Während Pferde fliegen, bleibt die Menschheit am Boden ..

Manche kleinen Ereignisse dieser Tage voll kapitalistischer Barbarei sagen viel und lassen sich wohl am Besten mit Poesie — mit peschschwarzer Lyrik – einfangen. Ein Gedicht über Liebe für alles, was Kapital ist und nicht Mensch. (Peter Vlatten)

„Diese ‚Rührseligkeit‘ des Kapitalismus hat mich zu Tränen gerührt“ – Schwarzer Humor, eine antiimperialistische Klage –

Gestern Abend lief auf Habertürk TV eine Szene:
Schwere Frachtflugzeuge steigen in den Himmel…
Keine Menschen an Bord.
Keine Hoffnung.
Keine Zukunft.

Aber…
Millionenwerte Rennpferde.

Ja, genau.
Von Bahreyn nach Belgien –
Pferde, die vor der „Gefahr des Krieges“ gerettet werden.

Eines muss hier klar gesagt werden:
Wir sind nicht gegen die Rettung eines Lebewesens.
Im Gegenteil – Leben zu schützen ist das elementarste menschliche Prinzip.

Doch in dieser Szene wurde nicht einfach ein Lebewesen gerettet…
Gerettet wurde sein Warenwert.
Gerettet wurde das Kapital, das sich aus ihm vermehren lässt.

Was in dieses Flugzeug geladen wurde, war nicht nur ein Tier –
sondern ein Versprechen auf zukünftige Millionengewinne.

Was für eine elegante Epoche!
Während Bomben auf Menschen niedergehen, spannt der Kapitalismus einen Schirm über seine Pferde.

Auf der einen Seite:
Feuer, das vom Himmel fällt.
Kinder, die in der Erde verschwinden.
Zerfetzte Häuser.
Städte in Dunkelheit.
Kein Strom.
Kein Wasser.
Keine Wärme.
Selbst Atmen wird zum Luxus.

Im Libanon
sind Menschen auf der Flucht,
ohne Koffer, ohne Perspektive –
nur mit dem nackten Instinkt zu überleben.

Krankenhäuser überfüllt.
Schreie, die den Himmel durchbohren.
Getroffene Ölquellen –
der Himmel ist nicht nur dunkel, sondern giftig geworden.

Apokalypse…
aber nur für Menschen.

Auf der anderen Seite:
Pferde werden verladen.

Behutsam.
Sorgfältig.
Mit größter Aufmerksamkeit.

Als wäre nicht der Mensch das Wertvollste.
Als wäre das Recht auf Leben eine Rennbahn.

Vielleicht beugt sich ein Angestellter hinunter und flüstert:
„Hab keine Angst… wir retten dich.“

Was für eine große Barmherzigkeit.
Was für eine erhabene Moral.

Doch diese Barmherzigkeit spricht eine andere Sprache:
Nicht Mitgefühl, sondern Bewertung.
Nicht Empathie, sondern Renditekalkül.

Diese „Rührseligkeit“ des Kapitalismus…
sie hat mich wirklich zu Tränen gerührt.

Während Menschen vor Bomben fliehen,
fliegt das Kapital seine Pferde weiter – fast wie Business Class.

Das ist die Moral des Kapitalismus:
Der Mensch stirbt – der Markt lebt.
Die Natur brennt – das Kapital wird verlagert.
Städte zerfallen – Werte werden versichert.

Und man verlangt von uns, das „Weltordnung“ zu nennen.

Vielleicht werden Geschichtsbücher eines Tages schreiben:
„In dieser Epoche, in der Menschen an Krieg, Hunger und giftiger Luft starben,
zeigten die Mächtigen ihre größte Sensibilität… gegenüber Rennpferden.“

Und Kinder werden fragen:
„Wirklich?“

Und wir werden beschämt antworten:
„Ja… denn damals war nicht die Menschlichkeit heilig,
sondern die Profitrate.“

Vielleicht ist die eigentliche Tragödie:
Die Pferde wurden gerettet.
Doch die Menschheit…

liegt noch immer unter den Trümmern.

Zeki Gökhan, 20. März 2026

Titelbild: Collage Zeki Gökhan

Frommes Gedicht der Konzernbesitzenden

von Peter Jüriens, März 2026

Willkommen im Shop of the wars
Wir treten der Welt für verteufelt viel Geld
bis sie brennt immer fest in den Mors
Und für Uns ist’s bequem
Euer Outlawsystem
Das ihr da nennt die freie Welt

Wir werden Euch alles verkaufen:
Hier Raketen wie wild, da ’nen Raketenschild
Panzerflotten, die Unser Öl saufen
Kriegsgrund gratis dazu!
Heut gibt’s Schulkindragout!
Regen billig! Viel Platz in den Traufen!

Wir geben Euch nur eine Regel:
Daß der Frieden nie reicht den ihr eh nie erreicht –
Blut her! Füttert des Krieges Egel!
Uns ist’s regelbasiert
wenn ihr losbombardiert,
massakriert, killt, blockiert. Es ist leicht.

Keine Rechtsgrundlage ist gegeben
Weil halt might makes so right und Ihr dumm genug seid
Uns zu geben Geld Macht, und das Leben…
Und für Uns ist’s genial
Los! Das Ganze nochmal!
Unsern Arsch auf den Weltthron zu heben.

Alle Bilder: Collagen Peter Jüriens

In den USA fanden gestern, 28.März, unter dem Motto „No Kings“ landesweit Demonstrationen mit 8 bis 10 millionenfacher Beteiligung gegen Präsident Trump statt. 

„Frieden ist kein Parfüm, das man über Gewalt sprüht, damit die Macht sich kultiviert fühlt.“ – Filmemacherin lehnt Berliner Preis für „The Voice of Hind Rajab“ ab.

Der für den Oscar und den BAFTA nominierte Dokumentarfilm „The Voice of Hind Rajab“ wurde am Montagabend bei der Cinema for Peace Gala im Adlon Hotel in Berlin als „wertvollster Film“ ausgezeichnet.

Die tunesische Filmmacherin Kaouther Ben Hania verweigete aber angesichts der Umstände und des Umfelds der Verleihung die Annahme des Preises. Sie protestierte vor allem gegen die Ehrung eines israelischen Generals bei derselben Veranstaltung und erklärte, dass sie nicht auf derselben Bühne stehen wolle, während ein Vertreter des Militärs geehrt werde, das für den Tod des Kindes in ihrem Film verantwortlich sei. Hier der Wortlaut ihres eindrucksvollen Statements:

„Ich muss vorlesen, denn der Preis für den besten Film dieses Jahres ist größer, als ich es ertragen kann. …Guten Abend. Heute Abend fühle ich mehr Verantwortung als Dankbarkeit. Die Stimme von Hind Rajab betrifft nicht nur ein einziges Kind. Sie betrifft das System, das ihre Tötung möglich gemacht hat. Was Hind widerfahren ist, ist keine Ausnahme. Es ist Teil eines Völkermords. Und heute Abend, in Berlin, gibt es Menschen, die diesem Völkermord politische Deckung gegeben haben. Indem sie die massenhafte Tötung von Zivilisten als ‚Selbstverteidigung‘ und als ‚komplizierte Umstände‘ umdeuten. Und indem sie diejenigen herabwürdigen, die protestieren.

Aber wie Sie vielleicht wissen: Frieden ist kein Parfüm, das man über Gewalt sprüht, damit die Macht sich kultiviert fühlt und sich wohlfühlt. Und Kino ist keine ästhetische Weißwaschung. Wenn wir über Frieden sprechen, müssen wir über Gerechtigkeit sprechen. Und Gerechtigkeit bedeutet Rechenschaftspflicht. (Großer Applaus) Ohne Rechenschaft gibt es keinen Frieden.

Die israelische Armee tötete Hind Rajab; sie tötete ihre Familie; und sie tötete die beiden Sanitäter, die kamen, um sie zu retten – mit der Komplizenschaft der mächtigsten Regierungen der Welt und ihrer Institutionen, die sich weigern zuzulassen, dass ihr Tod zur Kulisse für eine höfliche Rede über Frieden wird. Nicht solange die Strukturen, die dies ermöglicht haben, unangetastet bleiben.

Deshalb werde ich diesen Preis heute Abend nicht mit nach Hause nehmen. Ich lasse ihn hier als Erinnerung. Und wenn Frieden als rechtliche und moralische Verpflichtung angestrebt wird, verwurzelt in der Rechenschaft für den Völkermord, dann werde ich zurückkehren und ihn mit Freude annehmen. Vielen Dank. Vielen Dank.

Mehr erfahrt ihr über den Film in unserer ausführlichen Empfehlung «Die Stimme von Hind Rajab»: Notruf eines Kindes bis in den Tod

Titelbild : Collage Peter Vlatten

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