„Lützi bleibt“ – Einsatz im Schlamm

Erklärung der Sanitätsgruppe Süd-West e.V. und Anmerkungen der Redaktion zu den Ereignissen.

Vorbemerkung der Redaktion : „luetzibleibt“ veröffentlichte zahlreiche Videos und Bilder vom Polizeieinsatz, auf denen Polizist*innen Demonstrierende mit Schlagstöcken und Pfefferspray attackierten, aber auch sich selbst verletzten. [1] https://twitter.com/luetzibleibt Das Bündnis schreibt dazu : „Was wir heute und die letzten Tage erlebt haben, ist pure Polizeigewalt.“ Es wurden massiv „Schlagstöcke, Pfefferspray, Räumpanzer, Wasserwerfer, Hunde und Pferde gegen die Klimaaktivistinnen und -aktivisten eingesetzt“.[2]https://luetzerathlebt.info/pressemitteilungen/ Laut Polizeibericht wurden auch 70 Beamte verletzt, allerdings – so berichten etliche Presseorgane wie ARD und die Frankfurter Rundschau [3](Lützerath live: Aktivisten kündigen weitere Demonstrationen an (fr.de) -stammen diese Verletzungen nur zum Teil von Demonstranten. Zahlreiche Polizisten verletzten sich selbst, als sie zum Beispiel – infolge der Überrüstung ? behelmt und mit schwerer Schutzkleidung – im Schlamm ausrutschten oder der starke Wind das versprühte Pfefferspray in ihre Gesichter zurückblies. Und das alles, damit RWE aus seinem in fossile Energie investierten Altkapital noch mal ordentlich Profit schlagen kann. Dafür wird das 1,5 Klimaziel mit verheerenden Folgen geopfert. Keineswegs geht es darum, einen für die Allgemeinheit akuten Energienotstand zu beheben!

Erklärung der Sanitätsgruppe Süd-West e.V.

„Diesen Samstag sicherten wir mit 8 Einsatzkräften zusammen mit weiteren Demosanitätsgruppen die Großdemonstration gegen die Zerstörung des Orts Lützeraths in NRW ab.

Lützerath ist zu einem Symbol für die klimaschädliche Braunkohleverstromung geworden, da der Ort wie viele weitere vor ihm dem Braunkohletagebau Garzweiler weichen soll. Nachdem die Polizei diese Woche mit der Räumung des besetzten Ortes begonnen hatte, nahmen am Samstag rund 35.000 Menschen an den Protesten teil. Dabei gelang es ihnen bis kurz vor Lützerath und teilweise auch in den Tagebau vorzudringen.

Durch Polizeimaßnahmen kam es im Verlauf zu zahlreichen Verletzten, vor allem durch Schläge auf den Kopf, die teilweise aufgrund der Verletzungsschwere an den öffentlichen Rettungsdienst übergeben werden mussten. Dabei gestaltete sich die Behandlung und der Transport der Verletzten aufgrund der Witterungsbedingungen, des schlammigen Untergrunds und der eingeschränkten Anfahrtsmöglichkeiten des Rettungsdienstes äußerst schwierig. Wir waren bis in die Nacht hinein im Einsatz.

Durch Materialverbrauch bei der Patient*innenbehandlung und durch Schlamm nicht mehr benutzbares Verbrauchsmaterial sind aktuell viele unserer Rettungsrucksäcke nicht mehr einsatzbereit. Wir freuen uns über Unterstützung bei der Wiederbeschaffung.

Unser Spendenkonto:

  • Sanitätsgruppe Süd-West e.V.
  • IBAN DE92 6009 0100 0524 5980 02
  • BIC VOBADESS (Volksbank Stuttgart eG)
  • Verwendungszweck: Spende

Wir bedanken uns beim öffentlichen Rettungsdienst und den anderen Demosanitätsgruppen, insbesondere den Demosanitätern Düsseldorf, für die gute Zusammenarbeit!“

Ergänzend ein Interview der Frankfurter Rundschau mit dem Sanitäter, Arzt und Vereinsvorstand der Sanitätsgruppe Südwest, die mit 8 Sanitätern vor Ort die Opfer medizinisch versorgte.

Nachbemerkung der Redaktion. Es geht weiter .Es war bestimmt nicht der letzte Einsatz. Die Organisator*nnen und Aktivist*innen kündigen weitere Proteste gegen die Abbaggerung des Weilers und die Braunkohleverstromung an. Die Kohle muss unter der Erde bleiben ! Die Vertreter von „Ende Gelände“, „Alle Dörfer bleiben“ , „Fridays for Future“ u.a. zeigten sich erfreut über die unerwartete Teilnahme von Zehntausenden Menschen an dem Protest rund um Lützerath. Sie kamen in Scharen -trotz wahrem Sauwetter, einer Flut von Kriminalsierungsversuchen im Vorfeld und einer Armada von hochgerüsteten Polizeieinheiten! Auch in zahlreichen anderen Städten fanden Solidaritätskundgebungen statt (u.a. Berlin Neukölln Hermannplatz ). Die Bewegung beginnt, sich – nach dem Motto „Die richtige Kohle abbaggern“ – von Wahl- unnd Kriegspropaganda zu verabschieden. Klimaschutz könne in Deutschland und weltweit nur durch die Menschen im Kampf gegen Kapital und Politik durchgesetzt werden!

References

References
1 https://twitter.com/luetzibleibt
2 https://luetzerathlebt.info/pressemitteilungen/
3 (Lützerath live: Aktivisten kündigen weitere Demonstrationen an (fr.de)

Aufrecht, Mutig und Bescheiden, 24.02.2023

Einladung zum ersten Geschichtssalon im Beginenhof im Jahr 2023. Luise Wegscheider stellt ihre Verwandte Hildegard Wegscheider (1871 – 1953) vor. Sie hat über diese interessante Kämpferin für Frauenrechte und Bildungsreformerin einen biografischen Roman geschrieben, der nicht nur ihr politisches, sondern auch ihr berufliches und privates Leben beschreibt. Wir freuen uns, auf einen iInteressanten Abend und auf Ihren/Deinen Besuch.

Wann:

Dienstag, 24. Januar 2023 umv19.30 Uhr

Wo:

Geschichtssalon im Beginenhof
Erkelenzdamm 51/Gemeinschaftsraum– 10999 Berlin

Silvesternacht -Rassismus zündelt – ein Kurzkommentar

Ein erstaunlich mutiger Kommentar in der Berliner Zeitung „Silvesternacht – Die Böllerdebatte ist rassistisch“ Sauber recherchiert wird dargestellt, wer sich in der Böller- und Krawalldebatte wie positioniert und den latenten Staatsfeind in jedem Migranten als wesentliche Ursache von Silvesterkrawallen ausgemacht haben will. Es ist erscheckend, wer von extrem rechts bis weit in die Mitte des Parteiengefüges der Ampel dazugehört [1]Silvesternacht: Die Böller-Debatte ist rassistisch (berliner-zeitung.de) . Passend wird ein Hype erzeugt, in dem von einer überall und immer mehr „um sich greifenden neuen Qualtät von Gewalt “ die Rede ist. Mit Videofälschungen und Fakenews im Netz [2] Silvester-Randale: Video stammt aus Hongkong, nicht aus Berlin-Neukölln (correctiv.org) werden die Geschehnisse in Berlin überzeichnet und die Stimmung gezielt angeheizt.. Seriöse Wissenschaftler wie der Konflktforscher Körner kommen dagegen zu dem Ergebnis , dass sich der hier suggerierte pauschale Gewaltanstieg mitnichten aus der Gesamtfaktenlage [3]Feuerwehr: „Gezielte Barrikaden“: Giffey spricht nach Silvester-Attacken von „Zäsur“ – n-tv.de, Wissenschfatler wie der Konfliktforscher Körner kommen aber zu einem … Continue reading herleiten lässt.

Es sind dieselben, die die Böllerei „als Inbegriff vermeintlich bedrohter Freiheit“ deklarieren und nun versuchen, mit rassistisch geprägten Begründungen Rassismus hofffähig zu machen.

Genau hierin liegt aber, konsequent weitergedacht, eine der Ursachen für die Ereignisse. Wer so argumentiert, der zündelt und bereitet den Boden für die nächsten Zuspitzungen vor.

Die Erfahrungen von Black Lives Matter zeigen, dass permanenter Alltagsrassismus und nicht zuletzt auch racial profiling von Sicherheitsorganen viele ausgrenzen, demütigen und schließlich gerade auch bei jungen Männern zu heftigen Gegenreaktionen führen können.

Wer gleichzeitig Egoismus , Spaß ohne jede gesellschaftliche Verantwortung für Klima, Tierwelt und Mitmenschen propagiert, wer meint, sich über eine fast Zweidrittelmehrheit der Bevölkerung [4]Laut Umfragen: Mehrheit befürwortet Böllerverbot | Das Erste (mdr.de) für ein Verbot extremer privater Böllerei hinwegsetzen zu können, und wer meint, an Silvester für Hinz und Kunz sogar Böller mit Sprengstoffeigenschaften für den öffentlichen „freiheitlichen“ Massengebrauch zuzulassen, der darf sich über Rücksichtslosigkeit, Gewalteskalation, ein Ausnutzen der Situation und den Missbrauch durch sozial benachteiligte, verbitterte und ausgegrenzte junge Menschen nicht wundern.

Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.

References

References
1 Silvesternacht: Die Böller-Debatte ist rassistisch (berliner-zeitung.de)
2 Silvester-Randale: Video stammt aus Hongkong, nicht aus Berlin-Neukölln (correctiv.org)
3 Feuerwehr: „Gezielte Barrikaden“: Giffey spricht nach Silvester-Attacken von „Zäsur“ – n-tv.de, Wissenschfatler wie der Konfliktforscher Körner kommen aber zu einem anderen Ergebnis: „Jeder einzelne Fall davon ist schlimm und zu verurteilen. Dennoch ist die Diagnose einer zunehmenden Gewalt zu pauschal, faktisch nimmt die Gewalt an vielen Stellen nicht zu.“
4 Laut Umfragen: Mehrheit befürwortet Böllerverbot | Das Erste (mdr.de)

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