Ohne nationale Souveränität geht es nicht

Am 11. Januar erschien ein Artikel auf unserer website von Raul Zelik. Es ist ein Artikel, der erstmals im nd veröffentlicht wurde. Dieser Artikel sollte um einige Widerworte ergänzt werden.

Der Artikel hat die Überschrift „Keine Illusionen über Venezuelas Regierung“. Zelik schließt seinen Beitrag mit folgendem Satz: „Wieder einmal zeigt sich, dass die »Verteidigung der nationalen Souveränität« zur Durchsetzung sozialer Rechte in Zeiten eines alles dominierenden kapitalistischen Weltmarkts kein geeignetes Mittel mehr ist.“

Da irrt Raul Zelik. Auch Raul Zelik meint, dass „die USA gestoppt werden müssen“. Aber warum müssen die USA gestoppt werden, wenn die »Verteidigung der nationalen Souveränität« zur Durchsetzung sozialer Rechte „kein geeignetes Mittel“ ist, wie Raul Zelik schreibt.

„Ohne Verteidigung der nationalen Souveränität“ ist die Durchsetzung sozialer Rechte völlig unmöglich. Daher stimme ich Vijay Prashad zu, der auf der Plattform X die Verteidigung Venezuelas als »Klassenkampf« bezeichnet.

Wir werden sehen, welchen Weg die Regierung in Venezuela gehen wird. Bis jetzt kann ich nicht erkennen, dass sie sich unterwirft. Und deswegen sollten wir solidarisch mit dieser Regierung sein. Wir werden sehen, ob sich ein vom Volk getragener Widerstand in Venezuela gegen die USA herausbildet. Es geht auch um die nationale Souveränität des tapferen Kuba, das die USA jetzt endültig strangulieren wollen.

Es mag sein, dass „Maduros Politik schon lange nicht mehr links“ war. Aber immerhin hat Venezuela bis zuletzt Öl an Kuba geschickt. Das war für Kuba sehr wichtig. Das will Trump nun beenden.

Es geht also um sehr viel. Und es ist ein schwerer Kampf. Und dabei kommt es auch auf unsere Solidarität an, auf die weltweite Solidarität, von der wir ein Teil sein sollten. Da hat der Artikel von Raul Zelik wenig geholfen.

Solidarität mit Beschäftigten freier Träger

Die Betriebsgruppe ver.di-FU erklärt sich solidarisch mit dem beabsichtigten „wilden“ Streik von Beschäftigten der freien Träger

Wir solidarisieren uns mit den Kolleg*innen, die beabsichtigen, in einen „wilden“ Streik, d. h. ohne Aufruf der Gewerkschaften, zu treten. Bei den Beschäftigten freier Träger – etwa in sozialen Beratungsstellen – richtet sich der Protest gegen Kürzungspläne des Senats, unzureichende Finanzierung und die fehlende tarifliche Anerkennung.

Viele fordern eine Angleichung an den TV-L, die Hauptstadtzulage und den Stopp weiterer Kürzungen.
Gerade die Berufe, in denen diese Kolleg*innen tätig sind – z. B. soziale Beratung, Betreuung und Daseinsvorsorge – werden durch Unterfinanzierung und Kürzungen unmittelbar geschwächt. Das führt zu konkreten Nachteilen und Schäden für die Personengruppen, die auf diese Unterstützung angewiesen sind. Die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen wirkt sich damit direkt auf Schutzbedürftige, Ratsuchende und vulnerable Menschen aus.

Wir betonen ausdrücklich die Gemeinsamkeit unserer Kämpfe:

Auch wir werden am 18.12. vor dem Berliner Abgeordnetenhaus streiken, um gegen Kürzungen, Überlastung und den Abbau öffentlicher Infrastruktur zu protestieren. Die Anliegen der Kolleg*innen der freien Träger und die unserer eigenen Bereiche sind eng miteinander verbunden – es geht um die Verteidigung sozialer und öffentlicher Arbeit in Berlin.

Die aktuelle politische Lage zeigt, wie eng betriebliche Forderungen mit politischen Entscheidungen verflochten sind. Sie macht deutlich, dass Beschäftigte Interessen nicht nur an der Wahlurne, sondern – wo nötig – auch durch Arbeitsniederlegungen ausdrücken können und müssen, etwa wenn Projekte von rechtskonservativen Politiker*innen durch Kürzungen systematisch zerschlagen werden, weil sie nicht in ihr Weltbild passen.

Unsere volle Solidarität gilt allen, die sich gegen diese Entwicklung wehren und für bessere Arbeitsbedingungen, eine sichere Finanzierung und eine starke soziale Infrastruktur streiken.

Vorstand, ver.di-Betriebsgruppe
12.12.2025

Infolink: https://www.nd-aktuell.de/artikel/1196110.arbeitskampf-freie-traeger-wilder-streik-krankenschein-als-helferlein.html

Betriebsgruppe ver.di-FU zu Kriegsvorbereitung und Kriegsdienstverweigerung.

Aus Anlass des Streiks der Schüler am 5. Dezember 2025 verschickte der Vorstand der Betriebsgruppe ver.di-FU ein Schreiben an alle ver.di-Mitglieder der FU mit einer Empfehlung zur Kriegsdienstverweigerung. Dieses Schreiben ergänzte der Vorstand der Betriebsgruppe am 12. Dezember um eine Stellungnahme, die wir zunächst wiedergeben.

Ergänzung der Betriebsgruppe von ver.di-FU

Wir möchten unsere Empfehlung zur Kriegsdienstverweigerung nach Verabschiedung des Wehrpflichtmodernisierungsgesetzes sowie auf Grundlage aktueller Hinweise der DFG-VK (Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen) wie folgt ergänzen:

Nach sorgfältiger Abwägung verweisen wir bei der Kriegsdienstverweigerung nicht mehr ausschließlich auf die Empfehlung von kriegsdienstblocker.de, sondern auch auf die Empfehlung und Anleitung der DFG-VK:
https://kdv.dfg-vk.de/

Damit verbundene Fragestellungen werden treffend in einem Artikel der Jungen Welt vom 11.12.2025 zusammengefasst. Darin heißt es u. a.:

„Welche Variante der Kriegsdienstverweigerung größere Erfolgsaussichten hat, ist eine wichtige Frage. Aber die Diskussion darum ist vor allem auch eine Debatte um die richtige individuelle Beratung.“

https://www.jungewelt.de/artikel/513847.kriegsdienstverweigerung-eltern-müssen-mitstreiken.html

Die aktuelle Debatte um die richtige Vorgehensweise bei der KDV macht erneut deutlich, wie wichtig niedrigschwellige, qualifizierte Beratungsangebote sind. Aus unserer Sicht ergibt sich daraus ein klarer Handlungsauftrag an die Gewerkschaften, entsprechende Beratungsstrukturen aufzubauen bzw. zu stärken.

Vor diesem Hintergrund hat sich die ver.di-Betriebsgruppe der FU am 10.11.2025 mit einer Forderung an ver.di gewandt:
https://berlineraktiongegenarbeitgeberunrecht.wordpress.com/2025/11/10/uni-in-der-zeitenwende/


Schreiben des Vorstandes der Betriebsgruppe von ver.di-FU an die ver.di-Mitglieder

Liebe Mitglieder,

zum Anlass des Schulstreiks vom 5. Dezember, zu dem auch die GEW Berlin aufgerufen hatte, und entgegen der fortschreitenden Kriegsertüchtigung wollen wir insbesondere unsere jüngeren Mitglieder über die Möglichkeit informieren, den Kriegsdienst zu verweigern. Ihr könnt der Erfassung durch die Bundeswehr vorläufig entgehen, wenn ihr von eurem Widerspruchsrecht gegen die Datenübermittlung an die Bundeswehr an einem Berliner Bürgeramt Gebrauch macht. Unter diesem Link findet ihr hierfür ein Musterschreiben.

Euer Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung (GG Art. 4 Abs. 3) könnt ihr zudem vorsorglich wahrnehmen und nach dieser Anleitung verfahren. Auch die Berliner Landesverfassung garantiert: „Jedermann hat das Recht, Kriegsdienste zu verweigern, ohne dass ihm Nachteile entstehen dürfen.“ (VvB Art. 30 Abs. 2) Darüber hinaus fordern wir von unseren im DGB vernetzten Gewerkschaften, sich vehement gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht zu stellen und die internationale Gewerkschaftsbewegung als Stütze einer
friedlichen Weltordnung zu mobilisieren.

Hintergrund

Die „Kriegsertüchtigung” unserer Gesellschaft läuft auf Hochtouren – ob durch Rekrutierungsversuche an Schulen und Hochschulen oder durch eine Aufrüstungspolitik, die unter dem Deckmantel der Sicherheit Kürzungen im Sozial-, Kultur- und Bildungsbereich rechtfertigt.
Es ist noch nicht lange her, da haben wir mit unseren Hochschulleitungen vor dem Abgeordnetenhaus für #unkürzbar demonstriert, nun setzen sie das Spardiktat in Eigenregie um. Längst ist klar geworden: Es wird nicht einfach nur gespart und gekürzt, sondern öffentliche Gelder werden umgeschichtet. Eine Billion Euro sollen in den nächsten fünf Jahren in die Militarisierung gesteckt werden. Das Ziel über 2030 hinaus lautet jährlich 5% des BIP, derzeit wären das 213,5 Milliarden Euro, ins Militär zu investieren, statt in Bildung, Klima, Soziales & Gesundheit.

Womit man uns zu ködern versucht: Mehr Waffen würden Krieg verhindern – das Gegenteil ist der Fall. Sind die Waffen produziert und die Kriegsproduktion am Laufen, steigt der Druck, diese auch einzusetzen. Sind Soldaten ausgebildet, werden sie auch eingesetzt.
Wir fordern deshalb eine klare Positionierung unserer Gewerkschaft gegen die Aufrüstung und gegen die Wiedereinführung einer Wehrpflicht. Die Leidtragenden der gegenwärtigen Entwicklungen werden sonst wir sein, Auszubildende, Lohnabhängige, Studierende und prekär Beschäftigte sowie unsere Kolleg:innen im Ausland. Während andere wirtschaftlich profitieren, bedeutet diese Entwicklung für uns die Gefahr, verwundet, getötet, traumatisiert zu werden oder gezwungen, dasselbe anderen Menschen anzutun.

Wider die Wehrpflicht

In einer Stellungnahme des ver.di-Bundesvorstandes vom 14.08.2025 mit dem Titel „Entwurf eines Gesetzes zur Modernisierung des Wehrdienstes – Modernisierungsgesetz (WDModG)“ vertritt dieser die Auffassung:

ver.di tritt für eine Bundeswehr ein, die eine demokratisch kontrollierte
Parlamentsarmee ist und ihrem grundgesetzlichen Auftrag als Verteidigungsarmee
gerecht werden kann. Dafür ist es notwendig, die Bedingungen für einen freiwilligen
Wehrdienst so attraktiv zu gestalten, dass sich junge Menschen in ausreichendem
Maße für die Bundeswehr entscheiden. Alle Maßnahmen in diesem Sinne begrüßt
ver.di ausdrücklich.

Dieser Stellungnahme des ver.di-Bundesvorstandes widersprechen wir ausdrücklich! Unser Bundesvorstand bläst hier ins selbe Horn wie die Vertreter:innen der Rüstungskonzerne und der Bundesregierung, die längst an einem Strang ziehen. Immer in der Gewissheit, dass
sie selbst nicht in akute Gefahr geraten werden.

Gewerkschaft für Frieden

Es ist nicht Aufgabe der Gewerkschaften, Ratgeber der Regierung für die erfolgreiche Rekrutierung junger Kolleg:innen zur Bundeswehr zu sein. Aufgabe der Gewerkschaften ist es, eine internationale Kampagne aufzubauen, die alle Gewerkschafter:innen dazu aufruft,
dem Krieg und denjenigen, die ihn vorbereiten, eine klare Absage zu erteilen!

Der internationale Einsatz für eine Welt in Frieden entspricht auch der ver.di-Satzung §5, wo es heißt:

ver.di tritt in Zusammenarbeit mit den internationalen Gewerkschaftsverbänden für
die Wahrung und Verwirklichung der Menschenrechte, für die Achtung der
Menschenwürde, für ein friedliches Zusammenleben, für den Schutz der natürlichen
Umwelt und für eine sozial gerechte Weltordnung auf der Grundlage der
Selbstbestimmung mit gleichen Entwicklungschancen in allen Regionen der Welt ein

Solidarität statt Kriegslogik

Eine internationale Antwort der Lohnabhängigen gegen den Krieg ist keine Utopie. Der gemeinsame Auftritt der russischen Aktivistin Liza Smirnova mit dem ukrainischen Aktivisten Andrei Konovalov am 05.10.2025 in Paris zeigt genau das. In ihrer nachlesenswerte Rede sagten sie:

Die wahre Gefahr ist die extreme soziale Ungleichheit, profitgesteuerte Kriegstreiberei
und die selektive Anwendung grundlegender Menschenrechte. Und die einzige
Möglichkeit, dieser Gefahr zu widerstehen, besteht darin, Spaltungen abzulehnen […]
Deshalb ist das, was wir heute tun, für Putins Diktatur viel gefährlicher als die Bomben
und Raketen, die Macron, Scholz, Merz oder Trump an die Front schicken.

Damit geben sie ein Beispiel, was jetzt zu tun und zu organisieren ist: Grenzüberschreitende Solidarität! Der internationale Zusammenschluss aller Gewerkschafter:innen gegen Krieg und für den Frieden!

Wir fordern deshalb von unserer Gewerkschaft ver.di

  • Rücknahme der Stellungnahme des ver.di-Bundesvorstands vom 14.08.2025
  • Ein klares Nein zu Wehrpflicht und anderen Pflichtdiensten
  • Zugleich: Einrichtung bzw. Unterstützung einer niedrigschwelligen, aktiven
    Beratungsstelle für Kriegsdienstverweigerung
  • Besonders junge Beschäftigte und Auszubildende brauchen Zugang zu rechtlicher
    und gewerkschaftlicher Hilfe
  • Herausgabe von Informationsbroschüren zur Kriegsdienstverweigerung
  • ver.di, der DGB und alle internationalen Dachverbände sind aufgerufen, Kongresse
    gegen Militarisierung, Aufrüstung und Krieg zu organisieren
  • Gewerkschaftliche Mobilisierung gegen Waffentransporte und -lieferungen auf Luft-,
    See- und Landwegen, insbesondere an Luft- und Seehäfen, Bahnhöfen etc.

Weitere Forderungen enthält unsere friedenspolitische Resolution „Uni in der Zeitenwende“.

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