Endlose Treibjagd auf Mieter:innen – ein Krimi kapitalistischer Machtverhältnisse in Berlin

Seit Jahren tobt ein Kampf um den Gebäudekomplex mit 91 Wohnungen in der Habersaathstrasse – Berlin.

Die praktischen 1 oder 2 Zimmerwohnungen sollen abgerissen werden und sollen einem Neubau mit Luxuswohnungen weichen. 2006 wurde der Straßenzug von der Stadt für lächerliche 2 Millionen Euro zum ersten Mal verkauft, 2008 umfassend – auch energetisch – modernisiert und schließlich 2017 für 20 Millionen Euro weiterverkauft. Die neue Eigentümerin, Arcardia Estates, ließ Wohnungen leer stehen, vernachlässigte die Instandhaltung und tat alles dafür, die Mieter:innen rauszuekeln, um die Gebäude abreißen zu können. Der Fall zieht sich seit Jahren hin.

Trotz löchriger Gesetze – Recht haben und Recht bekommen sind zweierlei!

Es ist nur dem hartnäckigen Widerstand von Betroffenen zu verdanken, dass die endlose Treibjagd auf Mieter:innen mit dem Ziel der Verdängung von sozialem Wohnraum zugunsten von hochpreisigen Appartments und Hotelzimmern noch nicht von Erfolg gekrönt ist.

Es ist ein Krimi und Lehrstück über kapitalistische Herrschaftsverhältnisse. Auch wenn die Mieter:innen trotz löchriger Gesetzgebung „Recht haben und bekommen“ im Sinne von Eigentumsverpflichtungen ist noch längst nicht dieses Recht in der Praxis durchgesetzt! So blieb die Verwüstung von Wohnungen durch den Eigentümer letzten Juli ohne Konsequenzen. Die Behörden winden sich nicht nur, dem Treiben Einhalt zu gebieten, sondern sie unterstützen direkt dessen Abrißzielsetzung zur Vernichtung von bezahlbarem Wohnraum. Zuletzt hat das Bezirksamt Mitte im August 2024 ohne jede juristische Not erneut eine Abrissgenehmigung erteilt und die Baugenehmigung verlängert.

Neoliberale Privatisierungsinteressen des Kapitals haben Vorfahrt. Und es herrscht „Zeitenwende“, in der Unterstützungsgelder für soziale Anliegen von Mieter:innen nicht mehr vorgesehen sind.

Über 10 000 Menschen haben eine Petition für die Rekommunlisierung der Habersaathstraẞe 40-48 unterschrieben. Seit Beginn der harten Entmietungspolitik wurde jeder der 25 Verwertungskündigungsprozesse gewonnen, selbst ein ehemals Obdachloser hat sich vor Gericht in einem Vergleichsurteil das Wohnrecht bis zu einem möglichen Abrisstermin erstritten.

Aber das alles hält weder Eigentümer noch Behörden von ihrem Kesseltreiben gegen Mieter:innen ab.

„Mit menschenverachtenden Methoden versucht der Eigentümer der Habersaathstraße 40-48, die Mieter:innen zum Auszug zu bewegen“, so kürzlich der Berliner Mieterverein. Die Bewohner:innen müssen seit Beginn dieser Wintersaison ohne Heizung und Warmwasser auskommen, da die Fernwärmeversorgung vom Vermieter abgestellt wurde. Der Bezirk hat seine ursprüngliche Zusage zur Ersatzvornahme zur Übernahme der Kosten für die Fernwärme aber zurückgezogen, nachdem Arcardia Estates billige Elektroheizungen zur Verfügung gestellt hat. Aber die wärmen nicht einmal ausreichend zu Normalzeiten, geschweige denn bei bitteren Frostwitterungen. Ausserdem führen die Elektroheizungen zu einer gefahrlichen Überlastung der Elektroleitungen des Miethauskomplexes. . [1]https://www.berliner-mieterverein.de/magazin/online/mm1225/habersaathstrasse-40-48-3.htm

In der letzten Januarwoche gab es dann eine weitere Zuspitzung. Ein vom Eigentümer Dr. Pichotta von der Arcadia Estate GmbH beauftragter „Schlägertrupp“ zerstörte 22 Wohnungen in der Habersaathstraẞe 48 und 20 Wohnungen in der Habersaathstraẞe 44. Sämtliche WC’s wurden gezielt unbrauchbar gemacht, so dass sich das Wasser ungehindert im ganzen Haus verteilen konnte. Die Mieter:nnen waren gezwungen, das Trinkwasser abzustellen, damit nicht die beiden Häuser von oben bis unten unter Wasser stehen.

Die Betroffenen sind empört: „Das sind höchst kriminelle Methoden! Offensichtlich kann ein Eigentümer solche Methoden ungehindert anwenden, im Beisein vom Bezirksamt und der Polizei. Das ist skandalös.“

Mieter:innen und das unterstützende Bündnis fordern von der Politik, speziell vom Bezirksamt Mitte, die „sofortige Ersatzvornahme nicht nur bezüglich der Wiederinstandsetzung der Fernwärme, sondern auch die Reparatur sämtlicher kaputten Wasserrohre und WC’s.“

„Und wir fordern den Entzug der erteilten Abrissgenehmigung, die Abrissgenehmigung entbehrt jeglicher Grundlage und führt offensichtlich zu solchen kriminellen Methoden, um den Abriss zu beschleunigen.“

Unterstützt die Petition „Rekommunalisierung der Habersaathstraße 40-48 jetzt!“

Titelbild: Peter Vlatten

US Automobil Gewerkschaft verurteilt das Vorgehen von ICE und der Trump Administration und solidarisiert sich mit den Menschen in Minnesota

Erklärung des UAW-Präsidenten Shawn Fain zur Tötung von Alex Pretti

Shawn Fain betont in seinem Statement vom 28. Januar, dass die Trump Regierung an den elementaren Rechten der Beschäftigen rüttelt, für ihre Interessen einzutreten und zu kämpfen! Dagegen müssen Gewerkschafter:innen sich zur Wehr setzen.

Die UAW steht in Solidarität mit der Familie und den Angehörigen unseres gefallenen Gewerkschaftskollegen Alex Pretti und allen, die sich in Minneapolis und darüber hinaus für Gerechtigkeit einsetzen. Alex Pretti war Intensivpflegekraft im Minneapolis Veterans Affairs Hospital und Mitglied der AFGE Local 3669. Er war ein Gewerkschaftskollege und tat das, was UAW-Mitglieder ständig tun – er folgte einem Aufruf zur Solidarität und übte seine verfassungsmäßigen Rechte aus. Dafür wurde er auf der Straße getötet. Unsere Gewerkschaft trauert um seinen Verlust und unsere Gedanken sind bei seiner Familie, seiner Gewerkschaft und seiner Gemeinschaft.

Als stolze Gewerkschafter schätzen wir unsere verfassungsmäßigen Freiheiten. Das Recht auf freie Meinungsäußerung und das Recht auf Protest sind zentral für das, was wir als Amerikaner und als Gewerkschaftsmitglieder sind. Die Tötung friedlicher Demonstranten wie Alex Pretti bedroht unsere Rechte und unsere Verfassung.

In solchen Momenten darf die Arbeiterbewegung nicht schweigen. Die Gewerkschaften in Minnesota handelten letzten Freitag, den 23. Januar, durch die Teilnahme an einem Generalstreik und protestierten quer durch die Straßen. Wenn das Recht zu protestieren oder sich frei zu äußern angegriffen wird, sind auch unsere Rechte als Arbeiter nicht sicher. Unsere Freiheit zu streiken oder auf einer Streikpostenkette zu stehen, um ein besseres Leben zu erreichen, könnte bedroht sein.

Zwei Tage zuvor hatte die UAW Führung ihre Solidarität mit dem Generalstreik und den Menschen in Minnesota erklärt, einschließlich mit „Hunderten von UAW-Mitgliedern, die sich erheben und gegen die Missbräuche und Angriffe der Bundesregierung auf die Arbeiterklasse wehren.“

Die UAW steht für Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit und Menschenwürde, unabhängig davon, wo man geboren wurde, welche Sprache man spricht oder welche Hautfarbe man hat. Wir werden keine Regierung tolerieren, die die verfassungsmäßigen und menschlichen Rechte der Arbeiter angreift.

Es ist die Arbeiterklasse, die die Gesellschaft am Laufen hält, und es ist die Arbeiterklasse, die sie notfalls zum Stillstand bringen kann. Am 23. Januar werden die Arbeiter in Minnesota diese Macht demonstrieren, und die UAW steht hinter ihnen.

eigene Übersetzung, Titelfoto UAW

«Die Stimme von Hind Rajab»: Notruf eines Kindes bis in den Tod

«Die Stimme von Hind Rajab» ist ein Spiel- und Dokumentarfilm-Drama, das uns hautnah und authentisch die letzten Stunden der 5-jährigen Palästinenserin Hind Rajab miterleben lässt.

Rajab wurde Anfang 2024 während einer Militäraktion von der israelischen Armee im Gazastreifen getötet. In ihrer Not telefonierte die kleine Palästinenserin mit Mitarbeiter:innen der Hilfsorganisation Palästinensischer Roter Halbmond (PRCS), die versuchten, das Kind zu beruhigen und dessen Rettung zu organisieren. Rajabs letzte Worte, die aufgezeichnet wurden, fanden weltweit mediale Beachtung. Sie wurden zu einem erschütternden Zeugnis des Krieges in Gaza.

Über dreieinhalb Stunden dauerte das Telefongespräch zwischen der fünfjährigen Hind Rajab und der Notrufzentrale des Roten Halbmonds.. Im Norden von Gaza harrt sie nach Beschuss durch die israelische Armee als einzige Überlebende in einem Auto zwischen den Leichen ihrer Familienmitglieder aus.

Durch Recherchen der Washington Post konnten die realen Ereignisse des 29. Januars bereits im April 2024 rekonstruiert werden. In einem Bericht der UN-Untersuchungskommission vom September 2025 wurde der Tod von Hind Rajab als beispielhaft dafür genannt, wie Zivilisten in Gaza vorsätzlich und brutal durch die israelische Armee getötet würden.

Die Originalaufnahmen des Telefonats nutzte die tunesische Regisseurin Kaouther Ben Hania als Grundlage für ihren Film. Die Augsburger Allgemeine schreibt: „Hania verzichtet hier umsichtig auf zusätzliche Emotionalisierungen etwa durch verstärkende Musik. Vielmehr richtet sie den Blick auf die verzweifelte Ohnmacht der Menschen, die helfen wollen, aber in der übermächtigen Logik des Krieges keine Handlungsspielräume mehr haben.“ Das Dilemma: Der Einsatz der Sanitäter muss durch die israelische Armee erst freigegeben werden, obwohl diese Hind Rajab in wenigen Minuten erreichen könnten. Die Freigabe erfolgt nicht. Helfen ohne Freigabe kann der sichere Tod der Helfer sein.

Ganz anders als die Augsburger Allgemeine der Tenor der überwiegend zionistisch beeinflussten Presse wie der Berliner Tagesspiegel, der den Film, der diese barbarische Maschinerie der Isrealischen Armee schnörkelos dokumentiert, unter dem Titel „Ist das Kunst oder Propaganda?“ zu verreißen versucht.

Zeitgleich zur Veröffentlichung des UN-Berichts feierte «Die Stimme von Hind Rajab» Premiere bei den Filmfestspielen von Venedig und gewann dort vergangenen September den Silbernen Löwen und Grossen Preis der Jury. Aktuell ist der Film für den Oscar in der Kategorie bester internationaler Film nominiert.

Friedrich Merz wollte nach Verkündung eines brüchigen Waffenstillstandes die öffentliche Debatte um das Vorgehen von Israel in Gaza für beendet erklären. Es gebe keine Gründe mehr zu protestieren und für Palästina auf die Straße zu gehen.

Der Film ist ein nicht zu unterschätzender Beitrag, die intensiven Versuche zu durchbrechen, über Gaza und die dort immer noch erfolgenden Kriegsverbrechen durch die israelische Armee einen Mantel des Schweigens zu legen und zu „bussinees as usual“ zurückzukehren.

Schaut euch diesen Film an. Er läuft seit einigen Tagen in den deutschen Kinos. In Berlin in fast allen Kiezen. Am Besten ihr geht mit Euren Freund:innen, Kolleg:innen und Nachbar:innen zusammen. Möglichst auch solchen, die immer noch nicht wahrhaben wollen, was da abgeht in Palästina. Der Film kann Augen öffnen.

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