigung gerechtfertigt wird, müssen wir mit prinzipiellem Handeln reagieren.

Business as usual mit Israel macht Europa zu Komplizen der Kriminalität.

In Paris / Berlin / Mailand / Brüssel / Straßburg / Valencia / Amsterdam / Kopenhagen / London / Madrid / Barcelona / Frankfurt / Lissabon gingen sie auf die Straßen und protestierten als israelische Bürger, „um die Möglichkeit einer Zukunft zu verteidigen, die auf Gleichheit und Würde für alle basiert.“

Kundgebung Berlin, Israel:innen solidarisieren sich mit Palästina, 17. Mai 2025 Berlin, Peter Vlatten

Mehrere hundert Menschen hatten sich – initiert von Israelis for Peace – vor dem Auswärtigen Amt in Berlin versammelt. Sie skandierten in kurzen Reden und Parolen ihre Hauptforderungen und brachten ihre unendliche Wut und Empörung über den Völkermord in Gaza und die Komplizenschaft insbesondere der Ampel und der neuen Merz-Regierung zum Ausdruck. Sie erwarten von den Europäischen Regierungen, vor allem aber von Deutschland, endlich sofortiges konsequentes Handeln und Druck gegen Israel. Jeder Tag Völkermordkatastrophe ist ein Tag der Barbarei zuviel!

Ihre Parolen erinnern an die Parolen auf den propalästinensischen Demonstrationen in Berlin. „Kein zweites Nakba!“ „Stop Genocide! „Stop arming Genocide!“ „Stop funding Genocide!“ „Not in our name, not in our taxes!“ „There is no military solution!“ „Israel broke the deal !“ „From the river to the sea, all people should be free!“ „Deutschland finanziert, Israel bombardiert!“ „Israel choosing violence, Germany must break its silence!“ Es wurde gefordert, Israel zu boykottieren und zu sanktionieren, nicht allein mit Waffen! Und immer wieder „Free Palestine!“ „Free Palestine!“

Bemerkenswert. Für viele dieser Parolen, die an diesem Abend des 17.Mai skandiert oder hochgehalten wurden, sind schon mehrfach Palästinenser:innen, Demonstranten und auch jüdische Mitstreiter:innen von der Berliner Polizei attackiert, verhaftet oder sogar zusammengeschlagen worden. Menschen wurden und werden dafür öffentlich als „Antisemiten“ gebrandmarkt, kriminalisiert und in existentielle Schwierigkeiten gebracht. Das Versammlungsrecht bezüglich Palästinasolidarität wurde und wird von den Berliner Behörden drastisch eingeschränkt. Ein Beispiel: auf der 1.Mai Demonstration des DGB dieses Jahr wurde eine Jüdin verhaftet, weil sie ein Plakat mit der Aufschrift „Another Jew for Free Palestine!“ hochhielt. Das Plakat wurde beschlagnahmt.

Weiter bemerkenswert: fast freundliche Polizeibeamte. Keiner hatte wohl etwas gegen die sonst so sehr monierten israelkritischen Äusserungen einzuwenden. Von gepanzerten und behelmten schwer bewaffneten Einsatzkräften, wie sie bei palästinasolidarischen Aktionen in Berlin üblich sind, war weit und breit nichts zu sehen, ganz zu schweigen, dass sie knüppelschwingend in die Menge der Protestierenden eingedrungen wären. Einerseits erfreulich, anderseits – wie ein Mitdemonstrant anmerkte – wohl auch Ausdruck eines strukutrellen behördlichen Rassismus, der sich unter dem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner überall breit gemacht hat. Deutsche Polizeiknüppel gegen israelische Bürger:innen, solche Bilder will man wohl vermeiden. Bei Palästinenser:innen spielt das keine Rolle.

Deutsche Spitzenpolitiker merken, es wird Zeit die Rethorik anzupassen.

Friedrich Merz rudert von seiner bisher forschen bedingungslosen Verteidigung der isrealischen Politik zurück und mimt den Ahnungslosen . Er könne die ganze Zielsetzung des israelischen Vorgehens nicht mehr erkennen, das Ausmaß der „in Mitleidenschaft gezogenen Zivilbevölkerung“ lasse sich nicht mehr mit dem „Hamasterrorismus“ begründen!

Hat denn dieser Bundeskanzler noch nie etwas von den breit diskutierten Vertreibungs- und Auslöschungsplänen führender israelischer Politiker und Regierungsmitglieder gehört? Ist ihm der Trumpplan für GAZA vollkommen unbekannt? Sind ihm die Aussagen des internationalen Gerichtshof gänzlich entgangen? Deklamatorisch wird von Israel jetzt die Sicherstellung humanitärer Hilfslieferungen gefordert. Es gibt auch Andeutungen – im Konjunktiv -, man könne mit dem Aussetzen von Waffenlieferungen drohen, was aber vom deutschen Innenminister sofort wieder dementiert wurde. Immerhin: Mehrere prominente Abgeordnete der SPD haben sich jetzt konkret für ein Waffenembargo gegen Israel ausgesprochen!

Geben wir uns nicht mit halbgaren heuchlerischen Statements zufrieden.

Der Stern karikiert das Auftreten deutscher Politiker, „die auf Auslandsreisen nach Israel wichtigerweise die verblassenden Erinnerungen des Hamas-Terrors am 7. Oktober aufzuhellen versuchen, sich mit Geiselangehörigen treffen, die Orte des Schreckens besuchen – und sich routiniert in ein Gesprächskorsett zwängen. Am Ende bleibt dann eben nur noch Luft für ein paar dünne Sätze zur Lage in Gaza.“

In der Rede des Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak (die Linke) hiess es: „Sie wussten es früh, dass deutsche Waffen dort erbarmungslos mitmorden, sie wussten es und liessen es zu, daß es weiter geschieht. Nein sie haben nicht ihr Gewissen entdeckt. Sondern eine weltweite Bewegung hat sie dazu gezwungen, jede Demonstration, jede Kundgebung, jede Besetzung und jede Anklage, die diese gewollte und geplante Katastrophe anprangerte, hat dazu einen Beitrag geleistet.“

20 Monate lang wurden die Entmenschlichung von Palästinser:innen und ein systematischer Völkermord gedeckt, unterstützt und befeuert.

Lippenbekenntnisse ohne konkrete Maßnahmen gegen Israel und den Völkermord sind keine Kehrtwende. Da verhungert und verblutet kein einziges Kind weniger. Die ganze politische Elite kann sich ihre Erklärungen abschminken, solange sie zum Beispiel dem Regierenden Bürgermeister von Berlin bei seiner Unterdrückung jeglicher Soldarität für die Menschen in Gaza nicht in die Parade fährt.

Wir müssen weiterkämpfen und unsere Stimme erheben! Am 14. Juni findet am Brandenburger Tor eine Großkundgebung statt: „STOPPT DEN VÖLKERMORD, DAS AUSHUNGERN UND DIE VERTREIBUNG DER PALÄSTINENSER!“ Nehmen wir uns andere europäische Hauptstädte zum Vorbild. Verwandeln wir Empörung in Protest!

Fotos, Video Peter Vlatten

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