FOR PALESTINE: CALL-OUT

Monatliche Großdemonstration zur Solidarität mit den Palästinenser:innen

Samstag, 7. Februar, 14 Uhr Berlin Wedding, S+U Gesundbrunnen

Das Sterben in Gaza und die massive Unterdrückung in der Westbank gehen weiter. Die Täter hätten es gern, dass über ihre Verbrechen ein Mantel des Schweigens ausgebreitet wird. Machen wir einen Strich durch dieses Kalkül.

Die Palästina Demo findet zu unserem Bedauern parallel zur Großdemo „Free Iran – weder Schah noch Mullahs“ statt, die mit politischer Signalwirkung auf den Jahrestag des Sturzes der Schahdiktatur gelegt wurde. Auch die Palästinser:innen erinnern an diesem Samstag an die Ereignisse bei Rafah vor 2 Jahren.

Nichts desto trotz: wir werden nicht müde, dazu aufzurufen sich besser abzustimmnen, identitäre Grenzen zu überwinden und möglichst gemeinsam zu kämpfen. Völker vereinigt Euch gegen weltweiten Faschismus, Imperialismus und Krieg. Das würden wir gern auch auf Berlins Straßen sehen. Hier der Aufruf der Veranstalter:innen:

Ehrung palästinensischer Märtyrerinnen-

Rafah wird nicht vergessen werden Wirversammeln uns heute in Berlin, um die palästinensischen Märtyrerinnen zu ehren- jene, die von einem zionistischen kolonialen System ermordet wurden, das auf ethnischer Säuberung, Besatzung, Apartheid und Genozid aufgebaut ist. Fast genau zwei Jahre zuvor, im Februar 2024, führten die Besatzungskräfte des zionistischen Regimes zwei aufeinanderfolgende Massaker an der Zivilbevölkerung in Rafah durch. Wir stehen heute hier, um ihres Mordes zu gedenken. Sie wurden, genau wie Tausende andere, in der gezielten Kampagne des zionistischen Regimes zur Auslöschung des palästinensischen Volkes getötet- des indigenen Volkes des besetzten Landes.

Am 9. Februar 2024 führte die Luftwaffe der zionistischen Entität eine koordinierte Serie von Luftangriffen auf die Stadt Rafah im südlichen Gazastreifen durch. Diese Angriffe wurden gleichzeitig an mehreren Orten in einer Stadt ausgeführt, die zu einer Todesfalle geworden war, nachdem Palästinenserinnen, die vor der Zerstörung des nördlichen Gazastreifens geflohen waren, gewaltsam dorthin vertrieben worden waren. Mehr als 25 Palästinenserinnen wurden bei diesen Angriffen ermordet, ganze Familien wurden in ihren Häusern ausgelöscht

Sechs Mitglieder der Familie Ghnam wurden in einem Haus getötet. Zwölf Mitglieder der Familie al-Zurabi wurden in einem anderen ermordet. Sieben Mitglieder der Familie al-Jarmi wurden gemeinsam getötet.

Dies waren Luftangriffe, die von Kampfjets gegen zivile Wohnhäuser ausgeführt wurden. Dies war eine Massentötung- ein Massaker- belegt durch das Ausmaẞ der zivilen Opfer und die Auslöschung ganzer Familien.

Nur drei Tage später, am 12. Februar 2024, eskalierte das Massaker. Innerhalb von etwa dreiẞig Minuten startete die zionistische Entität erneut mehrere Luftangriffe über ganz Rafah hinweg und zielte auf Wohngebäude, Moscheen, Straẞen und dicht besiedelte Viertel. Mehr als 100 Palästinenser*innen wurden während des Angriffs ermordet, 3 palästinensische Leben wurden pro Minute genommen.

Die Mehrheit der Ermordeten waren Frauen und Kinder. Die meisten Opfer waren Binnenvertriebene, Menschen, die frühere Bombardierungen kaum überlebt hatten, nur um getötet zu werden, während sie Zuflucht suchten. Häuser wurden dem Erdboden gleichgemacht. Moscheen wurden zerstört. Straẞen wurden zu Massengräbern. Sie wurden getötet wegen dessen, wer sie waren – das indigene Volk des besetzten Landes – und weil sie sich weigerten zu kapitulieren, ihre Würde, ihr Land, ihre Zukunft aufzugeben. Ihre Namen müssen erinnert werden, genau wie die Namen aller palästinensischen Märtyrerinnen

Es ist ein Genozid. Und bis heute hat das Töten nicht aufgehört.

Trotz Behauptungen eines Waffenstillstands hat der Genozid niemals geendet. Es sind nun über 120 Tage seit dem sogenannten Waffenstillstand vergangen, und die zionistische Entität hat ihn mehr als 1.300 Mal verletzt. Seit Oktober 2025 wurden mehr als 500 Palästinenserinnen in Gaza ermordet. Humanitäre Hilfe wird eingeschränkt. Wiederaufbau wird blockiert. Hunger wird durchgesetzt. Gaza bleibt unter Belagerung. Die Bedingungen für Leben werden systematisch zerstört.

Palästinenserinnen sterben und leiden weiterhin in provisorischen Unterkünften, die durch Regen und starke Winde zerstört werden. Die zionistische Entität hat Gaza in einen unbewohnbaren Ort verwandelt; die Blockade von Hilfe, Medizin und Wiederaufbaumaẞnahmen bedeutet für viele einen langsamen Tod. Wir weigern uns, die leeren Worte eines sogennanten „,Waffenstillstands“ zu akzeptieren, während Menschen weiterhin getötet werden – durch Bomben und durch gezielte Vernachlässigung. Ein Waffenstillstand ohne Freiheit ist eine Lüge. Ein Waffenstillstand unter Belagerung ist eine Waffe. Ein Waffenstillstand, deres dem Genozid erlaubt weiterzugehen, ist kein Waffenstillstand.

Und lasst uns nicht vergessen, dass Deutschland an diesem Genozid mitschuldig ist. Als politischer Unterstützer und Waffenlieferant der zionistischen Entität ermöglicht Deutschland Genozid im Ausland, während es palästinensische Existenz und Solidarität im eigenen Land kriminalisiert. Doch Palästinenserinnen weigern sich zu verschwinden. Trotz Massaker, Belagerung, Inhaftierung und Exil setzt das palästinensische Volk seinen Widerstand fort. Die Märtyrerinnen von Rafah sind nicht umsonst gefallen. Der Genozid geht weiter, aber auch unser Kampf geht weiter.

Wir sind heute auf der Straẞe, um die Märtyrer*innen zu ehren. Genozid, Besatzung und koloniale Auslöschung für die palästinensische Befreiung.
Wir erinnern heute auch an die Red Ribbon Campaign, einen globalen Aufruf, die Freiheit palästinensischer politischer Gefangener zu fordern und das System von Inhaftierung, Folter und Verschwindenlassen offenzulegen, das eingesetzt wird, um palästinensischen Widerstand zu unterdrücken. Das rote Band wird als Symbol der Solidarität mit Gefangenen getragen, der Weigerung der Kriminalisierung und des Bekenntnisses zum kollektiven Kampf- tragt es, teilt es und macht palästinensische Gefangene unmöglich auszulöschen.

Wir fordern:

  • Ein sofortiges und dauerhaftes Ende des Genozids in Gaza
  • Ein Ende aller Waffenstillstandsverletzungen und fortlaufenden Tötungen
  • ·Die Aufhebung der Belagerung und vollen humanitären Zugang
  • Die Zerschlagung des Apartheid-Systems und der militärischen Besatzung
  • ·Rechenschaftspflicht für alle Täterinnen kolonialer Gewalt ·
  • Ein Ende deutscher Waffenexporte und politischer Komplizenschaft
  • Das bedingungslose Rückkehrrecht für alle Palästinenserinnen

,Free Palestine“ ist kein Slogan. Es ist Loyalität gegenüber den Märtyrer*innen. Es ist die Verantwortung gegenüber den Lebenden. Es ist ein Bekenntnis zur Befreiung.
Wir werden nicht vergessen. Wir werden keinen Genozid unter einem anderen Namen akzeptieren. Wir werden nicht aufhören Widerstand zu leisten, bis Palästina frei ist.

Acht-Stunden-Tag: Wem gehörtdie Zeit?

Nicole Mayer-Ahuja über die Pläne der Bundesregierung, den Acht-Stunden-Tag abzuschaffen

Bild: Proge

»Mit Macht für die Acht!« So wirbt der Deutsche Gewerkschaftsbund für eine Forderung, für die 100 Jahre lang gekämpft wurde: Acht Stunden für Erwerbsarbeit – acht für Schlaf – acht für das, »was man will« (Freizeit, Familie, Engagement). Seit der Novemberrevolution 1918 gilt in Deutschland das Recht auf den Acht-Stunden-Tag. »Die werktägliche Arbeitszeit der Arbeitnehmer darf acht Stunden nicht überschreiten«, heißt es im Arbeitszeitgesetz. Dagegen wird aktuell mobil gemacht.

Laut Koalitionsvertrag soll »die Möglichkeit einer wöchentlichen anstatt einer täglichen Höchstarbeitszeit« geschaffen werden – »auch und gerade im Sinne einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf«. Was würde sich dadurch ändern, mag man fragen. Kann doch die Arbeitszeit schon jetzt auf bis zu zehn Stunden am Tag verlängert werden, wenn nur im Schnitt von sechs Monaten acht Stunden täglich herauskommen. Das Signal ist klar: Bei hohem Arbeitsanfall soll mehr als zehn Stunden rangeklotzt werden. Vereinbarkeit von Erwerbs- und Privatleben? Fehlanzeige.

Die »Pflicht zur elektronischen Erfassung von Arbeitszeiten« soll »unbürokratisch« geregelt, »Vertrauensarbeitszeit« weiter möglich bleiben. Der Europäische Gerichtshof hat 2019 geurteilt, dass jede Minute Arbeitszeit dokumentiert und bezahlt werden muss. Die Umsetzung in deutsches Recht steht aus. Ein Argument der Gegner: Die »ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden« im Arbeitszeitgesetz hindere junge Väter daran, ihr Kind ins Bett zu bringen und sich danach wieder an den Rechner zu setzen. Klartext: Feierabend, Wochenende – alles steht zur Disposition. Wenn Arbeitsstunden nicht erfasst werden, kann kein Betriebsrat ein Veto einlegen, Überstunden werden nicht bezahlt, Zuschläge gibt es nicht. Im Jahr 2024 fielen 1,2 Milliarden Überstunden an, davon 638 Millionen unbezahlt. Eine Entlastung für Eltern? Wohl kaum.

Friedrich Merz’ Forderung, »wir müssen in diesem Land wieder mehr und vor allem effizienter arbeiten«, heißt für Vollzeitbeschäftigte: noch längere Arbeitstage bei noch mehr Leistungsdruck! Wer krank wird, steht unter Blaumachverdacht – daher die Debatten über Karenztage bei der Lohnfortzahlung oder telefonische Krankmeldungen. Dabei sagt die Arbeitsmedizin unzweideutig, dass Arbeitszeiten von mehr als 40 Stunden in der Woche auf Kosten der Gesundheit gehen. Das schafft Leid und kostet Geld.

Zum Thema: Nur die Verwertbarkeit zählt – Claudia Wangerin über das Vorhaben in der Union, das Recht auf Teilzeitarbeit stark einzuschränken

Für Teilzeitbeschäftigte heißt die Botschaft: Arbeitet länger, wenn es Unternehmen und Behörden verlangen. Doch wie, wenn es an staatlicher Kinder- und Altenbetreuung fehlt? Wenn Arbeit in Teilzeit und »Minijob« so verdichtet wurde, dass man sie ganztags nicht durchhält? Die Mittelstandsunion meint, der Rechtsanspruch auf »Lifestyle-Teilzeit« müsse weg. Ein Affront, etwa für Beschäftigte in der Pflege, die Stunden reduzieren, um nicht in die Knie zu gehen – ohne Lohnausgleich, versteht sich.

Wem gehört die Zeit? Bei dieser Frage geht es um Umverteilung von Zeit und Reichtum zwischen Arbeit und Kapital, um Geschlechtergerechtigkeit und Emanzipation, um Gesundheit und Lebenszeit. Die Grenzen des Arbeitstags sind das Maß für die Freiheit von Lohnarbeit. Verteidigen wir sie – jetzt!

Nicole Mayer-Ahuja ist Professorin für die Soziologie von Arbeit, Unternehmen und Wirtschaft an der Universität Göttingen. Sie forscht zu Veränderungen der Arbeitswelt, auch in transnationaler Perspektive. Außerhalb der Wissenschaft ist sie linken Gewerkschafter*innen seit Langem bekannt, eine breite Öffentlichkeit erreichte sie 2021 mit ihrem …

Erstveröffentlicht im nd v. 3.2. 2026
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1197335.arbeitszeit-acht-stunden-tag-wem-gehoertdie-zeit.html

Wir danken für das Publikationsrecht.

Klaus Gietinger: „Tote auf Urlaub“


Kaum ein Autor hat sich so intensiv mit der deutschen Novemberrevolution befasst wie Klaus Gietinger. Ergebnis sind ein halbes Dutzend Bücher, die immer neue Aspekte dieses Jahrhundertereignisses erschließen konnten. Doch in seinem Archiv liegen noch viele Schätze. Ein Teil dieser Dokumente gehen nun in einen Roman ein, dessen Handlungsstränge über 90% belegbar sind. Erdacht sind nur die beiden Hauptpersonen – die ermittelnden Kriminalisten. Der Drehbuchautor hat es verstanden die Geschichte lebendig werden zu lassen.

Der Roman taucht ein ins unruhige Berlin des Jahres 1919, kurz nach der Novemberrevolution, die das Ende des Kaiserreichs brachte. Der konservative Kriminalkommissar Richard Brinkmann und die mit revolutionären Ideen sympathisierende Kriminalassistentin Cläre Reichelt ermitteln in einem der spektakulärsten Doppelmorde der deutschen Geschichte, eben dem Mord an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht.

Obwohl die Militärjustiz, im Auftrag der SPD-Regierung, den Fall behandelt und – was schnell klar wird – vertuscht, deckt Vizekriminaldirektor Bernhard Weiß, der von Antisemiten als „Isidor“ verhöhnt wird, die Recherchen der beiden. Die geraten, je mehr sie herausfinden, mit dabei ist eine heiße Spur ganz nach oben, umso haltloser in den Strudel der aufkommenden Gegenrevolution.

Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht werden am 15. Januar 1919 von reaktionären Militärs erschlagen und erschossen. Zunächst wird verbreitet, die beiden seien erzürnten Bürgern zum Opfer gefallen. Gietingers Roman taucht ein ins unruhige Berlin des Jahres 1919, kurz nach der Novemberrevolution, die das Ende des Kaiserreichs brachte. Obwohl die Militärjustiz selbst im Auftrag der SPD-Regierung den Doppelmord behandelt – und vertuscht, finden die kriminalistischen Ermittler eine heiße Spur nach ganz oben.

Leo Jogiches kam mit seinen Recherchen der Wahrheit sehr nahe, worauf er ermordet wurde. Die Ermittlungen während der Weimarer Republik haben wenig Beweisbares erbracht, und Paul Levi beschäftigte sich mit der Suche nach den Verantwortlichen bis zu seinem mysteriösen Tod 1930. Endgültig konnte der Fall erst in den 60er Jahren nach Aktenfunden von Heinrich Hannover, Elisabeth Hannover-Drück und Dieter Ertel sowie dem Geständnis des Haupttäters, und Gietingers Recherchen in den 90ern aufgeklärt werden.

Am 22.Februar stellt Klaus Gietinger seinen neuesten Roman „Tote auf Urlaub – Berlin 1919“ vor. 

Sonntag, 22. Februar, 18 Uhr im Kiezraum auf dem Dragonerareal, 
Mehringdamm, hinter dem Finanzamt (vom Bio-Supermarkt 150 m nach links)

Veranstalter 
VERLAG DIE BUCHMACHEREi

https://diebuchmacherei.de/de_de/termine/
https://diebuchmacherei.de/de_de/produkt/tote-auf-urlaub/

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