„Wir bewegen uns von einer Nachkriegs- zu einer Vorkriegswelt“

Kriegs- und Rüstungsbefürworter haben derzeit Oberwasser, die Kriegsgefahr sei hoch, wird geraunt, und natürlich steht Putin vor der Tür der Nato, die sich verteidigen muss.

Von Florian Rötzer

Am Montag verkündete Bild, um einen tags zuvor veröffentlichten Bericht zu verstärken, unter dem seltsamen Titel „Putin-Angriff ‚näher als die meisten denken‘“, dass sich die Bundeswehr angeblich auf einen Krieg der Nato gegen Russland vorbereite. Es herrsche „Riesen-Nervosität in Europa“, weiß die Zeitung und behauptet: „In einem detaillierten Schritt-für-Schritt-Plan spielen die Bundeswehr-Experten eine russische Eskalation durch – und was die Nato unternehmen müsste, um Moskau in die Schranken zu weisen.“

Es wird offensichtlich auf der Angst geritten, wie das viele westliche Regierungskreise machen, um den Ukraine-Krieg fortzusetzen. Behauptet wird, wenn Russland – einzig verkörpert durch den Bösen, durch Wladimir Putin – die Ukraine besiegen würde, stünde der Angriff auf weitere Nato-Länder an. Die Bundeswehr bereite sich ab Februar 2024 nach dem „Geheimpapier“ auf einen „hybriden russischen Großangriff auf die Ostflanke der Nato“ vor. Dabei handelt es sich aber nur um ein übliches Übungsszenario, das davon ausgeht, dass Russland mit einem Zapad-Großmanöver, das seit den 1970er Jahren immer einmal wieder abgehalten wird, Truppen in Belarus konzentrierten könnte, um dann die Suwalki-Lücke anzugreifen, nachdem Kaliningrad aufgerüstet wurde. Das klingt nach dem Titel „Bundeswehr bereitet sich auf Putin-Angriff vor“, die Nato macht dies schon länger (Wer hat Angst vor dem russischen Manöver Zapad 2017?). Aber Bild weiß sich da auch mit Verteidigungsminister Pistorius einig, der im Dezember auch vor einem russischen Angriff warnte und Deutschland „kriegstüchtig“ machen will.

Die Gefahr aus dem Osten für Europa hämmert auch der ukrainische Präsident Selenskij den westlichen Staaten ein, um sie bei der Stange zu halten. Zudem meint er, gefangen in der Aufmerksamkeitsökonomie, er müsse Russland in Konkurrenz zu Israel und dem Gaza-Krieg böser als bös darstellen und ein Zerrbild des kriegs- und geldlüsternen Putin liefern, so dass der Kampf gegen Putin zur globalen Entscheidungsschlacht im Stil von Tolkien werden soll. Auf dem Weltwirtschaftsforum sagte er wieder einmal, dass einzig die Ukraine und deren Soldaten den russischen Vormarsch aufhalten. Dazu führt er auch die behaupteten Abschüsse von Kinshal-Hyperschallraketen mit Patriot oder die von russischen Militärmaschinen wie das AWACS-Flugzeug A-50 an. Seine Kriegsromantik ist allerdings ein schriller Appell an den Westen, die Ukraine weiter zu unterstützen:

„Wer glaubt, es ginge hier nur um die Ukraine, der irrt gewaltig. Die möglichen Richtungen und sogar der Zeitrahmen einer neuen russischen Aggression über die Ukraine hinaus werden immer deutlicher. Lassen Sie mich ganz ehrlich fragen: Welche europäische Nation kann heute eine kampfbereite Armee aufstellen, die der unseren ebenbürtig ist und Russland zurückhält? Und wie viele Männer und Frauen sind Ihre Nationen bereit, zur Verteidigung eines anderen Staates, einer anderen Nation zu entsenden? Wenn man in den kommenden Jahren gemeinsam gegen Putin kämpfen muss, ist es dann nicht besser, ihm und seiner Kriegsstrategie jetzt ein Ende zu setzen, während unsere tapferen Männer und Frauen dies bereits tun? Sie sind die Chance der Welt. Sie sind es.“

Die Bundesregierung scheint Angst vor einem Wahlsieg von Trump zu haben und steckt Milliarden in Waffenlieferungen und Finanzhilfen in das Pleiteland Ukraine. Zudem übt der Bundeskanzler Druck auf andere EU-Staaten aus, die Ukraine-Hilfe wie Deutschland zu erhöhen: „Europa muss demonstrieren, dass es eng an der Seite der Ukraine steht, an der Seite der Freiheit, des Völkerrechts, der europäischen Werte“, so Bundeskanzler. Deutschland hat seit Beginn des Krieges die Ukraine mit 28 Milliarden Euro unterstützt und will nun weitere 20 Milliarden aus dem normalen Haushalt ausgeben, darunter 8 Milliarden für Waffen und 7 Milliarden für die Flüchtlinge, gespart muss daher woanders werden.

Nicht nur die Bild, auch andere Medien wie Der Westen (Putin: Weckruf an uns alle!) oder der Merkur (Angriff aus Russland) verbreiten Angst, offenbar um die Unterstützung der Ukraine und die Fortsetzung des Kriegs zu erwirken. Bild stützt sich auf einen „Militärexperte Fabian Hoffmann, Wissenschaftler an der Universität Oslo, in einem viel beachteten Beitrag auf X (früher Twitter)“. Das ist natürlich überaus ernst zu nehmen, da er doch meint, die Russen würden „einen Angriff auf die osteuropäischen Nato-Länder riskieren, obwohl sie in der Ukraine große Probleme haben und dem westlichen Verteidigungsbündnis militärisch unterlegen sind. Der Kreml wisse um seine Schwächen und habe diese einkalkuliert.“

Eine wunderliche Logik, Putin würde darauf setzen, die Nato nicht militärisch, sondern psychologisch zu besiegen, weil sie die Ukraine doch zögerlich unterstützt habe. Das kann man nun ja nicht gerade sagen, zudem hat Russland alle Eskalationsstufen der Nato-Staaten bei allen Warnungen bislang nicht mit einem Angriff auf Nato-Staaten beantwortet. Russland hat schon große Schwierigkeiten mit der Ukraine und kaum die Kapazitäten, das Land, sollte es ganz eingenommen werden, wenn dies wirklich die Intention wäre, dann flächendeckend kontrollieren zu können, geschweige denn weitere Länder überfallen und besetzen zu können.

Es muss schon das Schreckgespenst eines imperial besessenen Putin beschworen werden, um eine wirkliche Bedrohung der Nato zu suggerieren, die tatsächlich immer noch militärisch weit überlegen wäre. Vielmehr hat man den Eindruck, dass die Ukraine und der Krieg gegen Russland vor allem dazu dient, die Einheit der Nato zu gewährleisten, die mit Trump als US-Präsident tatsächlich gefährdet wäre. Dass man sich auf Angriffe vorbereitet und Szenarien ausbrütet, ist natürlich Routine auf der Seite der Nato und Russlands. Dabei wird schon seit Jahren, also lange vor dem Krieg, die Suwalki-Lücke als Risiko betrachtet – sowohl von der Nato, weil man hier die Landverbindung zwischen Polen und den baltischen Staaten schließen, aber auch Kaliningrad isolieren könnte.

Die EU- und Nato-Staaten sollen kriegsbereit gemacht und die Rüstungsbudgets hochgefahren werden. Dazu ist ein Gegner notwendig, der angeblich jederzeit zuschlagen kann und will. Die schwedische Regierung hat bereits die Menschen in Panik versetzt, weil sie vor einem drohenden Krieg warnt. Der Verteidigungsminister sagte: „Die Wolken verdichten sich. Die Welt ist gefährlicher geworden … Ein bewaffneter Angriff gegen Schweden kann nicht ausgeschlossen werden. Der Krieg kann auch zu uns kommen.“ Noch soll die Ukraine Europa verteidigen: „Die Ukraine ist Europas Schutzschild gegen den russischen militärischen Expansionismus. Und die Zukunft der europäischen Sicherheitsordnung wird auf den Schlachtfeldern der Ukraine entschieden.“ Daher muss die Ukraine weiter militärisch unterstützt, aber auch Schweden sein Militär technisch und personell ausbauen und die Rüstungsbranche stärken. Die Militärausgaben werden um 2,3 Milliarden Euro erhöht. Die Schweden werden aufgefordert, sich auf einen Krieg nach dem Konzept der „totalen Verteidigung“ vorzubereiten.

„Wir befinden uns am Beginn einer neuen Ära“

Gerade hat auch der britische Verteidigungsminister Grant Shapps demonstriert, dass es nicht um die Umsetzung einer friedlichen Ordnung geht, sondern um Kriegsvorbereitung durch Aufrüstung. Dazu gehört ebenfalls das Mantra, dass die Welt jetzt gefährlicher geworden sei, und dass man jetzt, im Jahr 2024, in einem Entscheidungsjahr lebt: für die Ukraine, aber auch für Großbritanniens nationale Verteidigung und die „Macht, die Welt zu beeinflussen“. Alles andere ist unpatriotisch.

„Großbritannien hat schon oft das scheinbar Unmögliche geschafft. Unsere Geschichte ist übersät mit Momenten, in denen wir uns der Bedrohung gestellt und gesiegt haben.  Aber wir befinden uns in einer neuen Ära und müssen darauf vorbereitet sein, unsere Feinde abzuschrecken, unsere Verbündeten anzuführen und unser Land zu verteidigen. Bei der Abschreckung geht es darum, dass das Vereinigte Königreich einen strategischen Vorteil gegenüber seinen Feinden erlangt. Die Grundlage für diesen Vorteil ist natürlich unser Nuklearunternehmen. In einer Zeit wachsender nuklearer Gefahren bietet unsere kontinuierliche Abschreckung auf See den ultimativen Schutz. Deshalb geben wir rund 31 Milliarden Pfund aus, um Dreadnought-U-Boote der nächsten Generation zu beschaffen und unsere Abschreckung zu verbessern.“

Und er stimmt mit der durch die Gefahren und die Größe des imperialen Landes legitimierte Aufrüstung auf kriegerische Zeiten ein. Selbstverständlich, das gehört zur Rhetorik, wird immer nur reagiert, weswegen alle Länder ja auch Verteidigungsministerien haben:

„Wir befinden uns am Beginn einer neuen Ära. Die Berliner Mauer ist eine ferne Erinnerung. Und der Kreis hat sich geschlossen. Wir bewegen uns von einer Nachkriegs- zu einer Vorkriegswelt. Das Zeitalter des Idealismus wurde durch eine Periode des knallharten Realismus abgelöst. Heute sind unsere Gegner damit beschäftigt, ihre Barrieren wieder aufzubauen. Alte Feinde werden wiederbelebt. Neue Feinde nehmen Gestalt an. Die Kampflinien werden neu gezogen. Die Panzer stehen buchstäblich auf Europas ukrainischem Rasen. Und die Grundlagen der Weltordnung werden in ihren Grundfesten erschüttert. Wir stehen an diesem Scheideweg – ob wir vor einem Meer von Unruhen kapitulieren oder alles tun, um die Gefahr abzuwenden.“

Vom paradoxen Nato-Weg zum Frieden

Es gibt unzählige Stimmen, die jetzt für Aufrüstung und aggressive Militärpolitik trommeln, Friedenspolitik ist hinter dem Horizont verschwunden. Da ist zum Beispiel Admiral Rob Bauer, der Vorsitzende des  Nato-Militärausschusses, der heute  meinte, man befinde sich „in der gefährlichsten Zeit seit Jahrzehnten“, man müsse „das Unerwartere erwarten“, was selbstredend ein Krieg und Wettrüsten ist, denn, so verkündete er den alten Spruch: „Wer Frieden haben will, muss sich auf den Krieg vorbereiten.“ Daher müsse es eine „kriegsführende Transformation der Nato“ geben, aber auch die ganze Gesellschaft müsse in die Vorbereitung einbezogen werden (whole of society approach).

Nato-Generalsekretär Stoltenberg forderte natürlich auf dem Weltwirtschaftsforum auch die weitere Unterstützung der Ukraine, die eine „Investition in die eigene Sicherheit“ sei. Und natürlich sagt auch er, dass Aufrüstung, Waffen und Krieg den „paradoxen“ Weg zum Frieden darstellen: „Das Paradoxe daran ist, dass der Weg dorthin, wenn wir ein friedliches und gerechtes Ende dieses Krieges wollen, über mehr Waffen für die Ukraine führt. Je glaubwürdiger wir also mit unserer militärischen Unterstützung sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Diplomaten Erfolg haben werden. Denn was am Verhandlungstisch mit den Diplomaten geschieht, ist eng mit der Situation auf dem Schlachtfeld verknüpft. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass Putin jetzt auf Frieden aus ist, aber das wird er, wenn er merkt, dass wir nicht aufgeben, dass wir die militärische Stärke haben, die Ukraine zu unterstützen. Und dann werden wir uns zusammensetzen und die Diplomaten können übernehmen.“

Erstveröffentlicht im overton magazin
https://overton-magazin.de/top-story/wir-bewegen-uns-von-einer-nachkriegs-zu-einer-vorkriegswelt/

Wir danken für das Publikationsrecht.

„Sozialdemokraten“ mehrerer westlicher Länder plädieren für Waffenstillstand im Israel GAZA Konflikt

Weltweit stemmen sich parlamentarische Initiativen gegen den vom Westen unterstützten Kriegskurs und fordern einen Stopp des Krieges. Auch Sozialdemokraten aus mehreren westlichen Ländern plädieren nun für einen unverzüglichen Waffenstillstand im Israel GAZA Konflikt.

GAZA. Nicht verdrängen. Nicht vergessen !

Die Front des „Wertewestens“ bröckelt. Global mehren sich die Stimmen: Länder, die den Genoziod durch die israelische Armee an den Palästinenser:innen im GAZA nachweislich unterstützen, müssten wegen Beihilfe ebenfalls auf die Anklagebank des internationalen Gerichtshofs. Zuallererst die USA und Groß Britannien. Aber auch Deutschland steht als direkter Finanzier und Waffenlieferant für die „größten Kriegs- und Menschenrechtsverbrechen“ seit dem zweiten Weltkrieg zur Diskussion.

Die interne Front von Regierungslager über alle „staatstragenden Parteien“ bis insbesondere nicht zuletzt der AFD zur Unterstützung bzw. dem Kleinreden des Massenmords in GAZA bekommt zunehmend Risse. Das Gewissen rührt sich angesichts der nicht mehr leugbaren Fakten von absoluter Barbarei. Laut Umfragen lehnt inzwischen eine Mehrheit der Deutschen eine „bedingungslose“ Unterstützung der Kriegspolitik des israelischen Staates gegen GAZA ab. Die'“regierungsamtliche“ Ablehnung der UN Positionen erzeugt Kopfschütteln. Die Diffamierung der Kritik an Verletzungen von Völker- und Menschenrecht als „antisemitisch“ sehen immer mehr Menschen als absurd und zynisch an. Die deutsche „Cancelculture“ steht international am Pranger.

Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Kanada und den USA haben nun 20 sozialdemokratische Bundestagsabgeordneten einen offenen Brandbrief mit der klaren Forderung nach einem umgehenden Waffenstillstand in Nahost und einer dauerhaften Lösung des Konflikts formuliert. Der offene Brief trägt den Titel „Waffenstillstand jetzt – Humanitäre Katastrophe abwenden, Zwei-Staaten-Lösung vorantreiben!“ Hut ab vor diesen sozialdemokratischen Frauen und Männern, die trotz des politischen Drucks den Mumm haben, dem Mainstream die Stirn zu bieten! Dass hier ein Hauch offener demokratischer Diskussionskultur auflebt, kann nur begrüsst werden.

Ein Teil der Presse mag titeln "Aufstand gegen Scholz". Aber das ist sicher übertrieben. Kommentar eines kritischen Solzialdemokraten: "Unsere Bundestagsvizepräsidentin Aydan Özoğuz, unser Obmann im EU-Ausschuss Christian Petry, Ralf Stegner, Derya Türk-Nachbaur, Johannes Schraps, Sanae Abdi und viele mehr. Danke für euer Engagement und eure Courage! Ich hoffe, dass sich noch viele anschließen.Man könnte nun sagen: 20 Mitgliederinnen und Mitglieder der Bundestagsfraktion sind eine überschaubare Gruppe. Ich sage: Es ist ein Anfang, der Mut macht!"
Hier der offene Brief im Wortlaut :  "Open letter: Ceasefire now: Avert humanitarian catastrophe, advance the two-state solution.docx (google.com)" / "Offener Brief: Waffenstillstand jetzt: Humanitäre Katastrophe abwenden, Zwei-Staaten-Lösung vorantreiben.docx (google.com)"  
Die deutsche Fassung steht nach der englischen Fassung, bitte weiterscrollen!

Überschneidend: Eine weitere globale demokratische Initiative für Waffenstillstand, der sich auch deutsche SPD Parlamentarier angeschlossen haben, macht Furore: „Wir schließen uns zusammen, um einen sofortigen, multilateralen Waffenstillstand in Israel und Palästina, die Freilassung aller verbleibenden israelischen und internationalen Geiseln und die Erleichterung der humanitären Hilfe in Gaza zu fordern. Wir fordern weiterhin unsere jeweiligen Regierungen und die internationale Gemeinschaft auf, das Völkerrecht einzuhalten und die Rechenschaftspflicht für schwere Menschenrechtsverletzungen zu fordern.“

Eine Initiative von Sevim Dagdelen, Deutschland und Ilhan Omar, USA. Eine beeindruckende Liste von Unterzeichnern- schon jetzt – weltweit: “ Global Call › Parliamenterians for Ceasefire (parliamentariansforceasefire.org)

Kino zum Israel Palästina Konflikt

Filmveranstaltungsreihe im Café MadaMe

Mehringplatz 10, in Kreuzberg-Berlin, jeweils ab 19 Uhr, kostenfrei

Gaza Nicht verdrängen. Kontext, Geschichte und Menschen des Israel Palästina Konflikts verstehen!

Thursday, January 18 : Two Blue Lines, Tom Hayes (2015)
Shot over a period of 25 years, Two Blue Lines examines the human and political situation of
Palestinian people from the years prior to the creation of Israel to the present day. By primarily
featuring the narratives of Israelis whose positions run counter to their country’s official policy, the
documentary provides a portrait of the ongoing conflict not often depicted in mainstream media

Der über einen Zeitraum von 25 Jahren gedrehte Film /Two Blue Lines /untersucht die menschliche und politische Situation der Palästinenser*innen von den Jahren vor der Gründung Israels bis zum heutigen Tag. Indem der Dokumentarfilm vor allem die Erzählungen von Israelis zeigt, deren Positionen der offiziellen Politik ihres Landes zuwiderlaufen, liefert er ein Porträt des anhaltenden Konflikts, wie es in den Mainstream-Medien nicht oft gezeigt wird.

Thursday, January 25 : Jews Step Forward, Elika Rezaee, Marjorie Wright (2015)

Jews Step Forward traces a path grounded in Jewish identity, which ultimately separates personal
conscience from a socialized mythology loyal to Israel. Open ended policies of torture, imprisonment,
and murder of indigenous Palestinians including children, contempt for international norms, and the
rise of laws mirroring fascism, all poison any idea of national permanence for Israel based upon peace
and regional integration.The subjects of this film speak with the same Jewish voice, which historically
led the struggle for justice around the world, cutting through visceral defenses to demand an
awakening and a Judaism liberated from Zionism.

Jews Step Forward /zeichnet einen Weg nach, der in der jüdischen Identität begründet ist und der letztlich das persönliche Gewissen von einer sozialisierten, Israel treuen Mythologie trennt. Die offene Politik der Folter, Inhaftierung und Ermordung von einheimischen Palästinenserinnen, einschließlich Kindern, die Missachtung internationaler Normen und die Zunahme von Gesetzen, die den Faschismus widerspiegeln, vergiften jede Vorstellung von einer nationalen Dauerhaftigkeit Israels auf der Grundlage von Frieden und regionaler Integration. Die Protagonistinnen dieses Films sprechen mit derselben jüdischen Stimme, die historisch gesehen den Kampf für Gerechtigkeit in der ganzen Welt angeführt hat, und durchbrechen die viszeralen Abwehrmechanismen, um ein Erwachen und ein vom Zionismus befreites Judentum zu fordern.


Thursday, February 1 : Ghost Town: The Hebron Story, Ellie Bernstein (2015)
Ghost Town-The Hebron Story is a documentary about the historic relationship between the growth of
the Jewish settlements in Hebron and the Palestinian families who have lived and worked there for
generations. Filmed over 4 years it tells the stories of the Palestinian citizens of Hebron and their
tensions with the Israeli soldiers and Jewish settlers who claim their land.

/Ghost Town – The Hebron Story /ist ein Dokumentarfilm über die historische Beziehung zwischen dem Wachstum der jüdischen Siedlungen in Hebron und den palästinensischen Familien, die dort seit Generationen leben und arbeiten. Der Film, der über vier Jahre hinweg gedreht wurde, erzählt die Geschichten der palästinensischen Bürger innen von Hebron und ihre Spannungen mit den israelischen Soldatinnen und jüdischen Siedler*innn, die ihr Land beanspruchen.


Thursday, February 8: Advocate, Rachel Lea Jones, Philippe Bellaiche (2019)
Lea Tsemel is a Jewish-Israeli lawyer who has represented political prisoners for five decades in a
tireless quest for justice. As far as most Israelis are concerned, she defends the indefensible. As far as
Palestinians are concerned, she’s more than an attorney, she’s an advocate. Advocate follows Tsemel’s
caseload in real-time while also revisiting her landmark cases and reflecting on the political
significance of her work as well as the personal price one pays for taking on the role of “devil’s
advocate.”

Lea Tsemel ist eine jüdisch-israelische Anwältin, die seit fünf Jahrzehnten politische Gefangene vertritt und unermüdlich für Gerechtigkeit kämpft. In den Augen der meisten Israelis verteidigt sie das nicht zu Verteidigende. Für die Palästinenser*innen ist sie mehr als nur eine Anwältin, sie ist eine Fürsprecherin. /Advocate /verfolgt Tsemels Fälle in Echtzeit, lässt aber auch ihre bahnbrechenden Fälle Revue passieren und reflektiert über die politische Bedeutung ihrer Arbeit sowie über den persönlichen Preis, den man für die Übernahme der Rolle des „Anwalts des Teufels“ zahlt.


Thursday, February 15: Voices From Gaza, Antonia Caccia & Maysoon Pachachi (1989)
Voices from Gaza was shot in 1987/88, during the first intifada. In the film, the people of Gaza most of
whom are refugees – tell their story. Palestinian men, women, and children speak frankly about the
effect of Israel’s occupation on their lives, but also about the work of local “popular committees,”
through which they provide each other with alternative education, health care, and welfare services,
even under the daunting conditions of occupation. Although screened internationally at the time –
also in the USA — television stations in the USA refused to air the film.

Voices from Gaza /wurde 1987/88, während der ersten Intifada, gedreht. In dem Film erzählen die Menschen in Gaza – die meisten von ihnen sind Flüchtlinge – ihre Geschichte. Palästinensische Männer, Frauen und Kinder sprechen offen über die Auswirkungen der israelischen Besatzung auf ihr Leben, aber auch über die Arbeit lokaler „Volkskomitees“, durch die sie sich gegenseitig mit alternativen Bildungs-, Gesundheits- und Sozialdiensten versorgen, selbst unter den erschreckenden Bedingungen der Besatzung. Obwohl der Film seinerzeit international – auch in den USA – gezeigt wurde, weigerten sich die Fernsehsender in den USA, ihn auszustrahlen


All screenings are at 19:00 at Café MadaMe, Mehringplatz 10, in Kreuzberg-Berlin.
Screenings are free and made available as part of community & grass roots discussion. Films are in
Arabic, Hebrew and/or English with English subtitles.

Alle Vorführungen finden um 19:00 Uhr im Café MadaMe, Mehringplatz 10, in Kreuzberg-Berlin statt.
Die Vorführungen sind kostenlos und werden im Rahmen der Community & Grass Roots Discussion angeboten. Die Filme sind auf Arabisch, Hebräisch und Englisch mit englischen Untertiteln. Das Gespräch kann auf Deutsch und/oder Englisch geführt und bei Bedarf auch gedolmetscht werden.*

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