Erfolgreiche Arbeitersolidarität

Über 1000 chinesische Arbeiter in Russland umzingeln Polizeiauto und verhindern Festahme durch bewaffnete Polizisten

Titel: Über 1000 chinesische Arbeiter in Russland umzingeln Polizeiauto und verhindern Festahme durch bewaffnete Polizisten

Am 9. August kam es bei dem Erdgas-Chemiekomplex an der russischen Ostseeküste, ausgeführt von der China National Chemical Corporation No. 7 Construction Co. Ltd., zu massiven Protesten chinesischer Arbeiter. Nach Angaben der Arbeiter war der Auslöser ein chinesischer Arbeiter, der seit langem vergeblich versucht hatte, seine ausstehenden Löhne einzufordern und nach dem Genuss von Alkohol Mitarbeiter des Projektbetreibers beschimpft hatte.

Nachdem der Projektbetreiber die Polizei alarmiert hatte, trafen bewaffnete örtliche Polizeibeamte am Ort des Geschehens ein und versuchten, den betroffenen Arbeiter mitzunehmen.

Doch die Polizisten und ihr Polizeiauto wurden schnell von Tausenden chinesischen Arbeitern umzingelt, die sich weigerten, die Polizei gehen zu lassen.

Schließlich ließen die Polizisten unter dem kollektiven Druck der vor Ort anwesenden Arbeiter den betroffenen Arbeiter frei.

Yesterday 10.8.2026 via Youtube

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Quelle: Forum Arbeitswelten Deutschland China

Wir danken für das Publikationsrecht.

Faschismus ante portas? Was tun gegen die AfD vor den Landtagswahlen 2026?

Die gegenwärtige Politik des sozialen Kahlschlags, von Demokratieabbau, Militarisierung und internationaler Konfrontation führt bei dem Großteil der Menschen in Deutschland zu immer unerträglicheren Belastungen und arbeitet dem Rechtsextremismus strategisch in die Hände. Jede Kumpanei damit macht die Linke unglaubwürdig. (Peter Vlatten)

Von Thiess Gleiss, AKL, 19.August 2026

Nur noch wenige Tage bis zu den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt (6. September) und Mecklenburg-Vorpommern (20. September) und die Debatten über das Verhalten der Partei Die Linke gegenüber der scheinbar unaufhaltbar aufsteigenden AfD nehmen täglich an Schärfe zu. Für einen Teil des Parteiestablishments von Die Linke, angeführt vom Bundestagsvizepräsidenten Bodo Ramelow, aber auch solide im Parteivorstand und den Fraktionen im Bundestag und den Landtagen verankert, ist völlig klar, dass es hier um eine Krise der „Demokratie“ in ihrem Kampf gegen den „Autoritarismus“ geht und Die Linke ihrer Gesamtverantwortung für den gefährdeten demokratischen Staat gerecht werden müsse. In der Praxis heißt dies: Keine Berührung mit der AfD und Eingliederung in ein Allparteienbündnis der „demokratischen Parteien“, einschließlich möglicher Absprachen mit der CDU über gemeinsames Regieren in den Bundesländern.

n Sachsen-Anhalt hat die AfD 3500 Mitglieder. In den Umfragen unter den 1,7 Millionen Wahlberechtigten erhält sie 42,1 Prozent, bei den Bundestagswahlen 2025 hat sie tatsächlich schon 498.100 (37,1 Prozent) Stimmen erhalten. Die AfD würde mit dem aktuellen Umfrageergebnis 41 von 83 Sitzen im Magdeburger Landtag einnehmen.

In Mecklenburg-Vorpommern hat die AfD 2700 Mitglieder und erreicht bei den Umfragen unter 1,3 Millionen Wahlberechtigten 36 Prozent. Bei den letzten Bundestagswahlen hat sie real 357.356 Stimmen (35 Prozent) eingefahren. Wird das Umfrageergebnis erreicht, dann würde die AfD im Schweriner Landtag 28 von 71 Sitzen erobern.

In Sachsen-Anhalt werden voraussichtlich nur die CDU (in Umfragen 22,9 Prozent), die Partei Die Linke (13 Prozent) und vielleicht noch die SPD (6,6 Prozent) Mandate im Landtag gewinnen. Abstrakt parlamentarisch betrachtet ist die Regierungsübernahme der AfD nur durch ein Regierungsbündnis aus CDU, Die Linke und SPD zu verhindern.

n Mecklenburg-Vorpommern werden die SPD (in Umfragen bei 29 Prozent), Die Linke (11 Prozent) und die CDU (10 Prozent) sowie vielleicht die GRÜNEN (5 Prozent) im Parlament vertreten sein. Kommen die GRÜNEN in den Landtag, wären Koalitionen mit SPD, CDU oder mit SPD und Die Linke möglich, kommen sie nicht rein, wird auch hier nur eine Allianz von SPD, CDU und Die Linke die AfD verhindern.

Keine parlamentarische Chance, aber sie trotzdem nutzen

Leider hat der Bundesparteitag von Die Linke den Landesverbänden in MeckPomm und Sachsen-Anhalt freie Hand gegeben, sich auf jedes parlamentarische Abenteuer einzulassen. Anträge, die alte Tradition von linken und Arbeiter:innenparteien beizubehalten und keine Regierungsallianz oder Duldung mit den bürgerlichen Parteien einzugehen, fanden keine Mehrheit. Jetzt signalisieren die Verantwortlichen in beiden Landesverbänden, sie würden Absprachen mit der CDU eingehen und gegebenenfalls eine Regierung unter Führung der CDU stützen.

Eine solche Entscheidung wäre für Die Linke fatal und ein Rückschritt gegenüber der seit 2024 erfolgreichen Aufbauphase der Partei als linke, unabhängige Klassenpartei. Der Erfolg der AfD und ihre breite Unterstützung – die allerdings noch weit davon entfernt sind, ein vergleichbares Niveau an Wahlstimmen und vor allem gesellschaftlicher Verankerung zu erreichen wie es die NSDAP in ihrem Musterländle Sachsen-Anhalt 1932 erreichte – ist nicht zu trennen von der realen Politik, die CDU, SPD und GRÜNEN seit Jahren im Bund und in den Bundesländern betreiben. Diese Politik auf dem Rücken der Lohnabhängigen und besonders der Migrant:innen; die Zerschlagung von Sozialstaatsstrukturen in Gesundheit, Pflege, Rente und Bildung; die ungelöste Krise bei Mieten, Klima und Verkehrswende; die strukturelle Vernachlässigung der ostdeutschen Bundesländer – all das sind die Triebkräfte des Aufschwungs der rechten Parteien und vor allem der AfD. Hinzu kommen die Dauerkrise der Europäischen Union, die unerreichbar entfernt von dem Versprechen ist, eine blühende Zukunft des europäischen Kapitalismus schaffen, und die Kriegsorientierung der Regierungsparteien, die nicht nur alte Ängste vor Krieg und Zerstörung wiederbelebt, sondern unmittelbar zu einer enormen Verteuerung des täglichen Lebens geführt hat. Gerade hat eine Umfrage ergeben, dass die Sorge vor dieser Teuerung und Inflation bei Geldeinkommen die Hauptangst der Bevölkerung in Ostdeutschland ist.

Der Aufschwung der AfD ist mittlerweile nicht nur Ergebnis dieser Politik und der damit verbundenen Abstiegsängste, sondern die Partei hat es geschafft, dies zur Grundlage einer breiten Verankerung in der Gesellschaft zu machen. Das ist nur umzukehren, wenn sich erstens die konkrete Politik der Regierungen ändert und zweitens sich die Linke mit der Partei Die Linke an der Spitze selbst daran macht, eine breite gesellschaftliche Front gegen Rechts aufzubauen und ihre Verankerung in der Gesellschaft als sozialistische Alternative voranzutreiben.

Mit einer wie auch immer gestalteten Allianz mit CDU und SPD im Regierungshandeln, wird sich die konkrete Politik natürlich nicht ändern. Die winzigen Zugeständnisse, die Die Linke für eine Koalition oder eine Duldung eines CDU- oder SPD-Ministerpräsidenten erreichen könnte, wären nichts gegen die Zugeständnisse, die der bürgerlichen Politik gemacht werden müssten und ein Todesstoß für jede Glaubwürdigkeit der Linken.

Eine Koalition oder Duldung ganz besonders der CDU wäre ein Kotau vor der Bundesregierung, wäre ein weiteres Aufbauprogramm für die AfD und die Preisgabe jeder Oppositionsrolle an eben diese AfD.

Parlamentarisch gibt es keine „Lösung“ des AfD-Problems. Dort ist nur eine Minderheitsregierung denkbar, bei der Die Linke nur die Dinge unterstützt, die sozial verträglich sind.

Eine Allparteienregierung, wie auch eine parteiunabhängige „Expertenregierung“ müssen verhindert werden. Der Kurs zum Aufbau einer politisch unabhängigen Klassenpartei ist für die Partei Die Linke alternativlos.

Wir danken für das Publikationsrecht.

Titelbild: AKL

Kein Modewort

Kurt Pätzolds »Faschismus­-Diagnosen« erscheinen in neuer Auf­lage und erhellen aktuelle Debatten um den Begriff

Von BETTINA RICHTER

Siehe auch Das Volk folgt … in der jungen Welt v. 18.8. 2026

Der Untertitel des neu aufgelegten Werkes »Fa­schis­mus-Dia­gno­sen« des vor zehn Jahren verstorbenen Historikers und Fa­schis­mus­for­schers Kurt Pätzold, verweist auf Texte aus den Jahren von 1922 bis 1964. Die Furcht ist unbegründet, dass es sich hier um abgestandenes Zeug handelt. Nicht nur wegen der Bundestagskuppel auf dem Cover. Insbesondere die Zitate auf der Rückseite holen das Buch in die Gegenwart. »Faschismus hat niemals in irgendeinem Lande ›die Macht ergriffen‹. In jedem Fall wurde der Faschismus durch die bürgerliche Demokratie von oben an die Macht gebracht.« Das klingt erschreckend aktuell. Tatsächlich aber ist das eine Einschätzung von 1934, getroffen von Ra­jani Palm Dutt, einem britischen Politiker indischer Herkunft.

Wir spüren täglich, wie sich die Gesellschaft aus ihrer Mitte verändert. Hier wie in Europa und in Übersee. Wie rechte, antidemokratische Bewegungen salonfähig gemacht werden, indem man ihre Organisationen wie »normale« Parteien behandelt und ihren Protagonisten Aufmerksamkeit schenkt: in den Me­dien, in den Parlamenten. So fließt deren rassistisches, chauvinistisches, ahuma­nes Gedankengut ins kollektive Bewusstsein. Zwar werden verbal »Brandmauern« errichtet, doch die existieren nicht einmal virtuell, also in der Vorstellung der Baumeister. Komm, geh, wird schon nichts passieren, die werden sich selbst entzaubern, wenn sie in der Verantwortung stehen. Bruder Leichtfuß und Schwester Blau­auge winken ab.

Der Faschismusforscher und Historiker Kurt Pätzold hat eine bemerkenswerte Textsammlung zusammengestellt. Sie erschien erstmals wenige Monate vor seinem Tode – Pätzold starb am 18. August 2016. Wegen der aktuellen Entwicklungen, deren Zeugen wir sind, hat der Deutsche Militärverlag – der Antikriegsverlag diese herausragende Pu­bli­ka­tion neu aufgelegt. Und natürlich auch, um an den marxistischen Autor und Herausgeber zu erinnern, der Bleibendes und unverändert Gültiges hinterlassen hat.

Wegen der aktuellen Entwicklungen, deren Zeugen wir sind, hat der Deutsche Militärverlag – der Antikriegsverlag diese herausragende Pu­bli­ka­tion neu aufgelegt.

Auch mit diesen Zeugnissen, die in den geistigen und politischen Kämpfen gegen den Nazifaschismus entstanden sind. Ihre Autoren: Politiker, Wissenschaftler und Journalisten; Italiener, Deutsche, Franzosen, Briten und Russen. Manche Texte wurden auf Beratungen von Par­tei­gre­mien diskutiert und flossen in Beschlüsse ein, in denen Strategie und Taktik des antifaschistischen Kampfes bestimmt wurden. Es ging damals um Orientierung, Formierung und Mobilisierung von Antifaschisten. Dass die überwiegende Zahl dieser Texte von Kommunisten und Sozialdemokraten stammt, zeigt nur den herausragenden Anteil der Linken im antifaschistischen Kampf, wenn sie ihn damals auch nicht zu gewinnen vermochten.

Pätzold wollte mit dieser Pu­bli­ka­tion »zum Lesen der vollständigen Aufsätze, Artikel, Beschlüsse und Auf­rufe« anregen. Dies auch mit der Absicht, nicht die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. Fehl­dia­gno­sen und Irrtümer auf den Feldern der Politik – etwa die verhängnisvolle Sozialfaschismustheorie – haben bekanntlich schreckliche Folgen gezeitigt. Der linke Hochmut ist jedoch weder nach 1945 noch nach 1989 verschwunden. Die Besserwisserei scheint leider unsterblich, ideologische Verblendung eine Berufskrankheit von Revolutionären.

Unausrottbar wie eben auch die Verschleierung des Wesens und der Ursprünge des Faschismus. Darauf wies Pätzold immer wieder hin. »Seit 1939 besitzt die Faschismusforschung einen Wegweiser«, beginnt er seine kon­struk­tive Einführung. »Er trägt die Inschrift ›Wer vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus schweigen.‹ Aufgestellt hat ihn Max Horkheimer, ein aus Deutschland vertriebener Soziologe und Philosoph, der über die Schweiz in die Vereinigen Staaten geflohen war.«

In den acht Jahrzehnten seit der Zerschlagung der Nazi­dikta­tur wurden un­zäh­lige Werke über die faschistischen Verbrechen verfasst, über Holocaust, Er­obe­rungs- und Vernichtungskriege, ohne dass darin auch nur ein Wort über die bür­ger­lich-kapi­ta­lis­tische Gesellschaft verloren wurde. Dass der Schoß kapi­ta­lis­tisch war und noch immer fruchtbar, verschwiegen und verschweigen die Autoren. Für sie wurzelte das Verbrechen im Wahnsinn Einzelner, in der Hy­bris bestimmter Gruppen, im Größenwahn von Verwirrten und Verklemmten.

Diese Lesart herrscht unverändert vor. Die heutige Politik der USA wird darum auch von einem einzigen Idioten gemacht, erratisch und hirnverbrannt. Wirk­lich? Ist er, trotz aller offenkundigen intellektuellen Defizite, nicht doch der konsequente Vollstrecker von Interessen der Klasse, aus der er kommt? Die hinter ihm steht, beifällig nickt, applaudiert, ihm dankbar und devot Fuß­ball­trikots und Friedenspreise überreicht, wenn er »die Drecksarbeit« erledigt?

Der Begriff »Faschismus« wurde erfolgreich aus der deutschen Sprache depor­tiert. Die Erscheinung heißt wieder so, wie ihre Ak­teure sie einst tauften: Nationalsozialismus. Das zu demagogischen Zwecken benutzte Etikett klebt wieder fest. Das allerdings ist kein Grund, dass Antifaschisten auf alles, was rechts ist, das Etikett »Faschismus« kleben sollten.

Das schrieb übrigens Pätzold, als Luigi Pantisano noch Quartiersmanager in Konstanz war, und warnte damit vor dem Unvermögen, die Verfasstheit des bür­ger­lich-kapi­ta­lis­tischen Staates und seiner In­stru­mente differenziert wahrzunehmen und zu beurteilen. Das habe etwa in der Weimarer Republik »zur Geringschätzung demokratischer Zu­stände« geführt, »die wesentlich in Kämpfen von Arbeitern errungen worden waren. In dieser Sicht minimierte sich die Differenz zwischen der bürgerlichen Demokratie und der faschistischen Herrschaft, die beide zwar Überbauten der kapitalistischen Gesellschaft waren, aber mit schwerwiegenden Unterschieden für das soziale und politische Dasein der werktätigen Massen.« So der Marxist Pätzold. Parolen wie »Wir pfeifen auf die Freiheit der Spießer­republik« oder »Repu­blik, das ist nicht viel, Sozialismus ist das Ziel« – in den 1920er Jahren sehr populär –, waren für ihn Ausdruck eines gefährlichen Realitätsverlustes. Die Folgen sind bekannt.

Können uns solche jahr­zehnte­alten Texte helfen, gegenwärtige Entwicklungen und Zustände zu verstehen? Unbedingt. Der Klassencharakter des Faschismus hat sich auch in 100 Jahren nicht geändert. Die Geschichte der bür­ger­lich-kapi­ta­lis­tischen Gesellschaft ist nicht zu Ende, die Zukunft offen und alles möglich. Antifaschisten sollten aber, in Kenntnis der Vergangenheit und unter Vermeidung der alten Fehler, auf den Gang der Geschichte Einfluss zu nehmen versuchen.

Wolfgang Heises 1964 formulierte und von Pätzold ans Ende seines Buches gesetzte These bleibt unverändert gültig: »Solange Privateigentum und Kapitalismus herrschen, bleibt diese latente und unter entsprechenden Bedingungen im Imperialismus nach staatlicher Norm ausbrechende Bestialität als Untergrund der Oberflächenzivilisation bestehen.«

Kurt Pätzold: Faschismus-Diagnosen. 1922 bis 1964. 62 Texte von 26 Autoren. Deutscher Militärverlag – der Antikriegsverlag, 146 S., br., 14 €.

Erstveröffentlicht im nd v. 18.8. 2026
Faschismus-Diagnosen

Wir danken für das Publikationsrecht.

Hier gehts zum Verlag:
https://militaerverlag.de/?product=faschismus-diagnosen

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