Die Gewerkschaften ver.di, GEW und IG Bau rufen in Berlin und Brandenburg am 14. und 15. Januar 2026 zum Warnstreik auf. Der Aufruf richtet sich an Beschäftigte, die unter den Tarifvertrag der Länder fallen.
Am 14. Januar sind in Berlin die Schulen, Hochschulen, das Landeseinwanderungsamt, das Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheit, die Feuerwehr und die Kitas zum Streik aufgerufen. Am 15. Januar 2026 werden in Berlin die Beschäftigten aus Senatsverwaltung, Bezirksämtern, Kitas, Hochschulen und den forstwirtschaftlichen Betrieben des Landes aufgerufen. In Brandenburg rufen die Gewerkschaften die Beschäftigten der Hochschulen und der Landesbehörden zum Streik auf.
Kundgebungen an den Streiktagen
Den Warnstreik am 14. Januar 2026 begleitet eine gemeinsame Demonstration der Gewerkschaften. Sie startet gegen 09:00 Uhr am Dorothea-Schlegel-Platz und führt zum Roten Rathaus. Dort findet gegen 10:00 Uhr eine Abschlusskundgebung statt. Am 15. Januar 2026 kündigten die Gewerkschaften weitere Aktivitäten zur zweiten Verhandlungsrunde rund um den Verhandlungsort in Potsdam an.
Bei der ersten Verhandlungsrunde Anfang Dezember bezeichneten Vertreter der Länder die Forderungen der Gewerkschaften als „astronomisch“. Beschäftigte machten daraufhin beim folgenden Warnstreik auf die tatsächlich astronomischen Kriegskassen aufmerksam.
In Zeiten von sozialem Kahlschlag und Militarisierung
Am 3. Dezember 2025 haben die Verhandlungen zum Tarifvertrag der Länder begonnen. Der unrühmlichen Tradition folgend, legte die Arbeitgeberseite kein Angebot vor und verunglimpfte die Forderungen der Gewerkschaften als überzogen und unbezahlbar. Angesichts der Preissteigerungen und Ausgabenexzesse für die so genannte „Kriegstüchtigkeit“ der blanke Hohn.
Vom Tarifvertrag der Länder sind ungefähr 2,2 Millionen Beschäftigte betroffen, laut GEW die Hälfte davon im Bildungsbereich. Viele weitere Beschäftigungsverhältnisse, werden an den TV-L „angelehnt“. Es wird in vielen Sektoren also mit einer vergleichbaren Bezahlung wie im öffentlichen Dienst um Bewerber:innen gebuhlt. Der TV-L ist damit genau wie der TVÖD nach wie vor ein wichtiger Orientierungsrahmen für das Lohnniveau im Land. Es ist daher im Interesse aller Lohnabhängigen, dass die Verhandungen von den Gewerkschaften erfolgreich geführt werden. Die Argumentation es wäre kein Geld da, muss entschieden zurück gewiesen werden. Es ist niemandem mehr zu vermitteln, dass über Nacht unbegrenzt Geld für Aufrüstung locker gemacht werden kann, während die öffentliche Daseinsvorsorge seit Jahrzehnten kaputt gespart wird. Die Beschäftigten sollten auf diese Widersprüche mit eigenen Plakaten und Transparenten aufmerksam machen und die Tarifrunde in den politischen Kontext setzen, in dem sie ganz offensichtlich statt findet.
Bilder: GEW Friedrichshain-Kreuzberg
„Die Arbeitgeber sind der Meinung, dass sie die Haushalte der Länder auf unserem Rücken sanieren können. Uns ist klar: Gute Tarifergebnisse fallen nicht vom Himmel, sondern werden auf der Straße erkämpft. Es liegt an uns, ein kräftiges Signal zu senden, damit sich die Arbeitgeber bewegen und ein Angebot vorlegen. Zusammen sind wir laut und sichtbar!“
Gökhan Akgün (Vorsitzender der GEW Berlin)
Mobilisierung der Gewerkschaften in den Sozialen Medien
Die GEW Berlin hat am 9. Dezember elf Kreuzberger Schulen zu einem ersten Warnstreik aufgerufen. Bereits am 4. Dezember hatte Ver.di zu ersten Arbeitsstreiks aufgerufen. Am Donnerstag 18. Dezember 2025 findet der erste gemeinsame Streiktag der DGB Gewerkschaften in Berlin statt, im Januar und Februar ist mit weiteren Streiks zu rechnen.
Die Gewerkschaften müssen endlich die ritualisierten Verhandlungsrunden hinter sich lassen und offensiv und geeint in die Mobilisierung gehen. Vor allem GEW und Ver.di müssen ihre Kräfte besser bündeln und ohne Konkurrenzgedanke auf Augenhöhe zusammen arbeiten. Von Spaltung profitieren nur die Arbeitgeber! Ziel kann – neben einer gemeinsamen Laufzeit mit dem TVÖD – nur ein Abschluss sein, der zumindest die Reallohnverluste aus der Vergangenheit klar kompensiert. Dafür muss ein Erzwingungsstreik als Option auf dem Tisch liegen.
Weitere Informationen zur Tarifrunde der Länder finden sich unter:
In Berlin haben sich am Freitag tausende Schüler:innen am bundesweiten Schulstreik gegen die Wehrpflicht beteiligt. Ab 12 Uhr versammelten sich nach Angaben beteiligter Gruppen in der Spitze bis zu 10.000 Streikende. Vom Halleschen Tor ging es weiter zum Oranienplatz. Dort schlossen sich ab 16 Uhr auch zunehmend solidarische Erwachsene an; unter ihnen viele Gewerkschafter:innen.
Vom Oranienplatz ging es, nach einer etwas langen Zwischenversammlung, weiter Richtung Neukölln. Der Demozug wurde vom harten Kern der Schüler:innen angeführt, denen die Kälte nichts anzuhaben schien. Durchgehend von klassenkämpferischen Parolen begleitet, ging es am Kottbusser Tor vorbei. Vom Dach des „Zentrum Kreuzberg“ wurde die Demo mit einem Bannerdrop begrüßt. Wer in den dunklen Nachthimmel über sich schaute, erkannte in großen Lettern: „Nein zur Wehrpflicht“ über der Straße, während unten die passenden Sprechchöre angestimmt wurden. Einige Passant:innen signalisierten ihre Zustimmung, andere spähten interessiert nach den Plakaten. Am Hermannplatz gab es eine weitere Verzögerung und die Demo schmolz nun wirklich auf den harten Kern, der am Ende eines langen Streiktages erfolgreich das Rathaus Neukölln erreichte.
Auf der Nachmittagsdemo bildete sich ein Gewerkschaftsblock. Mitglieder von junge GEW, GEW und Arbeitskreis Internationalismus liefen gemeinsam in der Demo und zeigten ihre Solidarität mit den Schüler:innen.
Schüler:innen sprechen Klartext
SPD-Minister Pistorius nahm laut ARD „in seiner Bundestagsrede keinen Anstoß an den Streiks“ und bezeichnete diese als „großartig“, weil die Streiks neben „dem Interesse und Engagement der Schülerinnen und Schüler“ zeige, dass sie wüssten, „worum es geht“. Dem kann man insofern zustimmen, dass die Schüler:innen in diversen Interviews tatsächlich sehr gute Analysefähigkeiten bewiesen haben. Immer wieder stellten sie klar, dass sie die Bedrohungslage als herbeigeredet empfinden. Damit lassen sie mehr Klarsicht erkennen, als viele Kommentator:innen unter den Beiträgen der großen Medienhäuser. Deren Zuschauer:innen scheinen teilweise voll und ganz auf die Erzählungen der Regierung einzusteigen.
Die streikenden Schüler:innen wiesen außerdem darauf hin, dass sie sich überhaupt nicht in irgendeiner „moralischen Pflicht“ sehen, ein Land „zu verteidigen“, das nichts für sie bereit hält außer Enttäuschungen und sozialer Ungerechtigkeit. Nach tendenziöser Rückfrage machte der 12-jährige Carl im Interview mit dem RBB klar, dass Leute wie Friedrich Merz gerne selbst die Aufgabe der Landesverteidigung übernehmen sollen.
Die Auseinandersetzung hat gerade erst begonnen. Noch betonen regierende Sozialdemokraten, wie willkommen ihnen die demokratischen Proteste seien. Doch das Süßholzraspeln von Pistorius und SPD dürfte angesichts des scharf eingeschlagenen Kriegskurses kaum verfangen. Ebensowenig wie die Flucht in die Rüstungsproduktion Beschäftigung und Lebensstandard sichern werden, sondern unter dem Strich zur Bedrohung von uns allen werden. Der Wind wird also wohl schon bald sehr viel rauer werden. Dann kommt es auf die Basis der Gewerkschaften an. Die sollte schon jetzt ihre Führungen in die Pflicht nehmen. Der DGB muss sich endlich klar und kompromisslos an die Seite der Lohnabhängigen stellen und den Realitäten ins Auge blicken. Mit dieser Regierung und mit dieser SPD gibt es keine Augenhöhe. Nur Streiks werden etwas bewirken. Massenaktionen der Arbeiter:innen können bei den Kapitalisten, die immer offener eine AfD Regierungsbeteiligung vorantreiben, zu einem Umdenken führen. Wenn die deutschen Gewerkschaften sich nicht endlich entschieden auf Generalstreiks vorbereiten, laufen sie Gefahr damit wieder einmal zu spät zu kommen.
Bilder: Konstantin Kieser
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