Israel hindert Delegation der Education International an Einreise ins besetzte Westjordanland

Eine hochrangige Delegation von Bildungsgewerkschafter:innen aus 15 Ländern, darunter der Generalsekretär der Education International sowie Vorsitzende von Bildungsgewerkschaften weltweit, wurde von israelischen Besatzungsbehörden die Einreise nach Palästina verweigert.

Die Gruppe reiste auf Einladung der General Union of Palestinian Teachers, um sich in Ramallah und Jericho mit palästinensischen Kolleg:innen zu solidarisieren und den Internationalen Tag der Bildung zu begehen. Stattdessen wurden die Gewerkschafter:innen stundenlang festgehalten, verhört, ihrer Pässe beraubt und nach Jordanien zurückgeschickt.

Education International verurteilt die Maßnahme als Angriff auf Gewerkschaftsrechte

Education International (EI), der weltweite Dachverband der Lehrergewerkschaften, spricht von einem „Angriff auf die Bewegungsfreiheit und Gewerkschaftsrechte“. Die Delegation sollte auch der Abschlussfeier eines von EI geförderten Fortbildungsprogramms für palästinensische Lehrer:innen beiwohnen. Diese Lehrer:innen würden die Zukunft der palästinensischen Bildung sowie Resilienz, Engagement und Hoffnung repräsentieren, so die EI.

Internationale Pädagog:innen daran zu hindern, in diesem Moment an der Seite der Palästinenser:innen zu stehen, sei der Versuch, „die palästinensische Bildung von ihrer globalen Gemeinschaft zu isolieren und die internationale Solidarität zum Schweigen zu bringen.“

Die Verweigerung der Einreise für diese Delegation lässt sich nicht von dem breiteren und systematischen Abzielen auf das Bildungswesen in Palästina trennen. Von der Zerstörung von Schulen und Universitäten bis hin zur Störung des Lernens durch Razzien, Schließungen und Einschüchterung wird palästinensischen Schüler:innen und Pädagog:innen ihr grundlegendes Recht auf Bildung verweigert. Die Blockierung internationaler Solidarität ist ein weiterer Versuch, zu verhindern, dass die Wahrheit bezeugt und geteilt wird.​

Aus der Erklärung der Education International:
Link zum Statement

📣Education International sends a strong message to #Palestinian educators after a delegation of education leaders from 15 countries was detained and interrogated for hours. ‼️Attempts to intimidate, isolate, or silence educators will only strengthen our collective determination and solidarity.

Education International (@eduinternational.bsky.social) 2026-01-24T06:07:01.204Z


Ob Vertreter:innen der GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) Teil der Delegation waren, ist derzeit nicht öffentlich bekannt. Die GEW hat sich in der Vergangenheit wiederholt für palästinensische Bildungsrechte ausgesprochen und die Zerstörung von Schulen sowie Einschränkungen bei der Bildung im Gazastreifen und im Westjordanland kritisiert1. Seit dem 07. Oktober 2023 gab es allerdings eher allgemeiner gehaltene Erklärungen zur Situation in Palästina. Zum seitdem fortschreitenden Scholastizid in Gaza2 und dem jüngsten militärischen Angriff auf den Campus der Birzeit Universität3 durch israelische Streitkräfte Anfang Januar blieb die GEW zuletzt eine Erklärung schuldig. Der DGB unter Yasmin Fahimi hält – trotz heftiger Kritik – weiterhin an der engen Verbindung zur israelischen Histadrut fest. Der GEW Hauptvorstand scheint diesen Kurs bisher ebenfalls zu unterstützen.

Mehr zum Thema:

The Herald: Teachers travelling to Palestine denied entry by Israel

Gewerkschafter4Gaza: Der DGB übt sich noch in Internationalem Recht

Etos Media: Der DGB sollte seine Position zur Histadrut überdenken
Forderung eines Teilnehmers beim TV-L Streik im Januar, die sich ebenso auch an den GEW Hauptvorstand richten könnte.

Quellenübersicht:

  1. www.gew.de/schule-unter-besatzung (2014) ↩︎
  2. www.ohchr.org-experts-deeply-concerned-over-scholasticide-gaza (2024) ↩︎
  3. www.ei.org: education-international-condemns-the-israeli-military-attack-on-birzeit-university (2026) ↩︎

Zweite Verhandlungsrunde im Öffentlichen Dienst: Basis fordert entschlossenen Kampf!

Am 15. Januar hat die zweite Verhandlungsrunde zum Tarifvertrag der Länder (TV L) begonnen. Da die Vertreter:innen der Länder nach wie vor kein Angebot vorgelegt haben, haben die Gewerkschaften in der vergangenen Woche bundesweit zu Aktionen und Warnstreiks aufgerufen.

In Berlin beteiligten sich am 14. Januar 5.000 Beschäftigte an der Demonstration zum Roten Rathaus. Bei nasskaltem Tauwetter brachten sie ihre Forderungen nach sieben Prozent mehr Gehalt und spürbarer Entlastung zum Ausdruck. Die Ausflüchte des Verhandlungsführers der Länder konterte Gökhan Akgün (GEW) in seiner Rede mit dem Verweis auf den fehlenden politischen Willen.

»Das Geld ist da! Es ist nur die Frage, ob man es von denen holt, die zu viel davon haben, oder von denen, die jeden Tag arbeiten gehen müssen.«

Link zur vollständigen Rede

Gökhan Akgün, Vorsitzender der GEW Berlin

Gewerkschaftsbasis will gemeinsamen Kampf

Vor dem Verhandlungsort in Potsdam fanden am 15. Januar weitere Aktionen der Gewerkschaften statt.
Im Vorfeld gab es an der Basis großen Unmut darüber, dass Ver.di und GEW nicht an beiden Tagen alle Beschäftigten aufgerufen haben. Vor allem an den Hochschulen und den Einrichtungen mit gemischten Betriebsgruppen sorgte dieses Vorgehen für Verärgerung und Kopfschütteln. Das zeigen auch Kommentare unter einem Posting in den Sozialen Netzwerken:

„Wie soll Solidarität entstehen, wenn Beschäftigte derselben Tätigkeit, am selben Ort, am selben Tag künstlich auseinanderdividiert werden?“ [..] Zwischen GEW und Ver.di gibt es ein Kommunikationsproblem, das wird erneut klar, aber: Die Mitglieder dürfen das nicht ausbaden!“ [..] GEW und Ver.di müssen endlich ihren Konflikt klären und gemeinsam handeln, statt getrennt und widersprüchlich.


Ein Antwortkommentar lautet:

„Der Grund warum ich (bei ver.di) nicht streiken gehe (am Donnerstag). Wenn dann nur zusammen mit meinen KollegInnen, die aber fast alle bei der GEW sind und am Donnerstag arbeiten (Bereich eFöB Schule)

Besser machen will es das „Netzwerk für eine kämpferische GEW“ und das „Netzwerk für eine kämpferische und demokratische Ver.di„. Zusammenschlüsse von Kolleg:innen aus GEW und Ver.di an der Basis. Die Kolleg:innen aus beiden Netzwerken betonen in einem Statement die gemeinsamen Interessen der Beschäftigten und fordern die Funktionäre beider Gewerkschaften auf ihr Konkurrenzdenken zu überwinden und konsequent für die Einheit und Durchsetzungskraft der Lohnabhängigen einzutreten:

Gemeinsam wollen wir am 29.01.2026 mit euch diskutieren, wie wir die drängenden Fragen von Sozial- und Kulturabbau sowie Rüstungspolitik in die Tarifrunde tragen können, um sie zu gewinnen. Kommt um 19 Uhr vorbei in die Gryphiusstraße 16 (Cafe der Volkssolidarität) und diskutiert mit uns. Außerdem wollen wir uns gewerkschaftsübergreifend vernetzen, denn dass am 14. Januar beispielsweise vor allem die GEW- aber nicht die ver.di-Kolleg:innen aufgerufen waren, entspricht vielleicht der Konkurrenzlogik in den Chefetagen der Gewerkschaften aber nicht den Interessen von uns Beschäftigten. Wir wollen #GemeinsamStreiken!

Als Forum gewerkschaftliche Linke schließen wir uns den kritischen Kommentaren an:

„Warum sind wir eigentlich nicht in der Lage, die Auseinandersetzung in den einzelnen Gewerken in einer gemeinsamen Aktion zusammen zu führen? Wir verschenken so eine optimale Wirksamkeit und die Erfahrung gemeinsamer Solidarität. Dabei sollten wir gerade das unbedingt nutzen!“

„Gemeinsam sind wir stark. Warum begreifen das unsere Kolleg:innen nicht in den Führungsgremien? Das gilt doch nicht nur für die Kolleg:innen an der Basis, sondern auch für gemeinsam betroffene Branchen und Gewerkschaften. Je mehr wir alle Kräfte sammeln, umso erfolgreicher können wir kämpfen und unsere Forderungen durchsetzen“

„Die Gewerkschaften sollten nach der verheerenden Spaltung zwischen TVÖD und TV-L alles daran setzen, die Kräfte zu bündeln. Ziel muss sein solche gezielten Zersplitterungen rückgängig zu machen. Wir brauchen wieder eine gemeinsame Laufzeit im Öffentlichen Dienst! Dafür müssen wir in die Waagschale werfen, was wir haben. Für die Gewerkschaften geht es auch darum verloren gegangenes Vertrauen zurück zu gewinnen.“

Mehr zum Thema:

ND Aktuell: TV L Streik im öffentlichen Dienst - Klassenpolitik von oben

FGL: 6.000 gegen Berliner Kürzungshaushalt

Perspektive Online: Arbeitskampf im Öffentlichen Dienst

Titelbild: Netzwerk: Kämpferische GEW

Bilder im Beitrag: Konstantin Kieser

Gewerkschaften rufen Beschäftigte in Berlin und Brandenburg zu Warnstreiks auf

Die Gewerkschaften ver.di, GEW und IG Bau rufen in Berlin und Brandenburg am 14. und 15. Januar 2026 zum Warnstreik auf. Der Aufruf richtet sich an Beschäftigte, die unter den Tarifvertrag der Länder fallen.

Am 14. Januar sind in Berlin die Schulen, Hochschulen, das Landeseinwanderungsamt, das Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheit, die Feuerwehr und die Kitas zum Streik aufgerufen. Am 15. Januar 2026 werden in Berlin die Beschäftigten aus Senatsverwaltung, Bezirksämtern, Kitas, Hochschulen und den forstwirtschaftlichen Betrieben des Landes aufgerufen. In Brandenburg rufen die Gewerkschaften die Beschäftigten der Hochschulen und der Landesbehörden zum Streik auf.

Kundgebungen an den Streiktagen

Den Warnstreik am 14. Januar 2026 begleitet eine gemeinsame Demonstration der Gewerkschaften.
Sie startet gegen 09:00 Uhr am Dorothea-Schlegel-Platz und führt zum Roten Rathaus. Dort findet gegen 10:00 Uhr eine Abschlusskundgebung statt. Am 15. Januar 2026 kündigten die Gewerkschaften weitere Aktivitäten zur zweiten Verhandlungsrunde rund um den Verhandlungsort in Potsdam an.

Bei der ersten Verhandlungsrunde Anfang Dezember bezeichneten Vertreter der Länder die Forderungen der Gewerkschaften als „astronomisch“. Beschäftigte machten daraufhin beim folgenden Warnstreik auf die tatsächlich astronomischen Kriegskassen aufmerksam.



Bilder: Netzwerk gemeinsam kämpfen

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