Aus dem Häuschen

Nach dem Drohnenfund von Leipzig überbieten sich Politiker mit Strafforderungen. Dabei ist nicht mal der Täter bekannt, kommentiert Daniel Säwert

Titelbild: Screenshot tagesschau

Die Drohne von Leipzig hält die Republik weiter auf Trab. Obwohl noch immer nicht geklärt ist, wer hinter dem Fluggerät mitsamt Sprengstoff steht, überbieten sich Medien und Politik mit Spekulationen und Forderungen nach möglichst harten Reaktionen. Zurückhaltung scheint keine Option mehr zu sein.

Erst spät, eigentlich zu spät, besannen sich viele Medien auf den Grundsatz, niemanden fälschlicherweise zu beschuldigen. Das pflichtbewusste »mutmaßlich« bezüglich der Täterschaft, wie es in beinahe jedem Text zum Anschlag auf den CSD in Berlin zu finden war, ließ lange auf sich warten. Viele werden es gar nicht gelesen haben. Ist aber auch egal, es passte einfach zu gut.

Sicher, die Umstände sprechen dafür, dass einer der russischen Geheimdienste (vulgo auch »Putins Geheimdienst«) verantwortlich sein könnte. Nur: Solange nichts bewiesen ist, gilt die Unschuldsvermutung. Sogar für Russland.

Doch abseits der Bundesregierung, die sich einigermaßen bemüht, den Ball noch flach zu halten, schert sich die Politik nicht um dieses juristische Prinzip. Dass CDU-Rechtsaußen Roderich Kiesewetter gleich die Nato konsultieren will, klingt dabei schon fast wie ein Sprung in der Schallplatte. Schließlich möchte er bei jeder Gelegenheit losschlagen.

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Angefeuert durch eine fragwürdige Berichterstattung des WDR haben vor allem die Grünen jegliche Scham abgelegt und endlich den casus destructio für eines ihrer Lieblingsprojekte gefunden. Das Russische Haus in Berlin, schon lange ein tiefer Dorn im Auge grüner Kulturkrieger, muss weg, so die Forderung. Die Drohne soll nun schaffen, was jahrelange Agitation und Überlegungen, wie man denn den Russen aus dem Bau in der Friedrichstraße herausbekommt, nicht vermochten. Dass damit bilaterale Verträge gebrochen und die Zukunft der Goethe-Institute in Russland aufs Spiel gesetzt werden, spielt keine Rolle. Ebenso wenig wie das Abwarten auf Untersuchungsergebnisse. Jetzt oder nie. Wer braucht da noch Recht und Gesetz.

Erstveröffentlicht im nd v. 7.8. 2026
Aus dem Häuschen …

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Fast zu 100 % identisch

-AusdemQuerkopf-Archiv-

Menschen unterscheiden sich genetisch kaum voneinander

Titelbild: freepic

In Zeiten, wo die Gesellschaft auseinander driftet, feiert manche Un(Denk)art Wiedererweckung. Vorneweg die Tendenz, Menschen nach bestimmten oberflächlichen Merkmalen und Unterschieden zu klassifizieren. Auf einmal ist wieder wichtig, woher eine/r kommt, welche Hautfarbe er/sie hat und welcher Ethnie, Kultur und Religion er/sie angehört.

Rechte Denkmuster führen diese vordergründigen, sichtbaren Unterschiede gern auf tiefer liegende genetische Veranlagungen zurück. Sie erheben sie zu wesentlichen Merkmalen und machen sie dadurch größer, als sie sind.

In Wahrheit, auf welche uns die Evolutionsbiologie stößt, fällt die genetisch bedingte Abweichung zwischen einzelnen Menschen lächerlich geringfügig aus, wie aus der ZDF-Wissenschafts-Sendung ‘Leschs Kosmos’ (24.5.16) zu erfahren ist. Sie beträgt ganze 0,1 %. Davon entfällt wiederum nur ein Bruchteil auf optische Merkmale.

So sehr sich Menschen äußerlich unterscheiden, sie sind genetisch nahezu identisch: Über Kontinente hinweg deckt sich das menschliche Erbgut zu 99,9 %. Die Unterschiede im Aussehen haben wenig mit der tatsächlichen genetischen Differenz zu tun. Aufschluss hierüber gibt ein Vergleich mit den nächsten tierischen Verwandten des Menschen, den Schimpansen.

Diese ähneln einander äußerlich viel stärker als Menschen, z.B. hinsichtlich Haar und Augenfarbe. Dafür sind die Abweichungen im Erbgut von Tier zu Tier weitaus größer. Das Genom von Schimpansen besitzt doppelt so viele Varianten wie dasjenige von Menschen.

Grund: Schimpansen bevölkern die Erde seit rund einer Million Jahren. Während dieser langen Zeit waren sie nie vom Aussterben bedroht und konnten eine große genetische Vielfalt entwickeln. Von Biologen werden sie sogar in vier verschiedene Unterarten eingeteilt.

Homo sapiens bewohnt die Erde erst seit rund 200.000 Jahren. Seine Vorfahren schafften es, mit knapper Not zu überleben. Bereits in Afrika starben viele infolge von Klimaveränderungen. Da nur eine kleine Gruppe von Auswanderern überlebte, verminderte sich die genetische Vielfalt. Anders als die Schimpansen stammen alle heute lebenden Menschen von wenigen Vorfahren ab. Forscher untersuchten das Y-Chromosom bei Männern und fanden heraus: Alle Männer hatten und haben einen gemeinsamen Vorfahren.

Einzig die Nachfahren dieses Ur-Adams überlebten durch Zufall und verbreiteten sich über die Welt.

Durch diesen gemeinsamen Ursprung gleicht sich unser Erbgut zu annährend 100 %. So gesehen sind wir alle 7 Milliarden Brüder und Schwestern.

Menschen anhand äußerlicher Merkmale zu klassifizieren, ist Unsinn. Das Erbgut bietet dafür keine Grundlage. Wenn es ein wesentliches Un- terscheidungskriterium gibt, ist es unsere Individualität: Wir sind alle Einzelwesen und einzigartig. Darüber hinaus trennt uns von der natürlichen Veranlagung her praktisch nichts.

Unterschiede, die uns in Gruppen sortieren, wie die Zugehörigkeit zu einer Ethnie, Kultur oder Religion sind künstliche Trennwände, die wir zwischen uns schieben. Unter anderem auch, um von einem wesentlichen, ebenfalls von uns selbst zu verantwortenden Gegensatz abzulenken: Dem in den Geldbeuteln.

Der absurdeste der künstlich gemachten Unterschiede ist die Einteilung in Rassen. Sie fußt einzig auf reiner, menschenverachtender Ideologie, um nicht zu sagen, Idiotie. Weder die Zugehörigkeit zu einer Nation noch zu einer ‘Rasse’lässt sich aus den Genen erschließen.

Ein weit überschätztes Unterscheidungsmerkmal ist z.B. die Hautfarbe. Sie hat mit unterschiedlicher Sonneneinstrahlung, Pigmentierung der Haut und Vitamin-D-Produktion zu tun. Von ihr auf tiefer liegende natürliche Veranlagungen oder gar Charaktereigenschaften zu schließen, ist absurd.

Eine andere Neigung scheint dagegen laut ‘Leschs Kosmos’ fest in unserem Erbgut verankert: Jene, Gruppen zu bilden, den Zusammenhalt unter den eigenen Leuten zu fördern und andere auszugrenzen. Schon Kinder legen solche Verhaltensweisen an den Tag. Evolutionsbiologen vermuten, diese schematische Haltung gegenüber Fremden sei in prähistorischer Zeit einst ein Vorteil im Überlebenskampf gewesen.

Unsere Vorfahren kooperierten in kleinen Gruppen bei der Jagd. So waren ihre Chancen besser, Beute zu machen. Die Beute teilten sie wiederum mit anderen Gruppenmitgliedern, die Früchte und Wurzeln sammelten. Kooperation und Arbeitsteilung verbesserten die Überlebenschancen der gesamten Gruppe. Mit dem Ackerbau wurden sie noch wichtiger. Gegenseitige Unterstützung brachte Vorteile wie unterschiedliche Gegenleistungen. Mit fremden Clans stand man dagegen im Konkurrenzkampf, hauptsächlich wegen der knappen Nahrung. Fremde als potenzielle Gefahr zu betrachten verbesserte damals die Überlebenschancen, selbst wenn es ein Fehlurteil war.

Auch heute noch haben Menschen das Bedürfnis zu Gruppen zu gehören. Es geht jedoch nicht mehr uns Überleben, sondern um soziale Anerkennung in der Gruppe. Diese stärkt das Selbstwertgefühl. Der eigene Kreis wird als positiv und sympathisch erlebt, während der Konkurrenz eher negative Eigenschaften zugeschrieben werden.

Jedes Mitglied der anderen Gruppe wird mittels dieser Vorurteile charakterisiert. Die Entscheidung, ob jemand zur eigenen Gruppe gehört oder nicht, fällt blitzschnell. Aus einer Fülle von Sinneseindrücken sammelt das Gehirn Informationen, die es in Kategorien sortiert. Wenige Attribute genügen, um die passende Kategorie zu finden.

Die Denkschubladen helfen, das Leben zu bewältigen. Werden sie jedoch dauerhaft mit negativen Einschätzungen verknüpft, geraten sie zum Problem. Beispielsweise könnten durch die Berichterstattung manche Menschen die Kategorie ‘Muslime’mit den negativen Attributen ‘fundamentalistisch’und ‘radikal’verknüpfen. Allerdings können derartige Vorurteile auch abtrainiert werden.

Der übertriebenen Pauschalisierung ist immer die Differenzierung entgegen zu halten, dem oberflächlichen, leichtfertigen Urteilen das kritische Hinterfragen, der geschichtsblinden Betrachtung die Orientierung an historischen Fakten. Aus letzteren geht hervor: Migrationsbewegungen, Ein- und Auswanderung, hat es immer gegeben. Sonst säßen wir heute nicht hier.

Eben so den Austausch von Gütern und Nahrungsmitteln: Kartoffeln wurden hierzulande vor einigen Jahrhunderten aus Amerika eingeführt, Weizen kam vor Jahrtausenden aus dem ‘fruchtbaren Halbmond’, einer Region im Nahen Osten zwischen Mittelmeer und Persischen Golf. Von dort stammen auch die Vorfahren unserer heutigen Rinder.

Schon allein deshalb ist es unsinnig ‘Grenzen dicht!’ zu fordern. Bis heute leben die Gesellschaften von Güteraustausch und Wanderungsbewegungen. Die höchsten Grenzzäune verlaufen ohnehin nicht zwischen Staaten und Völkern, sondern innerhalb der Gesellschaft.

Zaunkönig

(Erstabdruck Querkopf August 2016)
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„Wir können den Sozialstaat nicht verteidigen,ohne die Kriegspolitik zu bekämpfen“

Wir rufen auf, sich an den gewerkschaftlichen Protesten gegen Sozialabbau und Militarisierung im September und Oktober zu beteiligen!

Als erstes publizierten wir den gewerkschaftlichen Diskussions-Beitrag „DGB-Erklärung zum Antikriegstag 2026: Antimilitaristischer Druck der Basis beginnt zu wirken – aber der Burgfrieden ist längst nicht gebrochen!“

Als zweiten gewerkschaftlichen Beitrag stelllen wir zur Diskussion:“Wir können den Sozialstaat nicht verteidigen,ohne die Kriegspolitik zu bekämpfen“

Machen wir den 21. und 26. September und 3. Oktober zu Kampftagen gegen soziale Angriffe und Militarisierung. Bundesweit fordern Gewerkschaftsaktivist:innen : „Keine weiteren ‚Showveranstaltungen‘ mit angezogener Handbremse mehr, sondern ernstgemeinte Gegenwehr.“ Sie rufen auf zu Widerstand „gegen die betrieblichen, tariflichen und gesetzlichen Verschlechterungen von Arbeits- und Sozialstandards zugunsten von Rendite und einer extremen Militarisierung!“ (Peter Vlatten)

Wir können den Sozialstaat nicht verteidigen,ohne die Kriegspolitik zu bekämpfen“

Carla Boulboullé, 12. Juli 2026, Veröffentlicht in Soziale Politik & Demokratie Nr. 552 vom 17. Juli 2026

Massiv mehr Geld fordert Kriegsminister Pistorius.

Der Wehretat hat 2026 einen historischen Höchststand erreicht. Die gesamten Rüstungsausgaben belaufen sich auf 124,7 Milliarden Euro.

Bis 2030 sollen laut Haushaltsplanung der Bundesregierung die Militärausgaben auf 183 Milliarden Euro anwachsen. Das entspricht fast einem Drittel des gesamten Bundeshaushalts.

Wir müssen sparen“, verkündet Bundesgesundheitsministerin Warken.

Um den Haushalt für die Kriegsvorbereitung zu finanzieren, will die Regierung Merz mit dem Abbau des Sozialstaates bis zu Ende gehen.

Während die Verteidigungsausgaben um 32,7 %, die Zinszahlung für die aufgenommen Kredite um 29,6 % steigen, sinken die Ausgaben für Gesundheit um 34,2 %, für Bildung und Familien um 7,1%. Die Financial Times, Zeitung des europäischen Finanzkapitals, schreibt am 5. März: „Europa muss seinen Wohlfahrtsstaat kürzen, um einen Kriegsstaat aufzubauen.“

Das Kabinett verabschiedete einen Haushaltsentwurf für 2027, der neben anderen Kürzungen die Plünderung der Sozialkassen, die von den Beitragszahlern finanziert werden, vorsieht: Rund zwei Milliarden Euro kürzt Klingbeil beim gesetzlichen Gesundheitssystem und zusätzlich eine Milliarde Euro bei der Rentenkasse. Für Millionen Menschen werden die Sozialbeiträge weiter steigen, ihr Netto wird sinken.

Die Versprechung der Regierung, dass die Steuerreform kleine und mittlere Einkommen entlasten wird, zerbröselt, wenn man die Effekte der Inflation und die Sozialbeiträge gegenrechnet.

Die Renten und Gesundheitsversorgung werden einem brutalen Kürzungsprogramm unterworfen

Bis Ende des Jahres will die Bundesregierung ihr Rentenpaket durch den Bundestag bringen, das die Altersarmut ausweiten und vor allem die Menschen in Ostdeutschland hart treffen wird.

Es sieht vor: Anhebung des Renteneintrittsalters (Rente ab 70), die Abschaffung der „Rente mit 63“, Auslieferung der Rente an die Finanzspekulation, während die gesetzliche Rente allenfalls noch als Basisabsicherung bleiben soll.

Am 10. Juli hat der Bundestag mit dem „Beitragssatzstabilisierungsgesetz“ das Milliarden-Sparpaket von Warken beschlossen, für das sie das Sparziel für 2027 noch auf 18,8 Milliarden Euro erhöht hatte. Die Folgen der „Reform“: Stellenabbau, weitere Klinikschließungen; sowie u.a. höhere Zuzahlungen für Medikamente; geringere Zuschüsse beim Zahnersatz; Einschränkungen bei der beitragsfreien Familienversicherung; massive Mehrbelastungen für Pflegebedürftige und Bürger; deutliche Renteneinbußen für Pflegende….

In seinen Beschlüssen von Anfang Juli fordert der Koalitionsausschuss der Bundesregierung unter anderem: „Mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt“ wie eine „deutliche Ausweitung der sachgrundlosen Befristung“ (Sachgrundlose Befristungen sollen für bis Ende 2030 eingestellte Arbeitnehmer bis zu 48 Monate möglich werden und sechsmal verlängert werden dürfen. „Das ist doppelt so lange wie bisher“, Merz), eine „Lockerung des Kündigungsschutzes“, das Aus für die telefonische Krankschreibung, eine Krankschreibungspflicht ab dem ersten Tag, Kürzungen beim Bürgergeld, Einsparungen beim Elterngeld für die Jahre 2027/2028 von bis zu 1,6 Milliarden Euro und im ersten Schritt eine halbe Milliarde Euro, Kürzungen in der Kinder-, Jugend- und Eingliederungshilfe mit mehr als 8,6 Milliarden Euro,  Kürzungen beim Wohngeld um eine Milliarde Euro.

Außerdem soll die Verstaatlichung von Mietwohnungen künftig verboten sein, da das den privaten Wohnungsbau gefährde!

Angeblich vom Tisch? Tatsächlich nur vertagt! Das Aus für den Acht-Stunden-Tag; Streichung eines Feiertags und unbezahlter Karenztage, Kürzung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.

Die Liste der sozialen Grausamkeiten ist lang.

Mit dieser Politik bereitet die Bundesregierung der AfD den Weg, hat sie die AfD groß gemacht (aktuelle Wahlumfragen in Sachsen-Anhalt: AfD bei 41%, CDU bei 23%, SPD bei 6%. Und in Berlin: AfD: 18%, CDU 17%; SPD 13%; auch im Bund liegt die AfD vorn).

Die AfD ist und bleibt radikal arbeiterfeindlich und damit der politische Gegner. Sie unterstützt die Hochrüstungs- und Militarisierungspolitik der Merz-Regierung. Sie profitiert einzig und allein von den wütenden Proteststimmen gegen die Politik aller etablierten Parteien, die keine politische Vertretung haben.

Und was sagt die Führung der Gewerkschaften?

Die DGB-Vorsitzende Fahimi lässt es sich nicht nehmen, die Beschlüsse des Koalitionsausschusses in einer Pressemitteilung (PM) zu begrüßen: „Richtige Signale für Beschäftigung, Wachstum und Entlastung“ und betont, „dass sich der konstruktive Dialog mit den Sozialpartnern lohnt.“ Sie betont:“ „Gerade, weil noch vieles in der Umsetzung konkretisiert werden muss, wird der DGB den anstehen-den Reformprozess konstruktiv und engagiert weiter begleiten.“

Noch auf dem DGB-Kongress Mitte Mai hatte Fahimi großes Verständnis für die Pfiffe und Buh-Rufe gegen Merz als Reaktion auf den Abbau von Schutzrechten und soziale Einschnitte gezeigt. Eine radikale Wende?

Trotz der wachsenden Ablehnung durch die Mehrheit der Gewerkschaftskollegen, der gesellschaftlichen Mehrheit ist die Gewerkschaftsführung unter Fahimi bereit, (in kritischer Begleitung) eine entscheidende Stütze für die Regierung Merz zu sein.

Doch der Protest und Unmut an der Gewerkschaftsbasis, der bis in die Führung reicht, lässt sich nicht ersticken. „Die Anfragen und Kommentare vieler Kolleginnen und Kollegen aus dem Gewerkschaftsrat zeigen deutlich den Unmut und das Unverständnis innerhalb von ver.di. (..) Das (die PM von Fahimi) sendet eindeutig falsche Signale (…) Lass uns gemeinsam wieder auf einen kämpferischen Pfad zurückfinden“, schreibt die Vorsitzende des Gewerkschaftsrates von ver.di anlässlich der PM des DGB.

Bundesweiter DGB-Aktionstag am 26. September

Jetzt antwortet der DGB mit seinem Aufruf zu Aktionstagen am 26. September in acht Städten. Der Protest richtet sich gegen die Politik der Regierung Merz/Klingbeil, den befürchteten Abbau von Arbeitnehmerrechten (unter anderem den Acht-Stunden-Tag) sowie gegen Einschnitte im Sozialbereich.

Der DGB-Aufruf klammert allerdings aus, dass der Haushalt ein Kriegshaushalt ist, der Weg in die Kriegswirtschaft und in den Kriegsstaat bahnt. Dagegen betonen Kollegen während des Tarifkampfs bei Vivantes die Verantwortung der Gewerkschaften. „Wir müssen eine klare Antwort auf die Kriegstreiberei der Regierung geben“, um die sozialen Errungenschaften verteidigen zu können, „Militärische Prioritäten verdrängen öffentliche Daseinsvorsorge“ (siehe u.a. „Soziale Politik & Demokratie“, Nr. 551).

Die Regierung Merz muss gestoppt werden …

Die Kollegen sind bereit zur Mobilisierung für den Widerstandskampf gegen die sozialzerstörerische, kriegstreiberische, antidemokratische Politik der Regierung Merz/Klingbeil: Das zeigen die Streik- und Kampfbereitschaft in Tarifkämpfern, wie zuletzt die Kollegen bei Vivantes mit ihrem über 60 Tage dauernden Erzwingungsstreik, die Demonstrationen der Arbeiter bei Mercedes Benz und VW zur Verteidigung ihrer Arbeitsplätze, die Streiks im Handel, der Klinikaufstand gegen die Warken-„Reform“, Kämpfe gegen Klinikschließungen, die Ruhrpott Rebellion, die Schulstreiks …

„Hunderttausende wollen ihre sozialen Rechte, ihre Arbeitsplätze und Löhne verteidigen und sichern. Dafür gehen sie auf die Straße, dafür handeln sie mit ihren Gewerkschaften. Hunderttausende wollen die Kriegs- und Sozialabbaupolitik der Regierung Merz/Klingbeil beenden: Nehmt die Waffen runter, schafft Wohlstand, nicht Krieg! Arbeitsplätze, keine Kriegsdienstpflicht.“ (AGBSW-Erklärung)

Die massive Ablehnung der Regierungsparteien in den Wahlen wächst.

… die Regierung Merz muss weg!

Lasst uns handeln für den Aufbau einer politischen Kraft gegen den Krieg – gegen den sozialen Krieg!
Für eine Regierung zur Erfüllung der Forderungen der arbeitenden Bevölkerung und Jugend!

Sozialstaat statt Kriegsstaat!

Carla Boulboullé, 12. Juli 2026, Veröffentlicht in Soziale Politik & Demokratie Nr. 552 vom 17. Juli 2026

(…) Dass sozialstaatliche Leistungen – bei Gesundheit, Wohnen, Familie und in anderen Bereichen – für die Sanierung des Haushalts herhalten sollen, ist nicht hinnehmbar. (…)
Allein im kommenden Haushaltsjahr sollen die Verteidigungsausgaben auf rund 160 Milliarden Euro steigen – das entspricht einem Viertel aller Ausgaben des Bundes. Die massiv steigenden Verteidigungsausgaben und die hiermit verbundenen Belastungen durch Zinsen und die Schuldentilgung schränken die finanzielle Handlungsfähigkeit in den nächsten Jahren immer weiter ein. Für das Jahr 2030 sind derzeit 40 Prozent aller Bundesausgaben für Verteidigung oder Zinstilgung eingeplant. Es ist nicht vermittelbar, dass Bedarfe an jeder Stelle kleingerechnet und wichtige Vorhaben unter Finanzierungsvorbehalt gestellt sind, während über die Höhe der Verteidigungsausgaben nicht diskutiert wird.“

DGB-Pressemitteilung vom 6.7.2026, veröffentlicht auf dgb.de

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