Ist Antizionismus antisemitisch? – Vortrag an der FU Berlin

Vortrag Dr. Emilia Roig

Freitag, 05.07.2024 | 10:30 Uhr | FU Hörsaal A · Henry-Ford-Bau · Garystraße 35 14195 Berlin

Anreise: U3 Freie Universität | Bus 110 Bitscher Straße

Dieser Vortrag untersucht die komplexe und umstrittene Beziehung zwischen Zionismus und Antisemitismus und konzentriert sich darauf, wie der Vorwurf des Antisemitismus von zahlreichen Gruppierungen innerhalb der zionistischen Bewegung als Waffe eingesetzt wurde.

Die Diskussion wird sich mit historischen und aktuellen Zusammenhängen befassen und die Auswirkungen dieser Taktik auf den politischen Diskurs, die Redefreiheit und die globale Wahrnehmung der aktuellen Situation in Gaza, Palästina und Israel untersuchen.

Die Folgen des Einsatzes von Antisemitismus als politisches Instrument sowie die ethischen Implikationen für echte Bemühungen zur Bekämpfung des Antisemitismus werden erörtert.

Der Vortrag soll kritisches Denken und einen offenen Dialog über ein sensibles, aber wichtiges Thema der sozialen Gerechtigkeit fördern.

Es wird einen Online-Stream auf der Website von @fu_berlin geben – das Video wird nach dem Vortrag online verfügbar sein

Das größte Marinemanöver der Welt

Deutsche Marine beteiligt sich an Manöver bei Hawaii und setzt Asien-Pazifik-Fahrt an potenzielle Schauplätze eines Kriegs zwischen dem Westen und China fort – während die Spannungen zwischen China und den Philippinen eskalieren.

Von German-foreign-policy

BERLIN/WASHINGTON/BEIJING (Eigener Bericht) – Deutsche Kriegsschiffe haben auf ihrer Übungsfahrt durch den Pazifik Hawaii erreicht und bereiten sich dort auf die Teilnahme am größten Marinemanöver der Welt vor. Das US-Manöver (RIMPAC 2024) versammelt vor allem die engsten asiatisch-pazifischen sowie diverse europäische Verbündete der USA; es umfasst die verschiedensten Operationen vom Kampf gegen Piraten bis zu Gefechtsübungen. Dabei richtet es sich insbesondere gegen China. Die Fregatte Baden-Württemberg und der Einsatzgruppenversorger Frankfurt am Main, die sich RIMPAC 2024 beteiligen sollen, werden anschließend nach Japan und ins Südchinesische Meer weiterfahren – und damit also in Gebiete, die im Fall einer Eskalation der Spannungen zwischen den USA und China als wahrscheinliche Kriegsschauplätze gelten. Zur Zeit spitzen sich Auseinandersetzungen zwischen der Volksrepublik und den Philippinen um Inseln und Riffe im Südchinesischen Meer zu. Zuletzt standen sich chinesische und philippinische Soldaten mit Waffen gegenüber. Kommt es zu Todesfällen, will der Präsident der Philippinen militärischen US-Beistand einfordern – dort, wo in Kürze die deutschen Kriegsschiffe kreuzen.

Potenzielles Kriegsgebiet

Die bisherige Fahrt der Fregatte Baden-Württemberg und des Einsatzgruppenversorgers Frankfurt am Main spiegelt in mancher Hinsicht den Operationsradius wider, in dem sich die Deutsche Marine im Fall eines Krieges zwischen den westlichen Staaten und China bewegen würde. Dies trifft schon auf die Geografie zu. Nach dem Ablegen aus Wilhelmshaven bzw. dem spanischen Rota am 7. Mai überquerten die Kriegsschiffe zunächst den Atlantik, bevor sie den Panamakanal passierten, um in den Pazifik einzudringen – ihr Hauptoperationsgebiet. Ende Juni trafen sie in Hawaii ein, wo sie am größten Marinemanöver der Welt teilnehmen sollen. Anschließend werden die Fregatte und der Einsatzgruppenversorger die gewaltige Strecke nach von Hawaii nach Japan zurücklegen – 3.500 Seemeilen oder 6.500 Kilometer, „vergleichbar mit der Entfernung von Hamburg nach Chicago“, wie kürzlich der Kapitän der Frankfurt am Main, Fregattenkapitän Hanno Weisensee, festhielt.[1] Spätestens mit der Ankunft in Japan hätten die deutschen Schiffe im Fall eines Krieges gegen China unmittelbar das Kriegsgebiet erreicht. Dies gilt auch für die geplante Fahrt durch das Südchinesische Meer, in dem nach Lage der Dinge mit heftigen Kämpfen zu rechnen wäre.

Potenzielle Kriegsverbündete

Die verbündeten Streitkräfte wiederum, mit denen die Fregatte Baden-Württemberg und der Einsatzgruppenversorger Frankfurt am Main auf der Reise gemeinsam üben, sind die, mit denen sie auch im Kriegsfalle gemeinsam operieren würden. Der erste Marinehafen, den die Kriegsschiffe nach ihrer Atlantiküberquerung ansteuerten, war der Hafen im kanadischen Halifax. Dort liegt das Hauptquartier von Kanadas Maritime Forces Atlantic (MARLANT). Von ihm aus würden kanadische Truppen in Richtung Europa aufbrechen, sollte es zum Krieg zwischen der NATO und Russland kommen. Übungsweise geschah dies zuletzt etwa während des Großmanövers Steadfast Defender.[2] Nach der Passage durch den Panamakanal legten die zwei deutschen Kriegsschiffe im US-amerikanischen San Diego an. Der Hafen dort ist der Heimathafen der U.S. 3rd Fleet, die im zu San Diego gehörenden Naval Base Point Loma auch ihr Hauptquartier hat. Die 3rd Fleet wiederum hat in den vergangenen Jahren ihre Aktivitäten signifikant intensiviert; sie ist für Operationen im Pazifischen Ozean östlich der Datumslinie zuständig, unter anderem für den Nachschub im Falle eines Krieges gegen China. Zu ihren Aufgaben gehören auch Planung und Führung der RIMPAC-Manöver (Rim of the Pacific, Randgebiete des Pazifik), der größten Marinemanöver der Welt.[3]

RIMPAC 2024

RIMPAC 2024 hat am Donnerstag vergangener Woche (27. Juni) begonnen und dauert bis zum 1. August an. Beteiligt sind rund 25.000 Soldaten aus 29 Staaten. Zur Verfügung stehen für die Übungsoperationen 40 Überwasserschiffe und drei U-Boote sowie mehr als 150 Flugzeuge und Hubschrauber. Zudem sind Soldaten der Landstreitkräfte von insgesamt 14 Staaten beteiligt.[4] Geprobt wird eine große Spannbreite an Operationen, die vom Kampf gegen Piraten über das Minenräumen bis zur Flug- und U-Boot-Abwehr sowie umfassenden maritimen Gefechtsübungen reichen. Auf dem Manöverprogramm stehen darüber hinaus Landungsoperationen. Beteiligt sind außer den USA und Kanada bedeutende Verbündete der Vereinigten Staaten am Pazifik, darunter Japan und Südkorea, Australien und Neuseeland sowie die Philippinen und Singapur, zudem Verbündete aus Europa von Großbritannien über Deutschland und Italien bis Frankreich. Hinzu kommen Länder, die Washington gern in eine gemeinsame Kriegsfront gegen China einbinden würde, ohne damit bislang erfolgreich zu sein – etwa Malaysia und Indonesien in Südostasien sowie in Lateinamerika Mexiko, Kolumbien und Chile. Auch Indien und Sri Lanka, die die Vereinigten Staaten systematisch gegen Beijing in Stellung zu bringen suchen, nehmen teil.[5]

Wie die NATO-Osterweiterung

Während die deutschen Kriegsschiffe sich auf ihre ersten Aktivitäten im RIMPAC-Rahmen vorbereiten – Mitte Juli sollen noch Flugzeuge der deutschen Luftwaffe hinzukommen –, spitzt sich die Kriegsgefahr in der Asien-Pazifik-Region immer weiter zu. Dies gilt nicht nur für den sich sukzessive verschärfenden Konflikt um Taiwan, sondern vor allem für den Konflikt zwischen China und den Philippinen um Inseln sowie Riffe im Südchinesischen Meer. Hintergrund ist, dass die Regierung der Philippinen im Jahr 2022 einen Kurswechsel weg von einer neutralen Position zwischen den USA und China vollzogen hat und sich nun eng an die Vereinigten Staaten bindet. Dabei stellt sie den US-Streitkräften ihr Hoheitsgebiet als Plattform für den Aufmarsch gegen die Volksrepublik zur Verfügung (german-foreign-policy.com berichtete [6]). Beobachter ziehen bereits Parallelen zwischen der militärischen Einkreisung Chinas durch die USA auf der sogenannten ersten Inselkette, die von Japan über Taiwan bis zu den Philippinen reicht, und der NATO-Osterweiterung bis an die russische Grenze: Die US-Streitkräfte und ihre engsten asiatischen Verbündeten besetzen dabei militärische Positionen, von denen aus sie China jederzeit angreifen können, und bringen die Volksrepublik damit in eine strategisch unhaltbare Lage.

Zum Greifen nah

Vor diesem Hintergrund hat China begonnen, den Druck auf die Philippinen zu erhöhen, um eine Klärung des Streits insbesondere um das Second Thomas Shoal herbeizuführen, ein Riff, auf das beide Staaten Anspruch erheben, das Manila jedoch seit zweieinhalb Jahrzehnten besetzt hält: Es hat im Jahr 1999 ein altes Kriegsschiff, die Sierra Madre, auf es gerammt und auf dem Schiff Soldaten stationiert. Beijing behindert seit geraumer Zeit die Versorgung der Soldaten; Manila ist bemüht, das Kriegsschiff entgegen früheren Absprachen zur dauerhaften Nutzung auszubauen.[7] Kam es zunächst zur Kollision von Schiffen beider Seiten, so enterten chinesische Militärs kürzlich philippinische Boote; zuletzt standen sich Soldaten aus China und den Philippinen auf Booten mitten im Südchinesischen Meer mit Hieb- und Stichwaffen gegenüber.[8] Der Präsident der Philippinen, Ferdinand Marcos Jr., hat bereits vor geraumer Zeit angekündigt, falls es zu Todesopfern komme – dies könnte schon in Kürze geschehen –, werde er das Bündnis seines Landes mit den USA nutzen und deren Beistand einfordern. Kommt Washington dem nach, dann stünden sich China und die Vereinigten Staaten militärisch gegenüber. Der Krieg, für den in diesen Tagen auch deutsche Kriegsschiffe im Pazifik üben, wäre zum Greifen nah.

[1] Die „Frankfurt am Main“ beim Indo-Pacific Deployment 2024. bundeswehr.de 10.06.2024.

[2] Camille MacKenzie Dolphin: HMCS Charlottetown, the Steadfast Defender. tridentnewspaper.com 13.03.2024. S. auch Ein halbes Jahr Aufmarschmanöver.

[3] Mallory Shellbourne: U.S. 3rd Fleet Expanding Operational Role in Indo-Pacific. news.usni.org 03.08.2022.

[4] Robert Reinheimer: RIMPAC 2024 Kicks Off in Hawaii. cpf.navy.mil 28.06.2024.

[5] U.S. Pacific Fleet Announces 29th RIMPAC Exercise. cpf.navy.mil 21.05.2024.

[6] S. dazu Spiel mit dem Feuer.

[7], [8] Till Fähnders, Jochen Stahnke: Wie bei einem Piratenüberfall auf hoher See. Frankfurter Allgemeine Zeitung 22.06.2024.

Quelle: German Foreign Poilicy v. 3.7. 2024
https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/9606

Wir danken für das Publikationsrecht.

Zwischen Todesstrafe und illegalem Flüchtlingsstatus: die Flucht eines Deserteurs aus Belarus

Dass Kriegsdienstverweigerer -egal ob aus Russland, Belarus oder der Ukraine- einen legalen Aufenthaltsstatus bei uns erhalten, ist das Mindeste, was wir zu erwarten und zu fordern haben! (Peter Vlatten)

02.07.24 – Pressenza Berlin

Mikita Sviryd: Die Geschichte eines belarussischen Deserteurs in Litauen, der zwischen der drohenden Todesstrafe in Belarus und dem illegalen Flüchtlingsstatus in Litauen gefangen ist.

Heute ist Mikita ein illegaler Flüchtling, Litauen hat dem jungen Deserteur politisches Asyl verweigert. In Belarus kann Desertion mit der Todesstrafe geahndet werden. Heute ist er verzweifelt und erwartet nichts Gutes für seine Zukunft. Was bedeutet für die Geopolitik das Schicksal eines Mannes, der im Alter von 19 Jahren beschloss, nicht mehr Soldat zu sein?

Aber wenn wir die Gefühle junger Belarussen beeinflussen wollen, nicht in die Armee einzutreten und Russlands Krieg in der Ukraine nicht zu unterstützen, müssen wir Mikita einfach helfen, ein neues, friedliches Leben zu beginnen, ohne Waffen, mit dem Recht, nicht zu töten und dafür nicht von Litauen und Belarus bestraft zu werden.

Beschreibung von Mikitas Fall

MIKITA SVIRYD, geboren am 22. September 2002, ist belarussischer Staatsbürger. Am 28. Oktober 2021 wurde er zum Wehrdienst einberufen und hatte keine Möglichkeit, den Dienst in der belarussischen Armee zu verweigern. Am 24. Februar 2022 hatte seine Dienstzeit vier Monate erreicht, in denen Mikita bereits den Eid geleistet hatte.

Während der vier Monate in der Kompanie, in der Mikita diente, wurden mehrmals taktische Aufgaben geprobt, Schießübungen mit der Waffe durchgeführt, häufige Märsche unternommen und Einsätze bei verschiedenen Militäreinheiten als Assistenten waren üblich.

In dieser Zeit besuchten sie zahlreiche ideologische Vorträge, in denen die Ansicht vertreten wurde, dass der Westen von „Feinden und Nazis“ bevölkert sei, dass die weiß-rot-weiße Fahne „von den Besatzern in den Jahren des Zweiten Weltkriegs verwendet“ worden sei und dass die Hinrichtung derjenigen befürwortet werde, die die Opposition unterstützten. Mikita, wie auch die Mehrheit seiner Genossen, teilte diese Ansicht nicht. Es kam jedoch nicht in Frage, sich auf eine Diskussion mit den Dozenten einzulassen; die meisten Wehrpflichtigen schliefen bei solchen Veranstaltungen.

Während dieser vier Monate musste Mikita, wie auch die anderen Soldaten, Beleidigungen und Demütigungen durch Offiziere ertragen. Bei einer Gelegenheit auf dem Schießplatz trat ein Offizier, der unter Alkoholeinfluss stand, Mikita in den Rücken, weil er dachte, Mikita würde auf sein Handy schauen. Es gab auch einen Vorfall, bei dem ihm ein höherer Offizier auf die Schulter schlug. Schikanen sind in der belarussischen Armee weit verbreitet; die Offiziere sind sich dessen bewusst, verurteilen es verbal, unternehmen aber nichts, um es zu unterbinden. Soldaten quälen sich oft gegenseitig, vor allem Unteroffiziere, die nur minimale Befugnisse haben. Es gibt Militärpatrouillen, bei denen es keine Möglichkeit gibt, innerhalb von 24 Stunden mehr als 4 Stunden zu schlafen. Es hat Fälle gegeben, in denen die Unteroffiziere den Soldaten nur 15 Minuten Schlaf in 24 Stunden erlaubten.

Mitte Februar 2022, zwei Wochen vor Ausbruch des Krieges, wurde Mikita zu einer anderen Militäreinheit geschickt. Dort sah er, wie die Russen Züge mit Panzern, Haubitzen, aus Russland eintreffenden Militärlastwagen und gepanzerten Infanteriefahrzeugen transportierten und echte Munition entluden. Den Wehrpflichtigen wurde gesagt, dass es sich dabei um Trainingsübungen handelte, aber Mikita fand die Bewegung einer so großen Menge an Ausrüstung für eine nur zweiwöchige Trainingseinheit seltsam.

Am 24. Februar 2022 befand sich Mikita auf dem Schießplatz nahe der ukrainischen Grenze. Von einem Offizier erfuhr er, dass der Krieg begonnen hatte. Ein Offizier teilte ihm mit, dass der Krieg begonnen habe. Die Aufgabe der Wehrpflichtigen war es, die Russen auf dem Schießplatz zu bewachen, von dem aus Militärflugzeuge in die Ukraine starteten. Mikita beobachtete die Piloten, die die Flugzeuge manövrierten, und die Ausrüstung, die in den Süden gebracht wurde. Aber er konnte nichts auf Kamera oder Video aufnehmen: Telefone waren verboten, und wenn sie erwischt wurden, kamen die Soldaten ins Gefängnis und ihre Telefone wurden beschlagnahmt.

Am 24. Februar 2022 sahen Mikita und seine Mitsoldaten Videos, die Angriffe auf ukrainische Einheiten und militärische Einrichtungen zeigten. Sie glaubten, dass Belarus in den Krieg eintreten würde, was unter den Wehrpflichtigen für Unruhe sorgte, insbesondere als der Befehl zur „erhöhten Bereitschaft“ bekannt gegeben wurde (ein solcher Befehl wird im Kriegsfall erteilt). Der Befehlshaber verteilte Waffen an alle, und einige erhielten scharfe Munition. Die Personalstärke der Einheit stieg um etwa 500 Mann, und Mikita befürchtete, dass er gezwungen sein würde, an der Seite Putins in den Krieg in der Ukraine zu ziehen – eine Aussicht, die er entschieden ablehnte. Infolgedessen begann er darüber nachzudenken, aus der Armee zu desertieren, da auf Befehlsverweigerung 8 bis 15 Jahre Haft stehen konnten. Im Grunde stand ein Soldat vor der Wahl, entweder zu töten oder ins Gefängnis zu gehen, was ihn dazu veranlasste, über eine Desertion nachzudenken.

m Mai 2022 befand sich Mikita bei Übungen in der Nähe der Grenze zu Litauen und beschloss, die Gelegenheit zur Flucht in die Europäische Union zu nutzen. Er begann eine Woche im Voraus mit den Vorbereitungen für die Flucht, studierte das Gelände auf Karten, legte die Route fest und plante die Tageszeit für die Flucht. Mikita hoffte, auf dem Gebiet der EU Asyl beantragen zu können, und betrachtete dies als eine Aufgabe, die erfüllt werden musste, da er die Situation moralisch nicht länger ertragen konnte.

Am frühen Morgen des 26. Mai 2022, als alle noch schliefen, ergriff Mikita die Flucht. Er zog seine Uniform aus, ließ seine Waffe mit scharfer Munition auf der Straße liegen und gab sein Mobiltelefon auf. Ein Fernfahrer, der keine Fragen stellte, nahm Mikita mit an die litauische Grenze. Die Grenze musste illegal über mehrere Zäune überquert werden. Der erste war ein Stahlzaun mit Draht und Klingen, bei dem Mikita mit der Kamera aufgenommen wurde, als er merkte, dass ihm die Zeit davonlief. Als er über den Zaun kletterte, zog er sich eine leichte Verletzung zu und fiel zu Boden. Der nächste Zaun führte über einen Graben, und Mikita gelang es, darunter durchzukriechen. Der nächste Zaun hatte morsche Pfosten und Mikita brach durch. Dann stellte er fest, dass er sich bereits auf EU-Gebiet befand, und ging zu den litauischen Grenzbeamten, um sich zu stellen.

Die Grenzbeamten waren sehr überrascht und skeptisch über Mikitas Behauptung, er sei vor der belarussischen Armee geflohen. Es wurden Sondereinheiten hinzugezogen und er wurde ausgiebig verhört. Er berichtete wahrheitsgemäß über den Grenzübertritt, bestätigte die indirekte Beteiligung von Belarus am Krieg und lieferte Informationen über den Einsatz und die Bewegung von russischem Militärgerät. Später kamen die Einwanderungsbehörden. Mikita konnte nicht glauben, dass er es geschafft hatte, dass er in Sicherheit war. Er wurde von überwältigenden Gefühlen heimgesucht, als ihm klar wurde, dass er für lange Zeit nicht mehr nach Hause kommen und seine Familie lange nicht mehr sehen würde. Mikita wurde dann in ein Flüchtlingslager in Litauen gebracht, wo er im Vergleich zur belarussischen Armee völlige Freiheit erlebte.

Nach Mikitas Flucht besuchten das Militär, die Polizei und der KGB sein Haus in Belarus. Sie sagten Mikitas Eltern, dass er nicht bestraft würde, wenn er zurückkäme, und dass er seinen Dienst in Ruhe absolvieren könne. Unter ihrem Druck riefen seine Verwandten Mikita an und drängten ihn, nach Belarus zurückzukehren. Ihm war jedoch klar, dass er bei einer Rückkehr verhaftet werden würde. Mikita drohen in Belarus bis zu 20 Jahre Gefängnis und möglicherweise sogar die Todesstrafe. Neben Desertion könnte er auch wegen Terrorismus, Extremismus und Hochverrat angeklagt werden. Mikita floh aus einer Mission mit Waffen (die er in Belarus zurückließ), informierte die litauischen Behörden über die Bewegung russischer Militärausrüstung und lieferte Einzelheiten über die Ereignisse an der Grenze zur Ukraine in den Tagen der russischen Invasion.

Am 20. November 2023 verweigerte die Migrationsabteilung des Innenministeriums der Republik Litauen Mikita das Asyl im litauischen Hoheitsgebiet.

Die offizielle Begründung für die Ablehnung des politischen Asyls in Litauen lautet, dass Mikita in Belarus nicht in Gefahr sei und Belarus ein sicheres Land für seine Rückkehr sei.

Mikita legte gegen die Entscheidung der Migrationsbehörde vor einem litauischen Gericht Berufung ein. Die Anhörung fand am 6. März 2024 statt. Das Gericht wies Mikitas Einspruch zurück und bestätigte die Entscheidung der Migrationsbehörde vom 20. November 2023.

Mikita legte daraufhin gegen die Entscheidung des litauischen Gerichts Berufung beim Obersten Verwaltungsgericht der Republik Litauen ein.

Am 6. Juni 2024 wies der Oberste Gerichtshof die Berufung zurück und bestätigte die Verweigerung des Asyls für Mikita. Mikita und sein Anwalt wurden nicht zu der Anhörung eingeladen, und der Fall wurde schriftlich geprüft. Mikita hatte keine Gelegenheit, dem Gericht etwas zu erklären.

Die offizielle Begründung für die Ablehnung des Asylantrags ist dieselbe: Das Migrationsamt ist der Ansicht, dass es für Mikita sicher ist, nach Belarus zurückzukehren und dass er dort nicht in Gefahr ist. Das ist nicht wahr. Mikita drohen in Belarus Haftstrafen und sogar die Todesstrafe.

Zurzeit hält sich Mikita illegal im Gebiet der Europäischen Union auf und muss sich vor der Zwangsabschiebung nach Belarus verstecken. Mikita leidet unter tiefen Depressionen und neigt zum Selbstmord, weil er Angst vor Folter und Tod in einem belarussischen Gefängnis sowie vor einem Einsatz im Krieg gegen die Ukraine hat.

Woir haben den Beitrag von Pressenza übernommen, das Original kann hier bescuht werden.

Wir danken für die Publikationsrechte

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