Angriff auf die Achse Caracas–Havanna

Die US-Intervention in Venezuela lässt in Kuba die Alarmglocken läuten

Andreas Knobloch, Havanna

Bild: pixabay

Der Sicherheitsapparat von Venezuelas entführtem Präsidenten Nicolás Maduro griff in hohem Maße auf kubanische Kräfte zurück. 32 Kubaner starben bei der US-Militäraktion. In Kuba wurden zwei Tage Staatstrauer angeordnet.

»Das Jahr beginnt schlecht«, sagt Raúl Martínez zur Begrüßung. Der 63-jährige Handwerker meint die Entführung von Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro durch das US-amerikanische Militär. Die ist auch auf den Straßen Havannas Gesprächsthema Nummer Eins in den Tagen danach. »Ich habe es quasi live im Fernsehen verfolgt. Wir haben gerade einen Film geschaut, als das Programm für eine Sondersendung unterbrochen wurde.« Wie zahlreiche Haushalte in Havanna empfängt auch Martínez über Kabel US-TV-Sender. Legal ist das nicht. Seinen richtigen Namen will er auch deshalb nicht in der Zeitung lesen.

Einige in Havanna hoffen, dass die US-Amerikaner als Nächstes nach Kuba kommen. Martínez gehört nicht dazu. »Von den Amerikanern kann man nichts Gutes erwarten«, sagt er. »Trump geht es nur ums Öl.« Einer Invasion kann er nichts abgewinnen. Kuba habe zwar viele Probleme, aber immerhin gehe es friedlich zu. »All jenen Personen, die davon träumen, dass wir als Nächstes dran sind, möchte ich sagen, dass es keine Invasion ohne Krieg gibt und keinen Krieg ohne Tote«, schreibt eine Nutzerin in den sozialen Medien. Im Großen und Ganzen aber herrscht Business as usual in diesen Tagen in Kubas Hauptstadt.

Nur die laute Musik ist von den Straßen verschwunden. Präsident Miguel Díaz-Canel ordnete eine zweitägige Staatstrauer und Beflaggung auf Halbmast an. Gedacht wird den »während des kriminellen Angriffs der US-Regierung gegen Venezuela« getöteten 32 Kubanern, »die auf Ersuchen der entsprechenden Organe dieses Landes Missionen im Auftrag der Revolutionären Streitkräfte und des Innenministeriums erfüllten und bei Kampfhandlungen ums Leben gekommen sind«, wie es in einer Erklärung der kubanischen Regierung heißt. Unter den mindestens 80 Todesopfern der US-Invasion waren nach offiziellen Angaben auch 24 venezolanische Sicherheitskräfte.

Der Verlust kubanischer Menschenleben verdeutlicht, dass Maduros engster Sicherheitsapparat aus einer großen Anzahl kubanischer Agenten bestand.

Der Verlust kubanischer Menschenleben verdeutlicht, dass Maduros engster Sicherheitsapparat aus einer großen Anzahl kubanischer Agenten bestand. Darum hatte es immer wieder Gerüchte gegeben; Caracas und Havanna dementierten stets. Im Jahr 2000 schlossen die damaligen Staatschefs beider Länder, Hugo Chávez und Fidel Castro, ein sogenanntes Umfassendes Kooperationsabkommen, in dem sich Kuba zu »technischer Hilfe« in verschiedenen Bereichen verpflichtete, im Gegenzug für die Lieferung von bis zu 53 000 Barrel Öl pro Tag. Separat soll ein vertrauliches Abkommen in Bezug auf Sicherheit und Verteidigung unterzeichnet worden sein.

Die Regierung in Havanna ist von den Ereignissen in Caracas kalt erwischt worden. Sie protestierte mit Verbalnoten und einem Aufmarsch vor der US-Botschaft in Havanna gegen das Vorgehen Washingtons. Kubas Präsident Díaz-Canel sprach von einem »Akt des Staatsterrorismus«. In der Bevölkerung überwiegt indes die Sorge vor einer Verschlechterung der ohnehin prekären wirtschaftlichen Lage. »2026 wird ein hartes Jahr für uns«, sagt Martínez. »Venezuela ist unser wichtigster Öllieferant. Maduro ist den Kubanern egal, aber was passiert mit dem Öl?«

Tatsächlich dürften die Vorzugskonditionen im Handel mit Venezuela – heruntergebrochen auf die Formel Ärzte gegen Öl – für die kubanische Regierung nur schwer zu ersetzen sein. Seit Washington den Druck auf Caracas erhöht und damit begonnen hat, Öltanker vor der venezolanischen Küste aufzubringen, haben die Blackouts auf der Insel weiter zugenommen. Im Dezember fiel in Havanna zum Teil acht bis zehn Stunden am Tag der Strom aus; in weiten Teilen des Landes sogar bis zu 20 Stunden. Neben Havarien der in die Jahre gekommenen Wärmekraftwerke fehlt es vor allem an Treibstoff. Zwar ist Mexiko angesichts schrumpfender Öllieferungen aus Venezuela eingesprungen, wird aber zunehmend von den USA bearbeitet. Mexikos Abhängigkeit von Gaslieferungen aus den USA und die für dieses Jahr anvisierte Neuverhandlung des nordamerikanischen Freihandelsabkommens dürften von Washington als Druckmittel in Bezug auf Kuba eingesetzt werden.

Trump glaubt, dass Kuba ohne venezolanisches Öl kurz vor dem Zusammenbruch steht. »Ich weiß nicht, wie sie sich halten können, sie haben keine Einnahmen. Sie erhielten alle ihre Einnahmen aus Venezuela, aus dem Weiterverkauf von venezolanischem Öl«, so der US-Präsident am Montag. »Ich glaube nicht, dass wir irgendwelche Maßnahmen ergreifen müssen.« Am Samstag noch hatten Trump und US-Außenminister Marco Rubio siegestrunken angekündigt, möglicherweise als Nächstes gegen Kuba vorzugehen.

Kubas Wert für die US-Regierung ist vor allem symbolischer Natur. Seit mehr als 60 Jahren widersteht das Land dem in der Monroe-Doktrin geäußerten Vormachtanspruch der USA in Lateinamerika, der von Trump nun ausdrücklich wiederbelebt wurde. Mit dem Vorgehen Washingtons gegen Maduro »eröffnet sich potenziell ein Szenario, in dem es zu einer Aggression gegen Kuba kommen könnte«, sagt Fabio Fernández, Professor für Geschichte an der Universität Havanna, gegenüber der Nachrichtenagentur Efe, auch wenn er nicht glaubt, dass eine solche Aktion sofort stattfinden wird, »da sie die Schaffung eines Motivs und die Vorbereitung der öffentlichen Meinung erfordert«.

Für Kuba sind US-Aggressionen nichts Neues. Seit 1959 hat die kubanische Revolution 13 US-Administrationen überlebt. Bereits kurz nach der Wiederwahl Trumps haben kubanische Offizielle in Hintergrundgesprächen verlauten lassen, dass sie damit rechnen, dass Washington einen Anlass suchen wird, um eine Intervention zu rechtfertigen. Die Trump-Regierung könnte schon bald daran gehen, wie im Fall Venezuelas ein entsprechendes Narrativ zu konstruieren.

Erstveröffentlicht im nd v. 8.1. 2026
https://nd.digital/editions/nd.DerTag/2026-01-08/articles/21127356

Wir danken für das Publikatioinsrecht.

Venezuela: Eskalation mit Ansage – Was die US-Thinktanks planten, wird jetzt Realität

Von MICHAEL HOLLISTER

(Red GlobalBridge.) Der militärische Eingriff in die Souveränität Venezuelas war zwar und ist noch immer ein Thema in den Medien, aber neben der Katastrophe in Crans-Montana ging das rücksichtslose und absolut völkerrechtswidrige Vorgehen der USA in Venezuela in den Medien doch fast unter. Und weil Venezuela mit Russland und China verbündet war und theoretisch noch immer ist, ist in den Augen der westlichen Medien der Untergang dieses Staates ja auch nicht wirklich schlimm. Wo kann man lesen, dass Donald Trump ein echter Kriegsverbrecher ist? (cm)

Bild: Screenshot von You Tube Video

In der Nacht zum 3. Januar 2026 verkündete US-Präsident Donald Trump auf Truth Social das Undenkbare:

„The United States of America has successfully carried out a large scale strike against Venezuela and its leader, President Nicolás Maduro, who has been, along with his wife, captured and flown out of the Country. This operation was done in conjunction with U.S. Law Enforcement.“

Was wie eine dystopische Satire klingt, ist bittere Realität. US-Streitkräfte haben in den frühen Morgenstunden vom 3. Januar Caracas bombardiert, Militärstützpunkte unter Beschuss genommen und den demokratisch gewählten Präsidenten eines souveränen Staates entführt. Die offizielle Begründung aus Washington: Kampf gegen Drogenkartelle und „Narco-Terrorismus“. Die tatsächliche Motivation: Regime Change, Ressourcenzugriff, geopolitische Dominanz.

Wer verstehen will, wie es zu diesem beispiellosen Akt militärischer Aggression kommen konnte, muss nicht spekulieren. Die Eskalation war geplant, in Thinktank-Papieren dokumentiert, öffentlich einsehbar – und ihre Umsetzung lässt sich lückenlos nachvollziehen.

Die Prognose vom Dezember – jetzt wird sie Realität

Am 5. Dezember 2025 habe ich auf meiner Webseite unter dem Titel „Venezuela: Wer profitiert, wer plant, wer zahlt?“ die Eskalationsstrategie der USA gegenüber Caracas detailliert beschrieben – Stufe für Stufe, basierend auf originalen US-Thinktank-Dokumenten von RAND Corporation und dem Center for Strategic and International Studies (CSIS).

Phase 4 dieser Interventionsarchitektur beinhaltete: gezielte Destabilisierung, Cyberangriffe, Desinformationswellen und – das entscheidende Element – „targeted leadership removal“, die gezielte Entfernung der politischen Führung.

Heute, keine vier Wochen später, ist genau das eingetreten. Trump verkündet nicht nur öffentlich einen Militärschlag gegen ein souveränes Land – er gibt offen zu, was selbst die CIA früher noch zu vertuschen versuchte: Die Entführung eines amtierenden Staatschefs durch US-Spezialeinheiten. Für 11 Uhr EST kündigte er eine Pressekonferenz in Mar-a-Lago an, um weitere Details bekanntzugeben.

Die Nacht der Explosionen – Augenzeugen berichten

Gegen 2 Uhr morgens venezolanischer Zeit (1 Uhr EST) begannen die Angriffe. Augenzeugen in Caracas berichten von massiven Explosionen, tieffliegenden Kampfhubschraubern und Raketenangriffen auf militärische wie zivile Ziele. Videos auf Twitter, Telegram und anderen Plattformen zeigen Rauchsäulen über Fort Tiuna – Venezuelas größtem Militärkomplex –, dem Flughafen La Carlota und weiteren strategischen Einrichtungen in den Bundesstaaten Miranda, Aragua und La Guaira.

Augenzeugen berichten von Angriffen auf Wohngebiete und gezielten Operationen gegen Regierungsgebäude. Ihre Schilderungen decken sich mit Berichten des venezolanischen Verteidigungsministers Vladimir Padrino López, der von US-Kampfhubschraubern sprach, die Raketen und Lenkwaffen in urbanen Gebieten abfeuerten. Die Angriffe dauerten etwa eine halbe Stunde. Teile von Caracas verloren die Stromversorgung.

Die Story explodiert derzeit auf allen Social-Media-Kanälen. Von Elon Musk über Kim Dotcom bis zu unabhängigen Journalisten wie Katja Hoyer – die Bombardierung Venezuelas ist die weltweite Top-Story. Doch die primäre Quelle ist der Aggressor selbst: Donald Trump, der die Operation nicht nur zugibt, sondern öffentlich feiert.

Maduro verschwunden – zwischen US-Behauptung und venezolanischer Unwissenheit

Die USA behaupten über Trump und Justizministerin Pam Bondi: Nicolás Maduro und seine Frau Cilia Flores seien in einem Kommandoeinsatz gefangen genommen und „aus dem Land geflogen“ worden. Maduro werde sich in den USA vor Gericht verantworten müssen – angeklagt wegen „Narco-Terrorism Conspiracy“ und „Cocaine Importation Conspiracy“. Die Anklage wurde im Southern District of New York erhoben. Bondi kündigte an, beide würden „bald die volle Wucht amerikanischer Justiz auf amerikanischem Boden in amerikanischen Gerichten“ erfahren.

Die venezolanische Regierung hingegen hat Maduros Aufenthaltsort bislang nicht bestätigt. In einer offiziellen Stellungnahme verurteilte sie die „schwere militärische Aggression“ der USA, rief den nationalen Notstand aus und forderte eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats. Gleichzeitig fordert Caracas von Washington ein Lebenszeichen des Präsidenten.

Was feststeht: Ein demokratisch gewählter Staatschef ist verschwunden – entweder entführt von einer fremden Macht oder untergetaucht. Beides wäre ein beispielloser Bruch des Völkerrechts und internationaler Normen.

Der Mythos vom Narco-Staat – wenn die Realität nicht ins Narrativ passt

Begründet wird der Gewaltschlag – wie so oft in der US-Außenpolitik – mit dem angeblichen Kampf gegen den Drogenhandel. Venezuela sei ein „Narco-Staat“, so die Behauptung aus Washington, und Präsident Maduro ein „Drogenbaron mit staatlicher Rückendeckung“. Die Trump-Administration hatte zuletzt ein Kopfgeld von 50 Millionen Dollar auf Maduro ausgesetzt. Doch wer sich die Mühe macht, die drei wichtigsten internationalen Drogenberichte durchzulesen – den jährlichen World Drug Report des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC), die Einschätzungen des International Narcotics Control Board (INCB) sowie die Berichte der EU-Drogenbeobachtungsstelle (EMCDDA) – stellt fest: Venezuela taucht dort so gut wie gar nicht auf. Nicht als wichtiges Herkunfts-, Transit- oder Zielland. Kein Vergleich zu Kolumbien, Peru oder Mexiko. Lediglich ein kurzer Absatz am Rande erwähnt Venezuela überhaupt – ohne klare Belege, ohne Zahlen, ohne Struktur. Die Drogenkartelle, die von den USA regelmäßig als Begründung für Interventionen herangezogen werden, operieren nach diesen Berichten vor allem außerhalb Venezuelas. Die angebliche Rolle Maduros als „Capo“ eines globalen Kokainnetzwerks bleibt reine Behauptung – ohne Substanz, ohne Quelle, aber mit maximaler propagandistischer Wirkung. (Hervorhebung durch die Redaktion.)

Es ist ein alter Trick: Wenn die Interessen klar sind, aber die Beweise fehlen, schafft man sich eben eine passende Geschichte.

Völkerrecht als Störfaktor – wenn Regeln nur für andere gelten

Mit dem gezielten Schlag gegen Caracas überschreiten die USA erneut eine rote Linie: den Bruch des Völkerrechts. Die Charta der Vereinten Nationen, insbesondere Artikel 2 Absatz 4, verbietet klar „die Androhung oder Anwendung von Gewalt gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates“.

Doch genau das ist hier geschehen – ohne UN-Mandat, ohne Kriegserklärung, ohne Anhörung, ohne Genehmigung des US-Kongresses. Senator Brian Schatz vom Auswärtigen Ausschuss warnte noch vor dem Angriff, die USA hätten „keine vitalen nationalen Interessen in Venezuela, die einen Krieg rechtfertigen würden.“

Ein solcher Akt stellt nach gängiger völkerrechtlicher Interpretation eine Aggression dar – vergleichbar mit der Invasion des Irak 2003 oder der Entführung von Präsident Aristide aus Haiti im Jahr 2004. Phil Gunson, Analyst der International Crisis Group in Caracas, verglich Maduros Entführung mit dem Fall des panamaischen Machthabers Manuel Noriega am 3. Januar 1990 – ebenfalls orchestriert von den USA. „It’s not legal“, sagte Gunson gegenüber der Presse.

Dass ein solcher Bruch internationalen Rechts in westlichen Medien kaum hinterfragt wird, zeigt erneut: Völkerrecht gilt offenbar nur, wenn es sich gegen Feinde des Westens einsetzen lässt. Sobald aber westliche Staaten selbst angreifen, bombardieren oder entführen, wird geschwiegen, relativiert oder schlicht ignoriert. Venezuela ist in diesem Fall nicht das Problem – sondern der Spiegel, den es der Welt vorhält.

Internationale Reaktionen – Schweigen, Verurteilen, Wegschauen

Die Reaktionen der internationalen Gemeinschaft fallen erwartbar aus – und offenbaren die Doppelmoral der sogenannten regelbasierten Ordnung.

Verurteilung aus dem Globalen Süden: Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum verurteilte die US-Militäraktion scharf und erklärte, die Angriffe verletzten die UN-Charta. Brasilien, die ALBA-Staaten und selbst das traditionell US-freundliche Kolumbien äußerten sich zurückhaltend bis kritisch. Kolumbiens Präsident Gustavo Petro kündigte an, Truppen an die venezolanische Grenze zu verlegen, um auf einen möglichen Flüchtlingsstrom vorbereitet zu sein. Kuba verurteilte den „kriminellen Angriff“ der USA.

Unterstützung aus dem rechten Lager: Argentiniens libertärer Präsident Javier Milei feierte hingegen Maduros Verhaftung auf X mit den Worten: „Liberty advances, ¡Viva la libertad, carajo!“

Russland und Iran: Russland verurteilte die Angriffe als „Akt bewaffneter Aggression“ und kündigte an, die Angelegenheit vor den UN-Sicherheitsrat zu bringen – wo die USA erwartungsgemäß ihr Veto einlegen werden. Iran sprach von einer „eklatanten Verletzung der nationalen Souveränität und territorialen Integrität“ Venezuelas.

Europa schweigt: Aus Brüssel und Berlin: ohrenbetäubendes Schweigen. Keine Sondersitzung, keine klare Verurteilung, keine Stellungnahme zur Verletzung des Völkerrechts. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas erklärte lediglich, man „beobachte die Situation“ und mahnte zur „Zurückhaltung“ – ohne den Aggressor beim Namen zu nennen.

Was sich hier abzeichnet, ist nicht nur eine regionale Krise, sondern ein weiterer Sargnagel für das Prinzip der internationalen Rechtsordnung, das der Westen so gerne beschwört, wenn es gegen Russland oder China geht.

Schweizer Neutralität – wenn Wegschauen zur Mittäterschaft wird

Besonders brisant: Unter den Augenzeugenberichten aus Caracas finden sich auch Aussagen einer Schweizerin, die oft in Venezuela weilt, die von Angriffen auf Wohngebiete und gezielten Operationen gegen Regierungsgebäude berichtet. Ihre Schilderungen decken sich mit unabhängigen Medienberichten und stehen im krassen Gegensatz zur Darstellung westlicher Leitmedien.

Die Schweiz, die sich gerne als neutrale Vermittlerin inszeniert, schweigt auch in diesem Fall. Keine offizielle Stellungnahme, keine Forderung nach Aufklärung, kein Schutz für die eigenen Staatsbürger vor Ort. Stattdessen: Business as usual. Schweizer Banken verwalten weiterhin venezolanische Vermögen, die durch US-Sanktionen eingefroren wurden – ein lukratives Geschäft, das von der Destabilisierung profitiert. (Das Schweizer Außendepartement hat zwischenzeitlich in puncto Venezuela zur „Mäßigung“ aufgerufen und eine ausführliche Warnung vor Reisen nach Venezuela veröffentlicht. Red.)

Die vielgepriesene Neutralität erweist sich in diesem Fall als Feigenblatt: Wer schweigt, während ein souveräner Staat angegriffen wird, macht sich mitschuldig. Wer die Aggression nicht beim Namen nennt, legitimiert sie. Venezuela zeigt, dass Neutralität im 21. Jahrhundert nicht bedeutet, zwischen Recht und Unrecht zu vermitteln – sondern schlicht wegzuschauen, wenn es den eigenen Interessen dient.

Ein altbekanntes Drehbuch – von Libyen bis Haiti

Was in Venezuela geschieht, ist kein Einzelfall. Es ist die Wiederholung eines Musters, das die USA seit Jahrzehnten perfektioniert haben:

Erst kommt die mediale Dämonisierung des Staatschefs – ob Gaddafi, Saddam Hussein oder Aristide. Dann folgen Sanktionen, die das Land wirtschaftlich in die Knie zwingen. Schließlich wird eine humanitäre Katastrophe inszeniert oder herbeigeführt, um den finalen Schlag zu legitimieren.

2003 – Irak: Die angeblichen Massenvernichtungswaffen, die nie existierten, dienten als Vorwand für eine Invasion, die Hunderttausende Menschenleben kostete und das Land ins Chaos stürzte.

2011 – Libyen: Unter dem Deckmantel der „Responsibility to Protect“ wurde Muammar Gaddafi gestürzt – heute ist Libyen ein gescheiterter Staat mit offenen Sklavenmärkten.

2004 – Haiti: Präsident Jean-Bertrand Aristide wurde von US-Spezialeinheiten buchstäblich aus dem Amt entführt und außer Landes gebracht – unter dem Vorwand, seine Regierung sei illegitim.

1990 – Panama: Manuel Noriega, einst CIA-Asset, wurde in der „Operation Just Cause“ verhaftet und in die USA verschleppt – angeblich wegen Drogenhandels.

Venezuela reiht sich nahtlos in diese Liste ein. Die Argumente sind austauschbar, die Methoden identisch, das Ergebnis absehbar: Zerstörung staatlicher Strukturen, Installation einer westlich kontrollierten Übergangsregierung, Zugriff auf strategische Ressourcen – in diesem Fall die größten Ölreserven der Welt.

Der einzige Unterschied: Diesmal war die Eskalation öffentlich planbar. Wer die Thinktank-Papiere las, wusste, was kommt.

Nächste Stufe bereits in Vorbereitung – der finale Vorstoß

Was als Phase 4 begann – die gezielte Entfernung der politischen Führung – mündet nun in Phase 5: die Installation einer Übergangsregierung unter westlicher Kontrolle. Die wirtschaftliche Abriegelung Venezuelas wird weiter verschärft, gleichzeitig formieren sich diplomatische Allianzen für eine sogenannte „Interimslösung“.

Ob über dauerhafte militärische Präsenz, internationale Erklärungen „besorgter Demokratien“ oder einen hastig gebastelten „Rettungsplan“ für das venezolanische Volk – die USA bereiten bereits den nächsten Schritt vor. Die FAA hat eine NOTAM (Notice to Airmen) ausgesprochen, die US-Flugzeugen den venezolanischen Luftraum verbietet – ein klares Zeichen für anhaltende militärische Operationen. Die US-Botschaft in Caracas hat eine Shelter-in-Place-Anordnung erlassen.

Es ist das alte Drehbuch – angewandt in Libyen, Irak, Haiti, Panama. Was in Venezuela gerade passiert, ist nicht neu.

Neu ist nur, dass die Blaupause diesmal öffentlich nachlesbar war.

Wer verstehen will, wie es weitergeht, der findet die Prognose schwarz auf weiß: In meinem Artikel vom 5. Dezember 2025 steht, was jetzt passiert – und was als nächstes kommen wird. Die Eskalation läuft nach Plan. Und das nächste Kapitel hat bereits begonnen.

Zum Autor: Michael Hollister war sechs Jahre Bundeswehrsoldat (SFOR, KFOR) und blickt hinter die Kulissen militärischer Strategien. Nach 14 Jahren im IT-Security-Bereich analysiert er primärquellenbasiert europäische Militarisierung, westliche Interventionspolitik und geopolitische Machtverschiebungen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf dem asiatischen Raum, insbesondere Südostasien, wo er strategische Abhängigkeiten, Einflusszonen und Sicherheitsarchitekturen untersucht. Hollister verbindet operative Innensicht mit kompromissloser Systemkritik – jenseits des Meinungsjournalismus. Seine Arbeiten erscheinen zweisprachig auf www.michael-hollister.com sowie in kritischen Medien im deutsch- und englischsprachigen Raum.

(Red.) Siehe zu Venezuela auch den informativen Bericht von Natalie Benelli, ebenfalls auf Globalbridge.

Quellen und weiterführende Hinweise
  • RAND Corporation (2023): Studie zu US-Militärintervention in Venezuela. Die Analyse warnt, dass eine offene militärische Intervention „chaotisch werden und sich in die Länge ziehen würde“ und dass es „für die USA nicht einfach wäre, sich wieder zu lösen, sobald das Engagement begonnen hat.“ Zitiert in Foreign Affairs (Oktober 2025) und The Intercept (Dezember 2025).
    Weitere RAND-Analysen zu Venezuela: https://www.rand.org/topics/venezuela.html
  • James Dobbins, RAND Corporation (2019): „What Should the United States Do About Venezuela?“ – beschreibt, wie Sanktionen zur Vorbereitung militärischer Intervention genutzt werden (Haiti 1994, Bosnien 1995, Kosovo 1999, Irak 2003).
    https://www.rand.org/blog/2019/06/preparing-for-a-venezuela-after-maduro.html
  • Center for Strategic and International Studies (CSIS): „Venezuela as a Failing State and the Risks for Regional Security“ (2022).
    https://www.csis.org
  • United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC) – World Drug Report 2023: Venezuela wird im Drogenkontext nur am Rande erwähnt; keine Einstufung als Schlüsselakteur im globalen Kokainmarkt.
    https://www.unodc.org/unodc/en/data-and-analysis/world-drug-report-2023.html
  • European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction (EMCDDA): Cocaine trafficking and production trends (2023) – ohne Nennung Venezuelas als Hauptakteur.
    https://www.emcdda.europa.eu
  • UN-Charta, Artikel 2: Enthält das Gewaltverbot und das Prinzip souveräner Gleichheit der Staaten.
    https://www.un.org/en/about-us/un-charter/full-text
  • Aktuelle Berichterstattung (3. Januar 2026):
    • Al Jazeera: „Trump says Venezuela’s Maduro ‚captured‘ after huge US military strikes“ 
    • CNN: „US captures Venezuelan leader Maduro in ‚large scale‘ strike“ 
    • NPR: „U.S. hit Venezuela with ‚large-scale strike,‘ captured Nicolás Maduro, Trump says“ 
    • Washington Post: Live updates zu den Angriffen 
    • Venezuelanalysis: „[BREAKING] US Claims Maduro Captured During Military Operation“ 
  • Michael Hollister: „Venezuela – Teil 2: Die vierte Phase beginnt“, erschienen am 5. Dezember 2025 auf
    https://www.michael-hollister.com/de/2025/12/05/venezuela-intervention-3/

Erstveröffentlicht auf GlobalBridge v. 4.1. 2026
https://globalbridge.ch/venezuela-eskalation-mit-ansage-was-die-us-thinktanks-planten-wird-jetzt-realitaet/

Website von Michael Hollister:
https://www.michael-hollister.com/de/hauptseit/

Wir danken für das Publikationsrecht.

Nein zu Trumps imperialer Machtpolitik!

Die Angriffe auf Venezuela brechen klar mit dem Völkerrecht. Den USA geht es um Macht, Öl und Geld!

Die Linke und Bloque Latinoamericano Berlin rufen auf: Kommt mit uns, um ein Zeichen gegen Krieg und Imperialismus zu setzen.

Freitag, 9. Januar 16 Uhr, Kundgebung vor der US Botschaft

Als Forum Gewerkschaftliche Linke unterstützen wir diesen Protest, der sich gegen Trumps imperialistisches Faustrecht wendet. Der Weltfrieden steht immer mehr auf dem Spiel. Keinerlei nationale Souveränität wird mehr respektiert. Wer soll als nächstes kassiert werden? Kuba oder Grönland ? Aktuell wurde von der US Armee ein russiches Schiff auf offener See geentert. Es geht um die Unterwerfung Lateinamerikas, aber auch um „Wer beherrscht die Welt“?

Wir verurteilen Trumps imperialistische Bombardierungen und Aggressionen gegen Venezuela. Wir lehnen jede Einmischung, auch von anderen Staaten wie Deutschland, in die innenpolitischen Angelegenheiten von Venezuela ab. Wir verurteilen die verräterische Rolle der kollaborierenden Rechten in Venezuela und dem Rest Lateinamerikas! Wir erwarten, dass sich alle Regierungen der Welt. insbesondere sich als demokratisch verstehende Kräfte der Banditerie und Einmischung der US-Regierung entgegenstellen. Wir fordern die sofortige Auflösung der militärischen Konzentration der USA in der Karibik, die Venezuela angreifen sowie Kolumbien und Kuba bedrohen. Wir fordern, dass die USA sofort ihre Piraterie auf Fischerboote sowie den freien Schiffsverkehr und Handel beenden. Wir fordern, dass der verschleppte venezuelanische Staatspräsident und seine Ehefrau sofort freigelassen werden.

Wir stehen an der Seite des venezolanischen Volkes, wenn es die Souveränität seines Landes verteidigt. Das Volk und die Arbeiter:innen haben aber auch unsere volle Solidarität, wenn sie darum kämpfen, ihre demokratischen, sozialen und politischen Rechte gegenüber dem Maduro Regime zurückzugewinnen und selbst über das Schicksal ihres Landes zu entscheiden!

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