Drall nach Rechts in der Hauptstadt

Wie ein Berliner Bezirk Neonazis dabei hilft, sich auf den Straßenkampf vorzubereiten.

Kolleg:innen des Kreisverbands DGB Berlin Ost und der IG Metall sind empört: „Was hilft Gedenken, Mahnen, Aufklären, wenn diesen Leuten solche Möglichkeiten geboten werden?

„Die Neonazi-Partei „Der Dritte Weg“ tritt seit Monaten immer offensiver auf: Lichtenberg ist dabei, neben Pankow und Marzahn-Hellersdorf, ein Schwerpunkt der Rechtsextremisten. Parteimitglieder stellen sich in Sturmhauben vor Jugendzentren, greifen Versammlungen an und trainieren öffentlich und Kampfsport in Parteiuniform. Sie haben Messer und andere Waffen dabei – wie am vorletzten Wochenende im Stadtpark Lichtenberg, als die Polizei eingeschritten ist.

Auch hinter dem Angriff auf Demo-Anreisende am Ostkreuz vor einigen Wochen stecken mutmaßlich Anhänger der militanten Kleinstpartei. Auf solche Attacken bereiten sich die Neonazis vor, und zwar mit Kraft- und Kampfsporttrainings – die nötige Infrastruktur dafür stellt ihnen freundlicherweise der Bezirk Pankow zur Verfügung.“

In einer kleinen Halle auf dem Sportkomplex Rennbahnstraße trainieren bekannte Neonazis regelmäßig mit jungen Männern Kraftsport.“

Letztes Wochenende wurde der CSD wieder von einer Zusammenrottung von Neonazi-Schlägern bedroht. Ein geplanter Überfall musste von der Polizei verhindert werden.

Uns ist nicht bekannt, dass der Regierende Bürgermeister Kai Wegner zu all diesen Vorfällen seine Stimme erhoben hätte. Obwohl er sonst doch die „Sicherheit“ in seiner Stadt zum Thema Nummer Eins und zur Chefsache erkoren hat und hierzu schnurstracks bei jeder Pipifaxfrage lautstark den Mund aufmacht.

Obwohl sich hier etwas zusammenbraut, das alle Demokraten und gleichermaßen alle Juden wie Muslime oder alle Dunkelhäutigen in dieser bisher ziemlich weltoffenen Stadt ernsthaft bedroht.

„Nie wieder ist jetzt, Herr Wegner!“ „Worauf warten Sie noch? Bis wieder täglich wie schon einmal vor 1933 faschistische Schlägerbanden die ganze Stadt unsicher machen?“

Öffentliches Terrain Rechtsextremen für ihre Kampfsportübungen überlassen, das läuft auf aktive Hilfestellung für diese Schlägergruppen hinaus! Das bereitet den Boden in dieser Stadt neu, der auch jüdisches Leben wieder vernichten kann.

Für jeden, der es mit der Bekämpfung von Rassismus, Rechtsextremismus und nicht zuletzt Antisemitismus wirklich ernst meint, gibt es hier nur eine einzige glaubwürdige Reaktion: Schluss damit. Und zwar auf der Stelle!

Ganz im Kontrast dazu wurde und wird jede und jeder in Berlin „auf der Stelle“ mit Antisemitismusvorwürfen und Repressalien konfrontiert, sobald sie oder er die Menschenrechte der Palästinenser nicht weniger wichtig findet als die der Israelis.

Wer zum Beispiel ruft „from the river to the sea, alle Menschen sind gleich“, konnte schon heftig ins Schlagfeld der Berliner Polizei geraten. Hierbei gibt sich der regierende Bürgermeister „wild“ entschlossen, solcherlei „Antisemitismus“ in „seiner“ Stadt nicht zu dulden. Da schert ihn wenig, dass bereits mehrfach gerichtlich festgestellt wurde, dass diese Parole keineswegs „antisemitisch“ ist. Wegner wird nicht müde „Nulltoleranz“ für Leute zu verkünden, die auf Berlins Straßen in voller Übereinstimmung mit den Positionen des internationalen Gerichtshofs und der UN das Menschenrecht für alle einfordern und entsprechend für die Rechte der Palästinenser eintreten!

Aber Wegner bleibt nicht nur auffällig „lautlos“ gegenüber dem Treiben der Neonazis in „seiner Stadt“, er schweigt weiterhin eisern zu dem ausgeuferten Krieg, den Menschenrechtsverbrechen und dem illegalen und mörderischen Siedlungsbau Israels, die auch in keiner Weise durch Verbrechen der HAMAS zu rechtfertigen sind.

Die Regierung Netanjahu ist rechtsextrem.

Und der Rechtsextremismus muss, egal WO er Unheil anrichtet bekämpft werden. Das im Falle Israels nicht zu tun, schadet und gefährdet Israel und den ganzen Nahen Osten.

Das im Falle Berlin nicht zu tun, gefährdet den ganz übergroßen Teil aller Berliner, nicht zuletzt alle in dieser Stadt lebenden Juden! Wer die Menschenwürde der Palästinenser nicht achtet und die Menschen, die dafür eintreten, nicht unterstützt, achtet niemandes Menschenwürde, auch nicht die der Juden.

Dazu passt, dass man sich dem Treiben von Hardcore Nazis nicht energisch und deutlich in den Weg stellt.

Gegen die Kriminalisierung legitimer KlimaProteste!

Da zieht es einem die Schuhe aus. Das Bundesverfassungsgericht rügt die Regierungspolitik, dass sie zuwenig zur Erreichung der Klimaziele tut und die Interessen der Gesellschaft und insbesondere der jungen Generation sträflich vernachlässigen würde. Die Ampel – wortgewaltig als Anwalt gegen Klimawandel im Wahlkampf angetreten – dreht stattdessen sogar die Nachbesserungen im Klimagesetz der Merkelregierung zurück. Aus Pipeline Gas wird das noch dreckigere Fracking- und LNG Gas. Aus einer Wende gegen den ungehemmten CO2-Verbrauch mit seinen katastrophalen Folgen wird eine Zeitenwende für einen immer ungehemmteren Militarismus, der alle sonstigen Maßnahmen gegen die Klimakastrophe konterkariert. Aus Klimagerechtigkeit wird ein grünangestrichenes kapitalistisches und imperiales Projekt, dass die Menschen hierzulande wie im globalen Süden ausplündert.

Aber junge Menschen wie von „Ende Gelände“, die gegen diese Ignoranz der offiziellen Politik gegenüber den Anforderungen selbst des Verfassungsgerichts mit zivilem Ungehorsam rebellieren und gegen die nach ihrer Auffassung kapitalistischen Ursachen antreten, werden vom Verfassungsschutz selbst als Verfassungsfeinde verdächtigt. Und sie werden von den Sicherheitsbehörden mit extremer Härte behandelt und von der operativen Justiz verurteilt. Mehr Doppelmoral geht wohl kaum. Hier eine Petition gegen diesen Skandal, die jeder unterschreiben sollte.

Solidaritätserklärung

„Ende Gelände“ ist Teil der Klimabewegung: Gegen die Kriminalisierung legitimen Protests!

Erst vor wenigen Wochen kamen Menschen in den Hochwasserfluten in Süddeutschland ums Leben. Während der Globale Süden bereits seit Jahrzehnten mit Auswirkungen der Klimakrise kämpft, wurde im letzten Jahr laut dem EU-Klimadienst Copernicus in jedem Monat die 1,5 °C Grenze im globalen Durchschnitt überschritten. Der Expert*innenrat für Klimafragen stellte kürzlich fest, dass Deutschland seine Ziele für 2030 nach den aktuellen Plänen nicht erreichen wird. Tatsächlich investiert die Bundesregierung in den Ausbau fossiler Infrastruktur. Damit kommt die Bundesregierung ihren rechtlichen Pflichten nicht nach: Das Bundesverfassungsgericht hatte am 29. April 2021 entschieden, dass Grundrechte auch in der Zukunft geschützt werden müssen, dass folglich Klimaschutz ein Grundrecht ist.

In dieser Situation stuft der Verfassungsschutz in seinem neuen Bericht zum ersten Mal eine Gruppe der Klimagerechtigkeitsbewegung als linksextremistischen Verdachtsfall ein.
Dies erlaubt dem Verfassungsschutz, Ende Gelände zu überwachen und verdeckte Ermittler*innen einzuschleusen. Davon betroffen sind die Engagierten bei Ende Gelände, ihre Kontakte, sowie Organisationen, die mit Ende Gelände im Austausch stehen. Das sind massive Einschränkungen der Grundrechte politischer Versammlung und Organisierung.

Wir, die unterzeichnenden Gruppen, Organisationen und Personen, sind erschüttert, dass der Verfassungsschutz Ende Gelände als linksextremistischen Verdachtsfall einstuft. Dass der Verfassungsschutz die antikapitalistische Auffassung von Ende Gelände als Belege für einen Verdacht auf Extremismus aufführt, ist höchst besorgniserregend. Die Position, dass der Kapitalismus den Klimawandel antreibt, fällt in den Rahmen der Meinungsfreiheit. Sie ist außerdem Teil vieler wissenschaftlicher Befunde und Analysen. Die Verfassung schützt Grundrechte, keine bestimmte Wirtschaftsform.

Hier kannst du die Petition unterschreiben und weitere Begründungen lesen

„Die Aktionen von Ende Gelände sind besonnen und richten sich gezielt gegen Orte der Zerstörung
wie Braunkohletagebaue oder Kraftwerke, um diese als solche überhaupt sichtbar zu machen. Sie sind wichtige Signale, die aufrütteln und auf die Profiteure der fossilen Industrie hinweisen.“

Wer den Kapitalismus nicht ehrt…

Solidarität mit Benjamin Ruß – Nein zu Berufsverboten!

Die Fälle von Berufsverboten gegen linke kapitalistisch kritische Menschen und Angriffe auf die Wissenschafts- und Meinungsfreiheit nehmen bedenkliche Ausmaße an. Wir publizieren hier den Bericht über den aktuellen Fall des Geowissenschaftlers Ruß und rufen mit zur Solidarität auf. Das erste Mal rief ich zu einer solchen Solidarität auf, als vor mehreren Jahrzehnten der heutige Ministerpräsident von Baden-Württemberg Winfried Kretschmann im Zuge des damaligen „Radikalenerlasses“ ebenfalls vom Berufsverbot bedroht war. (Peter Vlatten)

Von Chiara Stenger, Solidarität Info

Berlin, 25. Juli 2024

Die Personalabteilung der Technischen Universität München will den Geowissenschaftler Benjamin Ruß nicht einstellen. Und das, obwohl er für die Stelle am Lehrstuhl für Kartographie fachlich geeignet ist und vom Institut eine Zusage erhalten hat.

***26. Juli 2024 – Prozesstermin von Benjamin Ruß am Münchner Arbeitsgericht ab 11:00 Uhr***

Begründet wird seine Nicht-Einstellung mit “fehlender Verfassungstreue” laut dem Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz. Vorgeworfen werden dem Wissenschaftler, der sich auch als Marxist versteht, Gewaltorientierung, Ablehnung des Kapitalismus und Absichten zur Veränderung des Systems. So begründete der Kanzler der Universität Ruß’ Anwältin gegenüber, dass ihr Mandant sich “in der Gesamtheit seiner Äußerungen […] klassischer Begriffe wie Faschismus, Rassismus, Kapitalismus, Polizeigewalt/-willkür, mittels derer auch die Gegnerschaft zur bestehenden Ordnung betont und begründet wird” bediene. Hintergrund dessen ist ein in Bayern üblicher Fragebogen zur Mitgliedschaft in sogenannten “extremistischen Organisationen” für die Einstellung von Personen im öffentlichen Dienst. In diesem Fragebogen werden von anarchistischen Gruppen über die DKP oder SDAJ auch die Linksjugend, der SDS, die Rote Hilfe sowie wie wir, die Sol, als extremistische Gruppen bewertet. Bewerber*innen sind verpflichtet, aktuelle wie ehemalige Mitgliedschaften in diesen Organisationen anzugeben. Das erinnert an den “Radikalenerlass” von 1972, bei dem Bewerber*innen im Öffentlichen Dienst ebenso jahrelang auf ihre Verfassungstreue geprüft wurden. Und auch damals lag der Fokus insbesondere auf “Linksextremismus”.

Vorwürfe widerlegen. Die Universitätsleitung versuchte jedoch,  mit weiteren falschen Anschuldigungen Stimmung gegen den linken Wissenschaftler zu machen und ihn negativ darzustellen. In einem Antwortschreiben zitierte der Kanzler der TUM Benjamin Ruß’ Stellungnahme falsch und stellte falsche Behauptungen auf, ohne diese zu belegen. Zudem übernahm die Universitätsleitung einfach die Argumentation des Verfassungsschutzes, indem die kritische Auseinandersetzung mit Kapitalismus, Rassismus oder Polizeigewalt vom Kanzler als Verfassungsfeindlichkeit dargestellt wird.

Besonders absurd ist diese Situation zudem mit Blick darauf, dass sogar das Bundesverfassungsgericht 2022 entschieden hat, dass das bayerische Verfassungsschutzgesetz in Teilen verfassungswidrig ist, da Persönlichkeitsrechte durch gängige Überwachungsmethoden beschnitten wurden. Dies gibt einen Hinweis darauf, dass fragwürdige Methoden dieser Institution wahrscheinlich nicht nur im Fall von Benjamin Ruß zum Einsatz kamen. Zugleich stärkt der Verfassungsschutz aktiv wie passiv rechte Strukturen, wie das Beispiel des NSU zeigt, anstatt sie effektiv zu bekämpfen. Dies wird auch deutlich mit Blick auf den ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten, Hans-Georg Maaßen, der für seine rassistischen und arbeiter*innenfeindlichen Politik bekannt ist. Ebenso zeigt sich bei dem “Extremismus-Fragebogen” die Gleichstellung von sozialistischer und faschistischer Weltanschauung, die sogenannte Hufeisentheorie.1 Der Verfassungsschutz sollte also keine Grundlage für die Beurteilung der Ansichten einer Person sein. Solche Gesinnungsprüfungen und -untersuchungen werden immer wieder gegen Linke und Sozialist*innen eingesetzt und führen zu Schikanen, Nicht-Einstellung und Berufsverboten. Rechte hingegen bleiben in vielen Fällen verschont.

überraschend – Universitäten und Bildung im Kapitalismus sind nicht frei, sondern letztlich Mittel der Herrschenden. Nötig wäre eigentlich, dass Ämter wie die einer Unikanzler*in durch Mitarbeiter*innen und Studierende demokratisch gewählt – und auch abgewählt werden können, und zwar mit einer gleichwertigen Stimme pro Person und nicht in einem feudal anmutenden System, in dem auf Professor*innen viel mehr Entscheidungsgewalt pro Kopf entfällt als auf die anderen Beschäftigten und die Studierenden.

  • Die Sol steht solidarisch hinter dem Kollegen Benjamin Ruß! 
  • Wir stehen für ein Ende aller Repressionen und Berufsverbote ein!
  • Die Befragung zur Verfassungstreue an bayerischen Universitäten sowie anderen staatlichen Einrichtungen muss sofort enden!
  • Für wirklich demokratische Strukturen an Universitäten und Bildungseinrichtungen! Für eine wirklich unabhängige Wissenschaft und Lehre!
  • Wir fordern daher alle auf zur Kundgebung zu Benjamins nächstem Prozesstermin am 26.07. zu gehen und sich solidarisch zu zeige

Titelfoto: Benjamin Ruß (c) Sophia Lukasch Photography)

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