Berliner Mercedes-Arbeiter sagen: Für eine starke IG Metall bei Tesla

Erklärung 

Die Gruppe „Autoarbeiter für eine kämpfende IG Metall“ besteht nach unseren Informationen nicht mehr in der ursprünglichen Zusammensetzung, wird aber unter gleichem Namen von Einzelpersonen weiterbetrieben. Anders als zu Beginn agiert sie inzwischen in einer Weise und vertritt Positionen, die von unserer Redaktion abgelehnt werden.

Ergänzende Erklärung zu diesem Beitrag

Nach Veröffentlichung des unten stehenden Flyers (damals noch in der inhaltlichen Positionierung in der Hauptseite voll ok) wurde bekannt, dass die Marienfelder ihn ohne Abstimmung mit den Tesla Kolleg:innen vor den Werkstoren von Tesla verteilt hatten.

Es fand im Anschluß unter Moderation der Redaktion von Forum Gewerkschaftliche Linke Berlin ein Treffen zwischen Vertretern beider Werke statt, auf dem klargestellt wurde, dass nur abgestimmte - keine eigenmächtigen - Aktionen vor dem Werk des jeweils anderen stattfinden.

Kolleg:innen des einen Autokonzerns Mercedes treten den Kolleg:innen eines anderen Autokonzerns Tesla zur Seite und ermutigen sie gemeinsam gewerkschaftlich für die gleichen Forderungen zu kämpfen. Ein beispielhafter Vorgang. Die Angriffe von Musk auf Gewerkschaften und die Rechte der Beschäftigten gehen uns alle an!

Von Zukunftsversprechungen der Bosse, ob sie nun Musk oder Källenius heissen, können sich die Arbeiter:innen nichts kaufen. Sie dienen bestenfalls dazu, die Beschäftigten zu Höchstleistungen anzutreiben. Sie sind nichts mehr wert, wenn Strategien nicht aufgehen oder anderswo mehr Profit winkt.

Die Kolleg:innen von Mercedes Marienfelde können ein Lied davon singen. Die Hoffnung im Ohr erleben sie Belegschaftsabbau auf Raten. Bei Tesla sieht es nicht anders aus. „Wir fahren die Produktion hoch, nicht runter“, sagte Tesla Werksleiter Thierig in Abgrenzung zur Auto-Konkurrenz.

Tatsächlich ist die Produktion laut Handelsblatt in Grünheide 2025 dramatisch eingebrochen, 30 Prozent weniger als 2024. Schon damals lag die Auslastung in Grünheide bei mickrigen 56,3 Prozent, 2025 sank sie dann auf 39,7 Prozent. Dieses Jahr setzt sich dieser rekordverdächtige Wert an Unterauslastung fort. Das alles ohne Tarifvertrag mit der IG METALL. Aber Musk und seine hiesigen Statthalter malen die Tesla Welt – gewerkschaftslos- heute und morgen in rosaroten Farben. Nur für den Fall, daß die Belegschaft sich gewerkschaftlich organisiert, soll die Zukunft tiefschwarz aussehen. Die IG Metall soll Teufelswerk und für alle Fehlentwicklungen verantwortlich sein.

In Wirklichkeit wurden bereits über 1600 Kolleg:innen klammheimlich abgebaut. Die Realität heißt: weniger Autos, weniger Jobs! Das Spiel ist durchschaubar. Die Belegschaft soll wehrlos sein, wenn das Management die Hosen runter lassen muss. Gewünscht ist eine Belegschaft gespalten ohne Kampfbereitschaft, ohne Gewerkschaft, ohne Tarifvertrag, ohne einen starken Betriebsrat, der ihre Interessen wirklich vertritt.

Aktive Gewerkschafter:innen von Mercedes verteilten am 2. März, kurz vor den Betriebsratswahlen, vor den Toren von Tesla Grünheide ein Flugblatt.[1]wir wurden vorab informiert und um Veröffentlichung gebeten Sie teilen ihre Erfahrungen mit. Nicht von den Versprechungen des Managements einseifen lassen. Von Drohungen nicht einschüchtern lassen. Gewerkschaftlich organisieren, damit die Belegschaft wehrhaft ist. Angesichts der Angriffe im gesamten Automobilsektor, der nicht zuletzt unter den geopolitischen Verwerfungen angestiftet von rechten Hardlinern a la Musk leidet, müssen die Autoarbeiter:innen sich konzernubergreifend zusammenschließen!

An alle Arbeiter der Tesla Giga Factory in Grünheide:

Wir, Arbeiter im Mercedes-Benz-Werk in Berlin-Marienfelde, unterstützen euren Kampf aus vollem Herzen! Ihr könnt Geschichte schreiben. Macht euer Werk zur weltweit ersten Tesla-Fabrik mit Tarifbindung! Dazu müsst ihr gewerkschaftliche Macht in eurem Betrieb aufbauen.

  • Tretet in unsere IG Metall ein!
  • Wählt Liste 1!

Elon Musk, der reichste Mann der Welt, und seine deutschen Laufburschen in eurer Werkleitung sind fanatisch gewerkschaftsfeindlich. Sie wollen willige Arbeitsknechte, die alles mit sich machen lassen. Ihr könnt diesem Größenwahn Einhalt gebieten. Sie brauchen euch. Auch Elektroautos bauen sich nicht von allein.

Wir produzieren nur 35km voneinander entfernt hochwertige Autos bzw. PKW-Komponenten. Also sollten wir auch die gleichen Arbeitsbedingungen haben!

  • die gleichen Löhne
  • die gleiche 35h-Arbeitswoche
  • das gleiche Urlaubs- und Weihnachtsgeld
  • die gleichen Schichtzulagen

Als einzelner Arbeiter bist du deinem Boss gegenüber machtlos. Mit einer Gewerkschaft kann so etwas durchgesetzt werden. Es muss Schluss sein mit den menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in eurem Werk:

  • Arbeitsplätze und Taktzeiten, die nicht krank machen!
  • Zusätzliche Pausen an den Bändern!
  • Krankmeldungen ohne Schikane und Hausbesuche
  • Schluss mit der Nasenpolitik bei Eingruppierungen!
  • Übernahme der Leiharbeiter!
  • Freie gewerkschaftliche Betätigung im Betrieb!
  • Schluss mit dem Ausspionieren der Belegschaft!
  • Achtung eurer Würde! Keine Respektlosigkeiten durch Vorgesetzte!

Unser Management ist kein Stück besser. Källenius beschwerte sich über Arbeiter in Deutschland: „Es darf nicht so einfach sein, sich krankzumelden.“ (SZ, 12.12.2024) In den US-Südstaaten – seit Jahrzehnten gewerkschaftsfeindlich – haben sich die deutschen Autobauer eine goldene Nase verdient. Jason Wade von der UAW (US-Autoarbeiter-Gewerkschaft) berichtete kürzlich: „Als die Beschäftigten begannen, sich zu organisieren, reagierte Mercedes mit einer aggressiven Anti-Gewerkschafts-Kampagne – mit Angst, Druck und Einschüchterung.“ (FAZ, 9.2.2026) In den deutschen Autowerken können sie sich nicht uneingeschränkt so aufführen wie auf einer Plantage. Dafür gibt es am Ende nur den einen Grund: ihre Angst vor 2 Millionen in der IG Metall organisierten Arbeitern.

Aber auch wir in Marienfelde stehen vor riesigen Problemen. Wie in allen deutschen Autowerken, sind wir mit einem Management konfrontiert, das rücksichtslos Industriearbeitsplätze vernichtet. Von ehemals 3.600 sollen wir auf unter 1.500 reduziert werden. Unsere Gruppe, Autoarbeiter für eine kämpfende IG Metall, hat sich zusammengetan, um genau dagegen vorzugehen. Unsere Kollegen beobachten den Kampf der IG Metall bei Tesla sehr aufmerksam. Denn auch wir brauchen wieder eine Gewerkschaft, die eine Kampforganisation ist. Lasst uns in Verbindung treten! Eine Allianz von Tesla-, Mercedes- und BMW-Arbeitern im Berliner Raum könnte eine Kraft sein, die gewerkschaftliche Macht in der Hauptstadt durchsetzt!

Hier der Link zum Originalflyer

Titelbild: Collage Peter Vlatten

Die Gruppe „Autoarbeiter für eine kämpfende IG Metall“ schreibt über sich

Wir sind eine Gruppe von kämpferischen Kollegen aus unterschiedlichen Werksbereichen. In unseren Reihen findet ihr Arbeiter und Arbeiterinnen unterschiedlicher ethnischer Herkunft. Zu uns zählen sowohl einfache IG-Metall-Miglieder als auch Vertrauensleute und Betriebsräte

References

References
↑1 wir wurden vorab informiert und um Veröffentlichung gebeten

Chronologie 10 Jahre Kampf um TVöD für alle an der Spree

Diese Chronologie ist eine persönliche Erinnerung an meiner 10-jährigen Teilnahme an diese Streikaktion. Angefangen hat alles 2017. Dort wurden die Töchter herbeigezaubert.
Ich warf damals Angestellte des öffentlichen Dienst in Vivantes. Meine Abteilung wurde ebenfalls als Tochterfirma eingegliedert. Die Angestellten, die in die Töchter eingegliedert wurden, hatten darum zu kämpfen, dass Ihr Status bleiben konnte, das bedeutet die Arbeitsjahre und das Gehalt wurde mit übernommen. Also weiterhin nach Tarif bezahlt.
Alle neu eingestellten Mitarbeiter haben kein Tarifvertrag.

Um diesen Status für alle Beschäftigten des öffentlichen Dienst in Berlin erreichen zu können und das die Töchter wieder in den Mutterkonzern zurück geführt werden, wurde gestreikt und und wir streiken solange weiter, bis die Forderungen erfüllt sind. „Seit dem Koalitionsvertrag von 2016 wird den Krankenhaus-Tochterunternehmen die Angleichung an den TVöD versprochen. Doch bis heute ist das nicht passiert. Es steht die Glaubwürdigkeit der Berliner Politik auf dem Spiel.“, erklärt Gisela Neunhöffer, stellvertretende ver.di-Landesbezirksfachbereichsleiterin und zuständig für das Gesundheitswesen [1]Quelle. Und dieser Kampf geht heute weiter und ist kein Ende in Sicht.


Diese Chronik gehört zum Beitrag: „Warnstreiks bei Vivantes – kämpfen wie bei CFM!„
Weiterführender Link: akustische Eindrücke

Jahr 2017

08.03.2017: Teilnahme an der Frauen-Demo zum internationalen Frauentag am 08.03.2017

20.03.2017: Heutiger Streik von Vivantes auf dem Gelände der Charité, was bestimmte Leute der GF nicht angenehm war, 20.03.2017

22.05.2017: Streik bei der CFM

20.05.2017: Protest vor dem SPD-Landesparteitag vor dem Hotel „Estrel-Hotel“

24.05.2017: Viele Aktionen haben wir unterstützt, so u. a. vor dem Arbeitsgericht, wenn es um Kollegen aus dem öffentl. Dienst geht. Hier Z.B. geht es um eine Klage eines Taxifahrers.

17.06.2017: Arbeitnehmerkonferenz

2018

08.04.2018: Streiktag vor der Vivantes-Zentrale

30.05.2018: Grußworte unserer Kampfesgefährten aus Argentinien

Das waren Anita und Vani,
Sie sind Mitglieder der „Partei der sozialistischen Arbeiterinnen“ (pts) und sprachen darüber, wie auch in Argentinien die lebensgrundlage der Arbeiterinnen durch sparmaßnahmen angegriffen wird und hier wie da die kriese des kapitalismus auf dem Rücken der Arbeiter*innen ausgetragen wird.
Tobender Applaus für unsere Gäste aus Argentinien
sowie solidarische Grüße an Argentinien zurück.
Großen dank an Simon, für seine Unterstützung, dass Aninta und Vani beim 51. Streiktag der VSG die Grüße übermitteln konnten.
Mit freundlicher Unterstützung und Genehmigung
von Simon, Anita und Vani
sowie den Streikenden der VSG


2019

05.06.2019 : Proteste gegen die Gesundheitsminister*innenkonferenz 2019 Leipzig

Jens Spahn wurde miteinem Pfeifkonzert und Buhrufen begrüßt.


2020

06.02.2020: Warnstreik der CFM

2021

14.09.2021: 6. Streiktag Vivantes und Charité

Impressionen, Auszüge aus Redebeiträge und
Lichtblicke des Demo-Zuges von Robert-Koch-Platz zum Roten Rathaus.


09.10.2021 Demo der Krankenhausbeschäftigten

2024

25.04.2024: Versprochen ist versprochen und wird nicht gebrochen!

Anmerkung:

Diese fotographische Chronologie ist nicht vollständig.

References

References
↑1 Quelle

Tariftreuegesetz des Bundes: Ein halb leeres Glas

Der Bundestag beschließt das erste Gesetz zu Arbeitsbedinungen bei Auftragnehmern des Bundes – mit vielen Ausnahmen

Von JANA FRIELINGHAUS

Bild: Bundestariftreuegesetz Lohn 24

Von den 16 Bundesländern haben bereits 14 Tariftreuegesetze. Diese schreiben grundsätzlich vor, dass öffentliche Aufträge nur an Unternehmen vergeben werden, die ihren Beschäftigten faire Arbeitsbedingungen bieten. Seit Donnerstag gibt es eine solche Regelung nun auch für Ausschreibungen von Bundesbehörden, vom Bundestag mit den Stimmen der schwarz-roten Koalition und der Grünen beschlossen. Das Gesetz hat aber so viele Ausnahmen und »Schlupflöcher«, dass es letztlich weniger als die Hälfte der Aufträge und nur rund 40 Prozent des Auftragsvolumens erfasst, wie der Linke-Abgeordnete Pascal Meiser in der abschließenden Debatte zu dem Gesetz vorrechnete.

Unter anderem damit begründete der Sprecher für Arbeitspolitik und Arbeitsrecht der Linken im Bundestag, dass seine Fraktion dem Regelwerk nicht zustimmen werde. Die SPD-Linke Annika Klose, die nach Meiser sprach, zeigte sich darüber schwer enttäuscht: »Ich kann das wirklich, wirklich nicht verstehen, warum ihr diesem Gesetz nicht zustimmt!« Bei dem Gesetz sei »doch wirklich das Glas halb voll und nicht halb leer«, es bedeute »ganz klar eine ganz konkrete Verbesserung für Menschen in diesem Land«. Und, so Klose weiter: »Wir beenden den Sinkflug der Tarifbindung, endlich! Jetzt kriegen wir das hin, jetzt geht’s nach vorn, und das ist gut so!«

Gleichwohl machte Klose in ihren weiteren Ausführungen selbst deutlich, wie weit der Weg bis zu den eigens gesteckten Zielen ist. Auf EU-Ebene hat sich Deutschland nämlich verpflichtet, 80 Prozent Tarifbindung anzustreben. Aktuell liege die Quote nur noch bei 49 Prozent, sagte Klose. Beschäftigte ohne Tarifvertrag verdienten im Schnitt elf Prozent weniger und arbeiteten gleichzeitig länger. »Am Ende des Jahres fehlen den Menschen rund 2900 Euro netto, im Osten sind es sogar 3400 Euro«, sagte die SPD-Politikerin. Dazu kommt, dass die Tarifbindung in Ostdeutschland mit 18 Prozent noch einmal extrem unter dem Bundesdurchschnitt liegt.

Tatsächlich ist ein Gesetz mit formulierten Bedingungen für Auftragnehmer besser als kein Gesetz. Deshalb begrüßten der Deutsche Gewerkschaftsbund und mehrere DGB-Mitgliedsgewerkschaften die neuen Regelungen grundsätzlich. Dagegen wetterten die Sprecher von Unternehmerverbänden über mehr Bürokratie. Steffen Kampeter, der Geschäftsführer der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände, erklärte: »Die Bundesregierung predigt Bürokratierückbau, schafft aber neue komplizierte Vorschriften.« Der Bundesrat solle »diesem vermurksten Gesetz die Zustimmung verweigern«, forderte er.

»Die Lohndumping-Lobby hat im Gesetzgebungsprozess ganze Arbeit geleistet.« Pascal Meiser 
Bundestagsabgeordneter (Die Linke)

Das Gesetz ist Teil des Koalitionsvertrags von Union und SPD sowie ein Pfund, mit dem die Sozialdemokraten hoffen, Punkte bei ihrer Kernklientel sammeln zu können. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) begrüßte den Parlamentsbeschluss unter Verweis auf die hohen Staatsausgaben wegen des Infrastruktur-Sondervermögens: »Wir investieren 500 Milliarden in dieses Land und es ist genau richtig, dass davon die Unternehmen profitieren, die für gute Arbeitsbedingungen stehen.«

Gleichwohl sind der gesamte Bereich der Lieferleistungen und sämtliche Auftragsvergaben der Bundeswehr von Waffen, Material und Bauvorhaben bis hin zu Reinigungsarbeiten ausgeklammert. Zudem gilt das Gesetz erst ab einem Volumen von 50 000 Euro pro Auftrag, in bestimmten Bereichen liegt der Schwellenwert sogar bei 100 000 Euro. Und es gibt weitere Einschränkungen, auf die Pascal Meiser hinwies. So gelte in den ersten drei Arbeitsmonaten die Tariftreuevorschrift nur für die Löhne, nicht aber für Arbeitszeiten und weitere Bedingungen. Für den Linke-Politiker zeigt all das klar: »Die Lohndumping-Lobby in der Union und den Arbeitgeberverbänden hat im Gesetzgebungsprozess ganze Arbeit geleistet.«

Eine Verwässerung des ursprünglichen Gesetzentwurfs vom vergangenen Sommer – in dem die Ausnahmen für die Truppe aber bereits enthalten waren – hatten vor allem CDU und CSU durchgesetzt. Ihre Abgeordneten hielten sich das in der Debatte am Donnerstag ausdrücklich zugute. So betonte Wilfried Oellers (CDU), Unternehmen müssten auch weiterhin nicht zwangsweise formal tarifgebunden sein, um einen Auftrag des Bundes zu erhalten, auch wenn sie bestimmte Bedingungen erfüllen müssten. Denn Unternehmen ohne Tarifvertrag seien nicht automatisch schlechter, so Oellers. Das Bundesarbeitsministerium wird sich bei der Festlegung der Arbeitsbedingungen in der Ausführungsverordnung zum Gesetz nach jeweils für die Branche repräsentativen Tarifverträgen richten.

Oellers äußerte zudem Zweifel daran, dass es mit dem Gesetz tatsächlich zu mehr Tarifbindung kommt. Darin stimmte ihm der Linke-Vertreter Meiser ausdrücklich zu: »Wenn wir ernsthaft den Sinkflug der Tarifbindung beenden wollen, dann hilft uns auch ein noch so gut gemachtes Tariftreuegesetz nicht.« Dafür brauche es einen umfassenden Aktionsplan zur Stärkung der Tarifbindung, den die EU seit Monaten einfordere. Es sei »ein Skandal«, dass die Bundesregierung diesen bislang nicht vorgelegt habe.

Etliche Vertreter von CDU und CSU betonten, sie würden dem Gesetz nur mit großen Bedenken zustimmen. Gegen das Gesetz votierte schließlich nur die AfD, die die Bedenken der Unternehmerverbände wiedergab. Die Linke enthielt sich. Und Pascal Meiser kündigte an: »Wir werden gemeinsam mit den Gewerkschaften weiter dafür kämpfen, dass aus dieser halben Sache ein ganzes, ein umfassendes Tariftreuegesetz wird, das wirklich zählt und Zähne hat.«

Für DGB-Chefin Yasmin Fahimi ist die Bundesregelung gleichwohl ein »großer Erfolg für die Beschäftigten und die Gewerkschaften«. Auch sie zeigte sich aber enttäuscht über die Ausnahmen. Verdi-Chef Frank Werneke monierte, die Unionsparteien hätten mit immer neuen Einwänden versucht, das Gesetz »bis zur Unwirksamkeit zu verwässern«. Die IG Metall betonte, der Schwellenwert beim Auftragsvolumen sei mit 50 000 Euro zu hoch angesetzt, rund ein Viertel aller öffentlichen Aufträge falle allein dadurch heraus. Auch die Ausnahmen für Lieferleistungen und Verteidigung kritisierten die Gewerkschaftsvertreter.

Guido Zeitler, Chef der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zeigte sich indes insgsamt sehr zufrieden. Die Regelungen seien wichtig etwa für die Vergabe von Catering-Aufträgen in Bundeskantinen. »Es ist nur fair, dass mit den Steuergeldern von Beschäftigten grundlegende Arbeitsstandards wie Tarifverträge von Seiten des Staates eingehalten werden müssen«, so Zeitler.

Erstveröffentlicht im nd v. 26.2. 2026
Tariftreuegesetz des Bundes

Wir danken für das Publikationsrecht.

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