Kommt zu den Protestaktionen gegen die GG-Änderung für eine Rüstungsorgie!


++++ Achung: Beginn der Mahnwache am Donnerstag beginnt bereits um 10 Uhr auf der Paul Loebe-Alle. ++++

Presseeerklärung der Friko

Die Friedenskoordination Berlin veranstaltet am Samstag, den 15.3.2025 um 14 Uhr anlässlich der geplanten Grundgesetzänderung eine Kundgebung am Brandenburger Tor unter dem Motto:

Keine Grundgesetzänderung für Aufrüstungsorgie und Kriegstüchtigkeit!
Reden statt rüsten!

Die CDU/CSU als vermutliche zukünftige Kanzlerpartei versucht noch vor der Installierung der neuen Regierung, zusammen mit der SPD und der noch regierenden GRÜNEN-Partei in einem unglaublichen Coup in der kommenden Woche das Grundgesetz zu ändern, um Hunderte Milliarden Euro Kredite für eine beispiellose Hochrüstung aufzunehmen. Ohne dabei eine Schuldenobergrenze und Laufzeit zu benennen, ein Fass ohne Boden. Damit soll der Waffenexport in die Ukraine weiter angekurbelt und die Bundeswehr „kriegstüchtig“ gemacht werden.

Die Angst vor einem Angriff Russlands auf NATO-Gebiet dient als Begründung. Eine Angst, die keine Grundlage hat, weil für einen solchen Angriff eine mindestens dreifache militärische Überlegenheit Russlands in den Hauptwaffensystemen seines Heeres und seiner Luftwaffe nötig wäre. Die Angst wäre nicht einmal dann gerechtfertigt, wenn die EU oder die europäischen NATO-Staaten auf sich allein gestellt blieben, denn sie verfügen schon heute auch ohne die USA über eine zwei bis dreifache Überlegenheit.

Bisher wurden zwei Aktionen im Vorfeld der Abstimmung angemeldet:

  1. Mahnwache am Donnerstag, den 13.3. zum Beginn der 1. Lesung für die GG-Änderung
    vor dem Bundestag von 10 bis 12 Uhr (Paul Loebe Allee)
  2. Kundgebung am Samstag, den 15.3. ab 14 Uhr am Brandenburger Tor

    Folgende Rednerinnen haben zugesagt:
    Gesine Lötzsch – MdB die LINKE
    Sevim Dagdelen – MdB BSW
    Wiebke Diehl – Initiative NIE WIEDER KRIEG – DIE WAFFEN NIEDER
    Weitere Redner folgen.

    Bei Rückfragen: Jutta Kausch-Henken, Tel. 0162-1966945

Das Forum gewerkschaftliche Linke Berlin ruft auf zur Teilnahme.

Kein BSW wird uns retten, kein Trump, kein Scholz …

… keine selbstberuhigenden Reden, von wegen: Es wird nichts so heiß gegessen wie gekocht.

Von Wolf Wetzel

Bild: Screenshot FAZ v. 5.3.2025

Das war meine Einschätzung vor der Bundestagswahl 2025. Nun ist sie vorbei. Wer meint, dass das Allerschlimmste nicht eingetreten ist, der kann es nicht abwarten.

Auch wenn es kaum noch auffällt: Das Wahlergebnis zeigt, dass es seit 1949 noch nie eine so reaktionäre Mehrheit im deutschen Bundestag gab, wie jetzt. Wenn man die Stimmen von CSU/CDU, AfD, SPD, Grüne zusammenzählt, kommt man auf über 75 Prozent der abgegebenen Stimmen.

Damit ist mehr als eine rechte Mehrheit gemeint. Wenn man die politische Entwicklung dieser Parteien über die letzten Jahre verfolgt, haben sie durch die Bank ihre eh rechten Positionen (in Sachen Flüchtlings- und Asylpolitik, Sozialpolitik und Kriegswirtschaft) verschärft. Mit reaktionär ist also gemeint, dass sie ein schwindelerregendes Rollback vollzogen haben. Das wird ganz besonders an der Asylthematik, in der Sozial- und Kriegspolitik deutlich. Was früher ein Merkmal für kleine, sichtbare Differenzen war, ist heute ein Gemeinschaftsunternehmen.

Die „Brandmauer gegen rechts“ ist in vier Jahren Kunst-Schnee von gestern

Ich wage eine weitere Prognose: CSU/CDU und SPD (und für die Aufhebung der „Schuldenbremse“ die Grünen/die Linke) werden sich zusammenfinden. Sie werden uns dabei belügen, dass sie die Brandmauer gegen rechts bilden und dass sie hält, was sie vorgibt zu sein.

Das ehrlichste kommt von denen, die es nicht unbedingt eilig haben: Von der AfD. Sie gibt ruhig und geduldig drei Statements ab:

  1. Sie habe gewonnen, denn CSU/CDU und SPD haben im Kern die (Re-)Migrationspolitik der AfD übernommen.
  2. Die „Große Koalition“ wird nie und nimmer das Original ersetzen können, sondern die AfD zum Thron führen.
  3. Das Scheitern der „neuen“ Regierung aus CSU/CDU und SPD wird die AfD zum Sieger machen.
Baerbock warnt in der ARD/ZDF-Schlussrunde zur Wahl vor Russen-Einmarsch nach Brandenburg

Bis auf die letzten Meter steigern sie den Verfolgungswahn, den man therapeutisch, auf keinen Fall politisch behandeln sollte.

Seit fast drei Jahren wird uns erzählt, dass man Putin in der Ukraine aufhalten müsse, sonst stände er bald auf dem Reichstagsgebäude in Berlin und würde zum Spaß noch einmal die kommunistische Sowjetfahne hissen.

Seit fast drei Jahren erzählt man uns, dass man mit Putin nicht verhandeln könne, dass man Russland nur „ruinieren“ (Ex-Außenministerin Annalena Baerbock) können muss.

Und dann kommt ein Trump daher und erzählt uns eine ganz andere Geschichte: Der Einmarsch der russischen Truppen war vom Westen gewollt. Die Sicherheitsinteressen Russlands seien legitim. Also keine NATO an der Grenze zu Russland. Der Krieg müsse beendet werden und man kann ihn beenden.

Dass bei diesen Verhandlungen die EU bestenfalls am „Katzentisch“ sitzen darf, macht unsere Kriegselite wahnsinnig. Man habe doch so viel investiert. Und wer bezahlt, müsse auch bei der Kriegsrendite beteiligt werden.

Manchmal fragt man sich, ob diese EU-Elite schon einmal etwas von Imperialismus gehört hat. Der funktioniert nicht, weil man teilt, sondern weil man sich nimmt! Noch nie etwas davon gehört?

Man kann das Verstörtsein auf Seiten der EU-Kriegseliten auch träumerisch angehen. Die EU wollen ein ganz neues Kapitel in der Geschichte der Welterzählungen aufschlagen, das in etwa so vorzutragen ist:

Man will ehrlich sein. Man will sich an Abkommen und Vereinbarungen halten. Man will keinen „Informationskrieg“ führen. Man will sich nur verteidigen und nie, aber auch nie imperiale Interessen verfolgen.

Fangen wir von weit vorne an:

Der erste Krieg in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg … war nicht der russische Einmarsch in die Ukraine 2022, sondern der Krieg gegen die ehemalige Bundesrepublik Jugoslawien 1999. Dort verhinderte man kein „zweites Auschwitz“, sondern verfolgte nackte imperialistische Interessen.

Nicht Russland rückte seit 1989/90 vor – auf Berlin und sonst wo, sondern die NATO-Staaten. Das nennt man bis heute „Osterweiterung“ und ist das glatte Gegenteil vom dem, was in den Zwei-plus-vier-Verhandlungen versprochen wurde. Es war der Außenminister Genscher, der am 31. Januar 1990 in einem Vortrag vor der Evangelischen Akademie Tutzing gesagt hatte:

„Was immer im Warschauer Pakt geschieht, eine Ausdehnung des Nato-Territoriums nach Osten, das heißt, näher an die Grenzen der Sowjetunion heran, wird es nicht geben. […] Der Westen muss auch der Einsicht Rechnung tragen, dass der Wandel in Osteuropa und der deutsche Vereinigungsprozess nicht zu einer Beeinträchtigung der sowjetischen Sicherheitsinteressen führen dürfen.“
(Hans-Dieter Heumann: Hans-Dietrich Genscher. Die Biografie. Schöningh, Paderborn 2012, S. 280)

Es ist nicht „Putin“ mit dem man nicht verhandeln kann, sondern die NATO- und EU-Kriegseliten, die keine Gelegenheit auslassen, Vereinbarungen und Verträge zu brechen. Dazu gehören die Minsk I und II-Abkommen, die 2014/15 geschlossen wurden, um den „Bürgerkrieg“ zu beenden. Nicht „Putin“ hat diese Verträge gebrochen, sondern die versammelte EU-Kriegselite.

Bis heute zeigte sich niemand bestürzt darüber, dass die Ex-Bundeskanzlerin Angelika Merkel betont lässig gegenüber der Wochenzeitung ZEIT Anfang Dezember 2022 erklärte, dass das Minsker Abkommen von 2014 der Versuch gewesen sei, der Ukraine Zeit zu geben. „Sie hat diese Zeit auch genutzt, um stärker zu werden, wie man heute sieht.“

Im Imperialismus sind (transatlantische) Freundschaften kitschige Anmutungen

Der „US-Friedensplan“ scheint sehr einfach und logisch aufgebaut zu sein: Die US-Konzerne bekommen die Seltenen Erden, Russland die Donbass-Republiken und die Krim … und die EU zahlt (den Rest).

Nach der Bundestagswahl haben die zukünftigen Koalitionspartner sofort und gemeinsam das Kriegsbeil geschwungen. Man müsse noch mehr für den Krieg ausgeben, noch mehr Waffen an die Ukraine liefern, noch mehr Krieg in Eigenregie führen (ohne die USA).

Ganz sicher wird die politische Unterstützung in der Bevölkerung (vor allem im Osten Deutschlands) für den Krieg auf dem Boden der Ukraine noch mehr schwinden. Das wird der erwartbaren Koalition aus CSU/CDU und SPD noch mehr politische Legitimation kosten.

Im Osten bereits am Ziel angekommen

Man muss es ausdrücklich betonen: Schon jetzt ist die AfD in den fünf „neuen“ Bundesländern die stärkte parlamentarische Macht – mit zum Teil über 40 Prozent der abgegebenen Stimmen.

Das basiert ganz wesentlich auf Erfahrung und Nicht-Erfahrung. In der ehemaligen DDR haben die Menschen die Erfahrung mit den „Russen“ gemacht. Und diese hat wenig bis gar nichts mit dem überlebten und reaktivierten Russenhass im Westen zu tun. Das zweite, was der AfD in die Hände spielt, ist die Nicht-Erfahrung. Die „Ausländer“ spielten im DDR-Alltag kaum bis gar keine Rolle. Man brauchte also nach dem Zusammenschluss den Ausländerhass nur aufspielen – ohne dass er sich gegen (andere) Erfahrungen durchsetzen musste.

Gewinner dieses irrsinnigen Krieges mit dem alten „Russenhass“ werden nicht die Menschen in der Ukraine sein, sondern die AfD in Deutschland. Das wird sich in vier Jahren noch deutlicher zeigen.

Die AfD bekämpfen, indem man sie an die Macht kommen lässt

Es ist naheliegend, dass einige darüber nachdenken, was man gegen diesen reaktionären Run oder – ganz hipp – Flow unternehmen könnte. Dabei werden Stimmen laut, die den Vorschlag machen, dass man die AfD doch an die Macht kommen lassen sollte, um … sie zu „entzaubern“. Ich habe keine Zauberkugel, um in die Zukunft zu schauen. Es gibt aber sehr handfeste Erfahrungen mit dieser „Strategie“. Sie ist nicht neu, sondern kläglich gescheitert. Das ist eine Weile her, also ungefähr 90 Jahre. Als die NSDAP in den 1930er Jahren immer stärker wurde, schlugen zahlreiche Analytiker aus konservativen, über SPD- bis hin zu KPD-Kreisen vor, die NSDAP auf die Weise zu „entzaubern“, in dem man sie an die Macht kommen lässt. Dann müsse sie beweisen, was sie von ihrem Programm umsetzt, wieviel nur Propaganda war. Man könnte und sollte wissen, dass diese „Strategie“ 1933ff sehr blutig gescheitert ist. Die NSDAP hat nicht nur Wort gehalten, sie hat mehr als dies getan – genau das, was man zur Selbstberuhigung als übertrieben oder auch nur widersprüchlich abtat.

Ob die AfD (noch) „das freundliche Gesicht des NS“ (Matthias Helferich/AfD und nun auch MdB) ist oder nur eine rechts-konservative Partei ist ein eigenes Kapitel (wert).

Warum kommen so wenige auf die Idee, eine andere Politik, eine „konkrete Utopie“ (Bloch) zu entwickeln und damit rechtsinnen und rechtsaußen gleichermaßen zu bekämpfen?

Sehr bald wird von der „Brandmauer gegen rechts“ nur noch der Projektor stehen bleiben, der regenbogenfarbige Bilder ins diverse Nirgendwo wirft. Dann werden die Illusionisten der politischen „Mitte“ dankbar sein, wenn sie zu Koalitionsgesprächen eingeladen werden. All das werden wir mit Wahlen nicht aufhalten. Auch dieses Mal nicht. Im Gegenteil.

Den Sauerstoff entziehen

Es gibt ein paar wunderbare Gedanken von Arundhati Roy, die einen anderen Weg einschlagen:

Our strategy should be not only to confront empire, but to lay siege to it. To deprive it of oxygen. To shame it. To mock it. With our art, our music, our literature, our stubbornness, our joy, our brilliance, our sheer relentlessness – and our ability to tell our own stories. Stories that are different from the ones we’re being brainwashed to believe.“

„The corporate revolution will collapse if we refuse to buy what they are selling – their ideas, their version of history, their wars, their weapons, their notion of inevitability.
(Arundhati Roy)

„Unsere Strategie sollte nicht nur darin bestehen, das Imperium zu konfrontieren, sondern es zu belagern. Ihm den Sauerstoff entziehen. Es beschämen. Es zu verhöhnen. Mit unserer Kunst, unserer Musik, unserer Literatur, unserer Hartnäckigkeit, unserer Freude, unserer Brillanz, unserer schieren Unerbittlichkeit – und unserer Fähigkeit, unsere eigenen Geschichten zu erzählen. Geschichten, die sich von denen unterscheiden, die man uns durch eine Gehirnwäsche glauben machen will.“

Und: „Die Revolution der Konzerne wird zusammenbrechen, wenn wir uns weigern, das zu kaufen, was sie verkaufen – ihre Ideen, ihre Version der Geschichte, ihre Kriege, ihre Waffen, ihre Vorstellung von Unvermeidbarkeit.“

Quellen und Hinweise

Der Kohlhaas-Wahl-O-Mat 2025, Wolf Wetzel, 2025: https://overton-magazin.de/kolumnen/kohlhaas-unchained/der-kohlhaas-wahl-o-mat-2025/

Letzte TV-Runde vor der Wahl: Baerbock warnt vor Russen-Einmarsch nach Brandenburg, BILD vom 21.2.2025: https://www.bild.de/politik/aussenministerin-macht-angst-baerbock-warnt-vor-russen-einmarsch-in-brandenburg-67b797ef1aeb2534badd249a

Rechts und links = Null? Wolf Wetzel, 2023: https://overton-magazin.de/hintergrund/politik/rechts-und-links-null/

AfD mit Helferich und Krah. Das „freundliche Gesicht des NS“, taz vom 25.2.2025: https://taz.de/AfD-mit-Helferich-und-Krah/!6068620/

Es ist nichts geschehen, Daniel Sandmann, 2025: https://www.manova.news/artikel/es-ist-nichts-geschehen

Erstveröffentlicht im Overton Magazin v. 5.3. 2025
https://overton-magazin.de/kolumnen/kohlhaas-unchained/kein-bsw-wird-uns-retten-kein-trump-kein-scholz/

Wir danken für das Publikationsrecht.

Die LINKE in der Zange zwischen Lockerung der Schuldenbremse und Kriegskurs

Der Parteivorstand der LINKEN hat am 1.März 2025 einen Beschluss mit dem Titel „Ukraine unterstützen – China einbinden – Schuldenbremse abschaffen – UNO statt Trump“ gefasst. Dieser Beschluss sorgt für kritische Diskussionen und Anmerkungen. Er verstärkt aus marxistischer Sicht Befürchtungen zum künftigen Kurs der Partei. Hier dreieinhalb Debattenbeiträge dazu.

Erstens. Öffentliche Stellungnahme von Thies Gleiss, selbst Mitglied des Parteivorstandes und Sprecher der Antikapitalistischen Linken, in der er seine Ablehnung des Antrags – glasklar und grundsätzlich- begründet:

Warum ich den Antrag „Ukraine unterstützen – China einbinden – Schuldenbremse abschaffen – UNO statt Trump“ nicht unterstützt habe.

(1) Der am 01. März 2025 beschlossene und oben genannte Antrag an den Parteivorstand begeht den großen politischen Fehler, in der Opposition Regierung spielen zu wollen. Das sollte eine Partei eine Woche nach einem überzeugenden Wahlerfolg nicht machen,  der den klaren Auftrag erteilt hat, eine schlagkräftige und politisch eindeutige Opposition im Parlament und auf der Straße zu sein. In Sachen Aufrüstung, Kriegsertüchtigung, militarisierte Außenpolitik und auch bei den haushalts- und finanzpolitischen Verrenkungen der Regierung muss eine solche Opposition ein klares Nein (ohne jedes Ja, wie es schon in der Bibel heißt) zu allen Vorschlägen aussprechen. Keine Partei im Bundestag vertritt auch nur annähernd eine Position, die mit der der LINKEN kompatibel ist.

(2) Der Antrag sieht – im Gegensatz zur Beschlusslage der letzten Parteitage der LINKEN – eine verdrehte Aufstellung der Akteure: Russland als alleiniger Buhmann und Aggressor; die EU als Ausgangspunkt und Garantin einer demokratischen Alternative; die Trump-Regierung als plötzlicher Absonderling von dieser EU-Linie. Daran ist alles falsch und es ergibt sich daraus auch kein Ansatzpunkt einer realistischen linken Oppositionshaltung. Im Kern einer richtigen Analyse der Kräfteverhältnisse muss stehen, dass der Ukrainekrieg immer mehr zu einem Stellvertreterkrieg der großen internationalen Mächte wird. Was wird denn anderes aus dem neuen Format der „Friedensverhandlungen“ zwischen den USA und Russland  deutlich als diese Schlussfolgerung? In diesem Stellvertreterkrieg gehen die beteiligten globalen Player regelmäßig neue und wechselnde Allianzen ein. Das war in einer vergleichbaren Situation vor dem 1. Weltkrieg so, das war auch im Balkankrieg rund um das Dayton-Abkommen so, das war im Lybien- und Irakkrieg so. Es ist ein Gerangel um eine Neuaufteilung der Welt in Markt- und Einflusszonen, bei dem eine linke Partei auf keiner Seite steht, sondern die internationalistische Solidarität verteidigt.

(3) Der Antrag fokussiert auch in einer Weise auf „China“, wo wirklich ernsthaft nachgefragt werden sollte: Who is it and what does ist – dieses „China“.

(4) Der Antrag unterwirft sich auch einer Partnerschaft mit „der EU“, die ja nicht minder harte Akteurin in diesem Stellvertreterkrieg ist. Jedes Zugeständnis, dieser EU, ihren Mitgliedsstaaten oder auch nur Deutschland das Recht auf einen Ausbau der Armee – und sei es nur zu „Verteidigung“  – einzuräumen, kann schnell tödlich enden. Eine linke Partei muss der allgemeinen Kriegsvorbereitung stattdessen massiv entgegenstellen. Die Armeen müssen radikal abgerüstet werden, die Waffen müssen schweigen, die Kriegsminister müssen abgelöst werden.

Zweitens. Ausschnitte aus einem Debattenbeitrag von Sebastian Friedrich und Ingar Solty im Freitag, der mehr auf die Umstände und Hintergründe des Beschlusses eingeht!

Die Linke hat die Schuldenbremse immer abgelehnt, weil sie soziale und ökologische Investitionen ermöglichen wollte. Jetzt muss sie sich mit einem Sondervermögen beschäftigen, das ausschließlich der Hochrüstung dient.

Die strategischen wie inhaltlichen Probleme zeigen sich aktuell besonders in der Frage von Krieg und Frieden. Viele, die die Partei gewählt oder ihr beigetreten sind, stehen Waffenlieferungen in die Ukraine offen gegenüber – zu einem Zeitpunkt, in dem die ukrainische Regierung den Krieg nur noch durch massivste Zwangsrekrutierungen aufrechterhalten kann und die USA bereits nach einem Weg suchen, den Konflikt einzufrieren. Die Linke steht in dieser Situation unter enormem Druck.

Während des Wahlkampfs betonten Spitzenpolitiker noch, sie würden keiner weiteren Aufrüstung zustimmen. Doch nun hat der Parteivorstand sich anders positioniert: Statt in dieser historischen Situation die eigene Macht zu nutzen, um eine Politik zu verhindern, die einen verlorenen Krieg auf dem Rücken der ukrainischen Bevölkerung fortsetzt, neues Wettrüsten befeuert und dabei Sozialstaat und Demokratie gefährdet, zeigte man sich in einem Positionspapier bereit, für die Abschaffung der Schuldenbremse zu stimmen. Damit aber ermächtigt man die Hochrüstungs- und Kriegspolitik – während man die Regierung in reinster Symbolpolitik darum bittet, das auf Kredit bereitgestellte Geld doch bitte nur für zivile Zwecke einzusetzen.

Drittens. Unsere eigenen Anmerkungen zu „linken Hoffnungen“ über das avisierte Infrastrukturprogramm!

Wer bei diesem Programm für Infrastruktur mehr an „Soziales“ denkt, hat das Ganze noch nicht verstanden. Wer genauer hinschaut kann erkennen, daß auch der Ausbau der Infrastruktur in weiten Teilen dazu dienen soll, Deutschland kriegstüchtig zu machen. Es sollen nämlich vorrangig solche Brücken und Straßen instand gesetzt werden, damit dort die Panzer nach Osten rollen können. Im Gesundheitswesen sollen Strukturen für den Kriegsfall geschaffen bzw. erweitert werden, die eher noch die zivile Gesundheitsversorgung weiter belasten. Besondere Schwerpunkte bilden der Ausbau von Bunkeranlagen, Heimat- und Katastrophenschutz… Und so weiter…..und so weiter. Pustekuchen wer sich da echt Nennenswertes für den Wohnungsbau, für mehr Frauenhäuser oder die Renovierung kaputter Schulen erhofft.

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz wurde die Richtung klar vorgegeben: Deutschland muss aufgrund seiner geografischen Mittellage mit höchster Priorität als militärisches Aufmarsch- und Durchmarschgebiet fit gemacht werden. [1]Handelsblatt 28.1.2025: „Deutschland muss der Rolle als Durchmarschgebiet gerecht werden“

Ein beliebtes Weichspülargument: Infrastrukuturen wie Straßen und Schienen usw. dienten ja auch der Zivilgesellschaft. Da lässt sich nur antworten: Wegen der Panzer wohl mehr Straßen als Schienen – Kampf um mehr öffentlichen Verkehr war denn da mal. Und es wird wohl kaum halb Deutschland in Zukunft gen Osten in Urlaub fahren wollen.

Für Militarisierung soll die Schuldenbremse permanent und nach oben hin unbegrenzt gelockert werden. Das Budget für Infrastrukutur ist einmalig, begrenzt und über bis zu 10 Jahre verteilt. In Summe eine bisher historisch einmalige Neuverschuldung in Höhe von mehr als 2 Billionen Euro.

Ein „linkes Strukturprogramm“ muss die sozialen Verpflichtungen konkret festschreiben: zum Beispiel „mehr Lehrer“ statt mehr Offiziere an den Schulen! Und warum überhaupt Schulden, die jeden von uns mit 12000 Euro belasten und mit Zins und Zinseszins von uns zurückgezahlt werden müssen? Soziale und ökologische Investitionen sind auch ohne Schulden möglich, wenn man sich das Geld von dort holt, wo es in exorbitanter Höhe angehäuft wird. Das wäre links !! Und würde den Parteivorstand der LINKEN von seiner selbst angelegten Zange befreien. Sollen doch diejenigen zahlen, die uns ständig abzocken. Dann braucht es auch nicht der Lockerung einer Schuldenbremse. Seit Jahren schon ist zum Beispiel die Wiedereinführung der Vermögenssteuer überfällig. So etwas müsste jetzt offensiv gefordert und für den Klassenkampf von unten zur Durchsetzung mobilisiert werden.

Die durch diese Mammutverschuldung losgetretene Inflation trifft dann wieder .. uns alle

Ganz zu schweigen davon, daß dieser Aufrüstungskurs die Kriegseskalation auf die Spize treibt, bei der am Ende ganz Deutschland erneut mit seiner ganzen Infrastruktur in Schutt und Asche versinken kann.

Aber immerhin, vor allem die Besitzer des militärisch-industriellen Komplexes haben sich schwindelig verdient.

Siehe auch: besonders Frauen zahlen für den Kriegskurs 
Viertens. A. Hanbicht empfiehlt der LINKEN ganz pragmatisch, sich ein Besipiel an Izquierda Unida (Spanische Vereinigte Linke) zu nehmen!

IU lehnt die NATO als Lösung für die Ukraine ab und setzt sich für einen Waffenstillstand unter der Führung der UNO ein.

In ihrer traditionellen montäglichen Pressekonferenz zur politischen Lage beklagte (die Sprecherin der Partei) García Sempere, dass das gestrige Treffen europäischer Staats- und Regierungschefs in London – an dem auch der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez teilnahm – eine „historische Gelegenheit“ verpasst habe, eine „eigenständige Außenpolitik gegenüber den Vereinigten Staaten zu entwickeln“.

„Wir hatten, vielleicht sind wir manchmal naiv, konkrete Friedensvorschläge erwartet und gehofft, dass diese kriegerische Rhetorik endlich endet, die nichts anderes bewirkt hat, als einen Konflikt zu verlängern, der schon mehr als drei Jahre andauert. Der Krieg wurde nicht durch mehr Waffenlieferungen gelöst, sondern im Gegenteil – er hat mehr Zerstörung, Verwüstung und Leid über das ukrainische Volk gebracht“, erklärte sie.

Sie fügte hinzu, dass es in dieser Zeit zudem „unerlässlich“ sei, die „Verpflichtungen der Helsinki-Akte und der Charta von Paris der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa wiederherzustellen, um einen neuen Rahmen für gemeinsamen Frieden und Sicherheit zu schaffen“.

In Bezug auf die „andauernde zionistische Offensive gegen das palästinensische Volk“ durch die extremistische Regierung Israels prangerte die IU-Sprecherin an, dass trotz der angeblichen Waffenruhe „die Ermordung von Palästinensern nicht aufhört“ und dass Premierminister Benjamin Netanjahu an diesem Wochenende „die Aussetzung der humanitären Hilfe“ für die bereits jetzt unter katastrophalen Bedingungen lebende palästinensische Bevölkerung im Gazastreifen angekündigt habe.

Ergänzend der link zu einem Beitrag der SOL zum Thema 

Titelbild: Collage Peter Vlatten

References

References
1 Handelsblatt 28.1.2025: „Deutschland muss der Rolle als Durchmarschgebiet gerecht werden“

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