Julian Assange in Cannes – „Wenn Kriege durch Lügen entfacht werden können, kann der Frieden durch die Wahrheit gebracht werden.“

29.05.25 – Pressenza Berlin

Wenn Kriege durch Lügen entfacht werden können, kann der Frieden durch die Wahrheit gebracht werden.

Dieses berühmte Assange-Zitat zeigt sehr deutlich, worum es dem WikiLeaks-Gründer in all seinen Aktionen geht: um eine friedlichere Welt.

So wundert es nicht, dass Julian Assange vergangene Woche beim Filmfest in Cannes mit einer politischen Nachricht auftrat, die ihn schon sehr lange beschäftigt.

Langsam öffnete der WikiLeaks-Gründer auf dem Roten Teppich sein Hemd und es kam ein weißes T-Shirt zum Vorschein, welches auf der Vorderseite leicht grau wirkt – doch es ist keine Verfärbung, es sind viele Wörter in sehr kleiner Schriftgröße.

Bei näherer Betrachtung sieht man, dass dort tausende Namen stehen. 4986, um genau zu sein. Es sind so viele, dass es auf den ersten Blick grau aussieht. Es sind die Namen, der Kinder, die in den vergangenen zwei Jahren im Gazastreifen durch israelische Angriffe getötet wurden. Auf der Rückseite seines T-Shirts erkennt man deutlich den Schriftzug „Stopp Israel!“

Julian Assange nutzt die Gelegenheit umwieder auf Kriegsverbrechen aufmerksam zu machen, wie schon vor seiner Verhaftung, als er durch seine Veröffentlichungen die öffentliche Meinung zum Irak-Krieg änderte.

Und auch während seiner Zeit in der ecuadorianischen Botschaft blieb er nicht untätig. Selbst war er in größter Gefahr, doch wer denkt, dass er sich in dieser Zeit nur um sich und sein Schicksal gesorgt hätte, der liegt falsch. Eines Tages steht er dort am Fenster. Man sieht ihn hinter einem Vorhang stehen, mit einem Schild in der Hand. Auf diesem Schild steht nicht etwa „Free Assange“ – auf diesem Schild steht „Free Palestine“.

ethecon Stiftung Ethik & Ökonomie verlieh Julian Assange vergangenes Jahr den Internationalen ethecon Dead Planet Award 2024 für sein Engagement gegen Unterdrückung, Ausbeutung, Menschenrechtsverletzungen, Zerstörung der Natur, sozialem Elend und Krieg.

In der Begründung heißt es: „Der Menschenrechts- und Friedensaktivist Julian Assange stellt sich ungeachtet seiner eigenen Sicherheit den Gefahren für seine Gesundheit und sein Leben, Ungerechtigkeit, staatlicher Gewalt und Kriegsverbrechen mutig entgegen. Er tritt entschlossen nicht nur für die Menschenrechte, den Frieden und die Pressefreiheit ein, sondern auch für einen Ausbau universaler Grundrechte. Er handelt zum Vorteil der menschlichen Gemeinschaft. Er hält Moral und Ethik hoch und stemmt sich gegen den Untergang der Erde als toter, unbewohnbarer Planet“

In Cannes stellte Julian Assange seinen Film „The Six Billion Dollar Man“ vor. Er erzählt die Geschichte von Assange, von der Gründung WikiLeaks bis hin zur Verhaftung und Freilassung aufgrund einer breiten internationalen Solidaritätsbewegung.

Der Beitrag ist zuerst erschienen am 29.Mai in Pressenza.

Titelbild von gloucester2gaza, CC BY-SA 2.0 , via Wikimedia Commons

Auch in Deutschland wächst zunehmend die Kritik an Israel. So fanden am letzten Dienstag, den 27. Mai, europaweit Demonstrationen sogar von israelischen Bürgern statt, die sich gegen die Bewaffnung von Israel stellen. Wir berichteten. Am  Samstag, den 14. Juni findet eine Großkundgebung am Brandenburger Tor statt: STOPPT DEN VÖLKERMORD, DAS AUSHUNGERN UND DIE VERTREIBUNG DER PALÄSTINENSER! – Protestkundgebung Berlin!

„Israelis für Frieden“ organisiert am 27.5. eine Demo vor dem Auswärtigen Amt

Hallo zusammen, Israelis für Frieden organisiert am 27.5. eine Demo vor dem Auswärtigen Amt – dieses Mal in Koordination mit anderen
israelischen Gruppen in ganz Europa.

Gemeinsame Demo in 12 europäischen Städten:

  • Straßburg – 27.5. 18:00 Uhr
  • Abschied vom Europäischen Parlament Brüssel – 27.5 18:00 Uhr
  • Vor dem Föderalen Öffentlichen Dienst (FÖD) Auswärtige Angelegenheiten, Rue des Petits Carmes 15, 1000 Brüssel Berlin – 27.5 18:00,
  • Vor dem auswärtigen Amt, Werdescher Markt 1, 10117 Berlin
  • Paris – 27.5 18:00 Uhr

KEIN BUSINESS AS USUAL MIT ISRAEL
Israelische Bürger in Europa fordern:

Aussetzung des Assoziierungsabkommens zwischen der EU und Israel! Stoppt die Bewaffnung Israels! Als israelische Bürger in Europa beobachten wir mit gebrochenem Herzen und unendlicher Wut, wie die israelische Armee dem Gazastreifen und seiner Bevölkerung beispiellose Zerstörung zufügt, wie die israelische Gesellschaft in Faschismus und weitverbreitete Entmenschlichung abdriftet und wie unsere Regierung einen Völkermord begeht, der auf die Vernichtung der palästinensischen Gemeinschaft abzielt.

Wir fordern die europäischen Regierungen, Institutionen und die Zivilgesellschaft auf, im Einklang mit den Werten zu handeln, die sie angeblich vertreten: Menschenrechte, Völkerrecht und den Schutz des zivilen Lebens. Die EU und ihre Mitgliedstaaten müssen das Assoziierungsabkommen mit Israel gemäß Artikel 2 dieses Abkommens aussetzen, der Menschenrechte und demokratische Werte verankert.

Die europäischen Länder müssen alle Waffenexporte nach Israel stoppen – diese Waffen werden für Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingesetzt. Worte der Besorgnis reichen nicht mehr aus. Wenn Völkerrecht so offen verletzt wird, wenn ganze Gemeinschaften vertrieben und ausgehungert werden, wenn die Tötung von Zivilisten unter dem Deckmantel der Selbstverteidigung gerechtfertigt wird, müssen wir mit prinzipiellem Handeln reagieren.

Business as usual mit Israel macht Europa zu Komplizen der Kriminalität. Schließen Sie sich unseren Protesten in ganz Europa an:

Paris / Berlin / Mailand / Brüssel / Straßburg / Valencia / Amsterdam / Kopenhagen / London / Madrid / Barcelona / Frankfurt / Lissabon Wir protestieren als israelische Bürger, um die Möglichkeit einer Zukunft zu verteidigen, die auf Gleichheit und Würde für alle basiert. Jeder, der die oben genannten Botschaften teilt, ist willkommen.

Au Ministère de l’Europe et des Affaires étrangères – Métro Invalides (Strecke Rue de l’Université) (Strecke: 134 Rue de l’Université, 75007 Paris).

Amsterdam -27.5 18:00, Amstel 1 (Stopera), Amsterdam

London – 27.5 16:30, Vor dem Foreign, Commonwealth & Development Office King Charles St., London SW1A 2AH

Mailand – 27.5 18:00, Largo 11 September 2001 Mailand 20122

Lissabon – 27.5 12:00-14:00

Weitere Infos:

6. „Streik“-Konferenz in Berlin: Der Aufbau von Gegenmacht fängt erst an!

Mattis Molde, Neue Internationale 292, Juni 2025

Es muss sich gründlich in der Gewerkschaftsarbeit etwas ändern, wenn wir den vorbereiteten Breitsalven und Angriffen auf uns Arbeitende etwas entgegensetzen wollen. Und es gehört gründlich diskutiert, vor allem die politischen Rahmenbedingungen, unter denen wir erfolgreich kämpfen wollen. Co. Management und Identifikation mit den Zielen des Kapitals sind Fesseln, die wir abstreifen müssen. Der aktuelle Kampf bei CFM in Berlin ist da ein Ansporn und ein praktisches Lehrbeispiel. (Peter Vlatten)

Der Aufbau von Gegenmacht fängt erst an!

Die Beteiligung brach alle Rekorde: 2.300 hatten sich angemeldet, bis das Zeichen „Ausgebucht“ aufleuchtete. Das hielt offensichtlich weitere Hunderte Teilnehmer:innen nicht davon ab, zu kommen. „Gegenmacht im Gegenwind“ lautete das Motto der Konferenz in Berlin vom 2. bis 4. Mai, die sechste Konferenz in einer Reihe, die mal mit dem Motto „Erneuerung durch Streik“ und rund 500 Teilnehmer:innen begonnen hatte. Ein Erfolg also auf jeden Fall, der Hoffnung gibt – zwei Sachen, die Gewerkschaften in Deutschland dringend nötig haben. Aber worin besteht der Erfolg genau und welche Aufgaben ergeben sich aus ihm für die gewerkschaftliche und politische Linke?

Auf den ersten Blick

Die Konferenz zeigt, dass sich eine Kraft in den Gewerkschaften formiert. Mit der Berliner Krankenhausbewegung sowie der Berliner Stadtreinigung als Leuchttürme bewaffnet, versucht sie nun, weitere Teile zu ermutigen, die Gewerkschaften zu erneuern. Sie will zeigen: Gewerkschaft geht auch anders. Diese Fraktion, an vielen Stellen getragen von marx21, setzt auf Die Linke und ist Teil von ihr. Dabei helfen der aktuelle Aufschwung Der Linken und deren neue Unterstützung des Organizing, das sie selber während des Bundestagswahlkampfes betrieben hat.

Und ja, wenn Kolleg:innen der CFM (Charité Facility Management; ausgelagerte Tochtergesellschaft der Berliner Universitätskliniken), die sich gerade im Streik befinden, von ihrem Kampf erzählen in einem randvoll gefüllten Saal, dann macht das Stimmung. Auch die Betonung, dass man endlich geschlossen aktiv im Kampf gegen rechts werden sollte, brachte mehr als einmal alle zum Klatschen. Viel zu meckern gibt es eigentlich nicht, oder? Wenn man gewerkschaftlichen Kampf als rein ökonomische Veranstaltung ansieht, in der Kapital und Arbeit ihre Kräfte um die Bezahlung und andere Verkaufsbedingungen der Arbeitskraft messen, dann ist man mit der Konferenz komplett zufrieden. Schließlich würde es allein darum gehen, auf Seiten der Gewerkschaften mehr und mehr Mitglieder zu gewinnen und Aktivismus zu verzeichnen. In diesem Sinne wäre es ausreichend für eine große Wende in den Gewerkschaften, dass Hunderte, vor allem junge Leute, sich in zig Workshops mit den Techniken des Organizing befasst und bewaffnet haben. Denn diese strömen an ihre Arbeitsplätze zurück, wenden ihre gesteigerten Fähigkeiten an, werben Mitglieder und aktivieren diese, auf dass wir die anstehenden tariflichen und sonstigen gewerkschaftlichen Kämpfe gewinnen. Dies soll dann wiederum den Rechten das Wasser abgegraben haben, jedenfalls innerhalb der Arbeiter:innenklasse. Zumindest ist das das Bild, welches man von der Konferenz mitnimmt.

Auf den zweiten Blick

Aber so einfach ist die Welt nicht. Das Ergebnis der Tarifrunde TVöD hat sehr wenig mit der Mobilisierung der Beschäftigten in diesem Jahr zu tun, sehr viel jedoch mit der Zustimmung der ver.di-Spitze zum Regierungsprogramm, zu Aufrüstung und Sparpolitik. Es hat auch damit zu tun, dass bei der vorhergehenden Tarifrunde eine exzellente Mobilisierung verschenkt worden war zugunsten der Mogelpackung von 3.000 Euro steuerfrei. Und auch damit, dass schon die Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie durch die IG-Metall-Führung erbärmlich beendet worden war, ebenso wie die bei VW. Sie hat etwas damit zu tun, dass ver.di am Schlichtungsabkommen für den öffentlichen Dienst festhält, das der anderen Seite das Heft des Handelns in die Hand gibt.

Gerade diese Themen hätten es verdient, in Workshops behandelt zu werden. Keines hat es geschafft. Ebenso waren Workshops zur Militarisierung, zur Einschätzung der neuen Regierung und zum Ende der Sozialpartnerschaft rar gesät – oder wenn, nur mit Schlagworten in Podiumsbeiträgen erwähnt. Das wirft die Frage auf: Warum wurden auf dieser Konferenz diese wichtigen und strittigen Fragen nicht direkt angegangen? Anders als bei den Vorgängerkonferenzen wurden sie allerdings auch nicht oder kaum aktiv unterdrückt, wenn sie dennoch von Teilnehmer:innen angesprochen wurden. War das Absicht, war das der Größe der Konferenz geschuldet oder der Offensichtlichkeit der Niederlagen?

Vom Schweigen und kritischen Worten

Viele der Redner:innen haben auch diesmal versucht, vom Podium aus alles schönzureden, so wie es aus dem Alltag der Gewerkschaften bekannt ist. Es wurden aber auch Problempunkte benannt. Vor allem beim Thema Rechtsruck im Betrieb zeigte man Demut. Die Lösung hier (und fast aller anderen Probleme): mehr Einbeziehung der Mitglieder, mehr Beteiligung dieser, mehr Tarifdemokratie. Es geht also darum, die Gewerkschaften zu verbessern, zu erneuern – aber nicht, diese grundlegend zu verändern.

Das Problem daran: Die Mitglieder sollen beteiligt sein, entscheiden soll weiter die Führung. Tarifdelegierte zu wählen, Vertrauensleutestrukturen, Betriebsgruppen aufzubauen, sind elementare, wichtige Punkte, wo gutes Handwerkszeug mitgegeben wurde. Sie versanden jedoch, wenn nicht gleichzeitig auch ein politischer Kampf darum geführt wird, wer eigentlich die tatsächlichen Entscheidungen in der Gewerkschaft trägt. Und damit ist nicht die BAKL (Betriebliche Arbeitskampfleitung) gemeint, sondern vor allem, wer die Entscheidungen in den Tarifkommissionen durchsetzt. Bleiben solche Punkte unangetastet, hat Demokratie in den Gewerkschaften nichts mit der Mehrheitsmeinung der Mitglieder zu tun, sondern mit der Mehrheitsmeinung der Funktionär:innen, die eine bürokratische Kaste darstellen. Bürokratie meint nicht alleine den Hang zur Verwaltung, sondern zur politischen Beherrschung und Entmachtung der Mitgliedschaft.

Dies kann mal rechter sein – wie bei der IG Metall, oder linker – wie bei ver.di, dessen Apparat eine Veränderung will und braucht, eine linksreformistische Wende statt des sozialdemokratischen Dauerniedergangs. Somit gibt es nun, statt fast kampflos zu kapitulieren wie die IG Metall bei VW, mehr Aktion und Beteiligung in Krankenhäusern, im Sozialwesen oder bei öffentlichen Dienstleistungen.

Das sieht alles viel sympathischer aus, aber eine so erneuerte Führung von ver.di oder anderen Gewerkschaften wäre immer noch ein bürokratischer Apparat und immer noch politisch reformistisch: bemüht um kleine Veränderungen für Segmente der Klasse, die die Illusion hochhalten, dass solche für alle möglich wäre, ohne den Klassenkampf selbst zuzuspitzen und zu einem politischen Kampf gegen das Kapital in seiner Gesamtheit zu gestalten. Auf politischer Ebene gibt sich, was sich Anfang Mai in Berlin während dieser Konferenz an der TU manifestierte, der Aufschwung Der Linken gegenüber einer verzagt abnippelnden SPD – als dynamisch, links –, aber nicht revolutionär aus. Denn solche Projekte gibt es nur, solange die (gesamte) Bürokratie bereit ist, sie zu tolerieren. Radikalere Kräfte lässt man auch mal zu – als Verbündete gegen die rechten Sozis, aber nur, solange man sie auch kontrollieren kann.

Was es bräuchte …

Genau deshalb wurde auch auf dieser Konferenz nicht über den Generalangriff geredet, den das Kapital mit der neuen Regierung plant, und darüber, wie dagegen Widerstand aufgebaut werden kann. Es wurde nicht thematisiert, geschweige denn angegriffen, dass die Gewerkschaftsführung sich einhellig hinter das Regierungsprogramm bzw. seine sozial getünchte Fassade gestellt hat. Die Aufrüstung konnte diskutiert werden, aber es sollte weder eine Erklärung dagegen noch gegen den Generalangriff diskutiert, geschweige denn verabschiedet werden.

So wie die radikalen Worte einer Heidi Reichinnek die eine und die staatstragende Unterstützung des Sondervermögens durch Die Linke die andere Seite der reformistischen Medaille verkörpern, so bilden auch der Ruf nach „Gegenmacht“ die eine, die Abdeckung der Sozialpartner:innenschaft die andere Seite des Reformismus.

Es ist kein Zufall, dass über die Existenz dieser Bürokratie innerhalb der Gewerkschaften nicht diskutiert wurde, sondern so getan wird, als wären wir alle aus einem Holz, die einen etwas kämpferischer und linker, die anderen konservativer. Eine wirkliche Erneuerung der Gewerkschaften kann es letztlich nur von der Basis her und auf Grundlage einer Politik des Klassenkampfes geben. Argumenten wie, dass man „das langsam transformieren“ könne, sollte man dabei nicht auf den Leim gehen. Stattdessen gilt es, die Frage der Kontrolle der Führung durch die Beschäftigten sowie die Notwendigkeit grundlegender politischer Bildung durch die Gewerkschaften auf die Tagesordnung zu setzen. Das bedeutet beispielsweise, sich für Forderungen einzusetzen wie:

  • Für die Wählbarkeit und jederzeitige Abwählbarkeit der Funktionär:innen! Niemand      darf mehr verdienen als ein durchschnittliches Facharbeiter:innengehalt!
  • Streikleitung der Streikenden: Für flächendeckende Streikversammlungen bei Streiks in den jeweiligen Branchen, die bindend entscheiden, wie ihr Kampf geführt wird!
  • Nein zu allen Gesprächen hinter verschlossenen Türen! Verhandlungen sollen öffentlich über das Internet übertragen werden! Keine Abschlüsse ohne vorherige Abstimmung unter den Mitgliedern! Rechenschaftspflicht und Wahl der Tarifkommission durch die Basis!
  • Für Bindung der Betriebsräte an Beschlüsse der gewerkschaftlichen Strukturen und Belegschaftsversammlungen! Rechenschaftspflicht und jederzeitige Abwählbarkeit der Betriebsräte sowie Beschränkung der Gehälter von Gewerkschaftsfunktionär:innen, Betriebs- und Personalräten auf ein durchschnittliches Facharbeiter:innengehalt!

Diese Liste kann weitergeführt werden – sie zeigt aber auf: Erneuerung ist mehr, als Kolleg:innen für existierende Strukturen zu gewinnen. Erneuerung braucht Demokratie – und die muss, wie gesagt, erkämpft werden und wird einem/r nicht einfach so geschenkt. Doch mit dem Aufkommen einer neuen Bewegung in den Gewerkschaften stehen alle Kräfte, die sich als links vom Reformismus verstehen, die die Notwendigkeit sehen, die Gewerkschaften grundlegend zu demokratisieren, die Kämpfe unter die Kontrolle der Mitglieder zu stellen, diese nicht nur zu mobilisieren und zu beteiligen, sondern zu selbstbewussten Träger:innen des Klassenkampfes zu machen, vor der Frage, wie sie sich gegenüber dieser linksreformistischen bürokratischen Erneuerungsoffensive verhalten wollen.

Statt sich unkritisch anzupassen oder sektiererisch abseits zu stellen, mit der Aussage, dass eh „schon immer klar war“, dass die Reformist:innen an der Spitze die Kämpfe verraten, müssen wir unserer Meinung nach eine oppositionelle, (klassen)kämpferische Bewegung aufbauen, die die Kämpfe aktiv begleitet, sich zu diesen positioniert und existierende Widersprüche aufzeigt, z. B. mit der Vernetzung für kämpferische Gewerkschaften (VKG). Diese selbst muss dabei auch in die Formierung gewerkschaftlicher Diskussion und Strukturen nicht nur der Gewerkschaften, sondern auch der Linkspartei aktiv eingreifen. Es gilt, den Tausenden motivierten Kolleg:innen eine klassenkämpferische Perspektive zu weisen, damit diese nicht bei dem nächsten Verrat und Ausverkauf (der kommen wird) die Biege machen, sondern den Kampf um eine grundlegende Erneuerung der Gewerkschaften vorantreiben.

Titelbild: Bild: Simon Zamora Martin, https://www.klassegegenklasse.org/

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