Berlinerin Yasemin A.: Freispruch für »From the river to the sea«

Die propalästinenschiche Aktivistin wird teilweise freigesprochen – Polizisten nehmen vor Amtsgericht Tiergarten Personen wegen selbiger Parole fest

Von Jule Meier

Bild: nd/Jule Meier

»From the river to the sea, palestine will be free«, schallt es am Mittwochmittag über die Turmstraße vor dem Amtsgericht Tiergarten in Berlin. Eine Handvoll Menschen wird von der Polizei gewaltsam aus der Kundgebung gezogen, in der die Parole skandiert wird. Es ist kein Zufall, dass die Aktivist*innen, die seit den frühen Morgenstunden vor dem Gericht stehen, die umstrittene Parole rufen. Denn soeben wurde ihre Genossin Yasemin A. in mehreren Fällen davon freigesprochen, durch den Ausspruch eine Straftat begangen zu haben.

Yasemin A. ist spätestens seit Juni international bekannt: Zusammen mit Greta Thunberg, Rima Hassan und anderen pro-palästinensischen Aktivist*innen segelte sie auf dem Schiff »Madleen«, um Hilfslieferungen in den abgeriegelten Gazastreifen zu bringen. Das Schiff wurde von Israel gestoppt und A. zeitweise festgenommen. Am Mittwoch steht sie wegen mehrerer mutmaßlicher Straftaten in Berlin vor Gericht. Der Richter spricht sie in drei Punkten zu einer Strafe von 120 Tagessätzen à 15 Euro schuldig: wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Verleumdung gegenüber zwei Polizisten und tätlichen Angriffs auf einen Polizisten – sie hatte einen Regenschirm auf den Uniformierten mit Helm geworfen, als dieser in eine Demonstration eingriff.

From the river to the sea

»Hochachtungsvoll« findet der Richter das politische Engagement der Berliner Aktivistin, wie er bei seiner Urteilsverkündung erklärt. A. verliest zu Beginn der Verhandlung ein langes Statement, in dem sie ihre persönlichen und politischen Beweggründe für ihren Einsatz in der palästinasolidarischen Bewegung erklärt. »Als Frau mit Migrationshintergrund«, die bereits als kleines Kind auf der Ausländerbehörde mit ihren kurdischen Eltern Rassismus erfuhr, habe sie früh einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn entwickelt, sagt die 38-Jährige. »Diese Erfahrungen haben mir gezeigt, dass Widerstand notwendig ist«, sagt sie.

Sie habe sich dem Kampf gegen Rassismus, Kolonialismus und für ein »freies Palästina« verschrieben. Die Parole »from the river to the sea« bedeute für A. Gleichberechtigung für alle Menschen und dass in das historische Palästina alle Palästinenser*innen zurückkehren dürften, die von dort vertrieben wurden. Sie spricht sich gegen Waffenlieferungen an die israelische Regierung aus, die »Hunger als Waffe einsetzt«.

Die Parole »From the river to the sea« wird strafrechtlich verfolgt, weil das Bundesinnenministerium sie im Rahmen einer Verbotsverfügung zu einem Symbol der Hamas erklärt hat. Dies ist allerdings juristisch umstritten und wird im jeweiligen Einzelfall geprüft. Im Juni wurde zuletzt ein Student vor dem Amtsgericht freigesprochen, unter Verweis auf ein Gutachten des Berliner Landeskriminalamts, wonach die Parole nicht als eindeutiges Kennzeichen der Hamas zu werten sei. Am Mittwoch begründete der Richter seine Entscheidung im Fall von Yasemin A. damit, dass die Parole »Teil einer internationalen heterogenen Bewegung« sei.

Hetzkampagne gegen die Aktivistin

Tosender Applaus hallt durch den Hochsicherheitssaal des Amtsgerichts, als der Richter sein Urteil spricht. Nicht immer erfährt Yasemin A. so viel Zuspruch. In ihrem Plädoyer spricht sie von zahlreichen Drohungen, die sie in den vergangenen zwanzig Monaten erhalten habe. »Ich bekomme Morddrohungen per Post und Hassnachrichten, in denen gesagt wird, ich solle erstochen, erschossen oder vergewaltigt werden«, so die Aktivistin.

Das Landeskriminalamt habe ihr Sicherheitsgespräche angeboten. Ihr verteidigender Anwalt beweist mithilfe eines Chatverlaufs, dass eine Person mit demselben Namen zusammen mit ihrem Arbeitgeber vorrübergehend sämtliche Onlinepräsenz von sich entfernen ließ – seit 2024 erhielt die Frau Drohungen, da sie offenbar mit der Aktivistin verwechselt wurde.

Yasemin A. setzt sich seit 2016 für die Rechte von Geflüchteten in Deutschland ein, wie sie in ihrem Plädoyer erklärt. 2022 habe sie eine Organisation zur Unterstützung ukrainischer Geflüchteter gegründet. »Solange ich mich für die richtigen Geflüchteten einsetzte, wurde ich für mein Engagement gefeiert.« Doch seit sie sich für Palästinenser*innen engagiere, werde sie vom Staat kriminalisiert und von den Medien diffamiert. »Ist das das Land, dass einst ›Nie wieder‹ sagte? Ist das die Presse, die eine Säule der Demokratie sein soll?«, so die Aktivistin Yasemin A.

Erstveröffentlicht im nd v. 30.7. 2025
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1192973.gaza-krieg-berlinerin-yasemin-a-freispruch-fuer-from-the-river-to-the-sea.html?sstr=From|the|river

Wir danken für das Publikationsrecht.

Luftbrücke über Gaza – Hokuspokus, aber keine wirkliche Hilfe

29. Juli 2025: laut Umfrage des Forsa Instituts erwarten 74 Prozent der Deutschen, dass die Bundesregierung endlich massiven Druck auf Israel ausübt. Auch international ist die deutsche Regierung immer mehr isoliert.

Den deutschen Kanzler drückt angesichts der verheerenden Bilder und der öffentlichen Empörung sein Image. Seine Antwort zynisch. Er will den Bomben aus deutschen Fertigungsteilen Carepakete hinterherschicken, die dann wohl wahllos in der Trümmerlandschaft verstreut werden. Wie die Erfahrungen zeigen geht so ein großer Teil der Waren mit Sicherheit verloren. Womöglich verletzen oder erschlagen solche Pakete aus der Luft sogar Menschen und erzeugen weitere Opfer. Das Wichtigste aber ist: die Lebensmittel werden ohne neutrale Kontrolle auf mafiöse Weise verteilt. Die vom Hungertod bedrohten Babys werden dabei die Letzten sein, die von dieser Art „Hilfe“ etwas erhalten.

Und von der Menge her sind diese Lieferungen aus der Luft im besten Fall nichts weiter als ein Tropfen auf dem heißen Stein. Laut Experten kann ein Flugzeug maximal bis 19 Tonnen transportieren. Ein einziger LKW erfasst dagegen in der Regel 25 Tonnen. Vor dem Krieg passierten bis zu 600 LKWs täglich die Grenzen von Gaza. Ausserdem hatte Gaza damals noch eine interne Versorgung, die inzwischen vollständig zusammengebrochen ist. Nach vorliegenden Informationen soll die Anzahl Flugzeuge, die für die Verteilung zur Verfügung stehen, „überschaubar“ sein, aber auch die Lebensmittelmenge am jordanischen Startflughafen. Jeder kann sich ausrechnen, wieviel da wie realistisch und geplant ein paar Flugzeugladungen ausrichten können. Die Luftbrücke von Merz ist eine reine Luftnummer. Entweder hat er miserable Berater, oder, was wahrscheinlicher ist: es handelt sich um ein sarkastisches Täuschungsmanöver, das das weitere unbeirrte Festhalten der Bundesregierung an der Unterstützung der Völkermordregierung Netanyahu vergessen lassen soll.

Das Bedauern von Merz & Co. über die Lage der Menschen in Gaza kann auch nicht glaubwürdig sein, wenn gleichzeitig mehr denn je deutschlandweit Menschen, die zur Solidarität mit Gaza aufrufen, kriminalisiert werden! Erst letztes Wochenende gab es dazu beispiellose Polizeiübergriffe auf dem Alternativen CSD Pride in Berlin. Indessen feierte der Berliner CDU Bürgermeister Wegner in einem Block des kommerziell beeinflussten CSD unter Israelflagge, dessen Teilnehmer mit dem Vorgehen Isreals in Gaza keine Probleme sehen und Kritik daran als „Antisemitismus“ diffamieren.

Was wirklich Not tut: Israel muss die Blockade aufheben, die wartenden vollbeladenen kilometerlangen LKW Schlangen ins Land lassen, den neutralen Hilfsorganisationen die Verteilung übergeben und alle Kriegshandlungen einstellen. Glaubwürdiger Druck heisst: Statt Israel zu unterstützen, Israel sanktionieren! Sofort!

Die erste Arbeiterolympiade vor 100 Jahren war ein solidarischer Gegenentwurf zum Nationalismus der Olympischen Spiele

Arbeiterbewegung und Sport

Gegen die olympische Rekordhatz

Von Ronny Blaschke

Bild: Gegen den Krieg und die Nationalsozialisten: Das Plakat zur Arbeiterolympiade. Wikimedia

Auf dem Vorplatz der Paulskirche ist ein Parcours aufgebaut. Zwischen Infotafeln und Absperrbändern ist das Kopfsteinpflaster mit einer rosafarbenen Plane bedeckt. Die Markierung für einen Wettbewerb, in dem es nicht um Schnelligkeit geht, sondern um Beherrschung. Die Hitze liegt tief über der Frankfurter Innenstadt an diesem Nachmittag. Reisegruppen zieht es vom nahegelegenen Römerberg in die Einkaufsstraßen. Einige bleiben vor der Paulskirche stehen und informieren sich über die Nationalversammlung von 1848, das erste Parlament für ganz Deutschland, das an diesem Ort getagt hatte. Doch sie blicken auch, zum Teil mit Verwunderung, auf die rosafarbene Markierung.

Zwei Frauen besteigen dort Fahrräder. Sie stehen mit gebeugten Knien auf den Pedalen und bewegen sich langsam voran. Es geht schräg nach links, nach rechts, die Blicke fest auf dem Vorderrad. Sie bremsen, balancieren, reißen den Lenker hin und her, und doch müssen sie sich weiter nach vorn bewegen, um nicht umzukippen. So geht das eine Weile, denn beim Langsam-Radfahren werden die Letzten die Ersten sein.

Am Rand des Parcours stehen die Künstlerin Katja Kämmerer und der Theatermacher Jan Deck. Beide haben 2007 das Ensemble »Profikollektion« gegründet. Darin setzen sie sich auf künstlerische Weise mit gesellschaftlichen und historischen Themen auseinander. Nun, vor der Paulskirche, erinnern sie mit einem Festival an die erste Arbeiterolympiade, die im Juli 1925 in Frankfurt am Main stattfand, vor genau 100 Jahren.

»Es ging damals nicht um ›Höher, Schneller, Weiter‹«, sagt Deck. »Es ging um internationale Solidarität und ein starkes Zeichen gegen Nationalismus.« Die Arbeiterbewegung wollte sich von der Rekordhatz der Olympischen Spiele abgrenzen, auch mit dem »Langsam-Radfahren«. 1925 gewann übrigens der Deutsche Valentin Stieber diesen Wettbewerb. Für die 100 Meter lange Strecke benötigte er 14:22 Minuten.

Die meisten Interessierten, die vor der Paulskirche an den Infotafeln stehen bleiben oder sich den Flyer anschauen, haben von der Arbeiterolympiade noch nie etwas gehört. »Wir möchten diese Wissenslücke schließen«, sagt Katja Kämmerer. »Der Zuspruch damals war riesig. Und natürlich ging es dabei auch um die politischen Themen und Konflikte jener Zeit.« In Frankfurt gibt es heute fast keine sichtbaren Spuren mehr, die an die Arbeiterolympiade erinnern. Aber Kämmerer und Deck haben einen Audiorundgang mit elf Stationen mitgestaltet. So kann man durch die Stadt spazieren und sich in die Zeit von vor 100 Jahren zurückversetzen lassen.

»Es ging damals nicht um ›Höher, Schneller, Weiter‹.«Jan Deck Ensemble Profikollektion

Damals, im Juli 1925, nahmen mehr als 3000 Sportlerinnen und Sportler aus zwölf Ländern an der Arbeiterolympiade teil. Bei der Eröffnungsfeier im neu gebauten Waldstadion verzichteten sie auf Landesflaggen und Nationalhymnen. Stattdessen erklang die »Internationale«. Im Jahr zuvor, bei den Olympischen Spielen in Paris, hatte noch kein Team aus Deutschland teilnehmen dürfen, zu frisch waren die Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg. Doch nun, in Frankfurt, riefen Athleten aus Deutschland und Frankreich, die sich vor ein paar Jahren noch beschossen hatten, gemeinsam: »Nie wieder Krieg!«

Ein Halt auf dem Audiorundgang von Jan Deck und Katja Kämmerer führt an den Main und erinnert an den Festumzug, der während der Arbeiterolympiade stattfand. Rund 100 000 Menschen zogen durch Frankfurt, schwenkten Fahnen und verteilten Plakate. »Die Arbeitersportler wollten eine neue Körperkultur entwickeln«, sagt der Sportjournalist Martin Krauß. »Sie verknüpften körperliche und geistige Erziehung für ihre politischen Ziele.« Krauß hat die Teilhabe-Kämpfe der Sportgeschichte in einem Buch aufgearbeitet, der Titel: »Dabei sein wäre alles«. Darin beschreibt er auch die Fortführung des Klassenkampfes mit sportlichen Mitteln. »In Frankfurt wollte die Arbeiterbewegung ihre Stärke demonstrieren«, sagt er. »Nicht nur mit Sport, sondern auch mit Kulturveranstaltungen und Choreografien.«

Die Arbeiterolympiade wurde von gymnastischen Übungen mit Tausenden Teilnehmenden begleitet. Im Stadion fanden Schachspiele mit »lebenden Figuren« statt. Der jüdische Schriftsteller Alfred Auerbach inszenierte mit mehreren Chören das Theaterstück »Kampf und die Erde« als Protest gegen Großmachtstreben und den Raubbau von Bodenschätzen. Friedrich Adler, Generalsekretär der Sozialistischen Internationalen, empfand die Spiele als »mächtiger als alles, was der Arbeiterklasse bislang gelungen ist«. Rund 450 000 Menschen besuchten die fünftägige Arbeiterolympiade.  

Eine solche Entwicklung war im späten 19. Jahrhundert kaum vorstellbar gewesen. Die Arbeiter hatten zu wenig Freizeit für Wettkampfsport. Und wenn doch, dann konnten sie sich die teuren Mitgliedsbeiträge und Sportbekleidungen für bürgerliche Vereine nur selten leisten. Erst durch die Aufhebung des Sozialistengesetzes 1890 wurde es für Arbeiter möglich, Vereine und Verbände zu gründen. Auch im Sport. Doch weiterhin wurde der Arbeitersport im Kaiserreich eng überwacht. Die Justiz betrachtete sozialistische Sportvereine als politische Organisationen. Die Polizei überwachte Wettkämpfe und Versammlungen – und löste diese mitunter gewaltsam auf. Die Repression ging erst zurück, als das Kaiserreich kollabierte.

Gegen den Krieg und die Nationalsozialisten: Das Plakat zur Arbeiterolympiade wikimedia

Nach der Einführung des Achtstundentages 1918 wuchs der Arbeitersport. Es entstanden Hunderte Vereine für Fußball, Turnen oder Wandern. Viele von ihnen forderten eine »Flucht in die Natur«. Sie errichteten Sportplätze oder funktionierten Kneipenräume in Sporthallen um. Der Arbeiter-Turnverlag in Leipzig etablierte einen Versandhandel für Kleidung, Sportgeräte und Vereinsutensilien. 1930 zählte die Dachorganisation, der Arbeiter-Turn- und Sportbund (ATSB), rund 1,2 Millionen Mitglieder.

Doch die Entwicklung des Arbeitersports wurde von etlichen Konflikten begleitet. Und es gibt wohl nur wenige, die sich damit so gut auskennen wie der Frankfurter Stadthistoriker Dieter Wesp. »Es wurde lange darüber diskutiert, wer eigentlich an der Arbeiterolympiade teilnehmen durfte«, sagt Wesp. »Denn die Spaltung der Arbeiterbewegung setzte sich im Sport fort.«

In der Weimarer Republik stritten Sozialdemokraten und Kommunisten erbittert über die Auslegung des Sozialismus. Als Präsident des Arbeiter-Turn- und Sportbundes setzte sich der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Cornelius Gellert für einen reformerischen Kurs ein. Nach internen Spannungen schloss der ATSB 1928 revolutionäre KPD-Anhänger aus. Die Kommunisten gründeten ihren eigenen Sportverband und planten als Konkurrenz zur Arbeiterolympiade eine Spartakiade in Berlin. Doch der sozialdemokratische Polizeipräsident von Berlin untersagte die Veranstaltung.

Dieter Wesp hat im Mai in Frankfurt einen Vortrag über die Arbeiterolympiade gehalten. Auf dem Einladungsflyer war das Plakatmotiv der Spiele von 1925 abgebildet: Ein Sportler in kurzer Hose steht mit einer roten Fahne auf zerstörten Waffen und Soldatenhelmen. Zu erkennen ist auch eine zerrissene Hakenkreuz-Fahne. »Schon 1925 haben sich Arbeitersportler gegen die Nationalsozialisten gestellt«, erklärt Wesp und erinnert an ihre späteren Proteste und Streiks vor der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler.

Nach der Machtübernahme 1933 wurden die Vereine der Arbeitersportler zerschlagen und ihr Besitz beschlagnahmt. Viele Mitglieder wollten das Verbot umgehen und wählten für ihre Gruppen Namen, die weniger »verdächtig« klangen. Andere schlossen sich dem Widerstand an, wie eine Wanderausstellung herausarbeitet, die seit 2018 durch Deutschland tourt. Der Titel: »Der andere Fußball«. Die Ausstellung, die im Sommer 2024 auch im Münzenberg-Forum in Berlin zu Gast war, in dem Gebäude, in dem die Redaktion des »nd« ihren Sitz hat, erinnert zum Beispiel an August Postler. Der Arbeiterfußballer beteiligte sich noch 1933 an der Verbreitung der Zeitung »Roter Nordsport«. Die Gestapo nahm Postler fest. Im März 1934 starb er in Haft, vermutlich an den Folgen der Misshandlung.

»In Frankfurt wollte die Arbeiterbewegung ihre Stärke demonstrieren.«Martin Krauß Sportjournalist

Biografien wie diese spielen in der Geschichtsschreibung des deutschen Sports keine große Rolle. Und auch außerhalb von Deutschland ist wenig bekannt, dass der Boom der Arbeiterolympiade nur kurz war. Die zweite Auflage der Spiele fand 1931 in Wien statt. Die dritte war für 1936 in Barcelona geplant, doch der Beginn des spanischen Bürgerkrieges führte zur Absage. Die letzte Arbeiterolympiade ging 1937 in Antwerpen über die Bühne. Und nach dem Krieg blieb der Arbeitersport, wenn überhaupt, eine Nische.

Wenn die Künstlerin Katja Kämmerer und der Theatermacher Jan Deck über die Arbeiterolympiade sprechen, dann denken sie an die Bedrohung durch Faschisten, an die Ausbeutung von Arbeitskräften oder an Wohnungsknappheit, alles Themen, die auch die Gegenwart prägen. Doch sie möchten auf ihrem Festival in Frankfurt auch den Fortschritt in den Blickpunkt rücken.

Bei Olympia 1924 in Paris durften nur wenige Sportlerinnen an den Start gehen. Vor allem die Leichtathletik und das Turnen lehnten die Aufnahme von Frauen ab. Ganz anders war es bei der Arbeiterolympiade in Frankfurt ein Jahr später, wo Frauen selbstverständlich mitwirken konnten, auch an der Organisation. 100 Jahre später ist das im deutschen Sport noch immer nicht überall selbstverständlich.

Erstveröffentlich im nd v. 29.7. 2025
https://nd.digital/editions/nd.DerTag/2025-07-29/articles/19038132

Wir danken für das Publikationsrecht.

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