Gedanken anlässlich des Ostermarsches 2026

Titelbild: Flashmob vor dem Brandenburger Tor. Siehe auch den Beitrag Initiativen gegen den Krieg Foto: Jochen Gester

Kriegstüchtig und siegfähig? Abbau des Sozialstaates? UN-Charta in den Müll?
Nicht in unserem Namen!!!

Kommt alle zum Berliner Ostermarsch 2026 am Samstag, dem 4. April. Auftakt um 13 Uhr
Mauerpark/Oderberger Straße
Mehr Infos: https://frikoberlin.de/04-04-2026-berliner-ostermarsch-2026/

Treffpunkt für GewerkschafterInnen am Ostersamstag um 12.45 Uhr

Die Zeichen stehen auf Konfrontation

2026 wird der 5. Ostermarsch sein, der seit dem Einmarsch russischer Truppen in der Ukraine veranstaltet wird. Schon vor diesem Datum existierte ein innerstaatlicher Konflikt in der Ukraine, in dem im Donbas mehr als 10 000 Menschen, in der großen Mehrheit Zivilisten, durch Waffen der ukrainischen Armee ums Leben kamen. Nach der sog. „Sonderoperation“ der Russischen Föderation ist der Konflikt weiter eskaliert und ist zu einem Stellvertreterkrieg zwischen Russland und den Staaten der NATO geworden. Die genauen Zahlen der Toten und Verstümmelten, der Traumatisierten und Vertriebenen ist schwer zu ermitteln, weil die Kriegsparteien zwecks Aufrechterhaltung der Kampfmoral kein Interesse an der Wahrheit haben. Eine diplomatische Perspektive zur Kriegsbeendigung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Die Zeichen stehen auf Eintritt in einen regelrechten Krieg, in dem die Mehrheit der in der EU versammelten Staaten darauf zuarbeitet, direkte Kriegspartei zu werden.

Eine perverse Transformation

Dafür laufen die Vorbereitungen auf allen Ebenen. Der Haushalt gibt grünes Licht für den Vorrang militärischer Aufrüstung, die von der Schuldenbremse befreit wurde. Immer Gefechtsfeld näher werden Manöver durchgeführt. Die militär-zivile Zusamenarbeit im Zusammenspiel mit dem Operationsplan Deutschland (OPLAN) wird auf eine reale Kriegssituation hin ausgerichtet, in der Verwaltung und Betriebe einbezogen werden und ihnen die jeweilige Rolle und Kompetenz zugewiesen wird. An die Wiedernutzbarmachung und den Neubau von Bunkeranlgen wird ebenso gedacht wie an die Verlagerung von Krankenhäusern unter die Erde. Die kriegsrelevanten Transportwege werden vorrangig in Stand gesetzt. In der Arbeitswelt rüsten zivile Betriebe, insbesonder in der kriselnden Automobilindustrie und und ihren Zulieferern, verstärkt auf die Produktion von Militärgütern um, was offiziell empfohlen wird. Auch die Start up-Szene wird auf rüstungsrelevante Produkte verwiesen und mit Milliarden geködert.

Diese perverse Transformation wird dazu führen, dass erstmals Hunderttausende nur dann ein verlässliches Auskommen haben, wenn der ungebrochene Einsatz der produzierten Waffensystem gesichert ist. Der Beschäftigungsgrad dieses Sektors wird in keiner Weise die Verluste im zivilen Sektor ausgleichen können und die Produkte selbst enziehen sich einer sinnvollen innergesellschaftlichen Nutzung. Aus vertrauenswürdigen Quellen wurde kürzlich bekannt, dass die Bundesregierung für 2026 die Ausrufung des Spannungsfalls erwägt, um damit einen weiteren Schritt in Richtung Kriegswirtschaft gehen zu können. Dann könnten all die Gesetze scharf gestellt werden, die während der Notstandsgesetze verabschiedet wurden. Damit ist noch keine allgemeine Mobilmachung verbunden, doch eine deutliche Einschränkung elementarer Rechte im zivilen Leben und in der Arbeitswelt werden möglich. Man muss kein Prophet sein, um zu ahnen, dass auch der Prozess der Gleichschaltung der Medien damit lückenloser voranschreiten wird. Bereits jetzt werden Journalisten in eine modern „Vogelfreiheit“ versetzt, wenn der Inhalt ihrer Artikel zu offensichtlich der Begründung staatlichen Handelns entgegensteht. Ebenfalls für dieses Jahr ist geplant, neu entwickelte US-Mittelstreckenwaffen auf Hyperschallbasis in Deutschland zu stationieren. Deutschland stellt das militärische Zielgebiet, ohne wirklichen Einfluss auf den Einsatz der Waffen zu haben. Wird dies nicht aufgegeben, wird damit die Gefahr der Entfesselung eines Weltkriegs auf europäischem Boden so groß sein, wie nie seit 1945.

Die „Bedrohungslüge“

Auf fast allen verbreitungsstarken Kanälen wird das damit begründet, dass sich Russland darauf vorbereite, die europäischen Nachbarstaaten anzugreifen. Auch wenn dies so wäre, ist immer noch fraglich, ob es nicht sinnvollere Wege als die gigantischen Aufrüstung gäbe, diese Situation zu entschärfen. Doch die Angelegenheit ist in Wirklichkeit viel krasser. Die angeblich beschworene Bedrohung ist nur ein Phantom, das in krassesten Farben gemalt wird, um für die eigenen Kriegspläne die Unterstützung einer in Ängste versetzten Bevölkerung zu bekommen. Russland hat weder die militärischen Fähigkeiten noch die ökonomischen Ressoucen, um einen Krieg gegen die europäischen NATO-Staaten aufnehmen zu können. Das militärische und ökonomische Gewicht allein der europäischen NATO-Staaten gegenüber Russland ist erdrückend. Das wissen die US-Nachrichtendienste seit Jahren und man kann das nachlesen. Und auch in regelmäßigen Abständen lassen sich relevante Funktionsträger aus dem europäischen NATO-Raum dazu hinreißen, dies zuzugeben. Es gäbe auch überhaupt keinen Sinn für eine derartige militärische Operation. Natürlich haben auch Repräsentanten der Russischen Föderation dererlei Planungen ins Reich der Fantasie verwiesen. Doch lügen sie ja angeblich, wenn sie nur den Mund aufmachen.

Der geopolitische Hintergrund

Wenn der offizielle Kriegsgrund ohne stichhaltige Beweise bleibt, wie lässt sich das Ganze dann anders erklären? Womit fängt man an?

Der in der Ukraine aufgeflammte Krieg ist mit Sicherheit nicht der Urgrund, der alles ins Rollen brachte. Man muss in größeren Zusammenhängen und Zeiträumen denken. Ein sinnvoller Ausgangspunkt, um zu erklären, was die Triebräfte des Konflikts sind, ist, die Veränderungen zur Kenntnis zu nehmen, die sich zwischen den großen imperialistischen Blöcken seit den 80er-Jahren, und verstärkt in den beiden Jahrzehnten des neuen Jahrtausends, vollzogen haben. Besondere Bedeutung hat dabei der Aufstieg Chinas zu einer industriellen und technologischen Großmacht, die erstmals einen Rivalen hervorgebracht hat, der die Fähigkeit hat, die USA als weltweite hegemoniale Macht zu beerben. Entscheidend dabei sind die produktiven Ressourcen, über die die chinesische Ökonomie verfügt und ihr wachsende Teile des Weltmarkts erschließt.

Die USA bleiben zwar die deutlich größe Militärmacht, die es als Gewohnheitsrecht betrachtet, überall zu intervenieren, wo ihre Interessen gefährdet scheinen. Doch hat diese militär-industrielle Dominanz in den USA auch eine Kehrseite. Die lange führende Position der dortigen Ökonomie in dem Sektoren der zivilen Industrie wurde schwächer. Die Industrien der großen Länder der EU, insbesondere Deutschlands, holten auf, wuchsen zu erkennbaren Konkurrenten heran und eroberten wachsende Marktanteile. Sie erhielten dabei staatliche Unterstützung, deren Mittel in hohem Maße die Marktmacht der zivilen Wirtschaft förderte. Für die Mittel vergebenden Staaten zahlte es sich aus, dass sie nicht so einen großen militärischen Kostengänger zu alimentieren hatten wie die USA. Das wurde auch in den US-Administrationen langsam als unerwünschter Konkurrenznachteil betrachtet. Die Verbündeten in Europa wurden gedrängt, auch mehr militärische Lasten zu übernehmen. Doch aus nachvollziehbaren Gründen war deren Bereitschaft, dem nachzukommen erstmal gering.

Die NATO-Welt stellt sich neu auf

Die US-Admistrationen Biden und Trump suchten deshalb nach einer Strategie dieses Dilemma zu beseitigen. Der geeignete Tatort für ihre Umsetzung wurde die Ukraine. Dabei wandeln sie interessanterweise in den Spuren der reichsdeutschen Osteuropapolitik, die die Herauslösung der Ukraine aus dem russischen Einfluss als das zentrale Ziel ausersehen hatte die Fähigkeit Russlands eine europäischer Macht zu sein, zu beenden.

Durch den Maidan-Putsch wurden die Weichen auf Kriegseskalation gestellt und der deutschen Industrie durch die Sprengung von Nordstream II ein wichtiger Konkurrenzvorteil genommen und durch die verortnete „Zeitenwende“ die Basis für eine wirtschaftliche Kooperation mit Russsland zerstört. Die transatlantischen Eliten in Deutschland haben dies aus einer Situation der Schwäche hingenommen und als selbstgewollt verkündet. Erst als die US-Regierung unter Trump begann, sich auch von ihrer Schutzmachtrolle zu verabschieden und ihre Alliierten auch auf der Ebene der Marktkonkurenz nur noch als zu schwächende Konkurrenz behandelte, wurden auch in der deutschen Politik nach neuen Strategien im Umgang mit den USA gesucht.

Die wirklichen Kriegsziele

Mehr denn je wird diese Antwort darin gesehen, die EU, oder nur wesentliche Teile von ihr, als ökonomischen Block auf Augenhöhe mit den großen Konkurrenten USA und China auszubauen. Gleichzeitig wird die Weigerung Trumps, sich weiter wie bisher im Ukrainekrieg zu engagieren als Chance gesehen die eigene militärische Macht so aufzurüsten, dass sie die Interessen der im EU-Raum verankerten Konzerne auch weltweit militärisch wahrnehmen kann. Dies gilt auch für den Ukrainekonflikt. In diesem Konflikt geht es den beteiligten Mächten nicht um hehre Werte, nicht um Demokratie, Freiheit, Menschenrechte, und wie die beschworenen guten Absichten heißen mögen. Es geht um den Zugrif auf die Ressourcen des sich im Krieg befindlichen Landes, um die besten Ackerböden Europas, die metallurgischen Rohstoffe und um das Kommando über abhängige, und in der Not geschwächte Arbeitskräfte, deren Ausbeutung hohe Profite versprechen. Es geht ordnungspolitisch um die Verfügung über das Territorium, auf das die Konkurrenten möglichst keinen Zugriff haben sollen. Gerade für Deutschland sind dies die traditionellen Expansionsgebiete in Osteuropa, die für einige Jahrzehnte weitgehend verschlossen geblieben waren und nun besonders dadurch begehrenswert werden, weil die deutsche Industrie in anderen Teilen der Welt starke Marktverluste hinnehmen muss, die sie gerade vor allem an die aufsteigende Industriemacht China verliert. Und da eine Großteil der Ressourcen und Eigentumstitel, über die die Westukraine noch verfügt, an die USA verpfändet werden, bleiben nur die, auf die das russische Militär jetzt noch seine Stiefel setzen kann. Die westliche Kriegsvorbereitung auf Seiten der EU zielt darauf ab, Russland zu zwingen, sie preiszugeben.

Dies ist der reale Kern einer mittlerweile Jahrhunderte Jahre alten Herrschaftslogik kapitalistischer Eliten, für die das Führen von Kriegen zur Durchsetzung ihrer Interessen ein selbstverständlicher Anspruch ist und eine andere Art der Konfliktregelung als weltfremd gilt. Deren ungeschminkteste Fassung repräsentieren keineswegs die politischen Führer Russlands und Chinas sondern der US-Präsident, der offen erklärt, er führe Krieg, weil er schlicht die Macht dazu habe, andere zu unterwerfen. Das Völkerrecht hat ausgedient und ist nur noch hinderlich. Doch auch Kanzler Merz kann ja bekanntlich einer solchen Praxis, „die Drecksarbeit zu erledigen“ einiges abgewinnen.

Das Schicksal der Ukraine

In der westlichen Kriegsperspektive ist die Ukraine der Vorposten westlicher Freiheit an der russischen Grenze, die nur durch russische Großmachträume bedroht ist. Unbegrenzte Freiheit und nationale Souveränität kann sie danach nur genießen, wenn sie wirtschaftlich, politisch und militärisch Teil der westlichen Ordnung wird. Diese Argumentation ist jedoch wenig überzeugend. Die ukrainischen Regierungen vor Maidan haben lange versucht einen Kurs zu fahren, der einerseits die traditionellen Verbindungen zu Russland aufrechterhält, diese anderersesits jedoch um eine Öffnung in Richtung EU ergänzt. Auf dieser Basis hätte der Staat ein Maximum an Souveränität und Bewegungsfreiheit gehabt. Doch dieser Kurs wurde dann gewaltsam beeendet. Aber nicht, wie es die westliche Propaganda behauptet, weil Russland dies nicht geduldet hätte. Russland hatte signalisiert, dass eine solche Orientierung nicht das zwischenstaatliche Verhhältnis erschüttern könnte. Es war der Westen, der darauf bestand, dass die ukranische Regierung ihre Bindungen zu Russland kappt und sich vollständig in die westlichen Strukturen, und natürlich dann auch in ihre Abhängigkeiten integriert. Der Maidan-Putsch sollte diese einseitige Bindung herstellen und möglichst unwiderrufbar machen, obwohl klar war, das bedeutende Teile der dortigen Bevölkerung dies ablehnten.

Nach über 4 Jahren Krieg hat das Land nicht nur viele tausend Menschenleben zu verkraften, einen starken Rückgang der Bevölkerung und große Zerstörungen. Um die nationale Insolvenz zu verhindern und die Milliardenkredite abzuzahlen muss es im großen Stil bisher national betriebene Unternehmungen verkaufen und westlichem Kapital bevorrechtige Zugriffsrechte auf die eigene Ökonomie zugestehen. Und auch in den Gebieten des Donbass, die jetzt von Russland beherrscht werden, hat sie ihren Einfluss verloren. Vergleicht man diese Zukunftsaussichten mit dem Maß an nationaler Souveränität, die der Staat nach seiner Lösung aus der Sowjetunion besaß, so dürfte klar sein, dass dies dies ein sehr schlechter Tausch gewesen ist. Dieser hätte vermieden werden können, wenn man den in der Westukraine emporsprießenden rechten Nationalismus rechtzeitig bekämpft hätte und den NATO-Einflüsterern widerstanden hätte. Doch genau auf ihn setzte die CIA, um ihr Ukrainespiel zum Erfolg zu bringen. Spätestens, nachdem viele ukranische Soldaten sich dem Befehl die eigene Bevölkerung im Donbas zu bombadieren durch Fahnenflucht entzogen, stieg in Washington der Wert der völkischen Verbände, deren Ausbildung und Anbindung man nun verstärkt betrieb. Die russophobe Ideologie dieser zur Nazitradition stehenden Kampfverbände kennen solche Rücksichten und menschlichen Skrupel nicht. Doch sie allein werden das Blatt nicht wenden. Die Bereitschaft der Ukrainer, in diesem Krieg ihr Leben zu opfern sinkt mit jedem Tag. Wer kann, entzieht sich dem Zugriff der Wehrbehörden. Wer das nötige Geld hat, ist fein raus. Hier ist ein großes Potenzial für Friedensaussichten zu finden. Denn Kriege enden so gut wie nie durch durch ein Einsehen derjenigen, die die Marschbefehle ausgeben. Sie endet in meisten Fällen dann, wenn die Soldaten nicht mehr kämpfen wollen oder eine starke Bewegung aus der Bevölkerung den Herrschenden die Loyalität verweigert.

Die Welt von unten betrachtet

Betrachtet man diese Zukunftsplanung aus der Lebensperspektive der Bevölkerungsmehrheit, liegen ganz andere Schlussfolgerungen nahe. Die von den Herrschenden erhoffte „Kriegstüchtigkeit“ dürfte dies mit Sicherheit nicht sein. Schließlich riskieren Normalsterbliche ihr Leben bei dieser „Drecksarbeit“, ohne an ihrer Dividende teilzuhaben. Wir erwarten im schlimmsten Fall die Zerstörung aller lebenswichtigen Infrastruktur, ohne die Möglichkeit zu haben, mit Hilfe von Kapital unser Glück in noch überlebensfähigen Gebieten der Erde suchen zu können. Für die Jugend bedeuet es eine zerstörte Zukunft. Das Leben der heute jungen Wehrpflichtigen kann schneller vorbei sein, bevor es überhaupt richtig begonnen hat.

An jedem Sonntag organisiert deshalb eine Gruppe Friedensbewegter vor dem Brandenburger Tor einen Flashmob, in dem eine Kriegssituation simuliert wird, in der Menschen Opfer werden. Dann werden die bekannten SAG NEIN-Mahnworte Wolfgang Borcherts rezitiert. Zum Schluss wird ein Transparent entrollt, das den folgenden Text enthält: „Krieg ist nie die einzige Wahl, aber immer die schlechteste“.

Die Überlebensfähigkeit der menschlichen Zivilisation ist durch den Klimawandel existenziell bedroht. Aufrüstung und Krieg verschärfen diese Bedrohung, weil sie die Aufheizung der Erde weiter vorantreiben und gleichzeitig die erfoderlichen finanziellen Mittel vergeuden, die zu ihrer Bekämpfung dringend gebraucht werden. Kriege töten und verstümmeln, traumatisieren und erzeugen Hass. Sie produzieren Hungersnöte und Vertreibung. Der Kriegskurs wird auch den Sozialstaat zerstören, ohne den wir nicht würdig leben und überleben können. Und er ist der Mutterboden für einen neuen Faschismus.

Die Friedensbewegung muss sich reorganisieren

Es braucht viele mutige Menschen, um den Weg in Richtung Krieg mit Erfolg zu blockieren. Die Entwicklung der letzten Jahre seit Ausbruch des offenen Krieges in der Ukraine ist dafür leider nicht sehr ermutigend. Die Zahl der von der Friedensbewegung mobilisierbaren Menschen steht noch in keinem Verhältnis zur Entschlossenheit, mit der die herrschende Politik auf Kriegstüchtigkeit setzt. Das muss sich ändern, wollen wir noch eine Chance haben, den Frieden zu erhalten. Dafür ist es auch bitter nötig, dass wir uns weniger mit uns selbst beschäftigen. Unsere Differenzen dürfen nicht das gemeinsame Handeln torpedieren. Im Mittelpunkt muss die Überzeugung stehen, dass wir gemeinsam durch Militarismus und Krieg bedroht werden und uns nur gemeinsam dagegen wehren können. Ohne Gewaltverzicht, Frieden und Verständigung ist eine lebenswerte Zukunft unmöglich. Lasst uns nach der Devise verfahren, die jeweiligen Antikriegsaktivitäten als wertvoll anzuerkennen und als Bestandtteil einer gemeinsamen Bewegung zu sehen. Wir brauchen eine Kooperation aller, die daran arbeiten wollen, den Zug in Richtung Krieg zu stoppen. Es muss Platz für die verschiedensten weltanschaulichen Zugänge zu dieser Aufgabe geben. Damit steigt auch unsere Fähigkeit sich in der Gesellschaft zu verankern und einen belastbaren Widerstandsraum aufzubauen.

Hoffnungsträger

Zu einem großen Hoffnungsträger ist in diesem Jahr die Bewegung in der Jugend gegen die Wehrpflicht geworden, an der sich Zehntausende von Schülern durch Streikaktionen beteiligt haben. Langsam scheinen wachsende Teile der jungen Generation zu begreifen, dass es um ihren Kopf geht und es nicht reicht, sich nur Gedanken darüber zu machen, wie man selbst den Kopf aus der Schlinge ziehen kann. Es bedarf der Kraft einer politischen Bewegung, die sich auch der Sympathie und Unterstützung großer Teile der Elterngeneration, die noch im Schatten des letzten Krieges aufgewachsen ist, erfreuen dürfte.

Zu den großen Problemfällen gehören sicher die beiden christlichen Kirchen. So haben die Spitzenfunktionäre der EKD gerade einen regelrechten Kotau vor den Kriegskurs der weltlichen Macht vollzogen und erneut Anschluss an ihre lange unrühmlichen Traditionen gesucht – eine Tradition, von der sich die Evangelische Kirche eigentlich einmal lösen wollte. Doch auch in den Gewerkschaften ist die Situation alles andere als gut. Die Vorstände des DGB und seiner Einzelgewerkschaften haben sich für eine Art Burgfriedenspolitik entschieden, die das stille Einverständnis mit der herrschenden Politik in Kriegsfragen signalisiert. Der intene Widerspruch dagegen ist unerwünscht. Doch auch das ist nicht in Stein gemeißelt. Das beste und hoffnungsspendende Beispiel sind die gewerkschaftlichen Vertrauensleute bei Ford in Köln, die ohne Gegenstimmen eine Erklärung verabschiedet haben, in der sie sich offen gegen die Umrüstung der Industriebetriebe auf Rüstungsprodukte aussprechen und vor den Gefahren der hier verfolgten Politik warnen. Es spricht für sich, dass dieser Denkanstoß in einem der großen Produktionsstandorte der Automobilindustrie in den Medien der IG Metall vollständig verschwiegen wird. Die guten gewerkschaftlichen Traditionen sind also noch nicht völlig verschüttet.

Den wirkungsvollsten Widerstand sehen wir bei Hafenarbeitern in Griechenland, Italien oder Belgien, die sich weigern Kriegsgüter zu verschiffen. Auch wenn eine solche Praxis in Deutschland kaum Tradition hat, ist es doch ein anspornendes Beispiel, das uns Hofffnung macht.

Sorgen wir dafür, dass in den betrieblichen Debatten und in der Öffentlichkeit unübersehbar wird, das mit uns keine Kriegstüchtigkeit zu haben ist. Lasst uns das Sand im Getriebe sein.

„Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg! Für den Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit!“ (Schwur von Buchenwald)


Energie für Kuba

Internationalisten wollen Kuba praktisch unterstützen – zwei Projekte aus Deutschland setzen auf Solarkraft

Von JULE MEIER

Politiker, Rapper, Gewerkschafter und Aktivisten: Neue Allianzen wollen Kuba unter dem verschärften US-Embargo praktisch unterstützen. Zwei Projekte setzen auf Solarkraft gegen den Strommangel.

Morgen, Samstag, 21.3. 13 Uhr Cuba-Solidaritätskundgebung:
https://asanb.noblogs.org/?event=um-trump-zu-stoppen-internationale-solidaritaet

»Cuba Sí – Yanqui No!«, lautet ein bekannter Slogan gegen US-Imperialismus aus dem sozialistischen Kuba. Wenngleich der Spruch Fidel Castros über 60 Jahre alt ist, zeigt er seit Anfang des Jahres neue Relevanz. Mit der völkerrechtswidrigen Intervention der USA in Venezuela hat die Trump-Regierung Kubas wichtigsten Energieversorger gekappt. Staaten, die Kuba beliefern, droht er mit hohen Strafzöllen zu belegen. »It may be a friendly takeover. It may not be a friendly takeover« (Es könnte eine freundliche Übernahme sein, es könnte keine freundliche Übernahme sein), sagte der US-Präsident zu seinen Absichten für Kuba Anfang März gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Der »New York Times« zufolge habe Trump angekündigt, den kubanischen Präsidenten Miguel Díaz-Canel zu entmachten.

Bereits vor der verschärften US-Blockade war die wirtschaftliche Situation auf Kuba instabil. Doch nun werden die Ölreserven immer knapper, Stromausfälle mehren sich – zuletzt auf der gesamten Insel über 24 Stunden lang. Das führt nicht nur zu Produktionsausfällen, sondern beeinträchtigt den Zugang zu sauberem Wasser, zur Kühlung von Lebensmitteln und die medizinische Versorgung der Kubaner*innen. Internationale Solidaritätsbewegungen wollen die Insel darum mit Hilfsgütern unterstützen.

Nuestra América Flotilla

Eine dieser Bewegungen ist die Nuestra América Flotilla. »Gemeinsam können wir die Blockade brechen, Leben retten und für das Recht Kubas auf Selbstbestimmung eintreten«, heißt es von dem internationalen Konvoi, der Kuba am Samstag erreichen will.

Auf dem Luft-, Land- und Seeweg reisen unter anderem das irische Rap-Trio Kneecap und der US-amerikanische Streamer Hasan Piker mit dem Konvoi. Unterstützt wird die Initiative unter anderem von der Menschenrechtsaktivistin Greta Thunberg, dem ehemaligen britischen Labour-Vorsitzenden Jeremy Corbyn und der demokratischen US-Kongressabgeordneten Rashida Tlaib. »Progressive International«, eine Organisation, die verschiedene linke Bewegungen weltweit verbinden will, hatte die Nuestra América Flotilla initiiert.

Deutsche Gewerkschafter*innen gründen Initiative

Deutsche Gewerkschafter*innen besuchen einen kubanischen Hersteller für Motorroller. Initiative GewerkschafterInnen für Kuba

Auch deutsche Gewerkschafter*innen solidarisieren sich mit Kuba. »Die Situation Kubas ist seit fünf Jahren die schwierigste, die es seit Bestehen der Revolution erleben muss«, heißt es in einem Gründungsaufruf der »Initiative GewerkschafterInnen für Kuba – Solidarität gewinnt!«. Am Freitag findet um 17 Uhr im DGB-Gewerkschaftshaus in Frankfurt am Main das Gründungstreffen der Gruppe statt. Zu den Initiator*innen gehören acht Gewerkschafter*innen der IG Metall, IG BAU und von Verdi. Über 80 weitere Gewerkschafter*innen haben den Aufruf unterzeichnet.

»Die meisten DGB-Gewerkschaften haben die internationale Solidaritätsarbeit in den vergangenen Jahren stark zurückgefahren und arbeiten international partiell entlang der ›Lieferketten‹ mit verbündeten Gewerkschaften in einigen Ländern zusammen«, erzählt Gewerkschafter Andreas Nolte (IG Metall Hannover) im Gespräch mit »nd«. Mit dem Gewerkschaftszusammenschluss wolle man den internationalistischen Geist wiederbeleben und zugleich kubanische Betriebe und Gewerkschaften durch Solaranlagen praktisch unterstützen. Dafür sammeln die Gewerkschafter*innen mit »InterRed« Spenden. Der Verein hat in den vergangenen Jahren schon Solaranlagen für kubanische Betriebe im Gesundheitssektor organisiert.

Auf Kuba kooperieren die deutschen Gewerkschafter*innen mit Gewerkschaften für Industrie, Transport sowie mit der für die Bau- und Holzindustrie. Insgesamt 15 Gewerkschaften sind im kubanischen Dachverband Central de Trabajadores de Cuba (CTC) vereint. Zusammen mit den Kolleg*innen werde vor Ort entschieden, in welchen Industriebetrieben oder öffentlichen Einrichtungen Solaranlagen verbaut werden sollten. »Betriebe versorgen mit ihrem Strom auch das Wohnumfeld. Doch erst mal braucht es ab sofort Spenden an unseren Kooperationspartner InterRed, um Solarpanels und bestenfalls auch Solarspeicher zu kaufen«, sagt Nolte. Denn wenn es dunkel wird, können Solaranlagen keinen Strom mehr produzieren. »Deshalb werden ganz dringend auch Energiespeicher in Kuba benötigt, die Solarstrom speichern können, damit er auch nachts verfügbar ist.«

Trotz der angespannten politischen Lage planen die deutschen Gewerkschafter*innen einen Besuch der Insel am internationalen Tag der Arbeit, um ihre Solidarität mit den Kubaner*innen zu zeigen. »In Kuba sind die Arbeitsbedingungen vergleichbar gut mit denen bei uns, wenn die Menschen kontinuierlich arbeiten könnten und nicht durch die US-Blockade ständig daran gehindert würden«, so Nolte.

Interbrigadas: Körperliche Arbeit als Solidarität

Der Verein Interbrigadas unterstützt das kubanische Gesundheitswesen mit Solarpanels Interbrigadas

Auch die Kampagne »Krankenhäuser retten Leben – aber nur mit Strom« sammelt Spenden für Solarenergie. Die Gruppen Interbrigadas und der Bloque Latinoamericano haben die Kampagne initiiert. »Derzeit haben viele Krankenhäuser große Schwierigkeiten mit ihrer Energieversorgung. Besonders kritische Bereiche wie Notaufnahme und Intensivstation sind auf eine konstante Stromversorgung angewiesen, damit lebenswichtige medizinische Geräte funktionieren können«, heißt es im Spendenaufruf auf der Plattform Betterplace.

Seit 1969 gibt es internationale Solidaritätsaktivist*innen aus Europa und Lateinamerika, die auf die Insel reisen, um solidarisch körperliche Arbeit zu leisten. Schon damals bezeichnete man die Reisen als »Brigaden«. Der Verein Interbrigadas will seit 2007 »über Grenzen hinweg« Antworten auf soziale Probleme finden, »die selbst mehr denn je global strukturiert sind«.

Seit 2017 finden solche Bildungsreisen vom Verein nach Kuba statt. Nun wolle man die Insel mit Solarpanels akut unterstützen. »Die Panels sollen in Kooperation mit dem Centro ›Martin Luther King‹ auf die Krankenhäuser gebaut werden, was von denen vor Ort koordiniert wird«, sagt ein Sprecher von Interbrigadas zu »nd«. Durch eine enge Zusammenarbeit werde man verfolgen können, auf welche Dächer die Panels kommen. Außerdem kennt die Gruppe die kubanischen Unternehmen, die diese installieren.

Eine nächste »Brigade« wolle man im Oktober 2026 starten. Doch ist das angesichts der ökonomischen und politischen Krise realistisch? »Man kann aktuell nicht wirklich voraussehen, wie sich die Lage entwickeln wird und wie sich Trump entscheiden wird – ob es zu einer Eskalation kommt oder eher zu einem Deal«, so der Sprecher von Interbrigadas. »Sollte es jedoch nicht zu einem Sturz der Regierung kommen, sondern eher zu einer Art Einigung oder Beruhigung der Situation, würde die Brigade in diesem Rahmen stattfinden.« Grundsätzlich bleibe das Land in Bezug auf Kriminalität weiterhin relativ sicher. »Die strukturellen Probleme wie Stromausfälle und Wasserknappheit bestehen weiterhin, aber das kennen wir auch schon von früheren Brigaden. Mit etwas Planung kann man damit umgehen.«

Kulturschaffende und Wissenschaftler*innen machen Druck

Bereits seit 2020 weist die Kampagne »Deutschland mit Europa – Für ein Ende der Blockade gegen Kuba!« auf die Verschlechterung der Lebensbedingungen für Kubaner*innen durch das US-Embargo hin. »Die kubanische Bevölkerung leidet seit 60 Jahren unter dieser längsten Blockade der Geschichte. Die Uno und EU wie auch die Bundesregierung verurteilen sie seit Langem als völkerrechtswidrig, ohne dass dies irgendwelche Konsequenzen hätte«, heißt es in dem Aufruf, den 65 Wissenschaftler*innen und Kulturschaffende unterzeichnet haben.

Ob Personen aus der Öffentlichkeit, Wissenschaft, Politik oder den Gewerkschaften – die Unterstützung für das sozialistische Projekt Kuba zeigt aktuell seine Diversität. Solange die US-Blockade anhält, wird der Druck auf internationale Politik nicht nachlassen. Bestimmt sind sich nicht alle darin einig, wie Kubas Zukunft aussehen soll. Doch darin stimmen alle überein: Diese Entscheidung soll in den Händen der Kubaner*innen selbst liegen – und nicht in denen Washingtons.

Erstveröffentlicht im nd v. 21.3. 2026
Energie für Kuba

Wir danken für das Publikationsrecht.

Die Nahostkriege sind Ausdruck systemisch tiefgreifender Interessenskonflikte zwischen imperialistischen Großmächten. Die Verteidigung der Vorherrschaft der USA führt zu einer Eskalation der Widersprüche und Gewalt – linker Diskurs Nahost

KRIEG, PROPAGANDA UND IMPERIALISTISCHE REALITÄT..

Die strategische Zielrichtung des US Imperialismus im Nahen Osten ist klar:

Erstens geht es um die Zementierung der US Hegemonie in ganz Nahost mit Israel als Kettenhund und Vorposten, Spaltung der Völker und die Zurückdrängung von chinesischem und russischem Einfluß.

Zweitens geht es um die Kontrolle bzw. um den direkten Zugriff auf die weltweite fossile Energieversorgung. Damit reiht sich der Krieg in Nahost ein in das Vorgehen gegen Venezuela.

Die Trump Administration macht Druck und scheut weder Gewalt noch Lügen noch Menschenleben in den angegriffenen Ländern, um diese Zielsetzungen zu erreichen. Angriff ist die einzig übrig gebliebene Option der USA, ihre weltweite Hegemonie zu verteidigen.

Traum und Albtraum stehen eng beieinander!

Auf massive Kritik stößt inzwischen die wenig faktenbasierte, realitätsferne und chaotische Kriegsführung von Trump und seinem direkten Umfeld. Aber die Widersprüche, die diesem Chaos zugrunde liegen, sind systemisch bedingt.

Weltweite Kontrolle über fossile Energien, die sich nicht zuletzt hervorragend als weiteres Erpressungsinstrument eignet. wäre ein Traum für das US Kapital, Wenn aber der Weg dahin Ölfelder in Flammen setzt und Zerstörung zentraler Infrastrukturen bedeutet, die den Wachstumsmotor der Kapitalistischen Weltwirtschaft am Laufen halten, droht dieser Traum ganz schnell zum Albtraum zu werden.

Wenn Israel jetzt im Iran die Anlagen in South Pars – wie angedroht – angreift, wird auch qatarisches Eigentum zerstört, da Qatar an dieser Gasinfrastuktur bis zur Hälfte beteiligt ist.

In einer Schlagzeile hiess es letzte Woche: „Gas- und Ölpreise ziehen kräftig an: Trump droht Iran mit massivem Angriff auf Gasfeld.“ Das droht der US Präsident für den Fall, daß der Iran weiter die Energieinfrastrukturen in den Nachbarländern angreift. Ein irrsinniger Widerspruch: Trump droht mit der Zerstörung von Gas- und Ölanlagen die er eigentlich besitzen und kontrollieren will. Er behauptet, die Infrastrukturen der arabischen Länder schützen zu wollen, hat aber einen Krieg angezettelt, der diese Strukturen bedroht. Noch nie wurde so schlagartig klar, daß US Militärbasen kein Schutz sind, sondern eine Bedrohung.

Last not least schäumen die Europäer hinter vorgehaltener Hand vor Wut, weil dieser Krieg ihre Sanktionen gegen Russland unterläuft. Dieser Krieg spült Putin unmittelbar über erhöhte Energiepreise Geld in die Kassen. Mit jeder weiteren Zerstörung im Nahen Osten wird die Stellung Russlands strategisch gestärkt statt sie zu schwächen. Europa muss gleichzeitig für gallopierende Energiepreise bluten.

Die US Regierung signalisiert, die strategischen Ölreserven der USA anzuzapfen. Das aber ist kein Zeichen von Stärke, sondern ein Eingeständnis von Kontrollverlust. Was die Märkte kurzfristig tatsächlich entspannt, kann – sind diese Reserven durch einen länger anhaltenden Krieg aufgebraucht – erst recht zu Verknappung und Turbulenzen an den Märkten führen.

Meldung 20. März: „Trump erwägt Lockerung der Ölsanktionen gegen Iran – mitten im Krieg!“ Damit nicht China und Russland als Profiteure dastehen, während Amerika kämpft. Die Absurditäten in diesem Krieg werden grenzenlos.Trump hat inzwischen mit seiner „Drohung“ ernst gemacht (https://www.spiegel.de/ausland/iran-news-heute-donald-trump-erwaegt-nach-eigenen-angaben-militaereinsatz-gegen-iran-zurueckzufahren-a-ada3a0c1-bf0d-44a1-a66d-48a23b3223ff))

Ganz im Gegensatz dazu setzen Engländer und Franzosen im Mittelmeer einen Frachter mit russischem Öl fest. Eine Torheit, wenn man bedenkt, dass Öl Knappheit auch die Ernährung der Weltbevölkerung gefährden kann. Öl ist der Rohstoff, um den dringend benötigten Dünger in ausreichender Menge herzustellen. Ohne Öl nicht genug Brot, Weizen und Reis werden unerschwinglich,

Die militärische Situation ist nicht weniger von wirren Gegensätzen geprägt.

Der US Präsident verkündet nach 4 Kriegstagen den Sieg. Sein Kriegsminister erklärt gleichzeitig, der Krieg habe gerade erst begonnen und werde „qualvoll“.

Israel schlägt um sich und verfolgt eine Politik der verbrannten Erde gegen Iran, Libanon, Syrien, Westjordanland, Jemen und GAZA. Je mehr Instabilität bei den Nachbarn, umso wahrscheinlicher die Option für ein Groß-Israel.

Wer aber wie die USA Öl und Gas ausbeuten und als weltweites Kontroll- und Machtmittel einsetzen will, braucht dazu mindestens mittelfristig stabile Verhältnisse.

Kurzfristig ist die militärische Lage relativ klar. Die technisch militärische Überlegenheit der USA und Israels ist eindeutig. Und Israel verfügt über eines der leistungsfähigsten Luftabwehrsysteme der Welt.

Aber der Iran ist ein riesiges Land, seine militärischen Einrichtungen sind dezentralisiert und verstreut. Und reichen die militärischen Abwehrresourcen von USA / Israel am Ende aus, wenn der Iran in den nächsten Wochen unablässig mit Billigdrohnen, aber auch mit seinen moderneren Hyperschall-Raketen, die er bisher weitgehend zurückgehalten hat, zurückschlägt?

Schließlich verfügt der Iran über einen geografisch wirtschaftlichen Hebel, der weit über die militärische Dimension hinausgeht: die Straße von Hormus.

Der Iran muss diese Passage nicht einmal vollständig blockieren, um Wirkung zu erzielen. Bereits die Androhung von Angriffen auf Tanker, Minen oder Drohnenangriffe reicht aus, um Versicherungen zu verteuern, Reedereien abzuschrecken und die Energiemärkte nervös zu machen. Gleichzeitig lässt der Iran gezielt die eigenen Schiffe und die Schiffe „nicht feindlicher“ Nationen wie China und Indien passieren. Der Iran konnte seit Kriegsausbruch seine Öl- und Gaslieferungen beträchtlich steigern. Die Gewinne explodierten geradezu.

Inzwischen vermeldet das „unschlagbare“ Israel ( trotz weitgehender Nachrichtensperrre) immer mehr Opfer:

Am Dienstag hiess es: in den letzten 24 Stunden ( 18. März) sind 177 Verletzte in Krankenhäuser eingeliefert worden. Damit steige die Gesamtzahl der Kriegsverletzten in auf 3.924. Ausserdem sollen über 17 Israeli getötet worden sein.

Die Abstände zwischen Luftalarmen werden zunehmend unerträglich kürzer.

Vernichtung der iranischen Führingselite nicht nur ein Verbrechen, auch ein Bumerang

Ein weiteres Bumerang ist der Versuch zur systematische physische Vernichtung der gegnerischen iranischen Führingselite durch Israel. Die dadurch erfolgte Ausschaltung aller potenziellen Verhandlungspartner bedeutet im Klartext, dass keinerlei diplomatische Lösung beabsichtigt oder mehr möglich ist.

Ein kontrollierter Exit aus dem Krieg wird deutlich erschwert. Wer wie Trump einen schnellen Ausstieg aus dem Krieg und einen Energiedeal will braucht dazu aber Ansprechpartner.

Der US-Präsident sagte erst vor wenigen Tagen, „wir wissen nicht, mit wem wir noch sprechen könnten. Es ist eine sehr verwirrende Situation, die in jede beliebige Richtung führen kann“.

Enthauptung klappt nicht

Immer deutlicher zeigt sich, dass es eine gewaltige Illusion ist, durch Bombardierung und Exekution von Führungspersonal einen Regime-Change durchzuführen.

Erstens verfügt das Regime im Iran über eine oftmals unterschätzte weitverzweigte Massenbasis, mit der es religiös fundamentalistisch und auch kulturell zu legitimiert ist. Iran ist keine personalisierte Diktatur wie Nordkorea, sondern eine funktionierende Theokratie, die eine überlebensfähige Struktur geschaffen hat.

Zweitens ist es hochgradig naiv zu glauben, daß man ein ganzes Volk und sein Land bombardiert und dieses Volk, auch wenn große Teile das Mullahregime hassen, ihre Bombardierer als Befreier begrüßt. Im Gegenteil: der Krieg erweitert die Repressionsmöglichkeiten des Regimes und schränkt die Handlungsspielräume der Opposition ein.

Eine Leserin schreibt:“Trump und Netanjahu haben den Krieg gegen den Iran angefangen! Und jetzt merkt der Typ im Weißen Haus, dass ihm das alles über seinen Karottenkopf wächst, es länger dauern wird, als er dachte. Tja, deshalb fordert er jetzt Unterstützung von der NATO.“

Trump ringt um Unterstützer und nimmt Verbündete in Haft

Trumps Einbindungsversuche der Nato stoßen auf Widerstand. Von Merz gibt es vermeintlich erstmals ein deutliches Nein, Deutschland in die Kriegshandlungen unmittelbar einzubinden.

Die Bundesregierung schloss sich aber gleichzeitig ausdrücklich der US Zielsetzung an: ein atomar bewaffneter Iran, der sich dem westlichen Einfluss entzieht, sei nicht im deutschen Interesse und müsse verhindert werden.

Die arabischen Länder haben keine Wahl. Sie sind Geisel der US Militärbasen auf ihrem Staatsgebiet.

Aber auch von deutschem Boden aus operieren die USA ohne dass die Bundesregierung dagegen einschreitet.

Der Iran bestellte folgerichtig den deutschen Botschafter ein und forderte, dem Beispiel Spaniens zu folgen und den USA zu untersagen, ihre Kriege in Nahost von deutschem Boden aus zu führen. Das Völkerrecht gäbe sonst dem Iran das Recht, sich zu wehren und Deutschland mit seinen Raketen anzugreifen.

Seit 21. März ist klar: "Der Iran hat die 4000 Kilometer unterhalb seiner Küste liegende US-Militärbasis Diego Garcia angegriffen." Mit dieser  Raketenreichweite könnte der Iran  Ziele in Europa und Deutschland - wie zum Beispiel Ramstein oder Berlin - treffen.

US Armee raus aus Deutschland!

Die Kritik an Trump wächst. Sie ist aber weitgehend bürgerlich taktischer Natur!

Joe Kent, Direktor des Nationalen Terrorismusabwehrzentrums, trat am Dienstag den 17. März zurück. Seine Begründung ließ er auf Social Media stehen, knapp und ohne Umschweife: Der Iran habe keine unmittelbare Bedrohung für die Vereinigten Staaten dargestellt. Es sei klar, dass dieser Krieg auf Druck Israels und seiner einflussreichen amerikanischen Lobby begonnen wurde. Er könne ihn nicht guten Gewissens mittragen.

Diese Woche wurde eine Meldung durchgestochen, wonach innerhalb der US Administration der Rücktritt Trumps zur Debatte gestellt worden sein soll. Auch hier wird kritisiert, daß die von Trump und seinem Umfeld vorgebrachten Kriegsgründe durch keinerlei Fakten gestützt würden.

Da muß man schon fragen: Wann in den letzten 100 Jahren war denn jemals ein Staat, den die USA angegriffen haben, eine „unmittelbare Bedrohung“ für die USA? Die USA haben es niemals getan und werden es nienmals tun: ein Land angreifen, um die Interessen der Bevölkerung des angegriffenen Landes zu schützen.

Es kein Trumpphänomen, sondern generelle US Praxis ein Bedrohungszenario aufzubauen, um ihre Aggressionen zur Herstellung von Vorherrschaft bzw. Verfügungsgewalt über die Ressourcen anderer Länder zu rechtfertigen. Das war so der Fall: beim Abwurf der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki, dem erfundenen Tonking Zwischenfall vor Vietnam, bei den nie gefundenen Massenvernichtungswaffen von Saddam Hussein im Irak, den ( in Hollywood gedrehten Aufnahmen) von Babymisshandlungen in Kuwait oder jüngst dem angeblichen Drogenhandel der venezuelanischen Regierung.

Dabei ist es auch egal, ob diese Bedrohung wirklich existiert oder nicht.

Wenn der Besitz von A Bomben ein Grund für einen Angriffskrieg wäre, müsste jederzeit ein Militärschlag gegen die USA und Israel erlaubt sein. Wenn der Aufbau einer Nuklearen Infrastruktur, die zum zukünftigen Bau von der Bombe befähigen könnte, ein berechtigter Kriegsgrund wäre, dann müsste es auch erlaubt sein, die EU, deren Kommissionspräsidentin gerade eine „Renaissance der Kernenergie“ verkündet hat, zum Ziel eines internationalen Präventivkriegs zu machen.

Zeki Gökhan, schrieb am 17.März 2026 eine kritische Analyse zu den angeblichen Rissen innerhalb der US-Administration:

„Der oben zitierte Rücktrittstext – unabhängig davon, ob er authentisch ist oder nicht – verweist auf eine grundlegende Wahrheit der internationalen Politik: Kriege werden nicht im Interesse der Völker geführt, sondern im Interesse von Macht, Kapital und geopolitischer Vorherrschaft.

Die Außenpolitik der USA im Nahen Osten ist kein isoliertes Phänomen, sondern Ausdruck globaler Machtinteressen, wirtschaftlicher Expansion und strategischer Kontrolle – insbesondere über Energiequellen und geopolitische Schlüsselregionen. Staaten wie Iran werden dabei systematisch als „Bedrohung“ konstruiert, um militärische Interventionen zu legitimieren.

1. Konstruktion von „Bedrohungen“ und Kriegslegitimation..

Die zentrale Aussage des Textes – dass Iran keine unmittelbare Bedrohung darstelle – erinnert stark an die Mechanismen, die bereits beim Irakkrieg angewendet wurden. Damals wie heute:

  • wurden Bedrohungsszenarien politisch konstruiert..
  • wurden Medien zur Verstärkung dieser Narrative eingesetzt,
  • wurde die Öffentlichkeit systematisch auf Krieg vorbereitet

Das Ergebnis war verheerend: hunderttausende Tote, zerstörte Gesellschaften und langfristige Destabilisierung ganzer Regionen.

2. Die Rolle des militärisch-industriellen Komplexes..

Kriegsentscheidungen entstehen nicht im luftleeren Raum. In den USA spielen folgende Akteure eine zentrale Rolle:

  • Rüstungsunternehmen
  • Energiekonzerne
  • sicherheitspolitische Institutionen

Dieser sogenannte militärisch-industrielle Komplex hat ein objektives Interesse an der Fortführung von Konflikten. Krieg ist in diesem Kontext kein Ausnahmezustand, sondern ein ökonomisches Geschäftsmodell.

3. Medien, Narrative und Desinformation

Die im Text angesprochene „Desinformationskampagne“ verweist auf ein strukturelles Problem moderner Kriegsführung:

  • die Kontrolle über Wahrnehmung und öffentliche Meinung.

Mediale Mechanismen:

  • erzeugen Angstbilder
  • reduzieren komplexe Konflikte auf einfache Feindbilder
  • delegitimieren kritische Stimmen

So wird ein gesellschaftliches Klima geschaffen, in dem Krieg als „notwendig“ erscheint.

4. Die Klassenfrage des Krieges..

Eine oft verdrängte Realität ist die soziale Dimension von Kriegen:

  • Diejenigen, die kämpfen und sterben, stammen überwiegend aus der Arbeiterklasse
  • Diejenigen, die entscheiden, tragen selten persönliche Konsequenzen
  • Diejenigen, die profitieren, sind wirtschaftliche und politische Eliten☆

Die im Text formulierte Ablehnung, „die nächste Generation in den Krieg zu schicken“, legt genau diese Klassenwidersprüche offen.

5. Imperialismus und geopolitische Hegemonie..

Der Konflikt mit Iran ist nicht isoliert zu betrachten. Er ist Teil eines umfassenderen Machtkampfes um:

  • Ressourcen
  • Einflusszonen
  • globale Dominanz
  • Die militärische Präsenz der USA in der Region dient nicht primär der Sicherheit, sondern der Aufrechterhaltung hegemonialer Kontrolle.☆

FAZIT

Unabhängig von der Authentizität des Schreibens zeigt sich eine strukturelle Wahrheit: Kriege sind keine Verteidigungsmaßnahmen – sie sind Ausdruck eines Systems, das auf Expansion und Kontrolle basiert. Sollten solche Stimmen tatsächlich innerhalb der US-Administration existieren, deuten sie auf:

  • interne Spannungen
  • eine Krise politischer Legitimation
  • wachsenden gesellschaftlichen Widerstand

Doch entscheidend ist: Nicht individuelle Rücktritte, sondern kollektiver Widerstand kann Kriege verhindern.“

Quelle X Beitrag: https://twitter.com/joekent16jan19/status/2033897242986209689%E2%81%A0%EF%BF%BD

Verheddern sich die USA bei ihrer Abwehrschlacht gegen den Verlust ihrer Welthegemonie?
Der Kapitalismus hat sich in ein blutiges Tollhaus verwandelt, dem immer mehr Menschen zum Opfer fallen. Hunderttausende Tote und Verletzte, Hungernde und Vertriebene, Gedemütigte und Vergewaltigte, Gefolterte, Zig Millionen ihrer Lebensgrundlagen beraubt. Zerstörte Umwelt und zerstörte Städte. Völker und Proletarier vereinigt Euch, damit das endet.

Titelbild: Collage Peter Vlatten

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