VW Stammwerk USA – große Mehrheit der Belegschaft für Gewerkschaft!

Es ist geschafft. Die Kampagne der US Automobilarbeitergewerkschaft UAW im Süden der USA zeigt Wirkung. UAW zieht in das VW Stammwerk der USA in Chattanooga, Tennessee, ein. Fast Dreiviertel (73 Prozent) stimmten für eine Gewerkschaftsvertretung, bei einer hohen Wahlbeteiligung von 84 Prozent der 4.300 abstimmungsberechtigten Beschäftigten.

Was ändert sich? Wofür haben sich die Kolleg:innen entschieden?

Das hat die Gewerkschaft in ihrer Kampagne schon vor der Abstimmung deutlich auf den Punkt gebracht: “ Die Gründung einer Gewerkschaft mit Tarifverhandlungsrechten ist die einzige Möglichkeit, die Macht zu haben, auf Augenhöhe mit dem VW-Management zu verhandeln und einen rechtsverbindlichen Vertrag zu erzielen. Mit Tarifverhandlungen legen die Arbeiter bei VW unsere Prioritäten und unsere Agenda fest – und wir wählen unsere Kollegen als Vertreter, um auf Augenhöhe mit dem VW-Management über Verbesserungen wie Gehaltserhöhungen, bessere Krankenversicherung und mehr bezahlten Urlaub zu verhandeln. Ohne einen Gewerkschaftsvertrag hat VW die einseitige Macht, alle Bedingungen unserer Beschäftigung zu ändern.“

Die Rekordlohnerhöhungen und historischen Tarifverträge, die die 150.000 UAW-Mitglieder bei Ford, GM und Stellantis erkämpft haben, sind der Rückenwind für die laufende Kampagne der UAW, jetzt die Beschäftigen im traditionell gewerkschaftsfeindlichen Süden der USA zu organisieren!

Die VW Mitarbeiter:innen in Chattanooga verhandeln ab sofort gewerkschaftlich organisiert ihre Interessen aus und bieten kollektiv, nicht zuletzt durch ihre Streikmacht, der bisherigen Unternehmenswillkür die Stirn!

Das hatten die Autowerke im Süden der USA. – insbesondere auch von den deutschen Automobilunternehmen VW, Mercedes, BMW und Porsche – durch Union Bashing und unterstützt durch ein extrem gewerkschaftsfeindliches Politikumfeld bisher verhindern können.

Mercedes wurde sogar in der jetzt laufenden Kampagne wegen seiner gewerkschaftsfeindlichen Machenschaften und den Versuchen, Beschäftigte unter Druck zu setzen, von der UAW verklagt.

Die Abstimmung in Chattanooga hat Signalwirkung für alle anderen! „Jetzt stehen Autoarbeiter“, erklärt ein Kollege im Videoclip, „im ganzen Süden auf, um ihren gerechten Anteil zu erkämpfen.“

Ein Sieg auch für uns

Das Verhalten der deutschen Konzerne in den USA zeigt, daß deren Management im Grundsatz nicht weniger arbeitnehmerfeindlich agiert als zum Beispiel Elon Musk von Tesla – wenn es das Umfeld und die Kolleg:innen zulassen. Der Erfolg der UAW ist auch ein Sieg für die Belegschaften in anderen Ländern bei VW. UAW wird helfen, die Standards für uns alle in der Automobilbranche nach oben zu drücken. Die Konzernspitzen werden sich schwerer tun, die Beschäftigen zwischen den Standorten gegeneinander auszuspielen.

Wir drücken der UAW, aber auch uns, alle Daumen, daß die Kampagne auch in den anderen Automobilwerken des Südens der USA in den nächsten Wochen erfolgreich ist.

Titelbild UAW, Quellen UAW, Handelsblatt 20.4.24

Politische Gewalt, die tötet

Zuletzt häuften sich Mordfälle gegen Wohnungslose. Unser Kolumnist meint, der Staat hilft, die Morde als unpolitisch zu labeln.

Von Olivier David

Foto: DIE LINKE

In seinem Buch »Wer hat meinen Vater umgebracht« schreibt der französische Autor Édouard Louis darüber, wie sich gesellschaftliche und politische Gewalt auf den Körper seines Vaters auswirkt. Das Buch beginnt so: »Danach befragt, wofür in ihren Augen der Begriff ›Rassismus‹ steht, antwortet die amerikanische Intellektuelle Ruth Gilmore, er bedeute für bestimmte Teile der Bevölkerung das Risiko eines verfrühten Todes. Diese Definition gilt ebenso für männliche Vorherrschaft, für Homophobie, Transphobie, Herrschaft einer Klasse über eine andere, für alle Phänomene sozialer oder politischer Unterdrückung.«

Wenn wir über Klasse reden, über Armut, über Klassismus, dann schwingt die Gewalt immer mit. Und wie Gilmore es sagt, muss man Armut und ihre Auswirkungen bis zum Äußersten denken. Arm zu sein, das hat Auswirkungen auf die Lebenserwartung. Im drastischsten Fall entscheidet es darüber, wie viel Zeit einem bleibt, bis man ermordet wird.

Richtig gelesen. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland und Österreich zahlreiche Morde und Mordversuche an wohnungs- und obdachlosen Menschen begangen. Die Nachrichten bilden eine Chronologie der Gewalt.

Die »FAZ« schreibt über den Sommer 2023: »Im Sommer sind in Wien drei schlafende Obdachlose mit einem Messer angegriffen worden, zwei von ihnen starben.« Der WDR über einen Fall von Anfang April: »Im Dortmunder Hafen ist am Donnerstagabend bei einem Streit ein 31-Jähriger erstochen worden. Ein 13-Jähriger soll den Obdachlosen getötet haben.« Ein Mordversuch von Mitte April dieses Monats: »Ein Unbekannter hat das Zelt einer Frau angezündet, in der die 72-Jährige schlief. Sie konnte sich in letzter Sekunde retten. Es war der dritte Vorfall innerhalb weniger Tage mit einer wohnungslosen Person in Dortmund.« Und das »nd« teilte für Berlin mit: Im vergangenen Jahr gab es 445 Fälle von Gewalt gegen Obdachlose.

In Hamburg, dort wo ich aufgewachsen bin, prangten an hunderten Wänden im gesamten Stadtgebiet hunderte Tags, auf denen jemand – der Legende nach war es selbst eine Person, die von Wohnungslosigkeit betroffen ist – die Worte »Armut killt« geschrieben hatte. Obwohl ich wusste, dass wohnungslose Menschen in besonderem Maße von Gewalt betroffen waren, verstehe ich erst jetzt, dass es so simpel ist.

Es sind nicht allein die Lebensumstände, durch die Armutsbetroffene sterben. Es ist die über viele Akteure der Gesellschaft vermittelte Gewalt, die tötet. Arme Menschen sterben nicht nur früher, sie werden nicht selten umgebracht. Auch wenn die von den Täter*innen genannten Gründe für ihre Taten immer wieder als unpolitisch bewertet werden, so spielt Politik eben doch in beinahe jedem einzelnen Fall eine herausragende Rolle.

Im Beispiel des Wiener Falls: Der Täter wählte seine Opfer unter der Prämisse aus, dass sie wehrlos waren. Damit ist er nicht allein. Es lässt tief blicken, dass der Staat diese dezidierte Gewalt nicht als politische Gewalt versteht. Die Wehrlosigkeit der Opfer muss mit der zurückgewiesenen Verantwortung des Sozialstaats in Verbindung gebracht werden, sich insbesondere um diejenigen zu kümmern, die auf Hilfe angewiesen sind.

Quelle: nd v. 17.4. 2024
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1181500.obdachlose-wohnungslosigkeit-politische-gewalt-die-toetet.html?sstr=Olivier|David

Wir danken für das Publikationsrecht.

01.06.2024: „Die Miete ist zu hoch“

Grossdemo am 1.Juni „Die Miete ist zu hoch“

Ort: Startpunkt der Demonstration am Potsdamer Platz
Uhrzeit: Die Auftaktkundgebung startet um 14 Uhr.

IG Metall Kolleg:innen treffen sich  bei Legoland an der Giraffe an der Potsdamer Str. 4

Aufruf des Bündnisses

Mieten, Betriebs- und Heizkosten explodieren, Löhne stagnieren. Täglich werden Menschen aus ihrem Zuhause verdrängt: Mietwohnungen werden in Eigentum umgewandelt, Menschen wegen „Eigenbedarfs“ gekündigt. Obdach- und Wohnungslosigkeit nimmt massiv zu. Ganze Nachbarschaften werden zerstört, Indexmietverträge zur Kostenfalle. Soziale Einrichtungen und Gewerbetreibende finden keine bezahlbaren Räume. Zweitwohnungen und Ferienapartments verwandeln ganze Kieze in Geisterviertel.

Gleichzeitig erleben wir ein Totalversagen der Politik: Die Bundesregierung verschleppt verbesserten Mieter:innenschutz, eine neue Wohngemeinnützigkeit und die Neuregelung des Vorkaufsrechts. Währenddessen schafft der Berliner Senat die sozialen Verpflichtungen bei den Landeswohnungsunternehmen ab und blockiert die Enteignung der Immobilienkonzerne.

Am Samstag, den 1. Juni wollen wir gemeinsam unseren Protest auf der Straße zeigen. Wir wollen kurz vor der Europawahl deutlich machen, dass eine soziale Politik das beste Mittel gegen den Rechtsrutsch ist. Und wir wollen vor dem „Tag der Immobilienwirtschaft“ (der größten Lobbyveranstaltung der Immobilienbranche, die am 11. Juni 2024 im Tempodrom stattfindet) ein starkes Zeichen setzen:

  • Für eine radikale Wende in der Wohnungspolitik, die die Mieter:innen ins Zentrum stellen muss und NICHT die Interessen von Eigentümer:innen und Spekulanten.
  • Gegen Profite mit unserer Miete.
  • Für bezahlbaren Wohnraum für alle und einen bundesweiten Mietendeckel.
  • Für die Vergesellschaftung von Wohnraum und die Umsetzung des Volksentscheids „Deutsche Wohnen & Co enteignen“.
  • Gegen Indexmietverträge, Eigenbedarfskündigungen und die Zweckentfremdung von Wohnraum.
  • Gegen die Spekulation mit Boden in Stadt und Land.
  • Gegen rassistische Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt. Für ein solidarisches Miteinander. Für unbürokratische Anmeldungen für alle.
  • Für Sanierung statt Abriss. Für eine soziale Wärmewende, die nicht auf Kosten der Mieter:innen geht.
  • Für die Beendigung der Obdachlosigkeit. Gegen Zwangsräumungen.
  • Für bezahlbare Räume für Kleingewerbe und soziale Einrichtungen. Für Freiräume für Kultur und Kreativität in unserer Stadt.

Lasst uns am 1. Juni zu Tausenden aus allen Kiezen und Bezirken auf die Straße gehen und zeigen, dass wir stark und vielfältig sind.

Wohnraum ist keine Ware — sondern ein Menschenrecht

Die Vorbereitungen zur Mietendemo findet beim #Mietenwahnsinn-Plenum jeden Dienstag um 19 Uhr im Kiezanker 36 (Cuvrystr. 13/14, 10997 Berlin) statt.

Ort: Startpunkt der Demonstration am Potsdamer Platz
Uhrzeit: Die Auftaktkundgebung startet um 14 Uhr.

Alle direkten Infos des Bündnisses hier: https://www.mietenwahnsinn.info/aktuelles/

Kontakt mail@mietenwahnsinn.info

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