Solidarität mit Gaza heute – die Lage bei Rafah eskaliert weiter

Nicht Weggucken! Nicht schweigen! Kommt zum Protest heute, 29.5.2024, Berlin Kreuzberg, Oranienplatz, 18 Uhr.

Israelischer Angriff auf „humanitäre Zone“ in der Nähe von Rafah im Gazastreifen. Das war kein „Fehler“ oder „Missgeschick“, wie Netanyahu behauptet, sondern Folge eines systematischen Vernichtungsfeldzuges. Und dieser geht weiter. Die israelischen Truppen bewegen sich auf das Zentrum von Rafah zu. Trotz der klaren Aufforderung seitens des internationalen Gerichtshofs, die Kämpfe sofort einzustellen.

UN-Generalsekretär António Guterres machte deutlich, dass er einen Stopp des israelischen Militäreinsatzes in Rafah erwartet: Entscheidungen des Gerichtshofs seien bindend! Immer mehr Staaten schliessen sich dieser Auffassung klar und deutlich an. Deutschland ist nicht dabei!

Das US-Präsidialamt will nach dem tödlichen Angriff auf Rafah weitere Untersuchungen von israelischer Seite abwarten. Täuschen und hinhalten, dass machen die USA seit Monaten schon. „Ich habe keinen politischen Kurswechsel zu vermelden“, sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby, bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus. Die Hilfslieferungen über den von den USA eingerichteten Grenzübergang per Seeweg mussten wegen Beschädigungen eingestellt werden.

Angesichts fortgesetzter Unterstützung und nur verhaltener Kritik ohne spürbare Konsequenzen durch seine Schutzmächte USA und Deutschland, erlaubt sich Israel weiterhin, die Entscheidungen des Internationalen Gerichtshofs voll und ganz zu ignorieren!

Und nach wie vor versuchen die Berliner Behörden Palästinasolidarität mit allen Mitteln zu diskreditieren und zu unterbinden! Immer mehr Menschen fehlen die Worte! Der regierende Bürgermeister Kai Wegner führe sich – so kennzeichnen es Betroffene – wie „Klein-Netanjahu“ auf.

Nicht Weggucken! Nicht schweigen! Kommt zum Protest heute, 29.5.2024, Berlin Kreuzberg, Oranienplatz, 18 Uhr.

Friedenspreis für Macron macht den Bock zum Gärtner!

Macron ist ein militaristischer Vabanque Spieler, dem kein Friedenspreis gebührt. Die Presseerklärung der IPPNW begründet das überzeugend und mit erstaunlichen Fakten. Oder wußtest Du schon, dass Frankreich, dessen Präsident empfiehlt, Bodentruppen in die Ukraine zu schicken, gerade zusammen mit der russischen Atombehörde auf deutschem Boden eine gemeinsame atomare Brennelementefabrik plant? Macrons neokoloniale Politik – siehe aktuell Neu Kaledonien – stinkt zum Himmel. Den Verantwortlichen der Preisverleihung kann man nur zurufen, dass sie mit einem Preisträger Macron dem Westfälischen Friedenspreis einen Bärendienst erweisen. Aber sie befinden sich in bester Gesellschaft, in der es üblich geworden ist, „Frieden“ zu sagen, wo „Krieg“ drinsteckt.(Peter Vlatten)

Eilmeldung: weitere Angriffe auf Rafah! Protest  heute 29.5. in Berlin!

Hier die IPPNW-Pressemitteilung vom 27. Mai 2024

Emmanuel Macron ist kein Friedensgarant

Friedenspreis für französischen Präsidenten

aktuell: 75 Jahre Grundgesetz – die Lücke zwischen Wort und Tat!

Die ärztliche Friedensorganisation IPPNW kritisiert die Auszeichnung des französischen Präsidenten Macron mit dem Westfälischen Friedenspreis scharf. Macron erhält am morgigen Dienstag den Preis „für sein unermüdliches Engagement um eine Konfliktbegrenzung zu Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine“. Doch die jüngsten Äußerungen Macrons zum Ukrainekrieg, Frankreichs aggressive Atompolitik und seine Ignoranz gegenüber dem kolonialen Erbe sind kein Ausdruck eines Friedensstrebens.

Frankreich ist die einzige Nuklearmacht innerhalb der EU. Präsident Macron nutzt diesen Umstand, um sich einerseits als Schutzpatron Europas zu gerieren und den französischen Nuklearschirm als Sicherheitsgarantie für ganz Europa zu inszenieren. Andererseits riskiert Macron mit seinen Gedankenspielen zu französischen Bodentruppen in der Ukraine eine Eskalation des Krieges.

„Die Angebote Macrons an die EU-Länder für eine Beteiligung am französischen Atomwaffenprogramm und einem möglichen europäischen Atomschirm kaschieren seine eigentliche Absicht: Finanzhilfen für das teure Atomprogramm“, so die IPPNW-Vorsitzende Dr. Angelika Claußen. „Der Präsident lädt zu einer EU-Atomwaffenpolitik ein, die letztlich einer verstärkten nuklearen Abschreckung und einer Proliferation den Weg ebnet. Wir brauchen das Gegenteil: umfassende nukleare Abrüstung, wie es der UN-Atomwaffenverbotsvertrag fordert.“

Aus Sicht der IPPNW müsste gerade Frankreich als Atommacht versuchen, das nukleare Eskalationspotential im Ukrainekrieg zu verringern. Etwa indem es sich gemeinsam mit den vier Atommächten im Sicherheitsrat auf eine „no first use“ Regel verpflichtet, die den Ersteinsatz von Atomwaffen verbietet.

Außerdem weist die IPPNW auf die aggressive und widersprüchliche Atompolitik Frankreichs hin. Aktuell plant Framatome, eine Tochter des französischen Staatskonzerns EDF, gemeinsam mit der russischen Atombehörde Rosatom eine Zusammenarbeit beim Neubau einer Brennelementefabrik im niedersächsischen Lingen. Ein Beweggrund Frankreichs für das russisch-französische Joint Venture ist, dass Frankreichs Atomsparte unter dem Dach der EDF Schulden in Höhe von ca. 54 Mrd. aufweist. Zuletzt stand das Projekt aufgrund absehbarer sicherheitspolitischer Risiken stark in der Kritik.

Für die französische Regierung gehören die zivilen und militärischen Seiten der Atomkraft eng zusammen. Dies hatte der französische Präsident Macron in einer Rede 2020 auf den Punkt gebracht: „Ohne zivile Atomenergie gibt es keine militärische Nutzung der Technologie – und ohne militärische Nutzung gibt es auch keine Atomenergie.“

Anstatt zivile wie militärische Seiten der Atomkraft auszubauen, sollte Frankreich endlich Verantwortung für die Folgen seiner 204 Atomwaffentests übernehmen, die auf dem Territorium ehemaliger Kolonien verübt worden sind. „Die verheerenden medizinischen und Umweltfolgen der Tests sind umfänglich belegt“, so Juliane Hauschulz, Campaignerin für „To Survive Is To Resist“, dem IPPNW-Projekt zu den Folgen von Atomwaffentests. „Frankreich sollte sich jetzt seinem kolonialen Erbe stellen und sich um eine Entschädigung aller Opfer seiner Atomwaffentests und eine umfangreiche Umweltsanierung bemühen.“ Dies würde auch ein wichtiges Zeichen in Richtung der anderen Atommächte senden.

Der Status Frankreichs als Kolonialmacht lässt auch über die fehlende Aufarbeitung der Atomtests hinaus Zweifel am Engagement Macrons für den Frieden aufkommen: Frankreich ist in der Vergangenheit vor massivem Gewalteinsatz zur Wahrung geopolitischer Interessen nicht zurückgewichen. Davon zeugen die Militäreinsätze in der Sahelregion. Mit der Entsendung französischer Truppen in das Überseegebiet Neukaledonien droht der dortige Konflikt zu einem Bürgerkrieg um die Hoheit über die Inselgruppe zu werden.

Die Verleihung des Westfälischen Friedenspreises findet am 28. Mai 2024 in Münster statt. Der Preis erinnert an den Westfälischen Frieden von 1648 und würdigt Persönlichkeiten, die sich besonders für die europäische Integration engagiert haben. Emmanuel Macron verantwortet jedoch Entscheidungen die zulasten von Abrüstung, Nachhaltigkeit und Entspannung innerhalb und außerhalb Europas gehen. Das darf nicht mit einem Friedenspreis geehrt werden.

Hier der Link zum Original

Pressekontakt:
Frederic Jage-Bowler, IPPNW-Presse, jagebowler[at]ippnw.de, 030  698074 15

Titelbild, eigene Aufnahme

Veranstaltung am 21.07.2024: Die Abschaffung des Krieges

mit Ulrike Heider

Das aktuelle Kriegsregime bedeutet das Ende der falschen Erzählung einer gewaltlosen bürgerlichen Gesellschaft. Die Militarisierung des Lebens seit Beginn des Ukrainekrieges bringt die Gewaltförmigkeit der kapitalistischen Gesellschaften ins Offene. Die materielle Gewalt des Eigentums führt verstärkt auch in reichen Ländern zu Armut, Ausgrenzung, Rassismus, Antifeminismus und Antisemitismus. Staatliche Souveränität äußert sich zusehends in ethnischen Volksbegriffen mit entsprechenden Ausschlüssen. Die weltweite Situation bedarf eines gemeinsamen vielfältigen Widerstandes, eines Antimilitarismus auf der Höhe der Zeit. Im Ersten Weltkrieg trafen sich 1915 linke Kriegsgegnerinnen in Zimmerwald und positionierten sich gegen den Krieg und für eine sozialistische Gesellschaft. Diese Verknüpfung von Antimilitarismus und Sozialismus ist bis heute relevant. Die aktuelle Linke ist davon weit entfernt. Sie favorisiert angesichts der währenden Krisen und Kriege mehrheitlich ein binäres Weltbild von Gut und Böse und verheddert sich in den Fallstricken der (inter)nationalen Solidarität. Radikale Nationalismus- und Staatskritik sind angesichts der dominanten Kriegsrhetorik wichtiger denn je. Die aktuelle Gewalt geht weltweit nicht nur von Staaten, sondern auch von rechten und faschistischen Strömungen aus, die am Kriegsregime wachsen. Auch das Verhältnis zur Natur ist ein gewaltförmiger Zugriff, der auf die Individuen und ihre Beziehungen zurückfällt. Das liberale Verständnis dieses Verhältnisses findet sich bereits in der naturrechtlichen Legitimation kolonialer Landnahme und transatlantischer Versklavung. Die bürgerliche Gesellschaft ist in ihrem Staat und ihrer Ökonomie, in ihrem Kolonialismus und ihrem Naturverhältnis konstitutiv gewaltförmig. Linke Gewalt sollte Gewalt beenden, aber konnte häufig der militärischen Logik nicht entkommen. Ob gewaltfreier Widerstand ein erfolgreicheres Konzept wäre oder Gegengewalt und Gewaltfreiheit im Widerstand verbunden sind, sind Fragen, denen wir uns ebenfalls widmen werden. Mit unserer Reihe wollen wir zum Antimilitarismus beitragen, ohne binäre Muster oder staatliche Logiken zu reproduzieren.

Veranstalter: Jour Fixe Initiative
https://www.jourfixe.net/veranstaltungsreihe/gegengewalt

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