Atomkraft ist keine Lösung für die Klimakrise

Bild: Eingang zum Atomkraftwerk in Civaux, Frankreich. Foto: E48616 (CC-BY-SA 3.0 unported – cropped)

Statusbericht zur weltweiten Situation der Atomindustrie belegt: Es gibt weiterhin viele Gründe, die für einen weltweiten Ausstieg aus der Hochrisikotechnologie Atomkraft sprechen.

Die Krebscluster um die Atomanlagen im Regelbetrieb, das Störfallrisiko, die ungelöste Atommüllfrage, die Umweltzerstörung in den Uranabbaugebieten, Atomkraftwerke als Kriegsziel.

Dennoch formuliert die Atomlobby Erweiterungsphantasien, die jegliche Realität verleugnen. Die Atomstromproduktion soll bis 2050 verdreifacht werden, heisst es nun.

Der am 6.12.2023 erschienene Word Nuclear Industry Status Report 2023 macht deutlich, wie weit hier Wunsch und Wirklichkeit von einander abweichen. Erneut wird hier der globale Rückgang der Atomkraft dokumentiert. Das zweite Jahr in Folge ist die globale Atomstromproduktion mit 9,2 % unter die 10 %-Marke gesunken. Ein zukünftiger Anstieg ist nicht in Sicht.

Wie Realitätsfern das Ausbauziel der Atomlobby ist, merkt man, wenn man es einmal durchrechnet. Derzeit sind weltweit 412 Reaktoren im Betrieb. Es müssten also 824 zusätzliche gebaut werden. Von den derzeit laufenden Reaktoren sind 270 so alt, dass sie bis 2050 vom Netz gehen werden und ersetzt werden müssten. Das macht zusammen 1094 zusätzliche AKW.

Bei einer Bauzeit von 10 Jahren müssten die letzten 2040 in Bau gehen: 1094 Baustarts in 17 Jahren.

„Um bis 2050 den Atomstromanteil zu verdreifachen müssten jährlich 64 Atomkraftwerke in Bau gehen. 2023 starteten weltweit aber nur 4 Neubauprojekte. Alleine dieser Vergleich zeigt, wie realitätsfern die Ausbauziele der Atomlobby sind“ sagt Bernd Redecker vom Lüneburger Aktionsbündnis gegen Atom.

Besonders deutlich wird es, wenn man nach Frankreich schaut. Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung ist im Atomenergiemusterstaat die Atomstromproduktion seit 2005 stark gesunken. Das liegt vor allem an dem Alter der Reaktoren und den daraus resultierenden hohen Ausfallzeiten. Seit 2000 ist dort kein neues AKW ans Netz gegangen, 54 der 56 in Frankreich laufenden Reaktoren werden bis 2050 abgeschaltet.

2022 hat Macron medienwirksam angekündigt, dass er 6 neue AKW bauen will. Kurze Zeit später wurde bekannt, dass der Staatskonzern EDF damit rechnet, dass das erste dieser Sechs 2039 ans Netz gehen wird und das letzte nicht vor 2050. 54 abschalten und nur 6 bauen: Der Anteil an Atomstrom wird also selbst in Frankreich dramatisch sinken.

„Alles Gerede von einer Renaissance der Atomkraft ist reine Augenwischerei und dient nur dazu, vom tatsächlich Notwendigen abzulenken, ohne etwas für den Klimaschutz etwas zu bewirken. Was es stattdessen braucht, ist ein konsequentes Umdenken, das auf den Ausbau von Erneuerbaren setzt, vor allem aber auch auf Einsparungen, nicht nur im Energiebereich, sondern bei allen Ressourcen.“ sagt Jonas Korn vom KlimaKollektiv Lüneburg.

Hintergrund

Am 06.12.2023 ist der jährlich World Nuclear Industry Status Report erschienen. Hier als Download.

Das Lüneburger Aktionsbündnis gegen Atom wurde 2009 anlässlich der Menschenkette zwischen Brunsbüttel und Krümmel gegründet. Nach dem Abschalten der letzten AKW in Deutschland werfen wir einen kritischen Blick auf den Umgang mit den Folgen aus sechzig Jahren Atomstrom: denn der Atommüll wird uns noch über Generationen als Problem erhalten bleiben.

pm

Erstveröffentlicht im Untergrundblättle v. 22.12.23
https://www.untergrund-blättle.ch/gesellschaft/oekologie/statusbericht-zur-situation-der-atomindustrie-atomkraft-ist-keine-loesung-fuer-die-klimakrise-8114.html

Wir danken für das Publikationsrecht.

Energiewende und grüne Ausbeutung

Vortrags- und
Diskussionsreihe zur Klimadebatte und sozial-ökologischen Transformation.

Die 2. Veranstaltung unserer Reihe wird sich mit dem Thema des Grünen
Extraktivismus beschäftigen:

*Energiewende und grüne Ausbeutung*

Montag 18. Dezember 19.30 Uhr im Versammlungsraum im Mehringhof,
Gneisenaustr. 2, in Kreuzberg*

Hauptaugenmerk dabei ist die Darstellung der sozial-ökologischen Folgen für die lokale Bevölkerung in den Ländern des Südens. Der gerade von der Ampelkoalition so favorisierte grüne Wasserstoff aus Sonnen- und
Windenergie, als klimapolitisch sauberer Ausstieg aus der fossilen Energie, erweist sich als hoch- problematisch. Nicht von ungefähr
formiert sich in Ländern wie Kolumbien oder Chile Widerstand gegen die geplanten Milliardeninvestition .

XXIX. Internationale Rosa-Luxemburg Konferenz

Auch 2024 wieder. Die Junge Welt und ihre Unterstützer:innen laden ein:

Es wird die größte Konferenz, die wir je gemacht haben!“

Am 13. Januar 2024 findet die XXIX. Internationale Rosa-Luxemburg-Konferenz im Berliner Tempodrom statt !

hier geht es zur Seite des Veranstalters : Rosa-Luxemburg Konferenz 2024

Das Motto: “ Wessen Welt ist die Welt?

Vor dem Hintergrund von Weltwirtschaftskrise und Aufstieg der Nazis sowie wachsender Kriegsgefahr fragte der Dichter Bertolt Brecht vor rund 90 Jahren in seinem »Solidaritätslied«: »Vorwärts, und nie vergessen, und die Frage konkret gestellt, beim Hungern und beim Essen: Wessen Morgen ist der Morgen? Wessen Welt ist die Welt?«

Diese Fragestellung hat nichts von ihrer Aktualität verloren. Wir stellen daher die kommende, nunmehr XXIX. Internationale Rosa-Luxemburg-Konferenz am 13. Januar 2024 unter das Motto »Wem gehört die Welt?«. Damit spiegeln wir zum einen den fundamentalen Wandel in den globalen Kräfteverhältnissen wider, den Umbruch in den internationalen Beziehungen mit dem Aufstieg des globalen Südens – allen voran der Volksrepublik China als zweitgrößter Wirtschaftsmacht. Damit verbunden ist ein Hegemonieverlust, dem die bisherigen Herren der Welt, die US-geführten NATO-Staaten, mit verstärktem Militarismus, dem Anheizen von Kriegen und dem Ziehen der faschistischen Karte zu begegnen suchen. Bei der Beantwortung der Frage »Wem gehört die Welt?« wollen wir uns auch mit der Zukunft beschäftigen. Was geschieht auf und mit unserem Planeten, wenn sich die neoliberalen Kräfte weiter ungehindert durchsetzen können, mit allen zerstörerischen Folgen für Mensch und Umwelt? Was bedeutet es, wenn Ressourcen, die dringend für den Schutz des Klimas benötigt werden, statt dessen in Rüstung und Kriege fließen?

Mit unseren Referentinnen und Referenten aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa wollen wir erkunden, welche politischen Ansätze, welche gesellschaftlichen und ökonomischen Möglichkeiten, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse es gibt, um die dystopischen Entwicklungen noch zu stoppen, besser noch: umzukehren. Denn eine andere, auf Solidarität und Gerechtigkeit beruhende Welt ist nicht nur nötig, sie ist auch möglich. Dafür gilt es, die Systemfrage zu beantworten. Wir werden über Eigentumsverhältnisse sprechen müssen und über die Notwendigkeit anderer Produktionsverhältnisse zur Nutzung der Produktivkraftentwicklung im Interesse der Mehrheit statt für den Profit von wenigen. Oder wie es Rosa Luxemburg im Ersten Weltkrieg ebenso kurz wie prägnant formulierte: Es geht um die Entscheidung »Sozialismus oder Barbarei«. …..weiterlesen

Zu den Tickets: https://www.jungewelt.de/rlk/de/node/143.tickets.html
Zum Spendenbereich: https://www.jungewelt.de/rlk/de/node/6.spenden.html

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