Gazakrieg stoppen – Menschenleben retten

ProtestKundgebung Berliner Gewerkschafter:innen!

Aufruf der Veranstalter [1]Text Barbara Majd Amin, GEW Berlin, AG Frieden

Wer schweigt, stimmt zu.
Wir Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter schweigen nicht: zum Krieg Israels gegen Gaza nach dem Massaker der Hamas, wir schweigen nicht zu dem unermesslichen Leiden und Sterben der Menschen dort, wir schweigen nicht zu der
ausgebrochenen Hungersnot, weil Hilfslieferungen nicht in dem nötigen Ausmaß in den Gazastreifen gelassen werden. Wir schweigen nicht zur Rolle der Bundesregierung, die durch die Einschränkung der Zahlungen an das UNRWA (UN-Hilfswerk für die Palästinenserinnen) für diese Notlage mit verantwortlich ist. Wir schweigen nicht zu den Waffenlieferungen an Israel, die zur Verlängerung dieses Krieges beitragen. Für uns Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter gehören der Kampf gegen Unterdrückung und Krieg sowie die Kämpfe gegen den Angriff auf fundamentale Lebensgrundlagen zu unseren Grundüberzeugungen. Wir stehen an der Seite aller Opfer von Krieg und Gewalt, an der Seite der vom Bombenhagel getroffenen Bevölkerung im Gaza-Streifen und der seit Monaten festgehaltenen Geiseln und ihrer Familien.


Unsere Solidarität gilt den Kräften in Palästina und Israel, die sich seit Jahren und Jahrzehnten für eine gerechte Lösung des Nahostkonflikts, für die Rechte der Palästinenser, für die Umsetzung der betreffenden UN-Resolutionen einsetzen.

Wir fordern:

  • einen sofortigen Waffenstillstand und das Ende der Blockade des
    Gazastreifens
  • die Wiederaufnahme ausreichender Zahlungen an das UN-Hilfswerk
    durch die Bundesregierung
  • den Stopp aller Waffenlieferungen an Israel
Kundgebung von Berliner Gewerkschaftsmitgliedern
10. April 2024 von 16 bis 17 Uhr, am Platz des 18.März, Lindenrondell / Brandenburger Tor

Unsere aktuellen Beiträge zu diesem Thema :

Veranstalter:  "AG Frieden in der GEW Berlin".  Mitveranstalter: Berliner Gewerkschaftlicher Ratschlag gegen Aufrüstung und Krieg,  Arbeitskreis gegen Deregulierung und Privatisierung,  Forum Gewerkchaftliche Linke Berlin,  Arbeitskreis Internationalismus IG Metall Berlin sowie weitere  Mitglieder und Verantwortliche  von ver.di  und IG Bau Berlin


References

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↑1 Text Barbara Majd Amin, GEW Berlin, AG Frieden

So missbrauchen Nobelpreisträger ihre berufliche Auszeichnung – und blasen zu noch mehr Krieg!

Sie mögen in ihrem Fach – Physik, Chemie, Medizin, was auch immer – Großartiges geleistet haben. Dafür gehört ihnen zweifellos Hochachtung. Aber jetzt haben sie sich zusammengetan und fordern noch mehr Krieg: den totalen Krieg gegen Russland! Und sie zeigen gleichzeitig, wie lausig informiert sie sind.

Unsere ach so aufgeklärten Zeiten, in der öffentlich anerkannte Äußerungen einen Faktencheck zu bestehen haben und das Indivduum in allen seinen persönlichen Besonderheiten besonders respektiert scheint, mausern sich zunehmend als Hochzeit der Reaktion. Dies bezeugt auch die im Folgenden beschriebene Initiative aus der wissenschaftlichen Elite. Der heilsame Aufstand, den die 1968er-Bewegung in diesem Milieu erzeugt hatte, ist lange verblasst. Die akademische Expertise sucht zunehmend wieder den Schulterschuss mit ganz oben und gefällt sich in führender Rolle bei der Einforderung autoritärer Konfliktlösungen. (Jochen Gester)

Von Christian Müller

«Die Ukraine muss gewinnen, nicht bloß ‹nicht verlieren›» «We call on world leaders: To drastically increase assistance to Ukraine. Ukraine must win, not just ‘not lose’.» Das ist in ihrem Öffentlichen Brief «an die führenden Politiker der Welt» ihre erste Forderung! Diese Forderung impliziert klar, dass ja nicht verhandelt werden darf, sondern dass bombardiert und geschossen werden muss, auch wenn der Krieg noch Jahre dauern sollte. Und sie, diese Nobelpreis-Ausgezeichneten, fordern drastisch mehr und schnellere «Hilfe» für die Ukraine, sprich: noch mehr Waffen und noch wirkungsvollere Waffen und vor allem auch viel schneller. Und sie behaupten – es ist nicht zu glauben, aber leider die Realität –, dass dies den Verlust an Menschenleben „verringern“ werde. Wörtlich: «Schnelle Hilfe wird den Verlust von Menschenleben verringern und dazu beitragen, den Aggressor aus dem ukrainischen Gebiet zu vertreiben.» «Timely aid will reduce the loss of human lives and help drive out the aggressor from the Ukrainian soil.»

Es sind 40 Männer und Frauen und die «International Memorial Association», die diesen Aufruf zu noch mehr Krieg unterzeichnet haben. 3 von ihnen haben schon mal den Friedensnobelpreis erhalten, 2 von ihnen den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften, 5 den Nobelpreis für Literatur und 31 den Nobelpreis für Chemie, Physik oder Medizin. Und die meisten stammen, wenig überraschend, aus den USA, und die verliehenen Nobelpreise gehen von 2023 bis zurück ins Jahr 1979. Veröffentlicht ist ihr Aufruf auf der Online-Plattform www.t-invariant.org.

Wenig überraschend ist auch die Argumentation: Die Ukraine muss der Sieger dieses Krieges sein, damit die Demokratie über die Diktatur gewinnt. Hat keiner und keine der Unterzeichnenden je davon gehört, wie im Jahr 2014 – mit massiver Unterstützung, um nicht zu sagen: unter der Leitung der USA – auf dem Kiewer Maidan ein Putsch stattgefunden hat, entgegen allen demokratischen Spielregeln? Hat keiner und keine der Unterzeichnenden davon Kenntnis erhalten, wie der ukrainische Staatspräsident Wolodymyr Selenskyj alle nicht nach seinen eigenen Vorgaben berichtenden Medien in der Ukraine verboten und/oder geschlossen hat und jetzt auch die im März fällig gewesenenen Präsidentschaftswahlen abgesagt hat? (Selbst Andreas Rüesch macht in der NZZ auf diese Missachtung der Demokratie in der Ukraine aufmerksam.) Hat niemand von diesen Nobelpreis-Trägern den Bericht des Europäischen Rechnungshofes vom Herbst 2021 gelesen, aus dem hervorgeht, wie korrupt die ukrainische Gesellschaft funktioniert – notabene auf allen Gesellschaftsstufen? Und glauben diese 41 Nobelpreis-Gekrönte wirklich, dass die Krim zurück an die Ukraine gehen wird? Waren sie mal dort und kennen sie die dortige Stimmung der Bevölkerung gegenüber der Ukraine? Haben sie wirklich noch nie etwas vom Recht der Völker auf Selbstbestimmung gehört? Auch in ihrer mehrfachen Erwähnung von Alexej Nawalny verzichten sie auf die Information von dessen (auf einem Video festgehaltenen!) Aufforderung an die russische Bevölkerung, gegen die unerwünschten Einwanderer aus dem Kaukasus, gegen dieses «Ungeziefer», nicht nur eine Fliegenklatsche zu benützen, sondern die Pistole?

Und jetzt Hunderte von Mitunterzeichnern

Den Aufruf, den Krieg in der Ukraine solange fortzusetzen, bis die Ukraine einen «Sieg» über Russland errungen habe, erschien auf der Plattform «www.t-invariant.org» in den Sprachen Englisch, Russisch, Ukrainisch, Deutsch, Französisch und Spanisch. Und am Ende des öffentlichen Aufrufs kann man diesen mit der Nennung des eigenen Namens und des Berufes zusätzlich unterstützen, was bisher bereits von mehreren hundert sogenannten Wissenschaftlern getan wurde – leider. Darunter auch auffällig viele Deutsche. Offensichtlich ist nicht zuletzt in der sogenannten Elite der westlichen Gesellschaft die Lust auf einen dritten Weltkrieg weit verbreitet. (Siehe die bis jetzt 600 zusätzlichen Unterzeichner auf der englischsprachigen Version. Es lohnt sich, sich diese Namen anzusehen und sie sich zu notieren. Red.)

Wer startet einen ähnlich prominenten Aufruf, doch endlich Verhandlungen aufzunehmen, um mindestens einen Waffenstillstand zu erreichen, statt für nichts und wieder nichts weitere Hunderttausende von Soldaten und weitere Tausende von Zivilisten in den Tod zu schicken?

Erstveröffentlicht auf GlobalBridge v. 29.3. 2024
https://globalbridge.ch/so-missbrauchen-nobelpreistraeger-ihre-berufliche-auszeichnung-und-blasen-zu-noch-mehr-krieg/

Wir danken für das Publikationsrecht.

»Nicht wir brechen das Gesetz«

Der Gewerkschafter Maurizio Gueglio über blockierte Waffenlieferungen im Hafen von Genua

Bild: Katrin Fritsch

Interview: Peter Nowak

Wie ist euer Hafenarbeiter*innenkollektiv entstanden?

Das Collettivo Autonomo Lavoratori Portuali (CALP) ist in seiner jetzigen Form vor rund zehn Jahren entstanden, inspiriert von sozialen Kämpfen auf vielen Kontinenten in dieser Zeit. In der arabischen Welt fegten die Protestbewegungen damals ein Regime nach dem anderen weg, in New York bauten die Aktiven von Occupy Wall Street gerade ihre Camps auf. Mitte Oktober 2011 machten Menschen auf der ganzen Welt ihrem Ärger über die Macht der Banken und die Auswüchse der Finanzmärkte Luft.

Was hatten die Kämpfe in den USA und der arabischen Welt mit Ihnen zu tun?

Es gab damals auch soziale Kämpfe in vielen Ländern Europas, in Griechenland, in Spanien und auch in Italien. So gingen in Rom im Oktober 2011 weit über 100 000 Personen gegen die Sparpläne der Berlusconi-Regierung und den Einfluss Brüssels auf die Straße. Die Demonstration endete mit Wasserwerfern, Tränengas und vielen Verletzten. Auch eine Gruppe Hafenarbeiter*innen war für den Protesttag aus Genua in die Hauptstadt gereist. Diese Erfahrung war sehr inspirierend. Auf der Heimfahrt von Rom nach Genua ist die Idee entstanden, uns als Hafenarbeiter*innen neu zu organisieren, weil wir uns vom größten Gewerkschaftsbund Italiens nicht vertreten fühlten.

Was wollten Sie anders als die großen Gewerkschaften machen?

Uns ist es von Anfang an darum gegangen, den Kampf um bessere Arbeitsbedingungen im Hafen mit anderen Kämpfen zu verbinden. Es ging uns also nie nur um die Sicherung unserer Arbeitsplätze und es ging schon gar nicht darum, unsere Arbeitsplätze zu verteidigen, wenn sie zu Elend und sogar Tod in anderen Teilen der Welt beitragen. Deshalb blockieren wir Waffenlieferungen, beteiligen uns an antifaschistischen Kämpfen und machen auf die Situation Geflüchteter an Europas Grenzen aufmerksam.

Was sagen Sie zu Kolleg*innen, die ihre Arbeitsplätze in der Rüstungs­industrie und im Rüstungstransport verteidigen?

Diese Position lehnen wir entschieden ab. Wir sind Antimilitarist*innen und sehen uns in einer langen Tradition der Antikriegsarbeit der Arbeiter*innenbewegung. Deswegen sind wir gegen die Waffenlieferungen. Es geht darum, für Arbeitsplätze zu kämpfen, in denen für den Frieden und für ökologische und soziale Belange produziert wird. Wir fordern in unseren Flugblättern und Zeitungen, dass Gelder für diese sozialen Belange und nicht für Militär und Rüstung ausgegeben werden.

Gegen wen richtete sich Ihre erste Blockade von Waffenlieferungen?

Wir blockierten 2019 im Hafen von Genua Waffenlieferungen an das autokratische Regime in Saudi-Arabien, die dort für den Krieg im Jemen eingesetzt werden sollten. Dort starben weitgehend unbemerkt von Westeuropa Tausende Menschen in einem Bürgerkrieg, der wesentlich von auswärtigen Mächten wie Saudi-Arabien befeuert wurde.

Es gibt auch Linke, die Waffenlieferungen an die von der russischen Armee angegriffene Ukra­ine als Akt der Solidarität begreifen. Wären Blockaden dieser Waffenlieferungen dann nicht sogar unsolidarisch?

Dem würden wir klar widersprechen. Waffen an die Ukra­ine sind keine Solidarität, sondern tragen nur dazu bei, dass auf beiden Seiten noch mehr Menschen zu Tode kommen. Dazu zählen Zivilist*innen ebenso wie Soldaten, die oft zwangsweise beim Militär sind. Für uns beginnt der Krieg in der Ukraine nicht erst 2022, sondern spätestens 2014. Seit dieser Zeit sind Tausende Menschen im Osten der Ukraine gestorben, auch durch Bomben der ukrainischen Armee. Wir sind aber sehr wohl für Solidarität mit der Ukraine und den ukra­ini­schen Arbeiter*innen. Wir unterstützen sie im Kampf gegen neoliberale und gewerkschaftsfeindliche Gesetze, die die Rechte der Arbeiter*innen weiter einschränken.

Wie reagiert die italienische Gesellschaft auf Ihren Widerstand gegen Waffenlieferungen?

Wir bekommen natürlich viel Unterstützung bei Antimilitarist*innen und Kriegsgegner*innen in Italien. Das ist immer noch ein großer Teil der italienischen Bevölkerung, weit über linke Kreise hinaus. Hinzu kommt, dass es Gesetze in Italien gibt, die den Transport von Waffen über Häfen des Landes verbieten. Nicht wir brechen das Gesetz, wenn wir Waffentransporte blockieren. Das Gesetz wird vielmehr von denen gebrochen, die diese Transporte genehmigen und durchsetzen.

Haben Sie auch Kontakte zu Gewerkschaften in anderen Ländern?

Es gibt Kooperationen mit kleinen kämpferischen Gewerkschaften in Frankreich, Spanien und Griechenland. Dazu gehört die Gewerkschaft PAME (Militante Arbeiterfront, eine der Kommunistischen Partei Griechenlands nahestehende Organisa­tion, Anm. d. Red.), die 2022 Waffenlieferungen an die Ukraine blockiert hat. Wir versuchen, auch in Deutschland Kontakte zu Hafenarbeiter*innen zu bekommen, was aber sehr schwer ist. Das liegt auch an den Gewerkschaften in Deutschland, die keine klare antimilitaristische Postion vertreten.

Wird die Zusammenarbeit nicht durch den Krieg in der Ukra­ine erschwert?

Es gab und gibt viele Probleme, die schon lange vor dem Ukraine-Konflikt begonnen haben. Beispielsweise gab es eine Spaltung im Weltgewerkschaftsbund, in dem wir als Basisgewerkschaft USB Mitglied sind. So sind einige Gewerkschaften aus Bric-Staaten, in denen es eine starke Arbeiter*innenbewegung gibt, aus dem Weltgewerkschaftsbund ausgestiegen. Der Weltgewerkschaftsbund wurde schon in den 90er Jahren erheblich geschwächt, als einflussreiche Gewerkschaften wie die CGT aus Frankreich den internationalen Verband verlassen hatten. Es war die Zeit, als auch viele linke Gewerkschafter*innen nicht mehr an ein Ende des Kapitalismus glaubten. Das hat sich heute in Zeiten von Kriegen und kapitalistischer Krise geändert.

Gibt es Kriminalisierungsversuche gegen Ihre Gewerkschaft?

Ja, im Sommer 2022 gab es Razzien in den Büros italienischer Basisgewerkschaften. Im Zuge dessen wurden vier Gewerkschaftssekretäre zeitweise unter Hausarrest gestellt. Ermittelt wurde wegen der Gründung einer kriminellen Vereinigung. Auslöser für diese Anklage waren Streiks in den Logistikfirmen von Piacenza in den Jahren 2014 bis 2021. Der Staatsanwaltschaft zufolge wurden diese Arbeitskämpfe mit »erpresserischen Absichten« durchgeführt, um bessere Bedingungen für die Arbeiter*innen zu erreichen, als im nationalen Tarifvertrag der großen Gewerkschaften vereinbart war.

Macht Ihnen das nicht Angst?

Nein, das macht mich entschlossener. Wir haben sofort die Kampagne »Streiks sind kein Verbrechen« gestartet. Mittlerweile sind die Verfahren wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung eingestellt. Andere juristische Verfahren, auch gegen mich, laufen noch.


Maurizio Gueglio ist Mitbegründer des Autonomen Komitees der Hafenarbeiter in Genua (CALP). Er hat lange Zeit als Hafenarbeiter gearbeitet und ist mittlerweile Sekretär der linken Basisgewerkschaft USB.

Erstveröffentlicht im nd v. 29.3. 2024
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1181091.hafenarbeiter-in-genua-blockierte-waffenlieferungen-nicht-wir-brechen-das-gesetz.html?sstr=Nicht|wir|brechen

Wir danken für das Publikationsrecht.

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