Pilotabschluss Metall. Es hat nicht gekracht. Pro Jahr nur eine halbe Acht.

„Gebt uns die Acht oder es kracht“. „8 Prozent für 12 Monate, keinen Tag länger und sockelwirksam“! Darauf wurde in wochenlangen Warnstreiks erfolgreich hinmobilisiert. Immer mehr Belegschaften und Kollegen haben dabei die 8 angesichts von 2 stelligen Inflationszahlen und des Nachholbedarfs aus Corona Zeiten als viel zu gering und damit als nicht verhandelbare Minimalforderung angesehen. Ein Abschluss unterhalb dieser Marke mitten im Warmlaufen empfinden jetzt nicht wenige als Abpfiff, bevor der Kampf mit guten Siegeschancen überhaupt erst angepfiffen wurde.

Das Resultat sieht nur auf dem ersten Blick rosig aus. Sicher deutlich besser als in der Chemiebranche. So gesehen ein großer Erfolg. Und doch: das Ergebnis ist mit 8,5% für 24 Monate eine Halbierung der von vielen Kollegen als schon nicht ausreichend hohen Ausgangsforderung. Trotz Auslaufen des Tarifvertrags im September 2022 kommt die erste sockelwirksame Tariferhöhung von 5,2 % erst im Juni 2023. Für das darauffolgende Jahr im Mai gibt es 3,3 Prozent. Damit werden die Metaller ein weiteres Jahr tariflich mit sinkenden Einkommen gebunden. Nur Naive können glauben, dass die Inflationsrate bis dahin wieder Normalniveau erreicht hat. Die 3000 Euro abgabenfreien Sonderzahlungen muss man als das ansehen, was sie sind: „schöne“ Trostpflaster für 2 bis 3 Jahre Nullrunde seit Corona ohne nachhaltigen Effekt für die Kollegen bei oft zweistelligen Gewinnen [1]https://www.dividendenchecker.de/dividende_dax.php der Unternehmen. Noch gestern kam die Meldung, dass die DAX Konzerne, ganz vorne dabei die Metallkonzerne , ihr historisch bestes Ergebnis erzielt haben.

Selten sind die Bedingungen für einen erfolgreichen Streik in der Metallindustrie so günstig gewesen wie diesmal. [2]https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/streit-uber-tarifentgelte–der-metallindustrie-droht-ein-arbeitskampf-8870194.html?fbclid=IwAR2MKiSyeIJBaIkFJV14obp4-sHwCmKmfzGnbqyEcKpsYZxa0tVqAGw0PdA Die Rückmeldungen aus den Betrieben zeugten von einer eindeutigen Kampfbereitschaft, die 8 Prozent zu erstreiken. Hohe Auftragsbestände bei bestehendem Fachkräftemangel, Höchstpreise bei Kunden durch Ausnutzung der Inflationsrate, Preisdruck auf abhängige Lieferanten sowie Konzentration auf Premiumprodukte bei den deutschen Nobelautomarken – ein Streik hätte die Kapitalseite da vollkommen auf dem falschen Fuß erwischt. Eine Chance, den Reallohnabbau wirkungsvoll aufzuhalten, wurde vertan.

Fazit. Der Abschluss kein Grund zum Jubeln. Das Ergebnis verlangsamt den sozialen Abstieg für Millionen Metaller, aber verhindert ihn nicht. Der Weg für weitere generelle Einbußen bei Reallöhnen und -gehältern wird mit abschlagsfreien Einmalzahlungen lediglich versüßt. Es droht am Ende, wenn die Inflation nur so bleibt wie vorhergesagt, der massivste Einbruch der ökonomischen Lebensverhältnisse für die Metallbeschäftigten seit Bestehen dieser Republik.

Es gilt jetzt das Tarifergebnis im Kleingedruckten weiter zu bewerten. Immerhin hat sich der Präsident von Gesamtmetall dahingehend geäussert, dass es für Betriebe in Notlage „Differenzierungen“ gebe. [3]Tarifeinigung IG Metall: Einmalzahlungen und Lohnerhöhungen (handelsblatt.com) Auch das lässt für die betroffenen Belegschaften nichts Gutes erhoffen.

Die Warnstreiks haben gezeigt, wie stark die Beschäftigen, hervorragend organisiert von ihrer Gewerkschaft, den Unternehmern die Stirm bieten können. Leider trägt der jetzt vorliegende übereilte Abschluss nicht zur Stärkung dieses entstandenen Vertrauens bei. Auch das Umfeld könnte unserer IG Metall Organisation noch schwer zu schaffen machen. Verdi fordert 10,5 %. Aber noch wichtiger ist, dass die Einkommen laut aktueller Gehaltsstatistik in etlichen Bereichen zuletzt stärker gestiegen sind als in der Metallindustrie .(Siehe Gehaltsstatistik Handelblatt 9.11.2022) [4]https://www.handelsblatt.com/meinung/morningbriefing/morning-briefing-neue-zahlen-zum-gehaltsplus-keine-lohn-preis-spirale-in-sicht/28796740.html. Die aktuellen Zahlenerhebungen könnten die Frage aufwerfen: haben die Miglieder der „kampfstarken“ IG Metall am Ende das Nachsehen?

Bleibt noch die Frage, ob nicht der Abschluss Zulieferbetriebe oder auch Maschinenbauer in Schwierigkeiten hilft und damit die Arbeitsplätze vieler Kollegen:innen rettet. Untersuchungen zeigen, dass Lohnverzicht diesen Firmen nicht weiterhilft. Ursache sind entweder Preisdruck durch die Großen bei gleichzeitiger Inflation, falsche Produktstratgien angesichts der Transformation sowie Lieferkettenprobleme. Zu diesem Ergebnis kommen selbst maßgebliche wirtschaftsnahe Untersuchungen (siehe „Krise und E-Mobiltät treffen Zulieferer mit voller Wucht “ (Automobil Produktion , Juli 2022, Mogge Roland Berger [5]https://www.automobil-produktion.de/management/krise-und-e-mobilitaet-treffen-zulieferer-mit-voller-wucht-533.html?fbclid=IwAR0RId-YbV1dr9ZvgzwBEZDmfQONGV3KtaqWKToGWix6cv3hrPofy0Ohm9Q

Über den Twitter Account des Pilotbezirkes Baden Württemberg ergiesst sich seit heute morgen eine Flut bitterer Kommentare, nur wenige äussern sich zufrieden. Hier einige typische Beispiele als Stimmungsbild:

  • Tarifergebnis. 5,2 Prozent. Es sind jetzt 10,4% Inflation. Die 5,2% für Juni 2023 werden bis dahin von der Inflation bis nächstes Jahr gefressen.
  • Die Einmalzahlungen hätten dieses Jahr kommen müssen und nicht aufgeteilt in 2023 und 2024.
  • Nennt mir einen Grund warum Leute eintreten sollten!?! Im Juni? Der alte Tarifvertrag ist im September ausgelaufen. Habt ihr diese Nacht irgendwas getrunken?
  • Nicht schlecht bei voraussichtlich 20% Inflation in der gleichen Zeit!
  • Miserarbles Verhandlungsergebnis. Passend dazu gestern die Meldung, dass die DAX-Konzerne so hohe Gewinne erwirtschaften wie noch nie
  • Hoffentlch lehnt die Tarifkommission das Ergebnis noch ab. Bei Inflation 2022+2023 von 10 % -> 12 % Reallohnverlust Kündigung geht raus.
  • 3,3% 2024 wenn die Inflation 15% ist , geil!
  • Es gibt dann nach 5 Jahren (letzte Erhöhung 2018) 5,2% also 1% jedes Jahr ohne Gewerkschaft kann man das auch selber besser verhandeln 🤡🤡🤡
  • Alles mehr ist toll, aber könnt ihr bitte noch erklären, warum das über 24 Monate jetzt genau so gut oder besser ist, als 8% über 12 Monate?


Klären wir auf. Es ist nicht die gewerkschaftliche Organisierung, die falsch läuft. Es sind Illusionen über Konzertierte Aktionen mit dem Kapital und es ist das Einknicken vor dem Druck von Unternehmen, politischer Eliten und systemerhaltener Verhältnisse auch beim eigenen Führungspersonal. Es kommt jetzt mehr denn je darauf an, dass von unten die Inititiative ergriffen und die offene DIskussion zum Zusammenhalt geführt wird.

Aufgespießt : „Klimaentscheid Berlin“ – „Menschenrechte gegen Waffen“ – „Mehr fossile Energie geplant“

Notwendige Unterschriften für einen Klimaentscheid in Berlin leicht übertroffen!

Klimaneustart.berlin meldet am 15.11.22 [1]Berlin bekommt einen Klima-Volksentscheid – Klimaneustart Berlin rund 261 Tausend Unterschriften für einen Klimaentscheid Berlin. Mit dem freudigen Ereignis verbinden sich gleich mehrere Hoffnungen. Sind es am Ende auch ausreichend „gültige“ Unterschriften ? Erreicht der Volksentscheid zu „Berlin Klima klimaneutral 2030“ letztlich ein ebenso deutliches Wählervotum wie der Entscheid zu „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“? Und kann es im Erfolgsfall rechtzeitig verhindert werden, dass die Politik die Umsetzung eines deutlich positiven Ergebnisses in Expertenkomissionen vertagt bis 2030 vorbei ist? Wir werden jedenfalls unseren Teil dazu beitragen, dass alle diese Hoffnungen erfüllt werden. Dazu müssen noch dicke Bretter gebohrt werden, denn (siehe Abschnitt 3 hier), die großen Energiekonzerne spielen mit dem welterien Ausbau fossiler Energie.

Menschenrechte gegen Waffen?

„Die Bundesregierung will Waffenlieferungen künftig mehr als bisher von der Menschenrechtslage abhängig machen. Das betonte Außenministerin Baerbock auf der letzten Station ihrer Nahostreise in Ägypten.“ (Tageschau 15.11.20022) [2]Baerbock-Besuch in Kairo: „Waffenexporte von Menschenrechten abhängig“ | tagesschau.de

Da fallen dem verdutzten Zuschauer spontan drei Dinge auf : Zum einen bedeutet „Mehr als bisher“ wohl „nicht unbedingt und überall„, sondern „nur soviel und dort, wo es opprtun erscheint.“ Zum zweiten stößt die Frage auf „Könnte man nicht ebenso Folterwerkzeuge – abhängig von der Menschenrechtslage – reinen Gewissens veräußern?“ Drittens fragt sich der eine oder andere, was wohl an einem Tausch von „Waffen gegen Menschenrechte“ oder umgekehrt „feministisch“ sein könnte.

Energiekonzerne planen konkret mit mehr statt weniger fossiler Energie

Während auf der Klimakonferenz um einen globalen Abbau von CO2 Emissionen gerungen wird, Hoffnungen auf ein Zusammgehen mit dem Kapital dabei unermüdlich, nicht zuletzt von den Vertretern der Ampel, geschürt werden, sehen wohl die konkreten Wachstumspläne der Konzerne ganz anders aus [3]https://www.youtube.com/watch?v=XO6uw_z7gVk. Siehe hierzu den Beitrag Global Oil and Gas Exit List.

Heinz Michael Vilsmeier merkt dazu an „Bittere Realität. Trotz drohendem Klimakollaps planen 96 % aller Öl- und Gasunternehmen, die Produktion fossiler Brennstoffe weiter zu steigern. – Und die Regierungen sehen tatenlos zu und lassen sie gewähren, obwohl sie sich verpflichtet haben, die Erderwärmung zu begrenzen. – Schlimmer noch: Die Bundesregierung, die von der mächtigsten Umweltpartei der Welt mitgetragen wird, subventioniert die Preise für fossile Brennstoffe und treibt den Ausstoß von Treibhausgasen in nie da gewesener Weise voran.“

Unsere Anmerkung : Mit der kapitalistischen Wachstumsgesellschaft lässt sich das Klima nicht retten. Was sie sagen ist nicht was sie tun. Beim Klima, beim Frieden, beim Essen, bei der Gesundheit und der Bildung.

Aufgespießt „Gastango“ und „gute Karten bei Metallerstreik“

GasPoker um Höchstprofite !

Die Gasspeicher wurden monatelang zu Höchstpreisen mit Staatshilfe aufgefüllt. Die Gewinne der Energiekonzerne stiegen in historisch beispiellose Höhen. Nun gibt es eine Gasüberversorgung in Europa. Gasmangel an vielen anderen Orten dieser Welt. Jetzt gibt es Staatshilfe für die Energieversorger, damit diese bei einbrechenden Gaspreisen, die teurer eingekaufte Energie ohne Verluste wieder loswerden können. Die vor allem aus Asien umgeleiteten Tanker mit LNG – aus von mit „uns befreundeten“ Staaten- stoppen ihre Lieferungen, stauen sich in der Nordsee und warten mit dem Verkauf, bis im Verlauf eines kalten Winters erneut Engpässe entstehen und die Gaspreise wieder Spitzenwerte erreicht haben. Details über diese kapitalistischen Kapriolen und den immer größer werdenden Schiffstau vor den Küsten Europas , siehe Handelsblatt vom 14.11.2022 .[1]https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/fluessiggas-transport-immer-mehr-lng-tanker-stauen-sich-vor-der-kueste-europas-gasmarkt-versagt/28801644.html

Selten waren die Bedingungen für einen erfolgreichen Streik in der Metallindustrie so günstig wie heute

Der Tagesspiegel vom 14.11.22 berichtet  „Der Metallindustrie droht ein Arbeitskampf“ [2] https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/streit-uber-tarifentgelte–der-metallindustrie-droht-ein-arbeitskampf-8870194.html?fbclid=IwAR2MKiSyeIJBaIkFJV14obp4-sHwCmKmfzGnbqyEcKpsYZxa0tVqAGw0PdA Aus dem Artikel , der auch die Risiken des Konflikts für die Kapitalseite umschreibt, geht unfreiwillig hervor: Ein Streik würde die Unternehmen vollkommen auf dem falschen Fuß erwischen. Da gibt es den akuten Bedarf, die hohen Auftragsbestände bei bestehendem Fachkräftemangel abarbeiten zu müssen. Weitere Umstände sind: Es können Höchstpreise bei Kunden durch Ausschöpfen der Inflationsrate erzielt werden. Umgekehrt wird Preisdruck auf abhängige Lieferanten ausgeübt. Die Konzentration auf Premiumprodukte bei den deutschen Nobelautomobilfirmen bringt extrem hohe Margen. Ein konsequenter Streik würde gerade bei diesen „rosigen Verhältnissen“ für viele Großnternehmen die schönen Aussichten auf lukrative Extraprofite zugrunde richten . Selten waren die Bedingungen so günstig für die Kollegenb in der Metallindustrie erfolgreich für ihre Forderungen zu kämpfen. Also „gebt die Acht oder es kracht“ ! 8 Prozent mit 24 Monate sind angesichts 11 Prozent Inflation eine Mindestforderung ! Und sie sind durchsetzbar, wenn dafür gekämpft wird.

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