Usbekistans Baumwollindustrie erlangte traurige Bekanntheit durch die wesentlich von
ihr verursachte Austrocknung des Aralsees. Auch die Produktionsbedingungen sind
problematisch. Landwirte sind verpflichtet, auf vom Staat gepachteten Land
Baumwolle anzubauen, für die sie zu überhöhten Preisen Saatgut vom Staat kaufen und
die Ernte zu künstlich niedrigen Preisen an staatliche Unternehmen verkaufen müssen.
UsbekInnen aller Berufe (Ärzte, Lehrer, Steuerbeamte) gehen aus Angst vor Verlust des
Arbeitsplatzes zur Baumwollernte – zu absurd niedrigen Löhnen.
Selten bekommen FilmemacherInnen Zugang zu Baumwollfeldern. Mikhail Borodin
begleitet Menschenrechtsaktivistin Elena und Bäuerin Mukhabbat.
Letztere hat vom Staat Land gepachtet und muss, trotz Wasserknappheit, jedes Jahr
eine festgelegte Menge Baumwolle abliefern. Das lässt sie oft verschuldet zurück. Um
über die Runden zu kommen, arbeitet sie selbst auf dem Feld, zusammen mit
LohnarbeiterInnen.
Elena ist eine bekannte usbekische Menschenrechtsaktivistin. Trotz ständiger
polizeilicher Überwachung begibt sie sich jedes Jahr auf den Kreuzzug gegen
Zwangsarbeit. Sie verfasst Hunderte von Beschwerden und Appellen, dokumentiert
Missbrauch und bringt Menschen dazu, die Arbeit unter unwürdigen Bedingungen zu
verweigern.
Der Film erzählt parallel vom Schicksal zweier sehr unterschiedlicher Frauen.
Mukhabbat hält sich an die Regeln, Elena stellt sich gegen das System. Die erste
verkörpert Würde und Gelassenheit, die zweite Wut und Leidenschaft. Beide
versuchen auf je eigene Art, den Kreislauf von Ungerechtigkeit und Armut z
8. 0. Kultur
Buch „Markt zerfrisst Gesundheitswesen!“
Klaus Dallmer interviewt Aktivist:innen und gewerkschaftliche Repräsentant:innen
Zum Weiterbohren empfohlen
»Wer die hier versammelten Interviews liest, wird verstehen, wo der Sachverstand des Gesundheitswesens wirklich sitzt.« (S. 5) So eröffnet Klaus Dallmer seinen Gesprächsband »Markt zerfrisst Gesundheitswesen! Stimmen aus einem zornigen Bereich«, erschienen im Verlag Die Buchmacherei. Was von ihm als Kompliment an seine 17 GesprächspartnerInnen ebenso gedacht ist wie als Spitze gegen abgehobenes Expertentum, kann auch als treffendes Urteil über sein Buch gelten. Dallmer hat im Juni und Juli dieses Jahres mit Leuten geredet, die sich für einen Systemwechsel in Krankenhäusern, Psychiatrien und Altenpflege engagieren: Weg vom Primat der Gewinn- und Verlustrechnungen, hin zu einem Gesundheitswesen, dass als unerlässlicher Bestandteil gesellschaftlicher Daseinsvorsorge organisiert ist. Die meisten Interviewten sind als Pflegekräfte oder MTAs in verschiedenen Häusern tätig. Vertreten sind die Unikliniken, die als Hochburgen des Kampfes um Personalbemessung bekannt geworden sind: Schleswig-Holstein, Jena, Düsseldorf und Essen sowie die Berliner Charité. Zwei Kolleginnen aus Berlin arbeiten bei Vivantes, außerdem kommt je eine aus dem psychiatrischen und aus dem Altenpflegebereich zu Wort. Ergänzt werden die Stimmen aus der Pflege durch Mitglieder des Vereins demokratischer Ärztinnen und Ärzte bzw. des Bündnisses »Krankenhaus statt Fabrik« und hauptamtliche ver.di-Leute. Wer an den Auseinandersetzungen in letzter Zeit näher dran war, wird einige bekannte Namen entdecken.
Einhellig wird der Ökonomisierungsdruck zurückgewiesen, werden die Finanzierung nach Fallpauschalen und die Privatisierung von Einrichtungen abgelehnt. In diesen Forderungen und den allgemeiner gehaltenen Aussagen zu den Entwicklungen der Krankenhausökonomie hätte manche Wiederholung vielleicht durch strengere redaktionelle Eingriffe kürzer gehalten werden können.
Interessant sind die Beiträge aber wegen ihres Detailreichtums. Der Wandel betrieblicher Abläufe, Auswirkungen des Drucks auf Behandlungsqualität wie auf die Psyche der Arbeitenden, sachkundige Kommentare zu Fehlentscheidungen und Alternativen auf kommunal-, landes- und bundespolitischer Ebene und nicht zuletzt Erfahrungen mit unterschiedlichen Mobilisierungsansätzen und innergewerkschaftlichen Konflikten kommen zur Sprache.
So wenig die Schilderungen aus dem medizinischen Alltag geeignet sind, das Zutrauen ins deutsche Krankenhauswesen zu stärken, so sehr ist das Buch in seiner politischen Botschaft ermutigend. Wer sich einen Systemwechsel im Gesundheitswesen vornimmt, hat ein dickes Brett zu bohren, aber die Löcher sind schon nicht mehr zu übersehen. Und diejenigen, denen diese Löcher zu verdanken sind, lassen keinen Zweifel daran, dass sie weitermachen werden.
(StS)
Quelle: „express – Zeitung füpr sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit“ Nr. 22/2020
Wir danken für die Abdruckgenehmigung.
Bezug des Buches hier: https://diebuchmacherei.de/produkt/martkt-zerfrisst-gesundheitswesen/
Appell von Esther Bejarano, aus dem Jahre 2019



Appell von Esther Bejarano
vorgetragen auf der
Künstler-Konferenz
“Manifest für Gegenkultur”
von Melodie und Rhythmus
Veranstaltungsort:
Heimathafen Neukölln
Musik: Bella ciao
Interpreten:
Konstantin Wecker, Esther Bejarano,
Moshe Zuckermann, Rolf Becker, Shekib Mosadeq
u. a. sowie die Zuschauer und Gäste
Mit freundlicher Genehmigung von
M&R-Künstlerkonferenz
Foto und Bearbeitung:
Ingo Müller
rec: ingmue1957
Berlin, 08.06.2019
Foto und Video: Ingo Müller. 2019.