GAZA – ein unentrinnbares Inferno für die Zivilbevölkerung droht!

Wie die Tageschau gestern meldete, sollen laut UN Angaben in den nächsten 24 Stunden 1,1 Millionen Menschen die Stadt Gaza verlassen und sich in den Süden des Gaza-Streifens begeben .Das israelische Militär habe die Vereinten Nationen darüber unterrichtet. Der Befehl des israelischen Militärs gelte auch für Mitarbeiter der UN und Hilfsorganisationen.

Durch das Setzen eines Zeitkorridors zur Flucht der Zivilbevöllkerung wollen wohl Israel und der verbündete Westen den Eindruck erwecken, Israel sei weit möglichst auf die Einhaltung von Völkerrecht und Schutz der Zivilbevölkerung bedacht ! Tatsächlich aber wird die gesamte Bevölkerung des Gaza für das barbarische Gemetzel der Hamas in Geiselhaft genommen und mit einem nahezu beispielosen Inferno bedroht.

Laut Washington Post vom 13.10.23 habe Israel als Reaktion in einer Woche schon mehr Bomben über Gaza abgeworfen als die USA in Afganistan in einem ganzen Jahr. Gaza sei aber 1811 mal kleiner als Afganistan. Bisherige Bilanz der israelischen Vergeltung: 6000 Bomben, 1800 Getötete , darunter 533 Kinder, 6388 Verletzte.

Israel hat ausserdem seit Tagen für den gesamten Gazastreifen die Wasser-, Lebensmittel- und Stromversorgung blockiert. Eine Bevölkerung von der für ihr Überleben notwendigen Infrastruktur vollkommen abzuschneiden, auch das ist ein Kriegsverbrechen. Die extremen Gräueltaten der Hamas können keinerlei Rechtfertigung dafür sein.

Auch lesen zum Thema  "“Jüdische Stimmen” zum Aktuellen Gaza-Krieg und zur Gewalteskalation In Israel"

Gaza gleicht einem Käfig, in dem bereits seit Jahrzehnten 2,3 Millionen Menschen unter miserabelsten Lebensbedingungen zusammengepfercht sind. Mehr als die Hälfte der Gaza Bevölkerung soll nun binnen eines einzigen Tages in die andere Hälfte dieses Käfigs weiter zusammengedrängt werden. Kranke, Alte, Kinder, Verwundete werden ihrem Schicksal überlassen. Die Menschen müssen ihre schützenden Häuser verlassen und im Bombenhagel fliehen. Allein die überstürzte Fluchtbewegung, die durch das Ultimatum des isrealischen Militärs jetzt ausgelöst wird, könnte laut Hilfsorganisationen mehr menschliche Tragödien und unschuldige Opfer zur Folge haben als der auslösende Anschlag der Hamas. Von den Opfern einer anschliessenden Bodenoffensive und den damit verbundenen langfristigen „Kollateralschäden“ ganz zu schweigen. Kaum einer der Eingepferchten hat die Chance, diesem Ghettto und Inferno zu entkommen!

Viele Menschen, so wird berichtet, schreiben ihren Namen auf ihre Hände., damit man sie später wenigstens identifizieren könne ( Majd Azhari)

Weltweit droht eine Welle der Empörung, nicht nur aus der arabischen Welt. Auch die UN warnt. „Die Vereinten Nationen halten es für unmöglich, dass eine solche Bewegung ohne verheerende humanitäre Folgen stattfinden kann“, hatte UN-Sprecher Stéphane Dujarric nach der israelischen Mitteilung erklärt. Er appellierte nachdrücklich, dass ein solcher Befehl, sollte er bestätigt werden, zurückgenommen werde, um zu verhindern, dass sich die ohnehin schon tragische Situation zu einer absoluten Katastrophe entwickle. Auch die Staatschefs der meisten Länder Südamerikas warnen vor einer solchen Entwicklung. So appellierte der Brasilianische Präsident Lula da Silva per Kurznachrichtendienst X an die Weltöffentlichkeit und die Vereinten Nationen, sich – im Einklang mit dem Völkerrecht und den UN-Resolutionen – für eine sofortige Aufnahme von Verhandlungen für eine Lösung des Konflikts einzusetzen, „die die Existenz eines wirtschaftlich lebensfähigen palästinensischen Staates garantiert, der mit Israel friedlich innerhalb von für beide Seiten sicherer Grenzen koexistiert“.

Dass Menschen in Deutschland, die sich dieser Kritik der UN anschliessen und diesbezüglich mit den Palästinensern solidarisch erklären, als „Antisemiten“ diffamiert und mundtot gemacht werden sollen bzw. sich sogar mit der Polizei konfrontiert sehen, ist ein besonderer Skandal. Nicht einmal in den USA oder Israel selbst werden Meinungsfreiheit und Demonstratiosnrechte hierzu in solchem Ausmaß eingeschränkt. Wohlgemerkt, es geht NICHT um das Abfeiern des Hamas Anschlags, sondern um das Eintreten für die Menschenrechte von Allen beteiligten Völkern.

Die „Menschenrechtsshow“ nehmen dem Westen, besonders aber unserem Land , so immer weniger Menschen in dieser Welt ab.

Bedingungsloses und kritikloses Unterstützen der isrealischen mit rechtsextremen Ministern durchsetzten Regierung und Armee leistet dabei dem Antisemetismus gefährlichen Vorschub. Zur Anerkennung des Existenzrechts von Israel gehört eben unabdingbar die Anerkennung der Rechte der Palästinenser, die Aufhebung der Besatzung und aller Repressionen sowie die Befreiung von geopolitischer Instrumentalisierung nicht zuletzt auch durch die USA . Ohne an die Behebung der Ursachen für den gegenseitigen Hass ranzugehen, droht die Spirale von Leid, Hass und Gewalt, aber eben auch Antisemetismus, immer weiter zu eskalieren. Ebenso der Ausbruch eines militärischen Fläschenbrandes .

Und wie der Anschlag der Hamas gezeigt hat: kein noch so ausgeklügeltes Sicherheits- und Abschottungssystem wird dann uns ALLE vor der sich immer weiter ausbreitenden Barbarei schützen können!

Der Blogger Fabian Lehr hat die Situation gestern Abend wie folgt kommentiert:

„Israelsolidarische Linke“ rühmen die Tatsache, dass Israel kurz vor dem wahrscheinlichen Beginn der Bodenoffensive die Bevölkerung warnt, gerade als Beleg für die Humanität der israelischen Kriegführung. Das ist doch aber ein schlechter Witz.

Wohin genau sollen diese Leute denn gehen? Sollen jetzt 1,1 Millionen Menschen während möglicherweise wochen- bis monatelanger Kämpfe einfach irgendwo auf einem Feld kampieren? Ohne sanitäre Einrichtungen, ohne Wasser, ohne Essen? Stellt Israel denn nun wenigstens die Luftangriffe auf den südlichen Teil des Gazastreifens ein? Nein, es wird im gesamten Gazastreifen weitergebombt, sprich: Wer jetzt nach Süden flieht und irgendwo im Freien zeltet, hat dort nicht einmal das bisschen prekären Schutz gegen Bomben und Splitter, den Keller und Hausmauern bieten können.

Und schließlich: Können die Leute denn damit rechnen, dass sie jemals wieder zurückkehren können, wenn sie jetzt gehen? Wer weiß denn, welche Pläne Israel mit dem Norden des Gazastreifens hat, wenn die Invasion einmal erfolgreich abgeschlossen und die Bevölkerung weg ist? Vielleicht wird das Gebiet dann dauerhaft als leere Sicherheitszone eingerichtet oder gar für israelischen Siedlungsbau freigegeben – wie soll man das wissen? Historisch hat Israel Flucht palästinensischer ZivilistInnen immer wieder als Vorwand genutzt, das Gebiet für „freiwillig verlassen“ zu erklären, die Häuser und Siedlungen in Besitz zu nehmen und ihren BewohnerInnen die Rückkehr zu verweigern. Zigtausende ZivilistInnen werden sich jetzt entscheiden, das Risiko des Bleibens zu tragen statt das Risiko, möglicherweise nicht mehr zurückkehren zu können.

Natürlich wird das alles den israelischen Streitkräften vollkommen klar sein und dass die Annahme lächerlich ist, man könne per simpler Aufforderung eine Großstadt innerhalb von ein paar Stunden von ZivilistInnen leeren und dort dann einen „sauberen“ Bodenkrieg führen. Diese Aufforderung hat doch wohl eher einen ganz anderen Zweck. Die israelischen Streitkräfte wissen, dass eine große Bodeninvasion zwangsläufig zu ungeheuren zivilen Opferzahlen führen wird und Israel in der Welt nicht so positiv dastehen wird, wenn es in Gaza vielleicht zehntausende zivile Todesopfer geben wird. Und gegen diese erwartete Abscheu will man sich eben im Voraus eine Legitimation verschaffen, indem man sagt: „Wir haben sie ja gewarnt, aber sie wollten unbedingt bleiben, statt sich in Sicherheit zu bringen! Also haben sie ihr Schicksal selbst gewählt und sind wahrscheinlich eh auch Hamas-Unterstützer.“

Es geht nicht darum, ein Blutbad unter ZivilistInnen zu verhindern. Sondern darum, dieses erwartete Blutbad später der Weltöffentlichkeit ggü. schönreden zu können.“

Fabian Lehr ist linker Österreichischer Blogger. Hier der link

Isrealische Stimmen zur aktuellen Eskalation, unsere weiteren Beiträge dazu:

Inteview Moshe Zuckermann: „Dass viele Zivilisten im Gazastreifen umkommen, hat Israel nie bekümmert“

Von Gideon Levy: "Israel kann nicht 2 Millionen Menschen in Gaza gefangen halten, ohne einen grausamen Preis dafür zu bezahlen."

"“Jüdische Stimmen” zum Aktuellen Gaza-Krieg und zur Gewalteskalation In Israel"    

"Berliner Gewerkschafter:innen mobilisieren gegen Aufrüstung und Krieg! "

Israel kann nicht 2 Millionen Menschen in Gaza gefangen halten, ohne einen grausamen Preis dafür zu bezahlen.

Bild: Humantité

Von Gideon Levy

(Red.) Auch in Israel gibt es zum neu ausgebrochenen Krieg nicht nur eine Meinung. Gideon Levy beschreibt in der israelischen Zeitung «Haaretz» seit vielen Jahren die menschenverachtende Besatzungspolitik Israels. Hier sein Kommentar zum Angriff der Hamas-Kämpfer auf Israel. 

Hinter allem steckt die israelische Arroganz, die Vorstellung, dass wir tun können, was wir wollen, dass wir niemals den Preis dafür zahlen und dafür nie bestraft werden. Wir werden ungestört weitermachen.

Wir werden verhaften, töten, schikanieren, enteignen, die Siedler aber, die mit ihren Pogromen beschäftigt sind, werden wir schützen. Wir werden Josephs Grab, Othniels Grab und Josuas Altar in den palästinensischen Gebieten besuchen – und natürlich den Tempelberg – über 5000 Juden allein an Sukkot, dem Laubhüttenfest.

Wir werden auf Unschuldige schießen, Menschen die Augen ausstechen und ihre Gesichter zertrümmern, sie vertreiben, beschlagnahmen, ausrauben, Menschen aus ihren Betten holen, ethnische Säuberungen durchführen und natürlich die unglaubliche Belagerung des Gazastreifens fortsetzen, und alles wird gut sein.

Wir werden ein furchterregendes Hindernis um den Gazastreifen bauen – allein schon die unterirdische Mauer hat 3 Milliarden Schekel (765 Millionen Dollar) gekostet – und wir werden sicher sein. Wir werden uns auf die Genies der Cyber-Spionageeinheit 8200 der Armee und auf die Agenten des Sicherheitsdienstes Shin Bet verlassen, die alles wissen. Sie werden uns rechtzeitig warnen.

Israels Führer wurden auf ewig verurteilt. Was denken sie jetzt?

Israel muss zuerst seine eigenen Leute nach Hause bringen.

Mit jeder Runde der Kämpfe in Gaza mehr ‚Kollateralschäden‘ und mehr Sinnlosigkeit.

Wir werden eine halbe Armee von der Gaza-Grenze zur Hawara-Grenze im Westjordanland verlegen, nur um den rechtsextremen Gesetzgeber Zvi Sukkot und die Siedler zu schützen. Und alles wird gut, sowohl in Hawara als auch am Erez-Grenzübergang nach Gaza.

Es zeigt sich, dass selbst das ausgeklügeltste und teuerste Hindernis der Welt mit einem rauchenden alten Bulldozer durchbrochen werden kann, wenn die Motivation groß genug ist. Diese arrogante Barriere kann trotz der Milliarden, die in sie geflossen sind, und trotz all der berühmten Experten und fetten Auftragnehmer mit dem Fahrrad oder Moped überwunden werden.

Die Palästinenser im Gazastreifen sind bereit, jeden Preis für einen Moment der Freiheit zu zahlen. Wird Israel seine Lektion lernen? Nein.

Wir dachten, wir würden weiterhin nach Gaza gehen, ein paar Brosamen in Form von Zehntausenden von israelischen Arbeitserlaubnissen verteilen – immer unter der Bedingung, dass sie sich gut benehmen – und sie trotzdem im Gefängnis halten. Wir werden Frieden mit Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten schließen und die Palästinenser werden vergessen sein, bis sie ausgelöscht sind, wie es sich einige Israelis wünschen.

Wir werden weiterhin Tausende von palästinensischen Gefangenen festhalten, manchmal ohne Gerichtsverfahren, die meisten von ihnen politische Gefangene. Und wir werden nicht bereit sein, über ihre Freilassung zu diskutieren, selbst wenn sie schon seit Jahrzehnten im Gefängnis sitzen.

Wir werden ihnen sagen, dass ihre Gefangenen nur mit Gewalt die Freiheit erlangen werden. Wir dachten, wir würden weiterhin jeden Versuch einer diplomatischen Lösung arrogant zurückweisen, nur weil wir uns mit all dem nicht befassen wollen, und alles würde für immer so weitergehen.

Wieder einmal wurde bewiesen, dass es nicht so ist. Ein paar hundert bewaffnete Palästinenser durchbrachen die Sperranlage und drangen auf eine Weise in Israel ein, die kein Israeli für möglich gehalten hätte. Ein paar hundert Menschen haben bewiesen, dass es unmöglich ist, 2 Millionen Menschen für immer einzusperren, ohne einen grausamen Preis zu zahlen.

So wie der rauchige alte palästinensische Bulldozer am Samstag die intelligenteste Sperranlage der Welt durchbrochen hat, so hat er auch Israels Arroganz und Selbstgefälligkeit eingerissen. Und so riss es auch an der Vorstellung, dass es ausreicht, den Gazastreifen gelegentlich mit Selbstmorddrohnen anzugreifen – und diese an die halbe Welt zu verkaufen –, um die Sicherheit aufrechtzuerhalten.

Am Samstag sah Israel Bilder, wie es sie noch nie zuvor gesehen hat. Palästinensische Fahrzeuge, die in den Städten patrouillieren, Fahrradfahrer, die durch die Tore des Gazastreifens fahren. Diese Bilder räumen mit dieser Arroganz auf. Die Palästinenser in Gaza haben beschlossen, dass sie bereit sind, jeden Preis für einen Moment der Freiheit zu zahlen. Gibt es da noch Hoffnung? Nein. Wird Israel seine Lektion lernen? Nein.

Am Samstag sprachen sie bereits davon, ganze Stadtteile in Gaza auszulöschen, den Streifen zu besetzen und Gaza zu bestrafen, „wie es noch nie zuvor bestraft wurde“. Aber Israel hat seit 1948 nicht aufgehört, Gaza zu bestrafen, nicht einen Moment lang.

Nach 75 Jahren des Missbrauchs erwartet es wieder einmal das schlimmstmögliche Szenario. Die Drohungen, Gaza „platt zu machen“, beweisen nur eines: Wir haben nichts gelernt. Die Arroganz bleibt bestehen, auch wenn Israel wieder einmal einen hohen Preis dafür zahlt.

Premierminister Benjamin Netanjahu trägt eine große Verantwortung für das, was passiert ist, und er muss den Preis dafür zahlen, aber es hat nicht mit ihm angefangen und es wird auch nicht enden, wenn er geht. Wir müssen jetzt bitterlich um die israelischen Opfer weinen, aber wir sollten auch um Gaza weinen.

Gaza, dessen Bewohner größtenteils von Israel geschaffene Flüchtlinge sind. Gaza, das noch nie einen einzigen Tag der Freiheit erlebt hat.

Zum Original des Artikels auf Haaretz. 

Erschienen auf GlobalBridge
Übersetzt von Christian Müller.

https://globalbridge.ch/israel-kann-nicht-2-millionen-menschen-ingaza-gefangen-halten-ohne-einen-grausamen-preis-dafuer-zu-bezahlen/

Wir danken der Redaktion von GobalBridgefür das Abdruckrecht.

Berliner Gewerkschafter*innen mobilisieren gegen Aufrüstung und Krieg

nächstes Treffen 18.11.2023, 16 Uhr

Vertreter und Aktivisten aus allen großen Berliner DGB Gewerkschaften (Ver.di, IG Metall, IG Bau, GEW) haben zur aktuellen Situation einen gemeinsamen Aufruf verfasst und sich zusammengeschlossen zum

„Berliner Gewerkschaftlicher Ratschlag gegen Aufrüstung und Krieg “

Alle Berliner Gewerkschafter*innen, die sich für einen konsequenten Antikriegskurs der Gewerkschaften einsetzen wollen, sind eingeladen, sich am “Berliner Gewerkschaftlicher Ratschlag gegen Aufrüstung und Krieg” zu beteiligen.  Auf der Nachbereitung des ver.di Bundeskongresses "Sagt Nein! -  Gewerkschafter:innen gegen Krieg, Militarismus und Burgfrieden" und des Netzwerkes kämpferische Gewerkschaften wurde dazu aufgerufen, sich mit dem Ratschlag zu einem großen gewerkschaftlichen Berliner  Antikriegsbündnis zusammenzuschliessen!

Der nächste Ratschlag findet statt :

18. November 16 Uhr, ver.di Mediengalerie, Dudenstraße 10, 10965 Berlin

Thema: Vorbereitung Berliner Gewerkschaftsblock zentrale Friedensdemo am 25.11.

Der Ratschlag hat folgenden Aufruf verfasst:

Hunderttausende Opfer hat die zu einem Stellungskrieg gewordene Auseinandersetzung in der Ukraine bisher gefordert. Es sind unsere ukrainischen und russischen Kolleginnen und Kollegen, die in diesem Krieg in den Schützengräben sterben, verletzt und verstümmelt werden. Sie werden für Interessen geopfert, die nicht die ihren sind und nicht die unseren werden sollen.

Wir lehnen es ab, dass Arbeiterinnen und Arbeiter kapitalistischer Staaten gegeneinander in Kriege getrieben werden.

Deutschland ist durch die Politik der Bundesregierung längst zu einer Kriegspartei geworden:

  • durch die Lieferung immer neuer, weitreichender und zerstörerischer Waffensysteme;
  • durch Ausbildung und Schulung des ukrainischen Militärs;
  • durch die Verhängung von Wirtschaftssanktionen, mit denen Russland nach den Worten der deutschen Außenministerin ruiniert werden soll.

Die verhängten Sanktionen treffen besonders die Menschen in den Ländern des globalen Südens. Deren wirtschaftliche Entwicklung wird gehemmt; die Versorgung der Bevölkerung mit dem Lebensnotwendigsten ist immer stärker gefährdet.

Die Wirtschaftssanktionen wirken aber auch auf die Lebensverhältnisse in Deutschland zurück.

Das gigantische Aufrüstungsprogramm, von Bundeskanzler Olaf Scholz mit seiner „Zeitenwende“ in die Wege geleitet, wird letztendlich von uns Lohnabhängigen bezahlt werden müssen. Während der Rüstungsetat enorm steigen soll, wird die öffentliche Daseinsvorsorge zusammengestrichen. Deutschland, eine der stärksten Militärmächte in der Europäischen Union, soll nach dem Willen der Bundesregierung auch zu dessen militärischer Führungsmacht werden.

Wir treten dafür ein, dass sich die Gewerkschaften als soziale Interessenvertretung der lohnabhängigen Menschen dieser Politik widersetzen. In den Führungsgremien überwiegen leider noch die Befürworter und Unterstützer des außenpolitischen Regierungskurses. Dem wollen wir uns innerhalb unserer Gewerkschaften entgegenstellen.

Unsere Solidarität gehört den arbeitenden Menschen, nicht deren Regierungen, nicht den hinter ihnen stehenden großen Konzernen und Oligarchen. Der immer stärker gewordene Nationalismus in Europa befeuert die kriegerischen Auseinandersetzungen, lenkt ab von der Lösung sozialer Probleme und kann in eine repressive und autoritäre Zukunft führen.

Seit 1959 gehen Gewerkschaften und Friedensgruppen unter dem Motto „Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus!“ am 1. September, dem Antikriegstag, auf die Straße. Sie erinnerten nicht nur an die Gräuel des Zweiten Weltkrieges begangen durch die Wehrmacht des faschistischen Deutschlands. Sie traten zugleich auch immer ein für Abrüstung, für friedliche, völkerverständigende statt militärischer Lösungen. An diese Tradition wollen wir anknüpfen!

In den fünfziger Jahren hatten sich hunderttausende Gewerkschaftsmitglieder an Aktionen und Kundgebungen gegen die Remilitarisierung Deutschlands beteiligt. Sie konnten weder die Aufrüstung noch die Gründung der Bundeswehr verhindern. In den 1980 Jahren wurde die atomare Nachrüstung der NATO durchgesetzt und 1999 erstmals die Bundeswehr in einem völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die serbische Teilrepublik des ehemaligen Jugoslawiens geschickt.

Als engagierte Gewerkschaftsmitglieder treten wir innerhalb und außerhalb unserer Organisationen ein:

  • für einen sofortigen Waffenstand ohne Vorbedingungen, um das gegenseitige Abschlachten zu beenden;
  • für die sofortige Beendigung der militärischen Unterstützung der Ukraine, die die Opferzahlen nur weiter in die Höhe treibt;
  • für die Beendigung der Wirtschaftssanktionen gegen Russland, die die Energiekosten in die Höhe getrieben hat und von uns getragen werden muss;
  • für die Aufnahme von Friedensverhandlungen, in denen die berechtigten Sicherheitsinteressen aller Staaten berücksichtigt werden – eine Friedenslösung ohne Russland wird es für Europa nicht geben können;
  • für die Umwidmung des 100 Milliarden Aufrüstungsprogramms in ein Investitionsprogramm für z. B. eine ausreichende Kindergrundsicherung und Daseinsvorsorge. Weg mit dem 2-Prozent-Aufrüstungsbeschluss der NATO!

Bertolt Brecht: „Kampf um Frieden ist Kampf gegen den Kapitalismus.“

Termine vormerken

  • nächster Ratschlag findet statt :18. November 16 Uhr, ver.di Mediengalerie, Dudenstraße 10, 10965 Berlin
  • Friedensdemo 25.11.2023 anlässlich der Verabschiedung des Militärhaushaltes , Aufruf und weitere Infos folgen

Aktuell zum  Thema " Ver.di Bundeskongress beschließt JA zum Kriegskurs – aber die Widersprüche dazu sind unübersehbar!"
 

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