Zum IG Metall Geschwerkschaftstag – Sagt Nein! Gegen Krieg, Militarismus und Burgfrieden!

DELEGIERTE DES IGM-GEWERKSCHAFTSTAGES VERHINDERN DAS SCHLIMMSTE //

25.11. AUF NACH BERLIN!

27. Okt. 2023,

aktuelles Statement des Initiativkreises “ Sagt! Nein gegen Krieg , Militarismus und Burgfrieden !“

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Unterstützer:innen,

zwar war – anders als noch auf dem ver.di-Bundeskongress – das Thema Krieg und Frieden nur eines unter vielen Themen, mit denen sich der IG Metall Gewerkschaftstag in dieser Woche beschäftigte. Aber anders als noch die Delegierten des ver.di-Bundeskongresses haben die Delegierten des IG Metall-Gewerkschaftstag den Leitantrag des Bundesvorstandes nicht einfach `durchgewunken `, sondern bemerkenswert kritische Änderungen vorgenommen.

Als am 24.10. der Kriegskanzler seinen obligatorischen Grüßonkelbesuch in Frankfurt absolvierte forderten bereits einige junge Kolleg:innen auf einem Transparent »100 Mrd. für die Jugend« und eröffneten damit die Debatte um das 100-Milliarden Militarisierungs- und Kriegsbeteiligungs-Schuldenprogramm der olivrotgrüngelben Kriegsregierung.

Und nach einer deutlich kürzeren Debatte als noch auf dem ver.di-Bundeskongress (es gab nur einen einzigen Änderungsantrag) beschlossen die Delegierten dann  unter der Überschrift `Für eine verantwortliche Politik für Frieden und Sicherheit` eine deutlich vom ursprünglichen Entwurf des Vorstandes abweichende Positionierung zu Krieg und Frieden.  Dabei folgten die Delegierten vollständig einem Änderungsantrag, der von Delegierten aus der IGM-Geschäftsstelle Hanau-Fulda eingebracht worden war, die für ihr vorbildliches und mutiges Engagement zu Fragen von Krieg und Fragen und für eine klare antimilitaristische Haltung der Gewerkschaften über die Grenzen der IG Metall hinaus bekannt ist und wertgeschätz wird.

So `entschärften` die Delegierten den vorliegenden Leitantrag des Vorstandes durch Streichung der krassesten kriegstreiberischen Passagen, als da waren:

  • „Klar muss aber sein: In der Ukraine wird kein Stellvertreterkrieg des Westens ausgefochten.“
  • „Ein genereller Ausschluss von Rüstungsexporten beziehungsweise Waffenlieferungen in Krisenregionen und an kriegführende Staaten steht diesen Zielen entgegen (mit `Zielen` gemeint:  ` nachhaltiger Frieden in und für Europa`, ` staatliche Souveränität der Ukraine` (Anm.: SN!)).
  • Waffenlieferungen können legitim sein, wenn demokratische Staaten ihr Recht auf Selbstverteidigung gegen einen bewaffneten Angriff wahrnehmen. Klar ist aber auch: Menschenrechte stehen über Exportmöglichkeiten.“

Im Gegenzug gab es die folgenden wesentlichen Ergänzungen durch die Delegierten:

  • „Eine Fixierung auf Waffenlieferungen verlängert diesen Krieg und führt auf beiden Seiten zu tausenden Toten und Verletzten. Daher ist der Schwerpunkt auf diplomatische Lösungen zu legen, um zunächst einen schnellen Waffenstillstand zu vereinbaren. Eine einseitige Fixierung der Debatte auf Waffenlieferungen und ein Denken in den Kategorien ´Sieg´ oder ´Niederlage´ ist der falsche Weg.“
  • „Gemeinsam mit dem DGB und anderen Einzelgewerkschaften wird die IG Metall Initiativen und Abkommen zur Rüstungskontrolle fordern und abrüstungs- und entspannungspolitische Initiativen unterstützen. Atomare, biologische und chemische Waffen müssen weltweit geächtet werden.“
  • „Außerdem setzen wir uns gemeinsam für Rüstungskonversion ein.“

Im Ergebnis kam so zwar eine Positionierung zustande, die gegenüber dem ver.di-Beschluss deutlich kritischer gegenüber der Militarisierungs- und Kriegsbeteiligungspolitik der olivrotgrüngelbbehelmten Regierung ist. Leider gelang es aber selbst mit dieser entschärften Fassung nicht, das erforderliche klare NEIN! GEGEN KRIEG, MILITARISMUS UND BURGFRIEDEN zu setzen.

Auch in der jetzt entschärften Fassung fordert dieser Beschluss statt des Endes jeder Waffenlieferungen (mindestens in Krisen- und Kriegsgebiete – so die bisherige Beschlusslage der IGM) lediglich: „Waffenexporte sind restriktiv und transparent zu handhaben.“

Auch positioniert sich die IG Metall ebenso wie ver.di nicht gegen das menschenverachtende Sanktionsregime des USA-NATO-Westens, dem jedes Jahr zehntausende Menschen weltweit zum Opfer fallen; statt dessen lediglich: „Sanktionen müssen zielgenau wirken, stetig überwacht, überprüft und bei Bedarf angepasst werden.“

Das sogenannte ´2%-Ziel´, das nichts weiter als die dauerhafte und andauernde weitere Militarisierung und Aufrüstung Deutschlands bedeutet, wird auch nicht abgelehnt. Das steht im deutlichen Widerspruch zum in der Einleitung pointierten „Wir lehnen Krieg als Mittel der Politik entschieden ab.“ 
Statt einer Ablehnung wird bemerkenswert verschwurbelt formuliert:
„Eine dauerhafte Steigerung des Etats für Rüstung und Verteidigung auf ein willkürlich erscheinendes, an konjunkturelle Entwicklungen gekoppeltes Zwei-Prozent- Ziel oder gar darüber hinaus lehnen wir ab.“
Genaues Lesen macht hier Sinn: Mit dieser Formulierung wird eben nicht – wie es auf den ersten Blick scheinen mag –  die ´dauerhafte Steigerung des Rüstungsetats´ abgelehnt, sondern lediglich deren Festlegung ´auf ein willkürlich erscheinendes, an konjunkturelle Entwicklungen gekoppeltes Zwei-Prozent- Ziel´…. Denn was wäre denn, wenn die Wirtschaftsentwicklung mal rückläufig wäre?! Böses dem, der Böses dabei denkt.

Und nicht zuletzt fehlt – wie schon bei ver.di – auch beim IGM-Gewerkschaftstagsbeschluss das eindeutige und klare NEIN! gegen das  100-Milliarden Militarisierungs- und Kriegsbeteiligungs-Schuldenprogramm der olivrotgrüngelben Kriegsregierung. Wie schon ver.di fordert jetzt auch die IG Metall lediglich, „dass Rüstungsausgaben nicht gegen die Finanzierung wichtiger sozialpolitischer Vorhaben und notwendiger öffentlicher Investitionen zur Umsetzung der sozial-ökologischen Transformation ausgespielt werden dürfen.“ Das bedeutet tatsächlich nichts anderes, als dass der aktuelle Kriegskurs der Regierung bitte „sozial gerecht“ und „nicht zu Lasten der öffentlichen Daseinsvorsorge“ stattfinden soll. DAS ist in der Tat eine für eine Interessenvertretungsorganisation auf abhängige Beschäftigung angewiesener Menschen bemerkenswert… Denn wir wissen doch aus Geschichte und Gegenwart: »Sozialabbau und Aufrüstung sind die zwei Seiten ein und derselben Medaille.«

Alle Bundesministerien – außer dem nach wie vor schönfärberisch `Verteidigungsministerium` genannten Kriegsministerium – werden im kommenden Jahr einen sogenannten `Einsparbetrag` leisten. Im Ergebnis führt das zusammengefasst dazu, dass dem Kriegsministerium mit 85,5 Mrd. Euro in 2024 mehr als 10 Mrd. Euro MEHR Geld zur Verfügung stehen wird,  als den für öffentliche Daseinsvorsorge, gesellschaftliche Entwicklung, Umweltschutz und internationale Beziehungen relevanten sieben Ministerien ZUSAMMEN!

Konkret: den 85,5 Mrd. für Militarisierung und Kriegsbeteiligung stehen gegenüber für Bildung 20,3 Mrd. Euro, Gesundheit 16,8 Mrd. Euro, Entwicklung 11,5 Mrd. Euro, Klima 10,9 Mrd. Euro, Wohnen 6,9 Mrd. Euro, Auswärtiges 6,1 Mrd. Euro und Umwelt 2,4 Mrd. Euro, zusammen gerade einmal 74,90 Mrd.!!!

SO sieht die soziale Kriegserklärung gegen die eigene Bevölkerung zur Mehrung der Profite der Multis, Konzerne und Superreichen aus.

Dagegen gehen wir zusammen mit hoffentlich zehntausenden Kolleg:innen und Menschen am 25.11. in Berlin bei der bundesweiten Demonstration `NEIN! ZU KRIEGEN` auf die Straße.

Überall laufen dazu aktuell die Vorbereitungen;

Schaut, was bei Euch vor Ort dazu läuft und geht. 
Kommt alle nach Berlin!

Wir bleiben bei unserem eindeutigen und unmissverständlichen
SAGT NEIN! GEGEN KRIEG, MILITARISMUS UND BURGFRIEDEN

Bleibt aufrecht und stark.

Gewerkschaft, das sind wir!
NEIN! ZU KRIEG, MILITARISMUS UND BURGFRIEDEN!

Wir sind und bleiben
BUNT und INTERNATIONAL!


Für den Initiator:innekreis
Hedwig Krimmer           Andreas Buderus

Gewaltfrei gegen die Heuchelei des bewaffneten Pazifismus

Ein Grundsatzbeitragvon Europe for Peace zur Positionierung von Pazifisten im aktuellen Diskurs über den Nahostkonflikt.

Wir meinen , wer einen für alle Konfliktparteien wirklich „gerechten von Hegemonie freien Frieden“ auf Augenhöhe will, muss sich für Waffenstillstand und so wenig Gewalt wie möglich einsetzen ! Aber ohne die Anerkennung eines Widerstandsrechts und die Bereitschaft, es auszuüben, wird es nicht gehen. Und neben der physischen Gewalt muss auch die bestehende soziale strukuturelle Gewalt beseitigt werden. (Peter Vlatten)

Europe of Peace, Presssenza 21.10.2023

Als Pazifist*innen und Menschen, die Gewalt ablehnen, wären wir in diesen Tagen gerne vor der palästinensischen Botschaft protestieren gegangen, wenn es denn eine geben würde. Das sollte uns zum Nachdenken über die Ursachen und die Verantwortung für diesen gewalttätigen Krieg anregen.

Der jüngste Angriff der Hamas auf Israel ist ein schändlicher Akt und wie jeder Akt der Gewalt, egal von welcher Seite, ist zu verurteilen. Es gibt keine politische oder historische Rechtfertigung für die blindwütige Anwendung von Gewalt in jeglicher Form, wo auch immer sie ihren Ursprung hat.

Inakzeptabel sind auch die Stimmen, die das Geschehene mit dem Unrecht, das dem palästinensischen Volk in den letzten Jahrzehnten widerfahren ist, herunterspielen wollen. Auch wenn man diese tiefgreifenden Ungerechtigkeiten und die entsetzliche Heuchelei derjenigen, die sie unterstützen, anerkennt, ist die Anwendung von Gewalt niemals zu rechtfertigen.

Selbst wenn sie zur Unterstützung einer gerechten Sache eingesetzt wird, ist die Anwendung von Gewalt inakzeptabel und wird niemals zur Lösung eines Konflikts führen, sondern die Situation nur verschlimmern.

Wir schließen uns daher dem internationalen Protest und der Verurteilung dieses Terrorakts der Hamas an.

Aber unsere Stimme bleibt leider ungehört, wenn wir die Ursachen dieses Ereignisses und die sehr schwere und unbestreitbare Verantwortung der israelischen Regierung anprangern. Es scheint, dass die politisch rechtsdenkende westliche Gesellschaft auf die Diskussionen über die Ursachen der Probleme allergisch reagiert und ein gewisses Grauen vor der Geschichte an den Tag legt.

Wie beim Krieg in der Ukraine erweist sich die Haltung der westlichen Länder zu diesem Konflikt einmal mehr als heuchlerisch, gewalttätig und geradezu lächerlich und zeigt die wahre räuberische Seite unserer so genannten Demokratien, die ihre angeblichen Prinzipien nur dann anwenden, wenn sie einen Vorteil daraus ziehen. So wie acht Jahre lang niemand von dem Massaker Notiz nahm, das Kiew an den mehrheitlich russischen Gebieten verübte, werden wir heute Zeugen einer traurig-komischen Farce: Die Führer der westlichen Länder erklären, dass „Israel das Recht hat, sich zu verteidigen“, und vergessen dabei, dass es sich um einen nuklearen Riesen handelt, der seit Jahrzehnten die Gebiete eines anderen Volkes besetzt hält.

Sie vergessen, dass Israel seit Jahrzehnten in das Gebiet eines Volkes einfällt, um die Bewohner darin zu demütigen, zu zerstören, zu ermorden, zu foltern und zu vergewaltigen und die Gebiete dadurch und zusätzlich unrechtmäßig besetzt.

Aber das spielt keine Rolle, denn der Westen ist gut und Israel ist eine große Demokratie. Und eine „große Demokratie“ mit großer Wirtschaftskraft und mächtigen Freunden zu sein, gibt einem offensichtlich das Recht, andere Völker zu massakrieren und die grundlegendsten Menschenrechte offen zu verletzten.

Während der Westen in der Ukraine diejenigen verurteilt, die in die Gebiete einmarschieren, verurteilt er in Israel im Gegenteil diejenigen, die sich der Invasion widersetzen. So wird paradoxerweise das Recht des israelischen Atomgoliath, sich zu verteidigen, bestätigt, während dem palästinensischen David das Recht verweigert wird, zu existieren und nicht einmal anerkannt wird.

Wo sind die gleichen Schreie der Empörung, wenn israelische Flugzeuge palästinensische Männer, Frauen und Kinder bombardieren und in Stücke zerreißen, die sich nur in ihren eigenen Häusern aufhalten? Warum äußern westliche Politier nicht ihre eigene Empörung, wenn israelische Panzer die Häuser aus dem armen Teil der Bevölkerung in den palästinensischen Gebieten zerstören?

Weil es die Palästinenser nicht gibt. Und folglich gibt es auch ihre Rechte, ihre Geschichte, ihren Schmerz und ihre Hoffnungen nicht.

Vielleicht, weil die Palästinenser „menschliche Tiere sind“, wie der israelische Verteidigungsminister Yoav Gallant behauptete. Vielleicht wird diese Ansicht, auch wenn sie nicht in diesem Ton geäußert wird, auch von unseren Politikern geteilt, die uns daran erinnern, dass Israel „das Recht hat, sich zu verteidigen“, und damit die ekelhafteste Praxis des moralischen Kniefalls vor der Macht demonstrieren, die man sich vorstellen kann.

Wenn wir das moralische Recht haben wollen, Gewalt zu verurteilen, müssen wir sie bei jeder Gelegenheit verurteilen und nicht nur dann, wenn sie uns passt.

Jeder Politiker, der sich heute mit Israel solidarisch bekennt, ohne seine eigene Empörung über das verbrecherische und mörderische Verhalten Israels offen zum Ausdruck zu bringen und ohne offiziell den Rückzug aus den besetzten Gebieten zu fordern, gilt als Mittäter des Massakers.

An ihren Händen klebt das Blut der palästinensischen und israelischen Opfer dieses Konflikts und die Tränen der Eltern, die ihre eigenen Kinder beerdigen werden.

Heute sollte die Stimme der westlichen Regierungen laut und deutlich erhoben werden, um von beiden Seiten einen sofortigen Waffenstillstand fordern. Außerdem sollte Israel aufgefordert werden, sich unverzüglich aus allen besetzten Gebieten zurückzuziehen und die UN-Resolutionen und -Empfehlungen zu respektieren, wobei im Falle einer Weigerung ernsthafte Sanktionen drohen. Die Hamas sollte aufgefordert werden, alle offensiven Aktivitäten einzustellen und Israel von jeglichen Vergeltungsmaßnahmen abzuhalten.

Aber das wird leider nicht geschehen und die Solidarität der westlichen Mächte äußert sich darin, dass sie das „Recht Israels auf Selbstverteidigung“ anerkennen, was dem Recht gleichkommt, das Blut des aufmüpfigen Dieners zu vergießen, der es gewagt hat, zu rebellieren. Wer es wagt, den Status quo der Macht in Frage zu stellen, verdient keine Solidarität, sondern nur Bestrafung.

Im Römischen Reich gab es ein schreckliches Gesetz: Wenn ein Sklave einen römischen Bürger tötete, mussten alle Sklaven, die ihm gehörten, mit dem Tod bestraft werden, auch wenn sie keine Schuld trugen. Damit sollte ein klares Signal an alle anderen Sklaven in der Stadt gegeben und deutlich gemacht werden, was mit jedem geschehen würde, der es wagte, sich gegen die Macht aufzulehnen.

Und es ist dieselbe Logik der Kontrolle, die Gewalt als Handlungsmethode einsetzt, die weltweit eine tiefe Krise ausgelöst hat.

Der argentinische Denker Mario Rodríguez Cobos, bekannt als Silo, der den universalistischen Humanismus inspirierte, sagte 2005 in einer öffentlichen Rede über den Zusammenbruch der Sowjetunion: „Die halbe Welt, das halbe System, das monolithisch sein sollte, ist zusammengebrochen. Aber diese Welt, die zusammenbrach, tat dies ohne Gewalt … und es gab keine Apokalypse.“ Und er schloss mit der Frage: „wie wird der Zusammenbruch der anderen Hälfte der Welt vonstattengehen?“

Angesichts der jüngsten Ereignisse erscheint dieser Diskurs heute weniger mysteriös und viel verständlicher als noch vor zwanzig Jahren. Der Krieg in der Ukraine, die sich verschlechternde Lage im Nahen Osten, die Gefahr eines Konflikts um Taiwan, die zahlreichen Putsche in Afrika und die vielen anderen Ereignisse, die die Welt heute destabilisieren, sind ein sehr deutliches Zeichen: Der Westen ächzt unter dem Gewicht seines eigenen Handelns.

Der Westen muss heute damit rechnen, dass er ernten wird, was er gesät hat, und dass eine große Zahl von Ländern, die in der Vergangenheit gezwungen waren, seine Demütigungen zu ertragen, das nicht mehr mit sich machen lassen wollen. Und diese Länder beginnen nicht nur, ihre eigenen Rechte einzufordern, sondern auch über die Mittel und Ressourcen zu verfügen, die sie benötigen, um diese Rechte durchzusetzen.

Leider ist die Menschheit an diesem Punkt der Geschichte einem noch nie dagewesenen Risiko ausgesetzt.

Unser Schicksal und das unserer Enkelkinder wird in hohem Maße davon abhängen, wie der Westen und insbesondere die Vereinigten Staaten mit der Tatsache zurechtkommen, dass sie nicht länger die Rolle der Herren des Planeten innehaben. Man wird lernen müssen, mit anderen Ländern gleichberechtigt umzugehen und zu verstehen, dass die eigene Kultur, die eigenen Werte und das eigene Gesellschaftsmodell nicht unfehlbar sind und nicht die einzig wahren sein können. Es muss verstanden werden, dass es möglich ist, zu kooperieren und nicht nur zu kommandieren, und dass ein Modell, das auf dem Wohlergehen einiger weniger beruht, nicht länger tragfähig ist.

Es wird endlich erkannt werden, dass wir nicht das Zentrum des Universums sind, sondern eines von vielen möglichen Universen. Dies ist der nächste Evolutionsschritt für die menschliche Spezies, ein Schritt, der nicht länger aufgeschoben werden kann.

Das ist nicht einfach, denn es ist ein sehr komplexer Vorgang… aber dieser Versuch ist bereits in der Gesellschaft und vor allem im Inneren des Bewusstseins von Millionen von Menschen im Gange.

Diesen Versuch zu begleiten und zu fördern, sollte die Aufgabe aller Menschen sein, die von ganzem Herzen den Frieden und das Überleben unserer Art wollen.

Heute fühlen wir uns unseren israelischen und palästinensischen Brüdern und Schwestern nahe, die mit unsagbarem Schmerz für die Dummheit der Macht bezahlen.

Lassen wir uns nicht von der Propaganda des so genannten Pazifismus in die Irre führen, mit der wir von den Medien bombardiert werden.

Wir fordern die sofortige Einstellung der Feindseligkeiten und die Freilassung der Geiseln, den Rückzug aus den besetzten Gebieten und die Einhaltung der UN-Resolutionen.

Nehmen wir den Frieden in unsere Hände!

Wir danken für die Publikatiosnrechte, der Beitrag ist erschienen am 21.10. 2023 auf Pressenza

Titelbild von Walkerssk

Europe for Peace

Greta Thunberg „Free Palestine“ – „Stand with Gaza“ und jüdische Stimmen protestieren gegen deutsche Repressionen!

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Greta ruft auf, ein Zeichen zu setzen
„gegen den Genozid in Gaza und den
repressiven Terror vieler westlicher
Staaten gegen alle, die sich solidarisch mit Palästina zeigen und danach handeln“.

Muss Greta Thunberg mit Pefferspray, Prügel oder sogar einer Verhaftung rechnen, wenn sie demnächst mal wieder Berlin besucht und öffentlich für Ihre Überzeugung einsteht, dass Palästina endlich vom israelischen Joch befreit gehört?

Mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit Ja. Aber mal sehen, wie standhaft sie bleibt angesichts des shit storms, den sie nicht zuletzt seitens alter „Freunde“ jetzt über sich ergehen lassen muss. Die Berliner Behörden sollen, wie viele Augenzeugen berichten, in den letzten Tagen mit Menschen, die sich so outen wie Greta, alles andere als zimperlich umgesprungen sein. Auch Jüd:innen waren vor polizeilicher Willkür nicht gefeit, wenn sie nicht auf zionistischer Linie agieren oder es öffentlich wagen, für die Umsetzung der UN Beschlüsse und das Völkerecht einzutreten.

Keine Frage. Das abscheuliche Massaker der HAMAS an Zivilisten mit 1400 Opfern  ist zu verurteilen. Aber die über Jahrzehnte andauernde Unterdrückung der Palästinenser ist die tiefer liegende Ursache des Konflikts. Das Vorgehen Israels, die gesamte Bevölkerung des GAZA jetzt  in Geiselhaft zu nehmen, von notwendiger Versorgung abzuschneiden, zu bombardieren und zu vertreiben, mit inzwischen von der UN bestätigten 3400 Toten  eskaliert die Gewalt. Aktuell meldet die Tagesschau, dass die auf Aufforderung der israelischen Armee zu hunderttausenden in den Gaza  Südteil geflohenen Menschen, um nicht bombardiert zu werden, jetzt  wieder zurückfliehen  Israel bombardiert nun den Südteil ebenfalls massiv und die Flüchtlinge haben dort nicht einmal den  Schutz ihrer Häuser. Es hat 14 Tage gebraucht, dass Israel zulässt, dass der einzige Grenzübergang für Hilfslieferungen endlich geöffnet werden kann. Vorübergehend. 30 LKW wurden reingelassen. Vor dem 7. Oktober passierten täglich 400, nach 2 Wochen besteht also  ein Rückstau von 5000  LKW.  Ein zynisches perfides militärisches Kalkül und Spiel mit über 2 Millionen Leben .

Das Statement von Greta lässt hoffen. Könnte es doch endlich zu dem von uns schon lang ersehnten Schulterschluss zwischen einer neu aufgestellten (tatsächlich sozial gerechten) Klima- und Friedensbewegung kommen. Krieg und Aufrüstung gefährden nicht nur den Frieden, sie fressen nicht nur alle finanziellen Spieläume für alle dringenden sozialen und ökologischen Bedarfe weg, sondern sie konterkarieren auch geradezu alle sonstigen Bemühungen für CO2 Einsparungen.

So sei willkommen Greta!

Pressemitteilung, 17.10.2023, Berlin

Stellungnahme zu rassistischer Polizeigewalt und Repressionen gegen Palästinenser*innen und Palästina-Solidarität in Berlin

von Palästina Spricht, Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost, Palästina Kampagne und Jewish Bund

In den letzten Tagen spielen sich auf den Straßen Berlins Szenen massiver Polizeigewalt ab, die von antipalästinensischen, antiarabischen und antimuslimischem Rassismus geprägt sind, ab. Am Ernst-Abbe-Gymnasium kam es zum Übergriff eines Lehrers gegen einen Schüler. Die Brutalität, mit der gegen die arabische und muslimische Bevölkerung vorgegangen wird, ist völlig maßlos. Racial Profiling und brutale Verhaftungen betreffen dabei auch Kinder und Jugendliche, es sind Fälle von mindestens 8 betroffenen Minderjährigen bekannt. Das jüngste verhaftete Kind ist 9 Jahre alt. Die Berliner Bildungssenatorin verbot das Tragen von traditioneller palästinensischer Kleidung an allen Schulen Berlins. In der offiziellen Erklärung werden kulturelle Symbole der palästinensischen Identität, wie das Kuffiyeh, mit Gewaltverherrlichung und Terrorismus gleichgesetzt. Dies widerspricht dem in der UN-Kinderrechtskonvention formulierten Recht für Kinder, ihre eigene Identität in Schulen zum Ausdruck bringen zu dürfen.

Seit letzten Samstag hat Israel schon über 2.000 (Anmerkung Redaktion: aktuell inzwischen laut UN Stellen schon 3400) Menschen im belagerten Gazastreifen getötet. Eine Videoanalyse von Human Rights Watch bestätigt den Einsatz von weißen Phosphorbomben, international geächteten Waffen, mit denen Zivilist*innen in Gaza in dicht besiedelten Wohngebieten bombardiert wurden. Der israelische Verteidigungsminister nannte 2 Millionen Palästinenser*innen im Gazastreifen “menschliche Tiere” und drehte ihnen Strom, Wasser und die Lebensmittelzufuhr ab. Krankenhäuser schließen, weil sie kein Wasser und keinen Strom haben, um ihre Patienten zu versorgen. Medien und medizinische Einrichtungen wie Krankenhäuser, aber auch Rettungswagen werden bombardiert.

Israel verbietet humanitäre Hilfe und bombardiert den Grenzübergang zwischen Gaza und Ägypten, den einzigen Weg, über den Hilfslieferungen möglich wären. Während Israel ankündigt, ein ganzes Gebiet aushungern zu wollen und der ganzen Bevölkerung, die zur Hälfte aus Kindern besteht, Wasser und Essen zu verweigern, spricht Deutschland der israelischen Regierung seine bedingungslose Unterstützung an Kriegsverbrechen und Genozid aus. Zudem schüchtert sie auf deutschen Straßen palästinensische Menschen ein, die jetzt gerade ihre Angehörigen verlieren.

Die Meinungs- und Versammlungsfreiheit der Palästinenser*innen wird in Berlin mit rassistischen Begründungen eklatant beschnitten. In der Hauptstadt lebt die größte palästinensische Community Europas, viele von ihnen haben Angehörige in Gaza. Sie haben das Recht, ihre Verwandten und Freunde zu betrauern und ihren Schmerz auf die Straße zu tragen. Die Berliner Polizei patrouilliert jeden Tag durch arabische geprägte Stadtteile und geht gewaltsam gegen ihre Bewohner*innen und all diejenigen vor, die sich mit Palästina solidarisieren. Dutzende Menschen werden täglich auf der Straße festgenommen sowie aus Cafés und Imbissen gezerrt. Das Tragen einer Palästina-Flagge oder des traditionellen Schals,

der Kuffiyeh, führt zu brutalen Verhaftungen. Auch jüdische Veranstaltungen werden verboten, wenn sie zur Beendigung der Gewalt gegen Gazas Zivilbevölkerung aufrufen.

Das Bündnis von Palästina Spricht, Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost, Jewish Bund, Palästina Kampagne und Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt appeliert an die Öffentlichkeit:

“Wir erleben gerade, wie unsere bloße Existenz kriminalisiert wird! Befinden wir uns nicht in einer Demokratie? Wieso können Grundrechte so leicht ausgehebelt werden, wenn es migrantische Menschen betrifft? Jeder demokratisch gesinnte Mensch in diesem Land sollte alarmiert sein. Wir rufen den Berliner Senat dazu auf, die pauschale Kriminalisierung der palästinensischen kulturellen Symbole umgehend zu stoppen. Wir werden rechtliche Schritte einleiten, um diese Grundrechte einzufordern. Gegen die Verbote der angemeldeten Demonstrationen werden wir juristisch vorgehen.”

Für Interviewanfragen können Sie sich bei der Palästina Kampagne (pkberlin@protonmail.com) melden.

Fotos der Festnahmen in Berlin letzte Woche, rechts: © Hanif (https://www.instagram.com/hanifshoaei/) links: © Barbo (https://www.instagram.com/baborinho/)

Titelbilder aus Pressemitteilung Jüdische Stimmen

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