Über die Entmenschlichung des Krieges – „Gaza“ Doku Naza

Die Gaza-Doku „Naza“ gewann bei der diesjährigen Biennale di Venezia den Spezialpreis der Jury.

Es ist eine Filmdoku, die unseren Blick wieder auf GAZA richtet, die „technologiekalte“ Entmenschlichung moderner Kriegsführung schonungslos aufdeckt und unter die Haut geht.

Der Film hatte bei seiner Premiere eine rund 25-minütige Standing Ovation erhalten. Der minutenlange Beifall im Stehen gilt als neuer Rekord in der Geschichte des weltweit renommierten Filmfestivals.

In „Naza“ berichten israelische Militärvertreter und Geheimdienstler anonym, wie die israelische Armee im Gazastreifen massenhaft palästinensische Zivilisten tötet. 24 Militärangehörige sagen aus.


Der 80-minütige Dokumentarfilm stammt von dem israeschen Regie-Duo Yuval Abraham und Rachel Szor. Das Werk basiert auf dreijährigen verdeckten Interviews mit 24 israelischen Soldaten und Geheimdienstoffizieren. In den Gesprächen schildern die Befragten die internen Prozesse bei der Zielauswahl sowie die Handhabung ziviler Opferquoten bei Luftangriffen im Gaza-Streifen. [1] https://tinyurl.com/n2jyc79r

Der Titel „NAZA“ bezieht sich auf ein hebräisches Militär-Akronym für zivile Begleitschäden. Diese „Begleitschäden“ , die systematische Vernichtung palästinensicher Zivilbevölkerung – so wird in der Dokumentation nachgwiesen – sind aber gezielt gewollt. Quasi in „Naza“ mathematisch errechnet und kalkuliert. KI gestützte Vernichtung ganzer Familien. Die Aufnahmen entstanden im Geheimen überwiegend nachts auf Dächern in Tel Aviv.

Vor der schützenden Kulisse nächtlicher Hausdächer im Zentrum Tel Avivs, optisch und akustisch verfremdet, legen israelische Militärangehörige darüber anonym Zeugnisse ab. Einmal habe Naza 500 betragen, so viele Unschuldige sei der Tod eines bestimmten Hamas-Mitglieds wert gewesen. Als Regel habe sich ein Wert von 20 Naza eingebürgert. Das wäre doch bei mehreren Zehntausend Hamas-Mitgliedern ganz Gaza, folgert Abraham. „Ja, ganz Gaza“ bestätigt der Soldat.

Ein Soldat nennt das Vorgehen einen Genozid, doch auf die Frage, warum er dann mitgemacht habe, antwortet er direkt:„Es war einfach so ein Spaẞ. Alle hatten Spaẞ, es war ein
Adrenalinschub. Es war wie ein Videospiel.“ Es ist einer der Momente, die dieses Memento schwer vorstellbarer Kriegsverbrechen auch für zukünftige Kriege wegweisend machen. [2] … Continue reading

Standing Ovation wie in Venedig wären in Deutschland kaum vorstellbar. Ein solcher Film und ein solches Ereignis wird von den meisten Medien hierzulande am liebsten totgeschwiegen. Oder direkt niedergemacht. Der ehemalige Springer Starjournalist und Herausgeber der Welt Ulf Poschardt erklärt Ereignis und Filmdoku sogar zu Elementen einer existentiellen Bedrohung das Westens:

Wie kaputt die Filmwelt ist – der gesamte Kulturbetrieb. Hamas Propaganda 20 Minuten gefeiert. Die Feinde des Westens überrennen den Westen an den elitärsten Orten. Gibt es keine Gegenwehr gehen wir unter.

Hintergrund dieser Hetze ist, dass Deutschland die in der Filmdokumentation nachgewiesene systematische Ausrottungspolitik Israels gegen die palästinensische Zivilbevölkerung immer noch unterstützt. Deutschland liefert immer noch Waffen, blockiert auf EU Ebene Sanktionen, kooperiert militärisch mit der israelischen Terror-Armee und Rüstungsindustrie. Palästinasolidarische Demonstrat:innen werden von der deutschen Polizei zusammengeknüppelt. Künstler:innen und Wissenschaftler:innen werden in einer Cancelculture mit dem Etikett „antisemitisch“ ausgegrenzt, wenn sie sich mit Palästina solidarisieren. Besonders absurd: Jüd:innen machen gerade einmal 0,20 % der deutschen Bevölkerung aus – und ca. 30 % der im Zusammenhang mit dem deutschen ,,Kampf gegen Antisemitismus“ gecancelten Personen sind jüdisch. Und besonders abscheulich: In der Bundesrepublik ist offenbar nicht jedes „jüdische Leben“ gleich schützenswert. Es hat sich in Deutschland eine fast beispiellose Querfront von den Parteien der Mitte über die AFD bis hin zu einzelnen Führungspersonen in der Linken gebildet, die ihre schützende Hand über die von Rechtsextremen getriebene Politik Israels hält und Kritiker dieser Politik abstraft.

In Stammheim wird 5 jungen palästinasolidarischen Menschen der Prozess gemacht. Sie sind aus Protest gegen den Völkermord in eine israelische Rüstungsfirma eingedrungen und haben dabei leichte Sachbeschädigungen begangen. Behandelt werden diese jungen Menschen wie schwerstkriminelle Mehrfachmörder und Terroristen – während der Gerichtsverhandlung hinter Panzerglas gestellt. Hinter diesem Panzerglas müsste eher Friedrich Merz stehen, der einen Genozid unterstützt und internationales Menschenrecht ignoriert. Das VW Werk in Osnabrück wird von einem israelischen Rüstungskonzern übernommen, damit dort in Zukunft Waffen produziert werden. Es liegt auf der Hand, wohin diese Waffen gehen und wer damit getötet wird!

Der israelische Kulturminister hat dazu aufgerufen, den Dokumentarfilmregisseuren Yuval Abraham und Rachel Szor wegen des Films die israelische Staatsbürgerschaft zu entziehen. Der Minister bezeichnete den Film als „Verrat“.

Der Film ist ein Dokument der allumfassenden Entmenschlichung von Kriegen. Wir werden, wenn der Film in den Kinos gezeigt wird, breit dazu aufrufen. Und „save the date“: am 10. Oktober findet in Berlin die nächste Großdemonsntration GAZA UNITED statt. Verbreitet die Nachricht. GAZA und Palästina dürfen nicht in Vergessenheit geraten!


Titelbild: Collage Peter Vlatten

Parlamentswahlen als Chance und Falle

Titelbild: Bild: Tim Reckmann/ccnull.de/CC BY-2.0

In der Geschichte der Linken wurde oft über die Bedeutung der Wahlen zu den bürgerlichen Parlamenten diskutiert. So gut wie nie ging es um die Frage, ob Wahlen gutzuheißen sind. Und auch nicht, ob die Demokratie eine erstrebenswerte Staatsform ist. Schließlich ist die moderne Demokratie das Produkt des Kampfes der plebeischen Stände (des 3. Standes in der französischen Revolution) und später dann ein unverzichtbares Postulat der Arbeiterbewegung. Auch waren es nicht die bürgerlich Liberalen sondern die verfemten Linksradikalen in der Novemberrevolution, die sie in Deutschland zur Realität werden ließen. Kurzzeitig als Räterepublik und dann auf Dauer als parlamentarische bürgerliche Staatsform. Die Linke ist die einzige politische Strömung, die kein taktisches Verhältnis zur Demokratie haben darf. Bekommt sie ein solches ist, ist auch ihre politische Seele bedroht. Die Ernte fährt dann die Konterrevolution ein. Auch heute ist es unvollstellbar, dass eine sozialistische Transformation Realität werden kann, ohne vorher den Kampf um die Demokratie gewonnen zu haben. Deshalb ist es auch unverzichtbar, dass wir an den parlamentarischen Wahlen teilnehmen, weil über sie die bürgerlich-kapitalistische Gesellschaft ihre politische Legitimität bezieht. Und wenn die herrschende Klasse die demokratische Standards parlamentarischer Wahlen einschränkt, weil sie ihrem Geschäftsinteressen hinderlich werden, sind wir die ersten, die diese Errungenschaft verteidigen, ohne sie als Ende der Geschichte zu akzeptieren.

Am 20. September wird auch in Berlin gewählt und eine neue Stadtregierung wird ihr Amt antreten. Die Risiken einer Kandidatur für konservative Parteien sind dabei deutlich geringer als für Parteien, die mit dem Anspruch werben, fundamentale Veränderungen durchzusetzen. Parteien, die sich als eine Art Anwaltsvertretung der die reale Macht verkörpernden „Wirtschaft“ begreifen und besonders enge Beziehungen zu den Medien haben, die selbst privatwirtschaftliche Unternehmen sind, haben Lautsprecher mit großer Reichweite. Für die Linke sieht es anders aus. Sie kann sich nur auf die Zivilgesellschaft und die hier verfügbaren Ressourcen stützen. Und die Notwendigkeit nach der Wahl mit eher gegnerischen Parteien koalieren zu müssen, kann leicht dazu führen, dass letztlich fremde Konten bedient werden.

Das lässt sich auch gut an den Ergebnissen der Regierungsverantwortung der PDS/Die Linke in Berlin illustrieren. Für ihren ersten Eintritt in die Regierung übernahm die PDS die selbstbeschädigende Aufgabe die Berliner Bankgesellschaft auf Kosten der Steuerzahler:innen für den Schutz der Traumrenditen von Spekulanten zu sanieren. Später macht sie sich bei der Privatisierung der Sozialwohnungen „verdient“. Und führende Köpfe der Partei in der rot-rot-grünen Koalition nutzen ihre Prominenz u.a., um das Lager der Waffenlieferanten an die Ukraine zu stärken oder ein Verbot des Palästinakongresses zu fordern.

Sprich: Es geht bei der Wahl nicht nur darum, ob man an einer Regierung beteiligt sein kann, sondern auch, wie man wieder rauskommt, ohne sich zu bekleckern. Eine Partei, die den Kapitalismus nicht pflegen und stabilisieren sondern ihm die Luft nehmen will, muss wissen, wo die roten Linien liegen, die auch einen Austritt aus der Regierung nicht ausschließen, wenn diese überschritten werden sollen. Gerade das Schicksal der Parteien der sog. bürgerlichen Mitte bei den zurückliegenden Wahlen zeigt, dass es schnell bergab gehen kann, wenn man seinen Ruf verspielt hat.

Die Diskusion über eine erfolgreiche Parlamentsstrategie sollte also intensiver öffentlich geführt werden und nicht in den Hinterzimmern von Parteifunktionären und Abgeordneten verbleiben.

Dieser Vorbemerkung folgen drei Artikel, die einen weiterführenden Beitrag zu dieser Diskussion leisten sollen.

Berlin: Kann Die Linke Regieren?

Die Berliner Wahl und die Chancen für linke Politik


Von ANGELA KLEIN

Titelbild: Jochen Gester

Der kommende Herbst wird geprägt sein von einer Polarisierung: Den Umfragen zufolge wird die AfD aus den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern als stärkste Partei hervorgehen, wenn sie nicht gar die absolute Mehrheit erringt. Die Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus hingegen können Die Linke zur stärksten Partei machen, wobei CDU/SPD/AfD/Grüne/Linke sich in einem Mittelfeld zwischen 16 und 22 Prozent tummeln (Stand: 25.8.); die SPD bildet das Schlusslicht.

Gleichzeitig mobilisieren Gewerkschaften und soziale Bewegungen gegen die schwersten Angriffe von Regierung und Kapital auf die sozialstaatlichen Errungenschaften seit Bestehen der BRD.
Betrachtet man die Geschütze, die rechts und links aufgestellt werden – und potentiell zum Einsatz kommen
–, kann man nicht anders sagen als: Es geht ums Ganze – ob sich die beteiligten Parteien dessen bewusst sind oder nicht. Das heißt, der Ausgang dieses sozialen und politischen Kräftemessens auf vielen verschiedenen Ebenen wird einen nachhaltigen Einfluss auf das künftige Kräfteverhältnis zwischen Kapital und Arbeit haben und auch darüber bestimmen, ob der AfD noch Einhalt geboten werden kann oder nicht.
Die Hoffnungen ruhen natürlich auf einer massiven gesellschaftlichen Mobilisierung gegen die sozialen Zumutungen im Herbst und auf einem Wahlsieg der Linken in Berlin. Gesichert ist dieser längst nicht. Aber angenommen, Die Linke würde tatsächlich stärkste Partei: Was könnte sie real erreichen mit um die 20 Prozent der Wählerstimmen und gegenüber einer Parteienfront, die ihr, offen oder hinterrücks, nur Steine in den Weg legen würde?

Ein Erdrutschsieg sähe anders aus – mit Zohran Mamdani in New York ­City wäre das nicht vergleichbar: Der gewann die Wahl am 4.November 2025 mit 50,7 Prozent der Stimmen und einem Vorsprung vor dem konservativen Andrew Cuomo von 10 Prozentpunkten.

Das Wahlprogramm

Das Wahlprogramm, mit dem Die Linke antritt, ist ansprechend und rund. Es entwickelt die Vision eines klimaresistenten, sozialen Berlin, in dem die wirtschaftlichen Stärken der Stadt – Informations- und Kommunikationstechnik, Digital- und Kreativwirtschaft, Gesundheitswirtschaft, Energie- und Verkehrsindustrie – in den Dienst eines ökologischen Umbaus gestellt werden und die Stadtbevölkerung konsequent in Entscheidungsprozesse eingebunden wird.

Sozial heißt: Vergesellschaftung, Tarifbindung, gute Arbeit, gute Löhne – auch im öffentlichen Dienst –, Entlastung der ärmeren Haushalte. Das Programm wäre unter bestimmten Bedingungen sicher auch im Kapitalismus umsetzbar, aber in seiner Gänze sicher nicht im neoliberalen Kapitalismus und schon gar nicht angesichts der weiteren Umverteilung von unten nach oben, die Regierung und Kapital gerade vorbereiten. Die Partei wird also nicht umhin können, sich auf Machtproben einzustellen und Vorkehrungen zu treffen, wie es sie bestehen kann.

Davon merkt man im Berliner Wahlkampf aber wenig. Das Wahlprogramm hat 333 Seiten – ein Buch. Für wen wurde es geschrieben? Für die eigene Partei, um alle Befindlichkeiten zu bedienen? Auf der Webseite der Linken ist es heruntergedampft auf die Losung: »Berlin bezahlbar machen«. Mit drei Präzisierungen: »Mietabzocke stoppen« (durch Enteignung der Immobilienkonzerne und Mietendeckel); »Preise runter für Bus und Bahn« (9-Euro-Sozial­ticket); »Müllchaos« beenden (kostenlose Sperrmüllabholung). Neue Stadtentwicklung? Klimaresilienz? Ökologische Transformation? Fehlanzeige.

Zu kämpfen haben wird die Partei aber schon auf den ersten Metern, bei der Annahme des Bürgergesetzes zur Enteignung der Immobilienkonzerne (siehe SoZ 7-8/26).

Reale und mögliche Leuchttürme

Da niemand mit der AfD koalieren will, wird es nur zwei realistische Regierungskoalitionen geben (FDP und BSW liegen derzeit bei 3 Prozent): SPD und Grüne wahlweise mit der CDU oder mit der Linken. Der Kandidat der SPD hat bereits signalisiert, dass er für eine Enteignung der Immobilienkonzerne nicht zur Verfügung steht. Wird Die Linke dabei bleiben, dass eine Koalition mit ihr nur in Frage kommt, wenn die Vergesellschaftung durchgesetzt wird? Tut sie das nicht, hat sie ihre politische Zukunft in der Stadt auf Jahre hinaus vergeigt. Umgekehrt kann sie aus dem Mauern der SPD ein starkes Mobilisierungspotential ziehen, das diese in eine innerparteiliche Zerreißprobe treibt.
Ein zweites Leuchtturmprojekt, das in der Stadt einen starken Mobilisierungsfaktor hat, wäre die Verkehrspolitik. Das 9-Euro-Sozialticket adressiert allerdings einen zu eingeschränkten Personenkreis. Tempo 30, gepaart mit autofreien und verkehrsberuhigten Zonen und einem massiven Ausbau des ÖPNV fände die Unterstützung eines großen Teils der Stadtbevölkerung und enthielte ebenfalls einen Mobilisierungsfaktor, weil CDU und AfD dagegen Sturm laufen würden.

Darauf legt es Die Linke offenkundig aber nicht an. Ihre Streitlust hält sich sehr in Grenzen, sie profiliert sich lieber als Kümmererpartei. Im behäbigen Graz mag das Engagement für bezahlbares Wohnen reichen, um stärkste Partei nicht nur zu werden, sondern auch zu bleiben. Im aufmüpfigen Berlin, das jährlich einen erheblichen Zuzug von Menschen im Alter zwischen 25 und 40 Jahren erlebt, damit das zweitjüngste Bundesland in Deutschland ist und das größte Bevölkerungswachstum unter den Städten im deutschsprachigen Raum aufweist, reicht das nicht.
Diese jungen Zugezogenen bilden den Kern der Start-up-Szene. Sie stoßen sich an den Macht- und Selbstbedienungsstrukturen der Alteingesessenen, sie wollen Aufstiegsperspektiven und eine andere politische Kultur. Das ist das Milieu, das Die Linke ansprechen müsste, um Schwung für eine andere Stadtentwicklung zu bekommen. Davon ist wenig zu spüren.

Den ökosozialistischen Umbau nicht verschieben!

Es fehlt der Partei an Biss. Sie scheut die Konfrontation – jedenfalls ist das der Eindruck, den sie bislang vermittelt –, ganz abgesehen davon, dass sie sich mehrheitlich immer noch nicht traut, die deutsche Staatsräson in Frage zu stellen.
Die Fokussierung auf die drei oben genannten sozialen Themen: Wohnen, Sozialticket, Müll, hat etwas Defensives. Als wollte sie sagen: Wir versprechen euch angesichts der Haushaltszwänge möglichst wenig, dann kann man uns nicht vorwerfen, Wahlversprechen gebrochen zu haben.
Zurecht schreibt Die Linke in ihrem Wahlprogramm: »Die Schuldenbremse bleibt ein Hindernis für öffentliche Investitionen.« Und schiebt gleich hinterher, dass ihr wenig einfällt, womit sie sie umgehen kann. Und dass sie dem ausgeglichenen Haushalt verpflichtet bleibt, um den sich die Union so wenig schert:

»Dieser Rahmen kann allerdings auf Landesebene allein nicht gesprengt werden … Wir wollen uns auf den Weg machen, mittelfristig die Einnahmen und Ausgaben wieder in Deckung zu bringen, ohne die Ausgaben insgesamt reduzieren zu müssen … Ausgehend von der Prognose stabil steigender Einnahmen, durch die aktive Akquisition weiterer Einnahmequellen sowie eine Begrenzung des Anstiegs der Ausgaben, kann das strukturelle Haushaltsdefizit mittelfristig aufgelöst werden … Wir wollen … die Kosten für die soziale Infrastruktur und die Transferausgaben berechenbar halten. Dafür wollen wir Kreditspielräume nutzen … und nach dem Vorbild anderer Bundesländer Tilgungszeiträume strecken.«
Die Partei sagt nicht: Wenn die Bundesregierung Geld für Rüstung braucht, schafft sie sich ein Sondervermögen außerhalb des Haushalts. Wenn wir Geld für Soziales und die ökologische Transformation brauchen, werden wir also Sondervermögen des Landes Berlin nutzen.
Am leichtesten mobilisierbar ist das SiWa-Sondervermögen (Sondervermögen Infrastruktur der wachsenden Stadt), das mit vier Milliarden Euro ausgestattet ist. Außerdem kommt das Bundessondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität SVIK infrage – das sind fünf Milliarden verteilt auf zwölf Jahre. Damit lässt sich schon etwas machen.

Von einer linken Partei, die mindestens den neoliberalen Kapitalismus überwinden will, wird erwartet, dass sie nicht nur Schlimmeres abwehrt und ansonsten den Status quo verwaltet, sondern ihre Vision: »Berlin sozial und klimaresilient« offensiv kommuniziert und sich die Mittel verschafft, diese auch umzusetzen.

Siehe auch: „Berlin: Kann die Linke regieren„, „In Zeiten leerer Kassen sind die Möglichkeiten linker Regierungspolitik ­beschränkt„, „Linke Wahlerfolge sind kein Selbstzweck„, „Rouzbeh Taheri: Linken Kandidat in Berlin

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Erstpubliziert in der SoZ 8/2026 : Kann die Linke regieren?

Wir danken für das Publikationsrecht.

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