Der Präsident und sein Recht

Mit höchstrichterlichem Segen führt Trump die USA in eine autoritäre Zukunft

Von Max Böhnel

Die sich hinter dem NATO-Schutzschild versammelnde Medienwelt ist längst einig, dass „Putin“ die Inkarnation autokratischer Barbarei verkörpert. Freund-Feind-Propaganda benötigt die Personifizierung und Vereinfachung politischer Verantwortlichkeiten. Schließlich ist er der Häuptling des neuen zu bekriegenden „Reich des Bösen“. Etwas verunsichert und irritiert nähert sie sich der Person, die in den vorbereiteten Kriegen den Oberbefehlshaber „der Guten“ stellt und in dessen Anhängigkeit man sich gibt. Dieser Mann wird die Macht haben die entscheidenden Knöpfe zu drücken, die über Leben und Tod von Millionen entscheiden. Eine makabre Vorstellung. Sie zeigt: Die Vormacht des „wertegeleiteten Westens“ symbolisiert keine menschenfreundliche schöne Landschaft mehr, deren Zierde eine lebendige Demokratie ist, sondern nur noch eine makabre Karikatur derselben. (Jochen Gester)

Erst ein Achtel seiner Amtsperiode hat Donald Trump hinter sich. Doch hat der US-Präsident bereits zahlreiche seiner innenpolitischen Wahlversprechen eingelöst: Migrant*innen werden in Massen abgeschoben, Reiche erhalten Steuererleichterungen, der Staatsapparat wird verkleinert und von »linken« Ideen gesäubert. In Umfragen allerdings schneiden der Präsident und seine ihm treue Republikaner-Partei schlecht ab, die Zustimmungswerte fallen rasant. Doch hat Trump sich längst unabhängig von der öffentlichen Meinung gemacht. Denn er hat seine ersten Monate dazu genutzt, große Teile der Medien, des Justiz- und Verwaltungsapparats auf Linie zu bringen.

Die Umfragen so ziemlich aller Meinungsforschungsinstitute kommen zu einem eindeutigen Ergebnis: »disapprove« (ablehnend) und »wrong track« (auf dem Irrweg) lautet das Resumée der Bevölkerung, wenn sie gefragt wird nach der Regierungspolitik und der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung der USA. Trump und seine Politik erhalten dabei »disapprove«-Werte von 55 bis 60 Prozent, der republikanisch dominierte Kongress fällt noch weiter ab. Der Präsident verfolge »eine Agenda aus Sabotage, Plünderung und Verrat«, schreibt das progressiv-liberalen Magazin »The New Republic«.

Allerdings ist zweifelhaft, ob sich aus der öffentlichen Meinung aussagekräftige Prognosen über die Zukunft des Landes ableiten lassen – schließlich nimmt der Autoritarismus in den USA zu. Dabei erhält Trumps Exekutive Rückendeckung von der Judikative. Jüngstes Beispiel ist eine Entscheidung des obersten Gerichts, des Supreme Court. Die Mehrheit der sechs konservativ bis rechtsextrem tendierenden Richter entschied Anfang dieser Woche, dass die Trump-Regierung mit der Auflösung des Bundesbildungsministeriums fortfahren könne. Das Gericht machte dadurch den Weg frei für umfangreiche Entlassungen, die ein Bundesrichter bislang blockiert hatte. Die Entscheidung stützt die Strategie der Trump-Regierung, Bundesbehörden nach ihren Wünschen umzustrukturieren – unter Umgehung des Parlaments.

Seit sechs Monaten regiert Trump mit Dekreten, Drohungen und Einschüchterung.

Auch der Einsatz des Militärs gegen Proteste in Los Angeles erfolgt nun mit richterlicher Zustimmung. Dort wehren sich immer mehr Menschen gegen die harte Abschiebepraxis der Regierung. Infolge der Proteste hatte Trump den Einsatz von 4100 Nationalgardisten und 700 Marines angeordnet, die dort aufmarschierten – gegen den Widerstand von Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom und Bürgermeisterin Karen Bass. Sie verurteilten den Einsatz als rechtswidrig, ebenso wie Bundesrichter Charles Breyer, der Trumps Machtanspruch scharf kritisierte. Doch ein Berufungsgericht mit zwei von Trump ernannten Richtern entschied kurz darauf: Der Präsident darf ohne Zustimmung des Gouverneurs Truppen entsenden, und Gerichte hätten darüber nicht zu urteilen. Desweiteren billigte der Supreme Court in einem Urteil Trumps Vorgehen gegen das Geburtsortsprinzip, laut dem alle Personen, die auf US-amerikanischem Boden geboren werden, automatisch US-amerikanische Staatsbürger sind, unabhängig vom Aufenthaltsstatus ihrer Eltern. Einstweilige Verfügungen gegen Trumps Anordnung schränkte das oberste Gericht ein.

Die richterliche Rückendeckung ermöglicht damit »die Ausweitung der präsidentiellen Macht – zugunsten eines Präsidenten, der ohnehin eine maximalistische Auffassung von Exekutivmacht hat«, so das Online-Magazin »Politico«. Gestützt wird diese Macht auf ein weiteres folgenreiches Urteil des Supreme Court vom Sommer vergangenen Jahres. Es sichert dem Präsidenten weitgehende Immunität für amtliche Handlungen zu.

Unterhalb der Entscheidungen des Supreme Court regiert Trump seit sechs Monaten mithilfe von Dekreten, Drohungen und Einschüchterung. Bis dato handelt es sich um 170 präsidentielle Verfügungen, die meisten davon hatte er in den ersten Wochen nach seiner Amtsübernahme unterzeichnet. Sie waren während der vier Biden-Jahre systematisch vom rechten Thinktank Heritage Foundation entworfen worden und kulminierten im „Project 2025“. Sein Ziel: die politische Opposition mit einer Welle von Maßnahmen zu überrumpeln und den Staatsapparat autoritär umzubauen.

Die Strategie hat Erfolg: Anwaltskanzleien und etliche Universitäten beugen sich mit wenigen Ausnahmen den Forderungen der Regierung. Auch immer mehr Medienkonzerne knicken vor Trump und den Republikanern ein. Mit Zahlungen von Millionen von Dollars versuchen die Konglomerate, Trumps Einschüchterungen und Klagen zuvor- oder entgegenzukommen – etwa der Sender CBS, der dem Entertainmentkonzern Paramount gehört, oder der Sender ABC des Disney-Konzerns. Schon im Wahlkampf hatten sich die »Washington Post« – Eigentümer ist Amazon-Chef Jeff Bezos – und die »Los Angeles Times« in vorbeugendem Gehorsam geübt, indem sie auf die sonst üblichen Wahlempfehlungen verzichteten. Nach wie vor diffamiert Trump ihm nicht genehme Medien als »Volksfeinde«. Im Visier der US-Regierung und ihrer Zuträger im Kongress stehen die halb-öffentlichen Rundfunk- und Fernsehprogramme NPR und PBS, denen die staatlichen Zuschüsse entzogen werden sollen.

Trumps Dekreten und Drohungen folgte am 4. Juli das folgenreichste Gesetzespaket seit Jahrzehnten: der Staatshaushalt, genannt »One Big Beautiful Bill Act« (OBBBA), mit dem Trump die staatlichen Gelder dorthin lenkt, wo er sie haben will. Zustande kam der Haushalt ohne Anhörungen von Experten und unter massivem Druck von Trump auf die Republikaner-Partei. OBBA spiegelt die innenpolitische Agenda der radikalen Rechten wider: militärische Aufrüstung und der Ausbau der Zoll- und Immigrationsbehörde zur mit Abstand größten Bundespolizei der USA. Dazu kommen dauerhafte Steuererleichterungen für die Reichsten und drastische Sozialkürzungen für die Armen. So ein Programm lässt sich tatsächlich nur autoritär durchsetzen.

Erstpubliziert im nd v. 18.7. 2025
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1192684.halbes-jahr-trump-handelskrieg-trumps-lektionen.html?sstr=Der|Pr%C3%A4sident|und|sein|Recht

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Erik Helgeson behält Job

Schwedische Hafenarbeitergewerkschaft kämpft vor Gericht

Von Peter Steininger

Bild: Against the Current. Eric Helgeson – Vizepräsident der schwedischen Hafenarbeitergewerkschaft.

In einem vorläufigen Beschluss hat das Arbeitsgericht festgestellt, dass die im Februar ausgesprochene Kündigung des stellvertretenden Vorsitzenden der unabhängigen Gewerkschaft Svenska Hamnarbetarförbundet unwirksam ist. Das Unternehmen Göteborg Roro Terminals (GRT) habe Erik Helgeson, der seit zwei Jahrzehnten im Hafen der westschwedischen Stadt arbeitete, entlassen, ohne einen sachlichen Grund dafür ausreichend belegen zu können. Helgeson waren geschäftsschädigende Illoyalität und Verstoß gegen das Sicherheitsschutzgesetz vorgeworfen worden. Der Gewerkschafter hatte zuvor zu einer Blockade der Lieferungen von Kriegsmaterial auf dem Seeweg aus Schweden an Israel aufgerufen.

Seine Organisation, die sich 1972 als klassenkämpferische Alternative zur Transport-Sparte des Gewerkschaftsbundes LO gebildet hatte, sieht seinen Rausschmiss unter Hinweis auf Gründe der nationalen Sicherheit als politisch motivierten Akt der Einschüchterung und Angriff auf Gewerkschaftsrechte an. Mit dem Ziel, Helgesons Weiterbeschäftigung durchzusetzen, hatte die Gewerkschaft gegen GRT und den Verband der Hafeneigner Sveriges Hamnar Klage eingereicht.

Das Fortbestehen des Arbeitsverhältnisses mit Helgeson sei für die Aktivitäten seiner Gewerkschaft bedeutsam, wird in der Entscheidung von Freitag betont. Damit behält Helgeson bis auf Weiteres seinen Job und sein Einkommen. Es ist nur ein Teilerfolg, denn Arbeit hat er damit nur auf dem Papier. Den Zugang zu seinem Arbeitsplatz im Göteborger Hafen darf ihm Roro Terminals weiterhin verweigern. Ein endgültiges Urteil wird erst Anfang kommenden Jahres erwartet.

Erstveröffentlicht im nd v. 15.7. 2025
https://www.nd-aktuell.de/artikel/1192625.gewerkschaftsrechte-erik-helgeson-behaelt-job.html?sstr=helgeson

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Israels Krieg gegen Iran: Ein Lehrstück in Sachen Verteidigungsbereitschaft

Kein Staat verzichtet auf die Feststellung, dass er sich verteidigt, auch wenn er angreift. Hier eine Klarstellung zu den Legitimationen von Aufrüstung und Kriegsbereitschaft.

Von Suitbert Cechura

Bild: Wikimedia. Israel bombadiert den Iran.

Das grenzenlose Aufrüstungsprogramm der Bundesregierung hat Bundeskanzler Friedrich Merz mit den Worten begründet: „Wir müssen uns verteidigen können, damit wir uns nicht verteidigen müssen.“ (https://www.tagesschau.de/inland/bundeskanzler-merz-erste-regierungserklaerung-100.html)

Verteidigungsbereitschaft bzw. -fähigkeit gilt ja – bis in die Kreise der arg gescholtenen „Manifest“-Autoren aus der SPD – als realpolitisch gebotenes und moralisch einwandfreies Unterfangen, ja geradezu als Gütesiegel demokratischer Herrschaften im Unterschied zu ihren autokratischen Kontrahenten.

Israel hat nun gezeigt, was es heißt, sich zu verteidigen. Es hat den Iran angegriffen – zu seiner eigenen Verteidigung, wie die gängige Rechtfertigung lautet. Menschen, die gewohnt sind, in moralischen Kategorien zu denken und zu urteilen, müssten jetzt eigentlich umdenken. Zudem könnten sie hier einige Aufklärung darüber erhalten, was das Versprechen des Kanzlers bedeutet, die Vorbereitung eines Verteidigungskrieges garantiere die Sicherheit der Bürger.

Angriff ist die beste Verteidigung

Nach den Worten des Kanzlers soll die Rüstung immer nur dazu dienen, sich vor einem Angriff zu schützen. Alles nach dem Motto: Je mehr Rüstungsüberlegenheit, desto sicherer. Nun hat Iran Israel nicht angegriffen, sondern umgekehrt; zudem ist der „Judenstaat“ dem „Mullah-Regime“, was die Rüstung betrifft, in jeder Hinsicht überlegen. Von daher hätte es nach der Abschreckungslogik – moralisch und realpolitisch betrachtet – keinen Krieg geben dürfen. Israel musste sich nicht gegen einen Angriff verteidigen und es ist Atommacht mit einem ansehnlichen Bombenpotenzial. Einen Krieg verhindert hat dies aber nicht.

Um zu belegen, dass Israel nicht einfach ein ins moralische Abseits zu rückender Aggressor ist, wie es in einschlägigen Fällen sonst heißt, sondern sich gegen einen Feind verteidigt, wird auf die Achse des Widerstands – oder wie uns die Leitmedien vermelden – die Achse des Bösen verwiesen. Diese habe Israel bedroht, so dass sich das Land verteidigen musste, um einem Angriff zuvorzukommen. Entscheidender Beleg, zumindest für die deutsche Öffentlichkeit und für die US-Regierung: Die israelische Regierung bekundet seit Jahren, dass sie sich vom iranischen Regime bedroht fühlt!

Dies ist eine Logik, die sonst natürlich nicht gilt. Wenn die NATO eine Achse der Bedrohung vom Schwarzen Meer bis zum Baltikum gegenüber Russland schafft, darf sich in Moskau keiner mit Bedrohungsgefühlen zu Wort melden, geschweige denn versuchen, die Einkreisung durch das mächtigste und aggressivste Militärbündnis der Welt mit einem Angriff auf die Ukraine zu kontern. Dass Russland das als militärische Verteidigung seiner Interessen versteht, findet man im Westen einfach nur absurd.

Angegriffen wurde Israel 2023 von der Hamas in der Erwartung, dass auch andere Akteure der Achse des Widerstands den Kampf gegen den israelischen Staat (und dessen Verhinderung einer palästinensischen Staatsgründung) aufnehmen würden. Die Militärmaschinerie Israels, unterstützt von den USA, die mit ihren Kriegsschiffen und anderen Drohungen Präsenz zeigten, bewegten jedoch die anderen Akteure weitgehend zum Stillhalten. Insofern hat die Abschreckung gewirkt, aber sie hat den Frieden nicht gesichert.

Israel hat mittlerweile den Gaza-Streifen von der Versorgung mit Nahrungsmitteln und Medikamenten abgeschnitten und so seine Vernichtungsabsicht gegenüber den Palästinensern bekundet. Es hat neben der Bombardierung des Gaza-Streifens seine Vertreibungsaktionen im Westjordan-Land verstärkt, den Libanon angegriffen, Teile Syriens besetzt und schließlich den Iran in einem Blitzkrieg bombardiert. Hunderte Zivilpersonen kamen dabei ums Leben, auch durch gezielte Angriffe auf Atomwissenschaftler oder auf ein Gefängnis. Die Zahlen bewegen sich also in derselben Dimension wie bei den Hamas-Massakern vom 7. Oktober 2023, die für einen weltweiten Aufschrei sorgten.

Einen solchen Aufschrei gab es in der Öffentlichkeit der „wertebasierten“ Weltordnung dieses Mal nicht! Und lehrreich ist der Fall gerade auch im Blick auf die hochgepriesene Verteidigungsfähigkeit: Hochrüstung sichert offenbar nicht den Frieden, sondern wirft vielmehr die Frage auf, wer die hochgerüsteten Regierungen davon abschreckt, im Gefühl der Überlegenheit ganz autonom einen Krieg zu beginnen. Schließlich sind die führenden Militärmächte Israel und USA von sich aus auf den Iran losgegangen.

Verhindert werden sollte mit dem 12-Tage-Krieg, dass der Iran zu einer Atommacht wird – so die offizielle Begründung. Denn mit dem Besitz von Atombomben (oder schon der Potenz zu ihrer Herstellung) würde das Land eine Bedrohung nicht nur für Israel, sondern für die gesamte westliche „Friedensordnung“. Das sagen ausgerechnet die Atommächte Israel und USA! Damit steht die Welt endgültig auf dem Kopf. Nicht die Mächte, die bereits über Atomwaffen verfügen, bedrohen damit den Rest der Welt; die Gefahr soll vielmehr von denen ausgehen, die diese Waffe noch nicht haben.

Eigentlich müsste man nach dieser Logik auch vor Deutschland warnen, reden doch inzwischen Regierungsmitglieder ganz offen davon (zuletzt Unionsfraktionschef Spahn), dass „wir“ über diese Waffe verfügen müssen. Die entsprechende nukleare Technologie ist in der BRD ja bereits vorhanden. Ein Kriegsgrund? Lachhaft! Hier geht es um Verteidigungsfähigkeit! Offenbar gibt es eben Mächte wie die USA, Europa und Israel, die sich „der Westen“ nennen und die darüber bestimmen, was andere Nationen dürfen und was nicht. Wer sich dem nicht fügt, muss mit kriegerischen Konsequenzen rechnen, denn so offensiv verteidigen die Militärmächte des Westens ihre Vorherrschaft gegenüber anderen, die sich dagegen behaupten wollen.

Israel verteidigt seine Bürger

So viel zur angeblich alles entscheidenden Frage, wer im Krieg angreift und wer sich verteidigt. Aber auch zum angeblichen Verteidigungshöchstwert – die Sicherheit der Bürger soll leitendes Prinzip sein – bietet der aktuelle Kriegsfall bemerkenswerte Aufklärung. Die Rüstung, die Staaten betreiben und im Ernstfall scharf machen, soll wie in Israel und überall auf der Welt der Verteidigung der eigenen Bürger dienen. Nur hat gerade der Verteidigungskrieg Israels seine Bürger in Gefahr gebracht. Ihre Freiheit und Freizügigkeit wurden eingeschränkt, es gab Zensur bezüglich der Schädigungen durch die iranischen Raketen und die Menschen fanden sich in Bunkern oder U-Bahn-Stationen wieder, um sich vor den Reaktionen Irans zu schützen – sofern sie nicht zur arabischen Minderheit im Lande gehörten, bei der es aus irgendwelchen Gründen kaum Schutzräume gibt. Nicht wenige Wohnungen wurden zerstört und der Alltag ist inzwischen weitgehend durchs Militär bestimmt.

Und das alles soll zum Besten der Bürger geschehen sein? Um ihre Freiheit und ihre Sicherheit kann es in diesem Krieg wohl nicht gegangen sein. Die Freiheit lag ganz auf Seiten der Regierung; sie war frei in ihrem Urteil, was sie als Bedrohung betrachten will, wann sie die Verteidigungssituation als gegeben ansieht und bereit ist, Schäden im eigenen Land und bei den Bewohnern in Kauf zu nehmen, um staatliche Konkurrenten und Gegner in die Schranken zu verweisen. Die Sicherheit besteht eben darin, dass die eigenen staatlichen Interessen sich Geltung verschaffen gegenüber anderen Staaten. Dafür sind die Bürger das Material – als Produzenten von Reichtum und Nachwuchs im Normalfall und als Soldaten im Fall des Falles.

Das gleiche Verhältnis haben übrigens auch deutsche Politiker, die gerade die Hochrüstung als Sicherheit verkaufen, zu ihren Wählern und Bürgern. Sie haben ja im Fall Israel die Identität ihrer Staatsräson mit der dortigen Gewaltbereitschaft verkündet! Wer darüber erschrickt, sollte also damit aufhören, die Regierenden um Augenmaß bei ihrer Aufrüstung zu bitten, wie es die eingangs erwähnten SPD-Dissidenten getan haben. Er oder sie sollte sich lieber denen anschließen, die dazu „Nein“ sagen.

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Der Autor: Suitbert Cechura ist Hochschullehrer für Sozialmedizin im Ruhesstand

Wir danken für das Publikationsrecht.

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