Belt & Road-Initiative Chinas stößt auf Widerstand

Seit weit über 10 Jahren existiert das „Forum Arbeitswelten Deutschland China“. Es setzt sich zum Ziel, das gegenseitige Verständnis der Gesellschaften zu fördern. Vor allem will es direkte Begegnungen anstoßen und legt einen besonderen Schwerpunkt auf Kontakte von abhängig Beschäftigten der beiden Länder. Es organisierte Reisen in die VR China und war Gastgeber für chinesische Delegationen, die zahlreiche Begegnungen mit aktiven Gewerkschafter:innen in Deutschland hatten. Diese Praxis wurde dann durch die Übernahme des Parteivorsitzes der KP durch Xi Jinping deutlich erschwert. Auch nach Hongkong hatte das Forum gute Kontakte, die allerdings durch die jüngste Entwicklung auf der Halbinsel stark eingebrochen sind.

Gegründet wurde das Forum  2008 vom einem Konsortium mit Organisationen aus Hong Kong – Asia Monitor Resources Centre (AMRC) und Globalisation Monitor (GM) – und Deutschland – Asienstiftung, Express, Labournet Germany, Südwind, Transnational Information Exchange Germany (TIE), Werkstatt Ökonomie.

Karsten Weber ist langjähriger Aktivist des Forums und beschäftigt sich in Folgen mit der Entwickung der Belt & Road-Inititative. Wir geben hier die 10. Folge dieses Reports wieder. Die Länderbeispiele dokumentieren sehr deutlich, dass die Expansion des chinesischen Kapitals in die Welt der gleichen Klassenlogik folgt wie die ihrer westlichen Konnkurrenten. Hier einen „Sozialismus“ am Werk zu sehen, spricht entweder für Blindheit oder ist der Versuch eines „Red Washings“.

Über die Ankunft der fernöstlichen Konkurrenz im westlichen Arbeitsmarkt hatte ich 2015 bereits in der SoZ den folgenden Artikel verfasst. Die weitere Geschichte hat diese Einschätzung bestätigt. (Jochen Gester)

https://www.sozonline.de/2015/06/piraeus-das-tor-nach-europa/

July 24, 2022

Von Karsten Weber

Belt & Road 10 – ein weiteres Kapitel über Kämpfe und Leid im Zusammenhang mit der Belt and Road Initiative

Unter der Vielzahl an Konflikten und Kämpfen im Zusammenhang mit den chinesischen Investitionen entlang der Neuen Seidenstraßen, hat die Darstellung der Belt & Road Initiative als globales Entwicklungshilfeprojekt ihre Glaubwürdigkeit verloren.

PERU

Peru erklärt den Notstand für die Wiederaufnahme der Kupferproduktion in der Mine Cuajone

MMG Ltd (1208.HK) teilte am Montag mit, dass ihre Kupfermine Las Bambas in Peru ab dem 20. April den Betrieb einstellen wird, nachdem Bewohner einer nahe gelegenen Gemeinde im Rahmen eines Protestes das Gelände gestürmt hatten.

Las Bambas liefert 2 % des weltweiten Kupferangebots und ist immer wieder Gegenstand von Störungen durch verarmte lokale Gemeinden, die höhere finanzielle Abgaben von der Mine fordern. Anfang dieses Jahres war die Mine aufgrund einer Straßenblockade gezwungen, den Betrieb zu verlangsamen.

MMG erklärte, die Mitglieder der Gemeinde Fuerabamba hätten Las Bambas am 14. April betreten, um gegen die angebliche Nichteinhaltung der sozialen Investitionsverpflichtungen des Unternehmens zu protestieren, was MMG zurückweist. Auch Mitglieder der Gemeinde Huancuire hatten sich den Protesten angeschlossen.

Reuters 18.4.2022

„…Das Unternehmen weist diese Anschuldigungen zurück und ist zutiefst frustriert über die Aktionen der Bevölkerung…“

Ein seit Jahren schwelender Konflikt:

[Das Retortendorf]  Nueva Fuerabamba war das Kernstück einer der großzügigsten Bergbauvereinbarungen, die jemals in Peru ausgehandelt wurden. (…) Viele vermissen ihr altes Leben mit Kartoffelanbau und Viehzucht. (…) Müßiggang und Isolation haben die Lebensgeister eines Volkes besiegt, dessen Vorfahren gefürchtete Viehdiebe waren.

„Es ist, als wären wir in einem Gefängnis gefangen, in einem Käfig, in dem kleine Tiere gehalten werden“, sagte Cipriano Lima, 43, ein ehemaliger Bauer. (…) Einige Dorfbewohner haben Selbstmord begangen. In den 12 Monaten bis Juli haben sich vier Bewohner durch die Einnahme von landwirtschaftlichen Chemikalien umgebracht, so die Staatsanwaltschaft der Provinz.

Reuters 7.12.2017

MMG teilte mit, dass Las Bambas die Kupferproduktion ab dem 20. April nicht mehr fortsetzen kann. (…) Der jüngste Konflikt mit Las Bambas ereignete sich vor dem Hintergrund, dass die Mine Cuajone der Southern Copper Corp. ihren Betrieb seit Ende Februar eingestellt hat, nachdem die Bewohner der umliegenden Gemeinden die Wasserversorgung des Unternehmens lahmgelegt hatten.

Mining 18.4.2022

RUANDA

Ruanda inhaftiert chinesischen Staatsbürger wegen Folterung von Minenarbeitern

Ein chinesischer Staatsangehöriger wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt, weil er in Ruanda einheimische Bergarbeiter misshandelt hatte, nachdem ein Video, das ihn beim Auspeitschen eines an einen Pfosten gefesselten Mannes zeigt, in den sozialen Medien viral ging.

Sun Shujun, der Leiter eines Bergwerks im Westen des Landes, wurde am Dienstag zusammen mit einem Komplizen verurteilt, nachdem er im vergangenen September festgenommen worden war. (…) Ein weiterer Manager des Unternehmens Ali Group Holding Ltd wurde der Unterstützung von Sun für schuldig befunden und zu 12 Jahren Gefängnis verurteilt. Ein dritter Angeklagter wurde für nicht schuldig befunden. (…)

Aljazeera 21.4.2022

MYANMAR

Anti-Putsch-Rebellen bedrohen chinesische Minen in Myanmar

Putschgegner in Myanmar haben am Samstag damit gedroht, von China unterstützte Minen im Nordwesten des Landes anzugreifen, wenn die Projekte nicht geschlossen werden, da die Gewinne in die Taschen der Junta fließen würden. (…)

Das chinesische Unternehmen Wanbao Mining ist eine Partnerschaft mit dem vom Militär kontrollierten Mischkonzern Myanma Economic Holdings eingegangen, um die umstrittenen Kupferminen Letpadaung und Sapetaung-Kyesintaung in der Nähe von Salingyi in der Region Sagaing zu betreiben. In letzter Zeit kam es jedoch aufgrund von Kämpfen, Stromversorgungsproblemen und dem Coronavirus zu Unterbrechungen im Bergbau.

Sechzehn Rebellengruppen gaben am Donnerstag eine gemeinsame Erklärung ab, in der es heißt, dass die Einnahmen aus dem Bergbau die Taschen von hochrangigen Militärs und Kumpanen in Myanmar füllen würden. (…)

Die Rebellengruppen behaupten, dass die von China unterstützten Minen trotz jahrelanger Tätigkeit keinen Nutzen für die lokale Bevölkerung gebracht haben. Ihr Sprecher forderte die Arbeiter auf, sich der Bewegung des zivilen Ungehorsams gegen die Minen anzuschließen und an Streiks teilzunehmen. „Wir haben die Menschen, die für die Unternehmen arbeiten, aufgefordert, ihre Arbeitsplätze bis zum 5. Mai zu verlassen“, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. (…)

NewStraitsTimes 23.4.2022

KONGO

Diese Kinder durchkämmen die Minen in Katanga

Wie viele sind es? Wahrscheinlich sind es Tausende. Diese Minderjährigen graben, waschen, sortieren und transportieren die Mineralien, die den Reichtum von Lualaba und Haut-Katanga ausmachen. Vor aller Augen und oft mit der Komplizenschaft ihrer Eltern, und nicht nur ihrer. Sowohl die Behörden als auch die Bergbauunternehmen verschließen die Augen vor dieser Ausbeutung, obwohl sie verboten ist.

(…) „In Kasulo wird sogar in den Wohnparzellen gegraben“, erklärt Auguste Mutombo von der NGO Alternative Plus. „Das führt dazu, dass fast vier von zehn Kindern im Alter von 5 bis 14 Jahren in diesen Tagebauen arbeiten“. (…)

Ein chinesischer Staatsbürger hat sich mit seiner kleinen Firma namens COMIBAT auf diesem Gelände niedergelassen“, sagt John, ein in Kakanda lebender Grabungsarbeiter. Er hat alle erwachsenen Kleinschürfer vertrieben. Er baut Kupfer mit Kindern ab, weil diese akzeptieren, dass sie weniger Geld bekommen. Dieser ausländische Kupferförderer wird von einem Provinzabgeordneten unterstützt, der der Provinzregierung nahesteht, obwohl der Abbau an einem illegalen Ort und mit Kindern stattfindet “. (…)

Eine Studie von Unicef (Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen) aus dem Jahr 2014 schätzte die Zahl der Kinder in den Minen der Provinzen Lualaba und Haut-Katanga auf 40.000. Genauere Angaben sind heute nicht mehr möglich, da es keine aktuellen Aufzeichnungen über die Minenarbeiter gibt (…)

Die Austrocknung dieser einzigen Einkommensquelle würde zu einer wirtschaftlichen Katastrophe führen. (…)

„Wir müssen Alternativen finden, die sowohl für die Familien als auch für die Kinder machbar sind“, schlägt Jean-Pierre Muteba von der Neuen Gewerkschaftsdynamik (NDS) vor, „denn was uns hier präsentiert wird, ist angesichts der verbleibenden Zeit nicht machbar“. (…)

actualite 3.5.2022

NAMIBIA

Schießen Sie nicht auf ihre Mitarbeiter und zahlen sie keine Bestechungsgelder – so lauten die Empfehlungen der chinesischen Botschaft in Namibia

chinaglobalsouth 4.5.2022

KIRGISIEN

Kirgisische Arbeiter streiken für bessere Bezahlung in chinesischer Mine

Bei den meisten Streiks im Bergbausektor Kirgisistans sind chinesische Unternehmen betroffen.

Ein chinesisches Goldbergbauunternehmen im Süden Kirgisistans hat sich in eine langwierige Auseinandersetzung mit den Arbeitern verwickelt. In der Mitte der dritten Streikwoche scheint keine der beiden Seiten zum Einlenken bereit zu sein.

Die Arbeiter der Ishtamberdi-Goldmine in der Provinz Jalal-Abad legten am 30. April die Werkzeuge nieder, um eine Lohnerhöhung zu fordern. (…)

Der Eigentümer, Full Gold Mining, kaufte Ishtamberdi 2008 von der China Road and Bridge Company. CRBC hatte sich die Konzession als Gegenleistung für den Wiederaufbau einer strategisch wichtigen Straße gesichert, die den Süden Kirgisistans mit dem Grenzübergang Irkeschtam an der Grenze zwischen den beiden Ländern verbindet. (…)

Im Jahr 2014 war Full Gold Mining das Ziel einer Steuerbetrugsuntersuchung. Das Unternehmen räumte seine Schuld ein und zahlte mehr als 1 Million Dollar an den kirgisischen Staatshaushalt zurück. (…)

Im Jahr 2012, nur ein Jahr nach Aufnahme der Arbeit in der Mine, erreichten die streikenden Arbeiter eine Lohnerhöhung von rund 30 Prozent – weniger als die von ihnen geforderten 50 Prozent.

Im Jahr 2018 wurden jedoch fast 400 Arbeiter entlassen, weil sie sich weigerten, überarbeitete Verträge mit niedrigeren Löhnen zu akzeptieren. Diesmal scheint das Unternehmen entschlossen zu sein, so wenig wie möglich nachzugeben.

Eldar Tadschibajew, Vorsitzender der Gewerkschaft der Bergbau- und Hüttenarbeiter Kirgisistans, erklärte gegenüber Eurasianet, dass die Arbeiter eine Lohnerhöhung von 10 Prozent abgelehnt hätten und erneut eine Erhöhung um 50 Prozent anstrebten.

Andere Themen (…) sind die Qualität des Essens vor Ort und Vorwürfe, dass das Unternehmen die Kosten für einige Ausrüstungen von den Gehältern abzieht. Die Arbeiter haben dem Unternehmen auch vorgeworfen, die kirgisische Gesetzgebung zu ignorieren, die Prämien für Höhenarbeit – Ishtamberdi in der Region Jalal-Abad liegt rund 2.200 Meter über dem Meeresspiegel – und gesammelte Berufserfahrung vorsieht.

Die meisten Arbeiter verdienen zwischen 300 und 400 Dollar pro Monat für 12-Stunden-Schichten an 15 Tagen im Monat, sagte Tadschibajew – höher als der nationale Durchschnitt, aber niedrig für die Branche. (…)

eurasianet 18.5.2022

NAMIBIA

Straßenbauarbeiter zur Beendigung des Streiks angehalten

Bauarbeiter eines in chinesischem Besitz befindlichen Unternehmens, die für den Ausbau der Gibeon-Tses-Straße beschäftigt sind und Anfang des Monats ihre Werkzeuge niedergelegt hatten, wurden vom Gericht angewiesen, ihre Arbeit wieder aufzunehmen.

Richter Harald Geier vom Obersten Gerichtshof untersagte am Freitag den Beschäftigten der China Henan International Cooperation Group (Pty) Ltd (Chico), die von der Metal and Allied Namibian Workers Union (MANWU) vertreten und von Michael Amushelelo und der politischen Partei Namibia Economic Freedom Fighters (NEFF) unterstützt werden, die Fortsetzung des Streiks. (…)

Etwa 371 Bauarbeiter legten am 5. Mai ihre Werkzeuge nieder, nachdem ihr Arbeitgeber angeblich nicht auf ihre in der Petition vom April geäußerten Beschwerden eingegangen war.

Die Arbeiter fordern bessere Arbeitsbedingungen wie bessere Löhne, die Bereitstellung von Unterkünften und Trinkwasser im Lager Asab sowie die Umsetzung von Sicherheitsrichtlinien. (…)

Ihm zufolge ist der illegale Streik für das Unternehmen kostspielig, da die Bauarbeiten nicht planmäßig vorankommen. „Der Antragsteller verliert durch den laufenden illegalen Streik täglich 366.666 N$“, sagte Yunke. (…)

Amushelelo, der mit den geschädigten Arbeitern sympathisiert, befindet sich derzeit in Polizeigewahrsam, nachdem er am 13. April bei den Protesten in Chinatown verhaftet worden war. Amushelelo und Dimbulukeni Nauyoma (…) warten heute vor dem Katutura Magistrate’s Court auf die Entscheidung über ihre Kaution. Die beiden wurden zusammen mit sechs weiteren Personen verhaftet, die inzwischen nach einer Verwarnung wieder freigelassen wurden.

AllAfrica 24.5.2022

LAOS

Chinesisches Kautschukunternehmen hält Landwirt in Laos in Gewahrsam, der seine Ernte außerhalb der Provinz verkaufen will

Der Bauer, der keinen Vertrag mit dem Unternehmen über den Verkauf seines Kautschuks hatte, wurde nach dem Einschreiten der Polizei freigelassen.

Mitarbeiter eines chinesischen Kautschukunternehmens im ländlichen Laos haben einen lokalen Kautschukbauern, der seine Ernte zu einem höheren Preis an einen anderen Käufer verkaufen wollte, illegal festgehalten, so Quellen in dem südostasiatischen Land gegenüber RFA.

RFA 10.6.2022

ANGOLA

Zwei Bauarbeiter des Caculo-Cabassa-Staudamms sterben bei der polizeilichen Niederschlagung eines Protestes für bessere Arbeitsbedingungen

„Erneute Demonstration in Kwanza Norte fordert mindestens zwei Tote“

(…) Nach Angaben des Gewerkschaftskomitees für das Staudammprojekt Caculo Cabassa wurden am Donnerstag rund 400 streikende Arbeiter eines chinesischen Unternehmens, des Bauunternehmens für das Projekt, von den Sicherheitskräften niedergeschlagen, wobei drei Menschen starben und fünf verletzt wurden. (…)

Nach Angaben der Polizei, die bestätigte, dass die Proteste stattgefunden hatten, waren die Behörden gezwungen, Gewalt anzuwenden, um zu verhindern, dass das Eigentum des chinesischen Unternehmens und die laufenden Arbeiten von den Arbeitern, die in Zusammenstöße mit den öffentlichen Sicherheitskräften verwickelt waren, zerstört wurden.

Nach Angaben der Polizei dienten die Schüsse auf die Demonstranten dazu, die Gewalt einzudämmen und die Zerstörung von Eigentum zu verhindern, wobei zwei Arbeiter getötet und fünf weitere verletzt wurden. Die Polizei leitete eine Untersuchung ein, um die Ursachen für die Zusammenstöße mit den Streikenden zu ermitteln.

Business Humanrights 15.6.2022

Angola: Streikende Staudamm-Bauarbeiter erhalten besseres Angebot von chinesischem Unternehmen

Die Arbeiter des angolanischen Wasserkraftprojekts Caculo Cabaça und die Leitung des chinesischen Bauunternehmens CGCG haben nach Protesten, bei denen Arbeiter umkamen, einen Kollektivvertrag zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen unterzeichnet.

Macaobusiness 21.6.2021

Verstümmelte Leiche in der Nähe des chinesisch-myanmarischen Kupferprojekts gefunden

(…) Die Leiche eines Mannes, dem Kopf und Arme abgetrennt worden waren, wurde am Sonntag im Dorf Phaungkata (Nord) in der Gemeinde Salingyi in der Nähe der chinesischen Kupfermine Letpadaung in Myanmars nordwestlicher Sagaing-Region gefunden (…).

Die Junta-Kräfte, die das Kupferprojekt bewachen, führten vom 21. bis 24. Juni Razzien in den umliegenden Dörfern Moe Gyo Pyin (Nord), Zee Taw, Sal Tel und Phaungkata (Nord) durch. Der Mann wurde am 24. Juni vermisst, als die Junta-Kräfte sein Dorf in Brand setzten (…).

Der Sprecher des Militärrats sagte auf Anfrage von RFA, die Junta müsse die Kupfermine schützen, da es sich um eine ausländische Investition handele. (…)

RFA 28.6.2022

ALGERIEN

„Belt & Road“ werden zu Eisenkugel und Kette für chinesische Bauarbeiter

Niedrige Löhne, schlechte Verpflegung und beschlagnahmte Pässe lassen die Arbeiter in Algerien in der Luft hängen.

Sie meldeten sich auf Jobmessen, um als Zimmerleute, Maurer, Klempner und Maler in einem Wohnbauprojekt im nordafrikanischen Algerien zu arbeiten. Man versprach ihnen Hin- und Rückflug, Unterkunft und Verpflegung sowie bessere Löhne, als sie in China verdient hätten. Sie dachten, es sei eine sichere Sache, für Unternehmen zu arbeiten, die für Chinas Vorzeigeprojekt Belt and Road Initiative (BRI) tätig sind.

Als die Wanderarbeiter aus (…) ärmeren Provinzen im Landesinneren – im Land ankamen, fanden sie sich jedoch bald in Hütten ohne Klimaanlage in der Wüstenhitze wieder und sahen sich einem Alptraum aus einbehaltenen Löhnen, mysteriösen Zusatzgebühren, beschlagnahmten Pässen und miserablem Essen gegenüber. Viele sind in Algerien gefangen.

Chinesische Anwälte für Arbeitsrecht sagen, dass ihre Behandlung (…) Menschenhandel im Sinne der von China unterzeichneten internationalen Konventionen darstellt. Die BRI gilt als das Aushängeschild der internationalen Politik des chinesischen Präsidenten Xi Jinping. (…)

„Schweinefutter“ und heiße Schuppen

Arbeiter B sagte, dass es eines Streiks der Arbeiter im September 2021 bedurfte, um das Unternehmen dazu zu bringen, die 70 Prozent zu zahlen, die ihnen Mitte des Jahres zustanden.

„Um es ganz offen zu sagen: Das Essen war schlimmer als das, was man Schweinen gibt. Manchmal war das Essen einfach ungenießbar“, sagte Arbeiter B. (…)

Erschwerend kam hinzu, dass die Arbeiter „in normalen Schuppen leben mussten, ohne Klimaanlage, egal wie heiß es war“, so Arbeiter A. (…)

„Die Botschaft hat ihnen mehrmals geholfen, mit dem Unternehmen zu verhandeln, aber die Botschaft hat keine Macht über das Unternehmen, um die Vereinbarungen durchzusetzen, so dass wir das Unternehmen nicht zwingen können, zu zahlen“, sagte der Botschaftsmitarbeiter (…).

Für die Arbeiter, die pleite und ohne Flugtickets und Pässe in Algerien festsitzen, verblassen die rechtlichen und internationalen Probleme jedoch hinter den persönlichen Kosten durch ihren Schwebezustand, wie die Hochzeiten ihrer Kinder oder die Beerdigungen ihrer Eltern zu verpassen.

„Es sind schon mehr als zwei Jahre, zweieinhalb Jahre. Ich weiß nicht, wann ich zurückkehren kann. Ich habe den Vertrag erfüllt, aber es ist zu einer lebenslangen Haftstrafe geworden“, sagte Arbeiter B.

RFA 16.7.2022

KONGO

China beutet 40.000 Kinderarbeiter in Kobaltminen im Kongo aus

(…) China ist der wichtigste ausländische Akteur in der Bergbauindustrie der Demokratische Republik Kongo. Im Jahr 2019 importierte China 83 Prozent seines Kobalts und 9 Prozent seines raffinierten Kupfers und seiner Kupferlegierungen aus der Demokratischen Republik Kongo, und chinesische Unternehmen kontrollieren Berichten zufolge die Mehrheit der Kupfer- und Kobaltbergbauprojekte und -produktion in der DRK (…).

Die Demokratische Republik Kongo produziert mehr als 70 Prozent des weltweiten Kobalts, von dem 15 bis 30 Prozent in handwerklichen Minen gewonnen werden. Diese Kleinbetriebe sind seit Jahren für Menschenrechtsverletzungen berüchtigt. (…)

Der kongolesische Bürgerrechtsanwalt Herve Diakiese Kyungu sagte bei der Anhörung aus, dass Kinder aufgrund ihrer geringen Größe verschleppt und ausgebeutet werden. Die handwerklichen Minen „sind oft nicht mehr als schmale, in den Boden gegrabene Schächte, weshalb Kinder rekrutiert – und in vielen Fällen gezwungen – werden, in diese hinabzusteigen, nur mit ihren Händen oder rudimentären Werkzeugen, ohne jegliche Schutzausrüstung, um Kobalt und andere Mineralien zu gewinnen“, sagte er. (…) „Sie werden nicht bezahlt und ausgebeutet, und die Arbeit ist oft tödlich, da die Kinder in kleine, in die Erde gegrabene Löcher kriechen müssen“, sagte Kyungu aus.

Chinesische Vertreter seien keine passiven Investoren, sondern seien vor Ort und überwachten die Arbeiten, sagte er. Er beschrieb einen Vorfall, bei dem „zwei Personen, die als chinesische Staatsbürger identifiziert wurden, … zwei kongolesische Militäroffiziere angewiesen haben, zwei Kongolesen, die auf ihrem Gelände angetroffen wurden, zu verprügeln“. Die Auspeitschung, die auf Video festgehalten und im Internet verbreitet wurde, zeige die Zusammenarbeit zwischen chinesischen Unternehmen und DCR-Regierungsbeamten, sagte er. (…)

„Sie arbeiten sieben Tage die Woche und mehr als 12 Stunden am Tag“, sagte er. Mit Werkzeugen wie Hämmern, Meißeln und Spaten seien ihre Arbeitsbedingungen mit denen der Sklaverei vergleichbar, sagte er. (…)

ANI News 18.7.2022

Quelle: Arbeitswelten Deutschland China
https://www.forumarbeitswelten.de/


Wir danken für die Abdruckerlaubnis.

Genug ist genug – Protest vor der Bundegeschäftsstelle der Grünen!

Der Knoten platzt. Endlich. Heute 5. September 2022 in Berlin. Am Tag des sogeannten „Entlastungspaketes der Ampel“.

Linke, Sozial-, Umwelt-, Friedensbewegungen und Antifaschisten Berlins protestieren vor der Bundesgeschäftsstelle der Grünen. Genug ist genug! Es sind viermal soviel gekommen als die Veranstalter angemeldet haben und dreimal soviel wie das letzte Mal vor der FDP Zentrale. Trotz der kurzfristigen Mobilisierung. Das lässt hoffen für die weiteren Proteste.

Hier ein Blitzreport, um allen gezielten Diffamierungen von Anfang an entgegenzutreten: Diese Versammlung hätte nicht demokratischer, nicht antifaschistischer, nicht antirassistischer und nicht internationalistischer sein können. Und Antimilitarismus gehört untrennbar dazu. Es ist mir nicht ein einziger unter den vielen Teilnehmern aufgefallen, der ein anderes Land „niederringen oder ruinieren“ , eine Volksgruppe ausgrenzen, verhetzen oder einen „Krieg bis zum Endsieg“ führen will. Und was mich besonders gefreut hat. Viele mir bekannte Gesichter aus den Gewerkschaften habe ich getroffen. Das passt zu einzelnen Rückmeldungen aus den Betrieben, die ich bekommen habe. Immer mehr Kollegen fühlen sich durch den Sanktionskrieg regelrecht hinters Licht geführt. Im Zeichen der „Zeitenwende“ stellt sich verschärft die soziale Frage.

Hinter den vielen Nebelkerzen ziehen sich zwei Dinge durch : Absicherung der Gewinne und Zuschustern regerechter Extraprofite für wichtige Kapitalfraktionen und der Ausbau einer sogenannten westlichen Hegemonie. Für diese wird notfalls eine Atomkatastrophe riskiert und der notwendige weltweit gemeinsame Kampf gegen den Klimawandel geopfert. Die Botschaft auf dieser Kundgebung lautet dazu : Wir lassen uns nicht vor diesen Karren spannen ! Wir lassen uns nicht für eine internationale Konfrontations- und gesellschaftliche Spaltungspolitik instrumentalisieren! Wir schuften und frieren nicht für Eure Profite, schon gar nicht zahlen wir für Eure Krisen und Kriege. Die rote Karte heute den grünen Scharfmachern. Lindner verweigert die Besteuerung von Übergewinnen in der Krise. Habeck bastelt Gesetze (ein Gewinn- und Kapitalerhaltungs Perpetuum Mobile), dass es immer mehr Übergewinne für Krisengewinnler gibt, für die wir alle zur Kasse gezwungen werden. Nein Danke. Auf die Preissteigerungen kann es für die Arbeitenden nur eine Antwort geben: Löhne rauf – sockelwirksam- bis zum Inflatiosnausgleich. Wer kämpft, kann gewinnen. Das haben das Bodenpersonal der Lufthansa oder auch die Hafenarbeiter eindrucksvoll bewiesen. Am 10. September diese Woche startet die Trarifrunde in der Metallindustrie. Die IGM fordert 8 Prozent . Das ist mäßig angesichts von bald 9 Prozent Inflation. Die Unternehmer haben die Unverfrorenheit, eine Nullrunde zu fordern. Ohne zu kämpfen, wird es also nur Almosen geben. Da kann es nur eine eindeutige Antwort geben.

Wir sehen uns wieder beim nächsten Mal.


Hier ein Portofolio von Bildern, die die Kundgebung dokumentieren:


Videobeitrag

00:00:00 Genug ist genug – Protestieren statt frieren! Redeausschnitte von der Protestkundgebung vor der Bundesgeschäftsstelle von Bündnis 90/Die Grünen, 05.09.2022
00:00:42 Nastja Liedtke Bewegung Aufstehen ;
00:03:35 Uwe Hiksch, Naturfreunde Deutschland;
00:13:09 Ferat Koçak, DIE LINKE, Mitglied im Abgeordnetenhaus von Berlin;
00:20:16 Sevim Dagdelen, Die LINKE, Bundestagsabgeordnete;
00:30:35 Michael Prütz, Berliner Aktivist;
00:35:06 Angelika Teweleit, VKG – Vernetzung für kämpferische Gewerkschaften;
00:45:17 Markus Staiger, Journalist und Aktivist ;
00:51:04 Harry Grünberg, Bewegung Aufstehen;
01:01:31 Verabschiedung

Kamera und Bearbeitung: Ingo Müller: rec: ingmue1957, 05.09.2022

Zur Transformation in der Automobilindustrie

Klima in den Gewerkschaften, Arbeit in der Umweltbewegung
von Carsten Büchling

«Das Geschäftsmodell der Automobilindustrie, jedes Jahr 70 bis 80 Millionen neue Autos in den Weltmarkt zu pumpen, ist nicht mehr zeitgemäß. Mit einem Bestand von 1,4 Milliarden Autos weltweit ist die Grenze des Aushaltbaren für Mensch und Natur sehr wahrscheinlich erreicht.»*

Was meine Betriebsratskollegen Carsten Bätzold und Christian Wetekam – jeweils Vorsitzender und stellvertretender Vorsitzender des Betriebsrats im VW-Werk Kassel mit fast 17000 Beschäftigten – sehr deutlich formulieren, wird von Bernd Riexinger folgendermaßen zusammengefasst:

«Der Autoverkehr ist eine Hauptursache dafür, dass Deutschland die Klimaziele verpasst. Um das Klima zu retten, müssen wir die CO2-Emissionen, Energie-, Rohstoff- und Flächenverbrauch im Verkehrssektor radikal senken. Die Autokonzerne und die Bundesregierung blockieren jedoch den notwendigen Ausbau von Bus, Bahn und zukunftsfähigen Mobilitätskonzepten. Es ist an der Zeit für ein grundsätzliches Umsteuern, für eine sozial-ökologische Mobilitätswende! Wir wollen Mobilität unabhängiger vom Auto machen – umweltfreundliche und CO2-neutrale, für alle bezahlbare und gut erreichbare Alternativen in öffentlichem Eigentum.»
Unbestritten steigt der Umsetzungsdruck aus ökologischer Sicht für eine wirksame sozial-ökologische und demokratische Transformation – insbesondere in der Automobilindustrie. Zwar wurden bisher in einigen Regionen gemäß den Forderungen der IG Metall und des DGB Transformationsräte gebildet, jedoch sind den Gewerkschaften in diesen Institutionen überwiegend Beratungsrechte gemeinsam mit den Unternehmensverbänden, den IHKs und der Politik eingeräumt. Ein Mittel zur Durchsetzung von Vorstellungen, wie sie bspw. Klaus Dörre formuliert, fehlt.

Sein Konzept für Nachhaltigkeitsräte ist weitreichender: «Bildung, Gesundheit, Mobilität, Energieversorgung und Zugang zum Internet müssten als öffentliche Güter für alle verfügbar sein. Dies zu gewährleisten, könnte die Aufgabe lokaler und regionaler Nachhaltigkeitsräte sein, die demokratische Verfahren institutionell erweitern. Solche Räte dürfen sich nicht allein aus den Repräsentanten von Arbeit, Kapital und Staat zusammensetzen. Um korporative Verkrustungen zu durchbrechen, wäre es ihre Aufgabe, auch Graswurzelbewegungen, Umweltverbände, Frauenorganisationen, Stadtteilinitiativen, Menschenrechtsgruppen, NGOs und ähnliche zivilgesellschaftliche Gruppen, aber auch Expert:innen aus der Wissenschaft an grundlegenden politischen Weichenstellungen zu beteiligen.

Nachhaltigkeitsräte hätten dazu beizutragen, Transparenz bei den regionalen Lebensbedingungen herzustellen und Investitionsentscheidungen anhand von Nachhaltigkeitskriterien zu überprüfen. Eine Verankerung von Nachhaltigkeitszielen im Grundgesetz, aber auch in Tarifverträgen und Betriebsverfassung könnte ihre Wirkmächtigkeit zusätzlich erhöhen.»

Historische Vorbilder und ihre Grenzen

Diese Überlegungen sind eingebettet in die Idee der Demokratisierung der Wirtschaft. Neu ist das alles nicht! Ein kurzer Blick zurück: Wegweisend für die spätere Ausgestaltung der betrieblichen Mitbestimmung war die Konstruktion aus der Weimarer Reichsverfassung von 1919. Sie sah eine umfassende Beteiligung der Arbeiter:innen und Angestellten im Sinne einer Wirtschaftsdemokratie vor. Nach Wirtschaftsgebieten gegliedert, sollten Bezirksarbeiterräte gebildet werden. Auf der Ebene des Zentralstaats sollte der Reichsarbeiterrat im Zusammenwirken mit den Vertretungen der Unternehmen den Reichswirtschaftsrat bilden.

Dieses Modell einer Wirtschafts- und Rätedemokratie wurde jedoch nicht umgesetzt. Verabschiedet wurden lediglich 1920 das Betriebsrätegesetz sowie 1922 das Gesetz über die Entsendung von Betriebsratsmitgliedern in den Aufsichtsrat. Die Befugnisse der Betriebsräte beschränkten sich im wesentlichen auf Unterrichtungs- und Anhörungsrechte. Forderungen des DGB zur Demokratisierung der Wirtschaft durch Mitbestimmung in allen wirtschaftlich maßgeblichen Entscheidungen konnten nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland trotz Streikmaßnahmen nicht durchgesetzt werden.

Die Gewerkschaften müssen aus aktuellen Erfordernissen heraus stärker auf gesellschaftspolitische Veränderungen drängen. Die Automobilkonzerne werden von ihrer aktuellen Strategie, möglichst viele profitable SUVs mit Hybrid- oder Elektroantrieb zu verkaufen, nicht abrücken.

Da die Entscheidungen der Eigentümer:innen – durchgesetzt in den Vorständen und Managementebenen – bei der aktuellen Rechtslage kaum beeinflussbar sind, ist eine Neubelebung der Diskussion über die wichtige Frage dringend notwendig: «Wer entscheidet, was produziert wird?» Da die Entscheidungen der Eigentümer:innen gesellschaftliche relevante Auswirkungen haben, liegt die Forderung auf der Hand: In der Diskussion über die Demokratisierung der Wirtschaft muss die Eigentumsfrage neu gestellt werden!
Offen ausgesprochen werden muss dabei: Sowohl kapitalistisches Privateigentum an Produktionsmitteln als auch sozialistisches Staatseigentum haben sich gleichermaßen als untauglich erwiesen, die großen gesellschaftlichen Herausforderungen zu bewältigen. Wir brauchen neue kollektive Eigentumsformen, die Beschäftigte zu Miteigentümer:innen machen. Dazu könnten große Unternehmen in Mitarbeiter:innengesellschaften verwandelt werden. Gelenkt werden müssten diese von einem demokratisch legitimierten Kollektiv, in das auch Verbraucherorganisationen, NGOs und Umweltverbände einbezogen werden.

Wie gelingt eine stärkere Debatte über die Demokratisierung der Wirtschaft?

Aus den jüngsten Betriebsratswahlen gehen die Gewerkschaften insgesamt gestärkt hervor. Bei Volkswagen in Kassel haben sich die Kolle­gin­nen und Kollegen zu 92,4 Prozent für die Liste der IG Metall entschieden. Ähnliche Ergebnisse gibt es an anderen Automobilstandorten. Jetzt muss die begonnene Diskussion über die Transformation der Automobilindustrie forciert werden.

Wir haben bei Volkswagen mit Unterstützung der Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) gute Erfahrungen zu verzeichnen: Nach der Konferenz «Spurwechsel – Gerechte Mobilität und alternative Produktion» vom Oktober 2020 fand auf Initiative der daran beteiligen VW-Betriebsratsmitglieder die Online-Tagung «Umbruch der Autoindustrie und Perspektiven alternativer Produktion» speziell für gewerkschaftlich Aktive bei Volkswagen statt.

Neben anderen Vortragenden gelang es den Veranstalter:innen der RLS den damals noch im Amt aktiven Konzernbetriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh sowie Bernd Riexinger zu gewinnen. Die rund 30 teilnehmenden IG-Metall-Funktionäre bei VW (überwiegend BR-Mitglieder) aus sechs Standorten bewerteten die Veranstaltung als durchweg positiv und äußerten die Bereitschaft zur Teilnahme an weiteren Austauschterminen.

Vor wenigen Tagen hatte die IG-Metall-Fraktion bei Volkswagen in Kassel – ein Zusammenschluss der IG-Metall-Mitglieder aus den Gremien Betriebsrat, Jugendauszubildendenvertretung und Schwerbehindertenvertretung sowie aus der IG-Metall-Vertrauenskörperleitung – Bernd Riexinger zum Austausch über seine Thesen zum «linken Green New Deal» zu Gast. Hierbei wurde u.a. auch über Enteignungsmöglichkeiten gemäß Grundgesetz diskutiert.
Fazit: Unsere aktiven Gewerkschafter:innen ducken sich nicht weg vor der Verantwortung, die wichtigen gesellschaftlichen Fragen auch im Betrieb zu diskutieren. Sie brauchen aber mehr Impulse und Möglichkeiten hierzu.

Deshalb benötigen wir eine Kampagne zur Diskussion und Vernetzung beim Thema «Transformation/Mobilitätswende». Wir müssen darauf achten, dass die berechtigten Interessen an Arbeitsplatzsicherheit und am Aufbau von künftigen Arbeitsplätzen mit tarifvertraglichen Standards nicht gegen die Ökologiefrage ausgespielt werden.

Dazu helfen Veranstaltungen, wie sie bspw. am 15.September 2022 in Wolfsburg auf Initiative der RLS in Kooperation mit DGB und IG Metall stattfinden: «Wolfsburger Dialog – wie gelingt eine sozial-ökologische Transformation?»
Entscheidende Schritte für ein Gelingen der Transformation bleiben aus meiner Sicht: Climate Turn in den Gewerkschaften und Labour Turn in den ökologischen Bewegungen!

Der Autor ist Mitglied des Betriebsrats bei VW in Kassel, Vorsitzender der IG-Metall-Fraktion und Mitglied im Gewerkschaftsrat beim Vorstand der Partei Die LINKE.

*Carsten Bätzold, Christian Wetekam: Ein toter Planet hat keine Jobs. In: Solidarisch in die Offensive. Hrsg. Jörg Köhlinger. Hamburg 2022. S.23.

Erschienen in „SoZ“ (Sozialistische Zeitung) 7/8. 2022
Wir danken dem Autor und der SoZ-Redaktion für das Abdruckrecht für diesen Beitrag.

https://www.sozonline.de/

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