Nachlese Friedensdemo 25.11. – Weiter so!

Wir wollten ein Zeichen setzen gegen Krieg und sozialen Kahlschlag! Gegen Rüstungswahnsinn und Militarisierung im eigenen Land und global! Für Stopp aller Kriege und Stopp der von der Bundesregierung betriebenen eskalierenden Konfrontationspolitik! Im Friedenskampf geht es vor allem darum, einen breiten und schlagkräftigen Zusammenschluss gegen die Politik des eigenen Kapitals, seiner Vertreter und imperialen Bestrebungen zu organisieren. Dazu gehört die Abwehr der gravierenden sozialen Folgen des jetzt eingeschlagenen Kriegskurses wie auch der Protest gegen alle Kriegstreiber weltweit.

Wir denken, es ist gelungen. Neben den Anhängern der Friedensbewegungen waren Linke, BSW, Gewerkschafter:innen, DKP, DIDF aber auch bürgerliche Antifaschisten und jüdische wowie palästinensische Vertreter:innen prägend. Ein wichtiger Schritt ist getan. Wir danken den Initiatoren. Aber Ausruhen geht nicht. Als Berliner Gewerkschfter:innen waren wir mitten drin. Wir können und müssen noch mehr tun, wenn uns die Welt nicht um die Ohren fliegen soll. Die Lage ist explosiv!

Heute morgen, den 28.11.2023 meldet das Handelsblatt „EU erwägt Milliardenfonds für Militärprojekte. (…) Hinter verschlossenen Türen wird in Brüssel deshalb diskutiert, einen neuen schuldenfinanzierten Rüstungsfonds aufzulegen – nach dem Vorbild des Corona-Wiederaufbaufonds.“ [1] … Continue reading Wir sehen, die Kriegsvorbereitung (für was denn sonst?) wird unvermindert vorangetrieben!

Das folgende Video vom Hamburger Friedenskanal gibt einen authentischen, lebendigen Überblick über das Demo- und Kundgebungsgeschehen. Über die super Atmosphäre, die Transparente, die Aktionen und Redehöhepunkte!

Potpourrie zu Demo und Reden am 25.11.

Unser Fazit in einem ersten eigenen Bericht lautete: „Die gewerkschaftliche Linke war ebenfalls präsent und setzte durch ihre organisierte Teilnahme auch einen klaren Kontrapunkt zur Politik der Vorstände, die sich wohl darüber abgesprochen hatten, nicht durch Unterstützung einer Aktion, die offen das Programm der sog “Zeitwende” infragestellte, die Gesprächskanäle in die Zentralen der Macht zu verbauen. Ausdruck des völkerverbindenden und antirassisstischen Geistes, der diese Demonstration prägte, war auch der gemeinsame Auftritt von Iris Hefets von der Jüdischen Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost und der deutsch-palästinensischen Rechtsanwältin Nadjia Samour, die verdeutlichen konnten, welcher Geist wirklich hinter der verkündeten Staatsräson einer großen Koalition aus Regierung und Opposition steckt. „

Weitere Infos von den Initiatoren einschliesslich  Videos zu allen Redebeiträgen  hier 

Mit der gemeinsamen Rede von der palästinensischen Rechtsanwältin Nadija Samour und der Jüdin Iris Hefets (Vorstand Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost) kamen auch zwei unmittelbar Betroffene im aktuellen Nahostkonflikt zu Wort. Beide beklagen mit deutlichen Worten zunehmende Verdrehungen über Krieg und Frieden, Völkerrecht und Antisemitismus im Deutschen Diskurs. Hier zwei kurze Ausschnitte:

Nadija Samour: „Ja – 20 Jahre später leben wir in einem Deutschland, in dem die bedingungslose Solidarität mit Kriegsverbrechen und Genozid Staatsräson ist, und in dem Palästinenser:innen und ihre Unterstützer:innen de facto keine Grundrechte mehr haben. Ich möchte uns alle daran erinnern, was gerade im Gaza-Streifen passiert, denn es scheint so, als würden die deutschen Medien versuchen, das unermessliche Leid, verursacht durch die israelische Kriegsmaschinerie, mit der vollsten Unterstützung der USA und der EU, zu verzerren und zu leugnen. Während wir hier stehen, wurden mehr als 14 800 Menschen ermordet, die Hälfte von ihnen Kinder. Mehr als 6800 liegen noch immer unter den Trümmern zerstörter Wohnhäuser und Schulen. 1, 7 Millionen Menschen sind auf der Flucht, das sind 77 % der gesamten Bevölkerung eines der am dichtesten besiedelten Gebiete der Welt. Und dabei stellt sich die Frage: wohin sollen sie fliehen?“

Rede von Nadija Samour und Iris Hefets.

Iris Hefets: „Heute fehlt es an zivilem Widerstand gegen diese erschreckenden totalitären Tendenzen, die unter dem Deckmantel des „Kampfs für die westlichen Werte“ in der Ukraine oder dem des „Kampfs gegen Antisemitismus“ erkennbar sind.“ “ Es wurde vorgeschlagen , dass Iris Hefets für ihr mutiges Auftreten in den letzten Wochen einen alternativen Preis für Zivilcourage verliehen bekommen sollte. Die ganze Rede im Video!

Im weiteren möchten wir eine erste umfassendere Bewertung aus dem aktuellen Newsletter von „Was tun“ veröffentlichen:

Erster Rückblick auf die Demonstration am 25.11.2023 in Berlin

Die Demonstration und die Kundgebungen in Berlin unter dem Motto „Nein zu Kriegen – Rüstungswahnsinn stoppen – Zukunft friedlich und gerecht gestalten“ waren mit über 20.000 Teilnehmenden ein großer Erfolg. Die Zahlen der Polizei, die leider ungeprüft auch in einigen Medien übernommen wurden, können wir dabei getrost als Polit-Fake abtun. Jede und jeder, der oder die in Berlin beteiligt war, weiß, dass sie keine Grundlagen haben. Die Demo war über 2 Kilometer lang, in voller Breite der Straßen, die sie durchzog. Hier und dort hörte man sogar etwas Gemurre, weil die Veranstalter nicht auf das vermeintlich übliche Ritual eingestiegen sind, deutlich höhere Angaben zu machen. Sie haben sich bewusst dazu entschlossen, bei einer realistischen Zahl zu bleiben.

Der Erfolg der Mobilisierung ist erstens umso bemerkenswerter, als dass die Friedensbewegung in diesen Zeiten nicht gerade unter günstigen Bedingungen agieren muss. Denn: Mit dem Ukraine-Krieg versuchen der herrschende Block und seine ideologischen Apparate eine Renaissance von deutschem Militarismus und deutschem Großmachtstatus – beschönigend als „Zeitenwende“ bezeichnet – durchzusetzen. Sie wollen den deutschen Imperialismus 3.0. Auch wenn das, wie alle Umfragen belegen, nicht so recht funktioniert, und in der Bevölkerung zumindest eine post-heroische Grundhaltung verbreitet ist, muss Friedenspolitik gegen unglaublichen propagandistischen Gegenwind ankämpfen.

Zweitens: Dies geschieht in einer Situation, in der vor allem für jüngere Generationen das Thema Krieg – und sei es auch nur durch die Eltern vermittelt – meist keine große Rolle spielt. Auch Kenntnisse über internationale Konflikte und Krieg, die von der Anti-Raketenbewegung der 1980er Jahre in die Öffentlichkeit getragen wurden, sind kaum noch vorhanden. Wer von den Jüngeren weiß noch, was atomarer Winter, was strategisches Gleichgewicht, Eskalationsdominanz oder Enthauptungsschlag bedeuten? Wer ist mit den Methoden von Feindbildproduktion vertraut, wie sie die im Kalten Krieg Sozialisierten erlebten?

Die Entscheidung für den 25.11. und der Aufruf dazu kamen vor dem Ausbruch des neuen Nahostkriegs. Innenpolitisch hat dieser Krieg den Konformitätsdruck in Richtung Einheitsmeinung noch einmal um eine Größenordnung nach oben gedreht. Im Vergleich zur Instrumentalisierung des Antisemitismusvorwurfs erscheint das Etikett Putinversteher inzwischen fast schon wieder harmlos. Der neue Krieg hat zusätzliche Spaltungslinien in der gesellschaftlichen Linken hervorgerufen. Derzeit wird auch Fridays for Future mit einem haltlosen Antisemitismusvorwurf gegen Greta Thunberg fertig gemacht. Der (Un)Geist von Rache und Vergeltung, Emotion und Affekt, fernab jeglicher rationaler Analyse und die skrupellose Negation von UNO und Völkerrecht bis in einige Milieus der Linken hinein machen sich in einem Maße breit, dass es einem gruselig werden kann. Wie war das nochmal mit der dünnen Decke der Zivilisiertheit, auf der wir uns bewegen?

Die vorgenannten Faktoren hinterlassen auch ihre Spuren in einigen Teilen der Friedensbewegung. Sie äußern sich in z.T. heftigen Polemiken, an deren Spitze meist die Unterstellung von ‚Rechtsoffenheit‘ steht. Hier dürfte aber der 25.11. endgültig für Klarheit gesorgt haben. Außer der Tür zum Toilettenwagen im Bühnenbereich war hier nichts nach rechts offen.

Noch in einem anderen Punkt hat der 25.11. für Klarheit gesorgt. Jene, die geglaubt hatten, mit der Befürwortung von Waffenlieferungen an Kiew und eines ukrainischen Siegs auf dem Schlachtfeld Menschen für Friedenspolitik gewinnen zu können, dürften jetzt gemerkt haben, dass man sich schon deutlicher von Baerbock und NATO abheben muss, um Gehör zu finden. Das hatte z.B. schon die geringe Mobilisierungsfähigkeit des Bündnisses ‚Stoppt das Töten in der Ukraine‘ beim Jahrestags des russischen Einmarschs im Februar gezeigt. Inzwischen haben sich ja einige aus diesen Kreisen auch korrigiert und lehnen Waffenlieferungen jetzt ab. Ein paar faktenresistente Funktionäre, die immer noch auf einen ukrainischen Sieg setzen, sind dagegen endgültig in sektenhafter Bedeutungslosigkeit gelandet.

Neben dem zahlenmäßigen Erfolg ist auch die politische Zusammensetzung der Demo interessant. Es dominierten die blauen Fahnen mit Friedenstauben und die Pace-Regenbogenfahnen, wie sie in lokalen Initiativen verbreitet sind. Das verweist auf eine Verankerung an der Basis. Außerdem gab es viele Fahnen und Transparente von ver.di, GEW und traditioneller Organisationen, die in der Friedensbewegung aktiv sind, wie DfG/VK, VVN, DKP, DIE LINKE u.a. Vereinzelt waren auch ein paar Jusos dabei. Da anders als noch bei der Anti-Raketenbewegung der 1980er Jahre heute keine gut geölten Organisationsapparate zur Verfügung stehen und auch der Initiatorenkreis nur ein Zusammenschluss von Einzelpersonen ist, kann die Bedeutung der lokalen Basis gar nicht hoch genug geschätzt werden.

Der Erfolg des 25.11. ist natürlich kein Grund, übermütig zu werden. Noch sind Einfluss und politische Breite der Bewegung zu gering. Und das in einer historischen Situation, die ebenso gefährlich wie komplex ist. Eine der Problemlage angemessene Strategie stellt enorme Anforderungen, auf die es auch neue Antworten zu entwickeln gilt.

Diese erste Auswertung gehört natürlich vertieft und ergänzt, eine genaue Analyse von Stärken und Schwächen steht an, um die nächsten Schritte zu gehen. Aber mit dem 25.11. existiert jetzt eine gute Ausgangsposition.

Bilder FRIKO Berlin, eigene , Videos: Hamburger Kanal für Frieden, Bündnisseite

Hier noch eine Sammlung professionell geschossener weiterer Fotos in der Demonstration von Samstag:

Kollektiv im Archiv der Sozialen Bewegungen Hamburg

Fotoreihe: 25.11.23 Nein zu Kriegen! Die Waffen nieder! Großdemo in Berlin

https://asb.nadir.org/fotoarchiv/neu/20231125/album/index.html

20 000 in Berlin für eine andere Zeitenwende

Von Jochen Gester

Dem fies-feuchten Winterwetter zum Trotz hatten sich am Samstag, dem 25. 11 nach glaubwürdigen Angaben der Veranstalter gut 20 000 Friedensbewegte in der Bundeshauptstadt zu Kundgebungen und einer Demonstration versammelt. Es dauerte bis in den fortgeschrittenen Abend, bis dass diese Protestaktion gegen die Wiederkehr des Krieges und die Militarisierung der Republik Spuren in den Medien hinterlassen hatte. Zuerst war von einer Demo einiger Tausend die Rede. Erst gegen 22 Uhr konnte man dann lesen, dass sich hier nach Polizeiangaben 10 000 Menschen versammelt hatten. Auf jeden Fall konnten die Demonstrant:innen einen machtvollen Zug durch das Regierungsviertel organisieren, der auch ohne sichtbare Störungen ablief. Dies mag auch daran gelegen haben, dass es am Samstag keinerlei Versuche rechter Akteure gab, sich als Friedensaktivisten getarnt unter die Menge zu mischen. Im Vorfeld war auch mehr als deutlich seitens der Organisatoren klargestellt worden, dass diese Chamälions unerwünscht sind. Auch hat wohl die Vereinbarung der Veranstalter, das Zeigen von Nationalfahnen nicht zuzulassen – was auch kontrolliert wurde – die Lust an einer solchen Demo in dieser Szene deutlich gedämpft.

Prägend waren am Samstag Meinungskundgebungen aller Art, bei denen die Sorge und auch die Empörung darüber zum Ausdruck kam, dass die herrschende Politik die Chancen zu einer friedlichen Entwicklung der Beziehungen zwischen den den nationalen Konfliktparteien in Europa sowie in Nahost torpediert statt fördert. Die Gesamtaktion hatte ein deutlich linkeres Profil als die vorangegangene Großdemo im Februar. Die meisten Gruppen der arbeiterbewegungsorientierten Linken waren vertreten und auch die auf der Bühne gehaltenen Redebeiträge argumentierten mehrheitlich aus einer Tradition des linken Antimilitarismus. Dies blieb auch den meinungsbildenden Medien nicht verborgen. Die gewerkschaftliche Linke war ebenfalls präsent und setzte durch ihre organisierte Teilnahme auch einen klaren Kontrapunkt zur Politik der Vorstände, die sich wohl darüber abgesprochen hatten, nicht durch Unterstützung einer Aktion, die offen das Programm der sog „Zeitwende“ infragestellte, die Gesprächskanäle in die Zentralen der Macht zu verbauen. Ausdruck des völkerverbindenden und antirassisstischen Geistes, der diese Demonstration prägte, war auch der gemeinsame Auftritt von Iris Hefets von der Jüdischen Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost und der deutsch-palästinensischen Rechtsanwältin Nadjia Samour, die verdeutlichen konnten, welcher Geist wirklich hinter der verkündeten Staatsräson einer großen Koalition aus Regierung und Opposition steckt.

In den nächsten Tagen wird es ein You Tube-Video mit Bildern der Demo und den gehaltenen Reden geben. Wir werden es hier sofort verlinken, wenn es verfügbar ist.

Bilder: Ingo Müller

Breites Bündnis gegen den Krieg

Friedensgruppen, Gewerkschafter*innen und Die Linke mobilisieren anlässlich der Haushaltsdebatte im Bundestag zu einer zentralen Friedensdemonstration. An einzelnen Personalien gibt es aber auch Kritik von links.

Louisa Theresa Braun

Unter dem Motto »Nein zu Kriegen – Rüstungswahnsinn stoppen – Zukunft friedlich und gerecht gestalten« rufen verschiedene Initiativen für Samstag zu einer großen Friedensdemonstration am Brandenburger Tor in Berlin auf. Sie fordern Waffenstillstände in Kriegsgebieten, einen Stopp von Waffenexporten sowie Abrüstung anstelle der Aufrüstung, die im Bundeshaushalt für 2024 geplant ist. Angemeldet sind 10 000 Teilnehmende.

»Mit 85,5 Milliarden Euro sind die Militärausgaben 2024 die größten seit Bestehen der Bundesrepublik«, heißt es im Demo-Aufruf der Initiative »Nie wieder Krieg – Die Waffen nieder«. »Das Geld wäre besser in Schulen, Krankenhäusern oder im sozialen Wohnungsbau aufgehoben. Es fehlt an allen Ecken und Enden«, sagt Demosprecherin Jutta Kausch-Henken zu »nd«. Doch gerade soziale Bereiche seien von massiven Mittelkürzungen bedroht.

Der Aufruf verurteilt den russischen Überfall auf die Ukraine, genauso aber auch »die vorangegangenen Vertragsbrüche und nicht eingehaltenen Zusagen der Nato-Staaten«. Als Beispiel nennt Kausch-Henken »das Verhindern der Umsetzung des Minsk-II-Abkommens durch die Garantiemächte Frankreich und Deutschland, wie Hollande und Merkel später öffentlich bekundeten«. Obwohl dieses Abkommen völkerrechtlich bindend gewesen sei. »Man hätte den Krieg verhindern können«, ist sie überzeugt.

Um den Krieg in der Ukraine zu beenden, seien ein Waffenstillstand und Verhandlungen nötig. »Wir wünschen uns eine Kultur des Friedens. Von unserem Land muss Diplomatie ausgehen«, betont Kausch-Henken. Kritik übt der Aufruf zudem an Sanktionen gegen Russland. Hauptgrund sei, so Wiebke Diehl von »Nie wieder Krieg«, »dass Sanktionen, die ihr Ziel so gut wie nie erreichen, nicht die Herrschenden, sondern die Zivilbevölkerung und hier die Allerschwächsten treffen und in den meisten Fällen als geopolitisches Herrschaftsinstrument bis hin zum Regimechange benutzt werden«.

Differenzierter klingt das bei der Linkspartei, die mit einem eigenen Aufruf mobilisiert: Sanktionen, die sich vor allem gegen die Bevölkerung richten oder zur Verarmung im Globalen Süden beitragen, werden darin ebenfalls abgelehnt. Die Linke setzt sich jedoch »für Sanktionen gegen den militärisch-industriellen Komplex Russlands ein« und befürwortet »das Einfrieren von Vermögenswerten von Oligarchen, die dem Krieg Vorschub leisten«.

Geplant wurde die Demonstration schon vor der Eskalation im Nahen Osten, doch auch dieser Krieg wird am Wochenende Thema sein: »Wir sind überzeugt, dass sich Terror gegen Zivilisten nicht mit Kriegsverbrechen gegen Zivilisten aus der Welt schaffen lässt«, heißt es in einer Erklärung der Demo-Initiator*innen. Sie fordern eine sofortige Waffenruhe gemäß der Resolution des UN-Sicherheitsrates. Dass sich Deutschland bei der ersten Resolution zu Gaza enthalten hat, nennt Kausch-Henken »skandalös«.

Die Demonstration wird von einem breiten Bündnis getragen, von der klassischen Friedensbewegung über Gewerkschaften und soziale Bewegungen bis hin zum Wagenknecht-Umfeld. Neben der Linkspartei mobilisieren die Verdi-Bezirke Stuttgart und Südhessen, DL21, das Forum der SPD-Linken und die Zeitschrift »Emma« nach Berlin. In rund 40 Städten organisieren Gruppen eine gemeinsame Anreise mit Bussen und Bahnen. Hinzu kommen 130 Einzelpersonen als Unterstützer*innen, darunter Gregor Gysi und Dietmar Bartsch, Gewerkschafter wie der frühere IG-Metall-Vorsitzende Jürgen Peters, die Theologin Margot Käßmann, Künstler wie Rolf Becker und Katja Ebstein sowie Parteilose wie Oskar Lafontaine und Amira Mohamed Ali.

Als Redner*innen angekündigt sind unter anderem der stellvertretende Linke-Vorsitzende Ates Gürpinar, Sahra Wagenknecht, Iris Hefets von der Jüdischen Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost, die ehemalige Direktorin der EU-Kommission Petra Erler sowie der Vorsitzende der Naturfreunde Michael Müller. Der Friedensaktivist Reiner Braun soll die Begrüßungsrede halten.

Nicht alle aus dem linken Spektrum befürworten diese Auswahl. So sei Sahra Wagenknecht »untrennbar mit dem Vorwurf der Rechtsoffenheit verbunden«, heißt es in einem Statement der Initiative Geradedenken, die sich gegen Rechtspopulismus und Verschwörungstheorien engagiert.

Diehl sieht in diesem Vorwurf »ein Instrument, um die Bewegung zu zerschlagen«. Ihre Initiative grenze sich klar von der AfD sowie von rassistischen und antisemitischen Gruppen ab. National- und Parteifahnen sind bei der Demo nicht erwünscht. Allerdings könne man »keine Gesinnungsprüfung vornehmen«. Der Ausschluss von Personen von einer Demonstration sei extrem schwer, weil es kein Hausrecht gebe. 

Geradedenken hält dagegen: Wer den Vorwurf der Rechtsoffenheit ernsthaft aufarbeite, müsse vor der Kritik keine Angst haben. »Vielmehr bietet sich hier eine Leitplanke, um sich von tatsächlich problematischen Akteuren wie etwa Reiner Braun zu trennen«, schlägt die Initiative vor. Braun sei in der Vergangenheit als Unterstützer des Verschwörungsspektrums sowie der Mahnwachen-Bewegung aufgefallen, die auch als »Friedens-Querfront« bezeichnet wurde. Geradedenken teile mit den Initiator*innen den Wunsch nach Frieden sowie die Kritik am »Rüstungswahnsinn« der Nato und an »Kriegstreiberei«. Dennoch sehe man die Ablehnung von Sanktionen sowie die Unterstützung der Demo durch die Linkspartei kritisch.

Dazu sagt Ates Gürpinar, der auf der Demo reden wird: »Wir wissen, dass die Akteure auf Friedensdemonstrationen, vorsichtig ausgedrückt, plural sind.« Daher mobilisiere Die Linke – genau wie unter anderem die Friedensorganisation IPPNW und die Naturfreunde – mit einem eigenen Aufruf, der Sanktionen nicht pauschal ablehnt und zudem Hilfe für Geflüchtete und Asyl für Kriegsdienstverweigerer fordert. Zur Großdemo »Aufstand für Frieden« im Februar, die von Sahra Wagenknecht und der Publizistin Alice Schwarzer initiiert wurde, hatte Die Linke gar nicht aufgerufen, was jedoch heftige Diskussionen nach sich zog.

»Als leider letzte Friedenspartei im Deutschen Bundestag ist es für uns wichtig, Flagge zu zeigen gegen die allgegenwärtige Kriegspolitik.« Nun wolle man denen, die das Thema von rechts zu kapern versuchen, nicht die Straße überlassen.

Erstveröffentlicht im nd vom 22.11.23
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1177939.frieden-demonstration-der-friedensbewegung-breites-buendnis-gegen-krieg.html?sstr=Breites|B%C3%BCndnis

Wir danken für das Publikationsrecht.

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