Rheinmetall entwaffnen – Gegen die Verbote von Antikriegsprotesten!

Polizei Köln verbietet Camp und Demo von ,,Rheinmetall Entwaffnen“!

Jetzt ist es also soweit. Es werden Proteste gegen den Krieg und die Rüstungsindustrie schon im Vorfeld durch die Polizei verboten. Wenn es um Kritik am eingeschlagenen Weg in die Kriegstüchtigkeit geht, zieht dieser Staat die Reissleine. Da verlieren dann auch Grundrechte schnell ihre Gültigkeit. Es sieht danach aus, dass in Köln ein Exempel statuiert werden soll. Wir sollten alle Kraft aufwenden, das zu verhindern!

Das Bündnis Rheinmetall ruft zur Solidarität auf:

Die Polizei Köln will das ,,Rheinmetall Entwaffnen“ Camp vom 26. bis zum 31.08. verbieten. Als Begründung werden absurdeste Konstruktionen und Anschuldigungen herangezogen.

Den Campteilnehmenden wird im vorhinein „Unfriedlichkeit“ unterstellt. Die Polizei Köln sieht in der Parole ,,Krieg dem Krieg, die Ankündigung, man wolle der Aufrüstung mit ,,kriegerischen Mitteln“ begegnen, dabei ist dieser Ausdruck im ersten Weltkrieg entstanden, wurde durch Kurt Tucholskys gleichnamiges Gedicht populär und wird schon seit über hundert Jahren von antimilitaristischen Bewegungen genutzt.

Die angeblich seit dem Camp in Kiel „gesteigerte Gewaltbereitschaft der Campteilnehmenden wird auf die „‚zum Negativen veränderte“ Weltlage zurückgeführt. Ausgerechnet aus dieser (sachlich richtigen) Feststellung leiten sie ab, dass ein Camp verboten gehört, das diesen Umstand kritisiert. Dieser Zynismus ist kaum zu überbieten. Der Umgang der Polizei zeigt, wie weit die gesellschaftliche Militarisierung und Autoritarisierung bereits
vorangeschritten ist – und wie wichtig gemeinsame Bildung, Vernetzung, solidarisches Miteinander und politische Praxis sind.

Wir sind fest entschlossen, das Camp
juristisch durchzusetzen und diesen Angriff auf die antimilitaristische Bewegung nicht hinzunehmen! Dafür brauchen wir eure Solidarität und Unterstützung. Das könnt ihr jetzt schon tun:

Teilt diesen Post und Beitrag und ruft alle dazu auf unser Camp und unsere
antimilitaristische Parade am 30.08. zu unterstützen. Schlieẞt Euch unserem Protest an!

Teilt und unterschreibt unsere Petition gegen das Campverbot!

Spendet an unsere
Crowdfunding-Kampagne zur Finanzierung von Camp und Gerichtskosten – und teilt sie!

„Friedlicher Protest gegen Krieg, Aufrüstung und Waffenexporte ist kein Sicherheitsrisiko – er ist legitim und höchst notwendig! Gerade jetzt, wo Deutschland Rekordsummen für Rüstung ausgibt und Kriege weltweit befeuert.“ (Lea Reisner)

„Die Kölner Polizei droht, das Camp von RHEINMETALL ENTWAFFNEN Ende August zu verbieten.
Während der deutsche Staat den Tod in jeden Winkel dieser Welt exportiert bekämpft er im Inland mit wahrlich Orwellscher Rhetorik jeglichen Widerspruch dagegen.
Soli mit Rheinmetall entwaffnen! “ (J. Reimann)

„Wer die gewöhnlichen Menschen als Kanonenfutter in den Krieg zu schicken gedenkt, ist natürlich der Meinung, dass friedliche Antikriegsdemos eine Gefahr für die Gesellschaft sind. Das zieht sich durch alle Epochen.“ (ein antikapitalistischer Mensch im Netz)

„Das Vorgehen reiht sich ein in einen beunruhigenden Trend: linke, antimilitaristische und regierungskritische Stimmen und Proteste werden zunehmend eingeschränkt, während Konzerne wie Rheinmetall ungestört Milliarden mit dem Tod verdienen.“ (Lea Reisner)

Der Weg in die Kriegswirtschaft – finanziert mit beispielloser Verschuldung – ist unabdingbar verbunden mit einem Angriff auf den Lebensstandard und die Lebensgrundlagen der gesamten arbeitenden Bevölkerung. Bunker ersetzen keine Wohnungen. Mit Panzer kann man nicht in Urlaub fahren. Munition kannst Du nicht essen. Und kommt es zum Krieg, dann ist alles nichts!

Alle die auf den Straẞen Widerstand gegen den Genozid in Gaza leisten. Alle, die nicht durch die Wehrpflicht in die Kriege der Reichen gezwungen werden wollen. Alle die in den Kriegsvorbereitungen den gröẞten Klimakiller erkennen.
Kommt nach Köln – gemeinsam können wir den Krieg verhindern


Siehe auch den Beitrag „Edo Fimmen: Krieg dem Kriege


Friedensbewegung – Warum gibt es mehrere Aufrufe für die Demos am 3. Oktober 2025?

Die Redaktion unterstützt die Demonstrationen und freut sich darüber, dass man sich hier zusammengerauft hat. (Jochen Gester)

Bild: Nie wieder Krieg

Die Initiative ‚Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder!‘ ruft zur bundesweiten Friedensdemonstration am 3. Oktober in Berlin und Stuttgart auf. Wir wollen die Aktion zum eindrucksvollen Zeichen dafür machen, dass die Friedensbewegung dabei ist, wieder zu einer starken Kraft zu werden.

Neben dem Aufruf unserer Initiative ‚Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder!‘ gibt es dafür auch einen Bündnisaufruf, den die Initiative ebenfalls unterstützt. Warum das so ist, dazu hat Peter Wahl einen erklärenden Text verfasst:

Mit dem Bündnisaufruf ist es zum ersten Mal seit der dramatischen Zuspitzung der internationalen Lage gelungen, dass unterschiedliche Strömungen wieder zu gemeinsamer Handlungsfähigkeit gefunden haben – über ihre politischen Differenzen hinweg. Das ist eine neue Qualität, die angesichts der riesigen Herausforderungen, vor denen wir stehen, dringend gebraucht wurde.

Der gemeinsame Aufruf, an dessen Formulierung Mitglieder unsere Initiative beteiligt waren, ist ein Kompromiss, ohne den eine gemeinsame Aktion nicht zustande gekommen wäre. Wie immer bei solchen Kompromissen, müssen alle Beteiligten ihre eigenen Positionen ein Stück weit zurücknehmen.

Aber wir tragen diesen Aufruf mit, da er wichtige Probleme benennt, darunter die fatalen Konsequenzen von Hochrüstung und Militarisierung für Klima, Umwelt, Wirtschaft, Soziales, Gesundheit, Bildung und Infrastruktur. Wir stehen auch hinter den Forderungen des Aufrufs, darunter die Ablehnung der Stationierung von US-Mittelstreckenwaffen in Deutschland, die Ablehnung der Wehrpflicht und den Einsatz für Diplomatie, Entspannung und friedliche Koexistenz, für eine Politik, die das grundlegende Völkerrechtsprinzip der ungeteilten Sicherheit respektiert, d.h. kein Land darf seine Sicherheit zugunsten eines anderen erhöhen.

Als Initiative ‚Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder!‘ möchten wir mit unserem eigenen Aufruf jedoch noch drei weitere Probleme thematisieren, die für uns in der aktuellen Lage besonders wichtig sind, und damit den Bündnisaufruf ergänzen:
 

1.

Die ausschlaggebende Rechtfertigung für Aufrüstung und Militarisierung ist die Behauptung, Russland beabsichtige, die NATO oder ein Mitgliedsland anzugreifen. Das ist der Dreh- und Angelpunkt der „Zeitenwende“, die ohne diese verschwörungsideologische Unterstellung nicht funktionieren würde.

Durch das Schüren von Emotionen, wie Angst, Hass und die Verbreitung von Fake-Informationen wird ein Feindbild erzeugt, mit dem die Bevölkerung auf Kriegsbereitschaft getrimmt werden soll. Dazu werden alle Register der kognitiven und psychologischen Kriegsführung gezogen.

Dabei zeigt schon ein nüchterner Blick auf die militärischen Kräfteverhältnisse, dass die NATO kein wehr- und harmloses Bündnis ist. Wie sie selbst immer wieder zurecht betont, ist sie die mächtigste Militär- allianz der Geschichte. Russland ist nicht so verblendet, mit einem Angriff auf eine derart gigantische Militärmaschinerie seine Existenz zu riskieren. Putin ist kein Selbstmörder.

Gerade der Einmarsch in die Ukraine zeigt ja, wie sehr Moskau eine potentielle NATO-Mitgliedschaft Kiews alsexistentielle Bedrohung fürchtet. Falsch ist deshalb auch das Argument ‚Wer einmal einmarschiert, dem traut man nicht, auch wenn er dann Friedlichkeit verspricht.‘ Sonst könnte man das ja auch auf die Ukraine anwenden, die 2003 mit George W. Bushs Koalition der Willigen beim völkerrechts- widrigen Überfall gegen den Irak das sechstgrößte Truppenkontingent (von 36) stellte. Ganz zu schweigen von den Angriffskriegen der NATO in Jugoslawien und Afghanistan oder einzelner ihrer Mitgliedsstaaten wie 2012 in Libyen .

An alle dem ändert auch der Konflikt mit Trump nichts. Einen Bruch mit der NATO will er nicht. Vielmehr geht es ihm darum, die europäischen NATO-Mitglieder zur Kasse zu bitten, was ihm mit dem 5%-Ziel und massivem Verkauf von US-Rüstungsgütern auch bereits gelungen ist.
 

2.

Die Friedensbewegung hat sich immer gegen Waffenlieferungen ausgesprochen. Sie sind Öl ins Feuer von Konflikt, Eskalation und Krieg. Deshalb fordern wir auch die Beendigung der Waffenlieferungen an die Ukraine. Sie verlängern nur das Töten. Gleiches gilt für die Etablierung einer europäischen Koalition der Willigen unter Führung der Nuklearmächte Frankreich und Großbritannien und mit Beteiligung Deutschlands u.a. Es handelt sich dabei um eine NATO-light, die sich durch eine besonders aggressive Haltung gegenüber Russland auszeichnet.

Die Ukraine steht aber militärisch, wirtschaftlich und demographisch inzwischen am Abgrund. In dieser Situation ist eine europäische Verhandlungsinitiative dringendst notwendig, um einen Krieg bis zum letzten Ukrainer zu verhindern. Man darf das Feld nicht einem Donald Trump überlassen. Dazu ist auch die Berücksichtigung der russischen Sicherheitsinteressen notwendig, an erster Stelle eine klare Absage an eine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine.
 

3.

Die Lage für die Menschen in Gaza ist von unfassbarer Brutalität. Israel ist zu unverhülltem Völkermord übergegangen, d.h. „eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören“; u.a. durch die „Tötung von Mitgliedern der Gruppe; Verursachung von schwerem körperlichem oder seelischem Schaden an Mitgliedern der Gruppe; vorsätzliche Auferlegung von Lebensbedingungen für die Gruppe, die geeignet sind, ihre körperliche Zerstörung ganz oder teilweise herbeizuführen.“

Ziel der sich in Teilen selbst als faschistisch bezeichnenden Führung Israels ist es, den Terroranschlag der Hamas auszunutzen, um ein Groß-Israel ‚from the river to the sea‘ zu etablieren, von dem Netanjahus Likud-Partei bereits in ihrem Programm von 1977 träumte.

Die „Staatsraison“, in die die deutsche Verantwortung für die Shoah pervertiert wurde, mit ihrer Instrumentalisierung des Antisemitismusvorwurfs wurde zum Schutzschild für die Menschenrechts- und Völkerrechtsverbrechen Israels. Innenpolitisch dient sie zur Immunisierung gegen Kritik und zur Unterdrückung von Protest.

Wir fordern von der Bundesregierung, unverzüglich sämtliche Lieferungen von Waffen und anderen militärisch nutzbaren Gütern an Israel zu stoppen sowie Palästina als Staat anzuerkennen.

Mit unserem eigenen Aufruf plädieren wir zugleich dafür, politische Differenzen in der Friedensbewegung nicht konfrontativ auszutragen, sondern sachlich darüber zu diskutieren, und so lange sie nicht überwunden sind, zu respektieren. Dies stets in der Absicht, das Gemeinsame in den Vordergrund zu stellen und auf gemeinsame Handlungsfähigkeit zu orientieren.

Machen wir die Aktion In Berlin und Stuttgart zu einem Erfolg!

Quelle: Nie wieder Krieg-Newsletter
https://f06qo.r.sp1-brevo.net/mk/mr/sh/1t6AVsd2XFnIGNVWd0Lpss1b3FQDdI/oGaLCWOnwgQT


 

Edo Fimmen: Krieg dem Kriege

Die Aufgabe der organisierten Arbeiter in der Bewegung für den Weltfrieden

Ein Klassiker zum Antimilitarismus in der Arbeiterbewegung ist die um eine Einleitung ergänzte Neuausgabe der 1922 vom Gewerkschaftssekretär Edo Fimmen auf dem Internationalen Kongress für den Weltfrieden in Haag gehaltene Rede „Krieg dem Kriege“.

„So richtet sich jeder Krieg unter Staaten jedes Mal auch gegen die Arbeiterschaft dieser Staaten“ (Edo Fimmen). Gut 100 Jahre nach dem erstmaligen Erscheinen verdient es diese Schrift, erneut gelesen zu werden. Dieser Text ist ein Plädoyer für einen gelebten Internationalismus und gegen jede Propaganda für eine „Kriegstüchtigkeit“. Aus der Perspektive der organisierten Arbeiter*innen verbindet der Gewerkschafter Edo Fimmen die Kritik des Militarismus mit jener des Kapitalismus und des Nationalismus.

Es gibt nicht die „richtige Seite“ im Krieg, auf die es sich für die Masse der Bevölkerung – all jener, die nicht ökonomisch vom Krieg profitieren– zu schlagen lohnte. Die eigentlichen „vaterlandslosen Gesellen“ sind nicht die Sozialist*innen, sondern diejenigen, die mittels Kapitalflucht jeweils in die ihnen günstigsten Weltregionen fliehen – und die mittels offenem Krieg wie auch „bewaffnetem Frieden“ (Fimmen) diese ihnen dienlichen Bedingungen erst schaffen. Denn „Frieden“ ist nur die Vorstufe für den nächsten Krieg: im kapitalistischem Weltregime trägt jeder Krieg die Keime eines neuen Krieges von Vornherein in sich.

Die Verweigerung der Kriegsbeteiligung und die Beseitigung der Kriegsursachen sind für den Autor eine primäre Aufgabe jeder gewerkschaftlichen und humanistischen Erziehung. Denn, so noch einmal Edo Fimmen (Jahre vor dem Ausspruch „Soldaten sind Mörder“ von Kurt Tucholsky): „Mord bleibt Mord und verliert nichts von seiner Schande, wenn man ihn zum legalisierten Massenmord vergrössert“.

Erinnert wird mir dieser Neuausgabe auch an die verbreitete Antikriegsstimmung nach dem Ersten Weltkrieg. So äusserte die Frauenrechtlerin und Pazifistin Helene Stöcker ebenfalls 1922: „Ein merkwürdiges Zeichen der geringen Selbstachtung des Menschen ist es, dass er es bisher sich hat gefallen lassen, von seinen Regierungen und herrschenden Klassen als Kanonenfutter, als Kriegsmaterial, das man dem Feind entgegenwirft, benutzt, missbraucht und zerstört zu werden“. Denn entgegen dem männerzentrierten Titel der hier publizierten Fimmen-Rede waren Frauen in der damaligen Friedensbewegung sehr aktiv. Stöcker, Edo Fimmen und andere plädierten denn auch für einen Generalstreik im Fall einer neuerlichen Kriegsausrufung – ein Gedanke, der ebenfalls nichts von seiner Aktualität verloren hat.

Edo Fimmen (1882-1942) war Antifaschist, Antimilitarist und Sekretär der bis heute bestehenden Internationalen Transportarbeiter-Gewerkschaft (ITF, aktuell sind dort mehr als 700 Mitgliedsgewerkschaften aus über 150 Ländern vernetzt).

pm

Edo Fimmen: Krieg dem Kriege. Die Aufgabe der organisierten Arbeiter in der Bewegung für den Weltfrieden. Anares Verlag 2025. 52 Seiten. ca. 12.00 SFr., ISBN: 9783935716871.
https://www.ziegelbrenner.com/produkt/krieg-dem-kriege-die-aufgabe-der-organisierten-arbeiter-in-der-bewegung-fuer-den-weltfrieden/

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