„Nicht den Tod produzieren“ – Statement des „Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion“ zur Pressemitteilung der IG Metall vom 20.07.2026

Vor dem Hintergrund der massiven Proteste gegen die Gründung einer Waffenfabrik im Berliner Kiez Wedding hat die Ortsverwaltung der IG Metall Berlin eine Pressemitteilung unter dem Titel „Beschäftigte dürfen nicht zum Spielball der Rüstungsdebatte werden!“ veröffentlicht.

Ehe wir die Antwort des „Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion“ wiedergeben, ein paar Klarstellungen zu den Umständen.

Erstens. Keiner vom Bündnis hat sich gegen die Beschäftigten bei Pierburg gewendet oder vertreten, sie müßten wegen der Rüstungsproduktion ihren Job an den Nagel hängen. Zweitens. Die Delegiertenversammlung der IG Metall hat im September 2025 eine weitreichende friedenspolitische Entschliessung verabschiedet, die in der Praxis anschliessend kaum bis gar keine Beachtung fand. Publiziert wurde sie lediglich hier im Forum. Drittens. Beteiligung und Mitwirkung an den antimilitaristischen Protesten im Wedding wären eine riesige Gelegenheit, die Entschliessung der Delegiertenversammlung glaubwürdig umzusetzen. Leider geht die Verwaltung mit der Pressemitteilung hierzu auf Distanz. Sich anbahnende Kontakte wurden abgebrochen. Seitens des Bündnisses aber bleibt die Hand ausgestreckt. Viertens. Mit reiner Symbolpolitik werden weder die sozialen Angriffe noch die massive Militarisierung abgewendet. Fünftens: An den Protesten sind etliche IG Metall Aktivist:innen beteiligt (gezählt soviel wie bei der „Es reicht“ Kundgebung am 27.6. abzüglich Hauptamtlicher). Auch unter den sonstigen Demonstranten befinden sich zahlreiche Metall-Beschäftigte. Fünftens. „Es sind die Verhältnisse, die die Kolleg*innen zum Spielball machen, nicht eine bitter notwendige politische Auseinandersetzung über den Militarisierungskurs“.

Berlin 24.07.2026 , Statement des Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion zur PM der IG Metall vom 20.07.2026

Nicht den Tod produzieren

In unserem Bündnis sind alle Altersgruppen vertreten: Von Schüler*innen über lohnabhängig Beschäftigte bis hin zu Rentner*innen. Viele von uns sind Gewerkschaftsmitglieder. Wir stehen solidarisch an der Seite der Kolleg*innen bei Pierburg für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Die Sicherung der Existenz und Rechte aller Beschäftigten ist uns wichtig.

Aber es kann uns politisch nicht egal sein, ob die Produkte, die wir herstellen, gesellschaftlichen Nutzen bringen oder Tod und Zerstörung. Es kann uns nicht egal sein,dass Rheinmetall 2025 einen neuen Rekordgewinn von 1,84 Milliarden einfuhr, zu einem großen Teil aus unseren Steuergeldern. Es kann uns nicht egal sein, wenn ein militärisch-industrieller Komplex bald ein Drittel des Bundeshaushalts verschlingt und dafür die Bereiche Bildung, Soziales, Gesundheit, Kultur und Klimaschutz kaputtgespart werden. Es kann uns nicht egal sein, ob wir in Frieden leben oder zu einer Aufrüstungsspirale beitragen, die einen Krieg immer wahrscheinlicher macht. Einen Krieg, in dem wir anderen Menschen Tod und Zerstörung bringen sollen, in dem unsere Jugendlichen als Kanonenfutter herhalten sollen, in dem wir zur Zielscheibe werden.


Uns schmerzt es zu sehen, wenn IG Metall Verantwortliche sich mit dem Arbeitsplatzargument hinter dem beispiellosen Aufrüstungskurs der Bundesregierung verstecken und damit die Augen davor verschließen, womit diese Aufrüstung bezahlt wird: Mit einem Angriff auf fast alle sozialen, ökologischen und politischen Standards der arbeitenden Bevölkerung. Selbst hart erkämpfte gewerkschaftliche Errungenschaften wie der 8-Stunden-Tag oder die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall werden zur Disposition gestellt. Wer sich in der täglichen Praxis dazu ausschweigt undso tut, als hätten die Kürzungen und Angriffe nicht mit der Aufrüstung zu tun, ist blind für die Realität. Es ist traurig, wenn für Beschäftigte wie die von Pierburg keine alternativen Perspektiven entwickelt werden, als todbringende Munition zu produzieren. Sollen sie für den Rest ihres Erwerbslebens darauf angewiesen sein, dass auf der Welt immer irgendwo Krieg herrscht? Es sind diese Verhältnisse, die die Kolleg*innen zum Spielball machen, nicht eine bitter notwendige politische Auseinandersetzung über den Militarisierungskurs.

Durch Aufrüstung wird weder die Wirtschaft angekurbelt noch bringt sie in der Summe ein Mehr an Arbeitsplätzen. Gesellschaftliche Arbeitskraft wird vergeudet für Produkte, die weder positiven gesellschaftlichen Nutzen noch ökonomische Folgetätigkeiten mit weiteren Arbeitsplätzen bringen. Aus ökonomischen und sozialen Gründen ist es notwendig, sich entschieden für die Schaffung und den Erhalt von Arbeitsplätzen mit gesellschaftlich sinnvollen Produkten einzusetzen!

Von den Gewerkschaften muss zum Aufrüstungskurs ein klares politisches Nein kommen! Nichts bedroht die elementaren Interessen der arbeitenden Menschen mehr als der gegenwärtige Großmachtkurs von Kapital und Regierenden. Oder wollen die Gewerkschaften die Burgfriedenspolitik von 1914 wiederholen?

Wir werden als Bündnis unseren Kampf gegen Militarisierung und Krieg unbeirrt fortsetzen. Er steht in Übereinstimmung mit den grundlegenden Interessen aller Beschäftigten, auch in der Metallindustrie. Dieser Kampf muss konkret geführt werden, in Verbindung mit den aktuellen Protesten gegen die sozialen Angriffe durch Unternehmen und Staat. Vorbildlich hierzu die Initiativen der IG Metall Vertrauenskörper großer Autowerke wie zum Beispiel Mercedes Benz Stuttgart Untertürkheim oder Fordwerke Köln. Es reicht nicht, allgemeine Friedensstatements zu verfassen, die im Alltag in der Schublade verschwinden. Es reicht nicht, am 1. Mai oder 3. Oktober ein Friedenstransparent zu tragen. Aber es ist ein erster Schritt, den wir begrüßen!

Unsere Hand bleibt ausgestreckt gegenüber allen Beschäftigten und Gewerkschafter*innen. Wir planen weitere widerständige Aktionen gegen die Militarisierung in Berlin, auch Podien gegen Wehrpflicht und die gravierenden Auswirkungen der Aufrüstung auf die Arbeitswelt. Vertreter*innen der IG Metall, vor allem der IG Metall Jugend, sind herzlich dazu eingeladen!

Titelbild: „Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion“

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