Merz-Agenda: Mit dem Sozialstaat stirbt die Demokratie

Die geplanten Sozialreformen richten sich gegen die Mehrheit der Bevölkerung – warum bleibt es so ruhig im Land?

Von CHRISTOPH BUTTERWEGGE

Titelbild: Reformkommentar der Straße. Foto: Jochen Gester

Scharfe und größtenteils polemisch über­spitzte Kritik am deutschen So­zial­staat gibt es, solange er besteht. So wird der vermeintlich massenhafte Missbrauch seiner Geld-, Dienst- und Sachleistungen halluziniert oder die Art und Weise seiner halb- bzw. drit­tel­pari­tä­ti­schen Finanzierung infrage gestellt – geändert hat sich an den Einwänden in über hundert Jahren nur wenig. Vielmehr sind die argumentativen Grundmuster dieselben geblieben: Angeblich leidet die Wirtschaftskraft des Landes unter einer viel zu generösen Sozialpolitik, strengen sich die Armen nicht mehr an und ist der Sozialstaat wegen der Alterung unserer Bevölkerung kaum mehr finanzierbar.

Kontroversen um die Zukunft des Sozialstaates sind gesellschaftliche Ver­tei­lungs­kämpfe, die früher »Klassenauseinandersetzungen« hießen, ohne dass man ihren wahren Charakter verschleiert hat, wie es heute üblich ist. Dem neo­libe­ra­len Zeitgeist entsprechend fordern Unternehmer, Top­mana­ger und Arbeitgeberverbände jetzt ebenso wie die ihnen nahe­ste­hen­­den Parteien und Politiker, das Ren­ten­niveau zu senken, die Le­bens­arbeits­zeit zu verlängern und abhängig Beschäftigten mehr Engagement auf den Finanzmärkten abzuverlangen, während sich die Gewerkschaften sowie die ihnen nahe­ste­hen­­den Parteien und Politiker*innen dem entgegenstellen, weil die Verwirklichung solcher Forderungen nichts anderes bedeutet als eine Verschlechterung der Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen von Lohn­abhängigen.

Seit geraumer Zeit wird die Kritik am Sozialstaat grundsätzlicher und die Hetze gegen von ihm Ab­hän­gige schärfer. Offenbar soll er von seinen politischen Gegnern sturmreif geschossen werden, auch wenn diese immer wieder beteuern, dass sie ihn retten, in der Sub­stanz bewahren und durch not­wen­dige Modernisierungsmaßnahmen »zukunftsfest« machen wollen.

Nur wenn die Hoch­rüstung gestoppt und ein neuer Krieg verhindert wird, kann es sozialen Fort­schritt und Erfolge im Kampf gegen Armut und soziale Ungleich­heit geben.

Unter Bundeskanzler Friedrich Merz, der als Oppositionspolitiker ebenso wie in seiner Zeit als Black­rock-Ma­na­ger zu den schärfsten Kritikern des Sozialstaates gehörte, hat man sich in einen wahren Reformrausch hineingesteigert, der – von fast allen Mas­sen­me­dien befeuert – die Regierung nötigen soll, möglichst ra­di­kale, grund­le­gende und »schmerz­hafte« Reformen umzusetzen. Schmerzhaft wären diese be­zeich­nen­der­weise nicht für jene Journalist*innen, Publizist*innen, Wissenschaftler*innen, Politiker*innen und Parteien, die lautstark danach rufen, sondern für die Hauptnutznießer*innen des Sozialstaates, also Be­dürf­tige, ma­te­riell Be­nach­tei­ligte und gesundheitlich oder psychisch Be­ein­träch­tigte.

Anschlag auf den Kern der Verfassung

Mit dem Grundgesetz erhielt der Sozialstaat in Deutschland am 23. Mai 1949 erstmals Verfassungsrang. Der an die sogenannte Ewigkeitsgarantie (Artikel 79 Absatz 3 Satz 3 GG) geknüpfte Auftrag lautete, die Bundesrepublik müsse ein »sozialer Bundesstaat« (Artikel 20 Absatz 1 GG) sein. An­griffe auf den Wohlfahrtsstaat sind demnach Anschläge auf die Kern­sub­stanz der Verfassung und auf ein zen­tra­les Ordnungsprinzip der Bundesrepublik. Zu dessen Verteidigung gegen Versuche, es zu beseitigen, räumt Artikel 20 Absatz 4 GG allen Deutschen das Widerstandsrecht ein, sofern anders keine Abhilfe möglich ist.

In einem hoch entwickelten Indus­trie­staat wie der Bundesrepublik würde mit dem bestehenden Wohlfahrtsstaat auch die Demokratie zerstört, weil sie ohne die Gewährleistung sozialer Grund­rechte nur eine politische Hülle und ein leeres (Wahl-)Versprechen bleibt. Trotz des Sozial­staats­postu­­lats im Grundgesetz kommen die Bundesrepublik und ihre Regierung, die Parlamentarier*innen und die Verwaltung ihren drei hiermit verbundenen Kernaufgaben immer weniger nach:

  • Armutsbekämpfung: Zwar ist die Bundesrepublik kein Land, in dem Menschen an den Stra­ßen­ecken verhungern oder ver­elen­den, aber seit der Covid-19-Pan­de­mie, der Ener­gie­preis­explo­sion im Gefolge des Ukra­ine-Krieges und der In­fla­tion stößt die re­la­tive Ein­kom­mens­armut allmählich zur Mitte der Gesellschaft vor, ohne dass sie von Regierung, Parlament und Verwaltung konsequent bekämpft wird. Mehrfach mussten So­zial­ge­richte und das Bundesverfassungsgericht die Exe­ku­tive ermahnen, die Grund­rechte von Geflüchteten und deutschen Transferleistungsbezieher*innen zu achten.
  • Absicherung seiner Wohnbürger*innen gegen die wichtigsten Stan­dard­lebens­risi­ken: Bei schweren Krankheiten, Invalidität, Arbeitslosigkeit und Einkommensverlust im Alter sollte der Wohlfahrtsstaat ihnen Schutz bieten, was er allerdings nicht mehr in dem nötigen, dem gestiegenen Lebensstandard entsprechenden Maße tut.
  • Ausgleich extremer Ein­kom­mens- und Ver­mö­gens­unter­schiede: Während der Sozialstaat dafür verantwortlich ist, dass die Armut eingedämmt wird, muss der Steuerstaat dafür sorgen, dass der Reichtum nicht aus­ufert. Die Korrektur der Primärverteilung durch den Sozialstaat bezweckt zwar keine völlige Nivellierung der Ver­tei­lungs­ver­hält­nisse, sondern nur die Vermeidung einer tieferen Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich mitsamt den hieraus nor­ma­ler­weise erwachsenden Pro­­ble­­men: (Gewalt-)Kriminalität, Verwahrlosung, steigende Sui­zid­quote, zunehmender Drogenmissbrauch usw. Die so­ziale Unwucht nimmt hier­zu­lande dennoch seit Jahrzehnten zu, weil ihr der Wohlfahrtsstaat weder durch eine den Reichtum einer Minderheit schmä­lernde Steuerpolitik noch durch eine die weitere Verarmung von Millionen Menschen ausschließende Ar­beits­markt-, Sozial-, Fa­mi­lien-, Bil­dungs- und Wohnungspolitik ent­gegen­wirkt.
Von der Reformdiskussion zur Merz-Restauration?

Obwohl man kein sozialpolitisches Fachwissen und keine detaillierten Informationen benötigt, um zu erkennen, dass sich die geplanten Reformen primär gegen die Beschäftigten, die Erwerbslosen sowie die jetzigen und die künftigen Rentner*innen – folglich gegen die große Mehrheit der Bevölkerung – richten, bleibt es erstaunlich ruhig im Land, regt sich nur wenig Widerstand. Warum fällt es der linken Op­po­si­tion, Gewerkschaften und Wohlfahrtsverbänden schwer, Pro­test­aktio­nen, Kundgebungen und De­mons­tra­tio­nen zu organisieren und dafür viele Menschen zu mobilisieren?

Eine gemeinsame Protestfront kommt selten zustande, weil unterschiedliche Gruppen von den Reformfanatikern gegeneinander ausgespielt werden: Be­schäf­tigte gegen Ar­beits­lose, die angeblich im Luxus ihrer von den Steuerzahler*innen finanzierten Transferleistungen schwelgen; Deutsche gegen Flücht­linge, denen »Einwanderung in die sozialen Siche­rungs­sys­teme« unterstellt wird; Junge gegen Alte, die als Baby­boo­mer vermeintlich über­höhte Renten kassieren, ohne für genug Nachwuchs gesorgt zu haben.Demo gegen Sozialabbau

Unter dem Motto »Jetzt reicht’s« rufen Gewerk­schaften, Sozial- und Wohl­fahrts­ver­bände sowie der Berliner Mieter­verein für Sonn­abend, den 27. Juni, in Berlin zu einer Demons­tra­tion für den Sozial­staat auf. Die Linke wie auch die Ber­liner Landes­verbände von SPD und Grünen mobi­li­sieren eben­falls dorthin. Der Protest richtet sich gegen die Reform­pläne der Bundes­regie­rung, die bei Gesund­heits­leistun­gen und Pflege sparen, Renten kürzen und Arbeits­rechte wie Kündi­gungs­schutz und 8-Stunden-Tag kippen will. Das Bündnis sieht darin einen »Angriff auf unsere soziale Sicher­heit« und kriti­siert, dass »die Lasten ein­seitig den Beschäf­tigten auf­ge­laden werden, während die Reichen und Ver­mögen­den ver­schont werden«. Treff­punkt ist 12 Uhr am Invaliden­park in Berlin-Mitte. Auch in anderen Städten finden am Wochen­ende und in den darauffolgenden Tagen Pro­teste statt. Die Bundes­regie­rung will nächste Woche im Koali­tions­aus­schuss beraten, mit welchem Zeit­plan die Reformen ver­ab­schiedet werden sollen.

Friedrich Merz hat recht: »Der Sozialstaat, wie wir ihn heute haben, ist mit dem, was wir volkswirtschaftlich leisten, nicht mehr finanzierbar.« Jedenfalls dann nicht – dies verschweigt der Bundeskanzler wohlweislich –, wenn man die Rüstungsausgaben von knapp 52 Mil­liar­den Euro im Jahr 2024 auf 152,8 Mil­liar­den Euro im Jahr 2029 verdreifacht, ohne dass die Steuern für Wohl­ha­bende, Reiche und Hyper­reiche erhöht werden.

Nur wenn die Hochrüstung gestoppt und ein neuer Krieg verhindert wird, kann es sozialen Fortschritt und Erfolge im Kampf gegen Armut und soziale Ungleichheit geben. Rüs­tungs- oder So­zial­staat, Butter oder Kanonen – das ist die Schlüs­sel­frage der künftigen Gesellschaftsentwicklung. Diese sollte nicht von einer Militarisierung vieler Gesellschaftsbereiche, einer zunehmenden sozialen Polarisierung, einer Prekarisierung der Lohn­arbeit im Dienstleistungssektor sowie einer Pauperisierung und Ver­elen­dung besonders alter Menschen geprägt sein, was sich auch im Stadtbild niederschlagen würde – um mit Friedrich Merz zu sprechen.

Noch gibt es Möglichkeiten, die weitere De­mon­tage des Sozialstaates zu stoppen. Sie müssen von demokratischen Parteien sowie Mitgliedern und Organisationen der Zivilgesellschaft allerdings konsequenter genutzt werden. Um eine Merz-Res­tau­ra­tion zu verhindern, ist es nötig, die so­ziale Frage enger mit der demokratischen und der Frie­dens­frage zu verknüpfen.

Christoph Butterwegge lehrte von 1998 bis 2016 Politik­wissen­schaft an der Uni­ver­sität zu Köln. Zuletzt ist von ihm das Buch »Umver­teilung des Reich­tums« (Papy­rossa 2024) erschienen.

Erstveröffentlicht im nd v. 26.6.2026
Merz-Agenda

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Wer ist Leidtragender der hohen Rüstungsausgaben in Deutschland?

Von FLORIAN RÖTZER

Titelbild: freepic


Herstellung von Panzerfahrzeugen bei Rheinmetall für die NS-Kriegsrüstung. Bild: Bundesarchiv, Bild 183-L04352 / CC-BY-SA 3.0

Vorbemerkung Forum-Red: Es ist augenscheinlich, dass die Aufrufe der Gewerkschaftsvorstände zu den jetzt initiierten Protestaktionen die angekündigten „Reformen“ zur Absenkung erkämpfter sozialer Rechte und Standards so thematisieren, dass die eigentlichen Ursachen für diese Angriffe nicht benannt werden. Sie sind die zwangsmäßige Folge der Politik der Militarisierung der Gesellschaft im Rahmen der Kriegsvorbereitung. Die lange vorgetragende Position, man könne ja nichts gegen Verteidigung haben, nur sollten auch die Errungenschaften des Sozialstaates erhalten bleiben, geht völlig an der Realität vorbei. In der Zwischenzeit haben viele politisch Verantwortliche dies auch klar formuliert. Sozialstaat und Kriegstüchtigkeit schließen sich aus. Es wird Zeit, dass auch unsere Organisationen endlich über den Elefanten im Raum sprechen. Wer uns als Kriegsgegner:innen nicht glaubt oder unsere Argumente zu diesen Zusammenhängen kritisch gegenübersteht, kann einfach die KI fragen. Ihre Antworten sind mehr als eindeutig. Die von abhängiger Arbeit lebende Bevölkerungsmehrheit trägt die Lasten, die ihr von denen auferlegt werden, die hoffen, sich durch den Krieg zu bereichern. Dies zeigt der folgende Artikel. (JG)

Deutschland will, so Bundeskanzler Merz, die stärkste Militärmacht Europas werden und damit das Zügel in die Hand nehmen, Unionsfraktionschef Jens Spahn: „Germany is back – Deutschland ist wieder da.“ Worauf sich „wieder“ bezieht, bleibt offen. Das Vorgeben des europäischen Kurses geschieht bereits bei der angeblichen Verteidigung Europas in der Ukraine, bei der Deutschland das Land am meisten finanziell und militärisch unterstützt, die Freigabe des 90-Milliarden-Kredits durchgesetzt hat und der Ukraine einen schnellen Weg in die EU bahnen will. Die Bundesregierung wirbt: „Deutschland ist der größte Unterstützer der Ukraine – auch im militärischen Bereich.“

Das geht einher mit explodierenden Rüstungsausgaben, die neben dem „Sondervermögen“ der Bundeswehr über 100 Milliarden Euro durch weitere Verschuldung in unbegrenzter Höhe finanziert werden. Der Militärhaushalt 2026 ist auf 108 Milliarden Euro angewachsen: Der normale Haushalt beträgt 82,7 Milliarden Euro (2025: 62,31 Milliarden Euro), dazu kommen Schulden des Sondervermögens Bundeswehr mit 27,5 Milliarden Euro (2025: 24,06 Milliarden Euro). 2030 sollen die Militärausgaben 180 Milliarden bei einem Gesamthaushalt von 625 Milliarden betragen.

Fast 100 Milliarden Euro wurden bislang zur Unterstützung der Ukraine im Krieg aufgewendet  (zivile Unterstützung für die Ukraine in Höhe von rund 41 Milliarden Euro und militärische Unterstützung in Höhe von circa 55,5 Milliarden Euro). 2026 sind 11,5 Milliarden Euro für die militärische Unterstützung der Ukraine vorgesehen. Das dürfte der auf 11,5 Milliarden bezifferte Posten: „Hilfe für völkerrechtswidrig angegriffene Staaten“ sein, der 2027 11,6 Milliarden, dann jährlich 8,5 Milliarden betragen soll. Wenn dies so sein sollte, dann scheint der Iran von den USA und Israel nicht völkerrechtswidrig angegriffen worden zu sein, sondern es wird aus Sicht des Bundeskanzlers „Drecksarbeit“ geleistet.

„Wir lassen uns die Sondervermögen nicht kaputtreden“, sagte Wirtschaftsminister Klingbeil. Allein die Zinsen für den Bundeshaushalt steigen auf fast 43 Milliarden Euro an. Klingbeil: „Wir wollen, dass die Bürger in ihrem Alltag spüren, dass sich etwas ändert, dass etwa auch im Dorf eine Ladesäule gebaut wird.“

Um mal zu eruieren, was die Bürger in ihrem Alltag spüren werden und wen die Rüstungsausgaben am stärksten belasten bzw. wer am stärksten von ihnen profitiert, hatte Peter Bürger interessehalber einmal bei Gemini angefragt. Ich habe das noch durch Antworten anderer KI ergänzt. Die Informationen müssen bekanntlich nicht immer stimmen, was auch bei Journalisten vorkommen soll, aber die von der KI gegebenen Auskünfte liefern doch einmal einen anregenden schnellen Überblick. Wir geben Ausschnitte aus den Antworten wieder, die wie immer Momentaufnahmen sind.

Gemini am 13. 5.: Wer ist Leidtragender der hohen Rüstungsausgaben in Deutschland?

Die unmittelbaren Leidtragenden der drastisch steigenden Rüstungsausgaben sind gesellschaftliche Kernbereiche wie Soziales, Bildung und Infrastruktur sowie künftige Generationen. Da der Bundeshaushalt trotz des Rüstungsbooms durch die Schuldenbremse limitiert wird, erzwingt die Priorisierung des Militärs drastische Einsparungen und Belastungen an anderen Stellen.

  1. Soziale Sicherungssysteme und Wohlfahrt
  • Kürzungen bei Sozialleistungen: Um den auf über 82 Milliarden Euro angewachsenen regulären Wehretat zu finanzieren, beschränkt der Bund die Dynamik bei Sozialausgaben. Politische Anpassungen zielen auf eine striktere „Neuausrichtung“ und den Abbau vermeintlicher Fehlanreize im Sozialstaat ab.
  • Internationale Hilfe: Massiv zusammengestrichen wurden die Budgets für humanitäre Hilfe (minus 1,2 Milliarden Euro) und die Entwicklungszusammenarbeit (minus 941 Millionen Euro).
  1. Öffentliche Infrastruktur und Bildung
  • Investitionsstau im Kernhaushalt: Obwohl im Frühjahr 2025 ein separates „Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität“ (SVIK) über 500 Milliarden Euro aufgelegt wurde, fließen diese Gelder aufgrund bürokratischer Hürden nur schleppend ab. Im regulären Kernhaushalt fehlen die Mittel, was Sanierungen von Schulen, Brücken, Schienen und Straßen verzögert.
  1. Steuerzahler und zukünftige Generationen
  • Zinsbelastungen für die Zukunft: Das erste Sondervermögen der Bundeswehr von 100 Milliarden Euro sowie Teile nachfolgender Pakete werden komplett über Kredite am Finanzmarkt finanziert. Die Tilgung und die enorm gestiegenen Zinslasten dieser Schulden müssen von zukünftigen Steuerzahlern über Jahrzehnte hinweg abgetragen werden.
  • Kaufkraftverlust durch Inflation: Die massive staatliche Nachfrage nach Rüstungsgütern befeuert die Kapazitätsgrenzen der Wirtschaft. Dies entzieht zivilen Branchen Rohstoffe, Halbleiter und Fachkräfte, was indirekt inflationstreibend wirkt.
  1. Junge Bürger (Potenzielle Wehrpflichtige)
  • Einschränkung der persönlichen Lebensplanung: Mit dem beschlossenen Einstieg in eine modernisierte Wehrdienstarmee – beginnend mit der verpflichtenden Wehrerfassung ab Januar 2026 und Pflichtmusterungen ab Juli 2027 – sind junge Männer im Alter ab 18 Jahren direkt vom militärischen Umbau betroffen. Im Spannungsfall drohen zudem gesetzliche Einschränkungen wie Ausreiseverbote.

Welche politische Partei in Deutschland wird bei starken Kürzungen der Sozialausgaben, Verschlechterung der Gesundheitspolitik und niedrigen Sozialleistungen in Wahlen am meisten durch Stimmenzuwachs profitieren?

Bei drastischen Kürzungen von Sozialausgaben, einer Verschlechterung der Gesundheitsversorgung und sinkenden Sozialleistungen profitiert in Deutschland laut politikwissenschaftlichen Analysen und aktuellen Wahltrends primär die Alternative für Deutschland (AfD) durch Stimmenzuwächse. Flankierend verzeichnet in einem solchen Szenario auch das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) signifikante Gewinne.“


ChatGPT antwortet am 23. 5. auf die Frage: Wer sind die Leidtragenden und wer die Profiteure der hohen Rüstungsausgaben in Deutschland?

Die hohen Rüstungsausgaben in Deutschland erzeugen Gewinner und Belastete zugleich. Wichtig ist dabei: Es handelt sich nicht nur um eine militärische Frage, sondern um eine Verteilungs- und Prioritätenfrage innerhalb der Gesellschaft.

In der angebotenen Kurzform heißt es:

Profiteure:

  • Rüstungskonzerne,
  • Aktionäre,
  • Teile der Industrie,
  • Finanzmärkte,
  • militärische Institutionen,
  • NATO-nahe Sicherheitsstrukturen.

Leidtragende:

  • langfristig der öffentliche Haushalt,
  • Bereiche konkurrierender Staatsausgaben,
  • Kommunen,
  • potenziell sozial schwächere Gruppen,
  • und zukünftige Steuerzahler.

Auf dieselbe Frage antwortet deepseek:

Die hohen Rüstungsausgaben in Deutschland haben unterschiedliche Auswirkungen auf verschiedene Gruppen:

Leidtragende:

Sozial- und Bildungsetats: Da der Haushalt begrenzt ist, können höhere Rüstungsausgaben zu Kürzungen in sozialen Bereichen, Bildung, Gesundheitsversorgung oder Infrastruktur führen.

Steuerzahler: Höhere Staatsausgaben müssen langfristig durch Steuern oder höhere Verschuldung finanziert werden.

Entwicklungs- und Friedensorganisationen: Mittel für zivile Konfliktlösung, Entwicklungszusammenarbeit und Friedensförderung könnten relativ an Bedeutung verlieren.

Rüstungskritische Teile der Bevölkerung: Menschen, die militärische Aufrüstung aus ethischen oder friedenspolitischen Gründen ablehnen.

Profiteure:

Rüstungsindustrie: Unternehmen wie Rheinmetall, Krauss-Maffei Wegmann, Diehl Defence oder Hensoldt erhalten Großaufträge und verzeichnen steigende Gewinne.

Aktionäre und Investoren: Sie profitieren von steigenden Aktienkursen und Dividenden der Rüstungsunternehmen.

Beschäftigte in der Rüstungsbranche: Arbeitsplätze werden gesichert und neue geschaffen, teils mit überdurchschnittlichen Löhnen.

Militärstandorte: Kommunen mit Kasernen, Depots oder Rüstungsfabriken profitieren von Aufträgen und Arbeitsplätzen.

NATO-Partner: Deutschland kann seinen Beitrag zu Bündnisverpflichtungen leisten, was die Lasten verteilt.


Grok am 24.5.:

Die Leidtragenden der hohen Rüstungsausgaben in Deutschland sind vor allem Steuerzahler, zukünftige Generationen und andere öffentliche Ausgabenbereiche (Opportunity Costs). Es handelt sich um eine klassische Verteilungsfrage: Geld, das für Verteidigung ausgegeben wird, steht nicht mehr für anderes zur Verfügung. …

Zusammengefasst: Die breite Masse der Steuerzahler und künftige Generationen sind die Hauptleidtragenden, weil sie die Rechnung (direkt oder indirekt) bezahlen. Ob der Nutzen (mehr Sicherheit) die Kosten überwiegt, ist eine Wertungsfrage – ökonomisch handelt es sich aber um eine Umverteilung von Ressourcen weg von zivilen Zwecken.

Florian Rötzer, geboren 1953, war Gründer des Online-Magazins Telepolis und von 1996 bis 2020 dessen Chefredakteur. Seit 2022 ist er Redakteur beim Overton Magazin. Er ist Autor mehrerer Bücher, zuletzt In der Wüste der Gegenwart, das er zusammen mit Moshe Zuckermann geschrieben hat.
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Erstveröffentlicht im Overton Magazin v. 24.5. 2026
Wer sind die Leidtragenden?

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Bundesregierung erklärt Zahlen zur Verweigerung des Kriegsdienstes zur Staatsgeheimsache

Wie heißt es doch? Wer das Licht fürchtet, hat Dreck am Stecken oder es sieht schlecht für ihn aus. Auf die Bundesregierung trifft in Bezug auf die Wehrpflicht wohl beides zu. (Peter Vlatten)

20.06.26 – DFG-VK – Pressenza Hannover

DFG-VK kritisiert beispiellosen Angriff auf Transparenz bei der Ausübung eines Grundrechts

Stuttgart, 15.6.2026 – Die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) kritisiert die Weigerung der Bundesregierung, aktuelle Zahlen zur Kriegsdienstverweigerung offenzulegen (siehe https://dserver.bundestag.de/btd/21/062/2106256.pdf). In ihrer Antwort auf eine Kleine Anfrage verweist die Bundesregierung erstmals darauf, dass die Veröffentlichung entsprechender Daten das „Staatswohl“ gefährden könne.

„Das ist ein neuer Tiefpunkt staatlicher Intransparenz“, erklärt Cornelia Mannewitz, Bundessprecherin der DFG-VK. „Wir reden hier nicht über geheime Einsatzpläne, Waffensysteme oder militärische Fähigkeiten. Es geht um Menschen, die von ihrem Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung Gebrauch machen.“

Noch vor wenigen Monaten wurden entsprechende Zahlen regelmäßig veröffentlicht. So teilte die Bundesregierung auf parlamentarische Anfragen detailliert mit, wie viele Menschen Kriegsdienstverweigerungsanträge gestellt hatten. Für das Jahr 2024 wurden beispielsweise 2.998 Anträge genannt, im Jahr 2025 betrug die gemeldete Anzahl eingereichter Anträge bereits 7.691.

Die DFG-VK hält die nun vorgebrachte Begründung für politisch hochproblematisch. Wenn bereits Informationen über die Inanspruchnahme eines Grundrechts als sicherheitsrelevant eingestuft werden, verschiebt sich die Grenze dessen, was einer demokratischen Kontrolle zugänglich ist.

Eine Demokratie muss aushalten, dass sichtbar wird, wie viele Menschen keinen Dienst an der Waffe leisten wollen. Wer die Zahl der Kriegsdienstverweigerer geheim hält, schützt nicht die Sicherheit des Landes, sondern verhindert öffentliche Debatten über die gesellschaftliche Akzeptanz von Militarisierung und Wehrdienst.“

Die Entwicklung ist besonders brisant, weil die Zahl der Kriegsdienstverweigerungsanträge zuletzt deutlich angestiegen ist. Nach Angaben wurden im ersten Quartal 2026 bereits 2.656 Anträge gestellt.

Für die DFG-VK steht fest: Das Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung darf nicht politisch marginalisiert oder statistisch unsichtbar gemacht werden.

„Transparenz gefährdet nicht das Staatswohl. Eine Regierung, die Informationen über die Ausübung von Grundrechten zurückhält, gefährdet das Vertrauen in demokratische Institutionen.“

Die DFG-VK fordert die Bundesregierung auf, die bislang übliche Veröffentlichungspraxis wiederherzustellen und die Entwicklung der Kriegsdienstverweigerungszahlen vollständig offenzulegen.

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Titelbild: Peter Vlatten

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