US-Basis in Ramstein: Deutschlands blinder Fleck in der Westpfalz

Während europäische Verbündete den USA im Iran-Krieg Steine in den Weg legen, erlaubt das Merz-Kabinett die Nutzung der Air Base Ramstein unbeschränkt

Von MATTHIAS MONROY

Großbritannien, Frankreich und Spanien haben den USA für den Iran-Krieg den Überflug oder Zwischenlandungen militärischer Flugzeuge teilweise oder für einen längeren Zeitraum untersagt. Italien soll sogar die Nutzung des Stützpunkts Sigonella auf Sizilien zeitweise eingeschränkt haben. Eine vergleichbar ausgestattete US-Luftwaffenbasis befindet sich in Ramstein in der Westpfalz – sie ist eine von rund 40 US-Einrichtungen in Deutschland. Die Bundesregierung wollte dem Nato-Partner aber keinerlei Beschränkungen auferlegen, obwohl der Iran-Krieg nach Einschätzung vieler Expert*innen klar völkerrechtswidrig ist. Selbst nachdem US-Präsident Donald Trump diese Woche öffentlich mit der vollständigen Auslöschung des Iran gedroht hatte, hielten Kanzler Friedrich Merz (CDU) und sein Kabinett still.

Die Ramstein Air Base nahe dem Ort Ramstein-Miesenbach liegt auf deutschem Hoheitsgebiet. Schon Adolf Hitlers Luftwaffe hatte den Flugplatz genutzt, die US-Armee eroberte ihn kurz vor Kriegsende. Über das Nato-Truppenstatut von 1951 und einen Aufenthalts- und Nutzungsvertrag von 1954 hat die Bundesrepublik der Regierung in Washington die uneingeschränkte Nutzung und Immunität zugesichert. Behörden des Bundes oder aus Rheinland-Pfalz haben – genauso wie Politiker*innen – keinen Zugang, außer sie stellen dafür bei der US-Botschaft einen Antrag.

Völkerrechtswidriger Drohnenkrieg via Ramstein

Seit 1973 ist Ramstein das Hauptquartier der US-Luftwaffe in Europa. Durch die Enthüllungen Edward Snowdens wurde ab 2013 außerdem bekannt, wie der Stützpunkt für völkerrechtswidrige Drohneneinsätze in Pakistan und Afghanistan eine Schlüsselrolle übernimmt: Auf der Basis ist – wie im italienischen Sigonella – eine Relaisstation installiert, über die Satellitensignale zur Steuerung von Drohnen und ihrer Aufklärungsdaten in Glasfaserkabel Richtung USA geleitet werden.

Die Weiterleitung von Steuerungs- und Aufklärungsdaten von Drohnen erfolgte in den Zehnerjahren via Ramstein – womöglich sogar heute noch.
Die Weiterleitung von Steuerungs- und Aufklärungsdaten von Drohnen erfolgte in den Zehnerjahren via Ramstein – womöglich sogar heute noch. Foto: US-Luftwaffe

Der frühere US-Kampfdrohnenbediener Brandon Bryant hatte dies im NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestags bestätigt: Alle Datenverbindungen des US-Militärs mit dem Mittleren Osten und Afrika liefen über sichere Standleitungen, deren Knotenpunkt die Westpfalz sei. »Wir hätten ohne Ramstein nicht gewusst, wo wir fliegen«, sagte der Whistleblower Bryant. Auch die Auswertung von Aufklärungsdaten erfolgt bekanntlich auf dem US-Luftwaffenstützpunkt.

Verfassungsgericht sieht deutsche Schutzpflicht

Die außergerichtlichen Hinrichtungen mit Drohnen wollte die Bundesregierung unter Angela Merkel (CDU) damals nicht unterbinden, da ihr angeblich die rechtlichen Mittel dazu fehlten. Aufforderungen der Opposition zur Kontrolle der US-Aktivitäten in Ramstein ignorierte die Große Koalition über mehrere Jahre. Im Sommer 2016 räumte das Auswärtige Amt im Bundestag immerhin ein, dass »die globalen Kommunikationswege der USA zur Unterstützung unbemannter Luftfahrzeuge Fernmeldepräsenzpunkte auch in Deutschland mit einschließen« und dass über Ramstein »Signale weitergeleitet« würden. Diese Anlage war sogar zwischenzeitlich mit Wissen der Bundesregierung verbessert worden. Trotzdem weigerten sich Merkel und ihr Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD), die Basis zu inspizieren.

Mehrfach hatten Angehörige von Opfern vor deutschen Gerichten gegen die Bundesregierung wegen der Duldung der US-Drohnenangriffe via Ramstein geklagt. Das Bundesverfassungsgericht wies zuletzt 2025 eine Beschwerde zweier Jemeniten ab, betonte aber, dass in Einzelfällen eine grundgesetzliche Schutzpflicht gegenüber Menschen im Ausland bestehen könne – wenn ein hinreichender Bezug zur deutschen Staatsgewalt vorliege und eine ernsthafte Gefahr der systematischen Verletzung des Völkerrechts gegeben sei.

Bundesregierung schaltet auf Durchzug

Ein solcher fortgesetzter Völkerrechtsbruch dürfte spätestens mit Trumps Drohung an den Iran, »eine ganze Zivilisation wird heute Nacht sterben«, vorliegen – trotzdem schaltete die Bundesregierung zum Thema Ramstein weiter auf Durchzug. Dabei zeigten öffentliche Auswertungen bereits Tage vor Beginn des israelisch-amerikanischen Angriffskriegs, dass die US-Basis auch dafür als Drehkreuz genutzt wird. Was die vielen Maschinen konkret transportierten, ist nicht bekannt. Wie viele Flugbewegungen insgesamt stattfanden, kann oder will die Bundesregierung nicht sagen.

»Die Nutzung der Militärbasen in Deutschland unterliegt rechtlichen Verabredungen beziehungsweise Verträgen, die völkerrechtlichen Bestand haben, die sich auch im Rahmen unserer Rechtsordnung bewegen. Deswegen werden wir sie nicht einschränken«, erklärte Regierungssprecher Stefan Kornelius kurz nach Beginn des Iran-Kriegs. »Sie lassen uns in bestimmten Gebieten landen, und wir wissen das zu schätzen, und sie machen es uns einfach angenehm«, lobte US-Präsident Trump beim Besuch des Bundeskanzlers Anfang März.

Drei deutliche Gutachten zum Iran-Krieg

Die Linksfraktion im Bundestag wollte sich damit nicht abfinden und hat drei Gutachten bei den wissenschaftlichen Diensten des Bundestags zum Iran-Krieg bestellt. In der Gesamtschau ist deren Befund zu den am 28. Februar begonnenen Angriffen eindeutig: Die Militäroperationen der USA und Israels gegen den Iran verstoßen demnach gegen das Gewaltverbot der UN-Charta. Weder lag ein gegenwärtiger bewaffneter Angriff des Iran vor, der ein Selbstverteidigungsrecht ausgelöst hätte, noch existierte ein Mandat des UN-Sicherheitsrats. Eine präventive Selbstverteidigung, auf die sich Israel berief, erkennt das Völkerrecht nicht an. Die von den USA angeführte atomare Bedrohung durch den Iran gilt den Expert*innen als kaum haltbar – Trump selbst hatte erklärt, iranische Nuklearanlagen seien bei früheren Operationen bereits vollständig zerstört worden.

Die Linke-Politiker*innen Lea Reisner, Ulrich Thoden sowie der Fraktionschef Sören Pellmann hatten auch gefragt, ob das Zurverfügungstellen von Hoheitsgebiet für Angriffshandlungen eines anderen Staates selbst als Aggression gewertet werden kann. Die Gutachten sehen zu den US-Militärbasen in Deutschland auf jeden Fall Anhaltspunkte: Demnach macht sich ein Staat der Beihilfe zu einer völkerrechtswidrigen Handlung schuldig, wenn die Haupttat rechtswidrig ist – was die Gutachten bejahen. Der unterstützende Staat muss dazu aber die Umstände des Völkerrechtsbruchs kennen – was die Bundesregierung wohl kaum leugnen kann.

Linke fordert Schließung aller US-Militärstützpunkte

Wie viel Schuld die deutsche Unterstützung zur Haupttat Israels und der USA beiträgt, ist unklar, solange die Bundesregierung sich weiterhin weigert, den Luftwaffenstützpunkt in Ramstein und die anderen US-Standorte in Deutschland zu inspizieren. Aus der Opposition meldet sich deshalb am Mittwoch die Linke mit scharfen Forderungen zu Wort: Angesichts der beispiellosen US-Drohungen gegen den Iran verlangten sowohl Parteivorsitzende Ines Schwerdtner als auch Fraktionschef Pellmann am Mittwoch die Schließung aller US-Militärstützpunkte in Deutschland.

»Ich erwarte von Friedrich Merz, dass er sehr schnell sein zukünftiges Verhältnis zu den USA gegenüber Deutschland erklärt«, sagte Schwerdtner der Deutschen Presse-Agentur. Pellmann warf den USA und Israel vor, das Völkerrecht mit Füßen zu treten und die Zivilbevölkerung des Iran »zum Erpressungsobjekt für Deals« zu machen. Forderungen an die Angriffskriegspartei Israel oder die Bundesregierung, etwa den Botschafter Jerusalems dazu einzubestellen, hatten die linken Partei- und Fraktionsvorsitzenden nicht.

Erstveröffentlicht im nd v. 8.4. 2026
Blinder Fleck Ramstein

Wir danken für das Publikationsrecht.

Call for Acton – Unterstützer:innen Treffen gegen Waffenproduktion

Der Sommer wird antimilitaristisch und dafür brauchen wir Euch!
Und angesichts der Weltlage braucht die Menschheit Antimilitarismus!
Unterstützer:innen Treffen

14. April um 17-19 Uhr, Rosa-Luxemburg-Saal im Karl-Liebknecht-Haus (Kleine Alexanderstraẞe 28)

Das Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion, bestehend aus über 20 Organisationen, ruft für den 10.-11. Juli bundesweit zu Aktionstagen gegen Krieg auf.

Anlass ist der Beginn der Munitionsproduktion im Rheinmetall-Werk im Wedding. Damit wird zum ersten Mal seit dem zweiten Weltkrieg in Berlin wieder Kriegsgerät hergestellt, und das mitten im Herzen der Hauptstadt.

Die Waffenfabrik in unserem Kiez steht stellvertretend für einen allgemeinen Trend der Aufrüstung und Militarisierung in Deutschland und Europa, dem wir uns gemeinsam entgegen setzen müssen.

Um die Aktionstage und die Wochen davor mit vielen starken und kreativen Aktionen zu füllen, rufen wir alle Organisationen, die gegen Aufrüstung und sozialen Kahlschlag aktiv sind oder werden wollen auf, sich zu beteiligen.

Um unseren Plan vorzustellen und gemeinsam erste Ideen zur Zusammenarbeit zu entwickeln laden wir Euch zum Unterstützer:innen-Treffen der Aktionstage ein.

Wann? 14. April um 17-19 Uhr Wo? Rosa-Luxemburg-Saal im Karl-Liebknecht-Haus (Kleine Alexanderstraẞe 28)

Egal wozu ihr sonst noch arbeitet, ob Feminismus, Internationalismus, Kampf gegen den Klimawandel, die Wehrpflicht oder etwas ganz anderes. Wir wollen Aktive aus möglichst vielen Perspektiven zusammenbringen und zeigen: im Krieg hat niemand von uns etwas zu gewinnen!

Wir freuen uns auf Euch.
Meldet uns gerne wer von euch kommt, das hilft uns bei der Planung.

berliner.buendnis.gegen.waffen

Hier der link. tree zum Social Media Auftritt des Bündnisses

„Merz leck Eier“ – ein Ostergruß

Die Berliner Polizei ermittelt gegen einen 18-jährigen Schüler, der bei der Demo gegen die Wehrpflicht am 5. März ein Plakat mit der Aufschrift „MERZ LECK EIER“ zeigte. Der Schüler wurde verhaftet und das Plakat beschlagnahmt. Der Vorwurf lautet auf üble Nachrede und Verleumdung gegen den Bundeskanzler. Der Vorfall löste eine breite Debatte über Meinungsfreiheit aus und führte zu Solidaritätsaktionen.

Der Spruch verbreitete sich als Meme, wurde auf Demos gerufen, an der TU Berlin als Banner aufgehängt und als Solidaritätskampagne genutzt.

Bild Theda Ohling, Ostermarsch 2026

Aus Protest gegen diesen Eingriff in die Meinungsfreiheit fordert der linke Jugendverband Solid dazu auf, Solidaritätsbotschaften aufzunehmen die auf der Webseite »merzleckeier.de« veröffentlicht werden. Dort heisst es „In Berlin und München griff die Polizei zu Verhaftungen: Rufe und Plakate mit der Aufschrift »MERZ LECK EIER« und »Merz, stirb doch selbst an der Ostfront« waren Grund genug, um Schüler*innen festzunehmen.“

„Welchen Monat haben wir? – März!
 Was sagen wir dazu? – Leck meine Eier!“

Es war Schülerstreik am 5. März. Die freiheitliche Fassade, zu deren Verteidigung die Bundeswehr angeblich so dringend gebraucht wird, war gefallen. Unser Fazit zum Verhalten der Berliner Polizei: ihre Repressionen tragen oft mehr zur Aufklärung über die herrschenden Verhältnisse bei als hundert linke Seminare. Die Antwort der Demonstranten war schlagfertig: In Berlin hallte es durch die Straßen:
 „Welchen Monat haben wir? – März!
 Was sagen wir dazu? – Leck meine Eier!“

Der Berliner Landessprecher der Linksjugend Solid kündigt an: „Wir wollen eine Kampagne für die Schüler*innen starten, die sich mit den Betroffenen solidarisieren und gleichzeitig ihre Anliegen und den nächsten Streik am 8. Mai unterstützen. Denn wir sind nicht alleine gegen Wehrpflicht und Krieg – wir sind mehr! Insbesondere macht das Durchgreifen der Polizei für uns deutlich, welches Potential die Bewegung hat, wenn ihr so begegnet wird. Friedrich Merz und seine Handlanger in der Polizei sehen die Schüler*innen klar als Gefahr für ihre Kriegspläne.“

Der Landessprecher der Linksjugend beschreibt laut Junge Welt [1]https://www.jungewelt.de/artikel/519269.protest-gegen-wehrpflicht-solidarit%C3%A4tskampagne-gegen-repression-bei-schulstreiks.html die Aktion als »offene Mitmachaktion« und lädt alle ein, ihre Meinung über Merz in Form von Video- oder Textbotschaften an friedrich@merzleckeier.de zu schicken oder ihre lokalen Streikkomitees auf Instagram für Collabs anzufragen.

Der Vorgang hat Martin Sonneborn zu Ostern, dem „Fest der Eier“, dazu veranlasst, das Ganze in seiner eigenen historischen und dialektischen Entwicklung zu betrachten:

Und hier etwas größer, zum Nachlesen:
Moooment, werden Sie vielleicht gerade gedacht haben, was soll denn das – der MÄRZ ist doch schon vorbei?! Ein sicher nicht untypischer Gedanke für jemanden aus unserer Generation der Zeitungsleser. Aber hier geht es, ich muss es wissen, um Friedrich MERZ, den unbeliebtesten Regierungschef seit Menschengedenken. (Selbst Hitler in den letzten Kriegstagen dürfte höhere Zustimmungsraten gehabt haben. Honecker natürlich auch, Smiley!) Und dieser Merz ist leider noch nicht vorbei.

Als mich vor drei Jahre ein PARTEI-Freund anrief und mir erklärte, sein 14jähriger Sohn hätte bei der Kommunalwahl einen Sticker gebastelt, der im Internet über eine Million Klicks bekam, weigerte ich mich noch, den Spruch auf Plakate drucken zu lassen. Vor der letzten Bundestagswahl war die politische Situation in Deutschland bekanntlich verzweifelt. Wir alle wussten, was kommen würde. (Falls Sie sich erinnern, wir gingen mit „Der nächste Kanzler wird ein Arschloch!“-Plakaten in die Wahl.) Und ich wehrte mich nicht länger, wir plakatierten landesweit: „Leck Eier“ !

Viele junge Leute griffen die Formulierung auf. Richtig bekannt wurde der kleine Spaß, als ein Schüler mit einer selbstbemalten Pappe „Merz Leck Eier“ anlässlich einer Demonstration gegen die Wehrpflicht von der Berliner Polizei festgenommen wurde. Seitdem verbreitet er sich wie bekloppt.

Das Modell der westlichen Demokratie steckt in seiner tiefsten Krise. In Frankreich & Grobbritannien ertragen neun von zehn Bürgern ihre Regierungschefs nicht mehr. (Umfragen zufolge sind Macron & Keir Starmer fast genauso verhasst wie Friedrich Merz.) Anstatt sich für Sie, für die Bürger einzusetzen, für Frieden und Wohlstand, für bezahlbare Energie und funktionierende Infrastruktur, für Bildung und über Jahrzehnte errungene Sozialstaatlichkeit, setzen sie auf Militarisierung der Gesellschaft, auf „endlosen Krieg“ (Julian Assange) – und auf die Unterdrückung jeglicher Kritik daran.
Wer da nicht mitspielen will, der zeigt jetzt Eier. Smiley!

Wir danken Martin für diesen Beitrag und das Publikationsrecht.

Jetzt erst recht: “ Merz leck Eier“. Bis die Wehrpflicht weg ist!

Und: Save the date: nächster Schulstreik gegen die Wehrpflicht ist 8. Mai!

Wir möchten für die „nicht allerhellsten Köpfe“ und natürlich auch für die Berliner Polizei darauf hinweisen, dass es sich hier um bitterernste Realsatire handelt! Weil wir es einfach mögen, haben wir nicht nur das Titelbild, sondern auch gleich den Titel – mit eigenem Zusatz versteht sich – von der Jungen Welt entlehnt. Ganz vielen Dank an den Verlag.

Passend zum Thema: Protest gegen Polizeigewalt in Berlin

Titelbild: Junge Welt [2] https://www.jungewelt.de/artikel/520333.regierungschef-nicht-mitspielen-eier-zeigen.html

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