KRIEGSTÜCHTIG: Blutiger Ernst und bittere Satire – Ausstellung München

Ausstellung Günter Wangerin

KRIEGSTÜCHTIG

Alter Gasteig Fat Cat
Kellerstraße 8a
81667 München

August bis 14. September 2025, täglich von 9 bis 23 Uhr Eintritt frei



Pressemitteilung Münchner Friedensbündnis, Heinz Michael Vilsmeier:



Von der Straßenbahn bis zum Pizzakarton: Die Bundeswehr wirbt um Nachwuchs wie selten zuvor. Auch auf der Spielemesse „Gamescom“ in Köln wird sie in wenigen Tagen wieder vertreten sein. Die Zielgruppe ist zum Teil minderjährig.

Die Militarisierung der Zivilgesellschaft schreitet rasant voran. Erklärtes Ziel ist „Kriegstüchtigkeit“ – in allen Lebensbereichen: von der Kita bis zur Universität, vom Krankenhaus bis zur Abfallwirtschaft.

Besonders deutlich wird dies im „Grünbuch ZMZ 4.0“ (ZMZ für „Zivilmilitärische Zusammenarbeit“), einer Publikation des „Zukunftsforums Öffentliche Sicherheit“, dessen Autorenkollektiv sich als „Denkfabrik zur Gestaltung der zukünftigen Entwicklungen der Öffentlichen Sicherheit in Deutschland“ versteht.

Die Ausstellung KRIEGSTÜCHTIG von Günter Wangerin im Kulturzentrum Fat Cat München greift das Unbehagen vieler Menschen angesichts der „Zeitenwende“ auf.

Wurde den Deutschen vor dem Ersten Weltkrieg nicht auch die Tugend der „Kriegstüchtigkeit“ eingeimpft? Mit welchen Folgen?

Sie sind begeistert in den Krieg gezogen. Erinnert sei an die Eisenbahnwaggons, aus denen heraus lachende Soldaten winken. Was dabei herauskam, ist bekannt. Damals ging es angeblich gegen die Schreckensherrschaft des russischen Zaren. Später um den „Lebensraum im Osten“.

Kriegstüchtigkeit ist Bereitschaft zum Töten.

Kriegstüchtigkeit, dargestellt als erstrebenswerte Tugend, heißt im Klartext:Wille und Fähigkeit zur professionellen Tötung von Menschen, die man gar nicht
kennt – auch Kinder und Jugendliche sollen mental darauf vorbereitet werden.

In Talkshows heißt es, das Sterben für „die Freiheit“ könne nötig werden. Aber für wessen Freiheit? Für ein System, das mindestens zulässt, dass zigtausende Menschen auf der Flucht aus Kriegs- und Armutsregionen im Mittelmeer ertrinken?

Zudem kommen die Sprüche von der Bereitschaft zum Sterben gerne aus Altersgruppen, die im Ernstfall nicht an die Front müssten – wie etwa der des Ex-Bundespräsidenten Joachim Gauck. Auch Rheinmetall-Vorstandschef Armin Papperger, der es von sich weist, ein Kriegsgewinnler zu sein, betont, seine Panzer würden die Freiheit verteidigen.

Kriegstüchtigkeit soll die gesamte Bevölkerung erfassen, auch Pflegekräfte in Krankenhäusern, Arbeiter- und Kassierer*innen bei Lidl. Aber was bedeutet die ungeheure Aufrüstung für sie?

Die Ausstellung KRIEGSTÜCHTIG versucht mit teils übergroßen Flecktarn-Exponaten sowie 32 Bild/Text-Stelltafeln und Installationen (u. a. ein zu Heinz Rühmanns Lied „Wozu ist die Straße da?“ marschierender Soldat), aber auch echter Bundeswehr-Merchandise aufzuzeigen, wo dieses Land heute steht.

Die Ausstellung zeigt aber auch den Widerstand gegen die Militarisierung: Dokumentiert wird zum Beispiel die Weigerung dreier Trambahnfahrer, Waggons mit Bundeswehr-Werbung durch München zu kutschieren. Sie sprachen bei der Eröffnung. Ein Begleitprogramm bietet an weiteren Tagen Informations- und Diskussionsmöglichkeiten.

Referate in der Ausstellung:
August 2025, 19 Uhr:  

Prof. Dr. Klaus Weber (Hochschule München): „Kampfsau für die Schicksalsgemeinschaft“*), Militarisierung in Deutschland
September 23025, 19 Uhr
Ingrid Greif, Krankenschwester (Gesamtbetriebsratsvorsitzende der städtischen Kliniken der LHM: Das Militär im Krankenhaus
Dr. Nadja Rakowitz, Verein demokratischer Ärztinnen und Ärzte (VdÄÄ): Zur Militarisierung des Gesundheitswesens.

Günter Wangerin (Aussteller): Bertolt Brecht und die Frage der Barbarei/ Finnisage

Pressemitteilung weitergeleitet für Günter Wangering von: Münchner Friedensbündnis, Heinz Michael Vilsmeier, Presse & Soziale Medien

Notorisch unschuldig: Polizei bei Schusswaffeneinsatz

Von Britta Rabe

Bild: Der Ort des Polizeieinsatzes vom 10.8. 2024 in Düsseldorf. Foto: Britta Rabe

Am 10. August 2024 wurde ein wohnungsloser Mann bei einem nächtlichen Polizeieinsatz in Düsseldorf durch einen Schuss in den Rücken lebensgefährlich verletzt, er überlebte nur durch eine sofortige Notoperation. Der polizeiliche Schütze wurde wegen gefährlicher Körperverletzung im Amt angeklagt, das Landgericht Düsseldorf urteilte im Juni mit einem Freispruch. Zusammen mit anderen Organisationen hatte das Grundrechtekomitee die Prozesstage beobachtet und zwei erste Prozessberichte veröffentlicht.

Der Überlebende sagte vor Gericht aus, er habe sich damals im Park schlafen gelegt, als ihn ein Pärchen als Penner und Junkie beleidigt habe. Aus einer Handbewegung schlossen sie fälschlich, der Mann spiele mit einem Butterfly-Messer und riefen die Polizei. Der Mann hatte lediglich mit einem Schlüsselbund hantiert. Auf den Notruf bei der Polizei hin, betraten der Schütze und seine Kollegin den Park, er mit gezogener Waffe. Sie fanden den Mann unbewaffnet vor.

Da er aber den Befehl, sich auf den Boden zu legen, nicht befolgt habe, habe der Polizist mit einem Taser einen Elektroschock gegen ihn eingesetzt, so dass der Mann zu Boden fiel. Als er sich daraufhin laut Aussagen der Beamt*innen bei dem Versuch der Festnahme gewehrt habe und aufgestanden sei, schoss der Polizist aus mindestens 6 Meter Entfernung auf ihn, der dritte Schuss traf den Mann in den Rücken und verletzte ihn lebensgefährlich.

Obwohl die Schüsse laut Gerichtsbeschluss nicht verhältnismäßig gewesen seien, da keine akute Gefahr für Leib und Leben von Menschen bestanden habe, beurteilte das Gericht die Tat zwar als polizeirechtlich rechtswidrig, aber als nicht strafbar und sprach den Beamten frei. Als Begründung wurde ein „stressbedingtes Augenblicksversagen“ herangezogen, der Beamte habe unter dem Eindruck einer „hochdynamischen Situation“ eine Fehleinschätzung getroffen.

Wie üblich endet damit ein Strafprozess gegen einen Polizeibeamten wegen Körperverletzung im Amt mit einem Freispruch. Polizeieinsatz sowie Prozess in Düsseldorf weisen darüber hinaus weitere Ähnlichkeiten mit anderen derartigen Fällen auf.
(Potentiell) tödliche Polizeigewalt wird mit allerlei juristischer Kreativität legitimiert. Das „Augenblicksversagen“ ist eigentlich als üblicher Kniff im Verkehrsrecht zu finden, um Ordnungswidrigkeiten wie Geschwindigkeitsüberschreitungen zu rechtfertigen und Fahrverbote zu umgehen und wird nun augenscheinlich zu einem juristischen Mittel im Strafrecht geadelt, um einen Freispruch trotz polizeilichen Fehlverhaltens zu erreichen.

In Dortmund diente die Konstruktion des „Erlaubnistatbestandsirrtums“ (Polizist sieht sich fälschlich in Notwehr) als Grund für die Freisprüche. Diese Begründung war in Düsseldorf nicht anwendbar, weil das Opfer der Polizei den Rücken zuwandte. In Mannheim brachte ein von den angeklagten Polizisten beauftragter und von der Polizeigewerkschaft bezahlter Gutachter das sogenannte „excited delirium syndrome“ als mögliche Todesursache von Ante P. ins Spiel. Das von einem US-amerikanischen Gerichtsmediziner erfundene Syndrom hält keiner wissenschaftlichen Überprüfung stand, muss aber für zahllose polizeigemachte Todesfälle Schwarzer und LatinX-Personen in den USA als Erklärung herhalten.

Die weiterhin steigende Anzahl von Fällen tödlicher Polizeieinsätze und die systematische nachträgliche staatliche Legitimierung ohne jegliche Veränderung in den Vorgehensweisen zeigt immer deutlicher, dass diese Gewalt strukturell und gewollter Teil des Systems Polizei und des Gewaltmonopols ist. Polizeigewalt schafft neben Tod und Verletzung auch Hinterbliebene und Traumatisierte. Immer lauter fordern diese inzwischen zusammen mit zahlreichen Initiativen das Ende tödlicher Polizeigewalt. Als Grundrechtekomitee unterstützen wir dieses Ziel mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln.

Erstveröffentlicht im Informationsbulletin des Komitees für Grundrechte und Demokratie
https://www.grundrechtekomitee.de/details/notorisch-unschuldig-polizei-bei-schusswaffeneinsatz

Wir danken für das Publikationsrecht.

Rheinmetall entwaffnen – Gegen die Verbote von Antikriegsprotesten!

Polizei Köln verbietet Camp und Demo von ,,Rheinmetall Entwaffnen“!

Jetzt ist es also soweit. Es werden Proteste gegen den Krieg und die Rüstungsindustrie schon im Vorfeld durch die Polizei verboten. Wenn es um Kritik am eingeschlagenen Weg in die Kriegstüchtigkeit geht, zieht dieser Staat die Reissleine. Da verlieren dann auch Grundrechte schnell ihre Gültigkeit. Es sieht danach aus, dass in Köln ein Exempel statuiert werden soll. Wir sollten alle Kraft aufwenden, das zu verhindern!

Das Bündnis Rheinmetall ruft zur Solidarität auf:

Die Polizei Köln will das ,,Rheinmetall Entwaffnen“ Camp vom 26. bis zum 31.08. verbieten. Als Begründung werden absurdeste Konstruktionen und Anschuldigungen herangezogen.

Den Campteilnehmenden wird im vorhinein „Unfriedlichkeit“ unterstellt. Die Polizei Köln sieht in der Parole ,,Krieg dem Krieg, die Ankündigung, man wolle der Aufrüstung mit ,,kriegerischen Mitteln“ begegnen, dabei ist dieser Ausdruck im ersten Weltkrieg entstanden, wurde durch Kurt Tucholskys gleichnamiges Gedicht populär und wird schon seit über hundert Jahren von antimilitaristischen Bewegungen genutzt.

Die angeblich seit dem Camp in Kiel „gesteigerte Gewaltbereitschaft der Campteilnehmenden wird auf die „‚zum Negativen veränderte“ Weltlage zurückgeführt. Ausgerechnet aus dieser (sachlich richtigen) Feststellung leiten sie ab, dass ein Camp verboten gehört, das diesen Umstand kritisiert. Dieser Zynismus ist kaum zu überbieten. Der Umgang der Polizei zeigt, wie weit die gesellschaftliche Militarisierung und Autoritarisierung bereits
vorangeschritten ist – und wie wichtig gemeinsame Bildung, Vernetzung, solidarisches Miteinander und politische Praxis sind.

Wir sind fest entschlossen, das Camp
juristisch durchzusetzen und diesen Angriff auf die antimilitaristische Bewegung nicht hinzunehmen! Dafür brauchen wir eure Solidarität und Unterstützung. Das könnt ihr jetzt schon tun:

Teilt diesen Post und Beitrag und ruft alle dazu auf unser Camp und unsere
antimilitaristische Parade am 30.08. zu unterstützen. Schlieẞt Euch unserem Protest an!

Teilt und unterschreibt unsere Petition gegen das Campverbot!

Spendet an unsere
Crowdfunding-Kampagne zur Finanzierung von Camp und Gerichtskosten – und teilt sie!

„Friedlicher Protest gegen Krieg, Aufrüstung und Waffenexporte ist kein Sicherheitsrisiko – er ist legitim und höchst notwendig! Gerade jetzt, wo Deutschland Rekordsummen für Rüstung ausgibt und Kriege weltweit befeuert.“ (Lea Reisner)

„Die Kölner Polizei droht, das Camp von RHEINMETALL ENTWAFFNEN Ende August zu verbieten.
Während der deutsche Staat den Tod in jeden Winkel dieser Welt exportiert bekämpft er im Inland mit wahrlich Orwellscher Rhetorik jeglichen Widerspruch dagegen.
Soli mit Rheinmetall entwaffnen! “ (J. Reimann)

„Wer die gewöhnlichen Menschen als Kanonenfutter in den Krieg zu schicken gedenkt, ist natürlich der Meinung, dass friedliche Antikriegsdemos eine Gefahr für die Gesellschaft sind. Das zieht sich durch alle Epochen.“ (ein antikapitalistischer Mensch im Netz)

„Das Vorgehen reiht sich ein in einen beunruhigenden Trend: linke, antimilitaristische und regierungskritische Stimmen und Proteste werden zunehmend eingeschränkt, während Konzerne wie Rheinmetall ungestört Milliarden mit dem Tod verdienen.“ (Lea Reisner)

Der Weg in die Kriegswirtschaft – finanziert mit beispielloser Verschuldung – ist unabdingbar verbunden mit einem Angriff auf den Lebensstandard und die Lebensgrundlagen der gesamten arbeitenden Bevölkerung. Bunker ersetzen keine Wohnungen. Mit Panzer kann man nicht in Urlaub fahren. Munition kannst Du nicht essen. Und kommt es zum Krieg, dann ist alles nichts!

Alle die auf den Straẞen Widerstand gegen den Genozid in Gaza leisten. Alle, die nicht durch die Wehrpflicht in die Kriege der Reichen gezwungen werden wollen. Alle die in den Kriegsvorbereitungen den gröẞten Klimakiller erkennen.
Kommt nach Köln – gemeinsam können wir den Krieg verhindern


Siehe auch den Beitrag „Edo Fimmen: Krieg dem Kriege


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