„Neukölln-Komplex“ endlich aufklären!

Seit über 10 Jahren ist Berlin-Neukölln ein Hotspot rechter Gewalt. Seit 2009 haben Täter:innen aus dem neonazistischen Spektrum fast 160 Anschläge durchgeführt, die insbesondere gegen Migrant:innen und linke Gegner:innen der rechten Szene verübt werden. Erst am 23. Mai brannte wieder ein Auto in der Hufeisen-Siedlung und es wurde in Kauf genommen, dass Menschen dabei verletzt werden. Trauriger Höhepunkt des Rechtsterrorismus war ein Brandanschlag auf das Auto des LINKE-Abgeordneten Ferat Kocak, der nur durch schnelle und geistesgegenwärtige Reaktion verhinderten konnte, dass seine ganze Familie in den Flammen umkam. Das offizielle Ergebnis polizeilicher Ermittlungen kommt einem Offenbarungseid nahe. So wird bis heute auch an alle Menschen, die damit rechnen können, ins Fadenkreuz der Rechten zu geraten, das Signal ausgesandt: Niemand schützt euch! Und die rechten Täter:innen bekommen die Ermutigung: Wir haben nichts zu befürchten!

Um in der Aufklärung des „Neukölln-Komplex“ endlich weiter zu kommen, haben Antifaschist:innen seit langem einen parlamentarischen Untersuchungsaussschuss gefordert, ein Ziel, das insbsondere von der Partei DIE LINKE unterstützt wurde. Dieser UA wurde jetzt in der Senatskoalition beschlossen. Zu seiner konstituierenden Sitzung am 16 Juni hatte der Berliner Landesverband der VVN BdA und die Initiative zur Aufklärung des Mordes an Burak Bektas zu eine Kundgebung vor dem Abgeordnetenhaus aufgerufen.

Wir dokumentieren hier die Rede von Markus Tervooren, dem Geschäftsführer der Berlinder VVN/BdA und zitieren Ausschnitte aus dem Beitrag der Burak Bektaş-Initiative, die vollständig auf ihrer Website nachgelesen werden kann.

Markus Tervooren:
Besser spät als nie?

Bei aller Genugtuung, dass es jetzt nach vielen Jahren einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu Neonaziterror und Behörden-und Politiker:innenversagen geben wird, sollten wir einen weiten Blick zurückwerfen, schon allein um den Untersuchungszeitraum zu umreißen, den der UA Neukölln umfassen müsste.

Ein kleines Schlaglicht zum Beginn: Nach der Wahl zum Westberliner Abgeordnetenhaus 1989 behaupteten die Republikaner, dass „ein großer Teil“ ihrer neuen Mitglieder, „30 bis 40 Prozent …, aus dem Staatsdienst stammten – Polizisten, Grenzschützer, Offiziere und mittlere Beamte seien.

Schauen wir auf die Berliner Neonazi-Scene und auf das Verhalten der Ermittlungsbehörden und deren den Rechten Verhältnis zu denselben gegenüber in der letzten drei Jahrzehnte zurück, ist Mensch geneigt, dieser sicherlich prahlerisch übertriebenen Behauptung der ersten Partei der Nazis und Faschisten, den Reps, denen die NPD und später die AfD in die Berliner Parlamente bis heute folgen sollten, in Teilen zu glauben. Auch zahlreiche Skandale mit rechtsradikalen Äußerungen, Neigungsgruppen und teil direkten Beziehungen zu Neonazis, legen es nahe, dass es in der Berliner Polizei tradierte rechtsradikale Milieus gibt.

Auch die Neonazi-Netzwerke in Berlin lassen sich bruchlos und mittlerweile gut dokumentiert vom Neonazis Sebastian Thom, der sich im August als mutmaßlicher Neonazi-Brandstifter endlich vor Gericht verantworten muss, zum Neonazi Kay Diesner zurückverfolgen, der vor 25 Jahren.1997 erst in Marzahn, auf den linken Buchhändler Klaus Baltruschat aus Berlin-Marzahn schoss und ihn verletzte, das ihm der linke Unterarm amputiert werden musste und auf seiner Flucht später den 33-jährigen Polizeiobermeister Stefan Grage erschoss. Dazwischen liegt ein langer Zeitraum in dem sich gut vernetzte Neonazi-Gruppen, Parteien und rechtsradikale Milieus sich bis heute immer wieder erneuern und permanent aktiv blieben und bleiben, z.B. in Neukölln.

Ermittlungserfolge und Verurteilungen neonazistischer Täter waren und sind nach wie vor dünn gesät. So frage ich mich z.B. warum die Verfasser:innen diverser Neonazi- Feindeslisten, auf denen ich mich mehrfach wiederfand, oft in guter Neuköllner Gesellschaft, bis heute nicht dingfest gemacht wurden, aber ich erst nach Jahren von der Polizei davon informiert wurde, da wusste ich es längst. Ich frage mich, warum sich ein herbeigerufener Polizeibeamter eine in den Hausflur einer Freundin gesprühte Todesdrohung, unterzeichnet mit 9mmm, Nationaler Widerstand Berlin nicht zur Anzeige bringen, ja noch nicht einmal dokumentieren wollte, eine Sachbeschädigung solle der Hauseigentümer anzeigen.

Und an was ich sehr genau erinnere ist, dass es in Berlin eben keinen NSU- Untersuchungsausschuss gab, obwohl zahlreiche Spuren aus dem NSU-Netzwerk nach Berlin führten, Neonazi-V-Leute aus dem Netzwerk von der Berliner Polizei geführt und Akten dazu „aus Versehen“ geschreddert wurden, die Ausspähung der Synagoge in der Ryke-Straße durch das NSU-Netzwerk bekannt wurde. Eins ist gewiss, eine Verbindung nach Neukölln hätte sich gefunden.

Deshalb bitte ich alle Abgeordneten im jetzigen Untersuchungsausschuss, wohlwissend, dass alle im Abgeordnetenhaus sitzenden demokratischen Fraktionen in den vergangenen Jahrzehnten die Aufklärung wenig vorangetrieben haben, waren sie doch oft in diese Vorgänge involviert, lasst eure jeweiligen Macht-und Koalitionsoptionen, lasst die faulen Kompromisse der letzten Jahre endlich beiseite, stellt euch konsequent auf du Seite der Opfer und der Aufklärung, handelt nicht als Regierungsvertreter*innen und Dienstherren, stellt die richtigen Fragen, seid rücksichtslos auch zu euren Parteien und Fraktionen –sonst wird das nix.

Die AfD im Ausschuss ist ein Problem, dass ihr lösen müsst, aber werdet nicht selbst zum Problem, dass seid ihr den Opfern der Neonazis schuldig.

Burak Bektaş-Initiative:

Wir sprechen hier für die Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş. Wir als Initiative fordern den Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum Neukölln-Komplex seit Jahren. Viel zu viele Straftaten mit rechtem Motiv werden in Neukölln nicht aufgeklärt. Wir wollen, dass aufgeklärt wird woran das liegt. Wir wollen, dass Verantwortliche merken, dass wir alle auf sie schauen. Dass uns allen klar ist, dass es hier um ein strukturelles Problem in den Berliner Sicherheitsbehörden gehen muss und dass wir keine Ruhe geben, bis die Verantwortlichen hierfür zur Rechenschaft gezogen werden. Wir geben keine Ruhe, bis Konsequenzen gezogen werden und sich das grundlegend ändert. Genauso setzen wir uns seit Jahren für einen NSU-Untersuchungsausschuss für Berlin ein. Wir alle wissen, wie auch über die Medien bestätigt, dass die Nazistrukturen in Neukölln und bundesweite Rechte Netzwerke und Sicherheitsbehörden u.a. das LKA Berlin, Verstrickungen aufzeigen.
Wir fordern, dass der Mord an Burak und 4 fache Mordversuch an Buraks Freunden als das anerkannt wird, was es ist.
Solange das Gegenteil nicht bewiesen ist, gehen wir weiterhin von Rassismus als Tatmotiv aus. Wir wollen wissen, durch welche Schritte in den Ermittlungen Rassismus als mögliches Tatmotiv geprüft wurde? Denn unser Eindruck ist, dass einem möglichen rassistischen Tatmotiv in den Ermittlungen nicht ausreichend nachgegangen wurde. Die Behörden sind entweder nicht in der Lage oder nicht willens, rechte, rassistische Handlungen und Motive zu erkennen, richtig zu beurteilen und effektiv zu ermitteln.

Der Mord an Burak Bektaş ist jetzt 10 Jahre her. Bei unserer Kundgebung zu Buraks zehntem Todestag hat Buraks Mutter Melek Bektaş eine Rede gehalten und wir wollen euch ein paar Auszüge daraus vorlesen:
„Was ich mir seit 10 Jahren wünsche ist: Der Mord soll aufgeklärt werden. Wie kann das sein, dass es nicht gelingt? Wie können alle noch helfen, dass es passiert? Die Polizei wird es nicht tun. Wer dann?

Hier ist der vollständige Text des Beitrages:

https://burak.blackblogs.org/2022/06/22/redebeitrag-zur-kundgebung-am-16-juni-beginn-des-parlamentarischen-untersuchungsausschuss-berlin-zum-neukolln-komplex/

Friedensstatue „gegen sexuelle Gewalt im Krieg“ soll entfernt werden!

Die Friedensstatue in Berlin Moabit gegen sexuelle Gewalt , Folterung und Versklavung von Frauen in Kriegen soll verschwinden. Sie stört das Bild einer weissen Weste von Japan, einer befreundeten westlichen Regierung und Nation! Wir protestieren dagegen!

Während des Asien-Pazifik Krieg von 1931 bis 1945 wurden schätzungsweise 200.000 Mädchen und junge Frauen aus mehreren Ländern, darunter auch viele Koreanerinnen, von Japan verschleppt und zu sexueller Sklaverei an allen Fronten des Krieges gezwungen. Nach Kriegsende ermordeten japanische Soldaten die sogenannten „Trostfrauen“ oder setzten sie schutzlos an Kriegsschauplätzen aus.

Die Friedenstatue in Moabit wurde als Mahnmal gegen diese Kriegsverbrechen Japans aufgestellt. Sie steht auch für alle Frauen, die in Kriegen sexuelle Gewalt erleben und erlebt haben. Sie steht für die Forderung von der Unversehrtheit und Schutz für Frauen im Kriegsgeschehen, was angesichts des Krieges in der Ukraine wieder traurige Bedeutung auch in Europa erlangt.

Krieg, so zeigen alle wissenschaftlichen Aufarbeitungen, entfesselt immer die niedrigsten Instinkte bei allen Beteiligten . In der Regel werden sie systematisch von den Kriegsparteien instrumentalisiert. Demütigung, Erniedrigung und Vernichtung von Gegnern sollen wie eine Droge auf das Selbstwert- und Überlegenheitsgefühl von zerschundenen Soldaten wirken. Opfer sind ganz überwiegend Minderheiten und Frauen. Aber auch Männer können Opfer sein, wie die Aufdeckung der Übergriffe im irakischen US Gefängnis Abu-Ghuraib-Gefängnis gezeigt hat. Auch Frauen können Täter , Einpeitscher und oft Beschichtiger sein! Wer wegschaut oder ausschliesslich mit dem Finger auf die Seite des Kriegsgegners zeigt, fördert die Barbarei, statt sie zu bekämpfen und soll sich schämen!

Japan drückt sich bis heute vor seiner Veranwortung und versucht massiv zu verhindern, dass diese Verbrechen bekannt werden oder in Erinnerung bleiben. So wird Druck aufgebaut , dass die Statue in Deutschland entfernt wird. Man ist besorgt, dass die Flecken unter der weissen Weste sichtbar werden.

Laut einem Bericht der japanischen Zeitung Sankei Shimbun hat zuletzt der Japanische Premieminister Kishida Bundeskanzler Scholz bei seinem Besuch in Japan im April um Entfernung der Friedensstatue in Berlin gebeten. Es sei bedauerlich, dass die Statue immer noch stehe. Das stehe ganz im Gegensatz zur Position Japans. Scholz konnte allerdings keine Zusage machen. Obwohl die Bundesregierung die Beziehungen zu Japan schätze, falle die Statue in die Zuständigkeit des Bezirksamts Mitte. Daher gebe es kaum Spielraum für ein direktes Eingreifen der Bundesregierung. [1]https://www.koreaverband.de/blog/2022/05/11/statement-kishida-friedensstatue/

Jetzt liegt der Ball beim Bezirksamt Berlin Mitte. Das windet sich , obwohl sich die Bezirksverordnetenversammlung für den Erhalt der Statue ausgesprochen hat. Aus Korea und Japan reisen rechte Populisten und Extremisten zwischen dem 25. und 30.6. an, um der Forderung nach Entfernung Nachdruck zu verleihen.

Wir rufen gemeinsam mit dem Koreaverband und anderen demokratischen Organisationen dazu auf, die Statue als Symbol gegen jeglichen sexuellen Missbrauch in Kriegen zu verteidigen. Kommt vorbei in der Aktionswoche zur Mahnwache

vom 26. bis 30.6. . Jeden Tag 9 bis 12 und 14 bis 17 Uhr

kommt vor allem zum großen Auftakt der Mahnwache am 26.6. um 11 Uhr

Ort Berlin Moabit Birkenstraße/Bremerstraße (U-Bahn Birkenstraße/S Bahn Westhafen)

Unterschreibt auch die folgende Petition:

https://www.openpetition.de/petition/online/die-friedensstatue-muss-bleiben#petition-main

Gespräche

In der Reihe sprechen Kolleginnen und Kollegen über ihre Arbeit als Gewerkschaftsmitglied und ihren Einsatz gegen Krieg und Faschismus.


Alle, die im Betrieb mit ihrer antifaschistischen Überzeugung nicht „hinter dem Berg halten“, werden sehr rasch erkennen, dass sie vor allem dann überzeugen, wenn sie zugleich die täglichen Sorgen im Blick haben und dabei Wege zu gemeinsamen Handeln suchen.


Für antifaschistisches und gewerkschaftliches Handeln gilt ganz allgemein folgender Zusammenhang:
Der Faschismus löste die Gewerkschaften auf und beseitigte mit der ersten deutschen Republik alle kollektiven Rechte, die sich die Gewerkschaften erkämpft hatten. Das Tarifrecht, das Betriebsrätegesetz – alles wurde mit einem Federstrich zunichte gemacht. Eine „Deutsche Arbeitsfront“ mit den Unternehmern als „Betriebsführer“ und den Beschäftigten als „Gefolgschaft“ wurde etabliert. „Nie wieder Faschismus“ heißt dagegen Stärkung der Gewerkschaften und Verteidigung und Ausbau der Rechte der abhängig Beschäftigten. Entschiedenes gewerkschaftliches Handeln im Betrieb ist in diesem Sinne immer auch antifaschistisches Handeln.

Siehe auch: https://widerstaendig.de/buchreihe/


Günter Triebe:

Mitglied des Ortsvorstands IG Metall Berlin, erzählt über seine vielfältige und bewegte Arbeit in der Gewerkschaft IG Metall und als langjähriges Mitglied des Betriebsrats Otis. Günter Triebe, Mitglied der VVN-VdA, vermittelt nicht nur ein anschauliches Bild über die Berliner Geschichte der letzten 50 Jahre aus der Perspektive eines kämpferischen Gewerkschafters, sondern diese vier Interviews geben auch reichlich Anregungen, wie Kolleginnen und Kollegen im Betrieb konsequent ihre Interessen wahrnehmen können. Sie sind also vor allem auch für junge Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter sehr lehrreich“.


Teil 1: Ausbildung bei Siemens 1966 und der Arbeit bei Otis bis 1990

Im 1. Teil erzählt Günter Triebe :

wie er seine Ausbildung bei Siemens begann,

wie zwei Jahre später der amerikanische Präsident Nixon das Siemens Dynamowerk besuchte,

über das Handeln gegen Rechts der Schülermitverantwortung (SMV) in der Berufsschule,

über seinen Eintritt in die IG Metall – mit Hindernissen,

wie er aktiv in der Jugend der IG Metall war,

über Auseinandersetzungen mit der Ortsverwaltung der IG Metall Berlin,

über sein Bemühen um konsequente gewerkschaftliche Arbeit im Betrieb.


Teil 2: von Vertrauensmann – Verlagerung und Rationalisierungen

Im 2. Teil erzählt Günter Triebe:

von seiner Arbeit als Vertrauensmann ,

vom Kampf um die 35-Stunden-Woche,

über Tarifverhandlungen und kalte Aussperrung,

vom politischen Demonstrationsstreik,

von der Beschwerde beim Betriebsrat,

über Verlagerungen und Rationalisierungen.


Teil 3: von Otis kauft BAF bis Europäischer Betriebsrat

im 3. Teil erzählt Günter Triebe über folgende Themen:

Otis kauft BAF,

Otis droht mit Verlagerung,

Arbeit im Europäischen Betriebsrat.


Teil 4: Gewerkschaft und Politik

Im 4. Teil, Günter Triebe erzählt über folgende Themen:
Kampf um Rückkehr der Gewerkschaften am 1. Mai auf die Straße,
Demonstrationen gegen den Krieg der USA gegen Vietnam,
Protest gegen Besuche des amerikanischen Präsidenten in Berlin ,
Protest gegen den Irak-Krieg,
Protest gegen den Jugoslawien-Krieg,
Arbeit im IG Metall – Arbeitskreis der Senioren,
Besuch des KZ Mauthausen mit der IG Metall Jugend.

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