….nicht mehrauffindbar nach dem dritten..ein Abend gegen Kriege !

Einladung

zu einem Abend gegen Kriege mit Gina Pietsch und Bardo Henning

Lieder und Texte

am 30. Mai 2024 – 19 Uhr – Galerie 100 – Konrad-Wolf-Str. 99

Das große Karthago führte drei Kriege.
Es war noch mächtig nach dem ersten,
noch bewohnbar nach dem zweiten.
Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten
.

Als ich jung war, hab ich Brecht auch wegen dieser Worte
bewundert. Dabei waren sie weit weg von mir, gingen mich
eigentlich nur der Historie wegen etwas an. Nun sind sie mir
nah gekommen, und ich frage, ob die Bellizisten in meinem
Land und meiner Welt sich nicht ähnlich ängstigen wie ich.
Wer hat sich nicht alles geäußert zu dieser Frage aller
Fragen, also: Krieg oder Frieden? Unser Abend hätte nur mit
meinem Repertoire fünf mal so lang sein können. Was haben
sich die Dichter und Denker zu diesem Thema nicht alles
einfallen lassen. Friede dem Bäcker und seinen
Liebschaften, wünscht sich Neruda, der Krieg ist abgesagt,
stellt Brecht in den Raum, Ich bin Fan. Herr Oberst,
gestatten, von Weltkrieg Nr.1, glossiert Georges Brassens,
von selbigen Krieg, in dem bei dem 16-jährigen Brecht die
Mütter weinten hüben und drüben.
Nicht nur diese großen Dichter sind Warner von Kriegen.
Bellizistische Dichter hat es auch gegeben, aber erstens
waren sie nicht groß und zweitens würden wir sie nicht mal
mit spitzen Fingern anfassen. Die Bellizisten unter unseren
derzeit Regierenden sind schon schwer genug zu ertragen.
Es ist sehr ermutigend, dass es in der Geschichte so viele
Anti-Kriegs-Lieder und Texte gibt, nicht wenige davon
entstanden unter Lebensgefahr der Autoren, aber mit großer
Klugheit und beneidenswertem Mut.

Die Lieder und Texte sind Zeitzeugen und Zeitgeschichte.

Brechts „Ballade vom
Stahlhelm“ berichtet uns von Lenins und Trotzkis Kämpfen
um eine Atempause für das Proletariat. Tucholsky lässt uns
teilhaben an den Ängsten von Mutter und Sohn um den
Vater, der ihnen weggenommen wurde für den Graben,
Junge, für den Graben. Das kann uns an die Tränen bringen
und uns an anderer Stelle wieder die Lachtränen in die
Augen treiben. Was hab ich zum Beispiel gelacht, als ich zum
ersten Mal las, wie Robert Gilbert einen Justav aus seiner
Stadt Berlin auffordert: Überwinde dir, Justav, erobere nischt.
Oder, wie Tucholsky in „Statistik“ uns einen Arbeiter
beibringen lässt, warum wir ein armes Land sind, na, weil wir
28.807.988 Mark allein in Preußen für Pferdezucht übrig
haben und er 433 Wochen arbeiten müsste, um so viel zu
erarbeiten wie der Herr Tirpitz, der die deutsche Flotte
danebenorganisiert hat, als Pension bekommt. Da bekannt
ist, dass unsere Millionäre und Milliardäre – 1% der
Bevölkerung – 81% einstreichen vom wirtschaftlichen
Gesamtgewinn, liegt Tucho 1929 immer noch richtig. Und
Ossietzky hat recht, wenn er feststellt: Ich habe noch
niemanden gekannt, der sich zur Stillung seiner Geldgier auf
Erhaltung und Förderung des Friedens geworfen hätte.

Fazit: Kriegsgewinnlern das Wasser abgraben, wenn wir
Frieden wollen
.

Gina Pietsch

Kontakt: www.ginapietsch.de
www.bardomusik.de

Wir danken Rainer Heidenreich für die Information zur Veröffentlichung.

Für einen selbstbestimmten Wiederaufbau der Ukraine – Veranstaltung

Veranstaltung
Für einen selbstbestimmten Wiederaufbau der Ukraine. Soziale Rechte sichern, Entschuldung durchsetzen !

Samstag, 8. Juni 2024, 13 bis 18.30 Uhr, IG Metall Haus, Alte Jakobstr. 149

Dialog mit Gewerkschafter*innen und Aktivist*innen aus der Ukraine

Das Land ist weltweit der drittgrößte Schuldner des IWF, die zusätzlichen Kosten für den Wiederaufbau nach dem Krieg werden derzeit auf 750 Mrd. Dollar geschätzt. Diese Schulden und die Auflagen der EU bedrohen den Lebensstandard und die sozialen Rechte der Beschäftigten im privaten wie im öffentlichen Sektor, obwohl sie die Hauptlast des Krieges tragen. Ihre Sichtweise spielt auf der Ukraine Recovery Konferenz, die von der Bundesregierung und der EU-Kommission am 11. und 12. Juni 2024 in Berlin ausgerichtet wird, keine Rolle.

Der Arbeitskreis Internationalismus der IG Metall Berlin und die Initiative »Solidarität mit ukrainischen Gewerkschaften – Humanitäre Hilfe« organisieren daher eine Veranstaltung, bei der gewerkschaftlich aktive Kolleg:innen und Aktivist:innen von sozialen Bewegungen aus der Ukraine zu Wort kommen. Es haben zugesagt Kolleg:innen von ArcelorMittal, Kryvyj Rih, eines der größten Stahlwerke der Ukraine, der Krankenhausinitiative #BeLikeNina und der Studierendengewerkschaft Direct Action.

Themen, die auch in Workshops bearbeitet werden, sind:

  • Abbau der sozialen Rechte, insbesondere Arbeitsrechte, in der Ukraine
  • Entschuldung als Voraussetzung für einen selbstbestimmten Wiederaufbau
  • Schließung von Hochschulen und Zerstörung von Bildungsstätten
  • Organisierung von Interessenvertretung im Gesundheitswesen
  • Neue gewerkschaftliche Ansätze in der Ukraine und in Deutschland
Weitere Infos und Anmeldungen: info@gewerkschaftliche-ukraine-solidaritaet.de
aktueller Flyer mit Programm
Anmerkungen Forum Gewerkschaftliche Linke zum Thema

Kümmern um die sozialen Belange und gewerkschaftliche Arbeit im Schatten hegemonial kapitalistischen Kriegsgeschehens kann zur Quadratur des Kreises werden.

Laut IndustriAll und Europäischen Gewerkschaftsbund gehörte die Ukraine schon vor dem russichen Angriff zu den europäischen Ländern mit den geringsten Löhnen, den schlimmsten Arbeitsbedingungen und restrektiven Gesetzen, die den Handlungsspielraum für Gewerkschaften und Beschäftigte auf ein Minimum einschränkten. Unter Kriegsrecht machte die Selensky Regierung dann ihre vorbereiteten Pläne zur Zerschlagung „unabhängiger“ Gewerkschaften und ihrer Enteignung weitgehend wahr. Die “Gewerkschaften sollen zu bloßen Organen der »Bürgerkontrolle« degradiert werden, die die Einhaltung des Gesetzes überwachen.” [1]Ukraine: Regierung droht Gewerkschaften mit kompletter Entmachtung | ÖGB (oegb.at) [2]Ukrainischer Geheimdienst beschlagnahmt 80 Gewerkschaftseinrichtungen – massive Einschränkung von Arbeiter:innenrechten geplant » Perspektive (perspektive-online.net) [3] Gewerkschaften in der ukraine wikipedia Unliebsame, nicht gehörige und nicht zur Kooperation bereite Gewerkschafter:innen wie auch linke Oppositionelle werden zum Schweigen [4] Notizen von einem Treffen mit der Revolutionären Arbeiterfront (RFU), Ukraine gebracht. Ihnen gehört unsere besondere Solidarität.

Ohne Frieden ist alles nichts!“ Dieser langjährige Grundsatz gewerkschaftlicher Friedensarbeit wird auch im Ukainekrieg zur bitteren Gewissheit. Jeder Kriegstag mehr bedeutet mehr Ukrainier:innen als Kanonenfutter in einem Stellvertreterkrieg zwischen westlichen und russischen Interessen. Jeder Kriegstag mehr vergrößert das Heer von Vertriebenen und deren schamlose Ausbeutung. Jeden Kriegstag mehr wechseln Land und Produktionsanlagen in die Hände westlichen Kapitals. Jeden Kriegstag mehr wächst der ukrainische Schuldenberg. Große Teile des letzten US „Hilfspaketes“ erhielt die Ukraine nur auf Kredit. Selbst die von russischen Oligarchen konfiszierten Gelder soll die Ukraine nur als Schuldverschreibung erhalten. Jeder Kriegstag mehr um der vermeintlichen „Freiheit willen“ führt die Ukrainer:innen – unter der gegenwärtigen imperialen kapitalistischen Dominanz- einen Schritt weiter in die totale soziale, ökonomische und damit auch poilitische Abhängigkeit und Unterdrückung.

Keine Waffenlieferungen! Asyl für alle Kriegsdienstverweigerer!

Wieviel Bertelsmann-Stiftung steckt in Lauterbachs Krankenhausreform?

Von Florian Warweg

Am 15. Mai stellte Gesundheitsminister Karl Lauterbach auf der Bundespressekonferenz seine als „Revolution im Krankenhauswesen“ angekündigte Reform (offizieller Name „Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz“) vor. Dabei kritisierte er in scharfen Worten die bisherigen Fallpauschalen. Kein Wort dazu, dass er einst maßgeblich mitgeholfen hatte, diese einzuführen. Die NachDenkSeiten wollten vor diesem Hintergrund wissen, ob er in der Rückschau seinen damaligen Einsatz für die Fallpauschalen bedauere. Ebenso interessierten sich die NDS dafür, welchen Einfluss Gesundheitsökonomen aus dem Umfeld der Bertelsmann-Stiftung auf die Ausgestaltung der Krankenhausreform hatten. Der bis dahin eloquent aufgetretene Minister kam sichtbar ins Stocken. Von Florian Warweg.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

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Die Reform, die nicht hält, was sie verspricht

2022 hatte Karl Lauterbach angekündigt, mit seiner Krankenhausreform die sogenannte Fallpauschalen-Finanzierung zu überwinden. Dies stieß zunächst tatsächlich auch auf breite Zustimmung. Doch schaut man sich die aktuelle Reform näher an, fällt auf, dass fast all die Mechanismen, die in die aktuelle Misere geführt haben, in der Reform fortgeschrieben und teilweise sogar mutmaßlich verschärft werden. Lauterbachs Reform trägt die klare Handschrift der Gesundheitsökonomie, einer kapitalfreundlichen Umgestaltung des Krankenhauswesens, in welcher Profitinteressen grundsätzlich vor den Bedürfnissen der Menschen/Patienten stehen. Ebenso ergibt ein genauerer Blick auf Lauterbachs Reform, dass in Wirklichkeit die Fallpauschalen bestehen bleiben und bloß teilweise durch ein zweites, bürokratieintensives Pauschalensystem (Vorhaltevergütung) ergänzt werden.

Wettbewerbslogik wird verschärft

Damit wird die bestehende Wettbewerbslogik sogar noch verschärft. Denn die Krankenhäuser müssen nun nicht nur um Fallpauschalenerlöse, die ja erhalten bleiben, sondern auch um Anteile an den neuen Vorhaltebudgets konkurrieren und dafür einen aufwändigen bürokratischen Apparat installieren. Und schon jetzt stöhnt das Krankenhauspersonal unter einer völlig überhandnehmenden Bürokratie, die bis zu 30 Prozent der Arbeitszeit des klinischen Personals in Anspruch nimmt. Das ist ein Vorteil für große Krankenhäuser und private Klinikketten, die über die entsprechenden Verwaltungsapparate verfügen. Diejenigen, die das nicht tun, kleine Krankenhäuser im ländlichen Raum und die Grundversorger haben erneut das Nachsehen.

Der Niedergang des deutschen Krankenhauswesen: Wie konnte es so weit kommen?

Um die derzeitige Lage der Krankenhäuser in Deutschland besser zu verstehen, hilft ein Blick zurück. Alles begann 1985, als in der Bundesrepublik unter Helmut Kohl ein Gesetz verabschiedet wurde, welches es erstmals erlaubte, mit dem Betrieb von Krankenhäusern Gewinne zu erwirtschaften. Die öffentliche Hand war bis dahin der maßgebliche Akteur in der Krankenhauslandschaft. Noch 1991 befanden sich lediglich 15 Prozent der Allgemeinkrankenhäuser in privater Trägerschaft, 46 Prozent waren öffentlich, der Rest in gemeinnütziger Hand. Diese Verteilung hat sich radikal geändert: Heute im Jahr 2024 zeigt sich die Verteilung bei den Besitzverhältnissen von Allgemeinkrankenhäusern wie folgt: 39 Prozent ( plus 24 Prozent) gehören privaten Trägern, 32 Prozent gemeinnützigen Trägern – und die öffentliche Hand, einst der Hauptakteur, bildet nun mit 29 Prozent (minus 17 Prozent) das Schlusslicht.

In der Folge entstanden private Krankenhauskonzerne, deren Wachstum vor allem darauf beruhte, öffentliche Krankenhäuser aufzukaufen. So ging beispielsweise Eugen Münch, Gründer der Rhön-Kliniken AG, bereits in den 2000er-Jahren, wie Jorinde Schulz in einem umfassenden Artikel auf Jacobin darlegt, auf Schnäppchenjagd bei kommunalen Krankenhäusern in finanziellen Notlagen, die er nach seiner Übernahme strengen Sparmaßnahmen unterwarf. Auch der Krankenhauskonzern Asklepios bezog seinen Grundstock an „Krankenhaus-Kapital“ aus der Übernahme kommunaler Kliniken in Hamburg. Die Gewinne aus dem Krankenhausbetrieb investierte der im Februar 2024 verstorbene Asklepios-Eigentümer Bernard Grosse Broermann, der sich gerne als bodenständiger Familienunternehmer inszeniert hatte, übrigens in Schweizer Luxushotels.

Seit rund drei Jahrzehnten läuft es so: Erst wird die öffentliche Daseinsvorsorge systematisch unterfinanziert und durch Preissysteme umgeformt, um sich dann gezwungenermaßen privatem Kapital zu öffnen. Das kann sich sodann als Retter in der Not inszenieren, welches dringende Investitionen in öffentliche Gesundheits-Infrastrukturen ermöglicht. Diese werden in Folge privatisiert, auf Gewinn getrimmt, ausgequetscht und am Ende, wenn nicht mehr gewinnbringend, wieder an den Staat abgestoßen oder zumindest diesem die Kosten aufgehalst. Exemplarisch sei auf den Fall des Universitätsklinikums Marburg/Gießen verwiesen, der ersten privatisierten Uni-Klinik Deutschlands. Diese wurde 2006 zum Spottpreis von 112 Millionen Euro an den Rhön-Konzern (Rhön-Klinikum AG) verkauft – 2022 sah sich das Land Hessen gezwungen, die privatisierte Uniklinik mit einem öffentlichen Investitionszuschuss in Höhe von 500 Millionen Euro aus einer finanziellen Notlage zu retten.

Der Einfluss von Konzern-Stiftungen auf die Krankenhausreform

In der Regierungskommission für die Krankenhausreform saß unter anderem der Vorstandsvorsitzende der Rhön-Stiftung, der Gesundheitsökonom Boris Augurzky, und prägte, nach allem, was man aus dem Umfeld hörte, maßgeblich die Reforminhalte mit.

Neben Augurzky fällt auch der Name Reinhard Busse ins Auge, Professor für Gesundheitsökonomie an der TU Berlin und ebenso einflussreiches Mitglied der Reformkommission. Busse war zuvor Teil des Kernteams des Projekts „Neuordnung der Krankenhauslandschaft“ der Bertelsmann-Stiftung, welches 2019 eine Studie mit dem vielsagenden Titel „Eine bessere Versorgung ist nur mit halb so vielen Kliniken möglich“ veröffentlichte. Das damalige Resümee der Studie, man sollte jedes dritte oder besser sogar jedes zweite Krankenhaus schließen, befürwortete Lauterbach – damals noch als einfacher SPD-Abgeordneter – enthusiastisch auf Twitter.

Die Bertelsmann-Stiftung widmet dem Gesundheitsbereich auch grundsätzlich besondere Aufmerksamkeit und spielte dort, ebenso wie bei der fatalen Bologna-Reform der deutschen Universitätslandschaft, eine zentrale Rolle als Lobbyist und Stichwortgeber. Das Interesse der Stiftung für den Themenkomplex hat auch knallharte wirtschaftliche Interessen zum Hintergrund. So wurde beispielsweise die Bertelsmann-Tochter Arvato Systems mit der Installation der technischen Infrastruktur für die elektronische Patientenakte beauftragt und verdient so kräftig an der Digitalisierung des Gesundheitswesens mit. Gleichzeitig saß die Aufsichtsrätin und Gesellschafterin des Bertelsmann-Konzerns sowie Vorständin der Bertelsmann-Stiftung, Brigitte Mohn, bis 2020 im Aufsichtsrat von …, na, was raten Sie? Genau, der Rhön-Kliniken. Und wer saß auch noch lange im Rhön-Aufsichtsrat? Der heutige Gesundheitsminister Karl Lauterbach. Die aktuelle Position beim Röhn-Konzern des Gesundheitsökonomen und Mitglied der Regierungskommission zur Krankenhausreform, Boris Augurzky, hatten wir ja schon ausgeführt – so schließt sich der Kreis.

Die gesamte einstündige Pressekonferenz von Karl Lauterbach in der BPK können Sie hier einsehen:

https://www.youtube-nocookie.com/embed/FCWwvhBm9Ok

Erstveröffentlicht in den „nachdenkseiten“ v. 15.5. 2024
https://www.nachdenkseiten.de/?p=115299

Wir danken für das Publikationsrecht.

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