DEMO 13.1.: Solidarität mit Palästina

Parallel zur atemberaubenden Anklage Südafrikas gegen Israels Völkermord vor dem internationalen Gerichtshof gehen wir auf die Straße und fordern einen sofortigen bedingungslosen Waffenstillstand, einen Stopp der Blockaden von GAZA sowie ein Ende der Jahrzehntelangen Besatzung und Unterdrückung der Palästinenser. Alle Menschen in Israel und Palästina sind gleich und müssen gleiche Rechte haben! Menschrecht ist unteilbar!

Ein Satz der südafrikanischen Anwältin sollte uns alle aufrütteln:

„Das erste Mal in der Geschichte der Menschheit beobachten wir Völkermord durch die sozialen Medien der Opfer und der Täter in real live. Die Welt schaut zu. Das bedeutet für uns eine enorme Verantwortung: wir können und müssen es stoppen! „

Wir fordern die Bundesregierug auf, unverzüglich jede militärische Unterstützung und politische Rückendeckung für die israelische Regierung bei ihren Verstößen gegen Menschen- und Völkerrecht einzustellen!

Brecht das Schweigen!

Kommt zur Demo am 13.Januar, Start Berlin Neptunbrunnen (Nähe Rotes Rathaus) 14 Uhr!

Rechtes Geheimtreffen aufgedeckt

Bild: Aktion des Zentrums für Politische Schönheit. Hintergrund: Björn Höcke hatte vor seinem Aufstieg als AFD-Führer unter dem Pseudonym Landolf Ladig in Medien der NPD und ihres Umfelds sein Weltbild mit eindeutiger NS-Verherrlichung verbreitet. Offensichtlich fürchtete er um seine Beamtenpensionen. Diese Identität hat der Journalist Andreas Kemper aufgedeckt. (1)

Einige bedeutende Angehörige der Familie der extremen Rechten, die in Deutschland von terroristischen Netzwerken über die biedere Frau Weidel bis hinein in die CDU reicht, haben sich also hier in einem Landhotel am Lehnitzsee versammelt, um darüber zu beraten, wie sie in ihrem „Masterplan“ vorankommen können Deutschland „rasserein“ zu machen. Unwillkürlich denkt man an die Wannseekonferenz der Nazis, auch wenn die neuen Nazis den Teil der Bevölkerung, den sie gerne loswerden wollen, noch nicht in den Tod zu schicken gedenken. Auch der von vielen in der Höcke-Truppe bewunderten NS-Staat hatte damals zuerst einen sog. Madagaska-Plan, der als unfreiwillige neue Heimstatt der Juden ausersehen war. Nun also der „Musterstaat in Nordafrika“. Es ist klar, dass solche Pläne einen offenen Verfasssungsbruch darstellen, da keine Regierung Bürgerinnen oder Bürgern die Staatsangehörigkeit entziehen und sie des Landes verweisen kann. Das geht nur durch eine Art Notstandsregime, auf das die rechte Szene immer fieberhafter hinarbeitet und dessen soziale Basis sie durch die zunehmende Unzufriedenheit von Teilen der Bevölkerung mit der Regierungspolitik gestärkt sieht. Gemäß ihren historischen Vorgängern sucht sie dafür eine parlamentarische Mehrheit, die nur möglich ist, wenn vorher die sog. Brandmauer der Parteien der sog. bürgerlichen Mitte eingerissen wird. Daran wird fieberhaft gearbeitet. Bis dahin soll offensichtlich mit geeigneten Mitteln der nötige Ausreisedruck erzeugt werden. Was kommt also als Nächstes? NSU 3.0? Ein migrationsfreies Thüringen mit völkischem Ordnungsdienst? Der Verfassungsstaat wirkt ratlos. NPD nicht verboten, weil zu unbedeutend. AFD nicht mehr zu verbieten, weil zu stark? Oder nur wünschbar, wenn gleichzeitig linke Organisationen mitverboten werden können“ Und die entscheidende Frage: Wie bauen wir Barrieren auf, der rechten Szene die gesellschaftliche Basis zu entziehen? (Jochen Gester)

AfDler planen mit Neonazis Vertreibung von Millionen Menschen aus Deutschland

AfD-Politiker trafen sich laut »Correctiv« mit Neonazis und Geldgebern, um eine Strategie zur »Remigration« von Ausländern und deutschen Staatsbürgern zu entwickeln.

Pauline Jäckels

In einem Hotel bei Potsdam sollen sich im November einflussreiche AfD-Politiker mit Neonazis und potenziellen Geldgebern aus der Wirtschaft getroffen haben, um dort eine gemeinsame Strategie für die »Remigration« von Millionen von Ausländern und deutschen Staatsbürgern aus Deutschland zu entwickeln. Das geht aus einer Investigativrecherche von »Correctiv« hervor.

Bei dem Geheimtreffen seien etwa der persönliche Referent der AfD-Chefin Alice Weidel, Roland Hartwig, der österreichische Rechtsextremist Martin Sellner und auch zwei CDU-Mitglieder der Werteunion zugegen gewesen. Eingeladen zu der Zusammenkunft hätten unter anderen der ehemalige Mitbesitzer der Bäckerei-Kette »Backwerk«, Hans Christian Limmer, heute einer der Eigner der Burgerkette »Hans im Glück«.

In einem Einladungsbrief für das Treffen, der »Correctiv« vorliegt, heißt es, bei der Veranstaltung werde ein »Strategiekonzept im Sinne eines Masterplans« vorgestellt. Für die Teilnahme werde eine »Mindestspende von 5000 Euro« erhoben. Diese solle deutlich machen, dass »die Sammlung von Unterstützungsmitteln eine Kernaufgabe unserer Runde ist«, heißt es in dem von Limmer und dem Rechtsextemen Gernot Mörig unterschriebenen Brief.

Im Zentrum der Zusammenkunft stand laut »Correctiv« ein rechtsextremes Konzept, das die AfD offiziell von sich weist: die Vertreibung auch von deutschen Staatsbürgern mit Zuwanderungsgeschichte. Das beträfe Millionen von Menschen.

Mehrere Quellen gaben gegenüber »Correctiv«-Reportern die Aussagen aus der Konferenz glaubhaft wieder, heißt es in dem Bericht. Die Teilnehmer sollen beim Treffen erklärt haben, wie sie diese Strategie umsetzen wollen: Über den Erlass »maßgeschneiderter Gesetze« solle ein »hoher Anpassungsdruck« auf Menschen mit Zuwanderungsgeschichte erzeugt werden. Mit Hilfe eines »Musterstaates« in Nordafrika, in dem bis zu zwei Millionen Menschen leben könnten, wolle man die Leute umsiedeln. Auch Menschen, die sich in Deutschland für Geflüchtete einsetzen, könnten dorthin, habe Sellner erläutert.

Die anwesenden AfD-Politiker hätten sich laut »Correctiv« mit dem Konzept einverstanden gezeigt. Die AfD-Bundestagsabgeordnete Gerrit Huy soll etwa gesagt haben, sie verfolge as skizzierte Ziel schon länger und habe bei ihrem Parteieintritt selbst schon ein »Remigrationskonzept mitgebracht«.

Erstveröffentlicht im nd v. 11.1. 2024
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1179103.correctiv-masterplan-rassisten-planen-massenvertreibung.html

Wir danken für das Publikationsrecht.

Zur Recherche des correctiv-Netzwerks:
https://www.ardmediathek.de/video/br24/correctiv-chefredakteur-justus-von-daniels-zum-geheimtreffen-von-afd-politikern-und-nazis/br-fernsehen/Y3JpZDovL2JyLmRlL3ZpZGVvL2UzYjU0YmMyLTZmY2ItNDg2NS04NmVkLWY0MTczZWNkZjYwYQ

Veranstaltung des Berliner Ensembles:
https://r.newsletter.berliner-ensemble.de/mk/mr/sh/7nVTPdZCTJDXOxmkVXQzBVeiFQPIOx7/9u1mrLXDlCVN


Zu Landolf Ladig:
(1) https://www.youtube.com/watch?v=5r1bzvO4E6k
https://andreaskemper.org/2016/01/09/landolf-ladig-ns-verherrlicher/
https://politicalbeauty.de/landolf/

Verliehener Genosse Lokführer

Die GDL hat ein innovates Beschäftigungsmodell kreiert, das die gegenwärtige angespannte Arbeitsmarktlage, in der die Unternehmen Probleme haben, Leute zu finden, im gewerkschaftlichen Sinne zu nutzen. Zumindest unter diesen Bedingungen kann es erfolgreich sein und die Durchsetzung von Lohndumping und prekärer Arbeit erschweren. Doch ein Generalschlüssel für die gewerkschaftliche Selbstermächtigung dürfte es nicht sein. Auf jeden Fall hat die Deutsche Bahn die Bedrohung erkannt, dagegen geklagt, doch ohne Erfolg. (Jochen Gester)

Eine Leiharbeitsfirma soll die Arbeitsbedingungen für Bahn-Beschäftigte verbessern

Über eine Genossenschaft will die Gewerkschaft GDL Leiharbeiter entsenden und so für höhere Löhne sorgen. Die Bahn geht gerichtlich dagegen vor. Der Vorwurf: Die GDL habe einen Tarifvertrag mit sich selbst geschlossen.

Von Rainer Balcerowiak

Es war zweifellos ein Paukenschlag. Anfang Juni 2023 gab die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) nach monatelanger geheimer Vorbereitung die Gründung einer Genossenschaft bekannt. Die Fair Train e.G. bietet ihren Mitgliedern Festanstellungen als Triebfahrzeugführer auf der Basis eines im September zwischen der GDL und der Genossenschaft abgeschlossenen Haustarifvertrags an.

Daraufhin erteilte die Bundesagentur für Arbeit der Genossenschaft die Erlaubnis, im Geschäftsbereich der Arbeitnehmerüberlassung tätig zu werden. Die Angestellten können also an Eisenbahnverkehrsunternehmen verliehen werden, wobei der genossenschaftliche Tarifvertrag greift.

Nun ist es zwar nichts Neues, dass Gewerkschaften eigene Wirtschaftsunternehmen gründen und betreiben. Und ohnehin treten sie auch in ihrem eigenen Apparat längst als Arbeitgeber auf. Zudem hat die Gründung gewerkschaftlicher Genossenschaften, etwa im Bau-, Wohnungs-, Handwerks- und Konsumbereich, eine lange Tradition.

Aber die Gründung einer gewerkschaftlichen Leiharbeitsfirma in Form einer Genossenschaft ist ein Novum. Denn im Prinzip haben die Gewerkschaften die Beschäftigungsform stets abgelehnt und auf reguläre Verträge in den Unternehmen gedrängt, in denen die Leiharbeiter eingesetzt werden.

Die Arbeitnehmerüberlassung durch dafür zugelassene Unternehmen ist längst ein fester Bestandteil des deutschen Arbeitsmarktes. Im Jahr 2022 waren über 800 000 Erwerbstätige als Leiharbeiter beschäftigt. Und für einige von ihnen gibt es mittlerweile auch verbindliche Tarifverträge. Allerdings liegen die oft deutlich unter dem tariflichen Niveau von Stammbelegschaften.

Umgekehrt ist es insbesondere in Bereichen mit eklatantem Fachkräftemangel: So können Pflegefachkräfte, Hebammen und medizinisches Personal in Leiharbeitsfirmen teilweise mit höheren Vergütungen und auch besseren Arbeitsbedingungen als die Stammbelegschaften rechnen.

Darauf setzt also die GDL mit ihrer Genossenschaft im Schienenverkehr, in dem auch Leiharbeitsfirmen seit einer geraumen Weile aktiv sind. Besonders Lokführer werden mittelfristig auf dem Arbeitsmarkt ein rares Gut bleiben.

Die Gewerkschaft könnte vor diesem Hintergrund gute Tarifabschlüsse durchsetzen, teilweise sogar ohne Arbeitskämpfe. So hat die GDL in der laufenden Tarifrunde mit zwei großen privaten Schienenverkehrsbetreibern, Netinera und Go Ahead, Vereinbarungen erzielt. Neben einer Lohnerhöhung um 420 Euro pro Monat und einer Inflationsprämie von 3000 Euro beinhalten die auch die Absenkung der Wochenarbeitszeit für Schichtarbeiter in drei Stufen von 38 auf 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich.

Letzteres lehnt der Marktführer Deutsche Bahn AG nach wie vor kategorisch ab. Sie operiert dabei mit dem seit 2015 bestehenden Tarifeinheitsgesetz. Danach besitzt die Gewerkschaft mit den meisten Mitgliedern in den jeweils zum Konzern gehörenden Betrieben die Tarifmacht. Und das ist in der Regel die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG, die Teil des DGB ist. Deren aktueller Tarifabschluss sieht aber keine Absenkung der Arbeitszeit mit Lohnausgleich vor.

Die Folge ist ein höchst uneinheitlicher tarifpolitischer Flickenteppich. Denn ein möglicherweise von der GDL bei der Bahn erkämpfter Tarifabschluss würde nur in 19 der 71 betroffenen Bahnbetriebe gelten. Und das, obwohl sie bei Lokführern, die fast alle im Schichtdienst arbeiten, einen Organisationsgrad von rund 80 Prozent hat. Das heißt konkret, dass etwa ein GDL-Lokführer bei DB-Regio Mitte und Ost von der Absenkung der Wochenarbeitszeit profitieren würde, seine Kollegen bei der Berliner S-Bahn aber nicht.

Und genau an diesem Punkt setzt die Fair Train e. G. an. Wenn der Konzern den GDL-Mitgliedern ihre Tarifabschlüsse verweigere, dann werde man »der DB eben die Lokführer entziehen«, sagte der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky anlässlich der Gründung der Genossenschaft.

Die DB scheint diese Drohung ernstzunehmen. Sie hat eine Feststellungsklage beim Hessischen Landesarbeitsgericht eingereicht. Der GDL soll auf diesem Weg generell die Tariffähigkeit abgesprochen werden, da sie bei Fair Train als Arbeitgeber mit sich selbst einen Tarifvertrag geschlossen habe, um Einfluss auf die Tarifverhandlungen bei der Bahn zu nehmen. Dies verletze das Prinzip der »Gegnerunabhängigkeit«, argumentiert der Konzern.

Da die GDL mit der genossenschaftlichen Leiharbeitsfirma unbekanntes Terrain betritt, ist indes nicht mit einer baldigen Gerichtsentscheidung zu rechnen. Vielmehr zeichnet sich eine langwierige juristische Auseinandersetzung über mehrere Instanzen ab.

Erstveröffentlicht im nd v. 10.1.2024
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1179085.gdl-streik-bahnstreik-verliehener-genosse-lokfuehrer.html?sstr=GDL

Wir danken für das Publikationsrecht.

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