Einladung zur Veranstaltung:
EISENBAHNER IM WIDERSTAND
vergessene Gegner des NS-Regimes
Ein Film von Hermann Abmayr
Wo: Xenon Kino, Kolonnenstr. 5-6
Wann: Samstag, 17. Juni 2023 um 15:30 Uhr

Himmlers „bestgehasster Mann Bayerns“: Jakob Boulanger (08.01.1897 – 16.03. 1968)
Von Jutta Harnisch
1957 erschien im Verlag Volk und Welt Din Buch mit dem Titel „Eine Ziffer über dem Herzen“. Der Einband war mit einem roten Dreieck und der Ziffer „24073“ sowie dem Untertitel „Erlebnisbericht aus zwölf Jahren Haft von Jakob Boulanger, aufgezeichnet von Michael Tsches-no-Hell“ versehen.

Im Vorspann heißt es:
„Jakob Boulangers Bericht ist so hart
wie die Betonzelle im KZ-Bunker,
in der er viele Jahre
seines Lebens zubringen mußte.
Er ist so hart wie die Ketten,
an die er geschlossen war.
Aber er ist zugleich menschlich,
kraftvoll menschlich.
Alles, was ich nach Erzählungen
und Niederschriften
Jakob Boulangers aufzeichnete,
beruht auf Tatsachen,
die jederzeit überprüfbar sind.
Michael Tschesno-Hell“
Häftling Himmlers
Auf 151 Seiten berichtet Jakob Boulenger von acht Jahren in faschistischen Konzentrationslagern im Anschluss an 38 Monate im Zuchthaus. Ab September 1936 verbringt er elf Monate angekettet im Bunker des KZ Dachau in isolierter Dunkelhaft. Doch: „Revolutionäre haben einen starken Willen zum Leben.“ Verlegt in eine helle Zelle, steht ihm eines Tages Reichsführer-SS Heinrich Himmler, umgeben von hohen SS-Offizieren, gegenüber: „Meine Herren, hier sehen Sie einen ganz seltenen Vogel. Das war der bestgehaßte Mann in Bayern.“— Boulanger muss eine hervorragende politische Arbeit gegen die Nazis geleistet haben, um sich solchen Hass zuzuziehen. Fortan wird er als besonderer Häftling Himmlers angesehen.
Im September 1939 wird Boulanger mit anderen Bunkerinsassen aus Dachau ins KZ Buchenwald verlegt. Dort regiert den Bunker Hauptscharführer Sommer, „der schrecklichste von all den SS-Bütteln, die ich in meiner langen Haftzeit kennengelernt habe“. Die Bunkerhäftlinge müssen von 4.30 Uhr morgens bis 21 Uhr abends stehen. Davon bekommt man Wasser in den Beinen. „Wasser in den Beinen aber ist gleichbedeutend mit einem Todesurteil …“ Denn wer sich krankmeldet, erhält
eine Todesspritze. „Also hieß es gehen, in einem fort gehen … vier Schritte zum Fenster, vier Schritte zur Tür… Stunde um Stunde, Tag um Tag, Monat um Monat, Jahr um Jahr.“ Täglich um die 26 Kilometer, rechnet er aus. Doch noch viel quälender ist „dieses ewige Nichtstun“ und „das Grübeln über die eigene Lage. … Tag für Tag die Frage, … wie lange man das physisch und psychisch noch ertragen kann“. Er stellt sich Aufgaben unterschiedlichster Art, die er im Kopf lösen muss.
Vom Schicksal hartgeklopft
Hunger, Durst, Kälte, Krankheit, Schlaflosigkeit — das alles kann Jakob Boulanger nicht brechen. Zudem muss er in seiner Bunkerzelle die Torturen und Morde an den Kameraden mit anhören und ohnmächtig erleben. wie gute Freunde neben ihm zugrunde gehen. „Mich hat das Schicksal hartgeklopft“, schreibt er. Am Weihnachtsabend 1939 händigt ihm Sommer einen Brief vom Gericht mit der Scheidungsklage aus. Das Urteil ist bereits gefällt. Boulan-ger, fassungslos und völlig verzweifelt, beschreibt, wie er in diesem Moment beinahe sein Leben beendet hätte.
Im Frühjahr 1943 kommt Boulanger ins KZ Mauthausen. Er wird von einem Häftling sofort beiseite genommen und eine Zeit lang im „Russenblock“ versteckt, anschließend dem Arbeitskommando im Lebensmittelmagazin zugeteilt — beides auf Betreiben des illegalen Lagerkomitees. Von ihm erhält er auch den Auftrag, zusätzliche Lebensmittel für schwache und kranke Kameraden zu beschaffen.
Am 5. Mai 1945 wird das KZ Mauthausen von US-amerikanischen Panzern erreicht. Jakob Boulanger ist frei.
Biografie
1897 in Köln als Sohn eines Schuhmachers geboren, lernte Jakob Boulanger Kunstschmied. Seit 1915 gehörte er dem Deutschen Metallarbeiter-Verband an. 1916 zum Kriegsdienst eingezogen, beteiligte er sich als Soldat an der Ostfront 1917 an Verbrüderungsaktionen mit russischen Soldaten. 1918 zunächst
Mitglied in der USPD, schloss er sich dem Spartakusbund an und wurde Gründungsmitglied der KPD. In den nächsten Jahren war er als Betriebsratsvorsitzeder aktiv. Ab 1926 war er hauptamtlicher KPD-Funktionär: erst in Köln, ab 1927 Organisationssektretär des KPD-Unterbezirks Mittelrhein sowie Leiter des Frontkämpferbundes (RFB) in Nordbayern, ab 1929 Organisationsleiter und ab 1930 Politischer Sekretär der Bezirksleitung Nordbayern der Partei. 1932 wurde er für die KPD in den Bayerischen Landtag gewählt.
Boulanger nahm an der letzten Tagung des ZK der KPD in Deutschland am 7. Februar 1933 im Sporthaus Ziegenhals teil. Bereits unter Bedingungen der Illegalität wurde er im April 1933 Politischer Leiter der KPD in Thüringen, organisierte den antifaschistischen Widerstandskampf. Im Sommer 1933 wurde er verhaftet.
Nach der Befreiung war Jakob Boulanger in verschiedenen verantwortungsvollen Wirtschaftsfunktionen in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands (SBZ) und in der DDR tätig.
Im vergangenen Jahr wäre Boulangers 125. Geburtstag gewesen. vor wenigen Tagen war sein 55. Todestag. Ein Mann, der mit Charakter, Überzeugung und Willen zum Leben allen Grausamkeiten der Nazis trotzte, der mutig. standhaft, ungebrochen und mitfühlend geblieben war — jeden Tag aufs Neue.
Erstveröffentlichung; „Unser Blatt“ Ausgabe 81, April 2023
Jutta Harnisch ist Mitglied der Geschäftsführung der Berliner VVN BdA
Wir danken der Autorin für das Abdruckrecht.
Anlässlich des Tages der Pressefreiheit publizieren wir ein Erinnerungs-Email von Werner Ruhoff, Attac
Heute am Donnerstag, 04.05.23 findet wieder die Mahnwache für Julian Assanges Freiheit statt 18 bis 20 Uhr am Brandenburger Tor. Bitte kommt zahlreich und helft, gerade am Tag der Pressefreiheit auf das himmelschreiende Unrecht aufmerksam zu machen, dass dem Journalisten und Publizisten Assange seit Jahren angetan wird!❗️
„Hallo alle, ich gebe das zur Info weiter – um wieder bekannt zu machen, dass die
Mahnwache für Julian Assange seit jahren am 1. und 3. Donnerstag im Monat von 18 bis 20 Uhr am Brandenburger Tor vor der US-Botschaft stattfindet und von dort aus auch einen Schwenker zur britischen Botschaft macht.
Es gibt weltweit viele politische Gefangene, die misshandelt oder gefoltert werden – Aber hier im „Westen“ heuchelt man immer, dass dies nur im „feindlichen“ Lager passiert – wogegen Assange im Londoner Hochsicherheitsgefängnis ohne jegliches Gerichtsurteil seit mehr als 3 Jahren in Einzelhaft isoliert ist. Auch das ist psychische Folter, so der ehemalige UNO-beauftragte für Menschenrechtsfragen, Niels Melzer, der mit deutlichen Worten an die Öffentlichkeit trat.
Die deutsche Regierung vertraut auf die Rechtsstaatlchkeit der britischen Justiz. Bei den grünen Moralaposteln ist Schweigen im Walde! Auch für die Kollegen in den Leit(d)medien, die von Assanges Plattform profitierten, wird das Schicksal ihres Kollegen mit der drohenden Einschränkung ihrer Pressefreiheit kaum zum Skandal erhoben.
Und neben dem menschlichen Leid geht es um die Zukunft von Medienfreiheit (im Sinne der staatlichen Straffreiheit). Assange ist nicht einmal US-Bürger, aber wenn er an die USA ausgeliefert wird, drohen ihm bis zu 175 jahre Haft! Das ist ein endloser Zustand zwischen Leben und Tod.
Jede-r Journalist*in wird sich dann in Zukunft genau überlegen, über geheim gehaltene Schweinereien und Verbrechen zu berichten. Das sei hiermit noch einmal in Erinnerung gerufen
Vielen Grüße Werner R. „
Unser Bericht : Erster Mai Frankreich Impressionen und Nachbetrachtung