Ostern im Fadenkreuz von Kriegen, Protesten und Fake News

Zeit online [1]https://www.zeit.de/gesellschaft/2024-04/ostern-ostermarsch-friedensbewegung zieht Bilanz: „Den diesjährigen Ostermärschen haben sich 10.000 Menschen angeschlossen. Die Regierung kontert mit Blick auf die Ukraine, Frieden ohne Freiheit bedeute Unterdrückung“.

Die Infostelle Ostermarsch des Netzwerk Friedenskooperation sieht die Friedensbewegung gestärkt . Bundesweit habe es über 120 Märsche und Veranstaltungen gegeben, die Abschaffung von Atomwaffen, Waffenstillstand, Deeskalation von Konflikten durch Diplomatie statt Waffenlieferungen sowie Abrüstung statt Aufrüstung forderten.

Kleine Doku Hamburger Ostermarsch, Friedenskanal Hamburg

In einigen grossen Städten zählten die Veranstalter deutlich gestiegene Teilnehmerzahlen: in Berlin mehr als 5000 (laut Polizei 3500), in Hamburg wurden zwischen 3000 und 4000 (laut Polzei 2000) genannt, in Stuttgart 3000 (laut Polizei 1500) und in München 1800 (laut Polizei 850). Daneben gab es breit über das Land verstreut einen vielfältigen Protest mit überzeugenden Reden und Darstellungen. Und (siehe Bilder) auch etliche gewerkschaftliche Formationen darunter. In einzelnen Städten wie zum Beispiel ver.di in Hamburg wurden die Aktionen auch von Landesverantwortlichen von Einzelgewerkschaften voll mitgetragen. Und es ist ein offenes Geheimnis, spätestens seit entsprechenden Erhebungen der UNI Leipzig. Wer zählen und rechnen kann, wird nicht Polizist.

Im Vorfeld schrieben wir: „Für Friedensaktivisten und Linke gilt, endlich gemeinsam eine breite Bewegung gegen Krieg, und Aufrüstung – auf wesentliche Kernforderungen konzentriert – aufzubauen. Die Gretchenfrage dabei ist: Waffenstillstand und Friedensverhandlungen (…) Nur so lässt sich die Eskalationslogik des Krieges durchbrechen! Ohne Frieden ist alles andere Nichts. Deshalb darf es nicht sein, sich hinter anderen Fragen zu verstecken. Fassen wir alle Menschen in unserem Land dazu zusammen.“ Es gibt Fortschritte dazu in Berlin.

Es geht aufwärts, aber sehr langsam. Es gibt Hoffnung, dass sich die trotz aller Kriegspropaganda weitverbreitete kriegsskeptische Stimmung in der Bevölkerung, die auf den Ostermärschen artikuliert wird, doch noch zum Protest formiert. Schließlich ist Krieg eine Überlebensfrage. Einmal muss doch Schluss sein mit der Schockstarre. Muss Schluss sein damit, dass uns die Kriegstreiber:innen auf der Nase rumtanzen.

„Wir leben fürwahr in finsteren Zeiten!“ – so Johannes M. Becker beim Ostermarsch in Kassel: „John Lennon & Yoko Ono haben gesungen: „You may say, I´m a dreamer.“ Und dann: „But I´m not the only one.“ [2]https://www.internationale-friedensfabrik-wanfried.org/post/wir-leben-f%C3%BCrwahr-in-finsteren-zeiten-johannes-m-becker-beim-ostermarsch-in-kassel-im-wortlaut

Kommt zur Protestkundgebung Berliner Gewerkschafter:innen "GAZA Krieg stoppen - Menschenleben retten" 
Die stärksten Argumente für die Friedensmarschierer:innen lieferten die harten Realitäten und Ereignisse um Ostern selbst.

Wie heisst es so schön? “ An ihren Taten und nicht an ihren Worten sollt ihr sie messen.“

Nach außen gibt sich US-Präsident Joe Biden besorgt um die humanitäre Lage der Menschen in GAZA und geht wegen der angedrohten Bodenoffensive in die mit Flüchtlingen überfüllte Stadt Rafah zu Israel auf Distanz . Ungeachtet dieser öffentlichen Inszenierung eines heftigen diplomatischen Zerwürfnisses hat Biden, so berichtete die Washington Post, in den vergangenen Tagen „in aller Stille“ die Lieferung von mehr als 1800 der 2000-Pfund-Bomben (etwa 907 kg) vom Typ MK84 und 500 MK82-Bomben sowie weitere Kampfflugzeuge genehmigt. [3] so berichtete die „Washington Post“ unter Berufung auf US-Beamte: https://www.stern.de/politik/ausland/krieg-in-nahost–bericht–usa-liefern-israel-tausende-bomben-34587254.html

Sie sagen, sie seien um die Menschen besorgt, in Wahrheit aber liefern sie genau diese Bomben, die die Menschen mit den schlimmsten Kollateralschäden überziehen, sprich insbesondere unbewaffnete Zivilist:innen plattmachen. Die Zahlungen an die UN Hilfsorganisation UNRWA bleiben dagegen weiter eingestellt.

„Eigentlich ist es sinnlos die manipulative „Berichterstattung“ der ARD zu kommentieren, aber heute hat das Morgenmagazin tatsächlich Münchhausen übertroffen.“ Kurt Weiss empört sich: “ Israel bombardierte die iranische Botschaft in Damaskus. Die Zerstörung einer diplomatischen Botschaft ist ein schwerer Verstoß gegen das Völkerrecht und Israel hat es geschafft mit einem Angriff 2 Staaten zu treffen: Iran und Syrien. ARD: „Iran droht Israel“. Laut Tagesschau „wachsen die Sorgen vor einer Eskalation…“ Der Angriff Israels war offenbar keine Eskalation? „

Sie sagen, sie wollen jede Eskalation vermeiden, in Wahrheit greifen sie andere Länder und sogar völkerrechtlich geschützte Institutionen an und eskalieren.


Nach Angaben der Hilfsorganisation World Central Kitchen (WCK) wurden bei einem Angriff im Gazastreifen sieben Mitarbeiter getötet. Neben Helfern aus Australien, Großbritannien und Polen wurden auch ein palästinensischer Mitarbeiter sowie eine Person mit US-kanadischer Staatsbürgerschaft getötet, wie WCK mitteilt.
Laut der Hilfsorganisation wurde ein Konvoi getroffen, obwohl die Fahrzeuge mit einem WCK-Logo versehen und die geplanten Fahrten mit dem israelischen Militär koordiniert gewesen seien. Die Hilfsorganisation bezeichnet den Vorfall als „unverzeihlich“. [4]Tagesschau 1.4. Und 2.4.

Heute sieht selbst der polnische MP und Hardliner Tusk die Solidarität mit Israel auf eine „harte Probe“ gestellt.

Unter den Toten des israelischen Luftangriffs auf Gaza war nämlich auch ein Pole… Der Fall sorgt in Polen für heftige Diskussionen – und nicht nur dort. Es ist nur die Spitze eines Eisbergs. Diesmal hat es vor allem Helfer aus westlichen Ländern getroffen. Nicht in erster Linie Palästinenser:innen. Wieder einmal erschüttern die Fakten die Glaubwürdigkeit westlicher Politiker bis ins Mark.

Sie sagen, sie wollen den Menschen Hilfslieferungen in ausreichendem Maße zukommen lassen, in Wahrheit gestatten sie Israel die Fortsetzung ihrer Blockade von GAZA. In Wahrheit gestatten sie Israel die Fortsetzung der Kampfhandlungen, die auch die Mitarbeiter:innen der Hilfsorganisationen täglich bedrohen.

Palästina hat aktuell in der UN einen neuen Anlauf unternommen, um als Staat anerkannt und in die Völkergemeinschaft mit Sitz und Stimme aufgenommen zu werden. Die bisherigen Anträge, obwohl von einer Dreiviertel Mehrheit aller Länder unterstützt, scheiterten am Veto der USA im Sicherheitsrat. Wie wird es diesmal sein?

Sie erklären Land auf Land ab, sie wollten eine Zweistaatenlösung, in Wahrheit legen sie ein Veto ein, wenn staatliche Anerkennung für Palästinenser:innen konkret gewährt werden soll.

Sie sagen, Putin wolle nicht verhandeln. In Wahrheit hat Selensky schon lange ein Dekret erlassen, das sämtliche Verhandlungen untersagt.

Sie sagen, sie verteidigen Menschenrechte und Freiheit. In Wahrheit treten sie beides mit Füßen.

Unsre aktuellen Beiträge zum Thema :

Titelfoto Evelin Genzel, Fotos Ingo Müller und Gewerkschaftskolleg:innen

Rom will, dass Italien dem Vertrag gegen Atomwaffen beitritt

Auch Rom schließt sich allen Hauptstädten der Welt an, die ihre Regierungen dazu drängen, den Vertrag über das Atomwaffenverbot zu unterzeichnen. Mit nahezu hundert italienischen Städten, die den Aufruf der ICAN Städte befürworten, unterstreicht die Entscheidung Roms den Übergang zu einer Politik, die die Menschen im Umgang mit der nuklearen Bedrohung in den Mittelpunkt stellt. Diese historische Abstimmung stellt die Regierung vor die Herausforderung, durch die Unterzeichnung des Vertrags über das Verbot von Atomwaffen dem Frieden und der Sicherheit Vorrang zu geben.

Mit einem aufsehenerregenden und einstimmigen Beschluss hat der Stadtrat von Rom einen historischen Schritt zum Schutz des Friedens und der globalen Sicherheit vollzogen. Indem Rom dem Aufruf der Städte zur Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen folgt (in Italien durch die vom Netzwerk „Rete Pace Disarmo e Senzatomica“ geförderte Mobilisierung „Italien, überdenke es noch einmal“ erneut lanciert), gibt es seine Stimme einem wachsenden Bündnis von beinahe einhundert italienischen Städten und drängt die Regierung dazu, den Vertrag über das Verbot von Atomwaffen (AVV) zu unterzeichnen und zu ratifizieren. Dieser vielsagende Schachzug unterstreicht einen entscheidenden Wandel in der Weltpolitik, der dem humanitären Erbe von Atomwaffen Vorrang vor abstrakten Militärstrategien gibt.

Die Ausrichtung Roms auf andere wichtige Hauptstädte wie Canberra, Paris, Berlin, Oslo, Amsterdam, Luxemburg, Helsinki, Bern und Washington D.C. beweist die kollektive Entschlossenheit, der existentiellen Bedrohung in Form von Atomwaffen entgegenzutreten. Dieser Entschluss reflektiert die aufrichtig geäußerten Meinungen der Stadträte von Rom:

Wir glauben fest daran, dass unsere Bürger das Recht haben, in einer Welt zu leben, die frei von dieser Bedrohung ist. Jeder Einsatz von Atomwaffen, ob vorsätzlich oder zufällig, hätte katastrophale, weitreichende und lang anhaltende Folgen für die Menschen und die Umwelt. Daher unterstützen wir den Atomwaffenverbotsvertrag und fordern unsere Regierungen auf, ihn zu unterzeichnen und zu ratifizieren.

Ein entscheidender Punkt ist, dass der Beschluss der Römischen Versammlung in Rom anerkennt, dass Atomwaffen über bloße politische Kriegsinstrumente hinausgehen; stattdessen stellen sie Symbole dar für unergründliches menschliches Leid und Zerstörung. Der AVV ist wie ein Leuchtturm der Hoffnung in einer Welt, die mit dem andauernden Gespenst der nuklearen Zerstörung zu kämpfen hat. Durch die unmissverständliche Verurteilung des Gebrauchs und Besitzes von Atomwaffen bekräftigt der Vertrag den moralischen, politischen und rechtlichen Imperativ, die Menschheit vor den Schrecken eines Atomkrieges zu schützen.

Was den Beschluss von Rom unterscheidet, ist, dass eine Politik zugrunde liegt, die die Menschen in den Mittelpunkt stellt. Die Zustimmung zu dem ICAN Städte-Aufruf vonseiten des Stadtrats reflektiert ein echtes Engagement für den Wohlstand und die Sicherheit der Bürger und hebt die tiefgreifenden Auswirkungen von Basisaktivismus und gemeinschaftlichem Engagement bei der Gestaltung der öffentlichen Politik hervor.

Als „Ewige Stadt“, durchdrungen von einer Jahrtausende alten Geschichte und Kultur, fungiert Rom als mächtiges Symbol menschlicher Resilienz und Widerstandskraft. Indem sich Rom für die Interessen der nuklearen Abrüstung einsetzt, bekräftigt es seine zeitlose Verpflichtung für die Werte des Friedens, der Gerechtigkeit und der Solidarität. Außerdem wirkt der Beschluss Roms weit über die Stadtgrenzen hinaus. Er sendet nicht nur an die italienische Regierung eine starke Botschaft, sondern auch an nationale Regierungen auf der ganzen Welt und fordert sie auf, auf den Willen ihrer Wähler zu hören und der Suche nach Frieden Vorrang zu geben vor dem Streben nach Macht. Die kollektive Stimme von Städten wie Rom leuchtet auf dem Weg hin zu einer gesicherteren Zukunft für alle.

Echte Sicherheit kann nicht durch die Androhung gegenseitig zugesicherter Zerstörung erreicht werden, sondern durch die Verfolgung gemeinsamer Humanität und geteiltem Wohlstand. Die Entscheidung Roms, sich dem ICAN-Aufruf der Städte anzuschließen, erinnert uns daran, dass eine Politik, die im internationalen Recht verankert ist, von den Bürgern gefördert wird und auf direkter Verantwortung gegenüber der Menschheit basiert, veränderte Ergebnisse hervorbringen kann. Es ist an der Zeit, dass die italienische Regierung dem Beispiel folgt und dem AVV beitritt.

Übersetzung aus dem Italienischen von Doris Fischer vom ehrenamtlichen Pressenza-Übersetzungsteam. Pressenza sucht Freiwillige! 

Redaktioneller Hinweis: Auch in Deutschland haben sich inzwischen über 140 Städte sowie einige Landkreise, Regionen und Bundesländer dem ICAN-Appell angeschlossen und unterstützen ein Verbot von Atomwaffen, die Liste dazu kann man hier einsehen. Im November 2023 wurde ein Appell an die Bundesregierung übergeben, dem Atomwaffenverbotsvertrag beizutreten. Eine Liste aller Städte weltweit, die den AVV unterstützten findet sich hier.

Wir danken Pressenza für die Publiktionsrechte

Titelbild von Rete Italiana Pace e Disarmo

30.03.2024: Ostermarsch 2024-Berlin

Im Folgenden eine vollständige Dokumentation des Ostermarsches in Berlin in diesem Jahr. Es sind ganz außergewöhnliche Reden, die gehalten wurden. Am Anfang ein kurzer Bericht über den Ostermarsch, in dem diese Reden angekündigt werden. Jetzt sind sie zu hören oder auch zu lesen. Wir können sie nur von ganzem Herzen empfehlen.

Inhaltsverzeichnis

Berliner Ostermarsch 2024: “Kriegstüchtig” – nein. Wir sind “friedenssüchtig”

„Mit den Worten „Wir sind mehr als im letzten Jahr, aber immer noch nicht genug!“ kommentierte Jutta Kausch-Henken von der Berliner Friko die Resonanz auf den Aufruf des Bündnisses zum diesjährigen Ostermarsch, der diesmal in der Karl-Marx-Alle begann und endete. 5 000 Teilnehmer:innen wurden gezählt. Die bei geradezu frühlingshaftem Wetter durchgeführte Antikriegsaktion stand unter der Losung „Kriegstüchtig – nie wieder“. Sie war getragen vom Selbstbewusstsein, die unverzichtbare Stimme zu sein, die auf die großen Gefahren und auf das Leid hinweist, die insbesondere der Krieg in der Ukraine und der im Nahem Osten nicht nur für die direkt betroffenen Menschen sondern für eine zukunftsfähige Entwicklung der Menschheit überhaupt bedeuten. Mit Sorge nehmen wir zur Kenntnnis, wie in der deutschen Politik und in den meinungsbildenden Medien Aufrüstung und Krieg als alternativlose Antworten auf Konflikte zwischen Staaten rehabilitiert werden – in einem Land, in dem lange die Einsicht gepflegt wurde, dass von deutschen Boden nie wieder ein Krieg ausgehen dürfe. Nicht zu Unrecht wies Christoph Krämer als Vertreter der Internationalen Ärzt:innen für die Verhütung eines Atomkriegs (IPPNW) in seiner Kundgebungsrede darauf hin, dass der mit großer Mehrheit gefasste Beschluss des Bundestages, die Ukraine mit Waffen zu unterstützen, die tief in das russische Territorium reichen, wie eine Kriegserklärung an Russland klingen. Großen Beifall erhielt auch ein Redner der Gruppe Eye4Palestine, der u.a. daran erinnerte, dass die Vertreibung der Palästinenser auch eine Folge der deutschen NS-Politik gewesen ist und die aktuellen Waffenlieferungen Deutschlands an Israel, das damit einen Genozid durchführt, eher diese Tradition fortsetzt als dass daraus die richtigen Konsequenzen gezogen würden.

Auch wenn es in den Parlamenten eine große Mehrheit gibt, die eine Eskalation des Krieges zwischen Russland und der NATO befürwortet, trifft dies keineswegs für die Bevölkerung zu, die sich nach jüngsten Umfragen in großer Mehrheit für Deeskalation und für diplomatische Initiativen ausspricht. Da kann man es nur als irreführend und als absolut selbstbeschädigend bezeichnen, wenn der Berliner Tagesspiegel im Vorfeld des Ostermarsches kommentierte: „Niemand braucht diesen Ostermarsch!“ Eher könnte man zu dem Schluss kommen, dass alle, die sich an diesem Kriege nicht bereichern können, mutige zivilgesellschaftliche Initiativen benötigen, um eine Zeitenwende zu erkämpfen, die ihren Namen verdient und nicht die Zukunft von Generationen verspielt. Die Opfer des Krieges gehen inzwischen in die Hundertausende. Die Ukraine selbst wird zunehmend verwüstet. Soll dieser Wahnsinn nun über Monate, oder gar Jahre fortgesetzt werden, nur damit die sicher geglaubten Renditeerwartungen der Markt beherrschenden und auch die Politik dominierenden Kapitalgruppen durch das drohende Ausbleiben des erhofften “Siegfriedens” nicht verhagelt werden?

In der Tat stehen wir hier immer noch am Anfang. Die Größe der Herausforderungen und unsere Fähigkeit, diese zu bestehen, stehen in einem schmerzhaften Missverhältnis zueinander. Das zeigte sich auch am Altersdurchschnitt der Teilnehmer:innen, die in ihrer großen Mehrheit noch als Kinder mit Kriegsfolgen zu tun hatten oder deren Spuren im Leben der Eltern miterleben konnten. Bei den großen Demonstrationen gegen die geplante Stationierung von US-Atomraketen der 1980er-Jahre trug die junge Generation noch diese Aktionen. Die heutige scheint eher handlungsunfähig. Offensichtlich führt die emotionale Wucht, mit der vor allem medial hier zu Lande Kriegsnarrative gepflegt werden, dazu, dass sich die junge Generation nur sehr sehr zögerlich den real existierenden Gefahren stellt, die ja insbesondere sie treffen.

Im folgenden erste mediale Eindrücke der Aktion vom Samstag. In den kommenden Tagen werden wir diese noch erweitern und es wird auch möglich sein, hier die auf der Kundgebung gehaltenen Reden nachzulesen.“

Recht herzlichen Dank an Jochen Gester für den Text. Erstveröffentlichung des Text in: gewerkschaftliche-linke.de.


Michael von der Schulenburg, ehem. UN-Diplomat, Foto: Ingo Müller
  Gizem (DIDF): „Sag mir wo die Blumen sind“, Video: Ingo Müller
Josephine Thyrêt, Beschäftigte bei Vivantes, Betriebsrätin; Video: Ingo Müller

Kleine Bildergalerie


Redebeiträge: Video und Text

Michael von der Schulenburg

Lühr Henken

Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost

Christoph Krämer

Redebeiträge in Textform

Eye4palestine

Einen schönen guten Tag an alle und Slam, im Namen der Gruppe @Eye4palestine möchte Ich eine Rede halten.
Ich bin‘s Leid, vor jeder Rede zur Solidarität mit Palästina mich vorher von Judenhass und Antisemitismus distanzieren oder Organisationen, die in der EU und in Nordamerika als Terrororganisationen eingestuft werden, verurteilen zu müssen, bevor ich das Anliegen meines Volkes zur Sprache bringen kann. Es ist wichtig zu betonen, dass Solidarität mit den Palästinensern nicht zwangsläufig mit Judenhass oder Antisemitismus verbunden ist. Es gibt viele Menschen, die sich für die Rechte der Palästinenser:innen einsetzen, ohne antisemitische Ansichten zu vertreten.

Weiterlesen hier:

Anna, SDAJ

„…es ist wieder Ostern und wir sind, wie jedes Jahr, auf der Straße, um gemeinsam für den Frieden einzustehen. Der Kampf für den Frieden hat eine lange Tradition, und war dieser noch vor einigen Jahren eine Forderung, hinter der sich breite Linke Bewegungen vereinen konnten, so erfordert es heute deutlich mehr Mut, mehr Kraft und Zusammenhalt, mehr Solidarität, sich Konsequent gegen die Kriegstreiberei und ideologische Vorbereitung auf den Krieg zu stellen.“

Weiterlesen hier:

Gizem (DIDF)

… Ich bin Gizem von der DIDF, der Föderation der demokratischen Arbeitervereine. Als wir uns vor zwei Jahren auf dem Ostermarsch versammelt haben, um gegen den damals noch jungen und brutalen Krieg in der Ukraine und gegen die Beteiligung der Bundesregierung an diesem Krieg zu protestieren, war die internationale Lage schon an einem Abgrund. Die Gefahr eines großen Krieges, eines Weltkrieges, ist schlagartig angestiegen. Heute, zwei Jahre später, würden wir uns wünschen, einen Schritt weiter zu sein, nicht mehr dort stehen zu müssen, an einem solchen Abgrund.

Weiterlesen hier:

Jutta Kausch-Henken, Schauspielerin, Moderation

„… Der Ostermarsch, vor 64 Jahren zum ersten Mal in der Bundesrepublik Deutschlands
durchgeführt, hat seit den 80er Jahren in Berlin einen festen Platz in der Arbeit der
Friedensbewegung. Unbeirrt treffen sich Friedensbewegte – seit 1990 West-und Ost gemeinsam am Ostersamstag. Seid herzlich willkommen! Bevor wir mit unserer Kundgebung beginnen, verlese ich die polizeilichen Auflagen, ohne die es ja heute nicht mehr geht.“

Weiterlesen hier:


ad hoc Ansprache von Prof. em. Dr. Fanny-Michaela Reisin, ex. Pres. International League for Human Rights – FIDH/AEDH Germany

Prof. em. Dr. Fanny-Michaela Reisin, ex.  Pres. International League for Human Rights – FIDH/AEDH Germany,

ehm. Präs. Internationale Liga für Menschenrechte(ILMR

… Das von Jutta Kausch soeben zur Anmoderation rezitierte „Höre Israel“ von Erich
Fried und gab mir so den Titel für meine ad hoc-Ansprache.
„Höre Israel“ („!ישראל שמע“)
Es ist ein Bibelzitat und zugleich ein zentrales, wenn nicht das zentrale Gebet der
jüdischen Tradition, das täglich zweimal, morgens und abends, gebetet wird. Be-
kannt auch als „Shma!“ („Höre!“) wurde es – so erzählen Überlebende des Holo-
caust in Auschwitz – von jüdischen Männern leise oder laut bei der schweren Ar-
beit und auf dem Weg zur Gaskammer gebetet.
Erich Fried schrieb das danach benannte Gedicht 1967 aus Verzweiflung über den
(„Blitz-„) Krieg, den Israel am 5. Juni gegen drei der vier arabischen Nachbarstaa-
ten begann und am 10. Juni nach Eroberung ihrer Grenzterritorien beendete. Dazu
gehörten die Westbank mit Ostjerusalem auf transjordanischer, der Gaza-Streifen
und die Sinai Halbinsel auf ägyptischer sowie die Golanhöhen auf syrischer Seite.
Mit Ausnahme der 1979 an Ägypten zurückgegangene Sinai Halbinsel sind alle an-
deren Territorien seitdem und also seit mehr als 56 Jahren illegal okkupiert und
unter israelischem Militärkommando gestellt, wenn nicht sogar annektiert sind.
„Höre Israel!“ ein zentrales Gebet des Judentums. Vergeblich.
Die zionistischen Führer hören nicht. –

Weiterlesen hier:

Dank an Klaus Murawski für die Übersendung des Redebeitrages.

Diese Seite verwendet u. a. Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu.

Datenschutzerklärung