Verfassungsschutz bedrängt Bildungsgewerkschafterin in Hamburg

Die GEW Hamburg machte letzte Woche einen Einschüchterungsversuch einer aktiven Gewerkschafterin durch den Verfassungsschutz öffentlich. Erst im Juni hat die Hamburger Bürgerschaft die so genannte Regelanfrage wiedereingeführt. Protest dazu kam schon damals vom DGB Hamburg, Ver.di und GEW sowie vom Hamburger Bündnis gegen Berufsverbote.

In einer Pressemitteilung schreibt die GEW Hamburg nach dem aktuellen Vorfall, sie „sieht sich in ihrer Kritik an der Regelanfrage bestätigt“.

Kein isolierter Vorfall

Der Vorfall muss im Kontext von zunehmender Militarisierung nach außen wie innen und somit als Teil einer Entwicklung gesehen werden. So erklärte kürzlich auch der Spitzenkandidat der Berliner CDU Stefan Evers, die Regelanfrage im öffentlichen Dienst wiedereinführen zu wollen. Schon die Einschränkungen der Versammlungs- und Meinungsfreiheit gegenüber der Palästinasolidaritätsbewegung und die Exempel, die an kritischen Journalisten wie Hüseyin Dogru, Wissenschaftlern wie Benjamin Russ oder der angehenden Lehrerin Lisa Pöttinger statuiert wurden, zeigten auf, wie kritische Stimmen zunehmend unter Druck geraten und die Berufsverbotspraxis zurück kehrt. Manche Gewerkschaftsgliederung verhält sich dabei ziemlich unsolidarisch und trägt damit eine Mitverantwortung für weitere Repressionen gegenüber ihren Mitgliedern. Beispielsweise verweigert die Führung der DJU (Deutsche Journalisten Union) trotz Solidaritätsbeschluss der Basis weiterhin die Solidarität mit ihrem Mitglied Hüseyin Dogru.

Umso wichtiger, dass die GEW Hamburg und der DGB Hamburg sich zum aktuellen Einschüchterungsversuch durch den Verfassungsschutz klar positionieren. Auch wenn der Appell nach Aufklärung an staatliche Stellen etwas hilflos daher kommt, wie ein Kommentator in den Sozialen Medien zurecht anmerkt.
(Forum Redaktion)

Screenshot
Presseerklärung der GEW Hamburg:

Eine Funktionärin der GEW Hamburg ist auf ihrem Heimweg von einem Mann angesprochen worden, der sich als Mitarbeiter der Innenbehörde beziehungsweise des Verfassungsschutzes auswies und sie gezielt auf ihr gewerkschaftliches und politisches Engagement ansprach. Für die GEW Hamburg ist der Vorfall ein Angriff auf die Gewerkschaftsfreiheit und ein demokratiepolitischer Skandal. Über die LINKE wurde eine Schriftliche Kleine Anfrage gestellt, um den Vorfall parlamentarisch aufzuklären.

Der Vorfall ereignete sich im Kontext der Wiedereinführung der Regelanfrage beim Verfassungsschutz für Bewerber*innen im öffentlichen Dienst durch den Hamburger Senat. Gegen diese Entscheidung hat die GEW Hamburg gemeinsam mit zahlreichen Organisationen von Beginn an protestiert und das Hamburger Bündnis gegen Berufsverbote mitgegründet. Die GEW hat wiederholt davor gewarnt, dass die Regelanfrage demokratisches und gewerkschaftliches Engagement unter Generalverdacht stellt und Menschen von politischer Beteiligung abschreckt. Die Wiedereinführung wurde mit dem Schutz der Demokratie begründet. Der aktuelle Vorfall zeigt aus Sicht der GEW jedoch, wie schnell gerade demokratisches und gewerkschaftliches Engagement selbst in den Fokus staatlicher Sicherheitsbehörden geraten kann.

Nach dem Gedächtnisprotokoll der Betroffenen wurde sie Anfang Juni auf einem Hamburger Bahnhof zunächst unter einem Vorwand angesprochen. Im weiteren Verlauf nannte der Mann ihren Namen und erklärte, man wisse von ihrem gewerkschaftlichen und politischen Engagement sowie ihrer Mitarbeit in Bündnissen. Er gab an, aus der Innenbehörde zu kommen. Die Kollegin beendete das Gespräch, stieg in die nächste U-Bahn und entfernte sich, während der Mann ihr noch hinterherrief.

Die Betroffene gehört dem Landesvorstand der GEW Hamburg an, engagiert sich in der Jungen GEW und ist in Bündnissen aktiv. Sie setzt sich seit Jahren ehrenamtlich für die Interessen der Beschäftigten sowie für die Verteidigung demokratischer Grundrechte ein.

Die Betroffene erklärt: „Ich habe mich beobachtet und eingeschüchtert gefühlt. Dass mir mein gewerkschaftliches Engagement auf offener Straße vorgehalten wird, hat mich tief verunsichert. So etwas darf in einer Demokratie nicht passieren.“

Sven Quiring, Vorsitzender der GEW Hamburg: „Wenn Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter wegen ihres Engagements von Mitarbeitern der Innenbehörde oder des Verfassungsschutzes angesprochen werden, ist eine rote Linie überschritten. Wir haben die Wiedereinführung der Regelanfrage von Anfang an kritisiert. Sollte sich der Vorgang bestätigen, zeigt er auf erschreckende Weise, wie berechtigt unsere Warnungen waren.“

Tanja Chawla, Vorsitzende des DGB Hamburg: „Koalitionsfreiheit und das Recht auf gewerkschaftliche Betätigung gehören zu den tragenden Säulen unserer Demokratie. Niemand darf den Eindruck gewinnen, dass gewerkschaftliches oder zivilgesellschaftliches Engagement staatliche Beobachtung oder Einschüchterung nach sich zieht. Wir werden diesen Fall mit den Verantwortlichen thematisieren und erwarten eine umfassende Aufklärung dieses Vorfalls.“

Die GEW Hamburg fordert die Innenbehörde auf, offenzulegen, ob der Mann tatsächlich für die Behörde oder den Verfassungsschutz tätig war und auf welcher Grundlage das Gespräch geführt wurde. Zudem erwartet die GEW von der Schulbehörde eine klare Positionierung gegen jede Form der Einschüchterung von Beschäftigten aufgrund ihres gewerkschaftlichen oder politischen Engagements.

Quelle: https://www.gew-hamburg.de/themen/hamburg-politik/2026-09/verfassungsschutz-bedraengt-gew-funktionaerin

Kampagne: Du hast keine Wahl. Organisier dich lokal!

Die Stadtteilkomitees Berlin (Neukölln, Wedding, Lichtenberg) haben zur Berlin-Wahl eine Kampagne gestartet mit dem Titel „Du hast keine Wahl. Organisier dich lokal!“

Die ansprechend designten Plakate und eine Broschüre können in den Stadtteilbüros abgeholt werden und sind auf der Kampagnenseite downloadbar: 

keinewahl.org
Wir spiegeln hier den Kampagnentext samt der 3 Kernforderungen:

Stadtteilkomitees Berlin

Berlin wählt 2026

Es stehen mal wieder Wahlen an. Am 20. September wählen wir in Berlin das Abgeordnetenhaus (AGH). Und wieder hören wir wie vor jeder Wahl aus verschiedenen Mündern, das es diesmal zukunftsweisend, jetzt wirklich eine Richtungswahl sei – einige reden sogar davon, dass „unsere Demokratie“ in Gefahr sei.

Was natürlich stimmt, ist die katastrophale Lage, in der wir uns in Berlin befinden: Wir können unsere Mieten kaum noch zahlen, unsere Löhne stagnieren oder sinken, Busse und Bahnen sind, salopp gesagt, am Arsch, das Gesundheits- und Bildungssystem wird immer schlechter, die Einschränkung der Meinungs- und Versammlungsfreiheit nimmt immer erschreckendere Ausmaße an – die Liste lässt sich noch lange fortführen.

„Wählt uns“ – und es bleibt wie immer!

Wem haben wir all dass zu verdanken, wer ist verantwortlich für diesen Zustand? Es sind die selben Akteure, die vor jeder Wahl dazu aufrufen, doch bitte sie zu wählen, damit es diesmal wirklich besser wird. Es sind die selben Parteien, die uns in diese Misere getrieben haben:

Die GRÜNEN sind von einer Friedenspartei zum treibenden Faktor der Kriegstreiberei geworden. Ihren ökologischen Anspruch finden wir – wenn überhaupt – nur noch in erneuerbaren Energien für Panzer.

Die SPD ist in Berlin seit jeher die Lieblingspartei der Immobilienlobby. Seit Jahren versuchen sie auf der Landesebene – und aktuell auch im Bund – alles mögliche, um die Vergesellschaftung von großen Konzernen zu verhindern.

Und die LINKE, die den Volksentscheid DWE zwar befürwortet, ist mitverantwortlich dafür, das es diesen überhaupt braucht. Als Juniorpartner der SPD hat die damalige PDS nämlich vor 20 Jahren einen Großteil der landeseigenen Wohnungen zu einem Spottpreis verscherbelt.

Von der CDU kann man im Gegensatz dazu wenigstens behaupten, sich stets treu geblieben zu sein. Ob Zäune um den Görlitzer Park, die Bekämpfung der Forderungen der Berliner Kita-Erzieher:innen oder die Hetze gegen Migrant:innen: Law & order, Arbeiterfeindlichkeit und Rassismus sind in die DNA dieser Partei eingeschrieben.

(Nicht) Wählen – und was dann?

Es ist ihre Politik, die verantwortlich ist für mehr Armut, mehr Überwachung und mehr Gewalt auf den Straßen unserer Stadt. Es ist ihre Politik, die autoritär und neoliberal ist. Es ist ihre Politik, die überhaupt erst den Nährboden bereitet hat für den Aufstieg der rechtsextremen AfD.

Was dennoch auch stimmt: Es ist nicht einfach irrelevant, wer in der Regierung sitzt. Ein sozialdemokratischer Senat unter Führung der Partei die LINKE könnte theoretisch punktuelle Verbesserungen durchsetzen. Die Geschwindigkeit, mit der wir gerade gesellschaftlich in den Abgrund rasen, könnte zumindest etwas abgebremst werden.

Es geht uns auch nicht darum, zu einem Wahlboykott aufzurufen. Aber unabhängig davon, ob du nicht wählen gehst oder bei jeder Wahl irgendwo ein Kreuz machst: eine langfristige und grundlegende Veränderung wird nicht in den Parlamenten durchgesetzt werden.

Erst recht kann man sich nicht alleine gegen Krieg, gegen Sozialabbau und Lohndrückerei, gegen die autoritäre Zuspitzung und die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen wehren. Nur zusammen können wir uns wehren – nur zusammen können wir Alternativen aufbauen.

Organisier dich lokal!

Deshalb organisieren wir uns gemeinsam in der Nachbarschaft. Unser Ziel ist nicht kompliziert: Nur wenn wir uns zusammenschließen, können wir unsere Interessen durchsetzen. Und je mehr Menschen im Alltag an einem Strang ziehen, desto eher können wir etwas erreichen!

Unsere Kampagne zur Berliner-AGH Wahl 2026 steht deshalb unter dem Motto „Du hast keine Wahl – organisier dich lokal“. Wir mischen uns ein, wir sind im Kiez präsent, wir kämpfen gemeinsam für unsere Rechte, unsere Interessen und unsere Zukunft!

Wir fordern:

1. Den DWE-Volksentscheid umsetzen und Anmeldung für alle!
2. Die Vergesellschaftung sozialer Bereiche statt Kürzungen!
3. Die Rücknahme des Polizeigesetzes und ein Ende der Waffenproduktion!

Komm vorbei und mach mit — holen wir uns Berlin zurück!

Illustrationen und Text:
Stadtteilkomitees Berlin

Die Stadtteilbüros finanzieren ihre Angebote komplett selbst, um politisch unabhängig arbeiten zu können.

Spenden:
Kollektiv e.V.
IBAN: DE57 4306 0967 1096 6167 05
BIC: GENODEM1GLS
Verwendungszweck: „Spende“

Oder hier: Spendenlink

Filmvorführung und Diskussion: „Gleichgeschaltet – Deutschland gegen den Palästina-Kongress“

Veranstaltung „Gleichgeschaltet – Deutschland gegen den Palästina- Kongress“

25. 8. 2026, bUm Paul-Lincke-Ufer 21, 10999 Berlin

Einlass: 18:30 Uhr – Filmbeginn: 19:00 Uhr – Q&A mit Dror Dayan und Panelist:innen: 20:OO Uhr, Tickets

palaestinakongress.de


Im April 2024 hat die Berliner Polizei die geplante dreitägige Konferenz „The Palestine Congress“ gesprengt und verfassungswidrig verboten. Der Film „Gleichgeschaltet – Deutschland gegen den Palästina-Kongress“ zeigt die koordinierte Maschinerie der Zensur und staatlichen Gewalt, mit der Deutschland gegen seine eigenen Regeln verstieß, um die israelischen Gräueltaten in Palästina um jeden Preis zu verteidigen.

Anhand von Interviews mit Organisator*innen, geplanten Redner*innen, Anwält*innen und Journalist*innen wird nicht nur die bedingungslose Unterstützung der Bundesrepublik Deutschland für den anhaltenden Genozid in Gaza analysiert, sondern auch die breiteren Umstände im Land, als sich Deutschland darauf vorbereitet, wieder ein führender imperialistischer Akteur auf der Weltbühne zu werden – koste es, was es wolle.

Der 40-minütige Film wird am 25.08. seine erste öffentliche Vorführung feiern. Wir laden euch herzlich ein, ihn mit uns zu sehen und anschließend mit dem Filmemacher Dror Dayan und weiteren Gästen seine Inhalte zu diskutieren.

Der Film wird auf Deutsch/Englisch gezeigt. Die anschließende Diskussion findet auf Deutsch statt.

26. 8. 2026, bUm Berlin

Einlass: 18:30 Uhr – Filmbeginn: 19:00 Uhr – Q&A mit Dror Dayan und Panelist:innen: 20:OO Uhr

Tickets

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