Anschlag in Magdeburg – eine konträre Weihnachtsbotschaft dazu

Die Rechte versucht, den Anschlag in Magdeburg – jenseits aller Fakten – auf mieseste Weise rassistisch auszuschlachten und Islamhass zu schüren. Es gibt aber auch eine feinere „hoffähigere“ Art der Instrumentalisierung und Ignorierung. Der Kommentar von Marco Gasch dagegen mit Weitblick, etwas „zynischer“ Bitterkeit und ganz voller Empathie. (Peter Vlatten)

Marco Gasch, 21.12.2024

„Die Vorfreude auf ein friedliches Weihnachtsfest wurde durch die Meldungen aus Magdeburg jäh unterbrochen“, erklärte Kanzler Olaf Scholz.

Ich möchte noch ergänzen, Gaza und nebenan. Ukraine, Sudan, Jemen, Syrien, Kongo, Afghanistan und überall, wo Menschen nicht in Frieden und ein menschenwürdiges Leben führen können.

Aber natürlich hat auch die Nachricht aus Magdeburg zur Erhöhung der Traurigkeit beigetragen. Und klar, sind Opfer in nächster Umgebung betrauernswerter, als anderswo. Und medial besser ausschlachtbar. Und so ein paar Tote in Gaza, in der Ukraine oder sonstwo, wo sie jeden Tag zu Dutzenden sterben, kratzt so richtig doch keinen, in der Weihnachtsfreude. Oder?

Auch in Deutschland gibt es übrigens auch noch weitere Missstände, wo wir ja grad beim Thema Menschenwürde und Deutschland sind. Es gibt nämlich ein Recht auf Wohnen, ist sogar im Grundgesetz verankert. Da hätte Scholz doch gleich mal einen Abstecher zu den Obdachlosen machen können. Ich habe neulich aber gelernt, dass die freiheitliche Grundordnung, die nicht konkret definiert ist, über dem Grundgesetz steht.

Schon mal von Behindertenwerkstätten gehört, wo Menschen für 220 Euro im Monat arbeiten und andere Grundrechte daher gar nicht wahrnehmen können. Wie der nun von Magdeburg den Bogen zu Behindertenwerkstätten schlägt, so ein empathieloser Hirnie. Ja, schon zynisch. Zynismus ist aber nicht verboten und mir nun eine Kaltschnäuzigkeit und Mitleidlosigkeit anzudichten wäre doch unfair, oder? Nur zu, haut drauf.

Heute tragen wir schwarz, morgen aber wieder pretty in pink. Egal, wo die Bomben fallen, wo die Kinder verhungern. Solang die Zeitungen und das Fernsehen das sagen, sind wir auf Welle. Deutscher Welle.

Trauern auf Knopfdruck, on, off, on, off. Mal ehrlich, mal nicht. Wie kann man ehrlich trauern? Ist es ein Gefühl, fühlen wir eigentlich überhaupt noch etwas? Sind wir nicht längst alle taub? Würden wir den Schmerz anderer mitfühlen, müssten wir nicht den ganzen Tag vor Schmerzen schreien?

Um noch mehr Dinge zusammen zu bringen, die im Grunde nichts mit Magdeburg zu tun haben. Oder etwa doch? In der Migrationspolitik wurden Menschenrechte ausgehöhlt. Abwehr und Abschreckung sind hier das Thema. Die Bezahlkarten haben eine selbständige Lebensführung massiv eingeschränkt. Die Verbesserung der Rückführung wurde auf Kosten der Grundrechte Schutzsuchender ausgeweitet.

Kritik am System, am Staat, an den herrschenden Verhältnissen waren noch nie gern gesehen. Dafür wurde Jesus ans Kreuz geschlagen. Meine Weihnachtsbotschaft!

Titelfoto: Wikimedia commons,Gustave Doré – Crucifixion of Jesus.jpg,This work is in the public domain in its country of origin and other countries and areas where the copyright term is the author’s life plus 70 years or fewer.

Wir danken Marco Gasch für das Publikationsrecht.

Anmerkung von Marco Gasch: „Die Auszüge hinsichtlich Wohnen, Behindertenwerkstätten und Migration habe ich in Anlehnung an den Artikel“ Entrechtete Menschen“ von Niki Uhlmann aus der jw vom 11.12. formuliert

„Wir sind nicht ein Teil des Problems sondern ein Teil seiner Lösung“

Große Beteiligung an der Demo gegen Kürzungspolitik des Senats

Unter dem Motto „Wir sind alle unkürzbar – Ein Berlin für alle“ versammelten sich dem nieseligen Winterwetter zum Trotz am Sonntag Mittag viele Tausende Menschen auf dem Lustgarten vor dem Berliner Dom und zogen anschließend in einer dicht gedrängten Demonstration durch die Stadtmitte. Es war ein Quantensprung in der Beteiligung an den Protesten gegen die Kürzungsmaßnahmen des Berliner Senats. Die Stimmung war gut. Die Demonstrierenden erwärmten sich an unvergesslichen Ton Steine Scherben-Hits und andern kulturellen Highlights. Eine Gruppe junger Frauen skandierte: „Wir sind nicht Teil des Problems sondern Teil der Lösung“. Welch wohltuende politische Entspannung im Klima der erstarrenden Zeitenwende-Republik. Im Folgenden einige Impressionen vom Tage.

Kommende Termine

17.12.24 18.00 Uhr Info/Planungs-Abend für verschiedenen Aktionen, Veranstaltungen und Initiativen. #BerlinistKultur

16.12. bis 18.12. Aktionstage #KürztdieKürzungen

19.12.24 Plenarsitzung, 10.00 – 20.00 Uhr, Abgeordnetenhaus

Durchgehend:  Minutenstreiks: Die Akademie der Künste ruft zu Minutenstreiks auf

Bis 19. Dezember: Gekommen um zu bleiben  
STAND-IN und SIT-IN von 9 bis 18 Uhr zu den Arbeitszeiten des AGH 

Darüber hinaus bleibt das Aktionsbündnis aktiv, selbst wenn die Kürzungen beschlossen werden. Weiterhin informieren kann man sich über den Newsletter oder Instagram & Facebook.

Macht bei den Aktionen mit, kommt zu den Protesten, sagte es weiter oder helft einfach bei der Organisation mit. Melden kann man sich dann unter info@berlinistkultur.de.

Bilder: Jochen Gester

Syrien – Berichterstattung German Foreign Policy

Foreign German Policy beleuchtet in mehreren Beiträgen die Entwicklung in Syrien. Empfehlenswert für jeden, der die Zusammenhänge genauer erfassen will. (Peter Vlatten)

Wettlauf um Syrien IV

Auswärtiges Amt führt in Damaskus erste Gespräche mit HTS-Anführer Al Sharaa. EU-Außenminister fordern Schließung russischer Militärbasen. Al Sharaa lehnt baldige Wahlen ab, will gewisse „Sitten“ in Syrien respektiert sehen.

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Umwälzungen in Syrien I

Die Sanktionen Deutschlands und der EU haben zum Sturz von Bashar al Assad und zum Siegeszug der Jihadistenmiliz Hayat Tahrir al Sham (HTS) beigetragen, die ihren Weg zur Macht in Damaskus damit auch Europa verdankt.

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Siehe auch "Wo ist denn Syrien nur geblieben? - Kommentare und Fragen von links" 
Umwälzungen in Syrien II

Scholz erklärt sich zur Kooperation mit „den neuen Machthabern“ in Syrien bereit. In Idlib, wo diese bislang herrschten, haben Frauen kein Wahl- und Christen kein Bürgerrecht, Folter und Verschwindenlassen sind verbreitet.

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Umwälzungen in Syrien III

Berlin dringt auf starke deutsche Rolle in Syrien. Baerbock schlägt „Gruppe der Freunde Syriens“ unter Beteiligung des Westens und unter Ausschluss Russlands und Irans vor. Mit den Jihadisten von HTS soll kooperiert werden.

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