G7 Aussenminister eskalieren und instrumentalisieren den Krieg !

Die G7 Aussenminister stellen auf Ihrem Gipfeltreffen am 13.5.2022 quasi einen Persilschein für bedingungslose Waffenlieferungen auf eine „Ewigkeit“ an die Ukraine aus. Die Kriegsziele werden ausgeweitet. Es wird die Illusion auf einen „Sieg“ genährt. Um jeden Preis. Sie stellen damit endgültig die Weichen für eine Endlosschleife von Aufrüstung, Kompromisslosigkeit und Eskalation. Je länger und intensiver dieser Krieg , desto größer aber auch die Gefahr des Übergreifens auf andere Länder und desto höher die Kollateralschäden und Kosten in der ganzen Welt. Die in der Schlusserklärung geäusserte Besorgnis über die in Afrika ausgelösten Hungersnöte kann nur als Akt der Heuchelei angesehen werden, da die G7 selbst mit ihren Maßnahmen entscheidend zu diesen Kollateralschäden beitragen.

Zwei Kernsätzen aus der Abschlusserklärung des G7 Aussenministertreffens am 13.5.22 muss deutlich widersprochen werden:

„Auf die Lieferung anderer Waffen und Ausrüstung kann sich die Ukraine verlassen – notfalls über Jahre“ , verkündete die Vorsitzende deutsche Aussenministerin Baebock schon im Vorfeld. In der offiziellen Schlusserklärung mit ihren Kollegen hieß es dann entsprechend: „Wir werden unsere laufende Militär- und Verteidigungshilfe für die Ukraine so lange wie nötig fortsetzen“. Und es wird der „vollständige Rückzug“ Russlands gefordert.

„Bei „Heckler & Koch“, „Rheinmetall“, so wie bei allen anderen Rüstungsunternehmen knallen die Sektkorken! Alle Steuerzahler der EU können zusehen wie ihre Steuergelder in Rauch aufgehen und letztendlich wird die Ukraine ein von Blindgängern und Bomben übersätes Stück Land sein, dessen Infrastruktur in Schutt und Asche liegt. Habt ihr noch alle Tassen im Schrank!“ kommentierte u.a. Stephanie du Bois dazu.

Hinzuzufügen wäre, dass dieses „Fass ohne Boden für Waffen und Krieg “ auch eine umweltpolitische Katastrophe darstellt.

Ausser Säbelrasseln und Maßnahmen, den Krieg anzuheizen, fiel dem hochrangigen Gremium nichts ein. Kein Gedanke über eine zukünftige europäische Sicherheitsarchitektur oder Friedensordnung , kein einziges Wort , wie man Verhandlungen zur Beendigung des Krieges oder auch nur zur Eindämmung der beklagten Kollateralschäden gestalten könnte.

Stattdessen ging das G7-Treffen mit einer „Warnung vor Hungersnot durch russischen „Korn-Krieg“ zu Ende.“ [1]https://www.derstandard.de/story/2000135730423/g7-treffen-geht-mit-warnung-vor-hungersnot-durch-russischen-korn?fbclid=IwAR1cvllqtWrQc590d21OsYgEFRwlb5e-XIbVVE3k1QFOtF-8tWNcDimZhOo

„Durch Russlands Handeln fallen Lieferungen aus, steigen Preise nicht nur bei uns, sondern weltweit ins Unermessliche, und es droht brutaler Hunger.“ Bis zu 50 Millionen Menschen in Afrika und dem Nahen Osten seien dadurch zusätzlich von Hunger bedroht.

Diese Aussage ist ziemlich heuchlerisch und ausserdem ein großes Stück realitätsfern. Die wachsende Hungerkrise wird allein für die Diskreditierung des Kriegsgegners Russland instrumentalisiert. Überlegungen zur Lösung und Hilfe für die Betroffenen auch hier wieder Fehlanzeige.

Selbstverstandlich verschärft der von Russland ausgelöste Krieg die Energie- und Lebensmittelknappheit. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Wachsende Hungesnöte zeichneten sich schon lange vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine ab. Aber wann hat dies die G7 Vertreter bisher groß gekümmert ? Die Welthungerhilfe schrieb schon in ihrem Welthunger-Index 2021 : „Der Welthunger-Index 2021 zeigt eine besorgniserregende Hungersituation auf, die aus dem verheerenden Wirkungsgefüge von Klimakrise, Corona-Pandemie und immer schwereren und langwierigeren Konflikten entsteht. Frühere Fortschritte in der Hungerbekämpfung wurden verlangsamt oder gar umgekehrt. „

Nach allen Erfahrungen führen die Verlängerung eines Krieges durch Waffen und Kompromisslosigkeit laut Welthungehilfe zu den genannten Kollateralschäden bei Umwelt und Menschen. Nicht anders im Fall des Ukraine Krieges. Und gerade hierbei sind die G7und die Ukraine ein großes Stück mitverantwortlich. Schon im März 2022 wurde von den EU Verantwortlichen festgestellt, dass die Ukraine sämtliche Häfen vermint habe und auf absehbare Zeit keine landwirtschaftlichen Güter mehr exportierbar seien. [2]https://www.agrarzeitung.de/feedmagazine-kraftfutter/feedmagazine-nachrichten/ukraine-krieg-haefen-sind-vermint-99908?fbclid=IwAR3S45-F-Xn-KmSTmBD4APAqXSFw-oahrp7EdWGZ9tsujXC4FdrYyrAUwao Die Wirtschaftssanktionen der G7 gegen Russland zielen darauf ab, dessen Handel mit Rohstoffen generell, wie auch mit Landwirtschaftlichen Gütern zu verhindern oder zu erschweren. Jede dieser Erschwernisse kann weltweite Auswirkungen haben. Es ist Augenwischerei, dass dies vor allem Putin und seine Oligarchen treffen würde. Überhaupt blasen die G7 die Backen weit auf. Die russischen Gas- und Ölexporte haben laut der Ratingagentur Standard &Poors seit Kriegsbeginn nicht ab- , sondern zugenommen . Die Einnahmen sind aufgrund des sprunghaft gestiegenen Preisniveaus trotz hoher Rabatte (zum Beispiel an Indien) gewachsen. Der Rubel wurde im ersten Quartal zur „stärksten Währung des Jahres 2022“ und hat gegenüber dem Dollar spürbar um 12 % aufgewertet . Umgekehrt die Menschen in Russland . Sie ächzen inzwischen unter einer Inflation von über 20 %.

Dass nun die Preise für Energie und Weizen ins Unermessliche steigen und für arme Länder und Menschen unbezahlbar werden, liegt nicht am Kriegsgeschehen selbst , sondern an den Gesetzen des kapitalistischen Marktes, wo sich Energiefirmen oder Weizenspekulanten an der Knappheit „dumm und dusselig“ verdienen. Auch wenn die Ware knapp ist, kein Mensch ist naturgesetzlich gezwungen, seinen Profit für ein Stück Brot um mehrere 100 Prozent zu steigern. Die 5 größten ÖL Konzerne -The Big Five- haben noch nie in ihrer Geschichte so hohe Gewinne eingefahren wie dieses Jahr. Entgegen den Erwartungen werden diese gewaltigen Überschüsse NICHT einmal in alternative Energieträger investiert (Handelsblatt 14.5.22) . Besonders die Weizenpreise haben sich um mehr als 100 Prozent erhöht. Aber auch andere Lebensmittel .Die Behauptung, dass dies alles an Putin liegen würde, ist abenteuerlich. Tatsächlich liegt es an den Politikern der G7 selbst, die diesem profitorientierten Marktgeschehen in ihren eigenen Ländern absolut freien Lauf lassen.

Es sind die armen Länder weltweit und u.a. die Ärmsten bei uns in den westlichen Industriestaaten, aber auch alle Arbeitnehmer bis zu den kleinen Mittelständlern, die unter dem Monopoly und den Preisdiktaten leiden. Ohne Preisregulierung und Leine für die Kriegsgewinnler geht es nicht. Ohne Beendigung der Kriegseskalation ebenfalls nicht. Für uns Gewerkschafter kann nur die Konsequenz sein, was wir schon vor 3 Wochen schrieben: Starke Tarifrunden . Kein Verzicht für Spekulanten und Kriegswirtschaft !

Dokumentarfilm Cotton 100%

Usbekistans Baumwollindustrie erlangte traurige Bekanntheit durch die wesentlich von
ihr verursachte Austrocknung des Aralsees. Auch die Produktionsbedingungen sind
problematisch. Landwirte sind verpflichtet, auf vom Staat gepachteten Land
Baumwolle anzubauen, für die sie zu überhöhten Preisen Saatgut vom Staat kaufen und
die Ernte zu künstlich niedrigen Preisen an staatliche Unternehmen verkaufen müssen.
UsbekInnen aller Berufe (Ärzte, Lehrer, Steuerbeamte) gehen aus Angst vor Verlust des
Arbeitsplatzes zur Baumwollernte – zu absurd niedrigen Löhnen.
Selten bekommen FilmemacherInnen Zugang zu Baumwollfeldern. Mikhail Borodin
begleitet Menschenrechtsaktivistin Elena und Bäuerin Mukhabbat.
Letztere hat vom Staat Land gepachtet und muss, trotz Wasserknappheit, jedes Jahr
eine festgelegte Menge Baumwolle abliefern. Das lässt sie oft verschuldet zurück. Um
über die Runden zu kommen, arbeitet sie selbst auf dem Feld, zusammen mit
LohnarbeiterInnen.
Elena ist eine bekannte usbekische Menschenrechtsaktivistin. Trotz ständiger
polizeilicher Überwachung begibt sie sich jedes Jahr auf den Kreuzzug gegen
Zwangsarbeit. Sie verfasst Hunderte von Beschwerden und Appellen, dokumentiert
Missbrauch und bringt Menschen dazu, die Arbeit unter unwürdigen Bedingungen zu
verweigern.
Der Film erzählt parallel vom Schicksal zweier sehr unterschiedlicher Frauen.
Mukhabbat hält sich an die Regeln, Elena stellt sich gegen das System. Die erste
verkörpert Würde und Gelassenheit, die zweite Wut und Leidenschaft. Beide
versuchen auf je eigene Art, den Kreislauf von Ungerechtigkeit und Armut z

Mietenwahnsinn als globaler Normalzustand

von Maria Wünsche

Die Filmvorführung „PUSH – Für das Grundrecht auf Wohnen“ am 9. Mai 2022 im ACUD-Kino Mitte war gut besucht. Im anschließenden Filmgespräch mit Rouzbeh Taheri, Mitgründer Deutsche Wohnen & Co Enteignen, und Franziska Bychcy, MdA Die Linke, fanden Publikum und geladene Gäste klare Worte.

Ob Toronto, London oder Berlin: Das Problem der steigenden Mieten und Verdrängung eint viele Städte weltweit. Trotz der Nöte der Menschen, sich die Mieten nahe ihrer Arbeitsplätze schlicht nicht mehr leisten zu können, und der zunehmenden Armut und Obdachlosigkeit verweigert die Politik weltweit, Antworten und Lösungen zu finden.

Regisseur Fredrik Gerttens begleitet die Arbeit von Leilani Farha, UN-Sonderberichterstatterin für das Menschenrecht auf Wohnen, und dokumentiert in seinem Film, zu welchen Verwerfungen der Ausverkauf urbaner Wohnungsbestände an internationale Spekulanten und Finanzkonzerne führt. Der Film zeigt auf, wie wenig sich die Anbieter ihrem Ur-Zweck der Wohnraumversorgung verpflichtet fühlen und wie sich das System in seiner Blase ernährt – ohne Werte für die Gemeinschaft zu schaffen. Der Mietenwahnsinn in Großstädten wird immer mehr zum Normalzustand und egal, wo man hinblickt, die Politik kümmert es kaum.

Dass Wohnen ein Menschrecht und selbst im Deutschen Grundgesetz verankert ist, merken auch Wohnungssuchende in Berlin kaum. Und so lacht das Publikum im ACUD-Kino im Szeneviertel in Berlin-Mitte schmerzlich, als ein Komiker im Film skizziert, dass das, was wir als Kiezkultur lieben, wie authentische Nachbarschaften, inhabergeführte Cafés und Kulturangebote die Vorboten der Gentrifizierung und des Ausverkaufs sind.

Man wünscht sich, der Film wäre Pflichtprogramm im Berliner Abgeordnetenhaus

Die nachfolgende Diskussion bringt den Frust der Betroffenen und auch der anwesenden Mietaktivist:innen über die Untätigkeit der Politik auf den Punkt.

Man stellt fest, dass die eingeladenen Gäste von der Kampagne „Deutsche Wohnen und Co. Enteignen“ und der Berliner Linkspartei die falschen Adressaten für die politische Kritik sind. Vielmehr sollten die konservativen Parteien und die SPD ihre Lehren ziehen, wie die Finanzkrise von 2008 und die daraufhin eingeschlagene Nullzinspolitik, die Geldmenge und den Anlagedruck stetig erhöhten und eine Kapitalflucht in Immobilien und Grundstücke auslösten. Eine Preisspirale kam in Gang und diese dreht Mieten und auch die Kosten für den Neubau immer weiter nach oben.

Dass es Lösungen gibt, die Menschen, ihr Zuhause und ganze Regionen vor der Macht der Finanz- und Immobilienkonzerne zu retten, das wusste das Publikum im Kinosaal nur allzu gut: Rekommunalisierung der Wohnungsbestände, Kampf gegen Leerstand und Spekulation, das Recht auf Gemeinnützigkeit in der Wohnungswirtschaft, bundesweiter Mietendeckel statt Wohngeld für die Haie, Grundsteuer auch bei Unternehmensübernahmen, Mietenkataster usw.

Allein der politische Wille wird vermisst, diese offensichtlichen strukturellen Probleme und die begründeten Sorgen der Menschen ernst zu nehmen und zu handeln – anstelle nur Absichten zu bekunden und Veranwortlichkeiten zwischen Bund und Ländern hin- und herzuschieben.

„Es wird weiter den Druck und Protest von der Straße brauchen – mehr noch als bisher“, wünscht sich die Franziska Bychcy (Partei Die Linke) von den anwesenden Berliner Mietaktivist:innen.

Rouzbeh Taheri von der Kampagne „Deutsche Wohnen und Co. Enteignen“ erwartet, dass in den kommenden Wochen für Berliner Mieter:innen eine neue Welle von Mieterhöhungen ins Haus steht. Auch die Nebenkosten werden für das Profitstreben der Konzerne noch stärker missbraucht werden.

Die Politik muss sich entscheiden, zu wem sie halten will: zu den mächtigen Finanzinvestoren oder zu der Mehrheit der Menschen in unserem Land, für die es gilt, das Grundrecht auf Wohnen endlich mit Leben zu füllen und sie vor der Ausplünderung zu bewahren.

Die nächste Filmvorführung und -diskussion zum Thema „Wohnen“ gibt es am Montag, den 13. Juni 2022, um 19 Uhr im Acud-Kino am Weinberg (Veteranenstrasse 21, 10119 Berlin-Mitte). Es läuft der Film „Mietrebellen“ – wieder mit anschließendem Filmgespräch und Gästen.

Das „Forum Gewerkschaftliche Linke Berlin“ und auch die Einzelgewerkschaften wie die IG Metall unterstützen die Kampagne „Deutsche Wohnen und Co. Enteignen“.

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