Neues Buch zu „Organizing“

Über die Leerstelle von „Anger“ und „Action“

„Schon der Titel lässt es erahnen: Der Frankfurter Gewerkschafts-Organizer, Theoretiker und Autor Slave Cubela lässt in seinem Buch »Anger, Hope – Action? Organizing und soziale Kämpfe im Zeitalter des Zorns« viel Platz für Emotionen und auch (Selbst-)Zweifel. Be­merkenswert, wenn man bedenkt, dass die hiesige Organizer-Szene sich in der vergan­genen Dekade eher für Antworten denn für noch mehr Fragen zu gewerkschaftlichen Heraus­forderungen interessierte.

Einleitend fragt sich Cubela anhand verschiedener zeithistorischer Momente, beispiels­weise von kollektiven Ausgrenzungserfahrungen in den französischen Vorstädten schon vor 30 Jahren, warum solche Erfahrungen zwar immer wieder zu Riots, aber nicht zu konsequenten größeren gesellschaftlichen Konfrontationen geführt haben. Mit anderen Worten also, warum Anger nicht konsequenterweise zu Action führt (daher das kritisch aufdringliche Fragezeichen im Titel), während die reine Organizing-Schule aber genau mit diesem politischen Dreisatz zur Mobilisierung der betrieblichen Massen rät: Also Anger ausmachen, Hope vermitteln und Action umsetzen. Cubela, selbst erfahrener und immens talentierter Organizer, verweist an diesem Punkt auf eine »wiederkehrende Leerstelle«, die er beobachtet. Zu dieser »Leerstelle« zwischen Anger und Action findet er in der gesamten, mittlerweile selbst im deutschsprachigen Raum recht vielfältigen Publikationswelt keine passende Antwort. …
Gleichwohl ist Slave Cubela nicht ohne jede Hoffnung. Deutlich wird dies, wenn er für eine »klassenbasierte linke Gegen-Öffentlichkeit« wirbt, um einen adäquaten Umgang mit dem international grassierenden Populismus zu finden. Diesen sieht er in einer Medien- und somit auch Gesellschaftsanalyse und -kritik, die sich nicht permanent um die eigene, oftmals bürgerliche Selbstpositionierung dreht und damit Minderheiten ausgrenzt, sondern deren Perspektiven aufnimmt. Eine andere Welt ist also möglich.“

(aus einer Rezension von Jonas Berhe im „express“- Zeitung für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit)

Erschienen im Verlag DIE BUCHMACHEREI, 236 Seiten, 14,00 €
https://diebuchmacherei.de/produkt/anger-hope-action/

Demonstration der Schwäne in Berlin

Ausschnitt Auftaktkundgebung

Beobachter der Beobachter News beobachten und fotografieren einzigartige Demo in Berlin Kreuzberg

Vor der Demo war Kundgebung und nach der Demo war Kundgebung. Auftakt und auch Endtakt mit ausdrucksstarken Schweigeminuten fanden hinter der Brücke am Kottbusser Damm zwischen dem berüchtigten Kottbusser Tor und der U Bahn Haltestelle Schönleinstraße statt. Dazwischen glitten die Teilnehmer beinahe lautlos durch den Landwehrkanal am Maybachufer entlang und wieder zurück. Der Demonstrationszug bewegte sich in besonderer Weise friedlich und diszipliniert, aber in einer für die gesellschaftlichen Eliten beeindruckenden geschlossenen , nachhaltigen Formation, wie man es traditioneller Weise von der organisierten Arbeiterschaft kennt.

Ausschnitt Abschlusskundgebung

Um was es ging war nicht genau zu ermitteln. Experten vermuten, dass es sich wegen der vielen weißen Federn und Flaggen , des leichten dahin Gleitens, des beredten Schweigens ohne mobbendes Gegröle mit höchster Wahrscheinlichkeit um das Eintreten für Offenheit, Toleranz und Frieden in der Gesellschaft handeln muss. Hoffnungsvoll auch die hohe Teilnahme von Jungtieren, an der kleineren Statur und dem grauen Gefieder erkennbar. Ob sich dieses Gefieder in das Weiß der Eltern verwandeln wird oder ein weiterer Schwarzer Block daraus in Kreuzberg entsteht, wird sich anhand der weiteren gesellschaftlichen  Entwicklung und Polarisierung in naher Zukunft entscheiden. Polizei war weit und breit nicht zu sehen. Auch Uncover V Männer dürften sich aus Mangel an gefiedertem Personal noch nicht unter die Demonstranten gemischt haben.

Auf alle Fälle können wir als Fazit ziehen: Wenn schon die Schwäne in Berlin Kreuzberg zu demonstrieren beginnen, kann das uns alle für 2017 nur hoffen lassen.

Es ist ein ermutigenden Signal, dass sich mehr und mehr Lebewesen und gesellschaftliche Gruppen dem Protest gegen die Entsolidarisierung, gegen Diskriminierung und für Toleranz und Frieden anzuschließen beginnen.

Und hoffentlich nicht nur Träume. Rassisten, Nationalisten, Populisten und Marktradikale dürfen nicht die Oberhand gewinnen. Werden sie auch nicht. Wenn wir nur alle  daran aktiv arbeiten, die tatsächlichen Ursachen anzugehen.

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